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Trip Baltic Sea Circle 2019 - Winter Edition Baltic Sea Circle 2019 - Winter Edition 23.02.2019 - 10.03.2019   Das Auto: mindestens 15 Jahre alt Die Zeit: 15 Tage Die Strecke: von Hamburg... Anke H. (DE)
Deutschland Estland Finnland Lettland Norwegen ... und 3 mehr

Baltic Sea Circle 2019 - Winter Edition

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Das Auto: mindestens 15 Jahre alt
Die Zeit: 15 Tage
Die Strecke: von Hamburg aus rund um die Ostsee
Die Zeit: Winter. Tiefster Winter.

Klingt ein bisschen verrückt, wenn die Beifahrerin weder Orientierungssinn noch warme Füße hat. Aber genau das reizt uns. Und natürlich auch die Aussicht auf tolle Landschaften, interessante Menschen, knifflige Straßenbedingungen, lustige Aufgaben und hin und wieder auch Polarlicht-Abende. Es wird (zumindest für uns) spannend, 15 Tage lang Konfliktfähigkeit, Problemlösefähigkeit, Teamfähigkeit und vermutlich noch zig andere "Social Skills" zu testen. Wir werden hier berichten, wie es läuft...

Means of Transport
Auto
  • 24Apr 2018

    1 Aller Anfang ist schwer 24.04.2018 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Vor ein paar Wochen stolperten wir in einer Fernsehsendung über die Rallye und waren uns einig: das ist unser Ding! Ja, Streit ist vorprogrammiert. Ja, kalte Füße natürlich auch. Vielleicht auch eine Panne.. oder zwei... Aber spannend wird es!
    Nun ist es noch fast ein Jahr bis zum Start der Tour, die Anmeldung ist erfolgt. Unser Motto: Langsam, aber unfassbare Extras. Die müssen wir uns noch einfallen lassen, aber vorher steht noch genügend Arbeit an. Das Wichtigste: ein Auto finden. Damit beschäftigen wir uns nun intensiv und schwanken nahezu täglich, was die beste Wahl wäre. Was auf gar keinen Fall in Frage kommt ist der Schrotthaufen namens Lada Niva, der seit Jahren im Famiienbesitz schlummert. Leider wirklich Schrott!
    Unser erstes Muss-Kriterium ist Geländegängigkeit. Aber dann fangen schon die schwierigen Dinge an. Muss das Auto lang sein, um auch darin übernachten zu können? Das Auto soll uns ja nicht nur um die Ostsee begleiten, sondern auch später noch nützlich sein. Welchen Kraftstoff bekommen wir überall? Wofür gibt es Ersatzteile? Was ist zuverlässig? Was bietet uns noch ein kleines bisschen Komfort? Die Suche beginnt!

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  • 24Jun 2018

    2 Der nächste Schritt 24.06.2018 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Die lange Suche hat ein Ende! Nach einigem Hin und Her haben wir uns letzten Endes für einen Japaner entschieden: unser "Familienzuwachs" heißt Jimny. Zwar ist das Auto zu klein, um darin zu übernachten, aber mal ehrlich: im Winter bei Minusgraden können wir uns sowieso Schöneres vorstellen. Und bei der nächsten Sommertour passt die Campingausrüstung prima in Dachboxen. Dafür punktet der Kleine mit Geländegängigkeit und der Erfüllung unseres Team-Mottos: Langsam, aber unfassbare Xtras :-)
    Ein bisschen was muss natürlich noch gemacht werden, aber dafür haben wir ja noch einige Monate Zeit. Vielleicht finden sich in der Zwischenzeit noch etwas bequemere Sitze? Und ein paar weitere Extras, die uns den Spaß an der Reise erhöhen - beispielsweise eine Möglichkeit, eine Heizdecke während der Fahrt zu betreiben (wobei der Veranstalter behauptet, die Rallye wäre keine Kaffeefahrt mit Heizdecke. Werden versuchen, das Gegenteil zu beweisen).... Wir werden weiter berichten.

    Fotos & Videos

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  • 23Jul 2018

    3 Eine Herzensangelegenheit 23.07.2018 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Was könnte es Schöneres geben als einen Urlaub, mit dem man auch noch etwas Gutes tut? Wir finden, damit ist allen geholfen und freuen uns daher ganz besonders, dass der Veranstalter unserer Rallye das Sammeln von Spenden für einen guten Zweck unterstützt. In den letzten Wochen haben wir hin und her überlegt, für welches Projekt wir antreten möchten. Nun haben wir uns für ein Projekt aus unserer Heimat entschieden: den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe. Sie begleiten schwer kranke Kinder und ihre Familien, stehen als Ansprechpartner für alle möglichen Fragen rund um Krankheit, Sterben, Tod und Trauer zur Verfügung und möchten gerne im nächsten Jahr wieder ein Familienwochenende organisieren. Wir finden den Einsatz und die Idee klasse und freuen uns über jeden Euro, der gespendet wird. Schon einmal vielen Dank an alle!

    https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/31272-bscwinter2019-team-schwarzes-gold

    Die Entscheidung fiel im Juli 2018 - die Rallye ist also noch weit, weit weg. Haben aber schon ein paar Ideen, wie wir dem Projekt und dem Spendensammeln kurz vor Beginn der Rallye etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen können. Die Idee, Musikwünsche auf der langen Fahrt gegen Spendengelder entgegenzunehmen, wurde übrigens leider aufgrund des alten Autoradios fallen gelassen. Aber wir überlegen weiter!

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  • 07Dec 2018

    4 Alles neu macht der Dezember 07.12.2018 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Nach einigem Schrauben am Jimny und anschließenden Testfahrten entschieden wir uns doch gegen die Rallyeteilnahme mit diesem Gefährt; wir hätten ihn leider nicht so umbauen können, dass ein auch nur annähernd praktisches Reiseauto daraus geworden wäre. Immerhin war er eine super Hilfe beim Transport eines Heimtrainers während eines Umzuges!
    Die erneute Suche fand relativ schnell ein Ende: während eines Einsatzes in Bayern konnte Christoph unseren "neuen Alten" abholen. Wir sind nun sehr stolze Besitzer eines Audi Allroad von 2004. Es ist wieder ein Benziner geworden, aber mit einem wesentlich größeren Tank, mehr PS, mehr Stauraum, mehr Bequemlichkeit (eine Sitzheizung!! :) ) und tatsächlich mehr Luxus, als wir wollten. Zum Beispiel ein Bose Soundsystem, vielleicht überdenken wir dann doch noch einmal die Idee, Spenden mithilfe eines Lokalradios und Musikwünschen der Zuhörer zu sammeln.
    Das einzige Problem: als L. wie Lahm kann man unser Auto nun wirklich nicht mehr bezeichnen. In den nächsten Wochen werden wir also nicht nur den Audi aufrüsten, sondern auch über einen neuen Teamnamen sinnieren müssen.

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  • 18Dec 2018

    5 Trommelwirbel - der neue Name ist.. 18.12.2018 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Unser bisheriger Name passt ja leider nicht mehr zum "neuen" Auto. Kurz gesagt: in Hinblick auf das Ende der Steinkohlen-Ära und der (stellenweise eher ursprünglichen) Farbe unseres Wagens entschieden wir uns für SCHWARZES GOLD. Immerhin dürfte uns nun auch die Gestaltung des noch fehlenden Teamlogos etwas leichter fallen ;-)
    In diesem Sinne: Glück Auf!

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  • 23Dec 2018

    6 Urlaubsgrüße gefällig? 23.12.2018 Deutschland —

    Münster, Deutschland

    Beschreibung

    Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr gerne reisen und ab und an auch mal Postkarten verschicken (auch wenn die Texte im Lauf der Zeit immer kürzer werden).
    Bei einigen Heißgetränken auf dem Münsteraner Weihnachtsmarkt kam Freunden von uns eine grandiose Idee, wie wir mehr Spenden für das Kinder- und Jugendhospiz sammeln können: wir verschicken Postkarten gegen Spenden!
    Das Gebot aus dem Freundeskreis liegt momentan bei 10 Euro pro Postkarte aus dem gewünschten Land oder den gewünschten Ländern. Noch einmal zur Erinnerung, welche es hoffentlich sein werden:

    Deutschland (Hamburg)
    Dänemark
    Schweden
    Norwegen
    Finnland
    Russland (St. Petersburg + Kaliningrad)
    Estland
    Lettland
    Litauen
    Polen

    Wir hoffen auf rege, aber nicht allzu rege Beteiligung, da wir sowohl die Postkarten als auch das Porto aus unserer eigenen Urlaubskasse bezahlen ;-)
    Zur Erinnerung: Spenden laufen über https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/31272-bscwinter2019-team-schwarzes-gold und gehen direkt an den Empfänger und nicht auf unser Konto. Die Spendensammlung endet am 10. März 2019 mit Zieleinfahrt in Hamburg, daher bitten wir euch um frühzeitige Spende. Und damit wir bei den hoffentlich einigermaßen vielen Anfragen den Überblick behalten, haben wir eine e-Mail-Adresse eingerichtet:

    schwarzgesgold[at]gmx.net

    Schreibt uns gerne eure Postkarten-Wünsche und die jeweilige Adresse, an die die Postkarte geschickt werden soll. Die Adressen löschen wir natürlich, sobald die Rallye vorbei ist.
    Schon einmal vielen Dank an alle, die sich beteiligen!

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  • 03Jan 2019

    7 Bastelspaß 03.01.2019 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Wir sind zwar schon vollauf begeistert vom Audi, aber ein paar Basteleien stehen doch noch an. Während Christophs Weihnachtsurlaub war er fleißig und tingelte zwischen einem Gladbecker Autoteile-Händler und der Werkstatt hin und her. Was ist nun alles passiert?

    - Eine Ersatzbatterie ist eingebaut
    - Der Spannungswandler ist eingebaut und bereit für die elektrische Heizdecke
    - Diverse Sicherheitsvorkehrungen wie ausreichend Warnwesten, ein neues Erste-Hilfe-Set sowie ein Feuerlöscher sind organisiert
    - Ein CB-Funkgerät wurde aus den Tiefen des Kellers geholt, entstaubt und eingebaut
    - Eine Vielzahl von weiteren Kleinigkeiten wurde erledigt

    Und last, but not least die spaßigste Neuerung:
    - Zwei Zusatzscheinwerfer an der Front wurden an einer eigens gebauten Halterung befestigt

    Die Bezeichnung Zusatzscheinwerfer lässt allerdings nicht einmal ansatzweise erahnen, wie hell dieses Licht ist. Liebevoll bezeichnen wir es nun nicht mehr als Fernlicht, sondern als Entfern-Licht. Also liebe Drängler, Wegabschneider oder sonst wie nervigen Wegbegleiter: nehmt euch in Acht! ;-)

    Damit sind die Umbauarbeiten aber noch nicht beendet. Wir sind noch auf der Suche nach einer passenden Dachreling, damit wir unsere Ersatzreifen mit Spikes mitnehmen können. Apropos: die richtig guten Winterreifen und die Spike-Reifen sind bestellt und werden freundlicherweise noch in den nächsten Tagen aufgezogen. Außerdem fehlt noch die Halterung fürs Bierfässchen, der Geistesblitz dazu kommt bestimmt noch... hoffentlich. Zum Glück sind es noch über 7 Wochen bis zum Start!

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  • 17Jan 2019

    8 Besuch beim Radio 17.01.2019 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Aufregung pur am frühen Morgen!
    Dank eines Freundes durften wir pünktlich um 7 Uhr früh zur besten Sendezeit in die Radiowelt hineinschnuppern. Schon Tage vorher stieg die Aufregung, vor allem, weil es ein Live-Interview werden sollte. Schon am Tag vor dem Interview wurde unser Projekt und unser Besuch mehrfach vorgestellt, was einige Fragen aus dem Freundes- und Familienkreis nach sich zog und nicht gerade zu unserer Entspannung beitrug.
    Den Weg zum Radiosender wollen wir lieber nicht näher erläutern, nur so viel: die Ampeln waren nicht gerade unser Freund. Gerade noch pünktlich klingelten wir an einem ziemlich unscheinbaren Haus in Gelsenkirchen-Buer, wurden super freundlich empfangen und waren erstaunt, dass so früh am Morgen drei Redakteure, der Moderator Lennart Hemme und eine Reinigungskraft anwesend waren. Ganz kurz klärten wir noch ein paar Details zur Rallye, wurden vor die Mikros gestellt und dann ging es auch schon los. Knappe vier Minuten später war der Spuk vorbei, unsere Aufregung legte sich und wir hofften einfach, nicht allzu viel Mist erzählt zu haben.

    https://www.facebook.com/Radio.Emscher.Lippe/posts/10155877619887050

    Uns wurden noch ein paar Kniffe und Tricks im Radio-Business gezeigt und dann waren wir 20 nach 7 auch schon wieder auf dem Rückweg. Tolle Erfahrung, eine schöne Geschichte und hoffentlich eine gute Hilfe beim Spenden sammeln!

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  • 23Jan 2019

    9 Es werde.. ein Rallyeauto! 23.01.2019 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Man merkt uns an. dass der Start immer näher rückt und uns fällt umso mehr ein, was unbedingt noch zu tun ist. Das Wichtigste: unserem Auto endlich einen waschechten Rallye-Look verpassen!
    Wochenlang haben wir sehnsüchtig darauf gewartet und nun ist es endlich da, ein Paket vollgepackt mit tollen Sachen (und unserer Startnummer). Gleichzeitig meldete sich auch die Werbeagentur, dass unser Logo auch als Aufkleber in Seitentür-tauglicher Größe da ist. Tja, und deshalb haben wir die erste Spritztour im Gladbecker 1cm-Tiefschnee verschoben und lieber das Auto gewaschen, die Aufkleber-Positionen austariert, geklebt, gefönt, geflucht... aber wir finden, es hat sich gelohnt!

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  • 14Feb 2019

    10 Winter-Fahrspaß bei Fast-Tshirt-Wetter 14.02.2019 Deutschland —

    Hamm, Haltern am See, Deutschland

    Beschreibung

    Auch wenn die aktuellen Außentemperaturen nicht gerade winterlich sind, hoffen wir immer noch auf viel Schnee und schöne Winterpisten.
    Um noch einmal kontrolliert das Fahren auf winterlichen Straßen zu üben, buchten wir spontan ein Winter-Fahrsicherheitstraining bei einem bekannten Automobilclub. Unser Fazit: super Sache, haben das Auto noch einmal besser kennengelernt, sind ordentlich herumgeschleudert und hatten dazu auch noch jede Menge Spaß.
    Seitdem murmelt der eine oder andere Teilnehmer möglicherweise das Motto des Trainings im Schlaf:
    Weit blicken, weich lenken, hart bremsen!

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  • 17Feb 2019

    11 Lasset das Packen beginnen 17.02.2019 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Nach so vielen Monaten Wartezeit rückt der Start langsam, aber sicher näher und somit wird es Zeit für die letzten Reparaturen am Auto und das Organisieren wichtiger und unwichtiger Kleinigkeiten für die Tour.
    Die ersten Dinge sind auch schon verstaut: auf dem Dach schleppt der Audi nun schon einmal die vier Winterreifen mit Spikes mit, die wir frühestens in Schweden aufziehen dürfen. Dazu kuscheln sich zwei kleine Ersatz-Benzinkanister und eine Schneeschaufel in die selbstgebaute Dachkonstruktion. Im Kofferraum sind auch schon die Schneeketten, ein Abschleppseil und und und. Mal sehen, wie viel Platz später noch für Kochutensilien, Lebensmittel und Klamotten bleibt.. :-D

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  • 18Feb 2019

    12 Fotogutscheine gegen Spende abzugeben! 18.02.2019 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Tolle Nachricht von unserem Fotobuch-Anbieter Saal Digital: sie möchten unsere Tour und unser Spendenprojekt ebenfalls unterstützen und stellen uns 10 x 25 €-Gutscheine zur Verfügung, die wir nun gerne gegen eine Spende an das Ambulante Kinder- und Jugendhospiz in gute Hände abgeben möchten.
    Bei Interesse meldet euch gerne bei Anke bzw. unter schwarzesgold[at]gmx.net!

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  • 20Feb 2019

    13 Es (ist) war noch Platz auf dem Auto! 20.02.2019 Deutschland —

    Buer, GE, Deutschland

    Beschreibung

    Beim Anblick des Audis fielen uns die vielen schwarzen Stellen auf, die neben den Rallye-Aufklebern bestehen: mehr als genug Platz für Sponsoren-Aufkleber, dachten wir uns. Bei der Gestaltung unseres Teamlogos war uns schon die Gladbecker Werbeagentur Yes Oui Si behilflich, und auch die Gestaltung und den Druck der Aufkleber haben wir gerne den Experten überlassen. Netterweise wurde uns sogar das mühselige Anbringen abgenommen und nun sieht der Audi wirklich nach Rallye-Wagen aus.

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  • 22Feb 2019

    14 Auf geht’s nach Hamburg 22.02.2019 Deutschland —

    Altonaer Fischmarkt, Hamburg, Deutschland

    Beschreibung

    Der Vorabend bot noch ein wenig unerwünschte Spannung: genau einen Tag vor der Abfahrt überraschte uns der Auspuff mit Geräuscheffekten. Was so ein kleines Loch ausmachen kann… Also sind wir zum gefühlt 3049. Mal in letzter Zeit beim Autoteile-Händler vorbeigefahren, haben uns Auspuff-Abdichtungs-Paste gekauft und schauen, wann wir Zeit zum Loch finden und stopfen haben.
    Als Ausgleich für die Aufregung stand für uns ein schönes Abschieds-Frühstück in den Urlaub mit den Familien in Münster an. Auch die ersten vergessenen Utensilien fielen uns auf, mal sehen, wie lang die Liste noch wird:
    - Ankes Sonnenbrille
    - Christophs Deo
    Ankes Schwägerin konnte mit einer Sonnenbrille aushelfen und auch Deo sollten wir noch erwerben können, bei so Kleinigkeiten kann es gerne bleiben.
    Am späten Nachmittag trafen wir in Hamburg ein und konnten den Wagen direkt am Startplatz vor dem Strand Pauli abstellen. Pünktlich zu 18 Uhr trudelten einige Teams in der Brauerei-Kneipe ÜberQuell zur Pre-Party ein. Bei Bier und Pizza wurden die ersten Allianzen geschmiedet, wir werden vermutlich die ersten Etappen mit den beiden Niederländern Ron und Remco bestreiten. Mit den beiden sind wir dann auch noch im Irish Pub auf der Reeperbahn versackt und sind gespannt, ob Remco sein Versprechen, in Schweden zu Helene Fischer auf dem Tisch zu tanzen, einlösen wird.

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  • 23Feb 2019

    15 ENDLICH geht es los 23.02.2019 Schweden —

    Kristianstad Ö, Schweden

    Beschreibung

    Morgens erwartete uns pünktlich zum Start des Abenteuers schönster Sonnenschein in Hamburg. So viel Trubel hatten wir ehrlich gesagt gar nicht erwartet, aber neben den Teams schauten mehrere hundert Besucher die Autos und Teilnehmer an.
    Im ÜberQuell bekamen wir endlich das mit viel Spannung erwartete Roadbook, ein paar Aufkleber, jeweils 4 Flaschen Bier und eine braune Tüte. Natürlich konnten wir es uns nicht verkneifen, die braune Tüte zu öffnen – der Inhalt war doch etwas überraschend und erst ein bisschen Herumblättern im Roadbook gab Aufschluss, was wir DAMIT denn bitte anfangen sollen. Aber davon berichten wir später!
    Ansonsten gab das Roadbook schon viel Anlass zum Lachen, die enthaltenen Challenges versprechen viel Spaß. Als Beweis für die Erfüllung der Aufgaben müssen wir später noch Fotos einkleben, daher haben wir schnell die erste kleine Aufgabe erfüllt und ein Foto mit Spaziergängern gemacht, die unsere im Roadbook mitgelieferte Büroklammer gegen einen Schlüsselanhänger getauscht haben. Wir sollen nun in jedem Land weiter tauschen; mal sehen, was beim Zieleinlauf herauskommt.
    Riesig gefreut haben wir uns über den Besuch von Freunden, die am Vorabend im ÜberQuell und nun auch zum Start vorbeikamen. Sie haben unseren Mitreisenden auch noch zu einem witzigen Tauschgegenstand verholfen: ein Mini-Glas Dijon-Senf gegen die Büroklammer.
    Unsere heutige Tagesaufgabe ist eine traditionelle Wikinger Reise-Weihe, für die wir unterwegs einen Stein von der dänischen Küste, einen möglichst grünen Zweig eines schwedischen Baums, Wasser von der Ostsee, ein Stück skandinavisches Eisen und ein Stück Seil organisieren müssen.

    Um 12 Uhr fiel der Startschuss und zum Glück waren wir relativ früh auf der Startbühne; bei einem der letzten Teams mit einem scheinbar zu schweren Porsche Cayenne ist ein Teil der Bühne etwas eingebrochen. Gut, dass wir schon weg waren! Aber auch der Wagen kann weiterfahren, eine Feder ist gebrochen und kostet vermutlich ein Vermögen, aber das ist ja nicht unser Problem.
    Am ersten und letzten Tag der Rallye dürfen wir noch die Autobahn benutzen, was für den ersten Tag schon einmal eine sehr große Hilfe war. Einige Teams starteten zur Nordseeküste, um eine Fähre Richtung Dänemark zu nehmen; wir entschieden uns für den Landweg und verließen nur kurz in Kolding die Autobahn, um zu tanken und einen Stein von der dänischen Ostseeküste für die Tagesaufgabe mitzunehmen. Beim Tanken konnten wir auch den nächsten Tausch erfüllen: den Schlüsselanhänger aus Hamburg konnten wir abgeben und erhielten eine benutzte Kaffeetasse, die vom Autofahrer immerhin noch kurz mit Wasser ausgespült wurde. Der Schlüsselanhänger landet jetzt wohl bei einem Freund des Autofahrers, der selbst gerne mal so eine Tour mitfahren würde.
    Da wir noch nicht einmal die Hälfte des Tagesziels erreicht hatten, machten wir uns direkt wieder auf den Weg und fuhren weiter auf der E20 Richtung Kopenhagen. Für die Nutzung der Öresund-Brücke durften wir mal eben 53 Euro bezahlen, waren dafür aber schnell in Schweden und ließen Malmö links liegen – die größeren Städte werden wir irgendwann besichtigen, wenn wir mehr Zeit haben.

    Nun stand die Erfüllung unserer Tagesaufgabe an, wir näherten uns dem Ort Kåseberga, wo die 1.000 bis 1.500 Jahre alte Steinsetzung Ales stenar, die größte Grabsteinanordnung Schwedens, zu finden ist.
    Vorher mussten wir uns aber noch ein Stück skandinavisches Metall einheimsen. Ja, wir haben darüber nachgedacht, ein Straßenschild abzuschrauben, haben es uns dann aber doch verkniffen und bekamen von einem netten Tankstellen-Mitarbeiter nicht nur unseren nächsten Tauschgegenstand (einen Haufen Süßigkeiten und Werbemittel der Tankstellen-Kette Ingo), sondern auch einen metallenen Schlüsselanhänger in Form eines Abschleppwagens. Hoffentlich kein schlechtes Omen!
    Außerdem mussten wir noch einen möglichst grünen Zweig eines schwedischen Baums finden und wo kann man den besser finden als an einem McDonalds? Genau, das dachten wir uns auch. Frisch gestärkt mit unglaublich trockenen Falafel-Bällchen und einem klammheimlich „geborgten“ Tannenzweig machten wir uns auf den Weg zur Steinsammlung.
    Vor Ort waren schon ein paar Teams, die teilweise dort campen und die Aufgabe am nächsten Morgen erfüllen wollten. Aber wir hatten ja eine Taschenlampe dabei und irrten mit Stein, Zweig, Schlüsselanhänger, einem geliehenen Stück Seil von Ron und Remco sowie einer leeren Wasserflasche los. Ein Wegweiser informierte uns über ca. 1,1 km Fußweg und so konnten wir sogar noch eine kleine Nachtwanderung, vorbei an einer mobilen Sauna, unter dem Sternenhimmel unternehmen. Ein Abzweig zum Mini-Hafen des Ortes ermöglichte uns noch, echtes Ostsee-Wasser in die Flasche einzufüllen, und eine Weile weiter standen wir dann endlich vor Ales stenar.
    Wir hätten das Monument gerne bei Tageslicht gesehen, aber die Taschenlampen-Beleuchtung, die hellen Sterne und der kalte Wind verhalfen ebenfalls zu einem beeindruckenden Aufenthalt. Nachdem wir unsere Utensilien zusammengebunden und um einen der Steine herumgetragen hatten, durften wir sie in die Mitte der Steinanordnung legen und mit dem Ostsee-Wasser „weihen“. Na, wenn das mal kein Glück bringt!
    Der nächste Tag soll uns in die Gegend von Uppsala führen und damit mehr als 600 km Richtung Norden, also fuhren wir noch ein Stück weiter und fanden ein tolles B&B in Degeberga. Das Holzhäuschen duftete wie ein Saunaaufguss und war perfekt vorgeheizt, wir werden uns wohl gut erholen können für die nächste Etappe.

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  • 24Feb 2019

    16 Tag 2: Verbockt! 24.02.2019 Schweden —

    Centrum, Uppsala, Schweden

    Beschreibung

    Welch ein lehrreicher Tag!
    Wir wissen nun, dass Schweden sehr, sehr, sehr viele Golfplätze hat und auf Schildern vor Fasanendamen mit Küken warnt. Außerdem wissen wir, dass es nicht völliger Blödsinn ist, wenn im Roadbook Orientierungshinweise stehen. Und so kam es, dass wir nicht den Ort Ryd mit dem Auto-Friedhof inklusive ABBA-Tourbus fanden, sondern ein viel weiter nördlich gelegenes Kaff, in dem sie vermutlich noch nie von ABBA gehört hatten. Naja, draus gelernt und mit Humor genommen :-D
    Trotzdem hatten wir eine schöne Tour an der Ostküste Schwedens entlang und sind abends noch bis nach Uppsala gefahren, wo wir uns mit einem anderen Team zum Essen trafen.
    Wir werden eine kurze Nacht haben: morgen steht eine lange Etappe bis nach Wilhelmina an und (hoffentlich) auch ein Besuch in einem Geisterdorf.

    Bislang ist die Rallye noch etwas anstrengender, als wir gedacht hatten. Man hat wirklich kaum Zeit, irgendwo anzuhalten, sich die Beine zu vertreten, vielleicht eine kleine Wanderung zu unternehmen oder einfach die schöne Landschaft auf sich wirken zu lassen. Alleine heute hatten wir eine reine Fahrzeit von 9,5 Stunden, die auch für den Beifahrer anstrengend ist. Mit drei Straßenkarten auf weniger als 1 m² zu jonglieren ist gar nicht so einfach ;-) Da merkt man erst, wie verwöhnt wir als Navi-Nutzer so sind!
    Trotzdem: es macht super viel Spaß, auch wenn wir heute keine Tagesaufgabe lösen konnten. Überall treffen wir auf unglaublich nette, hilfsbereite Menschen und der Austausch mit den anderen Teams ist sehr lustig. Wir sind nur froh, dass wir noch nicht von aufgeschlagenen Schienbeinen (wie auch immer das im Auto passiert ist?!), Alkoholkontrollen der Polizei, heiß gelaufenen Bremsen und nicht startenden Motoren berichten mussten.
    Dank unserer Suche nach dem falschen Ryd sind wir immerhin schon über teils vereiste Schotterpisten gefahren, haben schöne Landschaften mit endlosen Feldern gesehen und haben momentan vermutlich das dreckigste Auto aller Teams. Ist ja auch was.
    Außerdem konnten wir noch einen Zwischenstopp im winterlichen Sonnenuntergang einlegen, um schon einmal von Winter- auf Spike-Reifen umzubauen und für die hoffentlich zu benutzende Ice Road morgen gewappnet zu sein. Nun muss nur noch das Wetter bei Östersund kalt genug für eine dicke Eisdecke sein, dann dürfen wir über einen See fahren!

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  • 25Feb 2019

    17 Ab durch Norrland 25.02.2019 Schweden —

    Vilhelmina, Schweden

    Beschreibung

    Von Uppsala nach Wilhelmina zu fahren, ohne die Autobahn zu benutzen, dauert. Heute früh im Hotel ernteten wir dafür eher ungläubige Blicke und viele gute Wünsche für die Fahrt („there’s a lot more snow up there, be careful!“). Da wir schon ahnten, dass uns ein langer Tag bevorsteht, sind wir früh los, puzzelten noch insgesamt 3 Straßenkarten für Schweden zusammen und entschieden uns für eine Route.
    Kurz hinter Uppsala begegneten uns bereits ein paar Teams, heute können wir also gar nicht SO falsch liegen. Im Roadbook wurde von einer im Winter geöffneten Eisstraße über den See Storsjön von Östersund nach Krokom berichtet; das wäre zwar ein Umweg, den wir aber gerne nehmen würden, um einfach mal über einen zugefrorenen See gefahren zu sein. Schon während der Fahrt fanden wir heraus, dass die Behörden vor Ort die Straße seit letztem Freitag gesperrt haben, da die Eisdecke nicht groß genug ist. Ein paar Kilometer weiter, an einer schmalen Stelle des Sees, gibt es aber noch eine sehr kurze Ice Road und die sind wir natürlich gefahren. Es ist schon ein komisches Gefühl, Spaß hat es aber definitiv gemacht!
    Auf einer Straße mitten in Schweden trafen wir die beiden Niederländer Ron und Remco wieder und wir beschlossen bei einem kurzen Tank-Stopp, heute in Kolonne zu fahren und natürlich auch unsere Challenge zu bestreiten.
    Die heutige Tagesaufgabe war das Finden eines Spuk-Hauses im Geisterort Borgvattnet. Hier sollten wir als Geist verkleidet ein Foto vorm Spuk-Haus aufnehmen. Wer echte Geister auf dem Foto hat, bekommt sogar noch Sonderpunkte. Wir haben ja beim Tanken letzte Tage von einem Tankstellen-Mitarbeiter einen Haufen Merchandise bekommen, darunter auch zwei Reflektoren in Geister-Form. Ob das wohl gilt?
    Schon die Fahrt nach Borgvattnet gefiel uns landschaftlich richtig gut, es wurde verschneiter, hügeliger, wir sahen noch mehr Seen und ein Team hat sogar schon einen Braunbären gesichtet. Ein deutliches Zeichen, dass wir uns endlich Lappland nähern - wir haben bislang leider nur ein paar Rentiere auf unserer Straße begrüßen dürfen. Bevor wir in Lappland ankamen, kraxelten unsere Wagen die teilweise mit Eisplatten bedeckten Straßen Richtung Geisterdorf hinauf. So anstrengend das Fahren bei diesen Bedingungen ist, es macht Laune! Am Spuk-Haus angekommen sahen wir schon ein paar andere Teams und in der Ferne war auch der näher kommende Unimog zu hören. Christoph bastelte aus durchsichtiger Plane und Panzertape einen Geist und der Reflektor in Geister-Form kam auch zum Einsatz. Inzwischen war es schon nach drei Uhr und vor uns lag noch der knapp 200 km lange Weg nach Wilhelmina, also ließen wir uns nicht allzu viel Zeit, machten ein paar Fotos und sattelten wieder auf. Die Vorfreude auf die nächsten Tage ist definitiv vorhanden, nach einer Ice Road-Challenge am nächsten Morgen steht eine Fahrt quer durch Lappland Richtung norwegischer Westküste, genauer gesagt bis zum Fährhafen auf die Lofoten, an. Und so feierten wir auch schon ein wenig das Verkehrsschild, das uns in Lappland willkommen hieß.
    Der Weg nach Wilhelmina wurde auch noch eine eigene kleine Challenge – zum Glück nicht für uns, unsere Spike-Reifen bieten unglaublich guten Grip sogar bei vollkommen vereisten Straßen und auch unsere Mitreisenden, Team 35, fahren mit Spikes. Im Dunkeln kamen wir am Hotel in Wilhelmina an und erfreuten uns am Anblick des Hotel-Parkplatzes voller Teilnehmer-Autos. Einige fehlten aber noch und über WhatsApp erreichten uns immer mehr Nachrichten von Teams, die im Graben gelandet sind oder aufgrund der Eispisten sehr, sehr, sehr langsam fahren mussten. Es sind aber alle heil angekommen, die Teams haben sich untereinander prima geholfen – nur der Unimog musste von der Feuerwehr aus dem Graben geholt werden, da er mit seinen eher schlecht für den Winter geeigneten Reifen von der Straße abgekommen und im Graben noch auf die Seite gekippt ist. Aber auch bei den Jungs ist alles gut!
    Bei ein paar Bierchen wurden noch die unterschiedlichen Optionen für den Folgetag diskutiert. Eins ist sicher: nach dem Driften auf der Ice Road führt der Weg für uns alle nach Norwegen durchs winterliche Lappland. Wer möchte, kann „schnell“ (also langsam, aber ohne zwischendurch irgendwo etwas länger anzuhalten) Richtung Bodø fahren und die Nachmittags-Fähre um 16:45 Uhr auf die Lofoten nehmen und dann dort übernachten. Für alle, die die Landschaft hier genießen wollen, gibt es auch noch eine Fähre um 01:45 Uhr nachts, da schläft man dann einfach vorher ein bisschen im Auto und später auf der Fähre noch einmal. Und für diejenigen, die gar nicht auf die Lofoten fahren wollen, gibt es noch eine Alternative an der Küste entlang. Wir haben uns für die gemütliche Tour heute und eine eher ungemütliche Nacht entschieden und die Fähre um 01:45 Uhr gebucht und hoffen auf Bären, Elche, Rentiere und fantastische Landschaften!

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  • 26Feb 2019

    18 Die Aufgabe, die wir nie machen wollten… 26.02.2019 Norwegen —

    Bodø, Norwegen

    Beschreibung

    Der heutige Tag startete ganz entspannt mit einer fantastischen Aussicht vom Hotelzimmer aus auf den Sonnenaufgang über dem zugefrorenen See. Der erste Höhepunkt des Tages sollte ab 9 Uhr in der Nähe von Wilhelmina beginnen, eine Piste zum Driften auf einem weiteren vereisten See war für die Rallyeteilnehmer abgesperrt. Bevor wir uns dorthin begaben, wagten wir einen Ausflug in den örtlichen Supermarkt und ernteten eher viel Gelächter und wirklich skeptische Blicke.
    Eigentlich hatten wir ja gesagt, dass wir – sollte die Aufgabe, eine geöffnete Dose Gammelfisch für 200 km im Auto zu transportieren, wirklich kommt – diese auslassen. Aus einer Bierlaune heraus entschieden wir uns dann doch für das Experiment und suchten die kleinste Dose Surströmming, die wir finden konnten. Dazu kauften wir noch eine Dose Kekse und ein Raumspray. Mal schauen, ob der Geruch tatsächlich erträglich ist, wenn man die Dose Gammelfisch unter Wasser (in der dann leer gefutterten Keksdose) öffnet und transportiert.
    Die Möglichkeit zum Driften auf dem Eis wurde von fast allen Teams gut genutzt, vielleicht hilft es auch dem ein oder anderen, heute keinen Ausflug in den Straßengraben zu unternehmen. Gestern waren wohl insgesamt 3 oder 4 Teams kurz fernab der Piste unterwegs und ein Team schraubte morgens noch fleißig am Unimog, vielleicht ist doch noch etwas beim Umkippen im Graben kaputt gegangen. Die Land Rover haben fast alle schon die Hilfe des Werkstattwagens in Anspruch genommen, ein anderes Team hat sich einen Riss in der Ölwanne geholt und verbrachte den Morgen in der Werkstatt. Wir haben bislang (abgesehen vom kleinen Loch am Auspuff, das den Audi eher wie einen Traktor klingen lässt) keine Probleme und konnten ordentliche Schlenker und Drehungen auf der Drift-Piste hinlegen. Von einer Pirouette gibt es sogar eine Drohnenaufnahme eines anderen Teams, auf die sind wir schon sehr gespannt. Zwischendurch ist der eine oder andere Wagen mal von der Strecke abgekommen und im Schnee stecken geblieben. Einen Bulli haben wir herausgezogen und bekamen als Dankeschön zwei Sohlenwärmer gegen kalte Füße. Die Jungs wissen, wie man Frau glücklich macht ;-)
    Die Gegend um Wilhelmina wird wohl aufgrund vieler extra gesperrter Pisten gerne von der Automobil-Industrie als Teststrecke genutzt und tatsächlich begegneten wir nach wenigen Minuten unterwegs dem ersten Erlkönig.
    Wir machten einen kleinen Umweg, um die größte Holzkirche Schwedens zu sehen. Diese steht in einem kleinen Kaff und hätte eigentlich viel kleiner sein sollen, aber angeblich wurden die Baupläne mit denen der Kirche in Östersund verwechselt. Naja, wie auch immer.. uns konnte eher die fantastische Landschaft auf dem weiteren Weg Richtung Norwegen begeistern. Die Straßen waren in Schweden noch teilweise vereist und nicht so schön zu fahren, außerdem schaffen es die schwedischen Straßenplaner, Haltebuchen immer an genau die Stellen zu setzen, an denen absolut gar keine Aussicht besteht, und sehr schöne Stellen weisen keinerlei Möglichkeiten zum kurzen Halten und Aussicht genießen auf. An einer der etwas weniger schönen Parkbuchten wagten wir uns an das Experiment Surströmming. Die Dose öffneten wir dank der vielen Warnungen extra schon außerhalb des Autos, aber auf die heimtückische Geruchsentwicklung waren wir trotzdem nicht ganz vorbereitet. Erst denkt man, es sei gar nicht so schlimm, aber dann! Unglaublich, wie man so etwas ernsthaft als Delikatesse bezeichnen kann! Remco und Christoph probierten sogar ein Stück und fanden den Geschmack okay, aber etwas sauer. Den Rest ließen sie aber doch für unser Beweisfoto Nummer eins, die geöffnete Dose im Auto neben unserem Kilometerstand, übrig. Die ersten 140 km merkten wir kaum etwas vom Fisch und freuten uns, dass wir nun die Tagesaufgabe erfüllen und gleichzeitig die schneebedeckten Landschaften links und rechts von uns genießen konnten. Aber dann, kurz vor der Grenze zu Norwegen, schlug der Fisch mit aller Macht zurück. Temperaturen von -0,5°C und Schneefall konnten uns nicht davon abhalten, zeitweise den Kopf aus dem Fenster zu stecken, um wieder ein wenig Luft atmen zu können. Da half auch das Raumspray nur bedingt. Kaum wähnten wir uns in Sicherheit, verströmte der Fisch wieder seinen widerlichen Geruch. Was freuten wir uns, als endlich die 200 km vorbei waren und wir die Dose aus dem Auto komplimentieren durften – theoretisch. Leider waren wir zu dem Zeitpunkt schon auf einer Pass-Straße in Norwegen, die völlig verschneit war und keinerlei Möglichkeiten zum Halten bot. Nach ganzen 246 km mit unterdrückten Würgreflexen hatten wir endlich die Chance, die Dose aufs Dach zu befördern und das Auto mit Durchlüften und Raumspray wieder „bewohnbar“ zu machen. Wesentlich entspannter fuhren wir weiter durch das Niemandsland, wo teilweise nicht einmal mehr Bäume wuchsen. Mitten im Nichts stand plötzlich ein halb eingeschneites Schild, das auf das Polarkreis-Museum und das Überqueren des Polarkreises hinwies. Im Schneestürmchen trauten wir uns immerhin kurz aus dem Auto, um den Moment zu feiern und ein paar Fotos aufzunehmen. Wieder einige Kilometer durch das Niemandsland später zeigte unsere Tank-Reichweite noch ca. 100 km an, das reichte nicht bis zu unserem Ziel. Allerdings hatten wir auch schon sehr, sehr lange keine Tankstelle mehr gesehen und waren dementsprechend froh, in einer kleineren Ortschaft endlich eine Tankstelle zu finden. So ging es wohl auch ein paar anderen Teams, plötzlich versammelten sich 7 Rallye-Autos um das Gebäude. Glücklicherweise wurde danach auch die Straße besser, aus der schneebedeckten, von Schlaglöchern übersäten Piste wurde eine ordentliche Asphaltstraße und da wir nun langsam wieder bergab fuhren und es wärmer wurde, waren auch Schnee und Eis kein Problem mehr.
    Mit dem Eintreffen im Fährhafen hatten wir endlich Zeit, uns mit der Route für die Lofoten und der nächsten Tagesaufgabe zu befassen. „Findet einen norwegischen Brieffreund“ heißt die Aufgabe und wir sind gespannt, ob das funktioniert! Zunächst standen wir aber vor etwas akuteren Problemen, dazu mehr im nächsten Eintrag.

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  • 26Feb 2019

    19 Wetterkapriolen 26.02.2019 Norwegen —

    Bodø, Norwegen

    Beschreibung

    Es war ja irgendwie denkbar, dass es mit dem schönen Wetter nicht so weitergehen kann. Norwegen zeigt sich uns von der etwas raueren Seite und das wurde uns erst am Fährhafen klar, als ein auf die Fähre wartender LKW mit den Worten „Ferry is cancelled, bad weather“ die Warteschlange verließ. Wie immer bei LKW-Fahrern war auch er gut informiert und hatte leider Recht (auch wenn der Fährbetreiber es nicht schaffte, eine offizielle Information herauszugeben). Mitten in der Nacht, als ein Team mit der Fähre direkt telefoniert hatte und diese ihr sagten, dass sie bei dem Sturm definitiv nicht fahren, begann die Suche nach einer Unterkunft. Die Hotels im Ort waren natürlich schon ausgebucht bzw. unverschämt teuer und die Campingplätze haben nur im Sommer geöffnet. Da wir nicht einsahen, einen Tag im Ort zu warten und auf besseres Wetter und die Fähre um 15:15 Uhr zu hoffen, beschlossen wir, am nächsten Tag an der Küste entlang weiter Richtung Norden zu fahren. Nach dieser Entscheidung ging aber das Problem erst richtig los, wo soll man um Mitternacht noch einen einigermaßen wettergeschützten Zeltplatz finden? Um es kurz zu machen: wir fanden ihn nicht und da wir alle ziemlich müde waren, entschieden wir uns für einen geschotterten Parkplatz. Um dem ganzen Schlamassel die Krone aufzusetzen, fing es genau in dem Moment, als wir mit Zeltaufbau begannen, an zu regnen und zu hageln. Die Nacht war dann aber doch besser als gedacht, zum Glück war es nur stürmisch und nicht allzu kalt. Trotzdem ließen wir uns heiße Suppe zum Frühstück schmecken und freuten uns auf eine Autofahrt zum Aufwärmen. Ab nach Norden, einen Brieffreund finden!

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  • 27Feb 2019

    20 Sooo müde 27.02.2019 Norwegen —

    Norwegen

    Beschreibung

    Nach der eher kurzen Nacht hielt sich unsere Motivation, die Tagesaufgabe zu erfüllen, arg in Grenzen. Wir wollten lieber ein wenig die Gegend und die Aussichten genießen. Nach einiger Zeit entlang schneebedeckter Bäume, Felsen und Seen erreichten wir einen kleinen Ort, an dem uns eine Fähre entweder weiter Richtung Narvik oder auf die östlichste der Lofoten-Inseln bringen sollte. Wir entschieden uns spontan, doch noch einen Abstecher auf die Lofoten zu machen – aber auch hier sahen wir primär Bäume und Felsen und etwas Schnee. Schön war es trotzdem, wir kommen irgendwann bestimmt mit mehr Zeit wieder, um uns die Lofoten in Ruhe anzusehen.
    Remco schickte uns Campingplatz-Vorschläge, die uns zunächst etwas verwirrten, bis wir feststellten, dass ein Campingplatz hier einen Namensvetter in Dänemark hat, der als FKK-Camping konzipiert ist. Der war aber nicht gemeint und dann konnten wir doch noch zustimmen, eine kleine Hütte auf dem Solbakken-Campingplatz zu mieten. Auf dem Weg dorthin fing es ordentlich an zu schneien. Ein weiteres Team aus Köln kam eine halbe Stunde nach uns auf dem Campingplatz an und wir konnten gemeinsam im Aufenthaltsraum kochen und Bier trinken. Leider schneite es immer noch, sodass wir keine Polarlichter sahen, aber die Prognosen für den nächsten Tag sehen vielversprechend aus. Der nächste Tag wird uns weiter Richtung Nordkap führen; wir wissen noch nicht, wo wir übernachten sollen, entweder auf einer kleinen Insel im Norden oder östlich der Lyngenalpen in der Hoffnung, dass dort das Wetter klar ist und wir endlich die Polarlichter sehen können. Und eine kleine Tagesaufgabe steht auch noch an, für 30 km werden die Beifahrer getauscht und Witze erzählt. Vielleicht finden wir ja am nächsten Tag noch einen echten norwegischen Björn / Jan / Anders?!

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  • 28Feb 2019

    21 Neuschnee, Elche und brauner Käse 28.02.2019 Norwegen —

    Skjervoy, Norwegen

    Beschreibung

    Morgens begrüßte uns die Welt frisch gezuckert, nachts hatten wir minus 9 Grad und unsere Autos waren von knapp 20 cm Schnee bedeckt. Bei einem gemütlichen Frühstück planten wir den kommenden Tag und verabredeten, gemeinsam mit den beiden Niederländern und den drei Kölnern eine Hütte auf der Insel Skjervøy für die nächste Nacht zu buchen. Die Kölner brachen schon etwas früher auf, wir halfen noch Remco und Ron, ihr Auto und vor allem das Dachzelt von Schnee und Eis zu befreien. Der Tag versprach fantastisch zu werden und hielt das auch. Es war zwar kalt, aber sonnig und es machte einfach Spaß, durch die Landschaft zu fahren. Bevor wir zu unserer Tagesaufgabe kamen, machten wir noch einen kleinen Umweg zum Målselvfossen. Nach einem kleinen Spaziergang kamen wir zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den auf ca. 600 m in Kaskaden hinabfließenden Fluss perfekt sehen konnte. Ron hatte wieder seine Drohne dabei und auch hier freuen wir uns auf ein tolles Video. Wir verlängerten unsere Pause ein wenig und genossen die tolle Aussicht und das schöne Wetter, bis ein über uns hinweg donnerndes Flugzeug vom nahen Flughafen die Ruhe störte und uns zum Rückweg antrieb. Schon einen Ort später wurde es Zeit, unsere heutige Tagesaufgabe zu erfüllen: wir sollten mit einem anderen Team die Beifahrer tauschen und uns gegenseitig Witze erzählen. Da wir am Vortag mit der Tagesaufgabe etwas geschludert hatten, fragten wir auch noch im Dorf herum, ob es einen Björn / Jan / Anders gäbe und tatsächlich wies uns jemand im Cafe darauf hin, dass es im Elektro-Geschäft in der Nähe sowohl einen Björn als auch einen Jan gäbe. Prima! Allerdings mussten wir nicht nur ein Foto von Björn / Jan und seinem Ausweis als Beweis machen, sondern auch mit einer Postkarte – es sollte ja ein neuer Brieffreund werden. Wir hätten nicht gedacht, dass sich das Suchen von Postkarten als derart schwierige Aufgabe gestaltet! Schon in Schweden hatten wir den Eindruck, dass es nicht wirklich viele Postkarten gibt und wenn es welche gibt, dann sind sie eher nicht so schön. In Norwegen ist es noch viel schlimmer, leider sind die Postkarten wirklich unschön, aber es hilft ja nichts. Im dritten Geschäft fanden wir welche und konnten uns dann auf den Weg zu den Brüdern Björn und Jan machen, die sich tatsächlich als Brieffreunde zur Verfügung stellten. Im Cafe erledigten wir dann auch noch die Länder-Aufgabe des Dinge-tauschens, allerdings wurden wir wohl etwas missverstanden und die nette Dame wollte uns unbedingt norwegische Spezialitäten gegen die schwedischen Tankstellen-Souvenirs geben. Und so kamen wir in den Genuss, braunen Käse probieren zu dürfen, der tatsächlich mit Karamell-Geschmack versetzt ist. Selbst für Zuckermäuler ist das eher gewöhnungsbedürftig. Neben ein paar Scheiben dieses Spezialkäses bekamen wir noch Papp-Kaffeebecher und echte norwegische Büroklammern als Tauschobjekt mit. Ob das nun eine Verbesserung zum Nippes von der Tanke war?! Egal, wir konnten jetzt sowohl an die gestrige Tagesaufgabe als auch an das Tauschgeschäft einen Haken machen und uns der heutigen Tagesaufgabe widmen. Christoph fuhr mit Ron voraus und Anke setzte sich zu Remco ins Auto und irgendwie schafften wir es, uns so zu verplappern, dass wir den eigentlichen Ort zum Wechseln verpassten und nicht nur die geforderten 30 km fuhren. Zwei Selfies später stellten Anke und Remco fest, dass sie über alles, aber nicht über Witze gesprochen hatten, während Christoph und Ron zu viele Witze ausgetauscht hatten, um sie ins Roadbook einzutragen. Nun steht bei beiden der Tomaten-Witz aus Pulp Fiction im Roadbook, das soll wohl niemanden stören.
    Wir hatten weiterhin tolles Wetter mit viel Sonnenschein und dementsprechend boten sich viele grandiose Aussichten auf die Lyngenalpen. Als ob wir nicht schon begeistert genug gewesen wären, zeigten sich uns heute auch endlich die ersten Elche unserer Reise – leider ohne Fotobeweis, da wir auf der Straße nicht mal eben anhalten konnten. Dafür bangten wir um die Aussicht auf Polarlichter am Abend, es zog eine dicke Wolkendecke auf und leider benötigt man für Polarlichter einen klaren Himmel. Daumen drücken ist angesagt! Aber da sich die Wolken weiter zuzogen, hoffen wir einfach auf den nächsten Tag, wo wir noch weiter nördlich in Honningsvåg übernachten werden; unsere letzte Station vorm Nordkap.

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  • 01Mar 2019

    22 Wir sind ja flexibel… 01.03.2019

    Honningsvåg

    Beschreibung

    Am Vorabend saßen wir mit insgesamt 4 Teams in unserer gebuchten Hütte gemütlich zusammen, grillten, leerten einige Biervorräte (mal sehen, was die russischen Grenzbeamten zum leeren Stauder-Fass sagen) und tauschten Geschichten, Fotos und Videos aus. Der Weg nach Honningsvåg sollte eigentlich nicht allzu lang sein und wurde mit ca. 6 h Fahrtzeit angegeben, daher einigten wir uns auf ein gemütliches Frühstück um 7:30 Uhr und Abreise inkl. Bezahlung der Hütte um 9 Uhr.
    Nebenbei hatten wir auch noch viel Zeit, auf unserer Terrasse zu stehen und DIE POLARLICHTER ZU SEHEN! JUHU! So deutlich haben wir sie noch nie gesehen, überwiegend grün, aber zwischendurch war auch etwas rot mit dabei. Alle waren fasziniert vom Naturschauspiel und irgendwie dachte niemand darüber nach, dass die einsetzenden Wolken ein schlechtes Zeichen sein könnten.
    Tja, das norwegische Wetter belehrte uns eines Besseren, von wegen gemütliche Fahrt!
    Um halb 7 brach plötzlich geschäftiges Treiben in der Hütte aus, da es über Nacht wieder ordentlich Schnee gegeben hatte und auf norwegischen Internetseiten von Streckensperrungen auf der E6 und der E69 zu lesen war. Prima, dass das exakt die beiden Straßen waren, die wir benutzen mussten; andere Wege in den hohen Norden gibt es nicht. Unglaublich, wie schnell 9 Leute eine Hütte aufräumen und ihre Sachen im Auto verstauen können! Schon um halb 8 waren wir auf dem Weg und kämpften uns über verschneite Straßen Richtung Alta in der Hoffnung, einen der angekündigten Schneepflug-Konvois zu erreichen.
    Das Team, das draußen im Auto übernachtete, brach schon etwas früher auf, aber die anderen Teams beschlossen sicherheitshalber hintereinander zu fahren. Unsere kleine Kolonne wurde im Laufe der Zeit immer größer und zum Glück stellte sich die Vorsichtsmaßnahme als unnötig heraus: das Wetter klarte auf, die Straßen wurden geräumt und das Fahren ging viel besser als gedacht. Das war perfekt, da die Landschaft einfach nur wunderschön ist und uns richtig begeisterte. Je weiter wir in den Norden kamen, desto verschneiter wurde die Umgebung und gefühlt wechselte das Meer nach jeder Kurve seinen Blauton.
    Die Erfahrungen im Straßengraben einiger Teams haben wohl zu denken gegeben, es sind alle sehr früh aufgebrochen und sicher am Tagesziel angekommen. Sogar das Team mit dem Unimog, auch wenn sie inzwischen nur noch relativ langsam fahren und trotzdem ihre 25 Liter Diesel pro 100 km verbrauchen… Um 18 Uhr sollte es ein Treffen aller Teams im Pub geben und vorher wurde es dringend Zeit, etwas zu essen. Leider hatten wir in diesem Ort kein gutes Händchen, das (vom Veranstalter vorgeschlagene) Hotel ist etwas heruntergekommen und das in der Nähe gelegene Restaurant servierte zwar viele lokale, traditionelle Speisen, aber weder eine ausreichend große Portion für Christoph noch etwas Vegetarisches für Anke – mit den Worten „sorry, this is the best we can do“ wurde ihr ein Löffel Kartoffelpüree mit Cranberries und drei Brokkoli-Röschen serviert. Der Restaurant-Besuch war trotzdem gut, heute wurde es nämlich Zeit, das Geheimnis der zum Start überreichten braunen Tüte zu lüften.
    Unsere heutige Tagesaufgabe: wir bekommen einen neuen Mitfahrer mit dem Namen Mr. White. Der frostige kleine Kerl sollte zusammen mit einem anderen Team gebaut werden, wobei das eine Team eine Möhre für den Schneemann in seiner braunen Tüte fand und das andere Team die entsprechenden zwei Stückchen Kohle. Der Schnee hier pappte allerdings überhaupt nicht gut und wir beschlossen mit einem im Restaurant angetroffenen „Kohle-Team“, am nächsten Tag Mr. White zum Leben zu erwecken, falls Anke sich bis dahin noch nicht auf die Möhre gestürzt hat. Er soll nicht nur gebaut werden, sondern auch für 200 Meter auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und sogar selbst mal hinterm Steuer sitzen; natürlich alles mit Fotobeweis.
    Zunächst wurde es Zeit, mit allen anderen bei einem Bierchen auf die bisherigen Erlebnisse anzustoßen, der eine oder andere Werkstatt-Tipp wurde ausgetauscht, Hilfe beim Reparieren angeboten (allerdings benötigt ein Team mit VW Bulli wohl ein Schweißgerät?!) angeboten und die folgenden Routen besprochen. Plötzlich meldete sich einer der Veranstalter zu Wort und wies die Anwesenden auf eine erneute Polarlicht-Sichtung hin. Also erst einmal: alle raus zum Gucken, und dann leerte sich der Laden ganz schnell, da viele noch etwas weiter weg in der Dunkelheit nach Polarlichtern suchen wollten.
    Für unsere Fahrt zum Nordkap am nächsten Vormittag war perfektes Wetter angekündigt und wir waren uns einig, den ersten (vorgeschriebenen) Konvoi hinter einem Schneepflug um 9 Uhr zu nehmen. Immerhin steht nach dem Nordkap-Besuch noch eine Fahrt bis ins finnische Inari und damit wieder ca. 400 hoffentlich zauberhafte Kilometer an.

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  • 02Mar 2019

    23 Im hohen Norden 02.03.2019 Finnland —

    Inari, Finnland

    Beschreibung

    Offensichtlich wollten nicht nur wir, sondern auch alle anderen Teams den frühen Schneepflug zum Nordkap erwischen; zumindest war der Frühstücksraum des Hotels plötzlich sehr voll und wurde genauso plötzlich wieder leer. Beim Frühstück buchten wir noch eben schnell eine Unterkunft in der finnischen Region Inari, wo am nächsten Tag laut Roadbook ein Schneemobil-Abenteuer stattfinden soll.
    Bei schönstem Wetter fuhren wir mit einigen anderen Teams zum Treffpunkt mit dem Schneepflug und konnten noch einige Aussichten in die verschneite Landschaft genießen. Der Schneepflug fuhr mit gefühlt fast allen 90 Teams hinter sich hoch zum Nordkap, wo wir natürlich erst einmal ein ordentliches Eintrittsgeld (27 EUR / Person) zahlen durften. Und das für einen kleinen Globus, der auf einer Felskante steht – naja. Natürlich haben wir trotzdem das obligatorische Foto vorm Globus gemacht; immerhin war genau das unsere heutige Tagesaufgabe. Auch drei andere Aufgaben aus dem Roadbook konnten wir vor Ort erledigen und sie hatten alle mit unserem frostigen neuen Mitfahrer, Mr. Snow, zu tun. Zunächst bauten wir einen kleinen Schneemann bzw. stapelten Eis-/Schneeplatten übereinander, weil dieser dämliche Schnee einfach nicht pappen wollte. Zusammen mit einem Team, das Kohle in ihrer braunen Tüte am Start erhalten hatte, vollendeten wir den kleinen Racker und setzten ihn zur Erfüllung sämtlicher Aufgaben erst einmal vor unsere beiden Autos, dann auf die Fahrersitze und fuhren jeweils noch 200 Meter mit Mr. Snow auf dem Beifahrersitz. Gefühlvolles Fahren war angesagt – nicht Ankes Stärke, sie köpfte den Schneemann in einer Kurve…
    Als der Schneepflug zur ersten Rückfahrt ansetzte, verabschiedeten wir uns auch schnell vom Nordkap, tankten sicherheitshalber noch einmal voll, verschickten die nächsten Postkarten und machten uns auf den Weg in den Süden. Zwischenzeitlich hatten wir etwas recherchiert und Folgendes herausgefunden:
    a) Die Fahrt mit dem Schneemobil findet nicht in Inari, sondern ca. 60 km weiter südlich statt
    b) Unsere Unterkunft liegt nicht bei Inari, sondern ca. 70 km weiter nördlich
    c) Für eine Strecke von 130 km sollten wir knapp 1 ½ Stunden einplanen
    d) Unser Schneemobil-Start ist um 9:30 Uhr, d.h. spätestens um Viertel vor 8 losfahren
    e) Finnland ist uns eine Stunde voraus, wir bekommen also noch weniger Schlaf

    Daher blieb uns nur die Hoffnung, dass die Unterkunft in einer Holzhütte im Nirgendwo ihr Geld wert ist und wir wenigstens noch ein paar Polarlichter sehen können.
    Die Fahrt nach Finnland war sehr entspannt, die Straßen sind zwar vereist, aber Fahrzeuge fräsen leichte Rillen ins Eis, damit die Reifen mehr Grip haben und zumindest bei unseren Reifen funktioniert das sehr gut. Auf dem Weg brachen wir immer neue Kälterekorde und waren zwischenzeitlich schon bei -29°C in einem Tal und nun zweifelten wir nicht nur an unserer Unterkunft, sondern auch an unseren Autos – vor allem, als über WhatsApp immer mehr Meldungen über liegengebliebene Teams hereinkamen. Bei den meisten handelte es sich um Diesel-Fahrzeuge, die einfach ausgingen, bei anderen fror das Kühlmittel ein, manche verloren viel Öl, einige starteten nicht und andere mussten sogar in die Werkstatt, um erst einmal aufzutauen und dann das Problem festzustellen. Der Werkstatt-Wagen schickte irgendwann nur noch die Info, dass sie jetzt das Feld von hinten aufräumen und jeder mit Problemen sich bitte inklusive Standort melden möge. Hauptsache, wir müssen in den nächsten Tagen nicht davon Gebrauch machen!
    Pünktlich zum Sonnenuntergang fanden wir einen kleinen Parkplatz für eine Fotopause und genossen die schier endlose Weite finnischer Seen und Wälder, wobei man von den Seen nicht wirklich viel sieht; sie sind alle zugefroren und von einer Schneeschicht bedeckt.
    Etwas früher als erwartet kamen wir an unserer Unterkunft, dem Camping- bzw. Hüttenplatz Giellajohka, an und sahen eine Chance, direkt noch eine Fotoaufgabe aus dem Roadbook zu erfüllen: wir sollen ein Foto von einem Teammitglied machen, wie er einen Schlitten mit einem darauf sitzenden Hund zieht. Tagelang hatten wir entweder nur Hunde oder nur Schlitten gesehen und hier war beides! Ein freundlicher Hund begrüßte uns und sprang schon um einen Plastikschlitten herum. Der Besitzer erlaubte uns lachend, es mal zu versuchen – natürlich hatten wir keine Chance, welcher Hund will denn schon lieber auf einem Schlitten sitzen anstatt durch den Schnee zu toben?
    Als wir unsere gebuchte Hütte sahen, wurde uns klar, dass wir alles richtig gemacht hatten und auch die 290 EUR für uns vier vollkommen in Ordnung waren. Eine schöne, neu gebaute Holzhütte mit drei Schlafzimmern, Panoramafenstern auf die riesige Terrasse und eine unverbaute Sicht auf ähm.. ja.. vielleicht einen See? Eine zugeschneite Wiese? Man weiß es nicht. Im kleinen Wohn- / Essbereich wartete ein Kamin darauf, von uns angezündet zu werden und im Badezimmer fand sich sogar eine kleine Sauna. Das Abendprogramm war dementsprechend schnell gefunden: aus den Lebensmitteln, die wir sowieso nicht mit nach Russland nehmen dürfen, machten wir uns ein leckeres Abendessen, wurden zwischendurch aufgrund unglaublich deutlicher, tanzender Polarlichter in die Eiseskälte gelockt, beschlossen spontan die Aufgabe des Iglu-Baus zu erfüllen und wärmten uns dann in der Sauna auf. Nach dem Saunagang wagten wir die Mutprobe, bei -20°C in den Schnee zu springen und mussten uns dann direkt noch einmal in der Sauna aufwärmen. Um den wahnsinnig schönen, entspannten Abend vernünftig abzuschließen, gönnten wir uns noch ein Gute-Nacht-Bier und fielen dann ins Bett, mussten ja leider sehr früh aufstehen.

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  • 03Mar 2019

    24 Spannung pur 03.03.2019 Russland —

    Oktyabr'skiy Okrug, Murmansk, Russland

    Beschreibung

    Tiefenentspannt trafen wir uns um 6 Uhr zum Frühstück / Lebensmittel aussortieren, packten schnell unsere Klamotten zusammen und brachen zur Schneemobil-Fahrt auf. Wie schon am Vortag fuhren wir entlang endloser Wälder und Seenlandschaften und erreichten etwas früher als gedacht den Treffpunkt zum Schneemobil-Fahren. Angesichts der kalten Außentemperaturen hatte niemand von uns etwas dagegen, dass jede Schneemobil-Tour nur ca. 20 Minuten dauerte und man eher gemütlicher mit mehreren hinter einem Guide herzockelte. Es war eine ganz nette Erfahrung, mehr allerdings auch nicht. Vor uns lag sowieso der mit wesentlich mehr Spannung (und Sorge) erwartete Tagespunkt: die Einreise nach Russland!
    Was wurde vorher über genau dieses Thema diskutiert: es wagen oder lieber durch Finnland fahren? Wie sind die Zollpapiere auszufüllen? Was darf man mitnehmen? Wie verhält man sich an der Grenze? Natürlich kursieren auch hierüber die schrecklichsten Gruselgeschichten in der Rallyegemeinschaft und wir können nun keine einzige davon bestätigen. Wir hatten ja sowieso kein Bier mehr dabei, die frischen Lebensmittel hatten wir aufgebraucht und ansonsten hofften wir, dass wir die Erläuterungen zu den Zollpapieren richtig verstanden hatten und wir nichts verzollen müssen, da wir keine Waren zum Verkauf dabei haben, sondern nur Gebrauchtes.
    Im finnischen Ort Raja-Jooseppi passierten wir zunächst die finnische Grenze, zeigten kurz unsere Ausweise vor und rollten mit leichten Schweißperlen auf der Stirn auf die russische Grenze zu. Am ersten Schlagbaum wurden wir angehalten und bekamen eine Art Ein- und Ausreisepapier im DIN A5-Format überreicht. Dies war auszufüllen – aber wie, wurde uns nicht mitgeteilt. Da die Zollstelle gerade gut besucht war, mussten wir ein paar Minuten warten und begannen schon einmal, die Daten zur Einreise (Name, Pass-Nummer, Visa-Nummer, Dauer des Aufenthaltes, Grund des Aufenthaltes) einzutragen und das mitgebrachte Zollformular für die Einreise von Personen über 16 Jahren auszufüllen. Nach einigen Minuten öffnete sich dann die erste Schranke vor uns und wir wurden von eher grimmig aussehenden Männern in Uniform auf einen Parkplatz vorm Zollgebäude verwiesen und mit exakt 3 Worten aufgefordert, mit unseren Dokumenten in den vor sehr vielen Jahren sehr funktional gebauten Zolltrakt zu gehen. Bei jedem von uns wurde zunächst genau der Reisepass und das Visum geprüft, anschließend durften wir in einen etwas größeren Wartebereich gehen. Hier stellte sich heraus, dass das im Internet veröffentlichte Zollformular nicht von jedem Einreisenden ausgefüllt werden muss, sondern nur vom Fahrer des Fahrzeugs. Dafür durfte das Ganze doppelt erledigt werden und dazu gab es noch eine Zusatzseite mit Kontaktdaten, damit die Russen einen Ansprechpartner haben für den Fall, dass wir zwar ausreisen, unser Auto jedoch nicht.
    Immerhin wurde Christoph beim Papierkram von einer netten russischen Grenzbeamtin unterstützt und auch ihr Kollege, der mit unseren Papieren in einem Hinterzimmer verschwand, schaute nicht allzu böse.
    Wir hatten einige Minuten lang Zeit, uns das Spielchen um uns herum anzusehen. Im Wartezimmer ist wohl irgendwann einmal jemandem aufgefallen, wie unglaublich trostlos der Raum ist und hat dafür gesorgt, dass zwei verfaulenden Zimmerpflanzen aufgestellt wurden. Das hält zum Glück die Grenzbeamten nicht davon ab, sowohl untereinander als auch mit uns wartenden Teams ein paar Scherze zu machen, was sofort bei allen für etwas Entspannung sorgte. Trotzdem war es merkwürdig, als Christoph herausgebeten wurde und unsere Gepäckkontrolle anstand. Von innen konnten wir nur sehen, wie Christoph mit mehreren Beamten zum Auto ging; der Spürhund hatte da wohl schon seine Arbeit erledigt und konnte zum Glück nichts feststellen – zwischendurch hatten wir die Sorge, dass der Vorbesitzer vielleicht doch etwas Illegales im Auto vergessen haben könnte. Mehrere Minuten vergingen, in denen Christoph offensichtlich viel Spaß mit den Grenzbeamten hatte. Sie waren begeistert von der Bier-Zapfpistole, konnten mit Rettungsdecken nichts anfangen, hätten selbst gerne unsere Knick-Handwärmer gehabt, erfreuten sich an unserer mitgebrachten Grubenlampe und fanden die Schneeball-Former extrem lustig. Da sie nur Witziges und nichts Illegales finden konnten, wurden wir schließlich durchgewunken und durften unsere ersten Meter auf russischem Boden machen.
    Ein paar Kilometer hinter der Grenze warteten wir auf weitere Teams, da wir sicherheitshalber mit mehreren im Konvoi durch Russland fahren wollten. Während in den skandinavischen Ländern Wert auf gute, sichere Straßen auch im Winter gelegt wird, ist das in Russland scheinbar ziemlich egal. In Finnland wurde uns gesagt, dass wir froh sein können im Winter zu kommen, da wir wenigstens auf Schnee fahren und somit die vielen tiefen Schlaglöcher nicht merken. Dass wir dann aber wirklich auf plattgefahrenem Schnee unterwegs sein werden und Räumfahrzeuge hier wohl Mangelware sind, hätten wir nicht erwartet. So wurde die Fahrt nach Murmansk eher ein ordentliches Wachrütteln auf einer schneebedingt mehr oder weniger einspurigen Piste, auf der uns glücklicherweise kaum Fahrzeuge begegneten. Kilometer um Kilometer ging es durch hügelige Wälder ohne jegliche Rastmöglichkeiten oder auch nur Abzweigungen, Verfahren dürfte unmöglich sein. Nach einer halben Ewigkeit kamen wir dann endlich in Murmansk bzw. den ziemlich hässlichen, dreckigen, industriellen Ausläufern der Stadt an. Die sanfte Brise aus der nahe gelegenen Raffinerie half nicht gerade, unser mulmiges Gefühl loszuwerden, aber dann waren wir plötzlich in der Innenstadt und alles war schön und hell erleuchtet. Da wir hier die Uhren noch eine weitere Stunde vorstellen mussten und alle vom langen Tag müde waren, wollten wir nur kurz ein Hotel suchen und etwas Essen gehen. Das Hotel Azimut entpuppte sich als ein ziemlich gutes und wir bekamen noch pro Team eine Junior Suite für umgerechnet 75 EUR pro Nacht und den Tipp, dass wir ja im Tundra, dem angeblich besten Restaurant der Stadt, essen gehen könnten. Auf die Frage, ob dieses Lokal teuer sei, lächelte der Portier uns an und sagte, dass das nur für Russen gelte. Und tatsächlich hatten wir mit sieben Personen inklusive einiger Vorspeisen und Getränke gerade mal ungefähr 100 EUR zu bezahlen. Plötzlich fühlt man sich so richtig reich bzw. wir verstehen, warum wir in Russland unsere Autos nur auf bewachten Parkplätzen abstellen sollen. Auch für den nächsten Morgen verabredeten wir uns relativ früh, um noch etwas von Murmansk sehen zu können, bevor wir den ca. 1.300 km langen Weg nach St. Petersburg mit einem Zwischenstopp irgendwo beginnen. Irre, dass wir schon in zwei Tagen in dieser Prunkstadt eintrudeln sollen!

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  • 04Mar 2019

    25 Immer geradeaus 04.03.2019 Russland —

    Petrozavodsk, Russland

    Beschreibung

    Am nächsten Morgen trafen wir uns um 8 Uhr und versuchten, mitten in Murmansk ein bereits geöffnetes Café zum Frühstücken zu finden – gar nicht so einfach, wie wir dachten. Schließlich entdeckten wir einen Laden mit einer bunten Auswahl an Säften, Salaten und russischen Küchlein, Porridge und viele verschiedene vegetarische und fleischhaltige Snacks. Nachdem wir natürlich alles durchprobieren mussten und uns maßlos überfuttert hatten, wollten wir „noch mal eben“ russische SIM-Karten kaufen, um wenigstens unterwegs WhatsApp und Google nutzen zu können. Für ganze 4 Euro pro Monat sollte es die im Handyladen „an jeder Ecke“ geben. Irgendwie verpassten wir die richtigen Ecken, standen dann aber endlich in einem Geschäft und mussten wie schon in der Unterkunft erst einmal den Reisepass und den kleinen weißen Visa-Zettel, den wir an der Grenze ausgefüllt hatten, vorzeigen. Vermutlich wurden erst einmal unsere Bonitäten, Polizeiakten und sämtliche mögliche Geheimakten über uns geprüft, jedenfalls dauerte es eine Ewigkeit, aber schließlich hatte jedes Team eine echte russische SIM-Karte und wir konnten uns wieder während der Fahrt verständigen und Unterkünfte suchen.
    Bevor wir uns auf den langen Weg nach Sankt Petersburg machten, fuhren wir noch an einem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Denkmal vorbei; natürlich ist dies für die tapferen Weltkriegs-Soldaten, wie vermutlich jedes zweite Denkmal hier. Der eiskalte Wind tobte rund um die Statue und sorgte dafür, dass wir ziemlich schnell wieder ins Auto einstiegen. Planmäßig wollten wir ja schon einmal ungefähr die Hälfte der 1.300 km langen Tour hinter uns bringen und irgendwo unterwegs eine Unterkunft aufsuchen. Schon beim Blick auf die Karte wurde klar, dass der Weg ziemlich eintönig werden könnte, da wir die gesamte Strecke auf der R-21 fahren und nicht ein einziges Mal abbiegen müssen. Wie eintönig die Straße dann wurde, hätten wir nicht erwartet. Die endlosen Weiten an Seen und Wäldern, die uns in Finnland so fantastisch vorkamen, wurden unterwegs noch übertroffen. Stundenlang sahen wir nichts anderes als Wälder, scheinbar endlose Seen und viel Landschaft. Nicht einmal Städte oder nennenswerte Dörfer gab es unterwegs, lediglich sporadisch auftauchende Tankstellen mit einem angeschlossenen Café für LKW-Fahrer, die den Charme der 50er-Jahre versprühten. Wir Touristen wagten es nicht, das Tempolimit von 90 km/h zu überziehen, was die Fahrt noch einmal endloser erschienen ließ und zusätzlich dafür sorgte, dass wir auch vom schrottigsten LKW aller Zeiten überholt wurden.
    Zwischendurch machten wir in einer der „Raststätten“ Pause und kauften noch einmal ein paar kleine Leckereien und verabredeten uns zum Tanken bei der nächsten Möglichkeit. Während wir an der Tankstelle mit ein paar anderen Teams redeten, hörten wir einen lauten Knall und dachten zunächst, eines der Rallye-Autos sei nun endgültig kaputt. Aber nein, es war „nur“ ein geplatzter LKW-Reifen; immerhin waren wir alle wieder wach.
    Ein paar Stunden später fuhren wir immer noch durch Niemandsland, sahen Bäume und Schnee und unsere Tankanzeigen und setzten den Blinker zur nächsten Tankstelle – die hatte allerdings kein Benzin mehr und schickte uns bis zur nächsten Tankstelle. Da es inzwischen schon dunkel war, diskutierten wir dort über die Übernachtungsfrage und entschlossen uns in Ermangelung von jeglicher touristischer Infrastruktur, nun abwechselnd zu schlafen und zu fahren und wenigstens noch bis zur nächsten (bzw. ersten…) Stadt auf dem Weg, Petrozavodsk, zu kommen. Dort kamen wir auch gegen halb 1 endlich an und bekamen riesige Zimmer in einem netten Apartmenthaus, verabredeten uns zum Frühstück um 8 Uhr und freuten uns, am nächsten Tag endlich Sankt Petersburg zu sehen.

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  • 05Mar 2019

    26 Sankt Petersburg im Schnee 05.03.2019 Estland —

    Uuri, Estland

    Beschreibung

    Nach einem schnellen Frühstück brachen wir auf, um die restlichen „paar 100 km“ nach Sankt Petersburg zu fahren. Auf dem Weg setzte leichter Schneefall ein, wodurch wir etwas langsamer vorankamen und erst gegen halb drei die ersten Blicke auf die Stadt erhaschten. Etwas über eine Stunde später hatten wir es auch endlich unser Hotel erreicht, konnten die Autos abstellen und die erste Fahrt mit der Metro wagen – die Dimensionen dieser Stadt waren uns doch zu groß, um alles fußläufig zu erkunden.
    Für nicht einmal 60 Cent durften wir auf einer endlos langen Rolltreppe zu einer der am tiefsten gelegenen U-Bahnen der Welt fahren und quetschten uns in einen eh schon überfüllten Wagen, zum Glück war’s ja nur eine Station. Als wir merkten, wie lang die Metro für diese Strecke brauchte, fühlten wir uns mit der Entscheidung gegen einen langen Spaziergang direkt besser. Natürlich stiegen wir mitten in der Stadt wie alle anderen Touristen aus und staunten über die imposanten Gebäude links und rechts von uns. Von Zurückhaltung ist hier wirklich nichts zu merken!
    Eine von außen nicht sofort als solche zu erkennende Kirche besichtigten wir und verdrehten etwas die Augen, da sogar in der Kirche die militärische Verehrung Einzug gehalten hatte. Trotzdem war schon diese Kirche vom Schmuck her absolut imposant und wir konnten sogar ein paar Minuten lang dem Chorgesang lauschen. Zurück in der Realität draußen peitschte uns der Wind frischen Schnee ins Gesicht, dem wir tapfer bis zu den weiteren großen Sehenswürdigkeiten Eremitage und Admiralität trotzten. Eigentlich wollten wir auch noch die 14.000 Besucher fassende Isaaks-Kathedrale besichtigen, aber dafür waren wir leider zu spät dran und gingen zum Trost bei einem georgischen Restaurant um die Ecke essen. Das war eine fantastische Entscheidung, wieder einmal bestellten wir die halbe Karte (okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber es war viel) und probierten uns durch die verschieden gefüllten, sehr leckeren Teigtaschen. Dazu gab es lokales Bier und Grappa, weshalb wir fast unsere Tagesaufgabe vergessen hätten: findet den einzigen „Beachclub“ St. Petersburgs, nennt dem Barmann ein Passwort und klebt das, was er euch daraufhin überreicht, ins Roadbook ein. Sogar eine Adresse war im Roadbook angegeben, weshalb wir die Aufgabe erst etwas witzlos fanden. Bei dieser Adresse angekommen stellten wir allerdings fest, dass hier mehrere alte Lagerhallen umfunktioniert wurden und sich eine etwas alternativere Szene eingenistet hat. Wir stöberten etwas herum, trafen noch ein paar niederländische Teams, die sich gemeinsam für unglaublich viel Geld eine 150 m²-Suite im teuersten Hotel der Stadt gemietet hatten, und standen schließlich vor einem kleinen Laden, der so aussah, als ob unter der Schneeschicht ein Strand aufgebaut sein könnte – und tatsächlich, wir waren richtig dort und erhielten als Belohnung einen Aufkleber für das Roadbook.
    Diesen Triumph feierten wir mit ein paar Bier und schafften leider nicht rechtzeitig den Absprung. Die offensichtlich ziemlich spendablen niederländischen Jungs hatten bei der Bar mehrere Flaschen Vodka gekauft und begannen, diesen unter den anwesenden ca. 30 Rallye-Teilnehmern zu verteilen. Zum Glück durften immerhin die Fahrer für den nächsten Morgen ablehnen ;-) Ein paar echte russische Vodka später fiel uns auf, dass die Metro nicht mehr fährt und so brachte uns ein Uber-Fahrer sicher gegen halb zwei zum Hotel. Immerhin konnten wir uns auf Auschecken + Frühstücken gehen um 9 Uhr einigen, um wenigstens noch etwas Schlaf zu bekommen. Allzu spät wollten wir Sankt Petersburg nicht verlassen, da wir nicht einschätzen können, wie lange der Grenzübergang dieses Mal dauern wird. Für den Folgetag steht aber ein tolles Programm an: sobald wir den Stress an der Grenze hinter uns haben und in Estland angekommen sind, müssen wir nur noch den Zeltplatz fürs Winter-Biwak mit allen Teams finden und einen schönen Abend verbringen. Klingt doch ganz entspannt!

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  • 06Mar 2019

    27 Winter-Biwak 06.03.2019 Estland —

    Uuri, Estland

    Beschreibung

    Obwohl wir nicht so richtig wussten, wie lange der Grenzübertritt von Russland nach Estland dauern würde, nahmen wir uns noch die Zeit, in der Stadt zu frühstücken, ein paar Postkarten zu kaufen und eine weitere Sehenswürdigkeit zu besichtigen, bevor wir uns auf den Rückweg zu den Autos machten. Nach einem Hinweis vom Hotel fanden wir sogar noch eine Postfiliale hinter einer unbeschrifteten, rostigen alten Tür, die wir ohne entsprechende „Vorwarnung“ niemals für den Eingang zur Post gehalten hätten. Kaum losgefahren begann schon das erste Chaos: Sankt Petersburg steht tatsächlich wie im Reiseführer beschrieben kurz vorm Verkehrsinfarkt und wir waren erst nach knapp 1 ½ Stunden aus der Stadt heraus und auf der Piste Richtung Grenze. Zwischendurch hörten wir noch Geschichten anderer Teams, die Probleme an der russischen Grenze hatten und hofften das Beste. Zunächst kam wenige Kilometer vor der Grenze eine erste „Vorkontrolle“, bei der wir unsere Reisepässe inklusive Visa vorzeigen mussten. Und dann begann der Stau: dieser Grenzübergang war wesentlich größer als unser Einreise-Posten und schon einen Kilometer vorher standen PKW und LKW. Eine Stunde später war es auch für uns endlich soweit, aber nette, lustige Grenzbeamte suchte man hier vergebens. Erst einmal galt es für uns herauszufinden, wie das hier überhaupt läuft. Per „Flaschenpost“-Prinzip informierten sich die Teams untereinander, dass zunächst der Fahrer mit Fahrzeugpapieren und Ausweis an einen Zollkontroll-Schalter gehen muss, dann Fahrer und Beifahrer mit ihren Ausweisen und Visa zwecks Ausreise-Stempel an einen anderen Schalter gehen mussten und anschließend alle Türen und die Motorhaube zu öffnen waren. Erst, wenn das alles erledigt war, schaute eine grimmig guckende Grenzbeamtin mit einem improvisiert aussehenden Spiegel am Stab unter das Auto und in einige Ecken, interessierte sich aber nicht im Geringsten für unser Gepäck. Endlich öffnete sich vor uns die Schranke und wir waren sehr erleichtert, wieder europäisches Gebiet erreicht zu haben. Der estnische Grenzbeamte bewies mehr Humor, als er unsere Papiere prüfte, den Audi kritisch ansah und fragte, ob das Auto wirklich schwarz sei. Naja, es ist halt etwas dreckig geworden…
    Da es inzwischen schon später war, als wir geplant hatten, entschieden wir uns für den direkten Weg zu unserem Winterbiwak in Raudsilla im Norden Estlands; eigentlich wollten wir über kleinere Straßen am Meer entlang fahren. Die Wegbeschreibung im Roadbook war etwas kryptisch, aber über einen winzigen Waldweg fanden wir schließlich das Camp und kamen genau zum richtigen Zeitpunkt: bei einem der als Gemeinschafts-Übernachtungsräume angedachten Militärzelte gab es keine Heizung und es wurden schnell elf Matratzen in einem eigentlich als Aufenthaltsraum gedachten Holz-Tipi mit eingebauter offener Feuerstelle zum Heizen ausgelegt. Dank des riesigen Rauchabzugs roch man überhaupt nichts und die drei Kölner vom Team 92, die beiden Niederländer vom Team 35 und wir ergriffen schnell die Gelegenheit. Ein Rundgang durchs restliche Camp ergab, dass wir als einzige eine solche Unterkunft hatten, die anderen schliefen in Militärzelten oder kleinen Häuschen mit 25 Landheim-ähnlichen Schlafplätzen. Ein riesiges Tipi diente als Essens- und Partyzelt, daneben gab es ein Pipi-Tipi für die Jungs und beheizte Dixi-WCs, ein beheiztes Tipi zum Umziehen sowie einen Hot Tub und zu guter Letzt stand noch ein Sauna-Tipi direkt neben einem eiskalten Bach. Davon machten wir natürlich reichlich Gebrauch und verbrachten relativ viel Zeit mit dem Hin- und Her-Pendeln zwischen Sauna und Bach. Schließlich rafften wir uns doch noch auf ins Partyzelt, wo es einen Hochzeitstag und Geburtstage zu feiern gab. Die gemeinsame Feier erinnerte uns daran, dass uns der Weg nun weiter Richtung Südwesten führen und unser Abenteuer bald schon vorbei sein wird. Zum Glück haben wir ja noch ein paar Tage!

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  • 07Mar 2019

    28 Begegnung mit der lettischen Polizei 07.03.2019 Lettland —

    Central District, Riga, Lettland

    Beschreibung

    Kurz vor 9 schlichen wir vorsichtig über die am Tipi-Eingang schlafenden Belgier, die noch etwas ausgiebiger gefeiert hatten als wir, zum Frühstück und besprachen die heutige Tagesaufgabe. 45 km südwestlich von Tallinn sollte ein ehemaliges Gefängnis / Arbeitslager aufgesucht werden – viel mehr Informationen gab es nicht. Ankes Geschäftspartnerin aus Tallinn fiel auch sofort ein, was gemeint sein könnte und nach ein bisschen Diskussion, ob wir nicht vielleicht doch noch so zwei, drei Nächte im Camp Raudsilla verbringen sollten, machten wir uns auf den Weg nach Rummu. Dort fanden wir in einem ehemaligen Kalksteinbruch einen zugefrorenen, zugeschneiten See neben den Ruinen eines Gefängnisses, dessen Insassen als billige Arbeitskräfte im Steinbruch genutzt wurden. Teile der Gebäude sind heute von Wasser bedeckt, sodass wir vorsichtig über das Eis zu den Überresten der Mauerwerke gehen konnten; viel ist allerdings nicht mehr übrig. Das ganze Areal war riesig und bot massenhaft Schnee für eine kleine Schneeball-Schlacht zwischen den Teams. Als ob das noch nicht genug Schneespaß gewesen wäre, beschlossen einige Teams, den zugeschneiten Waldweg hinter dem Gefängnis-Gelände entlangzufahren. Es endete mit diversen im Schnee feststeckenden Autos, die alle nacheinander befreit wurden. Auch das privat mitfahrende ADAC-Team mit einem alten Passat musste mehrfach aus dem Schnee gezogen werden, aber nach einer Stunde waren wirklich alle Teams wieder sicher auf richtigen Straßen unterwegs. Unser Weg führte uns weiter Richtung Lettland, wir hatten dort ca. 80 km von Riga entfernt ein kleines Häuschen für unseren Konvoi aus drei Autos gebucht. Praktischerweise lagen noch zwei „Sehenswürdigkeiten“ auf dem Weg: zunächst stiefelten wir über die 67 m lange Holz-Hängebrücke in Jõesuu und erreichten kurz danach den Soomaa-Nationalpark, in dem wir zumindest den knapp 2 km kurzen Biberpfad quer durch den Wald liefen. Wir sahen zwar weder Bären noch Elche oder auch nur einen Biber, aber zumindest frisch gefällte Bäume mit deutlichen Biber-Zahn-Spuren. Auf dem Weg aus dem Nationalpark heraus hätte das Kölner Team fast noch ein Reh für das geplante Wintergrillen am Abend erwischt, konnte aber noch rechtzeitig bremsen und wir gingen doch noch einkaufen ;-)
    Da unsere niederländischen Begleiter Ron und Remco beide ziemlich müde waren, übernahm Anke das Steuer von Remcos Auto. Nach einer Weile passierten wir die Grenze zwischen Estland und Lettland, aber leider war es schon dunkel und wir sahen nicht allzu viel vom Land. In einem kleinen Ort nahmen wir eine falsche Abfahrt und es folgte ein kurzer chaotischer Moment mit einem Abstecher in die falsche Richtung einer Einbahnstraße sowie mehreren Runden im Kreisverkehr. Wenige Minuten später tauchte dann plötzlich Blaulicht hinter dem letzten Fahrzeug, Remcos Subaru Forester mit Anke am Steuer, auf. Sämtliche Dokumente lagen natürlich im Audi, der einige Meter weiter vorne stand und dementsprechend nervös wurde Anke. Der Polizist bat um Papiere und war einigermaßen verwirrt, dass eine Deutsche in Lettland mit einem niederländischen Fahrzeug unterwegs war, während ihr Ausweis und Führerschein in einem anderen Auto waren und der eigentliche Besitzer des Autos auf dem Beifahrersitz saß. Glücklicherweise sprach er gut Englisch und verstand die Erklärungen, schaute sich noch das Auto mit den Rallye-Aufklebern an und entschuldigte sich schon fast für seine kurze Kontrolle, er sei bei ausländischen Autos mit viel Gepäck immer sehr neugierig. Ohne irgendein Dokument gesehen zu haben, wünschte er uns noch viel Spaß auf der Tour und verabschiedete sich. Puuuuh!
    Auf diese kleine Aufregung gönnten wir uns in unserer Hütte später ein Bier und bereiteten schnell das Abendessen vor. Man merkte, wir waren beim Einkauf alle ziemlich hungrig und hatten viel zu viel eingekauft. Immerhin konnte sich so der Hund, der zum Campinggelände gehörte, am nächsten Morgen über ein paar Essensreste freuen.
    Nach dem Essen und dem inzwischen fast obligatorischen Sauna-Besuch konnte sich niemand mehr so richtig zur Routenplanung für den nächsten Tag aufraffen und die Diskussion wurde auf das Frühstück vertagt. Zeit für einen Abstecher in den Nationalpark Kurische Nehrung an der Grenze zwischen Litauen und Kaliningrad wird wohl leider nicht bleiben, da wir bis zur Rückkehr nach Hamburg am Sonntag noch ziemlich viel Strecke vor uns haben. Aber das wäre nicht schlimm, so hätten wir noch einen weiteren Punkt auf unserer „Wir kommen wieder-Liste“.

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  • 08Mar 2019

    29 Verspielte Zöllner 08.03.2019 Russland —

    Oktyabr'skiy Rayon, Kaliningrad, Russland

    Beschreibung

    Halbwegs ausgeschlafen trafen wir uns um halb 8 zum Frühstück und beschlossen, tatsächlich nicht den Umweg über die Nehrung zu nehmen, sondern an Riga entlang zunächst zum Ort unserer heutigen Tagesaufgabe zu fahren. Nahe des Ortes Šiauliai in Litauen gibt es einen Berg der Kreuze. Rund um diesen knapp 9 m hohen Hügel haben Einwohner und Besucher im Laufe der Zeit über 200.000 Kreuze aufgestellt. Begonnen wurde dies wohl in den 1830er Jahren von Einwohnern, die Kreuze für ihre beim niedergeschlagenen Aufstand gegen den Zarismus getöteten Angehörigen aufstellten. Im Laufe der Zeit wurden diese Kreuze um Zeichen für die Opfer des Stalinismus ergänzt, zwischendurch von der Obrigkeit plattgewalzt, wieder aufgerichtet und seither wird der Ort als eine Art Pilgerstätte genutzt. Unsere Aufgabe war es, ein selbst gebautes Kreuz aufzustellen und wir freuten uns auf die besondere Atmosphäre des Ortes. Auch das Wetter spielte wieder mit: nachdem wir den vorigen Tag durch Regen fahrend verbrachten, strahlte uns morgens wieder die Sonne an. Die Fahrt selbst war eher langweilig, aber dafür war der Berg der Kreuze umso beeindruckender! Die Atmosphäre ist tatsächlich etwas Besonderes, es stehen dort alle möglichen Arten von Kreuzen in jeder Größe, aus Holz, Eisen oder Glas, für bestimmte Menschen beschriftet oder ohne Beschriftung. An vielen größeren Kreuzen hängen kleinere Kreuze, die bei Böen ein klangvolles Windspiel darstellen. Wir suchten uns eine schöne Stelle für unser aus zwei kleinen Ästen und Panzertape gebautes Kreuz, stellten es auf, nahmen das obligatorische Beweisfoto auf und setzten uns dank des starken Windes schnell wieder in Bewegung. Obwohl wir am Vorabend und beim Frühstück noch vereinbart hatten, den Grenzübergang nach Kaliningrad an der Nehrung nicht zu nehmen, sondern stattdessen weiter südlich durch Litauen Richtung Polen zu fahren, kamen plötzlich Zweifel am Plan auf und nach einigem Hin und Her beschlossen wir doch, den Weg zur Ostsee zu wagen, die Nehrung zu besichtigen und hoffentlich ohne große Wartezeiten über die Grenze zu kommen.
    Schon die Fahrt Richtung Klaipeda verhieß nichts Gutes: die Sonne verschwand langsam hinter einer dichten Wolkendecke, später setzte starker Regen ein und als wir endlich nach einer relativ teuren Fährfahrt an der Kurischen Nehrung ankamen, peitschte uns starker Wind ins Gesicht und ließ uns nur kurze Ausflüge im Sprint an die Dünen unternehmen. Eigentlich schade, im Reiseführer wurde die Nehrung absolut empfohlen – wir waren wohl einfach beim falschen Wetter da. Mitten auf der Landzunge befindet sich die Grenze zwischen Litauen und dem russischen Kaliningrad. Die litauische Grenzkontrolle ging schnell und war sehr freundlich: die Grenzbeamtin plauderte ein bisschen über die Rallye mit uns, da sie heute schon 25 Autos von uns kontrollieren durfte; mit Remco philosophierte sie über Subaru-Wagen und während unserer Wartezeit schaute auch noch ein gar nicht so scheuer Fuchs vorbei. Ob der wohl die Grenze passieren darf, ohne erschossen zu werden?
    Die russischen Grenzbeamten sahen wieder deutlich weniger freundlich aus, erwiesen sich aber zum Glück auch als nett und relativ locker, wenn auch nicht so zu Späßen aufgelegt wie am ersten Grenzübergang. Wir mussten ziemlich lange warten, bis wir endlich zuerst unsere Reisepässe und Visa zeigen durften und nach ein paar weiteren Minuten des Wartens auch die Fahrzeugpapiere vorlegen konnten. Nach einem kurzen Nicken durften wir wieder im Auto Platz nehmen, da der Wind ordentlich pfiff und der Grenzbeamte wohl doch etwas Mitleid mit Anke hatte. So konnten wir zusehen, wie ein anderer Beamter mit seinem nun wirklich weder süß noch nett noch verspielt aussehenden Wachhund genau das tat: spielen. Irgendwie kam uns das in dieser Situation unglaublich skurril vor, aber wir können es beweisen, da der Beamte es direkt vor unserer Dashcam im Auto getan hat. Zwischenzeitlich waren fast zwei Stunden vergangen und unsere Ankunft in Kaliningrad wurde relativ spät. Beim leckeren russisch-ukrainischen Essen einigten wir uns, am nächsten Morgen auf eine Besichtigung des als nicht sehr schön beschriebenen Kaliningrads zu verzichten und möglichst ein spätes Frühstück in Danzig zu suchen. Dort werden sich dann vermutlich die drei Kölner verabschieden, sie möchten in Kolberg übernachten, während wir gerne irgendwo im Grünen zelten würden. Aber das entscheiden wir spontan und schauen uns erst einmal die Gegend und das Wetter an – wir müssen ja sowieso erst einmal abwarten, wie schnell der letzte Grenzübergang von Russland nach Polen geschafft ist.

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  • 09Mar 2019

    30 Im Wald lauern Überraschungen 09.03.2019 Polen —

    Kolobrzeg, Polen

    Beschreibung

    Puh, die Nacht war etwas zu kurz! Da wir erst so spät in Kaliningrad ankamen und einchecken in Hotels hier ewig dauert (es müssen noch Reisepässe geprüft und kopiert werden) war es schon kurz vor 1, bis wir ins Bett fallen konnten. Um 8 Uhr wollten wir uns mit gepackten Taschen wieder treffen, um halbwegs früh an der Grenze zu sein. Gut, dass wir nicht zur Erholung hier sind…
    Während wir im nahegelegenen Supermarkt für wenig Geld sehr merkwürdige Säfte und etwas trockene Blätterteigtaschen kauften, fuhren drei Polizeifahrzeuge mit Blaulicht vor, Polizisten stürmten in unser Hotel, kamen wenige Minuten später wieder heraus und fuhren weg. Das kam uns etwas komisch vor, daher warteten wir, bis die Luft rein war und stiegen schnell in unsere Autos und machten uns auf den Weg zur Grenze. Hier lief es wesentlich besser als erwartet. Der russische Teil der Grenze wirkte viel besser organisiert als die anderen Grenzposten, die wir auf der Reise gesehen haben. Die Zöllner freuten sich, dass Christoph wenigstens ein kleines bisschen Russisch mit ihnen sprechen konnte und wir fühlten uns nur dezent verarscht, als man uns zwar auf Englisch keinerlei Anweisungen oder Auskünfte geben konnte, uns dann aber zum Abschied etwas auf Deutsch hinterher rief. Immerhin waren die Zöllner sehr an der Tour und den Ländern, durch die wir gefahren sind, interessiert. Auch auf polnischer Seite lief der Grenzübergang sehr entspannt ab, wir wurden lediglich gebeten, die Spike-Reifen wieder gegen die Winterreifen zu wechseln, aber das hatten wir sowieso für den Tag geplant.
    Am späten Vormittag trafen wir im regnerischen Danzig ein und gönnten uns (wie irgendwie immer in den letzten Tagen) viel zu viele leckere Piroggi und unternahmen noch einen kleinen Spaziergang, um das Suppenkoma loszuwerden. Dabei fanden wir auch eine Möglichkeit, die Beweisfotos zur Aufgabenerledigung aus dem Roadbook auszudrucken; schließlich bleibt uns ja nur noch ein Tag, um das Roadbook für die Überquerung der Ziellinie in Hamburg fertigzustellen. Obwohl die vielen alten Gebäude in Danzig einladend waren und wir uns gerne noch weiter umgesehen hätten, war uns das Wetter dafür doch zu ungemütlich; Danzig wird wohl noch ein weiterer Ort auf der Liste für spätere Urlaube. Außerdem wollten wir zumindest bis in die Region um Kolberg fahren, um am Sonntag nicht zu früh loszumüssen – die Zieleinfahrt in Hamburg findet zwischen 16 und 17 Uhr statt und wir sind ja nun gar keine Autobahnen oder Staus mehr gewohnt.
    Nach dem Essen verabschiedeten wir uns von den Kölnern, sie wollten noch etwas in Danzig bleiben und anschließend bis Stettin fahren, das war uns zu weit. Keine Unterkunft in der Region von Kolberg sprach uns so richtig an, allerdings haben auch die Campingplätze an der polnischen Ostseeküste wohl nur im Sommer geöffnet und so blieb uns nichts anderes übrig, als eine Nacht im polnischen Wald zu campen. Das sollte ein würdiger Abschluss einer tollen Reise mit neuen Freunden werden – mit wenigen klitzekleinen Einschränkungen traf das auch zu, dazu gleich mehr.
    In Kolberg kauften wir noch ein bisschen Gemüse fürs Abendessen ein und fingen an, nach geeigneten Verstecken für die Nacht zu suchen, da es schon dunkel war. Ein paar Kilometer hinter Kolberg entdeckten wir einen kleinen, matschigen Waldweg, von dem ein noch kleinerer, noch matschigerer Weg auf eine Lichtung abzweigte. Die Lichtung war einigermaßen eben und trocken und wurde trotz des leicht modrigen Geruchs für gut befunden, also stellten wir die Autos als Windschutz auf, bauten Dachzelt bzw. Zelt auf und befestigten eine Plane zwischen den Autos, um uns vor dem für später angekündigten Regen zu schützen. Schon während des Aufbaus fiel uns auf, dass ab und zu in der Nähe plätscherndes Wasser zu hören war. Zunächst dachten wir an Wildschweine, da wir auf dem Weg aufgewühlten Boden gesehen hatten, aber das Geräusch war viel zu lange zu hören. Nach dem Aufbau wollte Christoph mit der Taschenlampe nachschauen gehen.
    Ron und Remco hatten noch etwas Feuerholz und Grillkohle dabei, aber nicht genug, sodass die Jungs in den Wald gingen, um altes Holz zu suchen, während Anke das Gemüse für das Abendessen schnippelte. Halb lachend, halb verlegen kamen Ron und Christoph von ihrer Entdeckungstour zurück und konnten gleich mehrere Rätsel auf einmal lösen: sowohl das unregelmäßige Wasserplätschern, die Überschwemmung auf dem Zufahrtsweg als auch der muffige Geruch kamen von der kleinen Klärgrube einer nahegelegenen Siedlung. Zum Glück war diese in akzeptabler Entfernung und wir mussten nicht das ganze Camp wieder abbauen, konnten aber nur hoffen, am nächsten Tag bei der Abreise nicht ausgerechnet in dieser Pfütze stecken zu bleiben.
    In einer Grillschale entzündeten wir unser Lagerfeuer, was zumindest den leichten Geruch der Klärgrube vertrieb, uns allerdings je nach Windrichtung auch etwas durchräucherte. Es klingt nicht so, aber die Atmosphäre alleine im Wald mit einem prasselnden Feuer zum Wärmen war einmalig und passte wunderbar zum letzten richtigen Tag der Tour. In einem gusseisernen Topf auf dem Lagerfeuer brutzelte das Abendessen vor sich hin, während wir Musik hörten und ein paar Rallye-Eindrücke austauschten. Ein paar Minuten später konnten wir zusätzlich zum Stew die restlichen Piroggi aus Danzig und unsere letzten Dosen Bier genießen, während ein leichter Regen auf die Plane über uns tropfte. Plötzlich wurden aus dem Regen richtig dicke Schneeflocken, die natürlich nicht liegen blieben, uns aber wie ein Abschiedsgruß aus dem hohen Norden vorkamen. Danke, uns hat es auch gut gefallen!
    Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber auf der Reise hat alles so gut geklappt, unsere Autos haben durchgehalten und wir haben so schnell vom Alltag abgeschaltet, dass wir gerne noch eine weitere Woche des Herumtreibens in schönen Gegenden anhängen wollten. Das ist leider nicht möglich, aber vielleicht ergibt sich ja eines Tages die Gelegenheit, erneut für ein paar Tage mit unseren Freunden vom Team 35 loszuziehen. Glücklicherweise ist es von Gladbeck aus nicht allzu weit nach Eindhoven und die erste Besuchseinladung wurde schon ausgesprochen, sodass nicht allzu viel Wehmut aufkam, aber so richtig Lust auf die letzte Etappe zurück nach Hamburg hatte auch keiner von uns.

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  • 10Mar 2019

    31 Die letzte Etappe 10.03.2019 Deutschland —

    Altstadt, Hamburg, Deutschland

    Beschreibung

    Morgens wachten wir vom Duft der Klärgrube und dem nahen Grunzen eines Wildschweins auf. Ein herrlicher Start in den Tag!
    Obwohl wir nur wenige Tage gezeltet haben, hatte sich schon Routine eingestellt und sämtliches Gepäck war relativ fix im Auto verstaut. Eigentlich wollten wir in einem der vielen kleinen Urlaubsorte an der Ostseeküste in einem kleinen Café frühstücken, hatten allerdings unterschätzt, dass diese Orte außerhalb der Sommersaison so gut wie ausgestorben sind. So teilten Remco und Ron am Ostseestrand ihr Brot mit uns, wir konnten noch viel zu süßen russischen Traubensaft beisteuern und verhungerten wenigstens nicht auf dem Weg nach Hamburg.
    Da wir ziemlich früh loskamen, entschieden wir uns für die schönere Route über Swinemünde und Usedom, anstatt über Stettin oder Berlin zu fahren. Auf dem Weg zur A20 (wir durften ja am ersten und letzten Tag der Reise Autobahnen nutzen) sahen wir vor uns eine Polizeikontrolle an der Deutsch-Polnischen Grenze und befürchteten kurz, dass wir schon wieder vor der Staatsgewalt die Autos komplett ausräumen durften. Aber nein, glücklicherweise wurde das vor uns fahrende polnische Fahrzeug herausgewunken und wir durften weiterfahren.
    Der Rest der Fahrt gestaltete sich relativ langweilig, wie Autobahn fahren nun mal ist. Je näher wir Hamburg kamen, desto mehr regnete es – ein gemütliches „Willkommen zuhause“! Gegen 14 Uhr näherten wir uns der Ziellinie und hielten noch einmal kurz an, um die letzten Eintragungen im Roadbook vorzunehmen und uns wieder bergmännisch zu verkleiden. Offiziell sollte der Zieleinlauf gegen 16 Uhr stattfinden, aber nun waren wir schon einmal da und konnten tatsächlich schon früher über die Ziellinie fahren. Einerseits waren wir froh, die ganze Reise ohne Probleme geschafft zu haben, andererseits waren wir ziemlich müde von der Tour, traurig über ihr Ende und vor allem traurig, neuen Freunden erst einmal Tschüss sagen zu müssen. Der Regen hielt auch noch einige Zuschauer fern, sodass hinter der Ziellinie nur die Organisatoren und ein paar andere bereits eingetroffene Teams warteten. Euphorie stellte sich nicht wirklich ein und so blieben wir nur ein paar Minuten, um mit anderen Teams zu quatschen, das Roadbook abzugeben und den nächsten Zieleinläufern zuzujubeln. Schon vor der letzten Tagesetappe hatten sich via WhatsApp einige Teams verabschiedet, die am Montag wieder arbeiten mussten und daher schon am Sonntag ohne Zieleinlauf nach Hause reisten. Einige Teams nahmen zumindest noch die Fahrt über die Ziellinie mit, machten sich aber direkt danach bzw. direkt nach der Abschlussparty mit Siegerehrung auf den Heimweg.
    Um es kurz zu machen: wir haben natürlich nicht gewonnen, aber das war ja auch nicht unser Ziel. Wir hatten viel Spaß, das reichte! Trotz des relativ abrupten Partyendes mit vielen nach Hause fahrenden Teams fanden sich noch ein paar Reisegefährten, die noch ein wenig den Abend ausklingen lassen wollten und plötzlich fanden wir uns in einer Karaoke-Bar auf der Reeperbahn wieder. Weder die Cocktails noch das Bier schmeckten, aber davon ließen wir uns nicht beirren und verbrachten einen schönen, nun wirklich allerletzten Abend. Wir stimmten unseren niederländischen Jungs jedoch zu, dass das wilde Campen am Tag vorher eigentlich ein wesentlich passenderer, schönerer Urlaubsabschied war!

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