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Trip ... hasta el fin del mundo ... hasta el fin del mundo 07/10/2019 - 06/17/2020   Dieses Ende der Welt liegt aus der Sicht des Nordhalbkugelbewohners dort, wo es... Georg H. (DE) Sabine H. (DE)
Argentina Bolivia Brazil Uruguay

... hasta el fin del mundo

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Dieses Ende der Welt liegt aus der Sicht des Nordhalbkugelbewohners dort, wo es nach Süden nicht mehr weitergeht und das ist in Feuerland im Süden Argentiniens. Also sollte man dorthin fahren.
Und weil man dabei großzügig gesehen am Brasilianischen Regenwald, am Bolivianischen Altiplano, an der Chilenischen Atacama und anderen weltweit einmaligen Landschaften vorbeikommt, sollte man sich Zeit lassen.
Die genannten Landstriche sind nur sehr spärlich besiedelt. In solchen Regionen hat sich unser kleiner LKW bestens bewährt, ergo haben wir ihn bereits per Schiff vorausgeschickt.

Means of Transport
Bus / Truck
  • 13Jul 2019

    1 13 Millionen und doch ziemlich übersichtlich 07/13/2019 Argentina —

    San Nicolás, CABA, Argentina

    Description

    Die Rede ist von der argentinischen Hauptstadt. Der internationale Flughafen liegt mehr als eine halbe Autostunde – Voraussetzung: kein Stau – außerhalb, auf dem Weg in die Innenstadt allerdings hat man nicht das Gefühl, sich einer Riesenmetropole zu nähern. Überwiegend ein bis zweistöckige Gebäude säumen den Weg, Wohnblocks treten nur sporadisch in Erscheinung und so richtige Industriezentren gibt es auch nicht. Nur ganz zu Anfang geht es über einige Kilometer Autobahn und monumentale Schnellstraßenverzweigungsbrückenkonstruktionen fehlen völlig. Unversehens befindet man dann in der Innenstadt. Die ist allerdings schon recht imposant, aber es ist dies hier ja auch die zweitgrößte Stadt ist, die man je besucht hat. Da darf man schon einiges an städtebaulicher Wucht erwarten.
    Diese zeigt sich dann auch weniger in der Ausdehnung als vielmehr in der Monströsität speziell der öffentlichen Gebäude und Hotels aus der Zeit um die Wende des 19. Zum 20. Jahrhunderts. Hoch, massiv und gewaltig musste es sein, während es bei der baustilistischen Stringenz nicht so genau ging: Jugendstil mischt sich artig mit art deco und Neobarock und ohne klassizistische Zutaten ging´s gar nicht. Und immer und überall fand sich ein Plätzchen, in das zumindest ein klein wenig genieteter Gründerzeit Stahl passt, und wenn´s nur der Personenaufzug ist.
    So steht man schon staunend von solchen Gebäuden und fragt sich natürlich, warum denn speziell im 19. Jahrhundert so viele Europäer hierher ausgewandert sind, um dann doch wieder eine Metropole nach europäischen Maßstäben aufzubauen. Das Teatro Colon, es könnte genauso in Mailand, Wien oder Paris stehen, ist das augenfälligste Beispiel hierzu.
    Völlig konträr dazu ist das Leben in Buenos Aires organisiert. Wir haben keinen einzigen Supermarkt gesehen, der kleine Laden mit jeweils speziellem Angebot ist die Regel. Die Ausnahme dazu stellten die unzähligen Kioske dar. Sie führen alles im Sortiment, was man vergessen hat tagsüber einzukaufen und noch schnell nach Ladenschluss braucht. Sich diese Bandbreite des Angebots vorzustellen bedarf es einiges an Fantasie.
    Und diese Vielzahl an Läden, Restaurants, Cafes und Dienstleistungsangeboten aller denkbaren Art ist wohl die Basis dafür, dass viele der hier Lebenden zwar nicht reich sind oder werden, aber ein vernünftiges Auskommen haben. Es sind aber auch die unübersehbar, die in dieser quirligen Stadt keinen einigermaßen sicheren Platz finden konnten und auf der Straße leben. Und das sind nicht nur – allen Vorurteilen entsprechend – alkoholisierte alte Männer, sondern auch junge Menschen, sogar Mütter mit Kindern.
    Sie werden aber wenigstens von den Staatsorganen geduldet und manch einer von ihnen hat sich offen auf dem Gehweg einen Unterschlupf gebaut.

    Und dann ist da ja noch die Sache mit dem Tango:
    Erstens: Man erlebt ihn sogar auf der Straße und es sieht einfach nur toll aus.
    Zweitens: Der Tango ist der Kampf zwischen dem Machismo und der femme fatale, den allerdings
    keiner gewinnen will, denn dann wäre es zu Ende und das möchte ja nun wirklich niemand..
    Drittens: Östogene und Testosteron sind wohl auch im Spiel.

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  • 14Jul 2019

    2 Buenos Aires, die Zweite 07/14/2019 Argentina —

    La Boca, CABA, Argentina

    Description

    Es war schon abzusehen: Eine solche Stadt kann man nicht mit einem einzigen Tagebucheintrag abhandeln, auch wenn man Gefahr läuft, der Geschwätzigkeit geziehen zu werden. Überdies müssen noch einige Bilder nachgetragen werden:

    Ganz wichtig hier ist das Buswesen. Den größten Busbahnhof verlassen täglich über 2000 (in Worten: zweitausend) Busse. Zur Stoßzeit brechen dann, wenn die Ausfahrtsampel so ca. alle 2 Minuten auf Grün schaltet, 20 – 30 Busse wie die wilde Jagd über die Straßen der Stadt herein. Dies von außen anzusehen ist höchst imposant, dabei mittendrin in einem Bus zu sitzen ein Erlebnis. Wenn´s dann auch noch ein „Metrobus“ ist, wird´s besonders eindrucksvoll, denn der Name ist Programm: Der Bus fährt so schnell wie eine U-Bahn, nur gibt es auf den gesonderten Fahrspuren unabsehbare Kolonnen anderer Metrobusse, die alle fahren als gäbe es kein Morgen und die Frage, wer denn der schnellste Fahrer sei, wird 24 Stunden am Tag mittels des Gaspedals diskutiert – und wichtig noch: Wer bremst verliert.

    Vergessen werden darf auch keinesfalls der alte Traditonsfriedhof, eine Totenstadt, in der die Särge nicht bestattet, sondern in kleinen, manchmal größeren Mausoleen aufbewahrt werden. Öfters sind deren Fassaden mit großen Glasscheiben versehen, hinter denen dann die durchwegs höchst massiven Sarkophage quasi wie im Schaufenster aufgereiht sind. Unwillkürlich fragt man sich, wie unter diesen Umständen die Natur ihr Biokreislaufwerk verrichten kann.

    Doch für morbide Gedanken ist kaum Zeit, ist der argentinische Großstadtbewohner doch ein aufgeschlossener, hilfsbereiter und freundlicher Mensch. Auch geduldig ist er, das wissen wir nun ganz genau, denn mit unseren nicht ganz so perfekten Spanischkenntnissen lässt sich manches ganz Einfache nicht so ganz einfach klären.

    Ein Sonderfall unter den Argentiniern ist allerdings die Argentinierin; Genaueres? - frage nicht. Ob das mit den Damen nur hier in Buenos Aires so ist oder flächendeckend für ganz Argentinien, vielleicht sogar ganz Südamerika gilt, kann zur Stunde nicht beantwortet werden. Der Chronist jedenfalls wird weiterführende Beobachtungen anstellen und zu gegebener Zeit berichten.

    Schon jetzt allerdings kann verbindlich gesagt werden, dass derjenige, der nicht im Stadtteil Boca war, eine wesentliche Facette argentinischer Lebensart nicht mitgekriegt hat. Auf den ersten Blick ist Boca ein armes Quartier am Hafen, vornehmlich bestehend aus Wellblechhütten und bewohnt von Fischern und Dockarbeitern. Und weil das karge Einkommen allenfalls für das Nötigste reichte, wurden die Häuser mit den übriggebliebenen Schiffsfarben aus den Werften gestrichen. Und da musste man natürlich nehmen, was gerade da war und heraus kamen farbenfrohe bunte Häuschen, bei deren Gestaltung der Zufall Regie führte.
    Dass eine solche städtebauliche Besonderheit Touristen scharenweise anzieht und das Viertel schon deutlich davon geprägt wird, ist dann halt auch selbstverständlich. Aber dagegen kann man ja schlecht was haben, wenn man selbst als ein solcher unterwegs ist.

    Und so ganz nebenbei kann man hier auch noch ganz praktische Dinge lernen: Zum Beispiel, wie man als indigener Künstler gegen die Besatzungsmacht protestiert, indem man in den Altarschmuck einer Jesuitenkirche ganz subversiv ein Sonnenrad hineinschmuggelt oder wie man mit 10 mutigen Männern, 20 Eimern und sehr langen Seilen die Fenster eines 32 stöckigen Hochhauses putzt.

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  • 17Jul 2019

    3 180 Grad anders herum 07/17/2019 Uruguay —

    Colonia del Sacramento, Uruguay

    Description

    In Buenos Aires erreichte uns eine mail von Senor Huizil aus Montevideo, dass unser Auto mit zwei Tagen Verspätung in Montevideo ankäme. Da wir bei diesem Seetransport aus bekannten Gründen mit allem rechneten, gab es für solche Fälle natürlich ein Ersatzprogramm: Anstelle von Buenos Aires aus direkt mit dem Speedboot nach Montevideo zu fahren, wählten wir den Umweg über die uruguayische Stadt Colonia de Sacramento. Auch hierzu überquert man den Rio de la Plata mit einem schnellen Katamaran, ist aber nur eine Stunde unterwegs.

    Colonia ist angeblich die interessanteste Kolonialstadt Uruguays und es erscheint uns auf den ersten Blick so, als wären hier wesentliche historische Entwicklungen, wie sie in vielen Gegenden Südamerikas stattgefunden haben, wie unter einem Brennglas konzentriert:
    Von der indigenen Vorgeschichte ist kaum was bekannt – schriftlose Naturgemeinschaften hinterlassen halt kaum Spuren.
    Die Portugiesen waren die ersten, welche die herausragende strategische Bedeutung des Ortes erkannten und im 17. Jahrhundert eine Bastion errichteten – das Militär hatte die Handelsinteressen zu schützen. Einige der meist einstöckigen Gebäude aus der portugiesischen Epoche sind, oft bunt gestrichen, noch erhalten.
    Dort wo Geld ist, entsteht bekanntlich Neid, hier in Form der Spanier, welche die damals größte und wichtigste Stadt Uruguays auch gerne besessen hätten und so kommt es, wie immer in solchen Fällen, zum Krieg, an dessen Ende die Spanier als Sieger dastanden. Sie bauten die Stadt im für sie typischen Kolonialstil aus, mehrstöckig, größer und prunkvoller als das portugiesische Erbe.
    Dass so etwas zum Weltkulturerbe erklärt wird, verwundert nicht, zumal wenn man in mildem Wintersonnenschein das Mittagsmahl im Freien einnimmt.
    Die Kolonialzeit ist nun auch schon einige Zeit vorbei und das heutige Colonia ist geprägt von der wechselvollen Geschichte des modernen Staates Uruguay. Das äußere Erscheinungsbild ist durchaus anspruchsvolle bis hin zu sehr provisorischer Zweckarchitektur, was dahintersteckt wissen wir noch nicht so recht. Sicher ist allerdings, dass Colonia seine herausragende Bedeutung längstens an Montevideo abtreten musste, der Bahnhof ist stiller Zeuge davon.
    Colonia allerdings war für uns noch aus anderen Gründen das eigentliche Einfallstor nach Südamerika. Die Natur erscheint uns auch im Winter üppig, Kakteen benützen Bäume als Klettergerüst und gegen die Wurzeln der Platanen ist jede Gehwegkonstruktion machtlos. Dass wir dann auch gleich noch die ersten Papageien entdeckten, machte das Südamerikafeeling dann perfekt.

    Anmerkungen zur Navigation:
    Da hat man so manche weglose Outdoor - Unternehmung problemlos hinter sich gebracht, ist auf dem Meer mit dem Segelschiff rumgefahren und hat noch nie ernsthafte Navigationsprobleme gehabt. Hier, auf dem zentralen Platz von Colonia, taucht plötzlich die absurde Frage auf: Geht die Sonne denn hier im Westen auf? Tut sie natürlich nicht, sie steht auf der südlichen Erdhalbkugel nur Mittags im Norden, was das in Jahrzehnten eingebrannte Koordinatensystem um 180 Grad dreht.
    In den Häuserschluchten von Buenos Aires ist uns das bisher nicht aufgefallen, hier, im sonnendurchfluteten Colonia ist man aber zunächst schon ziemlich verdutzt.

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  • 18Jul 2019

    4 Sonderausgabe 07/18/2019 Uruguay —

    Tres Cruces, Montevideo, Uruguay

    Description

    In den Straßen von Montevideo am 18. Juli, dem Nationalfeiertag Uruguays.

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  • 19Jul 2019

    5 Die verschiedenen Gesichter von Montevideo 07/19/2019 Uruguay —

    Uruguay

    Description

    19.07.2019
    Uruguay – die Schweiz Spaniens, Montevideo – die schönste Großstadt Südamerikas. So liest man es allenthalben in den Reisebüchern.

    Die Sache mit der Schweiz erwies sich als völlig zutreffend, zumindest wenn man sich auf die Preisgestaltung bezieht. Alles andere, was die Schweiz – jenseits des Kostenniveaus – so besonders macht, konnten wir nicht entdecken.
    Was Montevideo als schönste Stadt Südamerikas anlangt, so fragten wir uns etwas verunsichert, wie dann die anderen Städte wohl aussehen mögen. Das allerdings hatte, wie sich später herausstellte, seinen Grund in der Wahl unseres Hotels. Diese nämlich wurde unter dem Gesichtspunkt getroffen, möglichst alle Stationen, die man durchlaufen muss, um den Verwaltungskram für das Auto zu erledigen, in fußläufig erreichbarer Entfernung zu haben. Logischer Weise liegt es im Hafenviertel, das, als Montevideo noch viel kleiner war, als erste Adresse galt. In den letzten Jahrzehnten allerdings verließen diejenigen, die es sich leisten konnten, die beengte Altstadt und zog in die modernen Viertel im Norden. Von den Zurückgebliebenen haben offenbar viele nicht die Mittel, die alten, teils wunderschönen Häuser zu erhalten. So macht die Gegend um den Hafen, ehemals das Zentrum, zwischenzeitlich einen heruntergekommenen Eindruck. Weiter im Norden allerdings findet sich zum Beispiel ein Park mit einem künstlichen See, gespeist von einem künstlichen Wasserfall. Aber nicht so larifari bisschen Bächlein über einen Felsen, sondern ordentlich Wasser, so um die 4 Meter breit und mindestens 10 m senkrecht runter, dass es nur so rauscht.
    Uns hat es allerdings im alten Zentrum besser gefallen, da wo erfolgreiche Textilindustrielle ein Riesengebäude errichten ließen, das lange Zeit das höchste Haus Südamerikas war (an art – deco Kitsch nicht mehr zu toppen) - da, wo im Puerto Mercado die Chorizo-Feuer qualmen – da, wo Trödelläden ihr Angebot auf der Straße ausbreiten, ein Angebot, das einen glauben macht, man wäre in die 50er Jahre zurückgebeamt – da, wo der Charme des kolonialen Baustils, wenn auch etwas morbide, das Stadtbild bestimmt.

    Anmerkungen zur Verwaltung an sich:

    Wenn man sein Auto nach Südamerika verschifft, erhält man allenthalben den Rat, dies nach Montevideo zu bewerkstelligen, denn hier wären die Distanzen kurz und die Abläufe einfach. Das mit den Distanzen können wir uneingeschränkt bestätigen, auch wenn dann schon einiges zusammenkommt, wenn allein der Weg zwischen Zollbehörde und Storage, wo unser Auto geparkt war, knappe 3 Km lang ist und ich ihn dreimal gehen musste. Aber man sollte sich nicht in Details verfangen, sondern die grundsätzlichen Prozesse bedenken:
    Also: Um das Auto aus dem Hafen zu kriegen, zieht man mit Wenigem los – Verschiffungsdokument, Pass, Führerschein, Kfz –Schein, Versicherungsbestätigung. Bei jeder der 10 Behörden, Firmen usw., bei denen man nun in vorgegebener Reihenfolge vorsprechen, bisweilen auch bezahlen muss, wird kopiert, gestempelt, bestätigt und weiteres Papier ausgestellt. So wächst die Anzahl der Dokumente blitzschnell ins Unübersichtliche und unversehens wird man von der Vorstellung überfallen, man würde in einer immer größer werdenden Papierwelle willenlos durch den Hafen geschwappt und am Ende spuckt ein Dokumententsunami, man hat den Glauben daran fast verloren, das völlig unversehrte Auto an Land und man kann losfahren.
    So um die 7 Stunden hat die Challenge gedauert. Ein Agent, der das alles erledigt, kostet 170 USD. Wenn man es selber macht, kommt zur Kostenersparnis ein nicht unwesentlicher Abenteuerfaktor dazu, also ein riesen Geschäft.

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  • 23Jul 2019

    6 Vom WinterWonderBeach zum Ritt auf der Bombe 07/23/2019 Uruguay —

    La Paloma, Uruguay

    Description

    Freitag mittags war das Auto aus dem Hafen und noch einiges zu tun: Diesel, Gas und Wasser tanken, einkaufen. Alles ging ruck zuck, nur die Sache mit dem Gas wollte nicht gelingen. Die uns bekannten Adressen gibt es entweder nicht mehr oder sie füllen nur Flaschen, keine fix eingebauten Tanks. Und die bisher als besonders zuverlässig gehandelte Firma Acodike Supergas hatte die Füllanlage umgebaut und seither darf kein WoMo mehr auf das Werksgelände fahren. Dieser Umstand wird unten nochmals eine wesentliche Rolle spielen.
    Das alles bekümmerte uns nicht weiter. Die nächste Gastankstelle liegt zwar in Argentinien, aber die Temperaturen waren sommerlich und der hochgeschätzte Benzinkocher startklar. Da hat man schon ganz andere Dinge abgewettert als zwei Wochen draußen kochen und ohne Heizung. So ging es nach Osten der Küste entlang, welche die schönste Südamerikas sein soll. Während der ersten 180 Kilometer sieht man davon wenig, denn sie ist vollständig zugebaut; erst mit den Außenbezirken von Montevideo und später mit Feriensiedlungen, bis der ganze Wahnsinn in einem der nobelsten Orte überhaupt gipfelt: Punta del Este.
    Dahinter aber ist´s vorbei mit der Übeltäterei und schlagartig ist der Strand weitgehend unbewohnt. Nur einige Fischerdörfer mit karger touristischer Infrastruktur (ungefähr so wie in Griechenland anfangs der 70er) und hin und wieder eine wilde Ansiedlung von Hippies und anderen Lebenskünstlern – wild in mehrerer Hinsicht; ansonsten auf der einen Seite Dünen satt und auf der anderen Lagune satt. Überdies war es ziemlich einsam, was aber nun auch nicht so recht verwundern muss, schließlich ist hier Hochwinter. Diese Idylle endete abrupt durch das Zusammentreffen von zwei Ereignissen: zum einen ein Wettersturz von mehr als 15 Grad (nach unten versteht sich), zum anderen die Nachricht, dass es in Montevideo doch eine Möglichkeit gibt Gas zu tanken. Und weil man es genau in dieser Situation hautnah verspürt, wie schön es wäre, könnte man im Auto kochen, anstatt schlotternd draußen darum zu kämpfen, dass der Kocher bei dem heftigen Wind zumindest noch ein wenig funktioniert, beschlossen wir, zurück nach Montevideo zu fahren, nach Westen mussten wir ja sowieso.

    Anmerkungen zum nicht mehr ganz normalen Wahnsinn:

    Gas tanken ist nun wirklich kein Zauberwerk. Man schraubt den Schutzdeckel vom Einfüllstutzen, stattdessen das Verbindungsstück zum Schlauch drauf, dreht den Hahn auf und schon sprudelt es fröhlich. Ist der Tank soweit gefüllt, wie es technisch möglich und erlaubt ist, wird der Vorgang automatisch unterbrochen. Der Schlauch wird abgeschraubt und das im Tank eingebaute Rückschlagventil verriegelt den Einfüllstutzen sicher und verhindert somit, dass der wertvolle und bisweilen auch gefährliche Stoff wieder herausströmt. Soweit zur Theorie, die bei unserem Auto auch schon viele Male praktische Bestätigung erfahren hat.

    Auch diesmal lief alles nach Programm, nur dass das Verschluss Ventil unseres Tanks defekt war und nach dem Abnehmen des Füllschlauchs das Gas unter Hochdruck in einem daumendicken Strahl wieder herauskam, war nicht vorgesehen. Die Gasstation liegt inmitten von Montevideo an einer sehr belebten Straße und wenn jetzt, genau in dieser Situation, ein Passant mit Zigarette des Wegs gekommen wäre – Peterchens Mondfahrt wäre allen Beteiligten incl. der Gasstation und näheren Nachbarschaft sicher gewesen.
    Geistesgegenwärtig und beherzt stürzten sich zwei der Jungs in die Wolke und bekamen ziemlich schnell den Abdeckdeckel drauf, das ist aber halt nur ein einfacher Schraubverschluss mit Gummidichtung, eine allzu fadenscheinige Lösung für die Bändigung der Druckverhältnisse von Flüssiggas.

    Ziemlich weiß um die Nasen waren alle erst einmal heil froh, dass das Gas nicht mehr sprudelte, aber auch ratlos, wie sowas passieren kann und wie es weitergehen sollte.
    Eine der Mitarbeiterinnen der Firma telefonierte und telefonierte und irgendwann drückte sie uns einen Zettel mit Name und Adresse in die Hand, dorthin sollten wir uns wenden, nämlich an Acodike Supergas (vergl. oben). Sie schickte uns also zu denen, die uns bereits erklärt hatten, dass kein fremdes Fahrzeug in ihr Firmengelände darf. Entsprechend hielt sich unser Optimismus in Grenzen, als wir uns auf unser Flüssigsprengstoffbombe, von der niemand genau wusste, ob sie sich vielleicht nicht doch selbst scharf machen würde, durch den Großstadtverkehr dorthin auf den Weg machten. Das Wort Verkehrsunfall war zwanghaft aus unserer Vorstellungswelt gestrichen.
    Vor dem Firmengelände von Acodike beratschlagten der Cheftechniker und zwei Monteure lange, fanden auch keine Lösung, meinten aber, wir sollten anderntags morgens wiederkommen – immerhin.
    Die Aussicht auf eine Nacht auf unserer Bombe machte uns auch nicht froher und der einzige Trost bestand angesichts dessen, dass knappe eineinhalb Meter unter unseren Kopfkissen der Gastank montiert ist, darin, dass es blitzschnell gehen würde und uns niemand mehr zur Verantwortung ziehen könnte.
    Andertags, vor dem Firmengelände von Acodike: Das Beratungsteam war auf fünf Mann angewachsen, es ging hin und her und im Zentrum stand die Frage, wie man denn das Gas aus dem Tank herausbringen könne. Dann ein Entschluss: Der Tank wird ausgebaut und wir - jetzt kommt´s – aufgefordert ins Allerheiligste, also auf das Firmengelände zu fahren. Wenn man drinnen allerdings die riesengroße Flaschenfüllanlage gesehen hat, mitgekriegt hat, in welcher Betriebsamkeit LKW mit leeren Flaschen entladen und mit vollen beladen und Tankzüge befüllt werden, versteht man schon, dass da Fremdlinge nix als im Weg umgehen.
    Das Tankausbauen erwies sich dann doch nicht als so unproblematisch und dann kam, so unsere Vermutung, das Gaucho – Gen der Jungs zum Vorschein: Unser Auto wurde an den Rand des Betriebsgeländes gelotst, wo eine große Brachfläche anschließt, der Wind stand auch günstig und kurzerhand wurden die Ventile geöffnet. In großen Wolken zischte das Gas heraus, tropfte in noch flüssigem Zustand auf den Boden und nach einiger Zeit waren Gastank und die angrenzenden Autoteile solide vereist. Gesichert wurde die ganze Aktion von fünf Männern des betriebseigenen Security Services und selbst ein Herr der Geschäftsleitung ließ es sich nicht nehmen nachzusehen, ob denn die große Show zur Zufriedenheit der Gäste aus Alemania ablaufen würde.
    Nur wir hatten eine dreiviertel Stunde lang die Vollkrise, so lange hat die Aktion nämlich gedauert.
    Das Ausbauen des defekten Ventils, ein kompliziertes Machwerk deutscher Wertarbeit (kein Mensch weiß, was denn genau defekt ist und wie das geschehen konnte) und der Einbau eines neuen, ein einfaches Produkt, vermutlich uruguayischer Herstellung, waren dann nur noch Formsache und selbstverständlich wurde ganz zum Schluss unser Tank wieder randvoll gefüllt.
    Abgesehen vom Werksschutz waren drei Mitarbeiter zweieinhalb Stunden beschäftigt; als wir nach der Rechnung fragten, stutzte man erst einmal, bis man auf die Idee kam, dass das Ventil umgerechnet 18€ kosten könnte.
    Wir hätten die drei nicht nur umarmen können, wir haben´s getan.

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  • 29Jul 2019

    7 Jetzt geht´s looos! 07/29/2019 Argentina —

    Colonia Carlos Pellegrini, Argentina

    Description

    Eine knappe Woche Nebel, Regen, meist einstellige Temperaturen und durch eine Gegend, die nun gar nicht so recht inspirierend wirkt – Pampa halt -, das waren die Anfahrtsbedingungen Richtung Norden nach Ibera, dem größten Sumpfgebiet Argentiniens. Das lässt sich nur mit einem soliden Maß an mentaler Grundstabilität durchstehen, wobei der letzte Teil auch noch erhöhte Anforderungen an die Geduld stellt: Am Schluss muss man sich das Erlebnis Ibera, rein und raus, mit insgesamt ca. 250 Km übler Rumpelpiste erkämpfen, was mehr als zehn Stunden Nettofahrzeit bedeutet (wir haben den Iveco aber sanft behandelt).
    Belohnt wird man allerdings mit einem Südamerika, wie es sich in den kitschigsten Reiseprospekten kaum findet und das einzige Schönwetterfenster der nächsten Tage haben wir auch noch erwischt. Da hat sich selbst die vollgefressene Anaconda die Sonne auf den dicken Bauch scheinen lassen.

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  • 04Aug 2019

    8 Selva Misiones 08/04/2019 Argentina —

    San Pedro, Argentina

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    Die landläufige Einschätzung der Rolle der Missionsorden, die Hand in Hand mit den Conquistadores über Mittel und Südamerika hergefallen sind, ist eher wenig positiv – und dies aus vielen guten Gründen. Allzu oft wurde mit dem Schwert, schlimmer noch, auch mit dem Gewehr, nachgeholfen, wenn es darum ging, die katholische Heilslehre den Indios schmackhaft zu machen.
    Und dann das: Jesuiten Padres wollten sich nicht damit abfinden, dass die Verbreitung des Wortes Gottes mit Gewalt nicht so besonders glaubwürdig ist und überdies nicht hinnehmen, dass spanische Eroberer und portugiesische Sklavenjäger in den Indios allenfalls eine niedere Rasse sahen, aus der man ein Maximum an Profit pressen wollte.
    Sie sammelten die Verfolgten ein und gründeten mit ihnen sogenannte „Missiones“, nach sozialistischen Grundüberlegungen organisierte, ökonomisch und sozial bestens funktionierende Gemeinwesen. Und die hatten bis zu 8000 Einwohner, jeweils betreut von so um die drei Patres. 30 bis 40 solcher Stationen gab es hier im heutigen Grenzgebiet zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay, in dem so viele große Gemeinwesen auf so relativ engem Raum nur deshalb möglich waren, weil das Land überaus fruchtbat ist und auch heute gehört die Provinz noch zu den am dichtesten besiedelten Gegenden außerhalb von Buenos Aires.
    Die Spanier allerdings haben sich das nur knappe 100 Jahre gefallen lassen. Sie fürchteten, dass hier ein frommer Gottesstaat entstehen könnte (kommt uns im im 21. Jahrhundert nicht ganz unbekannt vor) und Ende des 18. Jahrhunderts waren die letzten Jesuiten mit Gewalt aus ihren Kolonien vertrieben. Die Ruinen einiger weniger solcher Misiones haben im Dschungel überdauert und wurden Besuchern zugänglich gemacht. Heute sind sie nachgerade kontemplative Orte der Ruhe und des Friedens.

    Somit wäre der Begriff „Misiones“ geklärt, was hat es nun mit dem „Selva“ auf sich? Ganz einfach; in dieser so fruchtbaren Region beginnt der subtropische Urwald, der sich nach Norden zu immer mehr verdichtet und hier liegen einige Naturparks, welche ebenfalls unser Interesse erregten. Da haben wir etliche Kilometer Dschungel Wanderung hinter und gebracht, bisweilen sogar mit Wasserfall und einer davon war auch richtig imposant.
    Die Parks allerdings spiegeln eine Idylle wider und nicht die Realität. Viele Menschen hier sind unverkennbar sehr arm und versuchen sich irgendwie über Wasser zu halten. Eine Möglichkeit ist, ein Stück Urwald zu roden, sich mittendrin eine Hütte zu bauen und eine kleine Plantage anzulegen. Und es soll sie bitte niemand deswegen verurteilen. Wir Europäer haben unseren Urwald bereits vor Jahrhunderten um des materiellen Gewinns willen vernichtet und jetzt kann niemand redlicher Weise verlangen, dass die ärmsten Länder Verzicht üben und für das Weltklima die Kohlen aus dem Feuer holen, während wir fröhlich weiter alles tun, um die Klimaschutzziele zu verfehlen.

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  • 07Aug 2019

    9 Die ganz große Oper 08/07/2019 Argentina —

    Argentina

    Description

    Die Oper gilt in Kennerkreisen als die schwierigste, wenn nicht gar unmögliche Kunstform. Ist ja auch kein Wunder, geht´s doch gleichermaßen um Bildhauerei, Malerei, Schauspiel und Musik, neuerdings öfters auch noch um Lichtinstallation. Bei so viel Komplexität bleibt bisweilen mal eine der Disziplinen etwas zurück. Solange sich das in überschaubaren Grenzen hält, schmälert es das Vergnügen kaum; und überhaupt, wo geht´s im Leben schon ohne Kompromisse?

    Iguazu ist einer der wenigen Orte, wo man absolut keine Einschränkungen hinnehmen muss:
    Die Kulisse präsentiert alle Formen, zu welchen die Natur im subtropischen Dschungel überhaupt fähig ist genauso wie Urwaldgrün, Himmelblau und Gischtweiß in einer Bandbreite variieren, dass selbst Emil Nolde es nicht farbiger hingekriegt hätte; das Spektakel der stürzenden Wassermassen führt ins Nichts, man weiß nicht genau: macht es gruseln oder neugierig – maximal eindrucksvoll ist es allemal.
    Für die Lightshow sorgt der sich permanent ändernde Einstrahlungswinkel der Wintersonne, wodurch sich nicht nur die Farben, sondern auch die Konturen unablässig ändern und so, wie die Wasserfälle donnern, stellt man sich das Echo des Urknalls vor.

    Hätte Mozart keine Opern komponiert, könnte man sagen, die größte Oper.

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  • 10Aug 2019

    10 Die Tiere vom Wald 08/10/2019 Brazil —

    Jardim Iara, Brazil

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    Auf argentinischer wie auf brasilianischer Seite umgibt die Wasserfälle ein großer Nationalpark, der aber kaum zugänglich ist. Durch den argentinischen Teil führt eine sehr steinige Piste; wir sind auf den 40 Kilometern zwei Stunden lang während der Abenddämmerung unterwegs gewesen, in der Hoffnung, Tiere zu sehen. Abgesehen von einigen kleinen Vögeln gab´s aber schon gleich gar nix.
    Im Bereich der Wasserfälle allerdings änderte sich das Bild radikal. Zum Teil sind natürlich die Menschenscharen daran beteiligt, denn von deren Malzeiten fällt immer wieder mal was – absichtlich oder auch nicht – zu Boden. Davon profitieren aber in erster Linie die Nasenbären, Eulen zum Beispiel eher weniger.
    Die Tiere in der Umgebung der Wasserfälle verdichten aber noch das Bild, dass sich das alles hier in dem für uns doch sehr exotischen Umfeld des Urwalds abspielt – quasi Tüpfelchen auf dem i.

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  • 12Aug 2019

    11 Niederbayern auf subtropisch 08/12/2019 Brazil —

    Centro, Corumbá, Brazil

    Description

    12. 08
    Will man von Iguazu in den zetralen Pantanal, dann muss man rund 1600 Km zuerst nach Norden und dann noch ein wenig nach Westen, um die Einfahrt in das riesige Sumpfgebiet zu erwischen. Während der ersten mehr als 1400 Kilometer glaubt man sich in Niederbayern, ein weites, ungeheuer fruchtbares Hügelland, hie und da mal ein Gehöft.
    Na ja, eigentlich eher Niederbayern mit einigen Palmen dazwischen. Und auch die Dimensionen kann man nicht direkt gleichsetzen. Die Felder sind doch um einiges größer und die Hügel weiter – aber sonst schon wie in Niederbayern.
    Na ja, die Bauernhöfe sind große Cooperativas, etwas außerirdisch aussehende Siloinstallationen, wobei man sich denkt, in drei von denen hätte die gesamte niederbayerische Weizenernte Platz – symbolisch gesehen.
    Na ja, die Kühe haben Hängeohren und keine Hörner und schauen eher so aus, wie sich ein oberbayerisches Landei Kühe aus Indien vorstellt und es wird sehr viel Zuckerrohr und Baumwolle angebaut – Mais ist aber auch dabei, genau wie in Niederbayern.
    Na ja, die Routa Nord, auf der all diese Nahrungsmittel abtransportiert werden, ist genau diese 1400 Kilometer lang, aber es fahren dort, auf den einzelnen Kilometer gesehen, mindestens doppelt so viele LKW wie zwischen Eggenfelden und Straubing und sie sind auch fast doppelt so lang. Von Eggenfelden nach Straubing dauert´s aber nur eine gute Stunde, hier vier Tage. Aber dafür fahren die hier in der Ebene 95, bergab mindestens 120 und bergauf 15 kmh. Da passt so ein Iveco wie unserer, der immer mit 80 unterwegs ist, nicht so gut dazwischen.
    Ganz besonders haben wir das Essen in den Fernfahrerkneipen lieben gelernt. Da gibt es als Standardmenü immer vorweg Salat, dann Reis mit Bohnen, verschiedene Gemüse und ein Roastbeef mit Spiegelei.
    Na ja, in Niederbayern gibt es Schweinsbraten mit Knödel und dem Salat tritt der Niederbayer an sich nur zögerlich näher, aber sonst ist alles schon sehr ähnlich.
    Im letzten Teil führt die Routa Nord über ein kleines Gebirge, das noch weitgehend unberührt vom Urwald überzogen ist. Die Niederbayern haben zwar aktuell keinen so rechten Urwald, sind aber gerade dabei, sich im Nationalpark einen neuen wachsen zu lassen – man sieht, die Gemeinsamkeiten nehmen kein Ende, zumal es hier genauso 38 Grad heiß ist wie dem Vernehmen nach in Niederbayern.

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  • 18Aug 2019

    12 Der zwangsläufige Verlust der Bodenhaftung 08/18/2019 Brazil —

    Porto Jofre, Brazil

    Description

    Bodenhaftung ist eine Eigenschaft, die Menschen zugeschrieben wird, welche realistisch den Gegebenheiten des Lebens ins Auge sehen und sich durch nix so schnell aus dem mentalen Gleichgewicht bringen lassen.
    Hier, im Pantanal, verlieren unter Garantie ausnahmslos alle ihre Bodenhaftung und das hat seinen Grund darin, dass das, was man hier vorgeführt kriegt, mit dem, was sich so ein durchschnittlicher Industriestaatenbürger unter Realität vorstellt, rein gar nix zu tun hat.
    Das fängt damit an, dass es jetzt, im Hochwinter, über 40 Grad heiß ist, für den Sommer kann man da schon noch gute 10 drauflegen.
    Das geht weiter damit, dass diese Landschaft eigentlich drei Landschaften ist, nämlich Sumpf, Savanne und Dschungel in einem. Das erklärt sich so: Während der Regenzeit im Sommer gibt es so heftige Niederschläge, dass größte Teile des Landes unter Wasser stehen, also ein riesiges Sumpfgebiet sind incl. des Urwaldes. Im Winter, wo der Regen ausbleibt, wandelt sich der Sumpf in weite Savanne und der Dschungel trocknet aus.
    Dieser stete Wandel hat zwei Konsequenzen.
    Zum einen ist Landwirtschaft nur in Form außerordentlich extensiver Rinderhaltung möglich und dies auch nur in den etwas höher gelegenen Randgebieten.
    Zum anderen kommen während der Trockenzeit die Tiere an die Flüsse, da viele der Seen und Tümpel ausgetrocknet sind. Und da wiederum führt manchmal die Straße vorbei oder man kann mit dem Boot hinfahren.
    Die gesamte Region ist etwa so groß wie die Bundesrepublik; den nördlichen Teil des zentralen Kerngebiets mit dem Nationalpark kann man nur auf einer schlechten Schotterstraße mit 122 zum Teil schon sehr wackeligen Brücken erreichen, durch den südlichen muss man per Schiff auf dem Fluss reisen.
    Fünf Tage waren wir hier unterwegs, wurden vom Gekreische der Papageien geweckt, sind Hunderten von Kaimanen begegnet, haben Ameisenbär und Gürteltier getroffen, waren permanent von Vögeln umgeben, die Anakonda war diesmal von gelber Farbe, hatte nicht soeben ein Wasserschwein verschluckt und konnte sich daher noch bewegen und die Wasserschweine waren besonders cool und haben uns vorgeführt, wie man Jaguare austrickst und auf diesem Gebiet waren schon die ganz kleinen ganz groß.
    Der Pantanal ist so unwegsam, dass es den Menschen bis in die 1970er Jahre nicht gelungen ist, das Land für sich nutzbar zu machen. Als es dann unter strikten Schutz gestellt wurde, begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Heute leben hier, unbehelligt von der Krokolederindustrie ca.
    30 Millionen Kaimane und aus den ursprünglich noch 700 Jaguaren sind wieder ca. 7000 geworden.

    Jetzt ist es spät geworden und morgen läutet der Wecker früh: Man muss noch das Nest der blauen Riesenpapageien suchen, am Baum vorbeischauen, auf dem die Mönchsittiche übernachten, einen letzten Versuch machen, um den kleinen Ameisenbären zu sehen und letztendlich kommt man auf den nächsten Kilometern auf der Fahrt heraus aus dieser Traumwelt noch an einem nicht ausgetrockneten See vorbei. Er ist die letzte Station unserer Reise durch eine Welt, die es auf dieser Welt eigentlich gar nicht mehr gibt und dennoch besucht werden kann.
    Da soll einer noch die Bodenhaftung behalten.

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  • 23Aug 2019

    13 Urwald und kein Ende 08/23/2019 Bolivia —

    San Matías, Bolivia

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    Die Überschrift ist zunächst irreführend. Auch die Menschen in Brasilien haben in dem Versuch, sich das Leben einfacher zu gestalten, große Teile der ursprünglichen Naturlandschaft in landwirtschaftlich nutzbare Fläche verwandelt – vornehmlich Weideland. Wenn man es aber, wie wir, drauf anlegt, die besonderen Flecken im übriggebliebenen Urwald zu finden, dann hält man sich halt überwiegend in weitgehend unberührter Landschaft auf. Und so ein Juwel liegt so rund 300 km nördlich des Pantanals. Die Wälder sehen gar nicht so unterschiedlich aus, das Wasser der Flüsse aber umso mehr; es ist hier glasklar. Und eine bescheidene touristische Infrastruktur, ausschließlich organisiert von lokalen Familien, macht es möglich, in einem kleinen See, genannt „Aquarium“, zu schnorcheln. Der Service ist unvergleichlich: Man schwimmt umgeben von größeren und kleineren Fischen, unterwegs als Einzelgänger oder in Schwärmen. Im zweiten Teil der Veranstaltung lässt man sich einen knappen Kilometer einen kleinen Dschungelfluss ganz langsam hinabtreiben, wobei man sich immer nicht entscheiden kann, ob man mit Brille und Schnorchel die Unterwasserwelt oder ohne den Dschungel, der den Fluss begrenzt und überwölbt, bestaunen soll.
    Und damit sich dieser Umweg wirklich lohnt, man muss ja die gesamte Strecke wieder zurückfahr en, will man, wie wir nach Bolivien weiter, liegt ganz in der Nähe noch der „Lago de Araras“. Der hat seinen Namen wirklich verdient – mehr Papageien haben wir auch im Pantanal zu besten Zeiten nicht an einem Fleck erlebt; das will was heißen. Und der Vollständigkeit halber: Die eine und andere Echse ist uns auch noch über den Weg gelaufen.
    Mit Bildern sind wir diesmal eher geizig. Das liegt zum einen daran, dass wir für Unterwasserfotos nicht gerüstet sind, zum anderen, dass nach dem Pantanal der Fototsunami wieder etwas zur Ruhe kommen sollte.

    Das Brasilienabenteuer endete einen heißen langen Fahrtag weiter im bolivianischen Grenzort San Matias und dort endet auch die Asphaltstraße. Gute 300 Kilometer harte Waschbrettpiste bedeuten weitere zwei Tage auf einem staubigen roten Band durch eine einsame überhitzte Tropenlandschaft.

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  • 30Aug 2019

    14 Das Wunder hinter den sieben Bäumen 08/30/2019 Bolivia —

    San Ignacio de Velasco, Bolivia

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    28.08.

    Sankt Ignatio

    Hinter den sieben Bergen ist ganz und gar nix mehr, außer einige Zwerge und ein Bergwerk. Das lehrt dem Deutschen, der eine durchschnittliche literarische Sozialisation erfahren hat, das Märchen vom Schneewittchen.
    Ost-Bolivien ist aber nicht das Deutschland der Romantik und Berge hat´s hier schon zweimal nicht. Stattdessen aber Wälder undurchdringlichster Machart und auch hier haben sich Padres des Jesuitenordens an das gleiche soziale Projekt gewagt wie im heutigen Nord- Ost – Argentinien (für säumige Leser vgl. diary Eintrag Nr. 8 „selva misiones“). Doch während dort Ruinen das Vorstellungsvermögen des Besuchers fordern, ist hier in der bolivischen Provinz Chiquitania die Jesuitenzeit zumindest in Teilen noch lebendig: Viele Kirchen wurden restauriert, werden noch als Gotteshäuser genützt und in all den fünf Orten, die wir besuchten, sind die großen Kirchplätze und teilweise auch noch einzelne Gebäudereihen drum herum erhalten und gehören zum Alltag.
    Unser besonderer Favorit ist Santa Ana, zum Weltkulturerbe ernannt und nur von Norden oder Süden über zwei üble Urwaldpisten erreichbar. Die nach Norden ist die kürzere, 46 Km lang, was gute zwei Stunden Fahrzeit bedeutet. Man durchquert dabei zwei Dschungeldörfer, bestehend aus wenigen, mit Palmblättern gedeckten kleinen Lehmhäusern, die von Indigenen bewohnt werden. Wenn man dann nach Santa Ana kommt, sieht es kaum anders aus, nur etwas größer. Aber auch hier zählt die Bevölkerung nur einige hundert.

    Die Kirche ist ein wunderbar proportioniertes Gebäude, weitgehend von indianischen Künstlern gestaltet, wobei bisweilen unübersehbar die eine oder andere Dorfschönheit Modell gesessen ist und auf diese Weise überdauert ihr Gesicht als Engel oder sogar Gottesmutter Maria die Jahrhunderte ohne zu altern. Auch in der Ornamentik wurde bisweilen ein Sonnenrad oder etwas Ähnliches in den Katholizismus hinüber transferiert. Man weiß nicht, ob die Jesuitenpadres, welche die Bauten veranlassten, die heimischen Bildhauer und Maler dazu anregten, toleriert haben sie es allemal und das kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen.
    Es ist aber nicht nur die Kirche, die diesen Ort so besonders macht. Deren Vorplatz ist nicht zu einem repräsentativen Park umgestaltet wie in den meisten anderen Jesuiten Reduktionen, sondern weitgehend als Wiese mit einigen Bäumen belassen.
    Und jetzt die architektonische Besonderheit: Weil Santa Ana so abgelegen liegt und der Wohlstand sich auch heute nur überaus zögerlich bemerkbar macht, waren zum Zeitpunkt der Restaurierung der Kirche in den letzten neunziger Jahren die den Kirchplatz umgebenden Häuserreihen fast noch original erhalten und wurden in das Unesco-Programm mit aufgenommen. Entstanden ist ein aus Zeit und Wirklichkeit gefallener Ort, zu dem die Parameter unseres mitteleuropäischen Realitätsbegriffs keinen Zugang finden.

    Noch viel unglaublicher ist allerdings, welche Begeisterung die Padres mit der Musik entfachten, die sie aus Europa mitgebracht hatten. Und sie spielten den Indianern die großen Werke der Barockzeit nicht nur vor, sie lehrten sie den Bau von Instrumenten – vornehmlich für Streicher – und auch, diese zu spielen. Und wiederum schätzen die Padres indigene Tradition und so entstanden neue Werke, europäischer Barockstil ergänzt durch Merkmale regionaler Musik.
    Es ist wirklich nicht leicht, sich vorzustellen, wie vor 250 Jahren in der winzigen Lehmhäuserinsel Santa Ana inmitten des tiefsten Dschungels Kirchensonaten für Orgel und Streichorchester erklingen, aufgeführt von indianischen Musikern. Wenn man dann aber noch vom Mesner zu der inzwischen restaurierten Originalorgel geführt wird, der alte Mann das Grundthema aus dem letzten Satz von Beethovens 9. Sinfonie erklingen lässt und der Chronist selbst einige Takte aus einer Mozartsonate (was sonst) spielen darf, das alles auch heute noch umgeben von dichtestem Urwald, dann ist man schon versucht, sich in den Arm zu kneifen, um sicherzustellen, dass man nicht träumt.

    Wir besuchten Santa Anna mehrere Stunden um die Mittagszeit, abends kamen wir zurück und übernachteten in einer Ecke des Kirchplatzes. Dieser Ort lässt den Reisenden nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen.

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  • 02Sep 2019

    15 Die emotionale Achterbahn 09/02/2019 Bolivia —

    Samaipata, Bolivia

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    Auf dem Weg vom bolivianischen Tiefland zur zentralen Hochebene muss man erst einmal ein Gebirge überwinden, die Cordillera Oriental. Im unteren Teil, so ungefähr bis zu 1200 Meter, ist es noch von Urwald bedeckt und das Klima noch immer ordentlich warm. Da trifft es sich gut, dass hier nochmals zwei Wasserfälle mit durchaus akzeptablen Schwimmgumpen besucht werden können, bevor es hinauf geht auf 4000 Meter und mehr und die Verhältnisse unwirtlich werden.
    Ein wolkenloser Himmel hat das seine dazugetan, dass es Bine plötzlich gar nicht mehr eilig hatte. Das Problem hat dann allerdings die Natur höchst elegant gelöst: Morgens plötzlich Regen und Nebel, gerade recht, um zur ersten Inkafestung auf unserer Reise zu fahren, die auf ca. 2000 Meter liegt. Zunächst war das Gebiet völlig verhüllt, dann lichtete sich die Szenerie zeitweise, Nebelschwaden zogen durch, vereinzelte Sonnenflecken irrlichterten – eine Stimmung, gerade recht, um in die für uns doch sehr fremde präkolumbianische Zeit einzutauchen.


    Anmerkungen zum nicht mehr ganz normalen Wahnsinn, zweiter Teil:

    Auf einem riesengroßen, mit alten Bäumen bestandenen Campingplatz ein gemütliches Plätzchen zu finden, ist nun wirklich kein Zauberwerk, zumal wenn wir die einzigen Gäste sind. Da kurvt man ein wenig über die Wiese zwischen den Bäumen und bespricht, wo der Schatten am effektivsten und es überhaupt am schönsten wäre.
    Bine hat das Unglück schon geahnt und gemeint, dass der Bereich, der eben angesteuert wurde, doch etwas weniger gepflegt sei. Im nächsten Moment knirschte, knackte und krachte es und der Iveco kippte urplötzlich nach links und das nicht nur ein bisschen. Und da auf einer trockenen Wiese kein Mensch je die Differenzialsperren einschaltet, stand er auch.
    Die Bestandsaufnahme war nur mittelwitzig: Wir waren in eine von Gras überwachsene Sickergrube eingebrochen und das Hinterrad hing in der Luft, das Auto wurde nur noch vom Hinterachsdifferenzial und vom linken Außenstaukasten bzw. dem Unterfahrschutz gestützt.
    Ziemlich hektisch wurde erst einmal versucht, mittels Wagenheber die Fuhre provisorisch zu sichern
    - Erfolg: Es hat wenigstens nicht schlecht ausgesehen.

    Mit einem sehr stabilen Balkens (sauschweres Urwaldholz) versuchten wir dann das Rad stückweise anzuheben, damit wir Holzklötze unter die Achse schieben konnten (sowas hat man ja vorausschauend dabei).
    - Erfolg: Es brachen weitere Teile der Sickergrubenabdeckung ein, das Auto hing
    nur noch auf dem Wagenheber und der Achse und auch darunter drohte der Boden einzubrechen.

    Jetzt wurde es uns langsam richtig mulmig: Irgendwie bekamen wir als Notsicherung den Balken noch unter die linke Hinterradfeder.
    - Erfolg: Sollte der Truckie noch weiter einbrechen, wäre die Feder wohl mit ziemlicher
    Wahrscheinlichkeit hinüber, aber wenigstens würde er nicht umkippen.


    Jetzt ließ Bine nicht locker und brachte den Campingplatzbesitzer (in der Steinzeit hätte dieser eine große Zukunft als Fallgrubenbauer vor sich gehabt) dazu, so lange zu telefonieren, bis ein LKW-Kran gefunden war, der sich – inzwischen war es dunkel geworden - bereiterklärte, aus dem nächsten größeren Ort, 10 Kilometer entfernt, zu kommen.
    Eine knappe Stunde mussten wir warten – der letzte Teil des Weges ist von der ganz grausigen Sorte – dann war die Hilfe da; und was für eine. Die drei Jungs diskutierten kurz, holten dann einen Spezialgurt hervor, den man perfekt materialschonend an der Felge einhängen kann, und so vorsichtig, als gelte es Meißner Porzellan zu transportieren, hoben sie das Auto hoch.
    - Erfolg: Zwei Balken wurden über die Grube gelegt, das Rad sorgsam darauf abgelassen
    und man konnte fröhlich wegfahren.

    Und sie wollten wahrlich nicht viel Geld dafür. Da hat Bine gerne ihre letzten drei Bierdosen als zusätzliches Zeichen unserer Dankbarkeit draufgepackt.


    Inzwischen war es weit nach 22 Uhr geworden. Das Helferteam verabschiedete sich in den Feierabend, der Campingplatzbesitzer zu seinem Abendessen und der Chronist untersuchte das Auto, ob es denn außer einem leicht verbeulten Außenstaukasten denn noch andere Schäden gäbe. Außer einem stark verbogenen Ventilröhrchen an der Felge war nix zu entdecken; bei dem Versuch, es wieder verwendbar zu machen, brach es ab. Da pfeift dann in Sekundenschnelle die gesamte Luft raus und das Rad steht auf der Felge. Also musste es noch gewechselt werden und etwas nach Mitternacht hatten wir dann auch etwas gegessen und durften in´s Bett.

    Nachtrag: Wir haben natürlich ein spezielles Ventilrohr, denn wir können Reifen mit und auch ohne Schlauch verwenden. Im nächsten Ort, ein ziemlich kleiner – für bolivianische Verhältnisse aber eher nicht - gab es dafür natürlich kein Ersatzteil. Da kam der Gomisto auf die Idee, einfach aus dem noch brauchbaren Teil unseres Ventils und einem gebrauchten ein neues zusammenzulöten – bis jetzt hält´s.

    Es gibt kein Foto von diesem denkwürdigen Abend. Niemand hatte die Nerven, aus dem so schräg hängenden Auto auch noch die Kamera zu holen, anderntags fanden wir das Loch mit den beiden Hölzern, auf denen wir weggefahren sind, eindrucksvoll genug.

    Wir hätten halt das alte bolivianische Sprichwort beachten sollen:

    „Fehlt es an der Rasenpflege,
    bleibt man besser auf dem Wege“

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  • 07Sep 2019

    16 Straßenzustandsbericht 09/07/2019 Bolivia —

    Tarabuco, Bolivia

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    Das Bolivianische Straßennetz ist ca 41 000 Kimometer lang, davon sind rund 5 500 asphaltiert - beides doch eher bescheidene Zahlen, wenn man bedenkt, dass das Land mehr als dreimal so groß ist wie die Bundesrepublik.
    Da verwundert es nicht, dass man, verlässt man die direkten Verbindungsstrecken zwischen den großen Städten (die bisweilen auch recht rumpliges Flickwerk sind), sehr schnell auf mehr oder weniger ausgefahrenem Schotter landet.

    Unserem Auto war ja bei dem Sickergrubenintermezzo nichts Nennenswertes passiert, also sprach nichts dagegen, für die Fahrt nach unserem nächsten großen Ziel, die Kolonialstadt Sucre, eine sehr abgelegene Bergstrecke zu wählen, die in Reisebüchern als ganz besonders eindrucksvoll beschrieben wird.
    Diese Einschätzung ist richtig. Man muss sich das so vorstellen: Nach wenigen Kilometern endet der Asphalt und der sehr staubige Schotterweg schraubt sich gleich einmal mehr als 1000 Höhenmeter hinauf bis an die 3000er Grenze. In dieser Höhe, bisweilen ein wenig auf und ab, fährt man dann mehr als einen Tag, bis es hinunter in´s Tal des Rio Grande (davon gibt es anscheinend mehrere) geht.
    Nach einigen Kilometern im Flusstal muss der Iveco wieder ungefähr so hoch hinauf wie vorher, bis wir nach so 240 Kilometer und zweieinhalb Tagen Asphalt erreichen und unsere Reifen wieder auf normalen Druck aufpumpen dürfen.
    Übrigens: Wir haben einen robusten Militär – LKW und sind auf dieser Strecke einen Schnitt von 18 Km/h gefahren. Alle weiteren Fragen zum Straßenzustand erübrigen sich wohl. Das war aber nun gar nicht schlimm, denn die Gebirgsszenerie wechselte andauernd zwischen Weideflächen, Felsformationen, Kakteen, Geröllfeldern und schütteren Wäldern. Und in dieser Landschaft gibt es auch noch einen Wandertrail über einen Bergrücken mit bester Aussicht zu einem Wasserfall. Den allerdings konnten wir dann nirgends entdecken, Ende des Winters ist es wohl auch für sowas zu trocken.
    Die Strecke ist so einsam, dass uns im Mittelteil keine Autos mehr begegnet sind, nur noch Busse und von denen auch nur drei oder vier in jede Richtung.
    Aber dafür wir haben zwei Kondore fliegen gesehen.

    Anmerkungen zur Sozialgeschichte

    Im Jahr 1966 herrschte in Bolivien eine höchst geladene Atmosphäre. In fast allen Bergwerksstädten gab es Streiks und Aufstände der Arbeiter, die sich gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Minen zur Wehr setzen wollten. Nach einem Militärputsch gelang es der Armee mit purer Gewalt zu verhindern, dass sich die Unruhen noch mehr ausweiteten.
    In dieser Situation verließ Ernesto Guevara, genannt Che, seinen sicher nicht ganz ungemütlichen Regierungsmitarbeiter Sessel in Cuba, um die Bolivianischen Mineros zu unterstützen, deren Hauptproblem wohl die mangelnde Organisation war, was sicher hauptsächlich an deren eklatanten Bildungsdefiziten lag.
    In den einsamen Bergen, die wir in diesen Tagen durchquerten, versteckte sich Che, um mit den Minenarbeitern Kontakt aufzunehmen. Die Junta erfuhr davon und statuierte ein Exempel: In der Stadt Catavi wurden im Juni 1967 mehr als 2000 Bergarbeiter mitsamt ihren Frauen und Kindern niedergeschossen. Mit dieser brutalen Machtdemonstration war der Widerstand der Mineros gebrochen und auch Bauern, welche Che und seine Begleiter unterstützten, wagten dies nicht mehr, bis letztlich einige von ihnen die Partisanengruppe an das Militär verrieten.
    In dem Bergdörfchen La Higuera, das an dieser Straße liegt, wurde Ernesto Guevara und einige seiner Begleiter ohne Prozess ermordet und im Hospital des ca. 50 Km entfernten Städtchens Vallegrande seine Leiche zwei Tage lang der Öffentlichkeit vorgeführt, bevor sie im nahegelegenen Militärgelände an unbekanntem Ort verscharrt wurde. In Bolivien war damals genauso wie in der westlichen Öffentlichkeit (in Deutschland herrschte damals gerade Kurt Georg Kiesinger-Braun) die Rede von einer Bande, welch angeblich grundlos mordend durch Bolivien gezogen war.
    Diese Einschätzung hat sich hier zwischenzeitlich radikal geändert . Der erste indigene Präsident Boliviens Evo Morales sieht es als Aufgabe seiner Regierung, die Ideen der revolutionären Mineros und Indigenas weiterzutragen; so wurden in Vallegrande kleine Gedenkstätten geschaffen und in der Schule in La Higuera, in der Che und ein Begleiter erschossen wurden, ein bescheidenes Museum eingerichtet.
    Das Straßenstück zwischen den beiden Orten heißt jetzt Ruta del Che.

    Von den Jesuitenreduktionen im Nord – Osten Argentiniens bis hierher spannt sich ein Bogen, der ca. 200 Jahre der Geschichte der Utopien sozialer Gesellschaftsmodelle und ihrer brutalen Niederschlagung umfasst.
    Wieder einmal lässt sich Grübeln nicht ganz vermeiden.

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  • 10Sep 2019

    17 Gleich zwei Städte hintereinander 09/10/2019 Bolivia —

    Potosi, Bolivia

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    Wer nur noch 150 Kilometer nach San Franzisco/ USA fahren müsste und es dann nicht tut, weil ihm die bunten Felsen von Utah wichtiger sind, kann nun wahrlich nicht als Städtereisender bezeichnet werden. Da muss die Anziehungskraft schon groß sein, wenn auf dieser Reise gleich zwei Großstädte hintereinander besucht werden.
    Die erste ist Sucre, beherbergt etwas mehr als 300 000 Einwohner, ist nach der Verfassung Boliviens Hauptstadt und wird auch die weiße Stadt genannt, letzteres wegen der der blendend weißen, sehr gepflegten Gebäude aus der Kolonialzeit, die das Stadtbild um den zentralen Platz prägen, wo wir uns öfters herumtrieben. Mindestens genauso gut gefallen hat uns allerdings der Mercato Centrale, wo das bolivianische Leben ungefiltert tobt und man angeblich alles bekommt, was es sonst im ganzen Land nicht zu kaufen gibt. Ein weiterer Grund dafür, dass wir vier Tage hier blieben, war, dass gerade die Feierlichkeiten zur Fiesta de la Virgen de Guadelupe, der Stadtpartonin, begannen und diese Mischung aus Karneval und Religiosität sollte man sich niemals entgehen lassen.
    Außerdem lernten wir ein weiteres altes bolivianisches Sprichwort kennen: Je heiliger, desto laut.

    Nur knappe drei Stunden Fahrzeit weiter liegt auf 4000 Meter in ziemlich lebensfeindlicher Umgebung die nächste urbane Besonderheit, die Silberstadt Podosi am Fuße des Cerro Rico, des reichen Berges.
    Seit 1545 wird der das Stadtbild beherrschende Berg ausgebeutet, zuerst durch die Spanischen Imperialisten, dann von den sogenannten Zinkbaronen.
    Die Arbeit allerdings mussten dazu gepresste Indigena unter unmenschlichen Bedingungen erledigen. Genau lässt sich nicht rekonstruieren, wie viele Indios in den Stollen von Podosi bis zur Befreiung von den Spaniern 1825 ihr Leben lassen mussten, dass die Zahl im Millionenbereich liegt, gilt aber als gesichert. Im Anschluss wurde es bis heute kaum besser. Noch immer wird über die Arbeit in den Bergwerken Schlimmstes berichtet und die durchschnittliche Lebenserwartung der Mineros liegt dem Vernehmen nach bei 35 Jahren – für die Menschen hier gibt es aber keine Alternativen. Bereits Kinder bitten Touristen um Dynamit, auf dem Markt frei erhältlich und sprengen auf eigene Rechnung, um etwas zu verdienen. Auf diesem Hintergrund werden die Ursachen der Aufstände in den 1960er Jahren greifbar und die Rolle Ernesto Guevaras erscheint in einem anderen Licht.
    Man kann viele Stollen besichtigen und bei der Arbeit zusehen. Wir haben es nicht getan; unserer Meinung nach wird hier die Grenze zum Sensationstourismus überschritten.
    Stattdessen haben wir uns in den quirligen Gassen herumgetrieben, das Silbermuseum angesehen und sind auf Türme gestiegen, um die einmalige Lage der Stadt unter dem alles beherrschenden Erzberg, umgeben von einer gebirgigen Wüstenlandschaft, zu genießen.

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  • 19Sep 2019

    18 Der Fluchtversuch über den Salzsee 09/19/2019 Bolivia —

    Uyuni, Bolivia

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    Die 450 Kilometer lange Reise von Podosi über Uyuni nach Tupiza kann man eigentlich nicht beschreiben, das heißt, zumindest nicht angemessen. Zu differenziert sind die Landschaftsformen, die Flora und die Lichtverhältnisse und zu weit weg ist das alles von dem, was wir bislang erlebt haben. Die Rocky Mountains sind zwar, speziell im Norden, ähnlich weit, aber nicht so hoch und viel mehr vergletschert.
    Dennoch ein Versuch: Man verlässt Podosi und bewegt sich in der Gebirgslandschaft der Anden, immer so zwischen 3600 und 4200 Metern. Die höchsten Berge rundrum dürften sich dann so um die 5000 bewegen. Etwa ab halber Strecke führt die Straße zunehmend weniger auf und ab, die Landschaft nivelliert sich und pendelt sich so um die 4000 Meter ein. Diese Ebene ist allerdings kein Bügelbrett, sondern immer noch hügelig und diese Hügel sind, gemessen an europäischen Vorstellungen, richtig groß.
    Gegen Abend erreicht man den Abbruch zur großen Salzebene von Uyuni. An der Kante gibt es einen prima Übernachtungsplatz und wenn man es richtig anstellt, sieht man 600 Meter unter sich einen Teil des größten Salzsees der Welt sowohl im Abend- wie auch im Morgenlicht. Für die gesamte Fläche reicht es deswegen nicht, weil der größere Teil hinter dem Horizont verschwindet.
    Vom Salzsee selbst gibt es nichts zu berichten, die Gründe werden bei weiterer Lektüre dieser Zeilen verständlich werden.
    Die Weiterfahrt in das 250 Kilometer entfernte Tubiza ist gleichzeitig der endgültige Schwenk nach Süden und läuft spiegelbildlich ab: Nach der brettebenen Umgebung von Uyuni geht es über einige Hochebenen hinauf in die Gebirgslandschaft der Anden, man passiert einen 5500 Meter hohen Vulkan – es findet sich auch in dieser Höhe kein Quadratmeterchen Gletscher – um dann am Ende geradezu hinunter zu stürzen in die 2900 Meter tief gelegene „Stadt des ewigen Frühlings“ Tupiza.


    Anmerkungen zum nächsten Wahnsinn

    Wie beschrieben übernachteten wir landschaftlich umwerfend, aber auch richtig kalt, weit über dem Salar de Uyni. Am Morgen wollten wir wenige Kilometer zurückfahren zu einem kleinen Bergwerksmuseum. Kaum auf der Hauptstraße wurden wir von drei querstehenden LKW gestoppt – Straßensperre. Sowas soll es ja öfters geben und sie war ja bereits hinter uns (auf das Museum mussten wir halt verzichten), also kein Grund zur Aufregung. Auf den wenigen Kilometern nach Uyuni allerdings die nächste. Wir waren guter Dinge in der Annahme, in einigen Stunden wäre der Spuk vorbei. Als dann das Fernsehen kam und mit den Aktivisten Interviews führte, wir herausbekamen, dass diese Straße auf unbestimmte Zeit gesperrt sei, kamen wir schon etwas in´s Grübeln.
    Unser Problem war nämlich, dass wir zur Immigrationsbehörde nach Uyuni mussten, um unser Visum verlängern zu lassen. Abgelaufene Visa sind in Bolivien für Leute, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, ein massives Problem, da bei Terminüberschreitung der Zoll die Kiste beschlagnahmt und erst, nachdem sie zu astronomischen Summen nachverzollt ist, wieder herausrückt. Wir haben jemanden kennengelernt, dessen ziemlich altes Wohnmobil seit Jahren in Bolivien steht, weil 80% des Neupreises fällig wären.
    Irgendwie konnten wir nach ca. 4 Stunden den Blockadeposten unsere Situation erklären und durften weiter. In der Stadt selbst wurde dann klar, dass wir in einen Generalstreik in der gesamten Region Uyuni geraten waren, nicht weiterkonnten, da alle Straßen blockiert waren, kein Geschäft und kein Restaurant geöffnet hatte und Diesel gab es schon gleich gar nicht. Das alles sind eher Unannehmlichkeiten, richtig ernst allerdings wurde die Situation, als wir erfuhren, dass die Immigrationsbehörde auch bestreikt wurde, dies der dritte und finale und daher unbegrenzte Streik sei. Eine Woche noch gab uns unser Visum, das ist bei zwei Tagen Fahrt an die argentinische Grenze und unbefristetem Streik nicht viel.
    Einen ganzen Tag war Bine unterwegs, bei der Nationalen Polizei, bei der lokalen Polizei, bei der Tourismus Polizei, bei der Stadtverwaltung, beim Streikkomitee – entweder man fühlte sich nicht zuständig, war zu beschäftigt, oder hatte vielleicht nicht die Kompetenz zu helfen. Wir bekamen auch zunehmend den Eindruck, dass viele das Problem nicht erkannten, dass sich unter Passport und Visum sehr viele dieser Menschen nichts vorstellen können. Vermutlich haben sie ihre engere Region kaum verlassen. Ein freundlicher Herr erklärte sich bereit, unsere Situation in spanischer Sprache nieder zu schreiben. Oftmals, wenn wir dieses Papier vorzeigten, war unverkennbar, dass man es gar nicht lesen konnte.
    Unter den Touristen in der Stadt machte sich zunehmend Unmut breit und sie fanden Unterstützung bei den Tourismusunternehmern, welche aus verständlichen Gründen den Imageverlust möglichst klein halten wollten. Mit der Streikkommission wurde ausgehandelt, dass die Ausländer in der Nacht mit Bussen die Stadt verlassen dürften, die drei Ausländer Autos könnten auch mit.
    Leise Hoffnung machte sich breit, sofort allerdings wieder getrübt von zwei Straßensperren, die uns nicht einmal innerorts zum Abfahrtsplatz der Busse lassen wollten. Die Posten der ersten konnten wir noch überzeugen, bei der zweiten musste Bine die Hardliner ablenken und sich zwischen sie und den Iveco stellen. Und ehe die begriffen, was los ist, fuhr ich urplötzlich über den Gehweg im Slalom um die Laternen los und saß Bine auf dem Beifahrersitz.
    Die Situation auf dem Sammelplatz wurde zunehmend gespenstisch: Mehr als 400 Touristen, von den Organisatoren der Evakuierung zu absoluter Ruhe aufgefordert, warteten auf einem spärlich beleuchteten Platz diszipliniert in einer endlosen Reihe auf die Busse. Irgendwann organisierten die Fundamentalisten unter den Streikenden eine Demonstration gegen die Ausreise, Parolen wurden skandiert und die Situation drohte zu eskalieren. Aktivisten wollten sich zwischen die Ausländer mischen, die Gegenmaßname waren Menschenketten, gebildet von Einheimischen, welche die Probleme der Touristen wohl nachvollziehen konnten.
    Acht Busse kamen, das Einsteigen dauerte. Uns drei Ausländerfahrzeugen wurde gesagt, wir sollten uns bei der Abfahrt sofort an den ersten Bus hängen, damit man uns an den Straßensperren nicht von den Reisebussen trennen könne.
    Und jetzt folgende Situation: Es ist 22:30, auf der einen Straßenseite eine Reihe von acht Bussen, auf der anderen unser Iveco, hinter sich zwei Jeeps, alle mit laufenden Motoren – der Platz leer, die Demonstranten sind verschwunden. Minutenlang passiert nichts, dann urplötzlich das Abfahrtssignal und es geht in voller Fahrt auf Nebenstraßen durch das menschenleere Uyuni. An der Ausfallstraße am Ortsrand dann wie aus dem Boden gewachsen Demontranten, doch angesichts der hohen Geschwindigkeit und des sehr geringen Abstands zwischen den Fahrzeugen wagen sie nichts. Allerdings währte die Freude höchstens 5 Kilometer: Brennende Reifen, Straßensperre. Nach langen Verhandlungen mussten wir umkehren.
    Jetzt wurde ein neuer Versuch gestartet; angeblich gab es noch zwei ganz üble, kaum befahrene Pisten, die nicht gesperrt waren. Ein Teil der Ausländer wurde auf ca. 30 Jeeps der Tourveranstalter umgeladen, und wieder ging es urplötzlich im Höllentempo los. Eine solche Aktion lässt sich nicht geheim halten und die Frage war: Wer ist schneller – die Touristenjeeps oder die Streikenden. Die Fahrzeuge waren durchwegs hochmotorisierte Toyota Landcruiser; unser Iveco ist eineinhalb Meter länger und höher und zwei Tonnen schwerer – seit dieser Nacht trauen wir diesem Wunderwerk italienischer LKW-Baukunst alles zu.
    Es ging rasend über Gröllpisten, durch ausgetrocknete Flussbetten, mehr oder weniger abgetrocknete Salzflächen und im Blindflug durch Weichsandfelder; die wilde nächtliche Jagd aber war erfolglos. Auf beiden Routen waren die Aktivisten schneller und im Morgengrauen fand man sich unverrichteter Dinge auf dem Platz wieder, auf dem man sich 12 Stunden vorher so hoffnungsfroh zusammengefunden hatte.
    Es gäbe noch vieles zu berichten, zum Beispiel, wo plötzlich das Diesel für die Jeeps und unseren Iveco herkam, wo trotz massiven Aufgebots an Streikposten Lebensmittel zu organisieren waren, was passierte, als plötzlich im Hungerstreik befindliche Demonstranten zusammenklappten …
    Es sind letztlich Marginalien und der Text ist eh schon heillos ausgeufert.

    Das Ende:
    Wir haben uns dann sofort, ohne geschlafen zu haben, alleine auf den Weg nach Tupiza gemacht, die erste Straßensperre haben wir bei einer nächtlichen Pause erwischt, die Posten der zweiten konnten wir überzeugen, die der dritten waren unerbittlich. 14 Stunden mussten wir noch warten, dann wurde abends um 22:00 der Streik beendet, die Sperre aufgehoben und es war schon ein gutes Gefühl, nicht mehr als Geisel in einer politischen Auseinandersetzung fungieren zu müssen.
    Hätten wir gewusst, dass die Nummer nur drei Tage dauert, wir hätten uns schon drein gefügt. Die Ungewissheit über die Dauer mit einer Ausreise - deadline im Nacken hat aber schon an den Nerven gezerrt.

    Um der gesamten Situation gerecht zu werden, müsste man jetzt noch die Hintergründe der politischen Auseinandersetzung erklären und welche Rolle dabei Generalstreik und Straßensperren spielen. Wir aber finden, der Leser, der es bis hierher geschafft hat, ist tapfer genug und auf Anfrage geben wir natürlich gerne Auskunft.

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  • 22Sep 2019

    19 Fotokurs 09/22/2019 Argentina —

    San Antonio de los Cobres, Argentina

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    Beginnt jemand, sich ernsthafter mit Fotografie zu beschäftigen, kommt man um Materialfragen nicht herum und die Ratschläge, die man bekommt, sind ob ihrer Unterschiedlichkeit oftmals eher verwirrend, denn hilfreich. In einem aber sind sich alle einig: Man braucht für Landschaftsaufnahmen ein Weitwinkelobjektiv, so um die 24 mm Brennweite wäre gerade recht.
    Das mag für Fotos in Niederbayern ja richtig sein, hier in den Anden sind fast immer die Teleobjektive drauf. Die Landschaft ist so weit, dass man mit konventionellen Methoden auf den Bildern rein gar nix sieht und der Vulkan, fast 6000 Meter hoch, verkommt zum Stecknadelkopf.
    Zur Verdeutlichung: Das Reiseteam war ratlos bei der Einschätzung der Dimension einer kleinen Hochebene. Um das alles einmal in einen realistischen Rahmen zu bringen, wurde die Entfernung zu einem Hügel weiter vorne an der Straße geschätzt; die eine Meinung war drei Kilometer, die andere: vier könnten es schon sein. Laut Kilometerzähler des Iveco waren es dann 19 – für sowas braucht man schon so zwischen 200 und 300 mm.

    Die Alti Plano Hochebene setzt sich in Argentinien nach Süden fort, heißt dort Puna und da wir aus bekannten Gründen in Bolivien mit Hochebene Besichtigen nicht recht weitergekommen sind, bogen wir nach dem Grenzübergang sofort Richtung Westen ab und nun wurden wir für alles Ungemach entschädigt:
    Von einer Lagune mit Flamingos, vorbei an einsamen, teils verfallenden, aber auch noch an bewohnten Lehmziegelhäusern zu einer Inkasiedlung in einem Kakteenwald; vorbei an bunten Bergen zu einem Salzsee, zwischendrin ein Dorf mit einem Adobekirchlein, gedeckt mit Punagras. Am Morgen sind die Bachdurchfahrten vereist, irgendwann stößt man in der menschenleeren Wüste auf eine Eisenbahnlinie, auf der die Bodenschätze der Puna abtransportiert werden und der Iveco sieht tagelang keinen Asphalt und wir nicht viele andere Menschen.
    Das alles spielt sich zwischen 3800 und 4500 Metern Höhe ab, bei täglich strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen, solange kein Wind pfeift. Nachts allerdings wird´s richtig kalt.

    Übrigens: Dass der Grenzübergang nach Argentinien auf bolivianischer Seite auch wieder blockiert war, diesmal von Duzenden von Kies-LKW, wir aber auf einer abenteuerlichen Route (4x4 only) durch die wildesten Hinterhöfe des Grenzstädtchens – die Polizei hatte uns den Weg verraten – dennoch durchkamen, finden wir zwischenzeitlich kaum mehr der Erwähnung wert.

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  • 29Sep 2019

    20 Nur kurz in der Zivilisation 09/29/2019 Argentina —

    Cafayate, Argentina

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    Wenn die Kolonialstadt Salta in die Nähe kommt, muss man runter vom Alti Plano – von über 4000 Meter auf 1200. Entsprechend verändern sich die klimatischen Verhältnisse, das Thermometer klettert auf über 25 Grad, der Wind fehlt und es wird richtig gemütlich. Da kann man schon lange durch die Gassen streifen, auf Plätzen rumtrödeln und die Stadt genießen, welche von den Argentiniern „Die Schöne“ genannt wird; viele Bauwerke in der Innenstadt geben ihnen recht.
    Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum man um Salta nicht herumkommt, wenn man sich in Nord-West-Argentinien herumtreibt: Das Museum, in dem die Mumien der drei adeligen Inkakinder aufbewahrt werden, die vor über 500 Jahren auf dem Gipfel eines 6700m hohen Vulkans den Göttern geopfert wurden. Erst 1999 wurden sie und die Gegenstände, die man ihnen auf ihre Reise zu den Göttern mitgegeben hatte, völlig unversehrt gefunden.
    Die Ausstellung ist sehr pietätvoll und informativ gestaltet, kann aber die drängendste Frage auch nicht beantworten: Was hat die Lebensumstände der Inka-Fürsten so nachhaltig beeinflusst, dass sie sich genötigt sahen, die Götter mit dem Opfer eigener Kinder gnädig zu stimmen?
    Nicht das erste Mal bildet Reisen weniger als es ratlos macht.

    Nach dem Besuch der Stadt geht´s gleich wieder in die Berge, der Pass ist diesmal nur 3600 Meter hoch, dafür fährt man drüben durch einen Kakteenwald abwärts und landet in einem Tal, das …
    Na ja, jeder, der uns ein wenig besser kennt, weiß, dass wir zu emotionalen Superlativen neigen, sobald die Rede auf „Utah“ kommt. Man kann es vielleicht so beschreiben: In Utah wäre besagtes Tal unter Garantie ein Nationalpark mit Ranger, Visitorcenter, Trailmap und allem Drum und Dran. Hier ist es ein Tal, durch das sich eine sehr üble Waschbrettpiste schlängelt, befahren von einzelnen Bewohnern der wenigen Dörfer, die sich auf die 180 Kilometer verteilen, einigen Touristen, welche hier ihre Leihwagen weich prügeln und uns.
    Übrigens: Wir haben uns in diesen Dörfern recht wohl gefühlt und waren wieder einmal sehr langsam unterwegs.

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  • 02Oct 2019

    21 Es gab nicht nur die Inkas 10/02/2019 Argentina —

    Argentina

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    Man kann für eine Reise Zeit haben, soviel man sich nur wünschen mag, ganz ohne Plan geht´s einfach nicht, denn alleine schon durch die Jahreszeiten entstehen Rahmenbedingungen, die man tunlichst nicht völlig ignoriert.
    So müssen unsere Tage in den Anden so langsam ein Ende finden, denn der Frühling zieht nach Süden und wir sollten mit ihm mit, wollen wir Patagonien und Feuerland im Sommer erleben.

    Für die Ausgrabungen von Quilmes muss unbedingt noch Zeit sein: Hier lebte zur Zeit der Inkas ein Indigenes Volk, von dem man weiß, dass es vor ca. 1000 Jahren die Anden herunter kam. Wie es da vorher hinaufgekommen ist, bleibt ungeklärt.
    Wie dem auch sei, die Qilmes Indianer betrieben bald hochkultivierten Ackerbau und schufen in kurzer Zeit ein perfekt organisiertes Gemeinwesen, das für damalige Zeit nachgerade vorbildlich war.
    Dazu könnte beigetragen haben, dass von den Quilmes keine einzige aggressive militärische Operation bekannt ist. Dem jetzigen Forschungsstand entsprechend konzentrierten sie sich ausschließlich auf Verteidigung und schützten ihre Stadt mit entsprechenden Bauwerken, mit dem Ergebnis, dass sie von den Inkas nicht erobert wurden, sondern neben ihnen quasi in Nachbarschaft lebten, was unseres Wissens nach nicht vielen gelungen ist.
    Als die Inkas schon lange von den Spaniern aufgerieben waren, widersetzten sich die Quilmes noch 130 Jahre lang, bis sie schließlich doch besiegt und über 1000 Kilometer entfernt in die Verbannung geschickt wurden. Steinschleudern gegen Feuerwaffen hat halt noch nie funktioniert, da kann der pazifistische Idealismus noch so groß sein.

    In der Nähe hat ein indigener Künstler …, ja was eigentlich geschaffen: Ein Museum, einen Garten, ein kleines Dorf … jedenfalls ein Ensemble, das sich, was die Bauformen und die Materialien anlangt, eng an den Ruinen von Quilmes orientiert und in den Höfen und Plätzen zwischen den Gebäuden stehen gleiche Kakteen wie in dem Ausgrabungsgelände. Das Bauwerk ist Pachamama, der Mutter Erde gewidmet und entsprechend findet der Figuren- und Bilderschmuck seine Inspiration im Umfeld dieses Kults.
    Entstanden ist so ein Ort, an dem man lange verweilten möchte, der unablässig Neues und Überraschendes entdecken lässt, der bisweilen verwundert, manchmal zum Lachen bringt und der ein wenig von der Friedfertigkeit, die man den Quilmes Indianern zuschreibt, in die Gegenwart herüberrettet.

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  • 07Oct 2019

    22 the big jump 10/07/2019 Argentina —

    Santa Rosa, Argentina

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    Man kann auf zwei Wegen nach Patagonien fahren. Entweder im Westen die Anden entlang, aber die Tour ist für den Herbst in umgekehrter Richtung vorgesehen oder quer durch´s Land, was den Vorteil hat, dass die südliche Atlantikküste quasi auf dem Weg liegt, wo man angeblich verschiedenes Meeresgetier und ähnliches antrifft.

    Quer durch´s Land sind es mehr als 2000 Kilometer.

    Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich: Von Wüste über Landwirtschaft zu Pampa.

    Die Straßen sind sehr abwechslungsreich: Nach Süden und manchmal nach Osten und manchmal was dazwischen.

    Wir waren eine Woche unterwegs. Das Wetter war sehr schön und es hat uns sehr gut gefallen.

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  • 11Oct 2019

    23 scenic byway 10/11/2019 Argentina —

    Argentina

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    Und es begab sich - mit diesen Worten beginnen manche Geschichten, in denen es um Wunder geht -, dass im Argentinischen Tourismusministerium eine Gruppe ehrenwerter Männer saß und einer sprach: Lasset uns eine Straße bauen, zwischen Balneario el Condor und San Antonio Este, an der Küste entlang, denn dort ist es landschaftlich einzigartig schön, völlig unbebaut, Felsensittiche nisten in kilometerlangen Steilküsten, Robben und Seehunde leben ebenda, selbst die so selten anzutreffenden Seelöwen haben dort zu Tausenden ihre Heimat, man sieht Wale und Delfine.
    Es werden Touristen kommen in unermesslicher Zahl, argentinische und aus weit entfernten fremden Ländern und sie werden jubeln vor Entzücken, werden Loblieder singen über die Schönheit Argentiniens überall auf der Erde.
    Und so geschah es; eine ordentliche Schotterpiste wurde gebaut volle 210 Kilometer lang.

    Da mussten wir natürlich hin und fanden alles so vor wie oben beschrieben. Nur die unermessliche Zahl an Touristen konnten wir nirgends entdecken. In vier Tagen begegneten uns knappe 30 Autos, wovon mindestens die Hälfte eindeutig dem Straßenbau zuzuordnen war. Ob der Rest Bewohner eines der beiden Dörfer waren, die am Weg liegen oder Touristen, entzieht sich unserer Kenntnis. Da war ja im entlegensten Altiplano noch mehr los.
    Ob der Grund für diese Einsamkeit darin liegt, dass hier noch nicht Urlaubsaison ist, wissen wir nicht.
    Dass aber den Herren im Tourismusministerium weiland ein gravierender Planungsfehler unterlaufen ist, das wissen wir schon. Die Piste führt nämlich durch ein Dünengebiet und ist auf Dauer nicht vom Sand frei zu halten. Früher hat man wohl jahrelang den aussichtslosen Kampf zu führen versucht, jetzt trifft man ziemlich genau auf halben Weg auf ein Schild, auf dem man darüber informiert wird, dass es in wenigen Kilometern nur noch mit Allradantrieb weitergeht. Und wirklich, die Straße verschwindet einfach unter Sandbergen und ein Pfeil zeigt Richtung Strand, der hier ein mit Rollkies durchmischtes Weichsandfeld ist. Da sucht man dann fünf Kilometer lang kreuz uns quer die etwas weniger durchwühlten Passagen und ist heilfroh, auf einem ordentlichen 4x4 mit einem ordentlichen LKW – Motor, ordentlich großen Rädern und ordentlich Bodenfreiheit unterwegs zu sein.
    Dass während der halben Stunde, die wir da sprichwörtlich am Ackern waren, vor uns die Sonne blutrot im Meer versank, hat dem Spektakel optisch noch die Krone aufgesetzt.
    Und wirklich schade, dass nicht gerade Richard Wagners Walkürenritt zur musikalischen Untermalung zur Hand war, das Gesamtkunstwerk wäre perfekt gewesen.

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