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Trip Bonabus Reisli ab Juni 2012 Bonabus Reisli ab Juni 2012 01.07.2012 - 30.06.2013   Hoi Zämä Es freut uns, dass du Interesse an unser Reise hast. Gerne geben... Roger, Martina, Rui und Luo Spiess (Bonaspiesslis) (CH)
Andorra Bulgarien Frankreich Griechenland Italien ... und 8 mehr

Bonabus Reisli ab Juni 2012

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Hoi Zämä

Es freut uns, dass du Interesse an unser Reise hast. Gerne geben wir dir so etwas Einblick in eine für uns sehr speziellen Abschnitt unseres Lebens. Eine Longtimeholiday zu machen ist sicher ein Privileg. Es bedarf aber auch des nötigen Durchhaltewillen für die Planung und Mut das Ganze anzugehen.

Ganz nach dem Motto:
Geniesse die schöne Zeit und sammle schöne Erinnerungen, denn diese sind ein wichtiger Schatz im Leben und niemand kann sie dir nehmen.

Wir versuchen möglichst viele Fotos mit GPS-Daten zu versehen. Nutzt doch auch die Möglichkeit die Fotos in der Karte einzublenden und die Karte zu vergrössern. Bei Doppelklick auf eine Stecknadel wird dann das Bild vergrössert dargestellt.
LG l&r&m&r

P.S.
Falls jemand Lust hat auch ein Büssli zu bauen und auf Reise zu gehen. Hier ein paar Fotos des Umbaus. Viel Spass!

https://picasaweb.google.com/lh/sredir?uname=RegorSseips&target=ALBUM&id=5530594934589748129&authkey=Gv1sRgCNmj1PKolIz3sQE&feat=email

P.P.S.
Falls uns jemand etwas mitteilen will: martinaspiess@bluewin.ch oder rogerspiess@bluemail.ch, wird auch auf der Reise abgefragt (wohl aber nicht sehr regelmässig).

Means of Transport
Bus / Truck Zu Fuss Zug
  • 24Jun 2012

    1 Letzte Vorbereitungen in Bonaduz 24.06.2012 Schweiz —

    Bonaduz, Schweiz

    Beschreibung

    Am Wochenende haben wir gearbeitet, Roger und ich. Wohnung ist nun definitiv leer, nur noch das Matratzenlager im Wohnzimmer. Zimmer sind geputzt, Badezimmer entkalkt, Küchenschränke gereinigt. Alles ausser Wenigem ist im Bonabus verstaut. Nichts musste zu Hause gelassen werden! Leider können wir aber noch nicht los. Diese Woche ist noch voll Programm, hoffentlich nicht zu sehr durcheinandergebracht durch die Sommergrippe, die Rui erwischt hat.

    Programm/To Do’s:
    Montagmorgen: Nachkontrolle der MandelOP und Trommelfellperforation von Rui, danach Impfen (Luo, Rui hat ja Fieber) beim Kinderarzt. Roger zweitletzter Arbeitstag.
    Montagnachmittag: Luo letztes Mal Spielgruppe. Letzte Medikamente besorgen.

    Dienstag: Rogers letzter Arbeitstag. Martina ebenfalls Arbeitstag (eigentlich ebenfalls das letzte Mal, bevor dann am Freitag nur noch Abschlusstag ist). Rui und Luo letztes Mal Lella (Tagesmutter).

    Mittwochmorgen: Rui letztes Mal Spielgruppe. Letzte Entsorgungen.
    Mittwochnachmittag: Diplomfeier Martina (Abschluss Masterstudiengang Schulische Heilpädagogik) mit der ganzen Familie.

    Donnerstagmorgen: Rui und Luo Augenarzt, Nachkontrolle der Brillen beider.
    Donnerstagnachmittag: Weiteres Wohnungsputzen.
    Donnerstagabend: Abschluss Silser Lehrer.

    Freitagmorgen: Martina Abschluss mit den Schülern.
    Freitagnachmittag/-abend: Roger Abschluss Pöyry (Büro). Rui, Luo und Martina Essen bei Pia.

    Samstagmorgen: Fertigputzen und Wohnungsübergabe.
    Samstagnachmittag: Abschlussessen bei Familie Joos. Familie die gerade nach Indien unterwegs war, als wir uns für die grosse Reise vorbereiteten und diese dadurch kennenlernten.

    Sonntag: Letzter Termin! Grillen mit dem Abschiedskomitee. Dann Abfahrt nach Österreich… JUHUUUU…

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  • 25Jun 2012

    2 Von Rhäzüns, wo die Möbel lagern in die Welt 25.06.2012 Schweiz —

    Rhäzüns, Schweiz

    Beschreibung

    Sind dann erst mal alle Sachen verstaut in unserem super Einstellraum in Rhäzüns, die Wohnung geputzt ist und fertig gearbeitet wurde, dann geht es anfangs Juli los:

    Richtung Österreich auf jeden Fall. Wien wollen wir uns ansehen. Im Osten Österreichs vielleicht verweilen, dann durch Ungarn gondeln.
    Weiter durch Rumänien, wohl das Donaudelta.
    Sichelich durch Bulgarien in den Süden, vielleicht noch Griechenland, wenn noch Zeit ist, bis Nani und Neni im Oktober eine Teilstrecke mit uns durch Anatolien gondeln.
    Danach werden wir sehen, vielleicht überwintern in der Türkei, Griechenland, auf Sizilien, in Spanien oder Marokko. Je nachdem werden wir eine oder die andere Fähre besteigen.
    Wenn der Schnee im Norden geschmolzen sein wird, so frühestens im April, gedenken wir nach Schweden und Finnland zu fahren.
    Aber eigentlich ist noch nichts wirklich klar. Noch nicht in Stein gemeisselt, wie der Michi sagt. Irgendwo im Raum Europa werden wir aber wohl bleiben (und angrenzende Mittelmeerländer).
    Wir haben ja Zeit. Und das einzige Mal im Leben keine Verpflichtungen. Also, wenn es uns irgendwo gefällt, können wir auch länger bleiben, auch mal einige Wochen. Abkürzen, Umwege machen, alles liegt drin!

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  • 30Jun 2012

    3 Jetzt fangts aah...! 30.06.2012 Schweiz —

    Scharans, Schweiz

    Beschreibung

    Jupiee, geschafft! Nach einer letzten Putzaktion und Besorgungen in der Apotheke (Danke, Rahel für deine Beratung etc.) konnten wir endlich abfahren. Die Jungs drehten vorher fast durch und so war es allerhöchste Zeit, als Roger um 12.40 Uhr den Motor startete. In Rhäzüns die letzten Dinge in den Einstellraum gebracht, Eliane und Benedikt zum Abschied gewunken und nach Fürstenau gebraust, wo wir erst mal was zu Mittag kochten. Dann weiter nach Scharans zu Familie Joos, wo wir festlich bewirtet wurden. 21.30 Uhr waren die Jungs dann im Bett im Bonabus auf dem Parkplatz des Scalottas (Heim). So hatten wir Zeit uns einige Dinge durch den Kopf gehen zu lassen, beispielsweise: Wo fahren wir morgen hin?

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  • 01Jul 2012

    4 Losgefahren! 01.07.2012 Österreich —

    Schwaz, Österreich

    Beschreibung

    Morgenessen im Bonabus (schon das dritte Mal, weil ja schon am Freitag damit begonnen werden mussten, die Jungs sich zu Hause überhaupt nicht mehr wohl fühlten). Mit Singen dann nach Landquart (Martina seit langer Zeit das erste Mal wieder am Steuer):
    „Bonabus, du bisch jetzt üsers Huus, Bonabüssli, mir hend gern Nüssli. Hüt und Morn.“ (Wird mit der Melodie von Mozarts Bona Nox gesungen, weiter haben wir noch nicht erfolgreich gedichtet, Vorschläge sind willkommen.)
    In Landquart Nonna und Fini aufgeladen. Dann ab nach Oberriet, wo wir mit erweitertem Abschiedskommitee brätelten und feierten: Danke euch allen für diesen schönen Abschlusstag. Und natürlich speziell Tobi für das Lied. Immer wenn es auf unserer Playlist kommt, werden wir an dich denken...;-)
    Am Ende setzten sich Luo und vor allem Rui in den Bonabus und erklärten, sie wollten jetzt abfahren… Dann also los! Nach Stams, Abendessen bei der Sprungschanze und Rui’s Loch im Kopf nochmals behandeln. Der Junge hatte alles wieder aufgekratzt. Wir also mit Rasierer, Steri-Strips und Pflaster alles wieder einigermassen hygienisch verbunden (Samariter Roger weiss Rat).
    Nach ergebnisloser Suche nach einem ruhigen (und nicht zweilichtigen) Parkplatz nach Schwaz, zum uns vom letzten Jahr schon bekannten Stellplatz.

    Fotos & Videos

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  • 02Jul 2012

    5 Silberbergwerk 02.07.2012 Österreich —

    Schwaz, Österreich

    Beschreibung

    2. Juni, erster richtiger Ferientag (oder wohl besser Reisetag) Bummeltag, Nichtstun: Stadtrundgang, Einkaufen, Rui’s Brille bei einem Optiker richten lassen, Kirchenbesichtigung, Velo-Kickboardtour, Siesta… Daneben noch einen Feuerwehreinsatz in der Nachbarstrasse "bewundern" und eine erste Spazierfahrt mit Velos (Jungs) und Kickboards (Eltern)
    3. Juni: Silberbergwerkbesuch. In der Fussgägnerzone auf dem Weg zum Bergwerk noch ein Treffen mit einem "echten" Dalmatiner. Bergwerk sehr eindrücklich, vor allem Rui waren die animierten überlebensgrossen Puppen „an der Arbeit“ etwas ungeheuer. Nach dem Mittag (das war um 16.00 Uhr, wir leben etwas verschoben, Ferien halt…) Abfahrt durch das Tirol. Kurz vor dem Land Salzburg in Hochfilzen sieht der Beifahrer Roger ein Schild eines Stellplatzes und will da unbedingt hin zum sich-Umsehen. Wir bleiben gleich. Hier ist erstens noch keiner, zweitens ein riesiger Kiesplatz mit angrenzendem Spielplatz (Rui und Luo haben auf der Fahrt geschlafen, sind nun voller Tatendrang) und: DUSCHE! (10 Euro die Nacht).

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  • 04Jul 2012

    6 Wandertag 04.07.2012 Österreich —

    Hochfilzen, Österreich

    Beschreibung

    4. Juni:
    Wieder Gewitter in der Nacht, das sind wir uns nun aber gewöhnt. Die Jungs starten den Tag nach dem Frühstück auf dem Spielplatz, bis sie streiten und überlaut schreien. Da starten wir unsere Wanderung zum Wiesensee (eigentlich wollten wir in die Höhe Richtung Buchensteinwand, verpassten wohl aber den Wegweiser). Kneippen (oder, im Falle unserer Kinder: Baden bis zum Bauch, da die Wasserhöhe der Anlage grosszügig bemessen war), danach weiter zum Halserbauer zur Jause (Speckplatte). Rui und Luo hatten von der begeisterten Wirtin zwei Plüscheisbären gekriegt, Rui dann anschliessend sein Geschenk von Gotti Lili gekriegt. ER ist seither unser erster Fotograf und stolz auf seine Kamera. Danke Lili!
    Den Heimweg wollten wir über einen Höhenweg antreten, stellten uns dabei nichts Wildes vor. In der Touristenkarte waren die Höhelinien nicht eingezeichnet. Zum Glück sind unsere Jungs trainiert… wir stiegen und stiegen auf einem Trampelpfad, sicher 500 Meter bis wir endlich eine Holz-Ausfallstrasse erreichten, die wir dann bergab nahmen. Mit Singen, Ronja-Räbertochter-Hörspiel Nacherzählen und Geschichten von Andri und Linus schafften wir es, zuletzt bei strömendem Gewitterregen zum Bonabus zurück. Nach Tortellini mit Gemüsesauce konnten sich die Jungs bei einer weiteren Folge von Ronja Räubertochter (diesmal löste Trudi Gerster wieder Martina ab) entspannen und anschliessend einschlafen.
    Das Pflaster über Ruis Loch im Kopf sieht gut aus, wir wollen morgen mal darunter sehen…

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  • 05Jul 2012

    7 Baumkronenweg 05.07.2012 Österreich —

    Kopfing im Innkreis, Österreich

    Beschreibung

    Nach einer Dusche für Rui und Luo (Rui ohne Kopf, natürlich) fuhren wir gegen zehn Uhr ab, raus aus dem Tirol, Salzburger Autobahngnusch hinter uns lassend, durch ein kleines schönes Dorf, bei dem wir picknickten und einiges an frischen Vorräten einkauften. Lisa (unser GPS) führte uns sicher nach Kopfing, auf den ersten Gratis-Stellplatz aus dem WOMO-Führer. DANKE Vreni und Heinz, der Führer ist echt praktisch. So hat man ohne langes Suchen einen wirklich guten Platz. Dank unseren gelben Jumbo-Keilen schliefen wir auch ziemlich gerade (oder eben, schliefen nicht sehr gut, aber das eher wegen Rui’s Ohrenschmerzen, die nur mit einem Dafalgan beizukriegen waren. Warum bloss hat der Junge nun Ohrenweh, wo er operiert ist und seit bald einem Monat nur gerade ein Mal den Kopf unter Wasser hatte?)
    In Kopfing angekommen besuchten wir aber vor dem Zubettgehen ausführlichs den Baumkronenweg mit Riesenspielplatz (die Österreicher sind echt kinderfreundlich).
    Übrigens: Rui’s Kopfwunde sieht suuuuper aus! Noch einige Tage Pflaster und kein Wasser, dann sollte das verheilt sein.
    Und Luo ist nun auch Fotograf (mit Martinas Kamera).

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  • 06Jul 2012

    8 Donau, au, au... 06.07.2012 Österreich —

    Grein, Österreich

    Beschreibung

    Was die Eltern nicht alles falsch machen… Heute zum Beispiel, weil wir ja von Österreich keine gute Karte und keinen richtigen Reiseführer haben: Wir fahren in Kopfing ab und sind froh, dass Rui keine Schmerzen mehr zu haben scheint. Bei der ersten Donaubrücke, die wir sehen, stellen wir den Bus ab und machen uns an diesem wunderschönen Tag auf den Weg mit Velos und Kickboards. Sicher 10 Kilometer flussabwärts kommen die Schlögener Schlingen, wo wir mit der kleinen Fähre queren. Nach einer ausgiebigen Pause kommt endlich das Donauschiff, von dem wir glauben, dass es uns zum Bonabus zurückbringt. Aber oje, es hält nicht überall, sondern erst 10 km oberhalb des Bonabusses. Zum Glück hält nach 15 min Autostopp eine nette Frau (Martina hat gestöppelt, Roger ist mitgefahren) und der Bus ist bald wieder bei uns. Wir fahren zu einem Zeltplatz, das erste Mal auf der Reise. Viel ist zu tun: Wäsche waschen, Homepage aktualisieren…

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  • 07Jul 2012

    9 Ruhe- und Busytag 07.07.2012 Österreich —

    Grein, Österreich

    Beschreibung

    Erstens nutzten wir den Zeltplatztag als Ruhetag, zweitens als Busy-(geschäftiger)Tag: Der Kofferraum musste noch einmal umgeräumt werden, dass nun auch alles praktisch und am richtigen Ort ist, einige wenige Dinge noch umgeschraubt und verbessert… Anschliessend gingen wir auf den Wasserpumpe-Sandspielplatz, den wir gestern entdeckt hatten und meine drei Männer nicht mehr wegzukriegen waren (gestern war es darob dunkel geworden, im Sommer, ihr könnt euch die Uhrzeit denken und ebenso die Laune unserer Jungs heute ab drei Uhr nachmittags). Nach einem gesunden Salat mit Libsen, Tomaten, Gurken und Blattsalat mit gerösteten Kernen, Käse und Nüssen und einer langen Mittagspause (Rui in der Führerkabine, Luo im Kinderzimmer, Roger am Computer, Martina mit Wäsche und Abwasch beschäftigt – jaja, für einmal richtig klassische Rollenaufteilunt. Danach also Städtchenrundgang, aber bald getrennt, weil zuerst Luo und dann Rui richtig ecklige, trotzige und obendrein noch streitsüchtige Kinder waren. Getreu unserem Mamitag-Papitagsystem ging heute Luo mit Martina, Roger und Rui zusammen und hatten es wieder eher friedlich. Und übgrigens ist heute nichts mit Ruhe, eher Rummel, nahes Donaufest mit Bühne und Musik dröhnt zu uns herüber!
    Also, aber besser wurde es am Abend nicht mehr mit den Kids, darum waren die Jungs schon vor acht im „Zimmer“, wie zu Hause in der Schweiz… und haben nun einen gemütlichen Abend zu zweit mit Beschallung wie am Open Air St. Gallen und trotz tropischem Klima in den letzten Tagen mit Platzregen und Hitze ganz ohne Mückenstichbeschwerden, dank Marios Piezo-Zünder- Anti- Beiss-Ding!
    Übrigens denken wir, dass wir die Homepage so all sieben Tage, also jede Woche einmal aktualisieren werden, ist nämlich gar nicht so einfach WLan zu finden, wenn man Menschenrummel und grosse Campingplätze nicht so mag…

    Fotos & Videos

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  • 08Jul 2012

    10 Wo sind die Dinos? 08.07.2012 Österreich —

    Stollhofen, Österreich

    Beschreibung

    8./9. Juli: Traismauer
    Nach einem morgendlichen Zeltplatzabbruch (Vorzelt und Campingmöbel wegräumen, Wasservorräte bunkern, WC entleeren) machten wir uns auf den Weg nach Traismauer. In Ybbs machten wir eine kurze Zwischenstation um die Schleuse zu besichtigen, die die Donau da teilte. Nach einer ersten Tankpause (bislang reichte der Schweizer Sprit) fuhren wir gemütlich auf der Autobahn Richtung Dinopark. Leider stellte sich der Dinopark als schon geschlossen heraus und auch von den Dinos fehlte jede Spur. Der Badesee gefiel uns aber super und so blieben wir auf dem Wiesenparkplatz. Die alltägliche Hitze von über dreissig Grad, gefolgt von abendlichen Gewittern setzte unseren Jungs, und wohl auch uns Eltern, ziemlich zu und so endete das Badevergnügen an diesem ersten Tag verfrüht. Gequengel, getrotze, gestreite…
    Roger versuchte des Abends mit Brot heimlich etwas zu fischen, da er nirgends eine Bewilligung erstehen konnte, wurde nicht wirklich was daraus. Wird aber wohl noch kommen, denn wir reisen weiter. Auch wenn Roger am 9. Juli sehr daran gezweifelt hat. Ist aber manchmal auch zum verrücktwerden, wenn z.B. der eine gleich nach dem Aufstehen 10 Minuten durchbrüllt und der Tag beginnt, wie er gestern geendet hat. Wir verschrieben Roger einen Tag alleine, packten unsere Sachen und verbrachten den Tag am See alleine. Rui und Luo spielten, ich schaute oft zu. Während dem Mittagsregen verkrochen wir uns bei einem Hüttli unter Götti Alains Picknickdecke, die uns wärmte und ich las eine Geschichte vor. Roger fuhr mit dem Bonabus in eine Garage und liess eine Bride an der Ersatzheizung auswechseln, weil wir immer wieder Kühlwasser verloren hatten. Dann liess er sich durch das Kaff treiben und vergegenwärtigte sich, dass man einen Traum, den man jahrelang vorbereitet, nicht einfach aufgibt.
    Wieder vereint machten wir einen Grillabend am See, wobei die Jungs noch einmal spielerisch mit Seil und grossen Ästen tätig wurden.

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  • 10Jul 2012

    11 Shit and so on (Porta Potty) 10.07.2012 Österreich —

    Muggendorf, Österreich

    Beschreibung

    10 Juli, Muggendorf
    Richtig friedlich war heute das Frühstück an den Picknicktischen am Badesee. Dann badeten wir noch einmal ausgiebig, brieten Steak auf unserem portablen Benzinkocher direkt am Ufer. Bei schönem Wetter hatte es heute wieder deutlich mehr Volk, wenn auch nicht so viel wie am Sonntag.
    Nachmittags fuhren wir 20 Minuten zum Stift Göttweig, der zwar schön aber nicht überragend war. Rogers Gedanken: „Eigentlich spannend, dass alle auf die gigantischen Glaubensgebäude stolz sind, mit keinem Wort aber die Finanzierung dieser monumentalen Gebäude erwähnen. Leider ist die Kirche bis heute noch nicht im Stande über ihren Schatten zu springen und Ihre Rolle der Ausbeutung der Bauern und Landsleute zur Finanzierung all dieser Monumente zu thematisieren.“
    Anschliessend mussten wir weiterfahren, da entgegen unserer WOMO-Führerquelle alles mit Campingverboten zugepflastert war. So fuhren wir weg von Niederösterreich, rund um Wien, wobei wir die Vignette nochmals ausnutzten. Die Stadt liessen wir entgegen unseren ersten Plänen links liegen, da so ein Städtebesuch gerade mit kleinen Kindern bei über 30 Grad Hitze wohl kein Genuss sein wird.
    Die Myrafälle in Muggendorf waren unser Ziel. Der Parkplatz ist wunderbar. Den Spielplatz mit Teich und Minifähre wollen wir morgen ausprobieren. Roger holte bei einem nahe gelegenen Wohnhaus Frischwasser. Beim Leeren des Porta Pottis in ein öffentliches WC brach leider der Schwimmer desselben ab. Auch mit Martinas dünnen Armen im Porta Potti-Unterteil drinnen liess sich das Malheur aber nicht flicken (Roger versuchte sein Glück dann auch noch, mit drücken und zwengen). Ab jetzt müssen wir jeweils nach zwei Tagen mit einer Taschenlampe den Pegelstand unseres Klos überwachen. Tja, SHIT happens, litterally.
    Die Jungs sind übrigens wieder ausgeglichener. Es scheint was gebracht zu haben, dass wir gestern, vor allem Martina, vernünftig und ernst mit ihnen geredet haben. Und wir können Roger ja ab und zu einen Freitag geben (er sei doch kein Sonderpädagoge, hat er gemeint).

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  • 11Jul 2012

    12 Myra, die Fälle! 11.07.2012 Österreich —

    Muggendorf, Österreich

    Beschreibung

    11. Juli, nochmals Muggendorf
    Nachdem gestern erst um 21.30 Uhr Nachtruhe für die Jungs war, waren sie dennoch heute schon wieder um 6.30 Uhr am Streiten. Nachdem Martina zu Luo nach oben ging, Rui mit Roger unten blieb, Aufteilung gemäss Mami-/Papitag, versteht sich, schliefen dann (fast) alle nochmals zwei Stunden. Nach Frühstück und ausgiebigem Besuch des Abenteuerspielplatzes quasi neben dem Bus und am Anfang der Schlucht gelegen, machten wir uns auf die kleine Wanderung über die Holzstege entlang den Myrafällen. Diese müssen im 18. Jahrhundert noch gewaltig gewesen sein, nachdem sie aber oberhalb für die Stromgewinnung gefasst werden, haut es einen Schweizer nicht gleich aus den Socken. Die massive Verbauung mit Holzbälken für die Zugänglichkeit von Halbschuhtouristen und dass so ein Bächli überhaupt touristisch genutzt werden kann ist viel eindrücklicher als das Bächli ansich…
    Oben verlängerten wir unsere Wanderung um über die Felswand runterschauen zu können. Wie erwarte hatte es bei den kompakten Kalkwänden Bohrhacken und einfache, interessante Routen, weshalb Roger das Klettermaterial mitschleppte. Pünktlich begann es dann aber zu regnen, weswegen aus Kletterplänen nichts wurde und wir an die Felswand gelehnt Picknickten. Der Abstieg durch den nassen Wald über Steine und Wurzeln war nachher ziemlich abenteuerlich. Zurück auf den Stegen kamen schon wieder Touristen in Sandalen entgegen.
    Unten kam dann nochmals der Abenteurspielplatz an die Reihe. Das Flossboot ist einfach genial!
    Nach einer kurzen Ruhepause, in der in Onkel Dois Tagebücher gemalt wurde, nochmals in die Wanderschuhe und Regenjacke, runter nach Pernitz. Hier genossen wir im einzigen Restaurant Koteletten an Eierschwammsauce mit Semmelknödeln.

    Fotos & Videos

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  • 12Jul 2012

    13 Jo napot! 12.07.2012 Ungarn —

    Fertőhomok, Ungarn

    Beschreibung

    Ungarn
    Leider hatte Rui wohl zu viel Almdudler und von den endlich kühleren Temperaturen einen zu tiefen Schlaf… So war heute schon zu Beginn eines gewiss: Wir brauchen eine Wäscherei!
    In Wien Neustadt fanden wir die aber leider nicht, weswegen wir kurzerhand beschlossen, schon heute über die Grenze nach Ungarn zu fahren. Der Entscheid stellte sich als gewinnbringend heraus. In Hegykö fanden wir einen Zeltplatz, der mehr als 10 Euro billiger ist als der in Grein. Die Sanitären Anlagen sind sauber, die Waschmaschine funktioniert (einen Tumbler hat es nicht, aber besser keinen als einen kaputten). Und dann das Beste: Das Thermalbad gleich auf dem Gelände des Zeltplatzes. Heute erlaubten wir Rui das erste Mal wieder den Kopf unter Wasser zu tauchen. Er tauchte-schwamm unermüdlich. Wahnsinn!
    Am Abend gab es Spaghetti, zur Freude aller drei Männer (auch wenn Luo wiedermal sicher eine halbe Stunde vor der Gemüsesauce sass, bevor er noch Nachschlag ohne Sauce erhielt, aber das ist ja leider nichts aussergewöhnliches).
    Falls jemand sich für Zahlen und Statistiken unserer Reise interessiert, so haben wir hier eine kleine Zwischenbilanz zusammengestellt. In den letzten 13 Tagen haben wir 4-mal auf einem Stellplatz, 3-mal auf einem Zeltplatz und 6-mal mal wild genächtigt.
    Durchschnittlich hatten wir Ausgaben von ca. Fr. 84.- / Tag, wobei die grössten Ausgaben die Nahrungsmittel (Fr. 25 / Tag) und der Treibstoff (Fr. 18 / Tag) sind. Für die Unterkunft (Zeltplatz/Stellplatz) haben wir in den knapp zwei Wochen lediglich Fr. 130.- bzw. ca. Fr. 10.- / Tag ausgegeben.
    Bislang sind wir ca. 1091 km gefahren und hatten eine reine Fahrzeit von ca. 18 Stunden.

    13. Juli: Hegykö, Regentag und 14. Juli Sopron
    Baden im Thermalbad war heute Start und Abschluss des Tages. Ein riesiges Legohaus entstand auch noch in Gemeinschaftsarbeit, während der Regen auf das Dach vom Bonabus trommelte. Ein kleiner, mehrheitlich trockener Dorfrundgang in Regenjacken, sowie den ganzen Tag immer wieder essen: Zuckermais, Popcorn, Vermicelles… was unser Bus nicht alles hergibt!

    Tags darauf: Dafür stellten wir den Wecker, das erste Mal seit Abreise. So waren wir kurz nach neun Uhr schon mit dem öffentlichen Bus unterwegs zurück in die Grenzstadt Sopron. Heute schwitzte man sogar wieder, zumindest ab und zu. Auf dem Spazierbummel durch die Altstadt kauften wir ungarische Backwaren, später wurde in einem Strassencafé Gulaschsuppe und Auberginenbrötchen gegessen. Beim Rückweg im Bus trackten wir mit unserem GPS die Fahrstrecken und wussten so auch ohne Ansage (sowas gibt es hier nicht, aber eigentlich egal, wir würden es ja eh nicht verstehen;.) wo wir aussteigen mussten (Tobi, erinnerte mich irgendwie an Clearwater Bay und „bassi zam ngoi!“) . Die Jungs waren wie erwartet im Bus eingeschlafen, Luo schlief noch auf dem Zeltplatz. Rui und ich machten uns sofort nochmals auf ins Thermalbad, da sowieso klar war, dass Luo heute nicht mit durfte (nach dem Täubelianfall und öffentlichem Versteckspiel mit mir, hatte er das gestern verspielt – wer sich nicht benehmen kann, kommt nicht mit). Dafür konnten Roger und Luo die mitgebrachten Drachen auf dem Zeltplatz ausprobieren, da das Wetter plötzlich wieder umschlug… Mal sehen, wie wir die kommende Woche verbringen werden, mit den schlechten Wettervoraussagen.
    Übrigens: Spruch des Tages: Martina und Rui betrachten im Bus das GPS. Martina: „Lueg, mir sind jetzt uf dä violättä Stoss.“ Rui schaut zum Fenster hinaus und entgegnet: „Wo, ich gsen kei violätti Stross!“

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  • 15Jul 2012

    14 Fischen 15.07.2012 Ungarn —

    Komarom, Ungarn

    Beschreibung

    Sonntag 15. Juli Poskaporos Major (Komárom)
    Schon wieder „durften“ wir heute die Bettwäsche der Jungs waschen (wieder Rui), diesmal Handwasche, mitsamt Schlafsack. Alles trocknete übrigens überraschenderweise bis am Abend, vor allem dank der Standheizung am Morgen und dem Heizen während der Fahrt (da es ja wirklich kalt war). Nach dem Frühstück und nach einem Entsorgungsmarathon (Abwassertank, Porta Potty, alles auffüllen) fuhren wir los. In Györ, also nach ca. einer Stunde und nach einer langweiligen, flachen Fahrt, hatten wir während einer Regenpause genug. Wir fanden anhand des Womoführers einen zentralen Parkplatz und machten uns auf in die Stadt. Wie ausgestorben auch diese. Langsam fragen wir uns, ob es wohl irgendwann Leute hat/hätte: sind das wirklich nur die tiefen Temperaturen? Ich meinte: „Im Sommer ist hier sicher viel los.“ Aber hallo, Sommer? Das ist doch jetzt! Im Reiseführer wird von einem quirligen Städtchen berichtet. Wir sahen leere Gassen, ein ziemlich leeres Restaurant, das aber gutes Essen hatte. Auf einem zentralen Platz war ein kleiner folkloristischer Anlass. Rui spielte in Rekordzeit mit ungarischen Kindern auf dem Platz ein Hockeyähnliches Spiel mit grossen Kellen. Luo übte sich mir Martina und Roger in Geduldspielen.
    Weiter fuhren wir schon bald in Richtung des von Roger ausgesuchten Zeltplatzes, da die Männer unbedingt mal Angeln wollten. Nach einem Stop bei Penny Market, der auch am Sonntag offen hatte und Martina einen Haufen für die Kühlbox etc. kaufte, kamen wir beim „Kemping“ an: Das ist ja ein Resort (zu ziemlichen Preisen, zumal da Rui hier schon bezahlen muss, Luo haben wir als unter der durchgeschummelt). Die mitteleuropäische Preisklasse will sich hier wohl aber bei schlechtem Wetter niemand leisten. So waren wir dann die einzigen Campinggäste, fischten (erfolglos) und picknickten am privaten See.

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  • 16Jul 2012

    15 Fischen Nr. 2 / Pillisgebrige 16.07.2012 Ungarn —

    Dobogókő, Pilisszentkereszt, Ungarn

    Beschreibung

    16. Juli Fischen Nr. 2
    Morgens übten sich Roger und Rui nochmals im Fischen. Luo mit Velo und Martina mit Laufschuhen starteten um den See. Luo setzte zwar ein paarmal aus, Martina hatte etwas mehr Ausdauer, die Ungaren schauten, als wäre sie von einem anderen Stern (hier auf dem Land scheinen nicht gerade viele Sport zu betreiben).
    Nach dem Mittagspicknick wollten wir die Angeln einziehen und siehe da, was zappelt an der Angel, an die Roger den von Luo gefundenen Wurm gesteckt hatte? Jawohl, unser erster Fisch! Der kleine Pechvogel ähh Pechfisch muss gerade noch beim Einziehen angebissenhaben.
    Stolz packten wir zusammen und badeten als Abschluss als einzige im Thermalpool. Da durften die Jungs mal richtig toben, störte ja niemanden…
    Wie geplant fuhren wir um vier Uhr ab. Etwas mehr als eine halbe Stunde später hatte sich die Landschaft von flach in bewaldete Hügel gewandelt. Der vom Womoführer bezeichnete Parkplatz erschien uns aber leider etwas zu asphaltig. Nach einigen Bedenkminuten und Erkundungen zu Fuss, fuhr ein deutsches Wohnmobil vorbei. Martina wedelte erfolgreich mit dem Womoführer. Zu zweit standen die beiden Busse bald nebeneinander auf einer Rasengitterfläche, die wohl früher auch mal Parkplatz war und so im Womoführer beschrieben ist.
    Die Temperaturen liessen es sogar zu, dass wir alle mit Faserpelz draussen zu Abend assen. Nach Beginn der Nachtruhe durften Roger und ich aber einen feinen Wein und dunkles Bier bei Uschi und Walter in ihrem Luxusmobil trinken. Nach der Nacht in Hochfilzen (A) 13°C war diese Nacht in Dobogókô (H) mit 11°C die tiefste Temperatur die wir bislang hatten. Und das in Ungarn wo wir uns auf heisse Temperaturen einstellten…

    Dienstag 17. Juli, Wandern im Pillisgebrige
    Das Plätzli neben Uschi und Walter gefällt uns so gut, wir beschliessen wirklich noch länger zu bleiben. Die Spiesslis machen eine schöne Wanderung durch die Laubwälder. Zum Picknick gibt es, als Abwechslung zum pampig-nütligen Weissbrot gekochte Kartoffeln zu Wurst, Käse und gekochten Eiern und alle sind glücklich.
    Gleichzeitig wie wir kommen Uschi und Walter von ihrem Ausflug zurück. Es wird Cubb gespielt und der Abend genossen. Diese Nacht wurde es nicht mehr ganz so kalt.

    Fotos & Videos

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  • 18Jul 2012

    16 Budapest 18.07.2012 Ungarn —

    Ferencváros, Budapest, Ungarn

    Beschreibung

    Mittwoch, 18. Juli bis 20. Juli: Budapest
    Nach einem Frühstück im Bonabus fuhren wir in die grosse Stadt hinunter. Roger meisterte den Verkehr bravourös, wobei Lisa (unser GPS) nicht ganz unschuldig ist und auch Luo und Rui ihr Möglichstes taten (still sein).
    Schon kurz nach elf Uhr hatten wir den Camping Haller ziemlich im Zentrum gefunden. Wir machten uns auf den Weg zur U-Bahn, Rui und Luo ganz erwartungsvoll gegenüber dieser noch unbekannten Art von Fortbewegungsmittel. In der Innenstadt erwartete uns momentan ungewohnte Hitze und schon bald brauchten wir einfach etwas zu essen. Mit dem Nani-Neni-Bonus in der Tasche fackelten wir nicht lange, auch wenn wir leider kein ungarisches Restaurant fanden und liessen uns auf einem Platz sowas wie eine italienische Halbfertigpizza servieren. Kraft gab es immerhin und so marschierten wir bald über die „verwegene“ Kettenbrücke, nahmen die überteuerte Standseilbahn ins Burgstädtchen hinauf und machten so einige Kilometer. Gar nicht so anders als wenn Roger und ich alleine unterwegs gewesen wären, Wahnsinn, wie sehr sich unsere Jungs schon ans Reisen gewöhnt haben! Sie sind viiiiel ausgewogener, streiten kaum mehr, sind neugierig und es ist spannend, mit ihnen die Welt zu entdecken.
    Leider fanden wir dann keine frische Glace, als wir sie uns dann gönnen wollten. Aber Rui und Luo putzten auch diejenige im Becher weg, die ihnen der Wirt des kleinen Lokals vorsetzte. Anschliessend fuhren wir wieder per Metro, mit Zwischenstation in einem Supermarkt zurück zum Camping Haller, also nach Hause zum Bonabus. Nach einem Salat und Gebäck, das wir in der Metrostation noch jeder selbst ausgewählt hatten, war es unterdessen schon weit nach neun Uhr und die Jungs mehr als bettreif. Roger und ich quatschten noch lange mit Edgar und Marita aus dem Kanton Schwyz, die mit ihrem Mitsubischi-4mal4-Büsschen auf dem Weg nach China und Australien sind.
    Luo konnte in der Nacht sehr schlecht schlafen, wohl weil ihn nach der Stille in den letzten Nächten der Lärm von Autos, Krankenautos und Flugzeugen irritierte. Deshalb schlief er heute bis weit nach halb neun.
    Mit der Metrolinie Nummer 1, einer der ersten Metros in Europa, ging es in den Zoo. Die Jungs übertrafen sich selbst an Aufmerksamkeit und so waren wir nach einem späten Mittagessen (Schnitzelbrot, nicht gerade euphorisierend) noch immer bei den Tieren. Mit dem von Marita und Edgar „geerbten“ Ticket für die Sight Seeing-Tour mit einem Hop on, hop off Bus gondelten wir anschliessend Richtung Innenstadt, was Luo erwartungsgemäss zu einem Mittagsschläfchen nutzte und auch Rui zum ausruhen kam. Schade, dass wir trotz Sprint das letzte Hop on Hop Off Donauboot um fünf Uhr verpassten. Die Jungs liessen sich aber trösten, sie glauben uns, dass wir noch viel Gelegenheit zum Bootfahren haben werden, auf unserer Reise.
    Leider fanden wir bisher keinen Optiker, der versuchen könnte, Luos Brille besser einzustellen. Die roten Druckstellen an der Nase sind abends manchmal fast entzündet. Die Ungarn aber scheinen, wenn sie dann mal eine Brille haben, diese nicht mehr zu stellen oder zu wechseln (es trägt hier auch fast niemand eine Brille, und wann, dann retro-Style (und dies wohl nicht aufgrund einer Modeströmung).
    Zurück zum Camping kamen wir mit dem Tram, jetzt kennen wir dann alle möglichen Wege.
    Superfein war das Essen im Mini-Restaurant des Platzes, das wir uns leisteten: ca. 32 Euro für drei Hauptgänge, zwei Dessert, Mineral und zwei grosse Bier. Die Budapesttage sind bisher etwas teurer als das Budget, wobei das drinliegt, haben wir doch beispielsweise am 17. Juni gerade mal 1000 Forint (4 Euro) für die Parkplatzgebühr ausgegeben.
    Und dann der Freitag in Budapest. Startete mit Waschmaschinenbenutzen. Das ist hier nämlich gratis, nicht wie sonst. Und da es an anderen Orten ja auch schon mal 10 Euro gekostet hatte, muss man zuschlagen, wenn’s mal irgendwo so gut klappt. Natürlich sind die Waschmaschinen immer bis spätabends ausgebucht. Aber Roger ist heute Morgen um acht, als der Wecker geklingelt hatte, gleich losgespurtet. Ja, richtig gelesen, bei uns klingelt um acht der Wecker. Und vorher darf niemand aufstehen (ausser fürs Klo).
    Morgens (spätmorgens), nach unserem Conflakesfrühstück, machten wir uns zu Fuss auf den Weg zur grössten Markthalle hier. Wir kamen durch ganz normale, untouristische Gässchen, assen eine Langos (eine weitere Kindheitserinnerung an den Neusiedlersee, weisst du noch, Tobi?) und liessen uns treiben. Rui sagt in diesen Tagen ja immer: Mir hend kei Stress! Nöd so schnell! (Und heute sagte er übrigens auch: Jetzt sitzed mir mol anä, dä Luo und ich essed äs Brötli und du und dä Oschi nämed Alkohol. – Hey, es war gerade mal elf Uhr morgens…)
    Eine schöne Begegnung hatten wir mit einem älteren Herrn. Nach dem wir die Langos gegessen hatten (auf dem Trottoir) kam er zu mir (Roger) und streckte mir eine 1.5 l Mineralflasche hin. Ich dachte, dass er gerne trinken möchte, die Flasche aber nicht öffnen kann, da er am Stock ging. Nach dem Öffnen der Flasche stellte sich jedoch heraus, dass er uns die Flasche schenken möchte! Was Kinder alles bewirken können! Kaum realisiert, wass da geschehen ist, war der älter Herr davongezottelt.
    Nach der Markthalle verspiesen wir alles ungarisch Eingekaufte mit Brot, das endlich mal nicht nur weiss war, im Camping: Scharfe Paprika gefüllt mit Sauerkraut (auch Rui und Luo probierten tapfer), Essiggurken etc. Dann machten Roger und vor allem Rui ein Mittagsschläfchen (Rui im umgerichteten Fahrerhäuschen, das wunderbarer zweiter Ort für Mittagspäuseli ist). Gegen Abend dann noch ein kurzer Ausflug ins jüdische Viertel. Ein kleiner Teil, nur wirklich wenige Häuserblocks war im zweiten Weltkrieg ein Ghetto für an die 70‘000 Juden. Erklärt das mal Kindern, meine Lieben. Warum Mami töten Menschen andere Menschen? Ach ja, und: Warum hat es in der Synagoge keinen Jesus (Kreuz)?

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  • 21Jul 2012

    17 Bükk-Gebirge 21.07.2012 Ungarn —

    Szilvásvárad, Ungarn

    Beschreibung

    21. Juli: Raus aus der Stadt
    Nach nun schon gewohntem Campingplatz-Abschlussritual (Entsorgen der Abwässer, Wasserbunkern, Bezahlen), machten wir uns auf den Weg raus aus der Stadt. Auch wenn, wie wir noch erfuhren, die vierte Nacht kostenlos gewesen wäre. Wir hatten alle genug, genug Stadt, Zeltplatz und sowieso. Rui freute sich die ganze Busfahrt auf ein schönes „Plätzli“, das nur uns gehört. Nach einer Mittagspause auf einem kleinen Spielplatz (mit nicht ganz so gutem Brot wie gestern, aber immerhin braunem Toastbrot) und Kühlboxauffüllen im Penny Market (Einkaufsladen), dann raus aus der Ebene rein ins Matragebiet. Da aber Samstag ist, konnten und wollten wir nicht auf einem touristischen Platz am Anfang eines Wandergebietes stehenbleiben, umso mehr als es nur Teerplätze waren. Unser Womoführer versprach besseres im Bükkgebiet und da gerade beide Jungs schliefen fuhren wir noch eine Stunde. Roger wollte das Steuerrad heute nicht aus der Hand geben: Endlich mal was anderes als Stadt fahren! Gegen Abend fanden wir den baumbestandenen Wiesenabschnitt in Szilvásvárad gerade so, wie vorgestellt. Nach einem kleinen Spaziergang durch die touristischen Anlagen des Dorfes, einem süssen ungarischen Gebäck als Apéro und einer Runde Gummpirutsche für die Jungs gings zurück nach Hause. Dieser touristisch aufgemöbelter Ort ist gut von ungarischen Touristen besucht. Man kann mit einem Zug ein paar Kilometer ins Gebirge chauffiert werden, Bikes mieten, wandern und beim Eingang ins Gebirge ist es zwischen Jahrmarkt und Zermatt…
    Wir machten die Gnoggis, die wir im Penny Market gefunden hatten und Luo und Rui erinnerten sich sehr gerne an ihre Lella, die sie immer damit verwöhnt hatte.

    Kleine Bemerkung:
    Bei den beiden Ländern die wir bislang auf dieser Reise bereist haben ist uns aufgefallen, dass in Ungarn viele Häuser, Fabriken, Tankstellen etc. mit „Elado“ angeschrieben sind. In Österreich waren dieselben Objekte zwar nicht mit „Elado“ angeschrieben, dafür mit dem gleichbedeutenden Wort „Zu verkaufen“.

    22. Juli: Wanderung im Bükkgebiet
    Genauso wie in der Schweiz und vielen anderen Ländern ist es auch in Ungarn: Ziehst du die Wanderschuhe an und wanderst los, brauchst du keine zehn Minuten und du triffst niemanden mehr (ausser Käfer, Vögeln, Bäumen). Mit Baumwettbewerb (wer drei Bäume kennt, kriegt einen Traubenzucker) und diversen Liedern (sogar die nicht gerade singwütenden Jungs singen immer mehr mit) schwangen wir uns immer höher und erreichten eine windige Aussicht. Mit Regenjacke und Faserpelz assen wir unser Picknick, stiegen noch etwas höher (400 Meter höher als der Bonabus) und dann wieder hinunter. Mit Wanderschuhen und etwas dreckig sahen wir niemand anderes, alle im Sonntagstenue hier. Zu Hause assen wir die Gerstensuppe (eigentlich war es mehr ein Gersteneintopf), die im Bett auf uns wartete. Da nämlich diese Nacht Luo das Bett genässt hatte und wir mit Handwäsche beschäftigt waren, nutzten wir morgens die Zeit um eine Suppe in den Dampfkochtopf zu schnetzeln und bei zwei Ringlis im Bett zu vergraben (in Decken und Schlafsäck). So ist’s am Abend noch heiss und durchgekocht, gerade bereit zum Essen. Da wir alle hungrig waren, ass sogar Luo wieder mal in anständig schnellem Tempo und sogar Nachschlag, ohne sich über Gemüse und so zu beschweren. Deshalb machten wir uns zufrieden und glücklich auf den Weg zu einem Dessert ausserhalb: Rui und Martina Glacé, Luo und Oschi nochmals das Gebäck von gestern. Übrigens haben wir heute 850 Forint ausgegeben (: 250 gibt etwa den Erowert) – bisland der günstigste Tag.

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  • 23Jul 2012

    18 Baradla Cave 23.07.2012 Ungarn —

    Aggtelek, Ungarn

    Beschreibung

    23. Juli: Was für eine Strasse, stöhnte der Bonabus…
    Schon ziemlich früh (also gegen zehn Uhr, jaja, wir sind viiiiel später eingependelt, hier, Wecker um acht, umbauen, Morgenessen, alles wegräumen) fuhr der Bonabus und seine Crew mit Martina am Steuer aus den Bergen heraus. Eine knappe halbe Stunde zwischendurch hoplerte der Bonabus mit ca. 20 bis 40 km/h über eine unglaublich oft geflickte und doch noch ziemlich wünschenswerte Strasse. Juhuuu rief er dann später, als der Asphalt richtig neu-schwarz war und der Kilometerzähler gegen achtzig zeigte. Roger sass übrigens hinten auf der zweiten Rückbank und las die ganze Zeit den Rumänienführer.
    In Aggtelek angekommen befanden wir den ziemlich leeren Teerplatz (ist ja Montag, Wochenende vorbei) unter den Bäumen als gut für eine Nacht. Zuerst erkundeten die Jungs ausgiebig den hiesigen Spielplatz und Roger machte sich auf alles über das Tropfsteinhöhlensystem in Erfahrung zu bringen. Beim Mittagessen aber entschieden wir uns heute eine Wanderung zu machen und dann morgen in die Höhle zu gehen. Die Temperaturen waren um die 30 Grad und wir fühlten uns wohl in der Sonne. Wir liefen durch die Karstlandschaften, über Feldwege zwischen Feldern und durch das Dorf. Rogers GPS zeigte uns, dass aus der kleinen Tour dann doch 10 Kilometer geworden waren. So war es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass Rui und vor allem Luo nach dem frühen Abendessen so sehr durchknallten, dass wir sie schnellstens ins Bett stecken mussten.

    Bemerkung:
    In Ungarn kann in den Dörfern öfters mal Trinkwasser direkt am Strassenrand bezogen werden. Wie ein Hydrant stehen diesen massiven Zapfstellen am Strassenrand. In Aggtelek konnten wir sogar noch zwei Ziehbrunnen entdecken. Sie sahen so aus, als ob sie immer noch in Betrieb sind. Der eine war mitten in der Strasse, so dass wir uns zuerst wunderten was für ein Häuschen da mitten in der Strasse steht. Aber die Kurbel an der Aussenseite verriet dann Roger wieso man das Häuschen nicht einfach um fünf Meter versetzten kann.

    24. Juli: Tropfsteinhöhle
    Nach dem Frühstück ging’s ab die Post mit dem Bonabus zum anderen Höhleneingang, da wir uns schliesslich für die zweistündige Führung entschieden hatten. Und so waren wir zwischen zehn und zwölf unter Tag, bewunderten Stalagmiten und Stalaktiten, die teilweise gar zusammengewachsen waren. Wundersam, die bis zehn Meter hohe und breite Höhle, übrigens mit Betontrottoir. Die Führung war only ungarisch, wir verstanden kein Wort, ja wir merken bei dieser Sprache eigentlich nicht mal, wo ein Wort beginnt und eines aufhört. Ganz eindrucksvoll war ein grosser Saal, in den wir im Dunkeln hineingeführt wurden und während Musik passende Lichteindrücke ausgewählte Stellen beleuchteten. Umso mehr, als alle wussten, was gleich passieren wird, ausser wir Schweizer.
    Nach einem Busride zurück zum Bonabus assen wir erstmal Picknick an einem kleinen See im Nationalpark. Dann zwanzig Minuten Fahrt zum grösseren See bei Szalonna. Auf der Strecke hielten wir an, um Wasser aufzufüllen und schon der vierte Wasserzapfhahn lieferte uns das gewünschte Nass. Am See fanden wir bald ein Plätzli, etwas abseits von den ca. zehn Zelten von campierenden Ungarn. Ganz einsam plantschten wir im schlammigen Wasser zwischen Schilf. Dann füllten wir unsere Solardusche, was dann umso besser reinigte, kochten Abendessen und dann waren zwei schon wieder sehr bettreif. Rui und Luo sind wahnsinnig müde, schlafen fast dreizehn Stunden und doch öfters am rummeckern.

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  • 24Jul 2012

    19 Einsamkeit pur 24.07.2012 Ungarn —

    Meszes, Ungarn

    Beschreibung

    24. Juli:
    ... siehe Baradla Cave...
    Nach einem Busride zurück zum Bonabus assen wir erstmal Picknick an einem kleinen See im Nationalpark. Dann zwanzig Minuten Fahrt zum grösseren See bei Szalonna. Auf der Strecke hielten wir an, um Wasser aufzufüllen und schon der vierte Wasserzapfhahn lieferte uns das gewünschte Nass. Am See fanden wir bald ein Plätzli, etwas abseits von den ca. zehn Zelten von campierenden Ungarn. Ganz einsam plantschten wir im schlammigen Wasser zwischen Schilf. Dann füllten wir unsere Solardusche, was dann umso besser reinigte, kochten Abendessen und dann waren zwei schon wieder sehr bettreif. Rui und Luo sind wahnsinnig müde, schlafen fast dreizehn Stunden und doch öfters am rummeckern.

    25. Juli:
    Morgens nach dem Frühstück joggte Martina erst links dem See entlang, nach Solardusche kam Roger an die Reihe (rechts dem See entlang). Die Jungs sändeleten ausgiebig im Pflutsch-Schlamm und mussten deshalb auch wieder abgeduscht werden. Nach einem Mittagessen mit Brot, das Roger auf seiner Joggingtour erstehen konnte, gings nochmals ans Kanalbauen. Diesmal half Roger noch mit seinem grossen Spaten mit… Den ganzen Tag sahen wir niemanden bei unserem Plätzchen, auch wenn die letzten Häuser vom Dorf nur wenige Meter entfernt liegen. Abends kam ein Gewitter, dass es nur so rumste. So beschäftigten wir uns noch mit Mini Lück und Bauernhofbuch von Götti Alain, bevor die Jungs dann wieder früh ins Bett mussten.

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  • 26Jul 2012

    20 Ankunft in der Zivilisation 26.07.2012 Ungarn —

    Tiszafüred, Ungarn

    Beschreibung

    26. Juli: Ankunft in der Zivilisation
    Nach einer zweistündigen Fahrt, durch Dörfchen, durch die Stadt Miskolc und durch immer flachere Landschaft hielten wir halbverhungert um die Mittagszeit an einem kleinen Imbiss-Restaurant. Wir bestellten Gyros, die Servierdüse konnte sogar etwas Deutsch. Die Gyros bereitete sie selbst zu, sie waren einfach suuper! Fladenbrot, mit Schweinefleisch und Gurken, Tomaten, Zwiebeln und Mayo. Sogar Rui’s Diät entsprechend. Nach zwei Glaces und ein bisschen Käse leidet er wieder sehr an Verstopfung und hartem Stuhlgang und möchte nun wieder von sich aus Diät machen.
    Mit vollem Bauch kauften wir anschliessend in einem Laden namens Coop ein. Das Gemüsesortiment aber entsprach leider nicht dem, was wir uns von einem Coop gewohnt sind. Die Ungarn essen sowieso nur traditionelles Gemüse: Kohl, Tomaten, etwas Gurken, Zwiebeln und Paprika (ungarische Pepperoni). Hier aber war alles etwas karg. Deshalb kauften wir umso mehr Chips und Guetzli (wehe, wenn er losgelassen, der Roger. Und schliesslich galt es, die Vorräte diesbezüglich aufzufüllen.
    Dann gondelten wir kreuz und quer (jaja, weil auch mit GPS kann man (sprich Martina) falsch fahren, gell Richtung ausgelesenem Campingplatz. Bei Dieter wurden wir wie geplant fündig. Ein Deutscher mit Ungarischer Frau. Gerade richtig, um noch mit jemandem hier über Rumänien zu sprechen, bevor wir da in ein paar Tagen einreisen. Dann müssen wir noch Porta Potty (Bonabuswc) – Flüssigkeit kaufen gehen, und hier in dieser grösseren Ortschaft hoffen wir alles zu finden.
    Gegen Abend machten wir noch einen kläglichen Versuch mit Velo und Kickboard zum See vorzustechen, kehrten dann aber um, machten einen kurzen Halt auf einem Spielplatz und machten uns auf, die Waschmaschine in Beschlag zu nehmen (weiterer wichtiger Grund für den Camping, neben Internet, Leuten, mit denen Wir sprechen und die wir verstehen können)

    27. Juli: Pancakes zum Frühstück
    Nach dem Aufstehen, was eigentlich noch ganz friedlich war, beschlossen wir Pancakes zum Frühstück zu machen. Aber leider hatte es zwei, vor allem Rui, die stritten und unverschämt herumbrüllten. Nach einer Isolationszeit (hinten und vorne im Büssli) und Roger und mir, die draussen kochten, verlief das Essen dann aber friedlich. Morgens war nochmals eine Waschmaschine angesagt, etwas putzen und ein kleiner Spaziergang zum Liddle. Wow, dieses Gemüsesortiment. Eigentlich waren wir wegen Putzmittel da, Pril. Das, so wurde uns gesagt, kann man zum Strecken des Porta Potty Mittels verwenden. Wir fanden dann im Penny Market ein Mittel, das dem Gesuchten ziemlich entspricht. Morgen beim Entleeren des WCs werden wir sehen, wie gut das klappt.
    Zum Mittagessen waren wir wieder im Bonabus. Nach einer grossen Mittagspause für alle machten wir eine diesmal erfolgreiche Velo-/Kickboardtour zum See und genossen die Umgebung da sehr. Wirklich wunderschön, ist ja auch UNESCO. Nach Melone und Tucks machten wir uns auf den Rückweg. Nach Dusche und einer seltsamen Entdeckung machten wir uns auf zum Restaurant des Campingplatzes, das nach Reiseführer recht gut sein sollte. Aber zuerst zur Entdeckung: Unter der Schiebetür hat unser Bus heute sicher eineinhalb bis zwei Sändelikübel Wasser verloren. Die Frage ist nun: Was ist das für Wasser, woher kommt es? Es stinkt ziemlich, wie alt. Der Motorraum ist intakt, der Boden, wo der Belag abhebbar trocken, die Wände ebenso. Also wohl aus den Holmen und durch die Entwässerung des Chassis. Aber kann das alles Kondenswasser sein? Das sich irgendwie angestaut hat durch Verstopfungen beim Umbau und Malen und jetzt das erste Mal durchgebrochen ist?
    Dann zum Restaurant. Wir bestellten vier Hauptgänge und waren alles andere als begeistert. Der Fisch stank, die Pommes waren verwässert. Da hilft wohl auch einheimisches Essen bestellen nicht mehr weiter. Tja, in Griechenland, spätestens, wird es dann wohl besser mit auswärts essen.
    Übrigens noch ein gelungener Spruch des Tages. Wir waren beim Melonenessen. Martina schnitt auf und suchte: „Hat es hier einen Abfallkübel?“ Roger sitzt vis à vis und lacht: Es hat mindestens 24, auf einen Blick.

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  • 28Jul 2012

    21 Glück im Unglück und heiss, so heiss 28.07.2012 Ungarn —

    Hortobágy, Ungarn

    Beschreibung

    Wunderschön, so ein Nationalpark. Umso irritierender der alte Doppeldecker-Flieger, der beim Abendessen am 28. über dem Städtchen kreuzt. Moskitovernichtung, weiss die Wirtin. Irritierte Gesichter weit und breit. Kein Grund zur Sorge, meint sie weiter, das sei sehr ungefährlich, sie machen das schon seit Jahren, und allen gehe es noch gut. Die Nahrungskette werde ebenfalls in keiner Weise unterbrochen. Heute seien die Mücken noch sehr aggressiv, morgen dann grösstenteils tot. Aha, sehr plausibel,… wird hier übrigens alle 17 Tage durchgeführt, und, ja, danke Onkel Sowieso, meint die Wirtin zu guter letzt, denn der Zeltplatz kriege immer eine Extraration ab.

    28. Juli: Glück im Unglück und heiss, so heiss
    Beim leeren des Porta Pottys baut nun auch Martina mal einen „Sch…“, dafür gleich einen gröberen. Nachdem ja Roger bei den Mirafällen den Schwimmer ausser Betrieb gesetzt hatte und auch der Flickversuch mit blossen Händen nichts brachte, nun dies: Beim Aufdrehen des Abflussrohres spickt mir der Deckel aus der Hand, macht einen Bogen und ohne Umwege gleich ins Abflussrohr. Da hilft auch das Fluchen nichts mehr. Rui und Luo sind ganz baff, so haben sie ihr Mami wohl noch nie gesehen, bzw. gehört. Das Tagesprogramm wird nun also anders ablaufen. Wohl in irgendeine der grossen Städte Ungarns fahren und versuchen einen Campingshop zu finden, für das Ersatzteil oder dann halt ein neues ChemieWC. SCH----!!! Mit den Jungs ist an ein Reisen ohne so ein Ding einfach nicht zu denken. Mal müssen sie in der Nacht aufs Kloo, mal beim Essen, mal sind die WCs irgendwo so grauslig und unhygienisch und wie können die Kinder ihr Geschäft verrichten ohne den Ring zu berühren…
    Nach dem versprochenen Schwimmen im Pool (Rui darf heute wieder und scheint etwas gelernt zu haben, seine Freudeausbrüche bleiben in der Schallgrenze und am Ende gibt es keinen Aufstand, als wir beschliessen, dass nun genug ist.), ist dann auch Dieter wach, oder wenigstens draussen. Ich frage ihn nach dem nächsten Campingshop. Dieter sagt, ja, in Debrecen gäbe es einen Campingshop, der Samstags auch offen hat. Debrecen ist 70km entfernt, also machbar. Leider müssten wir die Pussta in einem Rush durchqueeren. Aber Dieter meint noch, ich solle warten und verschwindet. Was dann kommt ist zwei Schweizerschokoladen aus unserem für solche Dinge angelegten Vorrat wert: Er kommt wieder MIT dem Deckel! Hat ein Rückhaltegitter in die Kanalisation eingebaut und manches bleibt da hängen. Mit Glück auch unser Deckel!
    So wird der Plan A doch wieder möglich und wird umso mehr genossen: Flohnern am Theisssee, zuschauen beim Sandfussball, Baden, Plantschen und die erste Sandburg dieser Reise bauen. Anschliessend, gegen drei Uhr fahren wir weiter. Roger durchquert im Sonntagsfahrtempo die Pussta. Wir halten in Hortobagy. Der Parkplatzguard da ist extrem unhöflich und gibt uns sofort zu verstehen, dass wir um sieben abends weg sein müssen, Kemping, sagt er. Aber gerade das haben wir nicht im Sinn, haben wir doch nur katastrophales über die Hygienebedingungen da gehört. Nachdem die Jungs ausgeschlafen haben, Roger daneben in Saunaverhältnissen vor sich hin gedämmert hat und Martina alles erkunden durfte, machen wir uns auf einen Spaziergang durchs Dörfchen. Gleich hinter den Touristenattraktionen ist es nämlich immer am spannendsten. Und die Neunbogenbrücke, das berühmteste Bauwerk Ungarns können wir doch besser abends ohne Touris und mit etwas weniger als 35Grad PLUS besichtigen. Gegen sechs gehen wir in die schöne Csarda an der Hauptstrasse. Wunderschöne Rundbögen, alte Bäume, SUPER Essen (ich musste meine Meinung vom Essen Ungarns komplett revidieren), Zigeunermusik und Wein. Letzteres nur, weil man uns in der Csarda versicherte, dass Schlafen auf dem Parkplatz vor dem Restaurant kein Problem sei. Rui und Luo tanzen unermüdlich, Rui sehr musikalisch, Luo in seinem eigenen Style. Nach einem Abendspaziergang zurück in den Bus, es ist schon dunkel. Schlafen kann dann aber ausser Rui sowieso keiner. Luo darf noch Büechli anschauen, um zwölf legen auch wir drei uns aufs Ohr, schlafen aber nicht gerade viel und sicherlich nicht tief. Mindesttemperatur im Bus: 27 Grad, diese Nacht.

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  • 29Jul 2012

    22 Die nehmen es aber genau am Zoll, aber nicht, wie 29.07.2012 Rumänien —

    Mesteacănu, Rumänien

    Beschreibung

    29. Juli: Die nehmen es aber genau am Zoll, aber nicht, wie man denken würde…
    Um halb acht mögen wir nicht mehr im Bus sein, nehmen unseren Allzweck-Blauen-Plastikorb (Wäschzeine, Transportkorb für dreckiges Geschirr, Rucksackständer während der Fahrt und vieles mehr), packen gutes Körnli-Liddl-Schnittenbrot ein, Margarine, Honig, Konfi von Fritz (oder und Heidi) und Apfelsaft und frühstücken bei der Neunbogenbrücke. Um kurz nach neun sind wir dann beim Ausgangspunkt unseres Ausfluges dieses Morgens: Wir besteigen da um zehn einen Zweispänner und lassen uns durch die Pussta chauffieren. Die Pussta, die grösste zusammenhängende Grassteppe Mitteleuropas entstand übrigens erst in der Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts infolge der Begradigung des Theiss, vorher war es Überschwemmungsgebiet. Die Tour ist ein Glückstreffer: Ochsenkutsche, Zackenschafe, Wasserbüffel, Pferde im Sitz und liegend mit Reiter, Pussta- Fünfer (Koch-Fünfer, für die, die etwas von Malerei verstehen).
    Um zwölf sind wir alle hungrig nochmals in der Csarda, schliesslich gilt es die letzten Forint zu vernichten, was aber nicht gelingt. Das Essen, wir lassen es uns gut gehen, kostet ca. 40 Euro. Dann fahren wir weiter. Roger ist wieder am Steuer, Martina hat Bammel vor der zweitgrössten Stadt Ungarns, die es zu durchqueren gilt, sowie vor dem Grenzübertritt. In einem kleinen Tante-Emma-Lädeli, die hier auch sonntags geöffnet haben, vernichten wir noch das restliche Münz, legen es in Trinkwasservorrat in Form von Mineral an. In Rumänien wird das Wasser nicht mehr trinkbar sein. Dann der Zoll. Die Zöllner wollen hinten in den Bus schauen. Ich öffne, denke, sie wollen den Bus durchsuchen. Doch WEIT gefehlt. Sie nehmen die IDs der Kinder und vergleichen die Gesichter (des schlafenden Luos und verschlafenen Ruis) mit den Bildern!
    Nach der Grenze meint Roger: Hey, die Strassen sind besser, beruhigend für unseren Bus. Aber nach einigen Kilometern wird die Wahrheit sichtbar: Hier sind die Löcher nicht mit Teer, sondern mit Geröll geflickt! Dennoch kommen wir in Spinus an. Der Zeltplatz aber ist Wahnsinn. Nicht wie erwartet. Wir werden auf Holländisch begrüsst (weiter in English), alles sauber, friedlich. Cooler Spielplatz mit altem Traktor. Die Betreiber haben hier ein Projekt, geben missbrauchten Frauen und ihren Kindern Schutz.

    30. Juli: Gnocchi frittati
    Nach dem Frühstück plemperten wir wunderbar in den Tag hinein. Das haben wir schon richtig gut gelernt, das Plemperlen. Wahnsinn, dass es erst wenige Monate (oder gar Wochen) her ist, dass ich mich mit Literaturnachweisen, theoretischen Verknüpfungen und Ähnlichem herumgeschlagen habe. Langsam rückt alles in weite Ferne. Letzthin, als ich hörte, wie Roger jemandem erzählte, dass ich gerade eben ein Studium abgeschlossen habe, musste ich kurz nachdenken, was er genau meinte (Welches Studium?). Nein, Spass beiseite, bin ich froh, dass nun ein anderer Lebensabschnitt begonnen hat. Und das Reisen macht allen immer mehr Spass, die Jungs sind wunderbar. Sie haben den Spielplatz mit einem holländischen Mädchen und einem Romaknaben einer Mutter des Projektes geteilt. Nach einem Rundgang im Dorf assen wir einen reichhaltigen Salat, in den wir die letzte etwas seltsame Wurst aus Ungarn verarbeiteten, die sich zu schmackhaftem Hackfleisch umarbeiten liess. Das Dorf übrigens, liegt zwischen zwei Hauptstrassen, im Zwischenstück von an die 50 Kilometer. Hier ist alles viel ärmer, Kutschen sind an der Tagesordnung. Teer findet sich nur auf der Durchfahrtsstrasse, wenn überhaupt. Mittellinien gibt es auch darauf nicht. Die Leute sind freundlich, grüssen, winken. Eine ältere Frau spricht lange auf Martina ein und scheint weder mit italinischen, französischen oder was auch immer Erklärungen zu begreifen, dass wir eigentlich nichts verstehen. Egal, sie lacht und hat Freude an den Kindern. Die Atmosphäre gefällt uns eigentlich besser als in Ungarn.
    Nach einer grossen Mittagspause, die Jungs wieder hinten und vorne im Bus, ich am Computer, NZZ-Homepage durchstöbern und die gute Internetverbindung nutzen, Roger Griffe in die Bettverlängerung sägen, machten wir uns an ein schon lange mal beschlossenes Projekt: Selbst Gnocchi kochen. Natürlich ohne genaues Rezept. Gekochte Kartoffeln, Mehl, Eier nahmen wir, soviel wir gerade hatten oder uns gut dünkte. Wir kneteten und rollten den Teig, dass es nur so eine Freude war. Roger schnitt, was die Jungs formten und so kamen wir gut voran. Riesige Haufen Gnocchis wollten nun gekocht werden. Dies war aber schwerer als erwartet, und nicht nur, weil uns der Backofen zum warmhalten fehlte. Kurzerhand tauschte unser Küchenchef das heisse Wasser gegen heisses Oliven-Öl und die knusprigen Gnocchi-Kroketten, die dann entstanden waren wirklich lecker. Nur gut, dass wir danach noch das Trampolin benutzen durften, so konnte sich alles etwas setzen.

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  • 31Jul 2012

    23 Gefährlich ist es... 31.07.2012 Rumänien —

    Gilău, Rumänien

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    ... auf diesen Strassen die Tempolimiten nicht zu überschreiten (innerorts)
    Wunderschön war die Fahrt durch das Gebiet um Spinus, malerisch mit Kutschen, vielen Leuten auf der Strasse und vielen Schlaglöchern. Dann kamen wir runter auf die ostwärts führende schnelle Verbindungsstrasse und der Kilometerdurchschnitt pro Minute verdreifachte sich.
    Schon beim Aussteigen in einem Dorf, in dem wir einen Bancomaten erspäht hatten bemerkten wir den Verlust der Kindersandalen, die wohl in Spinus geblieben waren. Egal, die wollten wir sowieso bei Gelegenheit durch bessere austauschen, so viel wie die gebraucht werden. Jetzt muss das einfach noch sein, bevor wir in die Karpaten fahren. Keine Probleme bereitete das Geldabheben und auch die restlichen Forint aus Ungarn liessen sich ohne Umstände in Ron/neue rumänische Lei wechseln. Jetzt müssen wir nicht mehr durch-tausend-mal vier-rechnen, sondern nur noch durch vier.
    Bei der rasanten Weiterfahrt mit steilen Auf- und Abstiegen über die wieder auftretenden Hügel hielt sich Martina strickte an die Tempolimiten, auch innerorts. Nur kein Puff mit der Polizei, in Rumänien, wurde uns geraten. Schwierig, fünfzig zu fahren, wenn man dabei vom hinterherfahrenden Fünfachser mehrfach ausgehupt wird und der nach mehrmaligem eng Aufschliessen wirklich überholt, innerorts! Nur, übrigens, um beim nächsten Hügel auf der partiellen Kriechspur weit zurückzubleiben. Beim Überholen amüsierten wir uns dann umsomehr über seinen Wutausbruch.
    Nach einem Mittagessen im Bus am Strassenrand, wobei der einsetzende Regen aufs Dach trommelte, kamen wir durch ein weiteres grösseres Dörfchen und sahen schon von weitem das uns von Ungarn bekannte Schild „Penny Market“. Juhuuu, denn die Tante Emma-Läden am Strassenrand verkauften kaum Gemüse… Roger ging also für über eine halbe Stunde shoppen, Martina döste hinter dem Steuerrad und die Jungs schliefen hinten ungestört weiter. Nur noch eine halbe Stunde Fahrzeit danach bis zum Zeltplatz, auf den wir des Morgens das GPS gestellt haben. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt kamen wir an. Der Zeltplatz kostet 50 Ron pro Nacht, hat Pool und Sanitäre Anlagen, von denen unser Zeltplatz am Gardasee nur träumen kann, Saskia. Der Spielplatz liegt direkt vor der Bonabustüre, das Netz für ein Familien-Netzball ebenfalls.

    1. August: Tagesthema Huskies
    Klar wollten die Jungs um halb neun, als sie die Augen aufschlugen, als erstes wissen, wie es den drei Husky-Hunden geht, die gestern kurz vor Bettzeit noch auf den Zeltplatz kamen. Durch das Getrödel der ganzen Familie und die Initiative der Jungs, die Göttialains Picknickdecke holten, ihre Legokiste und mit Bauen begannen, beschlossen wir einen Bus später zu nehmen. Nach zehn Minuten an dieser haarsträubenden Strasse entlanglaufen kamen wir zur Tankstelle, an der der ÖV-Bus nach Gluj Napoca fahren sollte. Tat er wirklich, und zwar auf die Minute genau! Irgendwo in der Stadt stiegen wir aus und speicherten den Punkt in unser GPS, da die Haltestellen in keiner Weise gekennzeichnet waren. Dann machten wir uns zu Fuss auf den Weg Richtung Innenstadt. Wo wir dann auf einer richtigen Piazza italiana buonissime tagliatelle verspeisten, halber Liter Hauswein (vorzüglich, das würde dir gefallen, Rumänien, Papi, und nicht nur wegen dem Wein) und Fanta, daneben Mineralwasser. Und das alles für 101 Ron. Danach ging’s auf die Suche nach brauchbaren Sandalen. Schon im ersten Geschäft hatten sie welche, für 50 Ron. Nur leider nur ein Paar im 27. Nach einem weiteren kleinen Spaziergang von zehn Minuten bekamen wir in einer weiteren Filiale des selben Geschäftes noch ein zweites. Mit der Post aber war es schwieriger. Die wenigen Karten, die wir bisher geschrieben hatten, konnten wir auf einem Postbüro abgeben. Doch trotz vielen Leuten, die gut Englisch sprechen und ziemlich reibungslos klappender Kommunikation mit Italienisch-Französisch-Gemisch, gelang es uns nicht, herauszufinden wo oder ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, unser Päckchen zu verschicken. Tja, so muss Alain der Pferdenarr noch „etwas“ warten, bis er den Gruss aus der Pussta erhält. Könnte auch noch länger dauern. Morgen geht es nämlich erst mal weg vom Gewimmel, wieder ins Land hinein.
    Die Haltestelle für die Rückfahrt zu finden gestaltet sich übrigens sehr spannend. Da wir denken, dass wir hier in der Nähe des Zentrums irgendwo durchgefahren sind, fragen wir (also Martina), wo der Bus nach Gilau hier hält. Auf Französisch kriegt sie Antwort in inzwischen strömenden Gewitterregen, nach einem kleinen Fussweg kommt sie durchnässt zur Familie zurück. Wir kaufen ein süsses Gebäck um die Zeit zu überbrücken, stehen dort, wo uns zu warten gesagt wurde, nachdem wir uns vergewissert haben (diesmal spricht jemand Englisch). Gleich werden wir von drei Männern angesprochen, was wir hier tun würden. Auf den Bus warten? Dann seien wir aber falsch, diskutieren sie und schicken uns weiter. Vor dem Hotel Napoca sieht es aber auch nicht besser aus, eine Frau hilft uns und fragt einen nahewartenden Taxichauffeur. Doch, jetzt scheinen wir am richtigen Ort zu sein. Rui muss noch einen Bisi, wir stecken ihn dafür in einen nahegelegenen Busch, etwas versteckt, denn hier ist alles sauber. Kurz bevor der Bus kommen sollte muss Luo noch einen Gaggi. Er müsse warten, sagen wir (und nehmen das Risiko in Kauf, die Busfahrt wird 45 Minuten dauern, aber der nächste Bus fährt erst in eineinhalb Stunden, es ist schon sechs Uhr). Es klappt alles, der Bus kommt, Luo macht es super und wir kommen zufrieden beim Zeltplatz an, vorbei am halben Hund, von dem wir aber jetzt schon wissen, dass er im Gebüsch lauert, immer verzweifelter auf etwas zu Essen hofft. Der Arme hinkt stark, wurde wohl angefahren, schleppt sich die Strasse entlang, kann wohl kaum noch jagen.
    Kaum im Zeltplatz wieder bei den Huskies. Die Jungs und ihre Hundefreude an den Hundefreunden. Rui übrigens hat wieder jeden Tag Stuhlgang und akzeptiert es gut, keine Glacé zu essen, Joghurt auszulassen (das übrigens hier vorzüglich ist, das Naturejoghurt), er denkt in diesem Belang voll mit. Übrigens ist er zu einer richtigen Jukebox geworden. Nach dem Essen beispielsweise heute: „Was mached mer mit de Muus, mit de Muus?“ Ich schaute ihn an: „Hä?“ Er: „Was mached mer mit de Muus, mit de Muus?“ Aha, jetzt hab ichs‘ gechekt, Doppelhaas wird Götti ist gerade am Laufen. Im Wechsel machen wir zwei die besagte Geschichte vom Haustiergeschenk und dem Piratenschiff durch, das es stattdessen zum Geburtstag gibt (Marit, musst du mal hören, Linard Bardill, das könnte der Ursprung von Jakobs Piratenschiffwunsch sein). Rui weiss alles. Andere Male bricht ein Lied aus ihm heraus, von der Doppelhaas-CD, oder er rezitiert laut Dialoge aus Ronja, die wir auch viel hören. Letzthin wachen wir auf, weil jemand (also eben Rui) hinter dem Vorhang singt: „Drü Chinesä mit äm Kontrabass…“

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  • 02Aug 2012

    24 Turda-Kluft 02.08.2012 Rumänien —

    Petreştii de Jos, Rumänien

    Beschreibung

    2. August: Kletterszene Rumänien

    Morgens machten wir uns auf den Weg diese Hauptstrasse zu verlassen. Dafür tankten wir voll, posten noch Mineral und Gemüse. Danach sind wir bereit und ab geht’s, zuerst nehmen wir die gelben Strassen unserer Karte, dann versuchen wir es auch mit weissen. Wir holpern so über gute Kiestrassen. Die Strassen müssen erst gerade gemacht worden sein. Auch die Teerstrassen, die es mancherorts schon hat, sind gut. Komisch aber, wie sie diese bauen. Wo man den Koffer sehen kann, weil noch kein Asphalt darüber liegt, erklärt Roger, dass das so nichts werden kann. Statt gutem Kieskoffer haben sie Sand-Erde-Kiesgemisch genommen. Die ersten Frostschäden sind schon überall zu beobachten. Tiefe Löcher von einigen Zentimetern entstehen, zuerst klein, dann immer grösser.
    Gegen Mittag kommen wir auf Petrestii de Jos, wo die Cheile Turzii nach unten führt. Nach einem Picknick im Bus, wo wir der sengenden Hitze etwas zu entfliehen versuchen, packen wir die Wandersachen. Die Wanderung durch die Schlucht ist grossartig. Der kleine Bach hat sich mehrere hundert Meter in die Kalksteine gegraben. Rui und Luo sind wieder mal richtige Berggämsli, sie haben keine Mühe über die grossen Tritte und groben Platten zu kommen. Sehr motiviert sind sie, als Roger auf der Karte Höhlen entdeckt und die Jungs anleitet, wie man diese erforschen kann. Einen kleineren Gang kriechen sie durch, von Roger zu mir, die ich auf der anderen Seite warte. Eine grössere Höhle wird mit Taschenlampen durchleuchtet. Nur schade, dass viel Abfall drinliegt. (Aber Abfall ist hier in Rumänien leider ein Bestandteil der Natur…) Wieder oberhalb der Schlucht angekommen baden die Kinder im Bach, graben im Sand an dessen Grund und wir lassen die Seele richtig baumeln. Wunderbar. Aber eigentlich hat niemand so richtig Lust in den nun wirklich aufgeheizten Bonabus zurückzukehren. Deshalb überqueren wir einen nahen kleinen Steg und gehen auf einen kleinen Zeltplatz. Hier können nur Zeltler stehen (Steg). Wir trinken unser erstes gutes Bier seit langem, die Jungs sind zufrieden mit einem Süssgetränk. Der sehr gemütlich bekiffte oder sicherlich angetrunkene Betreiber schaut auf unsere Frage, was er noch an Essbarem zu verkaufen hat. Er findet Cevapcici-mässige Würstli, grillt Gemüse und serviert dazu Brot. Wunderbar. So gehen wir nach einer Runde Trampolin, das ebenfalls hier steht, erst weit nach neun zum Bus zurück, der dann schon eine ganze Weile im Schatten der Hügel steht. Die Jungs schlafen schnell, Martina nimmt wieder mal die Ukulele hervor und versucht sich mit einigen Liedern (schliesslich habe ich ja dem Tobi gesagt, dass wir ihm dann was vorspielen werden). Wie es aussieht hat es hier am Wochenende immer viele Leute, deshalb beschliessen wir morgen Abend weiter zu fahren (Freitag).

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  • 03Aug 2012

    25 Auch in Rumänien kann man wild stehen 03.08.2012 Rumänien —

    Rimetea, Rumänien

    Beschreibung

    3. August: Auch in Rumänien geht es gut ohne Zeltplätze
    Wir wachen nach einer wunderbar ruhigen Nacht auf, als die Sonne schon ziemlich stark auf den Bus scheint und Roger um acht Uhr unbedingt aufstehen möchte. Schliesslich ist Klettern angesagt. Wir müssen nur einige Höhenmeter überwinden, bis wir an die erste Felswand kommen. Roger hängt das Seil hoch, so können wir anderen TopRope nachklettern. Rui und Luo wagen einige Meter, spielen mit ihrem blauen Spielseil, seilen die Dupplotiere ab und geniessen die Natur. Roger und ich klettern je zweimal, weit mehr als bei vorigen ähnlichen Aktionen back home in Switzerland. Nach einem gemütlichen Picknick am nun schon angestammten Platz am Bach und einem neuerlichen Geplantsche der Jungs machen wir uns gegen drei Uhr auf den Weg. Diesmal kehren wir nach einigen Kilometern wieder um, als die Kiestrasse plötzlich in zwei Radspuren verläuft und wir wissen, dass es vorne noch einmal weit nach unten gehen wird. Lieber zurück und den Umweg fahren, denken wir. Martina am Steuer erleidet beinahe einen Kulturschock, als plötzlich die hohen Gänge wieder möglich werden, alles sooo schnell und hastig wird, die Autos wieder überholen und ich also meine liebe Mühe habe, hier mitzuhalten. Froh bin dann aber nicht nur ich, als wir nach einigen Kilometern Lochstrasse in Rimetea auflaufen. Nur leider finden wir den Zeltplatz nicht, oder besser, er ist ebenfalls nicht für Womos ausgelegt. Deshalb müssen wir uns mit dem Dorfplatz begnügen. So essen wir in einem kleinen Restaurant in der Nähe und bleiben anschliessend noch lange auf dem Spielplatz. In diesem Restaurant treffen wir übrigens zum x-ten Mal in den letzten Tagen Uwe, einen Deutschen, viel Rumänien-gereisten mit seiner Familie.
    Unsere Jungs haben mal wieder keinerlei Probleme mit Kindern anderer Sprache zu spielen. Eine der Mütter kann gar Deutsch und es entsteht ein kleines Gespräch. Das Dorf Rimetea ist übrigens von 90% Ungarn bewohnt, wir fühlen uns quasi wie zu Hause wenn die Leute uns mit Jo Napot ansprechen, Köchzönöm kommt auch noch ohne zu denken… Rumänien ist ein Land mit einem riesigen Völkergemisch. Deutsche (Siebenbürgensachsen), Ungarn (Habsburgerreich), Romas, Rumänen…
    In der Nacht wird es dann noch ziemlich laut, da einige Teenies eine richtige Party auf dem Spielplatz feiern. Nicht anders als zu Hause also.

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  • 04Aug 2012

    26 Nocheinmals begeisterte Klettermännlis 04.08.2012 Rumänien —

    Bencenc, Rumänien

    Beschreibung

    4. August: Nocheinmals begeisterte Klettermännlis
    Morgens Wander-Klettern wir bis zur Felswand über dem Dorf hoch, in dreiviertelstunden wohl 150 Höhenmeter. Die Jungs sind sehr motiviert, installieren oben angekommen gleich ihr Seil. Klettern an unserem Seil mögen sie dann gar nicht mehr so sehr, da sie so fest mit ihrem Seil üben. Nach einem feinen Picknick an der Wand queren wir den Hang, bis wir auf eine Mudroad stossen. Unten fallen die Jungs richtiggehend in ihren Sitz und wir fahren weiter. Heute brauchen wir einfach einen Zeltplatz! Duschen wird richtig nötig, Waschen ist auch wieder mal angesagt, Internet ebenfalls. Also wollen wir bis Aurel Vlaicu, wählen eine Route mit guten, schnellen Strassen. Der Camping stellt sich als richtig gut heraus, gemütlich, klein, freundlich, leider ohne Schatten. Wir haben eine Einladung zum Apéro von Christine und Robert, zwei Balser Weltenbummlern, mit denen wir abends noch lange Gespräche führen. Die Jungs spielen gerne Duplos mit Rutmer und Wonter, zwei lieben holländischen Jungs. Mit Jan und Hermya, den Eltern der beiden trinken wir Kaffee. Tut wieder richtig gut, mal mit anderen zusammenzusitzen.

    5. August: The Corvinus Castle of Hunedoara
    Der frühere Morgen stand im Zeichen des Wäschewaschens, drei Maschinen mit Bettwäsche. Alles wurde vor dem Bonabus auf eigens gespannten Leinen aufgehängt, bevor wir den Bus bestiegen und also ohne Wäsche Richtung Hunedoara fuhren. Im ersten grösseren Ort hielten wir, unsere Trinkwasservorräte mussten aufgefüllt werden. Roger nahm sich wiederwillig dieser Aufgabe an, da er heute Beifahrer war. Die anderen drei blieben im Führerhäuschen und lauschten weiter den Geschichten des Globis bi dä Füürwehr. Dann gings weiter und nach fünfzig Minuten waren wir im Ort Hunedoara, konnten aber die berühmte angesteuerte Burg nur schlecht finden. Qualvoll gestaltete sich das Aussteigen, da ausserhalb des klimatisierten Raumes die Hitze erschlagend war. Wohl etwas über 40 Grad war es heiss. Wir schleppten uns über die Holzbrücke zur Burg, besahen uns das gewaltige Bauwerk aus dem 14 Jahrhundert. Amélie, da sieht die Kyburg wie ein Spielzeug aus, daneben, so klein. Die Männer in der Burg, von denen einige verkleidet waren, haben uns irgendwie stark an deinen GöDo erinnert, das muss irgendwie international sein, das Ritterfieber.
    Um vier Uhr waren wir wieder im Camping, hängten unsere heissgetrocknete Wäsche ab und machten uns schleunigst unter die Pergola um die Matthisburg von Ronja zu bauen, mit Lego. Einer der Erwachsenen war immer am Computer, der andere baute mit: Pferde, Höllenschlund, Burgmauern, Schiesscharten. Alles, was vom heutigen Ausflug und von der Ronja-CD zusammengekommen ist. Daneben sprachen wir heute fleissig Französisch mit Jean-Luc und seiner Frau, die unseren Jungs eine halbe riesige Wassermelone vermachten. Denn wer mit Töff reist, hat sicherlich keinen Kühlschrank dabei. Anschliessend getrauten sich unsere drei Männer noch kurz in den (eher grünen) Swimmingpool, Rui und Luo wahnsinnig gut mit ihren Schwimmnudeln schwimmend. Gemeinsam wurde als Tagesabschluss gekocht, Tomaten und Auberginen geschnippelt, Zwiebeln geschält… Ach ja, wir wissen nun übrigens warum es in den Läden nur wenig und nicht unbedingt schönes Gemüse zu kaufen gibt: Ein rumänischer Lehrer verdient 700 Ron im Monat (durch vier ergibt Schweizerfranken). Gemüse züchtet er selbst im eigenen Garten.
    Heute beim Checken der Mails haben wir das von Sabina gelesen. Es kommen mir beinahe die Tränen dabei, wenn ich sie mir vorstelle, wie sie das Geschriebene alles erlebt. Wir hatten die kleine Frau schon seeeeeeeeeeehr ins Herz geschlossen! Schöner Sommer, Elin!

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  • 06Aug 2012

    27 Zarnesti 06.08.2012 Rumänien —

    Zărnești, Rumänien

    Beschreibung

    6. August: Rogers Geburtstag, Fahrt von Aurel Vlaicu nach Zarnesti
    Nach Wunsch des Geburtstagskindes gab es heute zum Zmorgen einen haufen Pancakes, die wir auf dem tragbaren Benzinkocher vor dem Bonabus brieten und verspeisten. Dadurch „verspätete“ sich unsere Abfahrt und erst um 11.30 Uhr gondelten wir los. Schon in den ersten Kilometern verwickelten wir uns in einen Stau, der von einem Verkehrsknotenpunkt ausgelöst wurde. Weiter fuhren wir und der Geburtstagsfahrer beschloss, einmal jemanden von all den Leuten mitzunehmen, die am Rand der Hauptverkehrswege stehen. Wir luden zwei junge rumänische Männer auf, mit denen wir uns aber aber überhaupt weder mit Italienisch, noch Französisch, noch Englisch verständigen konnten. Trotzdem waren sie sehr froh mitgenommen zu werden, umso mehr, als wir das übliche Geld nicht haben wollten. Sie waren mit Rucksack und schweren Schuhen auf dem Weg richtung Gebirge. Am späten Mittag hielten wir und assen eine frittierte Grillplatte und Pommes, wohl ein gutes Geburiessen. Dann fuhren wir weiter, weg von der grossen Strasse, nach Zarnesti. Hier hatten wir durch eine im Boardatlas-Stellplatzführer fehlerhaft abgedruckte Koordinate einige Mühe den angegebenen Stellplatz zu finden. Wir landeten in einer komplett verkehrten Ecke der kleinen Stadt. Ich stieg aus und die Frau, die gerade vor ihrem kleinen Geschäft kehrte, rief sofort ihren Mann herbei. Dieser konnte ziemlich gut Französisch, hatte er doch einmal zwei Jahre in Lausanne eine Schule besucht. Er stieg in sein Auto und fuhr uns vor, bis er den richtigen Ort gefunden hatte.
    Constantin, der Besitzer der Pension, vor der er einen Womo-Stellplatz hat, begrüsste uns. Die Jungs waren begeistert, dass noch ein Womo dastand. Die deutsche Familie hatte zwei Kinder, etwas jünger als unsere, gemeinsam sprangen die vier Trampolin. Ute und Jörg machen mit ihren Kindern eine Longtimeholiday-Reise, die zwei bis drei Jahre dauern soll. Von ihnen erhielten wir einige gute Tipps für die Türkei, in der sie sich schon einmal drei Monate aufgehalten haben.

    7. August: Angenehmere Temperaturen als in der Ebene, hier in den Bergen bei Zarnesti
    Nach einem gemütlichen Frühstück bei der grosszügigien Terrasse und einer geraumen Spielzeit der vier Kinder, machten wir Spiesslis uns auf ins Dörfchen. Wir assen einen feinen Spaghetti-Zmittag in einer Bar, man kann schliesslich nicht immer Fleisch essen, auswärts. Später kauften wir ein und wollten alles in die Kühlbox bringen, bevor wir noch im Wald herumsstacksten. Abends machten wir ein Abendessen auf dem Grill und plauderten mit Constantin.

    8. August: Klettern in der Kluft von Zarnesti
    Heute hatten wir den Wecker schon auf halb acht gestellt. Um neun stiegen wir in den grünen VW von Conastantin, der uns zum Klettergebiet bringen wollte. Dort angekommen wanderten wir die Kluft hoch, Constantin erzählte viele Geschichten, wie ein Mann aus Zarnesti die Kletterrouten gebohrt hatte… Nachdem dann Roger eine Route geklettert war und ich TopRope vor einem Überhang mitten in der Wand psychisch blockiert war, kam dann Constantin barfuss wie ein Wiesel hoch – ungesichert. Es war bald klar, dass er dieser Mann aus Zarnesti war und langsam aber sicher erzählte er viel über seiner Klettervergangenheit. In der Zeit unter Caucescu wählte Constantin den Kletterberuf. Er kletterte als Profi, mit aus Autogurten selbstgefertigten Gstältli, meist barfuss (Auch die im Klettergebiet vorhandene, von ihm eingerichtete, Route „Meteor“ 10+ soll er barfuss klettern). Nur an Wettkämpfen später mit Kletterfinken, die ihm eine deutsche Touristin gebracht hatte. Arbeitstage von zehn Stunden (rauf, runter, rauf, runter, mit Stopuhr…) waren an der Tagesordnung. Man versteht, wenn man hört, dass er heute eigentlich nicht mehr klettere, er sei gesättigt. Constantin ist ein richtiger Lebenskünstler, er hat eine wunderschöne Pension gebaut, er bewirtet seine Gäste auf Wunsch mit gutem Essen, er hält alles in Schwung und baut einige Häuser (gemauert) hier in Zarnesti, liefert halbfertige Blockhäuser nach Deutschland, verdient dann wieder einige Monate gutes Geld in Deutschland, wo er beispielsweise in einer VW-Halle alle Lampen auswechselt (kletternd).
    Abends, nach dem Klettern (Martina bezwang den Übergang dann doch noch, wenn auch nicht gerade glücklich), sassen die Erwachsenen noch zusammen und sprachen.

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  • 09Aug 2012

    28 Keine Lust auf Camping 09.08.2012 Rumänien —

    Cheia, Rumänien

    Beschreibung

    Jetzt liege ich auf dem Kinderbett auf dem Bauch und schreibe ein bisschen Tagebuch. Die Jungs und Roger sind im Aufenthaltsraumbereich, knabbern Pistatien und hören Ronja Räubertochter. Es regnet. Alle Leute hier sind froh, Rumänien leidet ja, das wisst ihr sicher, unter Trockenheit und Hitze, diesen Sommer.

    Morgens sind wir pünktlich um acht aufgestanden und machten uns an die nun schon routinierten Tätigkeiten eines Abreisetages. So waren wir schon kurz nach zehn bereit, von Constantin und seiner Italienisch sprechenden Cousine Abschied zu nehmen. Nach einer Kühlbox-Auffüllpause bei Lidl verliessen wir Zarnesti. In Rosenau dann bogen wir in die erste grössere Tankstelle ein, denn wir mussten endlich eine Strassenvignette kaufen. Diese nämlich braucht man, immer, wenn man in Rumänien herumkurvt. Zum Glück hatten uns Christine und Robert schon darauf hingewiesen, dass ihnen am Zoll eine verkauft worden sei. Wir hatten die Grenze wohl bei einem zu kleinen Zoll überquert, die hatten da ja bekanntlich andere Interessen. Tja, am nächsten Tag hatten wir aber leider an den guten Rat der beiden Schweizer gar nicht mehr gedacht. Erst im Gespräch mit Constantin kam es uns wieder in den Sinn. Jetzt hoffen wir also, dass kein Bussengewitter über Speicher (unserer Adresse während unserem Reisli) niedergehen wird und wir also nicht in allzu viele automatische Videofallen getappt sind, was unser Reisebudget natürlich nicht gerade schätzen würde. Dass wir bei manchen Fahrzeugen keine Vignette sahen ist nicht, weil man keine benötigt, sondern weil die Vignette von kurzer Gültigkeit in digitaler Form ist. Die Fahrzeugnummer wird registriert und so hat’s sich…

    Nach einer Stunde Fahrt durch die Umgebung und Aussenquartiere von Brasov, die Martina schon viel „kühler“ meisterte als andere Städte, kamen wir auf der anderen Seite der Senke wieder an die Karpaten. Überhaupt haben wir uns schon sehr an die Verkehrsverhältnisse gewöhnt und werden auch weniger oft ausgehupt (ausser heute von einem Lastwagen, einem Fünfachser, der wohl etwas schnell von unten in eine Haarnadelkurve hineingefahren war und meinte, er habe das Recht, mich zurückzudrängen.) Nach zwei Stunden Fahrt und einem Picknick an einem Strassenrand kamen wir in Cheia an. Wir schauten auf den Zeltplatz und Roger hatte gar keine Lust, sich dort niederzulassen. Wir fuhren eine Seitenholperkiesstrasse Richtung eines Tales und parkten hinter einem abgestellten Bauwagen bei den letzten Häusern. Eine Frau im Garten vis à vis meinte, das sei schon OK. Nachdem dann der Luo auch erwacht war, spazierten wir ans nahe Bächli, wo wir ein riesiges Staudammprojekt in Angriff nahmen. Erst die ersten Tropfen eines Gewitters jagten uns wieder in den Bonabus.

    Übrigens ist nun das Fass voll, wir haben beschlossen, dass wir spätestens in Istanbul etwas für Luo tun müssen. Seine modische, schöne Brille, die uns wirklich gefällt, tendierte ja schon in der Schweiz dazu, anzulaufen. Der Optiker stellte sie immer wieder um und versuchte die Luftzirkulation zu verbessern. In den letzten Wochen bei einer Lufttemperatur von oftmals über dreissig Grad beschlug sie bei kleinsten Anstrengungen bis in die Hälfte. Wir machten uns Gedanken, was das dadurch eingeschränkte Gesichtsfeld alles für eventuelle negative Auswirkungen haben könnte (déformation professionelle, vielleicht). Nun, heute, Regenabend, beim Spielen eines Memorys, bei dem Luo Feuer und Flamme war, sagt er plötzlich: „Mami, ich gseh ohni Brille angentli besser.“ Und wirklich, sogar hier im Bus ohne körperliche Betätigung hatte die Brille bis zur Hälfte einen Beschlag. So geht das nicht! Spätestens in Istambul werden wir einen Optiker finden, mit dem wir kommunizieren können. Vielleicht kann man die Gläser von Luos bestehender Brille zerschneiden und in eine mit kleineren Gläsern einsetzen? Rui, Roger und ich haben nie solche „Anlaufprobleme“! Das kann nur an Luos Brille liegen!

    Und vorgestern, als wir Ruis Brillenclip der Sonnenbrille aufsetzten wurde auch etwas anderes klar: Entsetzt sah ich beim Ausziehen desselben, dass der unerklärliche Kratzer, den er schon seit Beginn hat, nun plötzlich grösser war (nun sicher 2 auf 3 Millimeter, eine richtige Abplatzung). Die genauere Betrachtung ergab, dass die Niete, die der Bügel des Clips am Glas befestigt, hervorsteht. Jetzt müssen wir hierfür auch unbedingt eine Lösung finden, wohl also ein neuer Clips kaufen oder die Nieten reinhämmern versuchen, um einem weiteren Zerkratzen vorzubeugen. Die Kinder am Meer ohne Sonnenbrille herumlaufen zu lassen wäre nicht ideal, Rui eine ungeschliffene Sonnenbrille zu geben undenkbar bei seiner Korrektur.

    Noch zwei lustige Sprüche von heute:
    Rui, als er in einer unerwartet engen Kurve von der Zentrifugalkraft aus seinen Sitz gedrückt wurde: „Mami, du fahrsch jo mit Gasfläsche um d’Kurve!“ Er meinte wohl Vollgas…
    Später, als in einem Kaff alle auf der Strasse herumliefen und wir so viele Leute sahen wie sonst nie: „Do vorne hät’s sicher än Zoo, dass alli umelaufed!“ Nein, sorry Rui, wir sind hier in der Provinz…
    Und noch was von Luo zum Abschluss. Er macht sich Gedanken über das Schwarze Meer, zu dem wir bald kommen werden, manchmal fragt er auch, wann wir nun endlich die Donau wieder sehen werden. „Hät echt s’schwarzi Meer mol brennt?“ – Nein das Schwarze Meer heisst wegen dem schwarzen Schlick „Schwarzes Meer“.

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  • 10Aug 2012

    29 Lange Fahrt nach Braila 10.08.2012 Rumänien —

    Rumänien

    Beschreibung

    10. August: Lange Fahrt nach Braila
    Morgens machen wir uns auf durch den Wald. Buchen und Rottannen, je weiter nach oben, desto weniger Buchen. Der Nadelwald erinntert an einen schweizer Wald. Einzig das Gefühl, dass es hier mit Sicherheit Bären und Wölfe hat, ist anders. Im Bündnerland ist das immer mehr eine Vermutung, hier ist es Gewissheit. Wir folgen zuerst einer Kiesstrasse, es geht ziemlich bergauf. Am Ende folgen wir einem kleinen Trampelpfad, der bisweilen richtig steil ist. Lange Zeit hat sogar Rui Freude. Vielleicht kommt sein Gemaule wirklich mit den müden Muskeln, die bei ihm früher auftreten. Nach bald vierhundert Höhenmetern setzten wir uns unter die Bäume und picknicken. Heute, nach den schweren Regenfällen in der Nacht ist es mit nur einem Pullover etwas kühl, sobald man sich nicht mehr bewegt. So machen wir uns bald wieder auf den Rückweg. Im unteren Teil kommen wir an die Sonne, das Bächli lädt hier ebenfalls zum Verweilen ein. Ich lege mich in die Sonne, habe diese Nacht wenig geschlafen. Die Männer absolvieren einen Erosions-Lehrgang, sie leiten das Wasser um und lassen die sandigen Ufer abtragen.
    Zurück zu Hause graben wir den Reis-Bohneneintopf im Dampfkochtopf aus dem Bett aus, der dort auf uns wartet und in der Zwischenzeit gar ist. Nach gestilltem Hunger machen wir uns auf den Weg. Die Jungs wie immer, wenn wir nachmittags fahren, im hinteren Teil des Busses, wo sie alsbald einschlafen. Nach zwei Stunden kommen wir in die Gegend, wo wir eigentlich schlafen wollten. Die Menschen hier sind etwas seltsam, starren. Es regnet wieder. In einem Dorf fährt ein am Strassenrand geparktes Auto (Trabbi) plötzlich ab. Roger ist nicht sicher, ob er anhalten oder überholen soll. Da das Fahrzeug sehr langsam beschleunigt entschied er sich fürs überholen. Beim Überholen sahen wir, dass niemand im Auto sass. Nach dem Überholen konnten wir noch im Rückspiegel beobachten, wie das Auto über die Strasse und eine Böschung runter rollt. Ein gestellter Unfall vor denen man gewarn wird oder einfach ein Zufall? Alles ein Bisschen seltsam. Irgendwie haben wir hier kein gutes Gefühl wild zu stehen. Wir beschliessen wieder an die grosse Strasse runter zu gehen. Da hier die Strassen wirklich besser sind als auf der anderen Seite des Karpathenknies kommen wir unten klar schneller vorwärts. Luo klagt über Bauchschmerzen, mit dem Roger und ich schon seit zwei Tagen ab und zu kämpfen. Nach nochmals einer Stunde müssen wir anhalten. Luo kann nun wirklich nicht mehr. Wir finden nur ein eher komisches Restaurant, das sich etwas als Absteige herausstellt. Wir bestellen mit Verständnisproblemen das Einige, was angeboten wird. Es stellt sich als Suppe mit Pommes heraus. Die Pommes sind wohl in der Mikrowelle gewärmt, die Suppe aus der Büchse. Die Kinder schlagen trotzdem zu. Roger isst auch etwas. Ich und Luo haben die Knoblauch-Fischsuppe erwischt, ich stelle mich auf Diät, habe nicht das Gefühl, dass mein Magen das mögen würde.
    Luo ist bei der Weiterfahrt wieder gut aufgelegt. Die Gegend ist irgendwie unfreundlicher als in den Bergen, wir beschliessen noch eine Stunden durchzufahren und so bis Braila zu kommen. Da liegt der nächste Camping, der allerdings rumänisch ist. Wie wir hörten dürfen wir also nicht zu viel erwarten, die bisherigen waren alle von holländischen Betreibern. Die Strasse ist einfach gerade, Steppe beidseits, soweit das Auge reicht. Am Ende ist es dunkel, Roger übt auf den letzten Kilometern auf der Querstrasse das Schlaglochfahren mit veränderten Bedingungen. Derweil telefoniere ich im Hinterteil des Wagens mit Papi-Sepp, der uns das Problem mit der Visacard lösen kann. Irgendwie hatten wir unser Eurokonto bei der DKB nicht ganz begriffen, jetzt sollten wir wieder Geld abheben können. Dann haben wir den Zeltplatz erreicht. Die zehn Euros für ein stinkendes Sanitärhäuschen sind wohl schon sehr übertrieben. Tja, wir haben ja alles und sind darauf nicht angewiesen.
    War das ein Tag… nicht ganz so euphorische Stimmung durch allgemeine physische Unpässlichkeit, starker Regen, der in einigen Strassen sogar Springbrunnen aus der Kanalisation auslöste, ein unglückliches Auswärtsessen, mindestens neun tote Hunde auf der Strasse (wilde Hunde streunen hier ja genügend herum)…
    Bemerkung: Streunende Hunde waren am Anfang bei Wanderungen und bei Spaziergängen durch Dörfer unangenehm. Langsam haben wir uns aber an die Viecher gewöhnt. Die Hunde kommen zwar näher, sind aber verstört und eingeschüchtert. Viele auch verletzt. Wohl suchen sie seit langem vergeblich ein fürsorgliches Herrchen. Kommen die Hunde einem zu nahe, so muss man nur mit etwas Krach auf sie zugehen. Sie ziehen den Schwanz ein und verschwinden…

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  • 11Aug 2012

    30 Donaudelta 11.08.2012 Rumänien —

    Murighiol, Rumänien

    Beschreibung

    11. August: Richtung Donaudelta
    Am Morgen dann besprechen wir kurz. Vor uns liegt die übervölkerte Küste des schwarzen Meeres von Rumänien und Bulgarien, gleichzeitig die über vierzig Grad drohenden Temperaturen im Innern Bulgariens. Wir beschliessen deshalb nun noch das Donaudelta ausgiebig anzusehen und danach in die Türkei zu fahren. Das würde uns auch erlauben, durch Kappadokien zu gondeln, bevor wir Nani und Neni anfangs Oktober in Izmir treffen.
    Wir fahren also heute bis zum Delta runter. Zuerst über die Fähre. Im Schrittempo auf das Ding rauf, ich trau mich sogar selbst, werde dann aber gezwungen zu wenden und oben zu warten. Dann lass ich Roger machen. Auf der anderen Seite übernehme ich wieder, es geht durch hügelige Landschaft, meist kann man sogar achtzig fahren. Nach einem Mittagshalt, bei dem wir ein WoRüBli (Wochenrückblick, Resten) im Bus zu uns nehmen und alle hungrig zulangen, bin dann auch ich wieder besser gelaunt und wir fahren runter zum Delta. Der von Christine und Robert empfohlene Zeltplatz gefällt uns, wir treffen hier auch die deutsche Longtimeholidayfamie wieder. Die Kinder haben riesige Freude an dem Wiedersehen und fangen gleich an miteinander zu spielen.

    12. August: Donaudelta
    Das ist ein schönes Dorf hier, wir waren gestern noch ausgiebig spazieren. Wie oft sind nur die Hauptstrassen geteert. Hier sind aber die Kies-Sandstrassen zehn Zentimeter runtergegraben, wie wenn sie bald gemacht werden würden. Die kleine Orthodoxe Kirche erstaunte uns um 18.00 Uhr mit einem satten und überaus lauten Glockengeklang. So eine grosse Glocke in so einem Kaff, fragten wir uns. Bei näherer Begutachtung stellte sich dann aber heraus, dass die Klänge aus einem Lautsprecher tönten. Wir sahen uns in der unmittelbaren Nähe der Kirche dann gar gezwungen, die Ohren zuzuhalten.
    Heute war schon um 5.30 Uhr Tagwache, genau wir zu Hause in Bonaduz also. Luo schlief noch eine Viertelstunde länger, bis dann hatten Rui, Roger und ich schon den vorderen Teil umgebaut und den Tisch gedeckt. Um halb sieben wurden wir dann mit dem PW der Zeltplatzbetreiber abgeholt und begaben uns ans Delta hinunter. Für eine dreistündige Fahrt setzten wir uns auf das hinterste der drei Bänkli eines Motorbootes, zuvorderst fanden Lotte, Willi, Ute und Jörg Platz. Zum Glück hatten wir Decken dabei. Da es heute Nacht wieder geregnet hatte und die Wolken sich den ganzen Tag nicht verziehen sollten war es noch sehr kühl. Wir sahen Pelikane, Kormorane, Frösche, einen Eisvogel und verschiedene Seerosen. Einige pflückte unser Guide sogar, mit dem wir uns übrigens auf Französisch verständigten und den Deutschen alles übersetzten. Dann durften wir auch noch Seerosenfrüchte kosten, welche köstlich schmeckten. Wie wir kritisch bedachten, stellte sich später heraus, dass sämtliches Pflücken von Pflanzen auch in diesem Nationalpark verboten gewesen wäre…
    Um halb elf waren wir schliesslich zurück, richteten uns alsbald einen grossen Salat und machten uns anschliessend eine gemütliche Mittagszeit. Nach einer Ruhezeit spielten die Jungs und ich einmal mehr Memory, wobei sich Rui heute erstaunlich gut konzentrieren konnte und den ersten Platz belegte, dicht gefolgt von Luo und mir. Als die kleinen Deutschen aus ihrem Mittagsschlaf aufwachten trafen wir uns zu einem Pfannkuchenessen. Alle schlugen herzhaft zu, Roger und Ute an den Aussenkochern kamen gar nicht zur Ruhe. Anschliessend war Spielen bei den Kindern angesagt, die Erwachsenen sprachen über Langzeitreisen, Politik, Biogemüse und Vegetarier... Irgendwann war es dann wieder eher spät und die Kinder wurden ins Bett gebracht. Bei einem feinen Linsenboulgourapfeltraubenpepperonieintopf der Roger heute Nachmittag vorbereitet, gekocht und ins Bett gelegt hatte, liessen wir Erwachsenen den Abend im grossen Wohnabteil des deutschen Wohnmobils ausklingen.

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  • 13Aug 2012

    31 Schwarzes Meer - Jupiter 13.08.2012 Rumänien —

    Jupiter, Rumänien

    Beschreibung

    13. August: Ganztagesfahrt Murighol-Jupiter
    Lisa, unser GPS zeigte morgens 3.12h an. Gut, dachten wir, dann also noch ein Stopp in Rumänien, ganz im Süden am Schwarzen Meer. Zum Baden, Sändelen, Waschen, Internet. Also warum nicht in so ein Touristenort, wo mehrere Zeltplätze zu Auswahl sein werden und wir fragen können, ob alles funktioniert, bevor wir einchecken. Schon kurz nach zehn Uhr fuhren wir los. Schon in Murighol erwischten wir einen falschen Abzweiger, wollten kleine Strassen auf die grosse zurück nehmen und standen bald vor einer riesen Wasserlache mitten in der Schlammstrasse. Naja, die vorher herrschende Trockenheit hatte also auch Vorteile. Ein älterer Mann kam und wollte uns unbedingt den Weg erklären, zeigte anschliessend eine Münze und fragte, ob wir eine für ihn hätten. Ich gab ihm all meine 10er, also im ganzen wohl nicht mehr als 1.60 Lei (ca. 40 Rp.). Der gute Mann kriegte richtig wässrige Augen und strahlte über das ganze Gesicht, musste also recht viel sein für ihn. Nach holprigen Strassen und einigen ergebnislosen Versuchen an einen der Seen des Deltas zu kommen kamen wir nach Constanza. Alle wollten unbedingt eine Pause und als wir einen Riesen-Carrefour mit Brick-Shop sahen beschlossen wir, da noch einige Lei loszuwerden. Im Brickshop hatte es aber leider keine Klebebuchstaben, mal sehen ob wir das Bonabusbeschreibeprojekt irgendwann nach einer Waschstrasse mit Isolierband verwirklichen können. Im Carrefour hatte es noch viele andere, bekannte Geschäfte, ein richtiges Shoppingcenter. Und das Beste daran: Mit Foodcourt. Wirklich, wir, die Spiesslis liefen freudestrahlend zu KFC und assen Fritten mit Poulet. Da weiss man wenigstens, was man bestellt. Alle hauten rein, ausser Luo. Er begann sich wieder über Bauchweh zu beklagen, wurde immer weisser. Auch zwei Ausflüge auf das öffentliche WC brachten nichts. Als er sich dann zu krümmen begann, nahm ich ihn auf den Arm und liess die anderen zwei weitershoppen. Luo wusste nicht, ob er bald erbrechen müsse und wir suchten verzweifelt einen Ausgang. Am Ausgang beugte er sich dann vornüber und bald kam ein Security… es blieb aber alles drin, ich nahm ihn wieder hoch und wir liefen schnellstmöglichst zum Bonabus. Zu Hause sass er dann auf dem Portapotty, mit Becken vor sich und wir warteten, bis die Krämpfe vorüber waren. Arsenicum Globuli halfen mit und schon bald fühlte er sich besser, begann sogar zu spielen. Als Roger und Rui zurückkamen, setzte sich dann der Papi gleich aufs Klo und erzählte, dass er sich plötzlich nicht besser gefühlt hätte, als sein Sohn. Rui war übrigens suuper, hat Roger im Laden enorm unterstützt und mit seinem extremen Orientierungssinn auch beim Suchen von Dingen im Dschungel des Riesenladens geholfen. (Tobi, rings a bell? Gehört wohl einfach zum Reisen… Rumänien wir China…)
    Dann waren alle Wellen abgeebbt und Roger setzte sich wieder ans Steuer. Vorbei an Verkehrsumfällen, vielen Krankenautos in Constanza und runter die Küste kamen wir schliesslich nach Jupiter. Der Zeltplatz scheint ganz schön voll zu sein, ist aber perfekt. Gleich stellten wir das Vorzelt auf, da es nach Gewitter aussah. Tatkräftig halfen die Jungs mit beim Einpacken für den Strand, wo wir ausgiebig picknickten und einen Bach gruben (Erosionslektion zweiter Teil). Soo viele Sonnenschirme hier, mal sehen, wie das am Tag wird.

    14. August: Gegensätze in Rumänien
    Heute war wieder mal ein richtiger gemütlicher Tag: Wäschewaschen, Internet, Strand am Nachmittag. Anschliessend wollten wir auswärts essen gehen. Auf dem Weg zurück zu den Hotels kamen wir an einer Bude vorbei und kauften eine Tüte kleiner ganz frittierter Fische und eine mit in Bierteig frittierten Calamareringen (Tintenfisch), das alsbald verspeist war. Leider hatten wir nicht mehr Lei um uns den Bauch ganz von solchen Dingen vollzuhauen. Ebenfalls wollte kein Restaurant unsere Visacard. Deswegen landeten wir bei einem Topf Pasta im Bonabus, alle bis dahin schon ziemlich müde und fast hässig vor Hunger.
    Aber, was heute unsere Gemüter mehr bewegte, war:
    Luo: Warum gibt es Wellen. Wer hat das Wasser gemacht. Usw.
    Roger und ich: Was ist das für ein Land, hier? Kann das das gleiche Land sein wie das Land der ärmlichen Bevölkerung, die wir bisher erlebt haben? Kiesstrassen, einfachste Häuser, Kutschen aus fehlenden finanziellen Möglichkeiten. Und hier: Touristenmeile, wie wir es eigentlich nicht wirklich für möglich gehalten hätten, die Ungarn in keiner Weise nachstehen, und wohl auch nicht der Küste der Adria (auch wenn weder Roger noch ich solche je wirklich gesehen haben): Gummischlösser, Karrussels, Tütschibahnen für die Kinder, Ein Sonnenschirm reiht sich am anderen, Restaurants, Kutschen zum reinen Zeitvertrieb und als Taxi für „Faule“, ebenfalls ein kleines Zügli wie im Kinderzoo für denselben Zweck. Der Zeltplatz hier kostet hier beinahe 20 Euro, wie eigentlich nie bisher in Rumänien. Aber, wer ist hier auf dem Zeltplatz? Nicht wie bisher Italiener, Franzosen, Deutsche, sondern vorwiegend Rumänen. Niemand kann hier Fremdsprachen, alles ist auf rumänische Touristen ausgelegt. Aber, woher kommen diese? Aus den grossen Städten? Woher haben die so viel Geld, für eine Pedalofahrt vier Franken die Stunde auszugeben? (Eine Mahlzeit für eine Person kostet andernorts gleich viel).

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  • 15Aug 2012

    32 Bulgarien 1 15.08.2012 Bulgarien —

    Balchik, Bulgarien

    Beschreibung

    15. August: Fahrt nach Bulgarien
    Morgens war schon um halb elf Abfahrt, ich am Steuer sagte klar, dass zwei Stunden heute reichen würden. Zu oft sind wir in letzter Zeit lange gefahren. Nach dreiviertel Stunde waren wir an der Grenze zu Bulgarien. Nach einer halben Stunde hatte dann Roger eine Vignette für die Strassen hier. Aber er war nicht gerade begeistert, als er zu uns im Auto zurückkehrte (unterdessen hatten die Jungs einen kleinen Kurs über die Schweizer ID und ihre Sicherhietsfunktionen, ich dachte, man solle die Zeit irgendwie sinnvoll nutzen ;-) Roger meinte also, dass die Leute an der Grenze sehr unfreundlich gewesen seien und alle keine Fremdsprachen gesprochen hätten.
    Dieser erste Eindruck bewahrheitete sich, wie sich bald herausstellte, nicht! Die Strassen sind hier generell besser als in Rumänien, die Häuser wenn auch ärmlich, scheinen irgendwie anders. Vielleicht hat das aber auch nur damit zu tun, dass es in der letzten Woche geregnet hatte und alles nun grüner wirkt.
    Wir fuhren mit einem kleinen Zwischenstop nach Balchik. Auch hier auf dem Lande Pferdekarren, öfter als in Rumänien sehen wir auch Esel. In Balchik übernahm Roger das Steuer um den Bonabus rückwärts nach oben in eine Parkluke hineinzupassen. Dann machten wir uns auf dem Weg erstens Geld abzuheben und zweitens zu Essen. Und, ich sage euch, das war eine Schlemmerei! Die Bulgaren mögen das Essen, ganz wie wir. Richtig sympatisch: Fisch, Fleisch und vor allem: Gemüse kommt hier auf den Tisch! Bei einem anschliessenden Spaziergang zu einem Strand (die arme Familie musste wegen mir zu einem weiter weg), sahen wir einen Ungar vor seinem Womo, direkt an der Mole. Dorthin holten wir alsbald den Bonabus. Inzwischen war es Abend geworden, wir Picknickten auf einem Pier und schliefen anschliessend bei Wellenrauschen.

    16. August: Albena mit dem Fahrrad und den Kickboards
    Dieselbe Uferpromenade, die am Bonabus vorbeiführt, scheint weit zu reichen, dachten wir uns. Und so schnallten wir die Kindervelos vom Bonabus (die übrigens allen Unkenrufen zum Trotz noch unbeschadet da sind) und Roger und ich quälten uns auf die Kickboards. Ja, quälten, denn der Beton war manchmal seeeeeeeeeehr holperig und unsere Kickboards haben ja so kleine Räder – die werden wir bei Gelegenheit durch solche mit etwas grösseren eintauschen, der Platz sollte reichen. Nach 6 km Velofahrt kam ein Stück verschüttete Strasse, die wir kletternd auf einem Trampelpfad bezwangen, die Jungs alleine und wir mit Kickboards und Velos beladen. Dann folgten wohl nochmals zwei Kilometer ziemlich zugewachsene Betonstrasse. Kaum einen Menschen sahen wir, der Küstenwind linderte die Hitze. So waren wir dann alle strandhungrig, als das Ferienresort Albena in Sicht kam. Gerade am Anfang des Sandstrandes liessen wir uns nieder, wo noch keine Sonnenschirmreihen stehen. Nach ausgiebigem Baden und Tauchen (Rui ist eine Wasserratte, mal sehen, wie lange es dauert, bis er schwimmt), bauten wir diesmal Kanäle, Löcher und Krokodile mit Muscheln und Sand. Hungrig stürzten wir uns danach ins erste, noch nicht so touristische Restaurant und verschlangen Miesmuscheln und Calamaris. Der Rückweg danach forderte nochmals viel, vor allem Luo war sehr an der Grenze. Nichtsdestotrotz wollte er unbedingt den Garten der ehemaligen Rumänischen Königin Maria ansehen gehen, in dem von aussen sichtbar ein Wasserrad drehte. Dies hatten die Jungs wohl auch verdient und so liessen wir uns dazu bewegen. Diese Gegend hatte übrigens bis vor den Weltkriegen zu Rumänien gehört, die Leute sind noch immer nicht ganz versöhnt mit den Gebietsumteilungen in dessen Folge (ergaben Gespräche mit unserem Womo-Nachbar, dem Ungar, vor allem das grosse Österreichisch-Ungarische Habsburgerreich musste ja bekanntlich viel Federn lassen).

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  • 17Aug 2012

    33 Burlgarien 2 17.08.2012 Bulgarien —

    Pomorie, Bulgarien

    Beschreibung

    17. August: Fahrt nach Promorie
    Morgens wurden wir (und wohl vor allem Rui selbst) wieder mal von einem Rohrschaden im Kinderzimmerbereich geweckt. Roger und Rui (da Rui-Papitag) starteten alsbald eine grösser angelegt Putz- und Waschaktion auf dem wilden Camping an der Uferpromenade. Klar, dass da die Leute noch mehr zu gucken hatten als eh schon. Luo liess die ganze Aktion zur Frage hinreissen, ob der angrenzende Graben wohl extra dazu gemacht worden sei, das schmutzige Wasser aus dem Handwaschbecken abzugiessen?
    Ich querte derweil das Dörfchen mit Kickboard und auf Treppen, auf der Suche nach einem Post-Office. Nicht ganz einfach, wenn man die Kyrillische Schrift nicht lesen kann, und wenn man das auch noch könnte, es wäre ja noch immer Bulgarisch. Unser Bulgarienführer seinerseits hat aber bei weitem am wenigsten Sprachhilfe, geschlagen von allen bisherigen. Und einen Womoführer gibt es von Bulgarien auch nicht, Zeltplätze übrigens auch kaum, wir sahen bisher ein bis zwei. Also üben wir uns im selbst-Plätzchen-Finden.
    Meine lange Abwesenheit ermöglichte es Rui, doch noch mitkommen zu können, als wir anschliessend zum Baden aufbrachen. Denn er hatte so fleissig mitgeholfen, dass Roger wie der Blitz mit Putzen fertig war. Rui war total happy und tauchte wie wild, kaum, dass er zum Luftholen aus dem Wasser kam. Das seichte Ufer hier und das klare Meer ermöglichen solche Schwimmübungen perfekt. Luo strampelte derweil wie wild mit der Schwimmnudel durch die Gegend. Die beiden sind ganz wild auf solche aufblasbaren Matratzen, Ringe oder was weiss ich. Aus Sicherheitsgründen haben wir aber bestummen, dass sie ein solches zwar haben können, aber erst, wenn sie einigermassen selbst schwimmen können.
    Schon gegen Mittag waren wir (nach einem kurzen Picknick) auf dem Weg weiter nach Süden. In Nesebar machten wir eine kleine Altstadt-Inselbesichtigung und flüchteten anschliessend aus dem Tourismus. Ausserordentlich gut gelang uns dies wider Erwarten und so gelang uns in Promorie nah einer Irrfahrt durch die Halbinsel das Finden eines Parkplatzes gleich neben den letzten Häusern, am Meer und auf Sand. Von hier waren es keine 15 Minuten Fussweg in den Kernbereich des Dörfchens, wo wir ausgiebig dinierten: Drei Vorspeisen, drei Hauptgänge, zwei Desserts, zwei Kaffe und einen halben Liter Wein für 34 Lev (plus 6 Lev Trinkgeld, weils so umwerfend war), also ca. 24 Franken. Bei der anschliessenden gemütlichen Tour durch das wenig touristische Geschehen im Kern wurde es dunkel. Rui hatte etwas Angst, dass der Bus abgeschleppt sein könnte (solchen Schildern sind wir hier begegnet), Luo gefiel das Nachtwandern durchaus. Jetzt sitzen wir hier vor dem Bus und lassen, vollgesprayt mit Mückenmittel, etwas Luft durch denselben. Roger bereitet alles zum Fischen vor, er möchte morgen um sechs Uhr aufstehen.

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  • 18Aug 2012

    34 Grenzübergang Türkei 18.08.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    18. August: Überfahrt in die Türkei
    Schon als Roger den Bus beim Verlassen von aussen schliesst, fragt Rui: „Wohi isch dä Oschi gangä?“ Und dann freut er sich, um acht auch zum Fischen gehen zu können. Bis dann ist er nochmals schön ruhig. Auch Luo hilft um acht ihr Bett aufzuräumen und alles in Tagesform zu bringen. Frisch angezogen stapfen wir los, und sind alsbald bei einem Roger, der einen bulgarischen Knaben zum Freund gewonnen hat, aber keine Fische gefangen.
    Rui kommt, als ich zum Bus zurück gehe um Frühstück zu richten, auch schon wieder des Weges. Überhaupt hat man das Gefühl, dass er meist für die Zukunft lebt und immer dort sein will, wo er noch nicht ist. Auch wenn es diesbezüglich schon viel besser geworden ist, so raubt es uns Erwachsenen viel mehr Nerven, einen Ruitag zu haben, als einen Luotag.
    Bald nach dem Frühstück sind wir auf dem Weg nach Eldovo. Da aber hat es weder den erhofften Supermarkt noch ein vielversprechend aussehendes Restaurant, in dem wir unsere Lev loswerden könnten. Wir wagen es dennoch und halten vor einem Lokal, in dem alle nur vor Getränken sitzen. Und wirklich, was wir kriegen ist mehr als nur essbar und gleichzeitig also himmelweit besser als was wir in Rumänien bei unserem „Notrast“ gekriegt hatten: Gurken-Tomaten-Pepperonisalat mit einigen Oliven und wieder von dem weichen Joghurt-Käse, wahrscheinlich aus Schafsmilch, draufgeraffelt. Daneben noch einige Pommes, nicht knackig, aber frisch, ebenfalls mit Käse darüber. Gestärkt füllen wir unseren Tank mit bulgarischem Sprit, da der in der Türkei sehr teuer sein wird. Die Jungs sind nach dem Essen wieder in den Rückteil gezügelt und schlafen, als wir dann schliesslich über eine Superstrasse zum Zoll kommen. Nach nur dreiviertel Stunden sind wir durch, es hatte kein Auto vor uns und so übertrafen wir alle Erwartungen. X-Mal habe ich vor einem kleinen Häuschen mit Schlagbaum angehalten, wir haben ID, Fahrzeugsausweis, Versicherungskarte mehrmals gezeigt, einmal gar die Pässe. Rui ist wach und schaut sich alles interessiert an. Luo schläft, sogar, als sie uns den Bus auch hinten öffnen lassen und in unsere UTZ-Boxen hineinsehen wollen. Dann sind wir in der Türkei, wo wir wohl zwei Monate verbringen werden. So viel Gutes haben wir gehört, wir sind gespannt, was sich bewahrheiten wird.
    Ein paar Kilometer nach der Grenze sehen wir die erste Mosche mit Minarett in der Landschaft stehen. Der kleine, fast unscheinbare, ästhetische Turm erinnert uns an die lächerliche Abstimmung über das Verbot von Minatetten. Nachdenklich, dass in einem fortschrittlichen Land wie die Schweiz der Bau eines Minarettes per BUNDESVERFASSUNG verboten werden soll, fahren wir weiter ins Landesinnere. Die Strasse ist top, noch viel besser als in Bulgarien (ist das wohl wirklich so, oder scheint uns das nur, weil wir von Rumänien quasi abgehärtet sind?) Nach noch einer knappen Stunde Autofahrt und ersten türkischen Autobahnabschnitten und Verkehrszeichen (ja, viel verständlicher hier, nicht mehr Kyrillisch!) halten wir dank Lisa ohne Umwege im Camping Grand Omür. Vielleicht nicht gerade die Freundlichkeit in Person hier, die Frau, aber es ist OK.
    Wir kochen uns Bohnen und Reis aus den Vorräten. Später ernähren wir einen Mittfünfziger Australier, der alleine auf Velotour von Istanbul nach Athen ist und heute 160km unter die Räder genommen hatte mit den Leftovers, da wir hier ziemlich in der Pampa stecken und der nächste Laden oder das nächste Restaurant weit entfernt sind (er hat weder Essen noch Kocher bei sich?!?).

    19. August: Edirne am Bayram
    Heute ist Bayram. Erster Tag, an dem die Moslems nach 30 Tage Ramadan wieder essen dürfen und Grund dafür, dass wir unbedingt noch gestern die Grenze überqueren wollten . Wir beschliessen es gemütlich zu nehmen das heisst Stadtbesichtigung mit ÖV. Wir besteigen den Bus der Linie 1A, alles klappt wie am Schnürchen. Die Stadt beeindruckt mit den Minaretten, heute aber warten die Jungs vergeblich auf den Muezzin. Als wir am Strassenrand stehen kommt ein Jugendlicher und will in perfektem Deutsch helfen. Auch alleine gelingt es uns aber eine Geldmaschine zu finden, türkische Liras abzuheben und in ein Teehaus in einem Pärkchen zu sitzen. Die Jungs nehmen den dazugehörigen Spielplatz in Beschlag, machen sich eine türkische Freundin. Dann erwischen wir die falsche Strasse und landen in einer kleinen Gasse. Ein Türke kommt und führt uns heraus, lässt uns kurz vor einem kleinen Laden stehen und bringt zwei Schokobarren für die Jungs, knutscht sie ab und verschwindet auf unser Beteuern, nun zu wissen, wohin wir wollen (na, wohin wollen wir denn?). So ist das, alle sind fröhlich am Bayram. Luo weiss nun, warum er sein neues Hütchen auf hat. Rui mag das Hütchen, aber Luo ist froh, dass es ihm einen gewissen Schutz vor überschwänglichen Erwachsenen hier bietet. Auch wenn Rui versucht seinen Bruder, der solches in keiner Weise schätzt zu helfen, muss auch Luo sich wohl gewöhnen.
    Später essen wir die Spezialität des Städtchens in einem Lokal, an einem Tisch auf der Strasse, wie alle anderen auch: Frittierte Kalbsleber, frisches Brot, frischer Salat, Joghurt und Zwiebel. Danach spielen die Jungs Touristen und knipsen frohgemut, was wiederum Heiterkeit bei den Türken auslöst. Sie sind auch zu knuddelig, mit ihrer Ernsthaftigkeit, ihren Kameras, Brillen, Hütchen…
    Nach einer kurzen Suche und einem aufdringlichen, fast agressiven Bettler, der Roger am Rucksack gezerrt hat (am Bayram sollte man wohl wirklich was geben, ist schliesslich eine der fünf Säulen des Islams, das Almosengeben), finden wir den richtigen Bus zurück zum Zeltplatz.
    Bemerkung: Bislang machten wir nur zweimal mit Bettlern Bekanntschaft. Einmal in Budapest (HU) und einmal in Zernesti (RO). In Budapest war es eine alte gebrechliche Frau, in Zernesti drei kleine Knaben, welche kurz nach dem Betteln von einem Anwohner beschimpft und vertrieben wurden. In der Türkei wurden wir schon mehrfach und hartnäckig von Bettlern angesprochen. Was in Westeuropa unanständig und verachtet ist, ist in der Türkei wohl ein Teil der Kultur, bzw. der Relegion…

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  • 20Aug 2012

    35 Kıyıköy 20.08.2012 Türkei —

    Kıyıköy, Türkei

    Beschreibung

    20. August: Fahrt ans Schwarze Meer zurück
    Heute bleibt uns nur noch wenig zum Frühstück. Da gestern so viele Läden aufgrund des Bayrams geschlossen hatten, vertagten wir das Einkaufen. Aber der Zwieback mit Margarine und Honig ist der Renner und am Schluss sind alle satt. So gondeln wir, diesmal mit Roger als Fahrer, auf die Strasse. Alsbald halten wir an einer Shell-Tankstelle. Ich versuche eine Autobahncard zu kriegen, Roger spritzt den grauen Bonabus weiss. Ein zweiter Halt gilt dem Migros MMM, wo wir einen Rieseneinkauf tätigen. Schliesslich wollen wir an die wenig besiedelte Küste, bis wir uns am 27. mit Nurdan in Istanbul verabredet haben. Um drei sind wir endlich in Kiyiköy. Hier reisen wir bis nach Istanbul wieder mit Hilfe des Womoführers. Dies nimmt uns einiges Suchen nach einem Übernachtungsplatz ab. Nach Istanbul wollen wir noch die Schwarzmeerküste hoch, nach Kappadokien. Ob dann über das Mittelmeer oder über Ankara gen Westen nach Izmir, wo wir Nani und Neni treffen werden, ist noch ungewiss. Sicher ist, das wir eine Telefonkarte für den Compi kaufen wollen, damit wir nicht auf die Zeltplätze angwiesen sind (W-Lan). Wenn die Waschmaschinen sowieso eher schlecht als recht funktionieren, das Internet meist gerade eine Störung hat und die Sanitäreinrichtung eher schlecht als recht sind können wir, sofern wir unser Porta Potty ab und zu leeren wollen, auch weitgehend auf diese Einrichtungen verzichten.
    Am Hafen stellen wir unseren Bus ab und gehen zu Fuss zum Ort hoch. In einer kleinen Lokanda serviert man uns trotz fortgeschrittener Nachmittagsstunde Köfte mit Salat und Joghurt, dazu frisches Brot. Danach suchen wir uns beim Abstieg in den Hafen ein geeignetes Plätzchen von oben. Hier hat es soooo viele Leute, die ihren Bayram feiern. Überall hat es Autos, Feuer, Zelte. Unterwegs bringe ich meine angeeigneten Türkischkenntnisse an den Mann, siehe, man versteht mich! Klar müssen wir noch kurz nach vorne ans Meer, das heute recht aufgeraut ist. Rui und Luo spielen und baden, Roger und ich passen auf, immer gewahr, dass eine Welle grösser sein könnte… Dann beginnt es zu dunkeln, wir braten Rindsfleisch (gut, dass die Moslems kein Schwein essen, nach Ungarn und Rumänien ist das so ziemlich verleidet!), viele Leute verlassen den Ort. Jetzt ist es beinahe elf Uhr, einige Feuer brennen noch auf der Wiese, eine Disko plärrt vom Dorf auf dem Hügel herab türkische Musik, die für uns momentan noch immer gleich tönt. Übrigens hört man hier den Lautsprechermuezzin von der kleinen Moschee oben recht gut.

    21. August: Strand und verschleierte Frauen in Kiyiköy
    Im Lonelyplanet-Reiseführer steht nicht viel über dieses Kaff hier. Aber es steht, dass am Dienstag ein toller Markt sei. Da wollten wir also hin. Leider war um elf noch nichts los und deshalb spazierten wir weiter auf die andere Dorfseite und wieder runter ans Meer. An diesem riesigen Strand waren hunderte von sonnenbadenden Menschen. Mir war es aber egal, dass wir die Badesachen nicht dabei hatten. Unter all den verschleierten Frauen wäre ich mir sehr komisch vorgekommen. Viele gingen mit mindestens kurzen Hosen und T-Shirts ins Wasser, einige hatten Ganzkörperverschleierung auch im Wasser. Die Jungs konnten auch in ihren Unterhosen plantschen, dafür sind in den Ersatzsachen im Tagesrucksack immer zwei neue drin. Nach einiger Zeit hatten wir genug Sonne und genug Leute und wir machten uns auf den Rückweg. Beim Bonabus machten wir ausgeibig Mittagspause mit Mittagschläfchen. Anschliessend lag nochmals Strand (kleiner Strand in unserer Nähe) drin, ich badete lieber mit Schwimmerbadehose und Volleyballhose darüber. Irgendwie wäre ich mir im Bikini fehl am Platz vorgekommen.
    Abends stand dann plötzlich Jörg vor uns. Sie waren wirklich noch in Kiyiköy und hatten unser SMS gesehen, standen allerdings auf der anderen Dorfseite (also in der Nähe des grossen Strandes).

    22. August: Verlängerung in Kiyiköy
    Heute war die „längste“ Fahrt bisher – von einer Seite des Dorfes auf die andere rüber. Wir fanden ein Plätzchen vis à vis von Jörg, Ute, Lotte und Willi, umso besser, als gestern ja der letzte Tag vom Bayram war und beinahe alle wieder zurückgekehrt waren. Lange Zeit verbrachten wir wiederum am Strand, langsam sind wir richtig braungebrannt. Gegen Abend ging ich mit Ute nochmals ins Dorf hoch und wir kauften frisches Gemüse für Salat und frischen Börek.
    Abends setzten wir uns noch ans Feuer, tranken Raku und lachten, vor allem als dann noch zwei türkische Zeltnachbarn zu uns stiessen und mit Händen, Füssen und Wörterbüchern weitergesprochen wurde.

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  • 23Aug 2012

    36 Schock Güsel! 23.08.2012 Türkei —

    Türkei

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    23. August: Kiyiköy-Ormanli

    Etwas später als Spiesslidurchschnitt verliessen wir unser Plätzchen und fuhren im Konvoi los. Beide Autos hatten ein Funkgerät, so konnten wir gemeinsam die „Piste“ suchen, auf der wir der Küste nachfahren wollten. Dafür war es einfach super, zu zweit zu sein. Dennoch nahmen wir irgendwann eine falsche Abzweigung, denn nicht nur das Fahren wurde auf den Holperstrassen immer schwieriger. So mussten wir einmal gar mitten auf dem Weg kehren. Was für uns schon schwierig war, war ungleich schwieriger für die deutsche Crew in ihrem 40cm breiteren und wohl ein Meter höheren Womo. Später kamen wir plötzlich ganz ans Meer runter. Leider stellte sich die Stelle nicht nur als Sackgasse, sondern gar als Private Property heraus. So mussten wir nochmals zurück… Auf der Asphaltstrasse angekommen fuhren wir weiter Richtung Istanbul und kamen etwas mehr als eine Stunde an einen schönen, langen und heute nicht allzu bevölkerten Sandstrand. Hier wollten wir bleiben, kochen, essen, Meer geniessen… Letzteres war leider etwas schwieriger als am letzten Ort, hier sind die Wellen ungleich grösser und an ein Schwimmenüben ist nicht zu denken. So müssen damit unsere zwei Fröschli wieder warten. Auch Luo taucht seit vorgestern wie verrückt. Beide kommen kurz zum Atmen nach oben, tauchen wieder ab. Rui schafft oft sogar nicht nur den Armzug, sondern auch den Beingleichschlag.
    Noch einige Luo-Sprüche als Abschluss: „Ich sammle ganz viil Muschle, tue die in än Chübel. Für d’Elin. Denn gib ich de Chübel de Sabina und si chann denn Schüttle, bis es Sand het für d’Elin.“ (Roger hatte Luo nämlich neulich erklärt, dass Muscheln und Steine in der Brandung Sand ergeben, irgendwann. Luo hat also Muscheln und Steine gesammelt, die vom Meer und den Wellen erfassen lassen, setzte sich davor und wartete, bis es Sand wurde…)
    Noch was von Luo: „Gell min Götti Andi weiss alles, aber er weiss nöd, dass ich scho so guet mit Messer und Gable esse.“

    Ormanli wurde uns von Türken als sehr schön empfohlen, was auf türkisch Cok güzel [schok güsel] heisst. Als wir den vielen angeschwemmten Abfall auf dem schönen, feinen Sandstrand sahen, dachten wir dann auch oh Schock, so viel Güsel ...

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  • 24Aug 2012

    37 Waschen und Auspuff schweissen 24.08.2012 Türkei —

    Silivri, Türkei

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    24. August: Ormanli –Selimpasa und die Suche nach einem geflickten Auspuff
    Wiederum war es gegen halb elf, als sich die beiden Wohnmobilgefährte gemeinsam vom Schwarzen Meer ans Marmara Meer machten. Diesmal fuhr ich, auch wenn ich es eigentlich gar nicht mag, von jemandem, der hinter mir fährt gestresst zu werden.
    Der Zeltplatz hält, was er in den Reiseführern versprach: Schöne sanitäre Anlagen, Waschmaschine, teuer, leider aber kein Internet. Eine gekaufte Prepaidcard von Turkcell lässt sich aber nicht so einfach in ein Abo umwandeln wie gedacht, deshalb klappt auch dieser Versuch ans Internet zu kommen nicht.
    Die Suche nach einem Otoservicis, der unseren Auspuff flickt oder, wie es eigentlich Rogers Wunsch wäre, auswechselt, gestaltet sich schwierig. Ein von Jörg ausgelehntes Buch hilft. Dennoch schickt man uns zum TÜV-Abgastestcenter, bevor ich jemanden dazu bringe, unter den Bus zu kriechen und sich die Sache mal anzusehen. Zur Sicherheit, damit der Auspuff nicht runterstürzt und den Busboden perforiert hat ihn Roger nämlich ganz vom Topf weggeschoben und angebunden. Jetzt werden wir verstanden und wir vereinbaren einen Termin für morgen, neun Uhr, um das Rohr wieder anzuschweissen. Danach kehren wir zum Camping zurück, wo wir für alle Fälle das Zelt mit den Schlafsäcken zurückgelassen haben. Rui und Luo wollen natürlich nicht im Bonabus schlafen, auch wenn der hier ist. Ich fliehe nach der halben Nacht aus dem wohl sehr geräumigen Zweierzelt. Aber erstens ist es weit über 25 Grad und zweitens wirft sich Rui neben mir im Schlaf von der einen auf die andere Seite.

    25. August: Selimpasa Luxuszeltplatz zum Hausputz genutzt
    Mehr als zwanzig Euro kostet der Zeltplatz hier. Richtig mitteleuropäische Preise. Deswegen sind die zwei Wohnmobile aber auch so ziemlich die einzigen Gäste. Nach dem Frühstück fährt Roger mit dem Bonabus zum Otoservicis. Die Jungs und ich bleiben zurück, machen gemeinsam den Abwasch. Während die zwei Kleinen mit Willi spielen, hänge ich die Wäsche auf und anschliessend gehen wir in den Pool. Rui übertrifft sich selbst, springt mit Anlauf mit der Schwimmnudel hinein, aber auch Luo schwimmt nun oft mit der Schwimmnudel alleine. Gegen Mittag ist dann Roger wieder da, das Schweissen hat umgerechnet wohl 25 Franken gekostet. Adi-Helpline kabelt, dass wir nun fahren können, bis der Auspuff dröhnt. Wunderbar!

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  • 26Aug 2012

    38 Istanbul 26.08.2012 Türkei —

    Fatih, Istanbul, Türkei

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    26. August: Die leeren Strassen von Istanbul
    Jetzt sitze ich im Bonabus mit Blick aufs Marmarameer, eine Brise kühlt die heissfeuchte Luft ab. Die Jungs schlafen erschöpft, sie haben es wieder mal super gemacht. Was wir heute alles ansehen konnten von Istanbul! Dafür sind wir aber auch ganz früh aufgestanden: um 4.45 klingelte der Wecker. Wir standen auf und bemerkten, dass es noch absolut dunkel war und nicht, wie erwartet, schon tagend. Naja, da wir schon mal wach waren bauten wir um und fuhren mit den Kindern im Bett zum Tor des Zeltplatzes. Ganz so sicher, dass uns wirklich jemand aufmacht, waren wir nämlich nicht. Rui wachte übrigens beim Anlassen des Motors auf und war ganz interessiert dabei und nicht mehr zum Schlafen zu bewegen. Der Wächter kam, nachdem ich ihm durch das Mückennetz ins Gesicht geleuchtet hatte und schloss auf. Ganz dunkle und ziemlich leere Strassen erwarteten uns, nachdem wir die Jungs nun ordnungsgemäss in ihre Sitze verfrachtet hatten. Nach einer halben Stunde waren wir schon, den Strassen nach zu urteilen, mitten im Gewühl. Verkehr hatte es immer noch beinahe keinen, Roger meinte sogar, dass auch ich Istanbul so ohne Nervenzusammenbruch hätte fahren können. Dank unserer Lisa (GPS) gelangten wir direkt ans Ziel. Wir können uns echt nicht vorstellen, solche schwierigen Aufgaben ohne unsere Lieblingslisa zu bewältigen (obwohl, wenn sie uns mal wieder unnötig auf Kiesstrassen oder Umwege schickt, dafür gibt es einen Spruch: Lisa, ich kriag a Krisa (Bündnerdeutsch notwendig).
    Jetzt hat gerade der Muezzin der vielen Moscheen begonnen, also die Lautsprecher. Einige Dezibel, die so in die Umwelt gelassen werden, da sind Kirchenglocken gerade leise dagegen.
    Beim Abstellen des Motors öffnete auch unser Luo die Augen, ausgeschlafen, wenigstens er. Wir frühstückten unser gewohntes Müesli mit Joghurt, das uns schon ein kleines Vermögen gekostet hat. Aber diese Brote muss man frisch essen und die Familie Spiess braucht nach dem Aufstehen umgehend was in den Magen.
    Punkt neun Uhr standen wir anschliessend vor der blauen Moschee. Wahnsinn, dieses Gebäude. Aber von Innen wird sie klar von der nebenan liegenden Hagia Sophia ausgestochen, die beim Äusseren nicht mithalten kann. Wir sahen uns beide an, und weil die Jungs anschliessend noch nicht genug hatten auch gleich noch die Basilika-Zisterne, die ebenfalls in Justinians Zeiten erbaut worden war. Dann waren wir etwas müde, schlenderten Richtung Goldenes Horn (Meerteil) und ergatterten schliesslich Sitzplätze in einem ansonsten leeren Strassenrestaurant. Dort bestellten wir (ungeachtet dessen, dass es noch vor elf Uhr war) zwei Kebabmenus. Die Jungs assen allerdings nicht gut, es war ihnen eindeutig zu fettig (Rui würgte es beinahe, er, der immer alles isst – heutzutage). Als dann gemütlich die Beine ausgeruht wurden und die Jungs ihre Onkeldoitagebücher hervornahmen und mit zeichnen begannen, kam der Wirt und zeichnete für unseren Rui ein komplettes Stilbild. Mit ungewöhnlicher Konzentration machte sich dieser anschliessend daran, das ganze zu kolorieren.
    Nach einer Mittagspause mit obligatorischem Mittagsschlaf (nur diesmal schliefen alle) im nahestehenden Bonabus gönnten wir uns einen frischen Salat aus unserer Kühlbox. Der morgens noch verwaiste Parkplatz war übrigens extrem vollgepackt zu der Zeit. Da heute Sonntag war, hatte der Grosse Basar danach leider schon geschlossen. Auch die meisten umliegenden Geschäfter schlossen schon. Gerade richtig um zu viert durchzuschlendern. Roger kaufte sich eine Herrentasche, alle vier erfreuten sich an hervorragendem Dürüm. Die Jungs schlossen wieder diverse Bekanntschaften, alle wollen sie fotografieren. Rui ist dies egal, Luo versteckt sich gewöhnlich hinter einem von uns drei, langsam gewöhnt er sich aber auch daran. Die zwei sehen aber auch richtig knuddlig aus mit Brille und Hut.
    Nach einer Honigmitnüssen Pause unten am Bosporus (bei einer stark befahrenen Strasse) machten wir uns zu Fuss auf den Heimweg. Durch den Topkapipalast angrenzenden Park, durch kleine Strässchen und wiederum vorbei an der Blauen Moschee. Nach einem Fussbad (wir waren ja den ganzen Tag in Fliplops (Eltern) und Sandalen (Jungs) unterwegs, fanden die zwei kleinen Touristen schnell den Schlaf.

    27. August: Istanbul mit Nurdan
    Nein Andrea, wir haben kein Heimweg, gar nicht. Vielleicht hätten wir’s gerne etwas kühler und dass wir morgen wieder mal eine Dusche brauchen, das ist klar. Aber ansonsten… Es gibt so viel zu erleben!
    Heute hat unser Bus eine Anschrift bekommen. Fahrerseite: „Träume nicht dein Leben …“ Beifahrerseite: „… Lebe deinen Traum“ und Motorhaube „Lust auf LEBEN*“. Sowas und auch ein Brillenkauf für 75 Franken ist in Istanbul mit Kenntnissen von Lokalen möglich! *Slogan eines österreichischen Kurhotels (Hubertus), von welchem Roger gerne die Plüsch-Finken im Bonabus trägt.
    Nachdem wir um halb acht schon alle vor Hitze nicht mehr schlafen konnten, waren wir wohl schon vor neun unterwegs. Wir genossen die touristenlosen Strassen und die aufbauenden Händler auf dem Fussmarsch von unserem Parkplatz zur Galatabridge. Diese muss ja am Tag sehr crowded sein, am Morgen war es aber wunderbar auf dem unteren Stock an den menschenleeren Kaffees und Restaurants vorbeizugehen und den Fischern auf dem oberen Stock neben der Fahrbahn zuzuschauen. Mit schweizerischer Pünktlichkeit waren wir um zwei vor zehn am verabredeten Ort und höchstens fünf Minuten später kam auch Nurdan (Bekannte von Martina aus Kreuzlingentagen), also auch mit schweizerischer Pünktlichkeit. Die Dame hat aber auch viele türkische Eigenschaften, was uns heute extrem zu Nutzten kam. Wir genossen den Tag mit Nurdan sehr, alle. Luo (der in den Anfangsminuten eher zurückhaltend gewesen war) stritt bald mit Rui, wer mit ihr sein kann. Zuerst wanderten wir die steilen Gassen von Beyoglü hinauf. Schon bald blieben wir stehen und mit Nurdans Übersetzungskünsten erstanden wir günstig für uns angefertigte Klebebuchstaben für den Bus. Auch beim Turkcellshop konnte das Problem mit der SIM-Karte mit Nurdans Unterstützung nach mehreren Anläufen behoben werden. Der Optiker im Gewühl war etwas komplizierter und Nurdan hiess uns den Laden wieder zu verlassen. Sie meinte, ihr Optiker könne das besser und schneller und günstiger. Zuerst aber stärkten wir uns in einem Kaffeehaus mit Limonade, Kaffee und Börek. Dann nahmen wir Tram, Metro und noch eine andere Metro und landeten in einem Stadteil nahe des Flughafens. Nach einem Fussmarsch von zehn Minuten kamen wir zum Brillengeschäft. Der Optiker hörte sich unsere Geschichte durch Nurdan an, meinte, er könne Luos Gläser nicht für eine andere Brille verwenden, aber seine Gläser seien eher zu gross für ihn, die Nasenteile drücken ihn und die Brille sei stark gebogen und lasse deshalb keine Luft hinein. Er könne uns auf morgen eine Brille mit neuen Gläsern versehen, die er selber hier schleife und die 150 türkische Lira kosten werde (Nurdans Spezialpreis). Der Herr hatte ganze drei Schachteln Kinderbrillen zur Auswahl, wir fanden natürlich bald eine, die uns alle gut erschien.
    Auf dem Rückweg zur Metro kamen wir an einem Strassenhändler vorbei, der endlich neue Crocs für Luo hatte (5 türkische Lira, ca. 2.5 CHF). Auf dem Rückweg waren wir alle müde, Luo brauchte an einem nicht sehr sauberen Ort unbedingt ein Klo und wir kauften überteuerte Trauben (hätten wohl auch hier Nurdan machen lassen sollen). Die Jungs zeigten Nurdan stolz ihr zu Hause, wir tranken ein feines gekühltes Zimt-Nägeli -Getränk und zwangen zwei nicht gerade begeisterte Kinder zu einem späten Mittagsschlaf. In dieser freien Zeit gelang uns die Busbeschriftung mit den gekauften Buchstaben mit Nurdans Hilfe wunderbar. Später gingen wir um die Ecke essen, wobei das Essen vorzüglich schmeckte, Nurdan aber geschockt war von den Touristenpreisen hierherum. Das während dem Essen tobende Gewitter hatte sich fast verzogen, als wir unsere Führerin zum Tram brachten und in der Dunkelheit noch einige Schritte taten. Wenn die Jungs nachmittags geschlafen haben, liegen auch ausgiebige Abendspaziergänge drin. Magic oder mystisch die Stimmung des Springbrunnens, der ständig die Farbe der Beleuchtung wechselt und zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee liegt, vor allem wenn der Muezzin gerade seinen Aufruf zum Abendgebet durch die Lautsprecher sendet.

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  • 28Aug 2012

    39 Istanbul 2 28.08.2012 Türkei —

    Fatih, Istanbul, Türkei

    Beschreibung

    28.August: Istanbul macht’s möglich: Neue Brille für Luo
    Um acht weckte ich alle, auch wenn wir alle noch sehr müde gewesen wären. Aber schliesslich hatten wir gestern Abend noch beschlossen, dass wir heute „zügeln“ und den Platz bei der blauen Moschee verlassen. Nicht, weil er uns nicht gefällt, sondern weil wir nach zwei Tagen dreissig Grad in der Stadt gerne eine Dusche hätten. Und die gibt es am kleinen Stellplatz unten am Marmarameer an der Cennedi Cadesi, wie uns unsere Reisefreunde Freibergs gestern bei einem Kurzbesuch in der Ruhephase im Bonabus berichteten. Und später als halb neun wollten wir nicht aus dem Gewühl. Wir fuhren dann doch zwanzig Minuten, eine Strecke, die wir später zu Fuss in nicht mal zehn Minuten zurücklegten. Aber leider gerieten wir in den gepflasterten Gassen in eine sich als Irrfahrt herausstellende enge Strasse (Lisa, ich kriag a Krisa…). Das Frühstück und die anschliessende Dusche taten dann doppelt so gut. Wir gingen den ganzen Morgen sehr gemütlich an und so kamen wir dann erst gegen Mittag wieder in der Altstadt an, als uns quasi schon wieder der Magen knurre. Wir verwöhnten ihn mit Köfte (Fleischbällchen) und Salat in einer von Nurdan empfohlenen Imbissbude. Anschliessend machten wir uns alleine auf den Weg mit Tram und Metro zum Otogar, wo wir auf dem Umsteigebahnhof Nurdan trafen. Gemeinsam holten wir Luo’s Brille. Sie scheint gut zu sitzen, ist bisher noch nicht angelaufen und er scheint glücklich.
    Im naheliegenden Bazar (Gemüsewochenmarkt) kauften wir Feigen, Zwetschgen, Oliven, Mais und viel von den kleinen Salatgurken, die bei uns so beliebt sind. Die Feigen überlebten die Rückreise zum Bonabus ziemlich unbeschadet, auch deshalb, weil es zwar unterdessen nicht mehr regnete, aber dennoch merklich abgekühlt hatte. Von Roger wusste ich, dass er keine Feigen mag, aber irgendwie konnte ich auch meine Zwerglis nicht von ihrer Köstlichkeit überzeugen. Nach sechs Feigen musste ich mich geschlagen geben und ich verschenkte das restliche halbe Kilo an Womo-Nachbarn. Abends machten wir nicht mehr viel, man spürte deutlich, dass heute der dritte Stadttag gewesen war. Vor allem die Jungs mochten nicht mehr. So kochten wir im Bonabus und waren richtig häuslich, auch wenn leider dieser Stellplatz gerade an einer ziemlich stark befahrenen Strasse liegt.

    29. August: Istanbul vom Boot aus, Good-Bye Schwarzes Meer
    Nach einem Fussmarsch zum Schiffsquai Eminönü bei der Galtabrücke trafen wir nach einigen Schwierigkeiten um zehn Uhr mit Nurdan zusammen und kauften Tickets für die Official Public Bosphorus Tour. Dieser Tag entwickelte sich zum Volltreffer: Eineinhalb Stunden den Bosporus hoch, unter den zwei riesigen Brücken hindurch, vorbei an verschiedenen Palästen, von denen Nurdan zu erzählen wusste und so das Lonelyplanet-Reiseführerwissen vervollständigte. Danach waren wir alle froh uns die Füsse vertreten zu können und so wanderten wir zum Castle (Ruinen). Von hier genossen wir den Rundumblick über Istanbul und auf der anderen Seite das Schwarze Meer, dem wir bei dieser Gelegenheit noch „Tschüss“ sagen konnten. Bei einem mitgebrachten Picknick stärkten wir uns und machten uns dann an den Abstieg. Um drei nahmen wir das Schiff zurück, Rui und Luo schliefen eingewickelt in unsere Jacken jeder wohl beinahe eine Stunde auf unseren Armen, wir Erwachsenen genossen das Zusammensein und das Gespräch mit anderen Touristen.
    Wieder in Eminönü angekommen, mussten wir uns von Nurdan verabschieden. Danke nochmals herzlichst für die Zeit mit dir! Übrigens musste ich abends das Caillou-T-Shirt von dir für Rui auswaschen, da es beim Abendessen Flecken gekriegt hatte und er es unbedingt am nächsten Morgen wieder anziehen wollte ;-)
    Nun waren wir ja alle wieder fit und wollten nochmals versuchen, den gedeckten Teil des grossen Basars (den eigentlichen Grand Basar) zu finden und vielleicht auch noch den Teil, in dem sie lebende Tiere verkaufen. Bisher sind wir zweimal morgens vor zehn Uhr durchgelaufen, einmal abends, immer durch Randbezirke. Heute hatte es dann so viele Leute, dass es für die Jungs ungemütlich wurde, zumal man schon mal die Ellbogen einsetzen musste, um weiterzukommen. Also nahem wir die Jungs auf die Schultern und stapften herum. Oben sahen wir dann das Tor des eigentlichen Grand Basars, hier war es weniger gepackt mit Menschen. Zuerst benutzten wir noch ein Klo bei einer Moschee, dann versuchten wir Amélie zum Geburi anzurufen, mussten unser Geburilied aber für uns behalten. Stattdessen kauften wir ihr eine Kleinigkeit, die dann Nani und Neni Ende Oktober mitnehmen müssen (keine Angst es ist wirklich klein!). Nach dem Basar waren wir alle hungrig, es ging auf sieben Uhr zu. Wir suchten ein Restaurant oder eine Imbissbude, nicht unbedingt wieder Kebab. Da erinnerten wir uns an das Chinesische Restaurant in der Nähe, das wir dann aber doch wieder eine gute halbe Stunde im Gassengewirr suchen mussten. Dies war aber allen egal, voller Vorfreude wie wir waren. Luo freute sich auf chinesische Nudeln, Roger auf Sweer and Sour. Und natürlich liessen auch die Jungs es sich nicht nehmen, einen grossen Teil des Essens mit Stäbli zu essen.

    30. August: Topkapi Palast, grosser Basar zum x-ten Mal
    Nach dem Frühstück machten wir uns sofort auf zum Topkapi-Palast, da wir inzwischen wissen, dass der durchschnittliche Tourist erst um die Mittagszeit auftaucht. So hatten wir auch schon das Harem besichtigt, als das Gewühl wirklich begann. Eindrücklich, wie die Sultane hier in den lichten hohen Räumen hausten, die mit einfachen Glasziegeln in der Decke vollends mit Tageslicht durchflutet sind, verstärkt durch die weissen mit Ornamenten verzierten Keramikplättli an den Wänden. Vor allem ist es frappant, wenn man sich vergegenwärtigt, dass in Westeuropa (Abendland) im Mittelalter (also gleichzeitig) die Könige und Ritter in dunklen und feuchten Burgen zitterten.
    Nach diesem wundersamen Palast assen wir Kebab, wobei wir den Imbissstand wiederfanden, in dem die Dürüms über Holzkohle an den Wänden des Kamins gebacken werden (und wo die Jungs am ersten Tag ein kleines Probiererli kriegten). Anschliessend wollten die Jungs nochmals versuchen, den Ort im grossen Basar zu finden, an dem die Tiere verkauft wurden. Auf dem Weg kauften wir eine Ukuleleartige Minigitarre, die Luo in einem Schaufenster erspäht hatte und die unser kleines Orchester ergänzen wird. Aber auch die Tiere fanden wir heute: Vögel, Fische, junge Hunde, Blutegel (hier kauften wir nichts).
    Fröhlich und voller Erwartung kamen wir zum Bonabus zurück und duschten und warteten auf die Freibergs. Wir hatten verabredet zum Abschluss nochmals ein Pfannkuchenessen zu veranstalten. Auf dem Nachhauseweg war es uns sogar gelungen richtige, pasteurisierte Milch zu kaufen, die Ute für ihre Meisterwerke verwenden konnten. Alle assen sich toll und voll… und vielen anschliessend in einen tiefen (kurzen) Schlaf. Das war also das letzte Mal, an dem wir Freibergs gesehen haben. Macht’s gut, ihr vier, auf eurer Reise, wohin sie euch auch noch führt… (Sie haben 2-3 Jahre Zeit). Waren schöne Tage mit euch zusammen!

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  • 31Aug 2012

    40 Längste Autofahrt bisher 31.08.2012 Türkei —

    Gölbaşı, Türkei

    Beschreibung

    31. August: Längste Autofahrt bisher: Ankara erscheint nicht attraktiv
    Wiederum klingelte der Wecker früh: 5.30 Uhr, gerade, als es anfing zu tagen. Luo schlief, genau wie letztes Mal, einfach weiter, als ich ihn in seinen Sitz verquantete. Rui wachte auf und schaute interesseiert, als Roger durch Istanbul kurvte, über die wohlbekannte Galatabridge, über die grosse Brücke, die Europa mit Asien verbindet, hinein in den anbrechenden Tag. Roger fuhr noch weiter, ca. 1.5 Stunden. Dann war Frühstück angesagt, auf einem Parkplatz einer Autobahnraststätte im Bonabus. Martina übernahm danach für weitere zwei Stunden, wonach wir von der Autobahn runter gingen und im Niemandsland einer Steppenlandschaft ein bescheidenes Mal kochten. Zurück auf die Autobahn fuhr dann Roger. Die letzte Strecke bis Ankara (2.5h) schliefen die Kinder wieder hinten im Bus.
    Wir umkurvten Ankara auf der Ringautobahn und es inspirierte uns so gar nicht, diese Stadt zu betreten. Sie liegt, jetzt Ende August, inmitten verdorrter Graslandschaft und scheint einer Stadt in der Wüste ähnlich. Attatürk mag seine militärischen Gründe gehabt haben, als er vor 85 Jahren Ankara zur neuen Hauptstadt der türkischen Republik machte. Aber die Wolkenkratzer, die lieblosen Wohnquartiere darin, das sieht nicht annähernd so toll aus wie Istanbul.
    In Ankara steuerten wir den „Zeltplatz“ an, der in einem unserer Führer beschrieben steht. Einfach, um heute nichts mehr tun zu müssen ausserausspannen, die Kinder spielen, Martina ihren Durchfall kurieren und mal wieder Tagebuch nachzuschreiben. Die Jungs hatten die lange Autofahrt gut gemeistert, haben sich aufs Spielen gefreut. Nun sind wir hier auf dem „Zeltplatz“: Kiesplatz hinter einem Hotel, Poolbenützung, schöne Toiletten und Duschen. Den Pool hatten die drei Männer gut genutzt, waren gar die Einzigen, bis ein Deutscher Reisecar mit Anhänger um die Ecke kam. Kennt ihr das „Rollende Hotel“? Die schlafen alle in diesem Anhänger, ähnlich einem chinesischen Liegewaggon eines Nachtzugs, haben eine kleine Küche… Echt interessant. Da werden Touren auf der ganzen Welt angeboten, diese hier führte wohl durch Georgien, Armenien und Osttürkei.
    Später kamen dann noch zwei Franzosen (älteres Ehepaar). Die sind noch nicht viel länger unterwegs als wir, also seit anfangs Juni. Was sie aber in der Zeit gemacht haben, übertrifft unsere Vorstellungen: Paris, Russland, Mongolei, China mit Peking, Kasachstan, Georgien, Türkei… 32 Wohnmobile in zwei Gruppen mit je 18 Fahrzeugen, mit Mechanikerlastwagen und Arzt.
    Wer sagt nun noch, wir seien Spinner?

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  • 01Sep 2012

    41 Göreme, beautiful Cappadokia 01.09.2012 Türkei —

    Göreme, Türkei

    Beschreibung

    1. September: Göreme in Kappadokien
    Das Frühstück und die Aufräumphase wurden dann doch etwas ausführlicher als ursprünglich geplant. Aber eigentlich ist das ja egal, wir haben ja keinen Stress. So um halb elf waren wir on the road, mussten aber erst noch Diesel nachfüllen und den Reifendruck wieder mal messen. Dann fuhr ich bis dort, wo Lisa einen See anzeigte. Dieser See war, so stellte sich heraus ein Salzsee. Klar hielten wir an und packten unsere Crocs, die dem sicherlich standhalten würden, so dachten wir. Frohgemut vergnügten wir uns mit einem Haufen Türken auf der Salzfläche. In einem Salzlakeloch trampelte Luo an der Seite einer älteren Türkin, die ihm hilfsbereit die Füsse mit ihren Füssen mit Salz vollschaufelte. Als unser Strahlemann darauf brav „Teschekü ederim“ sagte (danke auf Türkisch), wurde er gleich abgeküsst, so begeistert war die Frau. Etwas später zog derselbe Luo noch einmal unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich, als er in einem tiefen Schlammloch versank und beim Beinherausziehen ohne Crocs dastand. Da war er aber traurig, schliesslich sind diese Schuhe noch keine Woche in seinem Besitz. Mit vereinten Kräften und überaus dreckigen Unterschenkeln gelang es uns wieder Erwarten, den verlorenen Schuh wieder zu bergen.
    Bevor wir weiterfuhren gönnten wir uns Köfte in Brot (Hackfleischbällchenkebab), schliesslich war es schon weit nach zwölf Uhr. Roger brauste danach gestärkt vorbei an Aksaray, wo wir noch einmal Fahrer wechselten. Eigentlich dachten wir, könnten wir auf dem Weg nach Göreme irgendwo eine Nacht stehen. Aber am Salzsee war es dann doch zu unwirtlich um noch einen halben Tag zu verbringen, bis es Abend geworden wäre.
    In Nevsehir versorgten wir uns mit Vorräten, Putzmitteln und anderen Dingen, die ausgegangen waren und fuhren anschliessend noch die letzten Minuten nach Göreme. Wahnsinn, wie unerwartet plötzlich die Strasse abfällt und das wundersame Kappadokien mit seinen mehrstöckigen Höhlenhäusern in den Blick kommt. In Göreme wollen wir länger bleiben und quasi Ferien von den Ferien machen. Da hier noch Touristensaison ist, kann das aber wohl nur auf einem Camping sein. Wieder einmal etwas häuslich werden, ausspannen, einen Ort gut kennenlernen, das ist das Ziel. Wir fanden einen Camping, der uns schön erschien. Etwas teurer als erwartet, aber nahe vom kleinen Ort.
    Schon lange hatten wir unser Vorzelt nicht mehr aufgestellt… Die Spielkiste und Duplotiere warteten…

    2. September: Kraxeln in den Höhlen
    Unschön wurden wir heute von zwei Streithähnen im Kinderzimmer geweckt, ganz anders als gestern, wo sie nach dem Aufwachen einfach zu spielen begonnen hatten. Dafür wurden wir mit einem Frühstück aus Brot und Dreiminuteneiern entschädigt. Eine Rarität, zumindest bisher auf dieser Bonabusreise…
    Gestärkt wanderten wir los (ja, auch die Wanderschuhe hatten lange im „Schrank“ warten müssen). Nicht weit für heute, aber über die Strasse und in die Höhlentürme, die Taubenhäuser und die antiken Grabhölen auf dieser Seite im Ort selbst. Wir kletterten und entdeckten, picknickten und abenteuerten weiter. Schliesslich hatten wir genug für heute und es ging zurück zum Zeltplatz. Von diesen übrigens, so haben wir gemerkt, gäbe es noch einen. Etwas weiter weg vom Ort, trendiger, wohl günstiger. Aber wir sind schon zufrieden hier, ausser mit der Dusche (entweder ist sie saukalt oder brandheiss, eine Herausforderung als Erwachsener und eine doppelte mit Kindern). Hier ist es sehr ruhig, keine Störungen durch andere Touristen, was auch mal gut ist. Rui und Luo spielten heute wiederum wunderbar mit ihren Duplotieren, bauten ihnen Höhlen, gaben Futter, machten Ställe, oder sie setzten sich mit Mina und Gian ins Führerhäuschen und spielten fahren, GPS, frühes Losfahren etc. Ansonsten waren wir heute ruhig. Im Verlaufe des Tages wurde es von sehr kühl bis sehr heiss, weswegen wir dann doch noch im Swimmingpool herumschwimmnudelten.
    Übrigens würde es uns interessieren, wie anders es damals ausgesehen hatte, als ihr, Tom und Almud, hier wart. Wir erinnern uns an eure Fotos, aber da waren sicher noch nicht sooo viele Hotels? Die Höhlen waren wohl schon dieselben ;-) aber die Anfahrt verlief damals wohl eher Rumänien-like, wenn überhaupt...

    3. September: Jetzt ist es doch wieder über 30 Grad warm!
    Richtig ausspannen ist angesagt. Dazwischen handeln wir Achmed um zehn türkische Lira pro Tag runter, denn wir haben wenig Lust, 20 % mehr als die anderen zu bezahlen. Dass man hier auch um Zeltplätze handeln kann, ist uns schlicht entgangen. Ausserdem machen wir einen Einkaufsbummel ins Dorf, holen Gemüse und Nüsse. Beim „Rückweg“ durchs Dorf nehmen wir eine vermeintliche Abkürzung und so wird es dann fürs Mittagessen wieder eher spät. Danach spielen die Jungs super, plötzlich sind die mitgebrachten Duplotiere intereressant. Wir lesen derweil und sind auf dem Internet. Toll, diese Turkcellkarte. Abends laden wir Pius zu Pasta zu uns ins Vorzelt ein. Er, ein Töffahrer auf der „Durchreise“ ist begeistert, wieder mal einen „Schweizer“-Z’nacht geniessen zu können. Rui und Luo dürfen am Tisch noch malen, wir holen dafür gar den Aussenscheinwerfer und Rui erstaunt mit einem schön gezeichneten und perfekt ausgemalten Bild. Wahnsinn, diese Entwicklungsschritte!

    4. September: Wandervögel in Canyon
    Nach dem Frühstück ging’s ab, mit den Wanderschuhen Richtung „Love Valley“. Schliesslich waren wir wieder gut vier Stunden auf dem Weg. Wir kletterten, spielten, picknickten, fotographierten, hatten wieder mal so richtig Spiess-Outdoorspass – ganz zum Vergnügen anderer Touristen, welche die beiden kleinen Touristen bewunderten und sogar als „Tough Hiker“ betittelt wurden! Na ja war ja auch kein Kleks, vergleichbar mit Ruinalta bei 34°C, ohne Schatten und mit allen möglichen Klettereinlagen. Klar, die anschliessenden zwei Kilometer der Teerstrasse entlang zurück ins Dorf waren noch etwas härter und mühsam. Dafür leisteten wir uns einen westlichen Coffeeshop, die Jungs kriegten einen Frozen Caramell-Dingsda und sie liebten es. Nur, leider hatte es kein Klo, aber die stinkenden öffentlichen WCs (no western-style toilets, if you know what I mean, traveller, and it‘s different to use them with kids) gehen ja auch und ich weiss langsam, wie ich die Jung aufheben und zwischen meine Beine klemmen muss, damit auch alles mehr oder weniger ins Loch geht.
    Auf dem Nachhauseweg sind alle sehr Müde von der Hitze und der Wanderung. Nur einer springt und grinst noch. Nein nicht Luo, sondern Rui der springt den Berg hinauf! Diese Reise scheint ihm extrem gut zu tun – uns allen natürlich ;)
    Übrigens darf heute eine Anektote von Rui nicht vergessen werden: Er springt zu Roger, hält ihn an der Hand, läuft neben ihm (der ja sehr an den Händen schwitzt) her und spricht: „Papi, isch mier glich, wenn du schwitzisch. Will schwitze tönt wie Schwiiz und d’Schwiz han ich gern.“

    5. September: Hilfee, Touristen…
    Um sechs Uhr klingelt mein Wecker, Roger dreht sich und ist nicht interessiert. Ich quäle mich auf, schliesslich haben wir es den Jungs versprochen. Und ja, draussen sehe ich Heissluftballone. Ich taumle zurück in den Bus, suche meine Brille und frage, wer nun mitkommen will. Luo springt auf, Rui ist unerwarteterweise etwas gemütlicher. Wir gehen dann schliesslich doch alle, die Jungs im Piji, mit Mina und Gian im Arm. Wenige Meter vor dem Bonabus sehen wir runter: sicher achtzig Heissluftballone. Wahnsinn, woher kommen all die Touristen? Wir sollten heute noch mehr von ihnen zu sehen kriegen…
    Aber zunächst frühstücken wir gemütlich und laufen gegen halb neun ab. Im Dörfchen will der Taxifahrer zehn Lira (fünf Franken), das ist uns aber zu viel für die gut 1000m, also gehen wir wieder zu Fuss (Rui sagt: Wir haben keinen Kindersitz, ihm ist wohl wohler ohne Auto – diese Korrektheit, schweizerisch!). Auf dem Weg sehen wir noch eine Mannschaft, die versucht, ihren Heissluftballon zu testen, scheint etwas heute nicht funktioniert zu haben. Das ist natürlich interessant und so kommen wir dann doch später als gedacht zum Freilichtmuseum. Dort erschlägt es uns beinahe: Busse voller Touristen werden vom Meer hierhergekarrt. Und wir mittendrin. Vor den Felsenkirchen müssen wir warten, Carladungen von Chinesen, Russen oder Polen versperren gerade den Weg. Drinnen darf man jeweils nur drei Minuten bleiben. Rui und Luo halten abwechslungsweise ein Heft in die Höhe, wir dürfen nur hinter ihnen gehen, sie spielen Reiseführer und erklären uns alles.
    Nach diesem Intermezzo sind wir wieder geheilt, wir überqueren schnell den Parkplatz und werden wieder zu Individualtouristen. Ein Trampelpfad führt an kleinen Höhlen und interessanten Gesteinsformationen vorbei. Wir halten uns heute kilometermässig zurück und beschliessen nicht in das einladende Valley darunter hinabzusteigen. Dafür kommen wir an einer Gruppe Türken in einem Aprikosen- und Rebenbestandenen Obstgarten vorbei. Sie graben einen Brunnen, müssen dafür 15 bis 25 Meter tief. Sie erklären, dass Kappadokien immer trockener wird und sie nun versuchen, die Familienplantagen zu sichern. (Das 15 – 25 m tiefe und ca. 1m x 1m quadratische Loch ist natürlich nicht gespriest. Der da unten grübelnde Arbeiter hat wohl ein schlechtes Los gezogen… Naja, die anderen Höhlen, Häuser und bis zu 11 Stockwerk tiefen unterirdischen Städte haben sie füher wohl auch nicht nach SUVA-Vorschrift gebaut)
    Zurück beim Bonabus machen wir es uns gemütlich und beschliessen dann doch, morgen weiter zu fahren. Der ewige feine Sand (Asche des Fulkanes) um und zunehmend im Bus stresst uns zu sehr und dazu sind die Temperaturen hier am Tag momentan sehr hoch (34 Gad), hohe UV-Strahlen…

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  • 06Sep 2012

    42 Ihlara-Vally 06.09.2012 Türkei —

    Belisirma, Türkei

    Beschreibung

    6. September: Wundersames Ihlara-Tal
    Schon um 7.30 Uhr wachten wir alle auf, denn heute schien der Wind auf eine andere Richtung zu gehen und ein Heissluftballon kam direkt über unseren Bus. Schnell waren die Jungs draussen um zu winken. Nach einem Frühstück fuhren wir ab, da wir schon gestern Abend alles aufgeräumt hatten. Erstes Ziel war eine „Gas-Fabrik“, aber wie schon befürchtet stellte sich heraus, dass uns niemand unsere Flasche auffüllen wird und eine Kunststofflasche zum Tauschen schon gar nicht hat. Wir werden uns wohl nach einer kleinen türkischen Gasflasche umsehen, die wir noch zuladen können und die dann nach Gebrauch wieder abgestossen wird.
    Zweites Ziel war Derinkuyu. In der unter diesem Städtchen versteckten unterirdischen Stadt lebten zeitweilen bis zu 10‘000 Menschen versteckt. Ca. zehn Prozent davon kann man heute besichtigen. Eng sind die Schächte, die man hinunter steigt. Rui war es wieder einmal zu dunkel, mit etwas zu eng, wir halfen uns mit singen. Praktisch war es auch, denn von der anderen Seite der Gänge hörte man jeweils unser „Tschipfu, tschipfu, Isebahn“ und liess uns den Vortritt.
    Auf dem Parkplatz bereiteten wir uns einen Salat und assen das feine frische, eben erstandene Brot eines kleinen Supermarktes in der Nähe. Ein weiteres Ding, das wir geschoppt hatten, war übrigens drei Meter Gartenschlauch, da wir zufällig an einem „Sanitärgeschäft“ vorbeikamen und Roger den Abwasserschlauch bei Gelegenheit optimieren möchte. Die Leute da haben vielleicht geguckt… passiert wohl nicht alle Tage dass ein Tourist einen Schlauch kauft ;-)
    Bei einer kleinen Mittagsruhepause beschlossen wir weiterzufahren, da wir nicht grosse Lust hatten in über 30 Grad weiter in diesem Städtchen rumzulaufen, auch wenn wir auf diesem Parkplatz sicherlich hätten nächtigen können. Wir rollten glücklich und zufrieden Richtung Westen, Lisa zeigte unbefestigte Strasse, wir hatten in Wirklichkeit aber super Teerstasse und ich fuhr meist achtzig. So wachten unsere Schlafmützlis dann erst auf, als die Ebene sich plötzlich öffnete und ein kleiner Canyon sichtbar wurde. In der ersten engen Kurve das Dorf hinunter übergab ich das Steuer dem Roger, aus Angst, einer käme entgegen und ich müsste rückwärts hinauf zurücksetzen. Wundersam, dieses Ihlara-Tal. Wir fanden hinter einem Restaurant einen halboffiziellen Parkplatz, der zum Bleiben einlud. Nach einem kleinen Spaziergang gönnten wir uns ein Abendessen im nahen Restaurant, auch, damit man uns gut gesinnt wäre. Die Nacht war kühl, wunderbar und willkommen.

    7. September: Acht Kilometer Wanderung
    Nach dem Frühstück packten wir Nüsse, Knäckebrot und einiges Gemüse, das uns geblieben war und machten uns mit den Wanderschuhen auf den Weg. Ein wunderbarer, schmaler, sandiger, teils alpinmässiger Weg führte uns den Bach hinauf nach Ihlara. Oben an der Schlucht wurden wir mit einem Minimarket belohnt, in dem es Brot gab, leider aber kein Wasser in grösseren Flaschen als 0.5l, weshalb wir unsere Rucksäcke für einmal mit Fanta (4 x 2.5l!) füllten (zur Freude meiner drei Männer). Oben gingen wir quer über die steppenartige Wiese. Schon bald konnte man sich nicht mehr vorstellen, dass hier irgendwo ein Tal verborgen sein könnte. Weiter vorne entdeckten wir einen Parkplatz an der brennenden Sonne. Da musste also der zweite Eingang in die Schlucht sein. Und wirklich, mit fast hunderten Touristen stiegen wir die Stufen wieder zur Talsohle hinab. Sie mit Flipflops, wir staubig, verschwitzt und mit Wanderschuhen. Der Rückweg war ebenso faszinierend wie der Hinweg. Die Jungs waren neben den Höhlenkirchen und Höhlenbehausungen vor allem von drei schwarzen Welpen angetan, die uns mehrmals begegneten und die wir liebevoll „Wuschlis“ nennen. Beeindruckend, wie Rui und Luo sich an das strikte „Tiere nicht berühren“-Gebot halten.
    Zum Abschluss von heute noch einen Running-Gag, den wir uns leisten, wenn Kellner von Restaurants versuchen, uns zum Einkehren zu bewegen und dabei all ihre Englischkenntnisse hervorkramen. Sie „Where are you going?“ Wir: „Home!“

    8. September: Ihlara Tal auf die andere Seite
    Die abendliche Besprechung hatte ergeben, dass wir uns hier so wohl fühlen, die verhältnismässige Kühle des Tals schätzen und noch gar nicht weg wollen. Eineinhalb altbackene Brote blieben uns heute zum Frühstück und wenn wir zum Picknick Kartoffeln, Eier und Pepperoni mitnähmen, könnten wir gar noch eine weitere Nacht bleiben. Mit Pepperoni und den Kartoffeln „bastelten“ wir den Kindern ein köstliches „Eis“ – so macht Picknick richtig Spass! So machten wir uns auf, diesmal mit Badehosen im Gepäck, das Tal auf die andere Seite zu erkunden. Hier mussten wir keinen Eintritt bezahlen. Der Weg führte anfangs vorbei an Maisfeldern, später an Kuhweiden, über Steinblöcke und zu einem Ort, an dem wir im Gras (schon lange kein grünes Gras mehr gesehen) picknickten. Später machten wir uns gemächlich auf den Rückweg, wobei wir an einer menschenleeren Stelle alle die Badehosen überzogen, einmal in den kalten Bach tauchten, uns einseiften und wieder tauchten. Geduscht! Und niemanden dabei brüskiert.
    Gegen Abend kamen wir zum Bonabus zurück. Trotz der in den letzten drei Tagen immer wieder ausbrechenden verbalen Aggressionen der Jungs gegen uns : „Blödi Mami“, schlagen und Aggressionen gegeneinander (wir versuchen und nicht provozieren zu lassen, schliesslich hatten wir das nun wochenlang nicht mehr und es könnte ja sein, dass die Phase bald wieder fertig ist), also trotzdem beschlossen wir, hier noch einmal auswärts essen zu gehen. Nicht im selben Restaurant, sondern etwas flussaufwärts. Aber ebenfalls auf einem kleinen auf Pfählen errichteten Hüttchen, mit Dach und Bretterboden, der mit Teppich und Kissen belegt ist und in dessen Mitte ein kleiner Tisch steht. Wunderbar war es, die Aussicht, das Essen, auch die Kinder mehrheitlich, das Unospiel… Nur die Rechnung war ziemlich hoch. Werden wohl mal eine Zeit lang nicht mehr auswärts Essen. Nicht, dass es unser Budget sprengen würde, aber der Preis ist dennoch unnötig hoch. Morgen aber müssen wir erstmal einen grösseren Laden finden und Vorräte auffüllen.

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  • 09Sep 2012

    43 Hochgebirge in der Türkei 09.09.2012 Türkei —

    Çukurbağ, Türkei

    Beschreibung

    9. September: Sonntagsfahrt quer durch das Hinterland
    Einen grösseren Laden haben wir dann doch nicht gefunden. Dennoch konnten wir einiges nötiges erledigen. In Güzelyurt kauften wir eine 2l Gasflasche, denn auch hier wollten sie unsere Gasflasche nicht füllen. In Ciftlik, einer kleineren Stadt vor den Bergen, die es zu überqueren gab, fanden wir einen kleinen Supermarkt, wie wir das nun schon öfter angetroffen hatten, ein Tante-Emma Laden quasi, alles in einem Zimmer, was man vielleicht braucht. Da füllten wir unsere Vorräte und fanden alles ausser Margarine und Müesli. Dann fuhr Roger über den schönen Pass. Ein Brunnen am Strassenrand trug das Datum 2012, wahrscheinlich hat es sich zuvor um eine Kiesstrasse gehandelt. Wahnsinn, und wir brausen da quasi über einen Pass, der noch bis vor kurzem kaum überquerbar gewesen war, als Tourist. Im ersten Dorf auf der anderen Seite fanden sich viele Obstplantagen. Am Strassenrand verkaufte ein Junge die Erträge der diesjährigen Ernte. Wir kauften Äpfel, Zwetschgen und fuhren weiter. Ein Dorf weiter fand gerade ein Wochenmarkt statt. Die Türkei kennt den Sonntag zwar allgemein als Feiertag, aber dennoch, hier ist eher traditionelles Land, in dieser Gegend, und einige scheinen noch immer den Freitag (traditionell moslemisch, bis vor Attatürk) zu pflegen. Wir kauften also noch das fehlende Gemüse, das in jenem Supermarkt nicht zu kaufen war. Und so billig und in so grossen Mengen haben wir wohl nie gekauft (unter einem kg kannst du nichts kaufen). Mitten auf dem Markt musste Luo einen Gaggi und wieder mal waren wir froh, dass wir mit dem Bonabus reisen, der ganz in der Nähe auf uns wartete. Anschliessend brausten wir nochmals über einen Ausläufer des Taurusgebirge und drangen immer weiter ins Herz des Gebirges vor. In Gukurbag liessen wir uns für diese Nacht nieder. Der Standplatz für diese Nacht nennt sich Camping, ist in Wahrheit aber ein Familienhaus mit grösserem Vorgarten. Fürs Klo mussten wir rein ins Haus und wagten uns auch nicht, wie gewohnt vor Abfahrt am nächsten Tag das Porta Potty zu leeren. Hassan, der Besitzer aber hatte uns einige Infos und so wussten wir, in welchem Bereich des 3700 Metern hohen Mount Demirkazik wir morgen unsere Familienwanderung antreten können.
    Übrigens, unser Menschenkenner Rui meinte heute: „Mami, jetzt kenn ich dich guet. In Bonaduz han ich dich nöd so guet kennt.“

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  • 10Sep 2012

    44 Demirkazik 10.09.2012 Türkei —

    Demirkazık, Türkei

    Beschreibung

    10. September: Schlucht am Mount Demirkazik
    Unsere heutige 14minütige Fahrt brachte uns bis ins nächste Dorf (Demikazik), wobei wir auf dem Weg noch Brot, Käse und Salami bunkerten. Kurz nach zehn erreichten wir den Parkplatz, auf den bald auch der Nationalparkwächter kam. Wir zahlten eine doppelte Tagesgebühr und erhielten von ihm die Zusicherung, dass wir hier über Nacht stehen dürfen. Nur wenig später waren wir auf dem Weg, immer die Schlucht hinauf, Richtung Mount Demirkazik (Auto ca. bei 1500 Metern abgestellt). Nach einiger Zeit waren die Wände der Schlucht schon richtig nah. Roger Prüfte mit Feldstecher die Bohrhacken und Standplätze und wir beschlossen, morgen früh klettern zu gehen. Es hat guteingerichtete Sportkletterrouten die teilweise sogar für unsere beiden Kinder geeignet sind. Für Ösi und Co. hätte die Schlucht Unmengen von Klettermöglichkeiten – ein wahrer Traum! Nach einigen Höhenmetern machten wir eine Nüssli-Fruchtpause, später ein Mittagspicknick. Und immer noch stieg der Weg an. Irgendwann, so die Karte von Hassan gestern, sollte es möglich sein, oberhalb dieser Schlucht nach rechts auf dem Hang die Bergflanke hinunter zu steigen. Soweit kamen wir allerdings nicht, irgendwann war es uns allen genug (zu Hause mit Googel Earth stellte sich dann heraus, dass es wirklich nicht mehr weit bis oben an die Schlucht gewesen wäre, aber wir nehmen keine Risiken und unsere Kinder sind schon noch etwas gar klein). Wir kehrten um und staunten einmal mehr, wie sicher unsere Jungs auch die schwierigen Berge (Geröllweg, sehr steil) hinunter sind. Auch Rui, oder vor allem er, hat Fortschritte gemacht, es ist viel ungefährlicher als auch schon, ihn auch in schwierigem Gelände frei laufen zu lassen. Luo sowieso, seine Kraft ist wie immer ungebrochen und unerschöpflich. Unten beim Bonabus angekommen spielten die Jungs noch sicher eineinhalb Stunden mit ihrer Spielkiste im vertrockneten Flussbett, ich las ein Buch und Roger boulderte irgendwo in der nahen Schlucht herum. Nach dem Abendessen war es draussen aufgrund der Höhe zu kühl, was uns irgendwie alle freute, wir spielten in Einzueinsbetreuung Minilük und Bauernhofstiftlibuch von Götti Alain und genossen mal wieder das im-Bonabus-Leben.

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  • 11Sep 2012

    45 Mittelmeer 11.09.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    11. September: Von den Bergen ans Meer
    Das erträumte Klettern fand dann doch nicht statt. In der Nacht kam zu Rogers Durchfall, den wir als wieder-einmal-eine-Attacke-Reisedurchfall abgetan hatten, auch noch Fieber hinzu. Am Morgen blieb er im Bett (respektive wechselte von unserem Bett in Kinderzimmer, das sich hervorragend fürs Kranksein eignet und dabei das restliche Busleben nicht stört (respektive der Kranke nicht von zwei herumspringenden Jungs gestört wird). Rui, Luo und ich gingen für zwei Stunden in die Schlucht, bauten aus Steinen eine kleine Hütte, eine zugehörige Römerstrasse mit Alee, Brücke, Tunnel und Kieswerk. Danach spielten die Jungs Bergsteigen, während ich meinerseits einen Schwächeanfall niederrang. Um halb eins waren wir wie versprochen zurück, assen Fladenbrot mit Gurken, Tomaten und übriggebliebenen Linseneintopf, während ein ziemlich übel aussehender Roger an trockenem Brot kaute. Dennoch, er erklärte sich als gesund genug, die Abfahrt ans Mittelmeer als Beifahrer anzutreten. Auch, da hier die Sonne ohne einen Baum oder jeglichen anderen Schatten den Bonabus am Tag auf ungemütliche Temperaturen aufheizte (auch wenn in der Nacht schon beinahe die Heizung angesagt gewesen wäre – um die dreizehn Grad herum).
    Also fuhren wir ca. um 14.00 Uhr los, Lisa zeigte ein Soll von 3.11 Stunden. Doch schon bald nach Gukurbag hörte die wunderbare beinahe Vierspurige Asphaltstrasse auf. Eine gleich breite Kiespiste, die aber noch nicht geteert war, ersetzte die erstere. Naja - wir gondelten mit dreissig bis vierzig Stundenkilometern umher, stellten uns vor, wie es also noch vor ein paar Jahren hier gewesen sein musste und sahen uns die zum Teil viel zu steilen und instabilen Böschungen an der Seite der Baustelle an. Irgendwann war dann die Strasse wieder besser und etwas später erreichten wir gar die Autobahn. Leider mit neuerlicher Baustelle und deshalb nur einspurig, nicht die gewohnten dreispurigen Rennstrecken der Türkei. Später gelangten wir in einen riesigen Regen, wir durchquerten gerade das Taurusgebirge, die Lastwagen nebendran fuhren wohl kaum mehr vierzig, so steil war es hier (rauf, ruter, rauf, runter). Auch Roger wurde wieder stiller, die Jungs hingegen wachten auf. Wir steuerten eine Raststätte an. Gut, wiederum, dass wir ein Porta Potty haben, dass es Aspirin gibt und einen I-Pot mit Lautsprechern und Globihörspiel für die Jungs. Ich setzte mich wieder hinters Steuer. Irgendwann sahen wir das Mittelmeer. Irgendwann tankten wir. Irgendwann, der Roger war wieder gespächiger, kauften wir im Migros Müesli, Zwieback, Knäckebrot, Sojamilch und Wein. Irgendwann, so gegen halb sieben kamen wir bei Davut’s Camping an. Hier wollten wir bleiben, auch da morgen, nach einem Kranktag, wohl ein Putztag vonnöten wäre.

    12. September: Das WARME Mittelmeer
    Um zehn waren Rui, Luo und ich am Meer. Sandstrand und warmes Mittelmeer, freundliche Wellen, die es erlaubten, mit zwei Kindern gleichzeitig zu baden. Roger schlief derweil zu Hause und machte die Wäsche. Mittags waren wir dann wieder zurück beim Bonabus, kochten Pasta und Gekacktes (Rindfleisch). Roger schlug zu, Rui schlug zu, Luo schlug zu und Martina schlug zu… Dann begann die Putzsession, währenddessen die Jungs mit einem kleinen Knaben des Campings Duplotierli und Baustelle spielten. Wir konnten sogar einen Staubsauger auslehnen und saugten, saugten, saugten, alles wurde weggeräumt, wieder eingeräumt, feucht gefegt… Der Bus war nach der Entstaubung wohl mindestens ein Kilo leichter ;)
    Gegen Abend kam dann auch Roger noch mit ans Meer und war erstaunt von der Wärme. Hier soll es gemäss Campingplatzleuten im Winter nicht viel kälter als zwanzig Grad sein und das Meer dasselbe. Jetzt ist es aber über dreissig. Und das, obwohl wir gehofft hatten, auf unserer Reise nie mehr so warm zu haben, geschweige dann nahe an dreissig Grad schlafen zu müssen. Aber eigentlich wollten wir ja auch nochmals baden, und das kann man hier…

    13. September: Cabriolet am Strand
    Heute hatten wir ein Projekt im Kopf, als wir am Strand ankamen. Aber das war, nachdem wir den ganzen Vorrat Sojamilch wegschütten mussten, da alles nach WD-40 roch (Spray ist ausgesprüht, naja, haben die Vorräteverstauung nun optimiert). Also, am Stand schaufelten wir wie wild und es gelang uns ein Cabriolet mit Rolles Royce Kühlerfigur, der von Rui und Luo abwechselnd gesteuert werden konnte. Dass da Mami und Papi mit ihren Kindern zusammen im Sand spielen hat manchen Türken zum staunen gebracht, oder wahr es doch das originelle Sandmobil?!? Alle hatten übrigens 50+ Sonnencreme, nur Rogers Rücken hat zu wenig abgekriegt ;-( - Na ja, der erste Sonnenbrand dieser Reise, wohl über 65 Sonnentage).
    Nach getaner Arbeit badeten wir, badeten und badeten. Hier kriegt niemand blaue Lippen! Höchstens zu viel Salzwasser geschluckt, oder brennende Augen (dagegen helfen unsere Schwimmbrillen). Rui ist ein richtiger Durchdiewellenspringer und Luo nimmt es ein wenig gemütlicher, macht aber eigentlich auch ganz tapfer mit.
    Nachmittags schliefen die Jungs unter den Palmen ein. Dann versuchten Roger und Rui ein weiteres Mal einen Fisch zu fangen. Wenigstens gab es in Davuts Restaurant einen vorzüglichen, auch wenn nicht von uns gefangen und eher budgetsprengend (da ist aber auch der feine Weisswein Schuld).

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  • 14Sep 2012

    46 Park Alani (Picknick-Platz) 14.09.2012 Türkei —

    Ayaş, Türkei

    Beschreibung

    14. 15. Und 16. September: Von Erdemli (Ayas), nach Erdemli
    Nach “kein Wasser kommt” ist das Wasser aufzufüllen dann doch noch möglich. Danach fuhren wir zuerst retour Richtung Osten, 500 Meter, zu einem kleinen Supermarkt, da die Kühlbox wieder gähnend leer war. Danach gegen Westen, am ehemaligen Platz vorbei und 500 Meter weiter, in eine „Park Alani“. Ein türkisches Picknick- und auch mögliches Campingebiet. Hier kostet ein Tag für zwei Erwachsene (inklusive Nacht) 10 TL, im anderen, richtigen Camping waren es von 40 TL auf 30 TL runtergehandelt, wobei wir auch bei gleichem Preis den günstigeren bevorzugen würden.

    Hier stand ein älteres österrichisches Wohnmobil, zu welchem wir uns gesellten. Paul, der Mann, der dazugehörte, war nicht gerade bester Laune. Wir erfuhren auch bald, warum: Eine türkische Frau hatte gestern hier auf der Alani ihre ersten Fahrversuche unternommen und ist ihm, als er gerade beim Baden war, dreissig Zentimeter weit in die Seite reingefahren. Glück hatte Paul aber: Sie hatte dabei gerade ein Aussentürchen getroffen, und ausser diesem und der unteren Wohnmobilkante war nichts bleibend kaputt, so dass er die Reise wenigstens fortfahren kann.

    Heute genossen wir die wenigen Leute hier, badeten, spielten und assen. Schön, dass es Roger wieder gut ging…
    Ja, ging. Denn der 15 September gestaltete sich zu Beginn ähnlich. Wir schaufelten morgens einen Bonabus aus Sand, in dem die Jungs spielen konnten. Roger wurde immer stiller. Am Mittag dann hatte er einen neuerlichen, noch viel übleren Durchfallundsoweiter-Anfall. Ihn haute es richtig ins Bett. Erst gegen Mittag vom 16. (Sonntag) war er dann wieder „unter uns“. Bis dann aber hatte ich mit den Jungs am Strand zu „kämpfen“, wonach wir stattdessen besser spazieren gingen. Dies lohnte sich aber, umso mehr, als die römischen Ruinen, die hier überall rumstehen, wirklich sehenswert sind. Unglaublich, dass es Mosaike aus den vorchristlichen Jahrhunderten gibt, die noch so gut erhalten sind, dass sie noch immer vollends horizontal liegen und die Fische darauf noch immer wunderbar schön sind. Im Amphitheater spielten wir dann, dass gerade eine Vorstellung begonnen hätte, kauften von imaginären Händlern einen Imbiss und beklatschten die wilden Tiere gleichsam wie die maskierten Schauspieler.

    Zurück zum Bonabus assen wir drei etwas, ich diskutierte noch mit Paul. Währenddessen fuhr ein PW mit hoher Geschwindigkeit wenig neben uns streifend an einem Auto vorbei. Der Lenker war ein ca. 10 jähriger Türkenjunge, welcher aus Plausch wohl das Fahrzeug hohlen durft. Seine Eltern sassen während dem Unfall auch im Fahrzeug… Na ja die Türken und Autofahren… Ich gesellte mich später zur Freude von Rui und Luo noch einmal in ihre Bettkoje. Roger schlief unten, und nur dank Schmerzmittel.

    Am Sonntag dann war die ganze Alani voller Autos, wohl an die hundert, und beinahe ebenso viele Familien, die ihren Grill mitgebracht hatten und ihre Picknickdecken. Die Party beginnt eigentlich schon in der Nacht, wenn die Türken (auch Kinder) so richtig wach sind. Da der Bonabus im Schatten stand und Paul inzwischen weitergefahren war, war rundum bald alles voll. Nachmittags ging es Roger besser und wir führten ihn durch die Ruinen. Nun hoffen wir, dass er’s wirklich überstanden hat!

    So ein Park Alani ist echt eine super gute Sache. Ein Park wo man ausgiebig Picknicken darf und das übernachten / campieren erlaubt ist. Wasser, Duschen und WC’s sind meist vorhanden, das ganze wird von der Gemeinde betrieben und die Gendarma patrouilliert abends regelmässig, so dass es auch sicher ist. Die Park Alani sind gratis oder sehr günstig.

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  • 17Sep 2012

    47 Aydencek; Google Earth 17.09.2012 Türkei —

    Aydıncık, Türkei

    Beschreibung

    17. September: Eine weitere Park Alani, im Bau begriffen (Aydinicik)
    Morgens fuhren wir sehr früh los, eigentlich gerade, nachdem unsere Abwaschcrew ihren Dienst getan hatte. Wirklich arbeiten die zwei Jungs schon ziemlich gut am mobilen und deshalb meist draussen stehenden Spülbecken und trocknen auch immer trockener ab.
    Erster Zwischenhalt war eine Migros, wo wir uns wieder mit Sojamilch eindeckten, zweiter die Höhle von Himmel und Hölle landeinwärts von Narlinkuyu. Eine Karstlandschaft eines riesigen Flusses, der ein Loch mit zweihundert Meter Durchmesser gefressen hat, das auch beinahe ebenso tief ist. Mit 455 Stufen stiegen wir bergab, besahen die gewaltige Höhle unten, repetierten die Begriffe „Tropfsteine und Stalaktiten“. Ganz unten kann man den Fluss rauschen hören. Sehr eindrücklich.
    Oben angekommen probierten wir, ob wir „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ singen können oder ebenso hechelnd nach Luft schnappen würden, wie viele Mittouristen. Aber klar konnten wir noch singen, wir Schweizer Berggämsen!
    Eine Stunde später hatten wir alle grossen Hunger. Am Strassenrand verkauften einige Frauen Früchte. So stellten wir den Bonabus in den Schatten und Picknickten. Sogar Roger ass, er meinte, anders würde er dann bald grosse Kreislaufprobleme kriegen. Rui und Luo schauten fasziniert, wie ich die eben gekauften Kaktusfeigen öffnete und jeder kriegte eine (ausser Roger, Diät muss noch eine Weile sein).
    Nur wenige Kilometer weiter spinnten die Jungs, so, dass Roger abgelenkt an einem uns empfohlenen und auf Google Earth gefundenen Platz vorbeifuhr, was die Stimmung auch nicht gerade hob. Dann aber, Wahnsinn, wir kamen in einem Anlauf an einen super Platz, dessen Koordinaten wir der Lisa gaben (ebenfalls aus Google Earth). Hier ist es wunderschön, eine Bucht, nur für uns. Eine Park Alani, die im Bau begriffen ist und eigentlich erst die WC- und Duschhäuschen sowie die Promenade Richtung Dorf schon wirklich stehen. Hier wollen wir nochmals etwas Strand geniessen. Also diesen Platz hätten wir ohne Google Earth-Recherche wohl nie gefunden. Und mit der gratis Übernachtung haben wir die Turkcell-Karte (Prepaid-Abo fürs Internet) auch schon finanziert ;)

    Nach dem ich wieder fit bin habe ich die Fotos aufbereitet und im Blog ergänzt. Die Vergangenen Einträge sind nun also auch mit Fotos dekoriert ;)

    18. September: Aydinicik den ganzen Tag
    Endlich mal wieder eine Velotour, wenn auch nur eine kleine. Bis zum Dorf, also vielleicht fünf Kilometer gesamt. Alles der Promenade entlang, im Dorf durch schöne Parkanlagen, Spielplätze ausprobiert. Später Mittagessen beim Bonabus, Mittagspause, dann Wasserfärbeln, baden (allerdings heute erschwert, da es grosse Wellen hatte).
    Abends schlief Rui für eine Nacht im Führerhaus, denn er hatte wiederholt morgens den ganzen Bus früh aufgeweckt und scheint vergessen zu haben, dass man auch einfach mal still liegen kann… Er schätzt das übrigens, einmal alleine zu sein. Wir tragen uns mit dem Gedanken über einen Trennvorhang im Kinderzimmerbereich.

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  • 19Sep 2012

    48 Anamur Castle, Anamurium, Geschichte, Geschichte 19.09.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    19. September: Anamur Castle, Anamurium, Geschichte, Geschichte
    Schon früh waren wir los, schon bald im Mamure Kalesi, also im Schloss vor Anamur. Ein schöner Bau, noch ziemlich gut erhalten, erinnert an die Castelli von Bellinzona. Mamure Kalesi hatte verschiedene Nutzer, byzantinische, später Kreuzritter und kurz auch ottomanische, die dann noch eine Mosche hineinbauten. Nach ausführlichem Gekraxel in den Ruinen stiegen wir dann durch ein Loch in der Wand quasi den Hintereingang hinunter und kamen auf einen schönen Strand. Hier könnte man Stunden verbringen… doch wir sind wieder mal einfach nur hungrig und gehen auf die Strasse zurück. Hier finden wir eine kleine Lokanta, wo wir zur Vorspeise Gözleme probieren. Die Fladenbrote, in die Schafskäse und Kräuter gepackt sind, begeisterten uns. Aber auch Sis (Schisch)-Kebap und Pouletkebap als Hauptgang schmeckten gut. Der obligate Salat aus Gurken, Tomaten und Zwiebel ebenso. (Wie viele Kilo Gurken und Tomaten wir in der Türkei wohl schon verspeist haben? Die Gurken sind halbsoklein wie unsere Salatgurken, haben aber doppelten Geschmack.)
    Auf der anschliessenden Fahrt durch Anamur musste Trinkwasser gekauft werden. In einem relativ grossen Supermarket kauften wir ein. Roger sorgte dafür, dass unsere Guezlivorräte wieder aufgefüllt wurden. Nebenan sahen wir einen zweistöckigen Allerleiladen. Wir erstanden zwei T-Shirts für Roger (bei einem steht St.Moritz-Polo-Club drauf), eine Stofftasche für Martina, für die Jungs eine gelbe (Luo, der momentan ja extrem gelb liebt) und blaue Tasse (leider hatten wir keinen Erfolg gute Tassen zu kaufen, unsere scheinen je länger je weniger die Hitze zu ertragen).
    Am Nachmittag wanderten wir kreuz und quer durch Anamurium, eine alte Römerstadt, von der das Amphitheater, Badehaus und noch viele Ruinen von Wohnhäusern noch stehen. Wir konnten uns lebhaft vorstellen, wie die Römischen Kinder zur Schule durch die Gassen liefen, in die Palestra zum Sport eilten… Leider durften wir hier nicht über Nacht bleiben. Aber Roger hatte Vorarbeit geleistet und gewusst, wo ganz nahe ein Strand liegt, bei dem man sicherlich stehen konnte. Es windete und fegte den Sand über unseren Bus. Einen Abendspaziergang nach Einbruch der Dunkelheit mussten wir dann aber abbrechen, Luo zitterte vor Angst vor dem gesichteten streunenden Hund.

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  • 20Sep 2012

    49 Side 20.09.2012 Türkei —

    Side, Türkei

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    20. September: Wann lässt bloss die Hitze nach?
    Heute war‘s wieder zu heiss, allen vieren. Über dreissig Grad, eher gar über 35 Grad. Dazu kam, dass wir ins Tourismusgebiet „mussten“… und da hat es für Individualtouristen nicht immer viele Möglichkeiten. Aber davon später.
    Morgens fuhren wir ab und genossen die steile Küstenlandschaft bis Alanya. Zu denken gibt der türkische Strassenbau. Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, Brücken und Tunnels zu bauen, so kommt einem als Schweizer doch Pro Natura und WWF in den Sinn, wenn man diese gewaltigen Erdbewegungen sieht. Roger wüsste gerne, wie das geplant wird. Werden die Böschungen wirklich gerechnet oder wohl eher einfach abgegraben, in verschiedenen Levels? Wenn dann einiges aberodiert kann es ja wieder weggekarrt werden. Steile Bachbetten hingegen können aufgeschüttet werden, bis der Boden genügend dicht erscheint, darüber eine Strasse zu bauen. Oder wie genau wird das geplant? Und werden die durchgehend vierspurigen neuen Strassen wirklich ausgelastet sein? Dort, wo noch die alten, zweispurigen stehen, ist man beinahe für sich alleine auf der Fahrt, also auch die scheinen nicht gerade überlastet zu sein. (Liebe Leser, wer was über den Strassenbau in der Türkei weiss, schreib uns doch bitte, interessiert uns! Seit Ankara stellen wir diesen Bautrend fest. Bis Göreme war die Strasse neu, da sind wir mit neunzig auf leeren Strassen gebrettert. Über Derinkuyu und Güzelyurt war noch einiges alte Strasse. Aber runter von Demirkazik und im speziellen Gukurbag bis zur Autobahn, das war ebenfalls eine einzige Baustelle. Nun hier die Küste gen Westen. Nicht vorstellbar, was das für den Tourismus heissen wird! Anstelle von der alten schönen Küstenstrasse, muss man bald über eine vierspurige Hochleistungsstrasse brettern und die Küstenstrasse hat ihren Reiz verlohren. Dafür wird Der Küstenabschnitt von Alanya bis Mersin wohl bald von der Touristenwalze überrollt, verschandet …
    In einem Tal, das voll von Bananenpalmen war, machten wir halt und spazierten durch die Plantagen. Hier in der Umgebung von Anamur werden speziell gute Bananen angebaut. Sie sind höchstens halb so klein wie die bei uns bekannten. Aber mehr als doppelt so gut! Ich habe an einem Tag drei Stück gegessen (und wer weiss, wie „sehr“ ich Bananen mag, weiss auch, was das über die Bananen aussagt!). Auf jeden Fall waren die gekauften zwei Kilos am Abend weg…
    Nach zweieinhalb Stunden hatten wir gerade Alanya durchquert, Geld abgehoben und Wasser bei einer Tankstelle gebunkert. Etwas später hielten wir bei der Park Alani, die Roger gegoogelmapt hatte. Die war aber gebührenpflichtig und bei weitem der einzige Camping. Zwischen all den Hotelkomplexen scheint denen der Kopf verdreht worden zu sein, die haben 50 TL verlangt! Was wir natürlich zu zahlen nicht bereit waren (25 Schweizerfranken). Tja, blieb uns nichts übrig als halbverungert den Eintopf, der im Bett schlummerte und warmgehalten wurde, im Schatten am Strassenrand dieser lauten Strasse zu essen. Die Jungs waren nach dieser hitzigen Sache (puh, wir hatten eine halbe Sauna im Bus) und der verhältnismässig langen Fahrt nicht mehr gerade angenehm als Mitfahrer und mangelnde Bereitschaft etwas daran zu ändern beschwörte ein väterliches Donnerwetter herauf. Wenigstens konnte ich durch den kommenden nervösen Verkehr bis nach Side (40 Minuten) ohne einen Ton von hinten durchfahren. In Side hatte Roger einen Punkt gespeichert. Es stellte sich heraus, dass er unmögliches vollbracht hatte und in dieser Hotelanlagenstadt einen Strand gefunden hatte, der wildes Campieren und Ruhe ermöglichte. Natürlich sahen wir uns das Amphitheater an, bevor wir uns im Wasser abkühlten und am Strand picknickten.

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  • 21Sep 2012

    50 chaalts Wasser, Fisch und so 21.09.2012 Türkei —

    Karabük, Türkei

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    21. September: Was geschieht wohl mit Eltern, deren Kinder mit einem Stein jemanden erschlagen haben?
    Diese Nacht hatten wir dann doch nicht die gewünschte Ruhe. Irgendwann fuhr ein Auto vor, die Insassen öffneten alle Türen (stiegen aber nicht aus) und hörten in voller Lautstärke türkische Musik, mindestens eine Stunde lang. Wenigstens war die Musik nicht schlecht, und so gelang es uns, weiterzuschlafen.
    Morgens waren wir schon gegen neun unterwegs dem Strand entlang Richtung Side. Zuerst kauften wir mal wieder einen Haufen Postkarten. Dann schlenderten wir durch das Viertel des Tourismus¬hafens. Hier haben wir, als Individualtouristen und Ruhe und ein bisschen Einsamkeit (oder wenig Leute Liebende) den gelebten Tourismus als Parodie erlebt (Es soll sich bitte niemand gekränkt fühlen, von unseren Lesern. Gut, wenn ihr ALL INCLUSIVE Angebote mögt, denn wenn jeder mit einem Bus auf der Jagd nach schönen Plätzchen wäre, hätte es bald überall Schranken auf zwei Meter Höhe wie in Südfrankreich). Mir ist beim Anblick der nachgemachten Piratenzweimaster, vollgepackt mit Touristen, oftmals sonnenbrandrot vom Vortag ein Gedicht in den Sinn gekommen, das wir mal beim Englischfässler schreiben mussten, in der ersten Kanti. Es handelt zwar von einem U-Boot, aber gilt sicher auch für ein Touristen-Cruiser: „ A little sardine saw her first submarine. She was scared as she watched it. Oh come, come, come, said the sardine’s mum, it’s only a tin full of people.“
    Später badeten wir ausgiebig, assen dann vor dem Bonabus und machten uns mit schlafenden Jungs auf den Weg Richtung Köprülü Kanyon. Die Landschaft war wunderbar. Nur, ich als Fahrer musste immer der Gefahr eines vollbesetzten Reisecars grösster Grösse gewahr sein, der auf den für einmal schmalen Strasse gerne auf meiner Seite um die Ecke geschossen kam (wohl um den Hotelznacht unten in Antalya & Co. Nicht zu verpassen.)
    Irgendwo, nahe bei dem auf dem GPS von Roger vorgemerkten Plätzchen hielten wir bei einem kleinen Restaurant, sassen über den Stromschnellen in einem romantischen Häuschen, sahen den Raftern zu und assen Forelle und Köfte. Ganz in der Nähe liessen wir uns anschliessend für die Nacht nieder. Roger versuchte sich im Fischen (und angelte gar eine Bachforelle, in Rekordzeit), die Jungs spielten und bald kam die Dunkelheit.

    22. September: Wunderbar am Bach
    Auch heute wurde es dreissig Grad warm. Allerdings für uns viel erträglicher als an der Küste. Wir scheinen wirklich mehr für die Berge geschaffen.
    Morgens spielten die Jungs mit den Legomännchen und Tieren. Roger übte sich mit geringerem Erfolg als gestern beim Fischen (Bei so ausgetrockneter Erde findet man einfach fast keine Köder…). 180 Raftingboote passierten unser Plätzchen zwischen zehn und zwölf. Luo legte für jedes Boot einen Stein in einen Behälter, manchmal musste ich ihm helfen, so viele kamen auf einmal. Rui spielte mit der gemeinsam nachgespielten Situation: Wir bauten einen Fluss, die Crocs waren Schlauchboote, wir hatten das Duplokrankenauto und eine Lasti als Cars, die die Touristen anlieferten, ein Traktor mit Anhänger wartete weiter unten, bis er die Böötli wieder raufbringen konnte. Rui und Luo (als Duplomännchen) spielten am Ufer, Roger stand im Fluss und fischte.
    Um zwölf hatten wir genug, genug Sonne, genug Raftingböötchen beobachtet. Wir gingen zur kleinen Gözlemebude beim Kiesplatzt, auf dem der Bonabus steht und weil es so gut schmeckte, assen wir zu viert gleich fünf Gözleme (Fladenbrot mit Schafskäse und Kräutern), die auf dem Holzkohlenofen gebacken worden waren. Danach spazierten wir zwecks Verdauungsförderung und aus Neugierde etwas Flussaufwärts, sahen die Restaurants, die die Rafter mit Essen versorgten, bevor sie abfuhren, einen Felsen, von dem sie mutige Sprünge ins eisige Wasser vollführten und als Tatzelwurm durch tiefe Becken wateten (das Geschrei dabei kann man sich vorstellen). Wenn man so ganz unbeteiligt ist, mutet diese Begeisterung für dieses exzessive „Rafting“ hier doch etwas gestelzt an. Von der Idylle des Flusses bleibt so sicherlich wenig. Ganz anders als im guten alten Ruinaulta jedenfalls. Verstehen kann man hier allenfalls die anwohnenden Türken die das Maximum für ihr Portemonnaie dabei herauszuholen scheinen.
    Nach einer konstruktiven Mittagspause, gekrönt von einem Pudding, der Roger gezaubert hatte (meine Versuche konnte man bisher wegwerfen, das Puddingkochen mit Gas ist noch viel anfälliger als auf elektrischem Ofen), der allerdings vor allem bei uns Erwachsenen Anklang fand und von Luo gänzlich ignoriert wurde, machten wir uns unsererseits auf den Weg ins eisige Wasser. Es galt die tagealte angehäufte Salzschicht vom Mittelmeer wegzuwaschen. Nach einigen zaghaften Versuchen der Jungs es unseren heroischen Tauchgängen gleichzutun und ebensolchen bestärkenden Loben unsererseits watete Luo plötzlich los, über einen Seitenarm des Flusses. Wir hinterher, worauf wir dann alle bis an die Ohren nass waren, da es doch noch ordentlich tief wurde. Nur gut, dass die bereitgelegte Solardusche wunderbar aufgeheizt war. Wir schamponierten uns mit dem mitgebrachten umweltverträglichen Mittel und duschten uns unter fragenden Türkenblicken ab (schliesslich ist heute Samstag und einige waren am Ufer und picknickten).
    Nach der gebratenen Forelle (Rogers Fang gestern), Reis und Auberginengemüse, nachfolgend auf einen frischen Gurken-Tomatensalat mit Oliven und Zwiebeln, wuschen die drei Männer ab (noch mehr fragende Blicke von überall) und ich räumte im Bus auf. Anschliessend hörten die Kinder bedächtig zu, als ich die zwei längsten mitgebrachten Bilderbücher vorlas („Wir Kinder von Bullerbü“ und „Die Kinder vom Jangzekiang“). Nach einigen unverständlichen Blicken und Einwänden von Ruis Seite habe ich begonnen, nun alles auf Hochdeutsch vorzulesen und nicht mehr simultan zu übersetzen. Schliesslich ist Hochdeutsch Kindergartensprache und Rui soll mindestens in der Beziehung auf der Reise nichts verpassen. Heute Abend scheint Luos tagelange Erkältung und Husten in der Nacht nun in einem Fieberschub gegipfelt zu haben. Mal sehen, was Anas Barbariae und ein gesunder Nachtschlaf ausrichten können.

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  • 23Sep 2012

    51 Bonabus goes climbing… 23.09.2012 Türkei —

    Eğirdir, Türkei

    Beschreibung

    23. September: Bonabus goes climbing…
    Schon um neun Uhr (noch kein Tourist ausser uns weit und breit) querten wir die nahegelegene enge, antike Steinbrücke. Es war massarbeit, Roger (also der Bonabus) hatte nur noch Zentimeter auf beiden Seiten. Ich hielt den Atem an. Dann wollten wir mal runtersehen und stiegen aus. Da stand Yassir, der uns davon überzeugte, dass wir diesen Abschnitt des Canyony von unten sehen mussten. Wir folgten ihm ein kleines Steinwegchen hinunter (mit Crocs) und bestiegen ein altes Rafting-Schlauchboot. Keine Angst, nicht um runter in die Schnellen zu fahren. Yassir zog uns an den fix gespannten Seilen durch den Canyon, einige wunderbare hundert Meter. Felswände zu beiden Seiten… ein Canyon eben. Vor dem nächsten unruhigen Abschnitt des Wassers steigen wir aus und besichtigten zu Fuss eine Höhle, aus der eine Quelle sprudelte. Roger ging hier sogar baden (Wassertemparatur gemäss Yassir 11°C)!
    Zurück im Bonabus fuhren wir weiter. Lisa zeigte etwas mehr als 2.5 Stunden. Wir bezweifelten dies aber, da wir auf der Karte gesehen hatten, wie die Gegend hier wirkt. Und wirklich, wie damals in Rumänien benötigten wir beinahe das doppelte der GPS-Angabe. Dafür war die Gegend einfach wunderbar. Einsam, Schluchten, Bergflanken, Pass an Pass… Irgendwann kauften wir in einem kleinen Ort Brot, irgendwann verspiesen wir dieses im Schatten des Bonabuses, nachdem wir uns etwas die Beine vertreten hatten, irgendwann aber, nach mehr als zwei Stunden, plötzlich: Ein Schild. Was es bedeutete? Keine Ahnung (zumindest zunächst), war türkisch. Dann aber: Die Strasse ist unterbrochen. Was nun? Einige hundert Meter führt eine wagenbreite Piste von der Strasse hinunter, schient tief die Bergflanke runter zu führen. Sicherlich zu einem Dorf, das steht auf einem kleinen Wegweiser. Und sonst? Roger möchte es versuchen. Irgendwo gabelt sich die Piste, der eine Weg schient wieder etwas nach oben zu führen. Keinerlei Beschilderung. Roger meint: Das ist sicher die Umleitung, schaut aus, als ob hier momentan schwere Lastwagen entlangkämen. Also biegt er nach oben ab. Mit Sperrdifferenzial kommen wir durch. Treffen einen Hirten, fragen, ob es hier nach Egirdir gehe. Er scheint das zu bestätigen. Und dann plötzlich: Wir stehen wieder auf der Strasse! (Und mussten nicht umdrehen, wie auch immer wir das angestellt hätten). Sobald beide Jungs wieder wach sind, machen wir eine Teepause und um uns zu belohnen gibt es mal Chips dazu. Der Fahrer wird gewechselt, Lisa zeigt immer noch mehr als eine Stunde, unsere Tanknadel steht schon länger auf rot (Warnlicht leuchtet noch nicht und wir wissen, dass wir einen 20l Kanister gefüllt im Kofferraum mitführen.) Unerwartet wird die Strasse besser, auch kommt plötzlich im Nichts eine Tankstelle und später wird die Strasse gar wieder zweispurig. Nach Egirdir brauchten wir schliesslich nach der Teepause weniger Zeit als vom GPS berechnet (dank den strassenbauwütigen Türken, bei denen Garmin nicht mit Aktualisieren nachkommt).
    In Egirdir treffen wir auf WOMO-Führer-Gebiet und haben gleich drei Stellplätze zur Auswahl. Ungewohnter Luxus, ach ja, einen Camping gäbe es auch noch. Wir wählen den Platz nahe bei der alten Innenstadt, mitten auf einer Halbinsel, kochen (Roger und ich), Lego spielen (Jungs) und essen. Anschliessend spazieren wir noch eine geraume Zeit in der Dunkelheit durch die Gassen und am riesigen See entlang. Die ungewohnten langen Hosen und Pullis fühlen sich fremd an, aber hier sind wir auf tausend Meter über Meer und eigentlich schätzen wir die Kühle.

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  • 24Sep 2012

    52 Egirdir Städtchen und See 24.09.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    24. September: Egirdir Städtchen und See
    Roger steht um vier auf. Leider hat er um halb acht, als unser Wecker klingelt, trotzdem keinen Fisch gefangen. Das Ködersuchen ist hier auch aussichtslos. Würmer oder ähnliches ist Meilenweit in der Erde vergraben. Hey, falls hier einer der Bündner Fischer einen Tipp hat, der in der Türkei nutzen könnte, lasst doch hören, Brot und Teig scheint den Fischen hier nicht zu schmecken…
    Wir spazieren am Morgen durchs Städtchen, kaufen verschiedene Dinge: Stoff für eine Zimmerabtrennung des Kinderzimmers, einen Grill, Schlauchverbindungsstücke für eine Optimierung der Solardusche. Am Mittag gönnen wir uns mal wieder Dürüms, alle sind happy. Nachmittags fahren wir 19 Minuten und sind ausserhalb, an einem Public Beach, einer Picknick Alani also. Wir baden im unerwartet warmen See, grillen danach ausführlich. Kurz gelingt es Nani und Neni über Skype anzurufen, doch wir brechen ab, die Verbindung hier in der Pampa ist zu langsam.

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  • 25Sep 2012

    53 Merhaba 25.09.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    Der gestern genähte Vorhang wird aufgehängt und unsere Jungs sind nun stolze Besitzer von eigenen Zimmern. Wir spielen den ganzen Morgen Kubb, nehmen’s gemütlich. Nach dem Mittagessen wollen wir gerade losfahren, da kommt ein kleines blaues Auto. Der Fahrer (Kagan Gönenc) ist entzückt: Ein Bündner Nummernschild! Er hat vor zehn Jahren 4 Jahre im Baugeschäft in Chur gearbeitet. Er lädt uns zum Tee ein. Wir folgen ihm ins nächste Dorf, wo er wohnt. Wir werden königlich bewirtet: Oliven, Käse, Brot, Gurken, Tomaten, Obst, Baumnüsse, jede Menge Chai (Schwarztee). Nur leider bringt ausser unser Nimmersatt Rui niemand mehr wirklich etwas runter (kommen ja gerade vom Mittagessen).
    Später fahren wir weiter. Die Strasse ist viel besser als im Womoführer beschrieben und extrem besser als die von vorgestern. Wir sind bald am ersten Plätzchen, das im Führer vorgeschlagen wird. Leider ist es nicht brauchbar, dem Strassenbau zum Opfer gefallen. Das zweite Plätzchen trägt ein deutsches Schild: Zutritt verboten. Da haben sich wohl zu viele Womo-Reisende niedergelassen…
    Wir fahren weiter, wollen aber nicht mehr weit, Rui scheint es nicht besonders gut zu gehen. So biegen wir bald in einen Seitenweg und stehen alsdann vor einem Alabalik(Forelle) –Restaurant. Roger steigt aus und will auf Türkisch fragen, ob wir hier essen und danach über Nacht stehen können. Der Wirt empfängt ihn auf Deutsch. Wir bleiben. Rui liegt beim Essen, das mal wieder auf Kissen über dem Wasser stattfindet, auf meinen Beinen, er hat ziemlich hohes Fieber.
    Luo spielt mit dem kleinen Knaben des Restaurantbesitzers. Bei haben freude an der türkischen Begrüssung "Merhaba".

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  • 26Sep 2012

    54 The Paradise 26.09.2012 Türkei —

    Tekirova, Türkei

    Beschreibung

    26. September: Paradise at Sundance
    Morgens in der Früh sind wir alle froh, dass es Morgen ist. Jedes Mami und wohl auch die meisten Papis kennen das, nämlich immer dann, wenn man wegen den Kindern nicht schlafen konnte, sie pflegt und so den grössten Teil der Nacht durchwacht. Kommt dann der Morgen, sieht alles immer gleich viel besser aus. Wir Erwachsenen sind mit einem Schlag weniger müde, oftmals geht es auch dem kranken Kind besser, hat es in den frühen Morgenstunden doch endlich etwas erholsamen Schlaf gefunden. Dazu kam noch unser Luo, quirlig und vergnügt und hat von allem nichts mitgekriegt. Also frühstückten wir drei, während Rui wenige Schlucke von seinem Tee nippte. Später kam der Wirt zum Restaurant und wir konnten für unseren Patienten Cola kaufen. Dies machte Rui gleich doppelt fit, er freute sich richtig, das sonst „verbotene“ Getränk trinken zu dürfen.
    Gegen zehn war alles aufgeräumt und geputzt, die Männer hatten gar zu dritt einen kurzen Spaziergang zu den nahen Fischern unternommen. Unsere Fahrt ging die letzten Höhemeter hinunter Richtung Antalya. Vor noch nicht so langer Zeit hätte ich diese Fahrt als Fahrerin nicht gemanagt. So aber hielt ich eisern und in gemässigtem Tempo meine Spur, während um mich herum die zweispurige Fahrbahn auf meine Richtung bei den Lichtsignalen plötzlich vierspurig wurde, nur um gleich darauf bei grünem Licht systemlos wieder in zwei Spuren weiterzubrausen. Irgendwann waren wir aus diesem Moloch draussen. Ich war froh, dass wir bald einen Migros ansteuern konnten, auch da sich der Schlafmangel langsam sehr bemerkbar machte. Nach getanen Einkäufen tuckerte Roger noch eine halbe Stunde auf der D400. Gegen Mittag kamen wir zum Zeltplatz Sundance (www.sundancecamp.com). Es war, als kämen wir ins Paradies. Palmen, riesige Pinien, Strand, leere Bucht, Granatapfelbäume, Olivenbäume, Gras… und, wohl das Bemerkenswerteste: nirgends Abfall! Falls irgendjemand mal nicht weiss, wohin in die Ferien: Hier gibt es Bungalows zu mieten, mit Badezimmer. Oder kleine Baumhäuser (ohne). Die Zeltplatzcrew kommt und holt Touristen am Flughafen ab. Es gibt Halbpension im kleinen Restaurant, was, wie wir hören, wirklich fein ist. Vergewissert euch doch auf den Fotos.
    Nachmittags machten wir nicht mehr viel. Ich döste in der Hängematte, die Jungs und Roger machten eine Mountainbikefahrt durch das weitläufige Zeltplatzgelände, sagten Hühnern, Hunden und Pferden guten Tag, grüssten Fische und Flusskrebse. Gegen Abend kochten wir einen scharfen Pouletwok und Reis, und sogar Rui ass, hungrig von den nachmittäglichen Aktivitäten hatte er sogar die gefürchteten Folgen des Essens vergessen…

    27. und 28. September: Wunderbares Strandleben
    Einen richtigen Campingtag hatten wir schon lange nicht mehr. Die Wäsche gewaschen und aufgehängt (15 TL pro Maschine Gebühr ist druchschnittlich), gehörte zum Service hier, wir mussten nur noch zusammenlegen. Heute spielten wir Kubb, stellten die Slackline auf, badeten und gegen Abend liessen wir uns mit einem gemieteten Boot vom Zeltplatz über die Bucht bringen, wo wir schnorchelnd die Riesenschildkröten beobachteten. Caretta Caretta ist hier noch an einigen Stränden heimisch.
    Am Tag darauf slacklinten wir nochmals ausgiebig, bevor wir mit Wanderschuhen ausgerüstet den kleinen Hügel Richtung Phaselis erklommen. Die Ruinenstadt der Römer ist noch in gutem Zustand, der Strand daneben aus wunderbarem Sand. So kehrten wir erst als unser Picknick gegessen und das Mittagschläfchen im Schatten einiger Bäume gehalten, Schwimmversuche geglückt und wir alle müde waren auf gleichem Weg zum Camping zurück. Die Jungs mountainbikten nochmals, langsam dachten wir ans Abreisen. Hier findet ab kommendem Montag für vier Tage ein Jonglierfestival statt, schon jetzt treffen laufend Leute ein. Es werden die zwei Wochen des Jahres sein, in denen hier extrem viel läuft. An die vierhundert Leute werden erwartet. Die Charme des Platzes verändert sich infolge des Festivals. Es treibt uns weiter.

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  • 29Sep 2012

    55 Cirali 29.09.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    29. und 30. September: Langer Strand von Cirali bis nach Olympos
    Das Morgenessen mussten wir in langen Kleidern einnehmen, was aber niemanden stört, im Gegenteil. Sobald dann nämlich die Sonne durchbricht ist es sofort wieder dreissig Grad. Gemütlich sind wir heute etwas mehr als eine halbe Stunde nach Cirali gefahren. Die D400, die Strasse, die uns seit Mersin begleitet, verläuft hier zweidrei Kilometer weg von der Küste, von dieser durch kleine und grössere Bergen und Klippen sowie wunderbaren Buchten getrennt. Die Bucht von Cirali ist eine davon (übrigens auch sie sehr empfehlenswert für einen Wochenaufenthalt oder so, kleine Pensionen). Wir finden einen Platz direkt am Strand, am Ende der Riesenbucht. Es stehen hier schon andere Wohnmobile, wir stellen uns aber absichtlich etwas abseits, unter einen riesenhaften Baum, in die Nähe eines türkischen Büsslis, das ähnlich wie der Bonabus selbst umgebaut ist. Mit Nurcan und Orman, die, wie es Orman ausdrückt ebenfalls eine Jahres-Career-Break geniessen werden wir die nächsten zwei Abende Tee- und Kaffeetrinkend verbringen und interessante Gespräche führen.
    Den 29. September verbringen wir mit Baden im klaren Wasser des Kies-Sandstrandes. Gegen Abend grillen wir mit unserem türkischen Grill, der sich echt als Glücksgriff erweist. Später fahren wir vier Minuten bis zum Parkplatz der Chimera-Flames. Nach zwanzig Minuten auf in riesen Stufen aufwärts führendem Weg erreichen wir das untere Flammenfeld. Wir betrachten die Gasflammen. Rui überlegt sich, wer wohl eine Gasflasche unterhalb der Felsen angebracht hat. Darob wird es dunkel, was die Flammen noch imposanter macht. Mit Stirnlampen ausgestattet treten wir anschliessend den Rückweg zum Bonabus an. Richtung Strand nehmen wir ein englisches Päärchen mit, das froh ist, nicht den ganzen weg Laufen zu müssen.
    Am dreissigsten September haben wir uns Olympos vorgenommen. Wir wandern den Strand entlang. Leider hat Rui seine gute Wanderphase wieder vorübergehend unterbrochen und wir hören vorwährend Gejammer und Gemotze seinerseits. Verständlich, dass dies unsere allgemeine Stimmung nicht wirklich bessert. Die Besichtigung der Ruinen von Olympos reisst ihn dann aber wieder mit. Luo und Rui spielen römische Marktstände und brüllen Lateinische Wortfetzen (die mir gerade noch in den Sinn kommen), gemischt mit den wenigen Sätzen Englisch und den türkischen Worten, die sie beherrschen (türkisch zählen bis zehn, Betteljungenszene mit NEIN (hayer) nachspielen; Englisch: How are you? Fine. What’s your name? Where are you from?)
    Nach den Ruinen begeben wir uns wieder an den Strand runter und erfrischen uns im wunderbaren Meerwasser. Unsere zwei Tauchfische haben die Taucherbrillen montiert und auch Luo gelingt es immer besser im Wasser zu gleiten und die Füsse vom Grund zu lösen. Den grossen Hunger stillen wir in einem der zahlreichen Restaurants auf dem Strand, die jetzt, Ende September leer sind. Wir essen verschiedene türkische Pizzas (Pide) und einige Mezzes und kugeln danach richtiggehend zu einem kleinen Market, wo wir einkaufen. Leider verpassen wir den kurzen Fussweg bis zum Bonabus, was uns aber durch Orangenplantagen (noch grün und unreif) und Granatapfelbaumbestände führt (reif und neben Kaktusfeigen derzeit Luos Lieblingsfrucht).

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  • 01Oct 2012

    56 Piratenbucht 01.10.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    1. Oktober
    Morgens wird das „Atelier“ aufgebaut, die Wasserfarbkästen, Sägen und Hammer herausgeholt. Vor dem Mittag liegt dann nur noch eine Abkühlung drin. Nach dem Essen fahren wir wieder hinauf auf die D400, die wir aber nach wenigen Kilometern westwärts wieder verlassen. Irgendwo auf der Strecke bunkern wir Wasser an einem Wasserhahn mit viel Druck (frisches Bergwasser), später kauft Roger einige Dinge in kleinen Markets. Die Jungs wachen aus ihrem Mittagsschläfchen auf, das sie gerne machen, wenn wir zu dieser Zeit fahren. Die Abfahrt nach Karaöz ist gigantisch. Das Meer leuchtet uns blau entgegen, die Kiefernwälder sind hellgrün, nur spärlich ist alles besiedelt. Trotzdem nehmen wir den von Oman und auch dem Womo-Führer empfohlenen Feldweg und fahren noch weiter. Irgendwann hört der Weg auf, es ist aber genügend Platz zum Kehren und so gelangen wir an eine kleine Piratenbucht. Einsam hier, wenn nicht gerade drei türkische Männer des Abends mit ihrem Pickup, elektrischem Licht und lauter Musik eine Miniparty veranstalten, was dann mit steigendem Alkoholkonsum beinahe etwas ungemütlich für uns wird.
    Wir treffen hier aber auch auf drei Russen, die den lykischen Weg wandern und ihrerseits die Einsamkeit geniessen, ihre Zelte abseits im Wald aufbauen und morgens bald wieder abwandern. Und ein türkischer Harpunenfischer zeigt uns seinen Fang des heutigen Tages und schenkt den Jungs je einen Fisch. Das passt gut zum chinesischen Wokgericht, das wir auf Ruis Wunsch im Sinn hatten.
    Heute ist übrigens ein Feiertag für uns: Ein Viertel unserer Reisezeit ist vorbei! Natürlich feiern wir das mit einem würdigen Apéro.

    2. Oktober: Karaöz und im Speziellen Korsanköy
    Die Piratenbucht erscheint im Morgenlicht wieder richtig friedlich. Dies ist gut so, denn in der Nacht hatte das zwischenzeitlich noch ganz anders ausgesehen. Drei türkische Männer um die fünfzig hatten hier spätabends ein pubertär anmutendes Fressgelage mit grossem Feuer, lauter Musik aus dem Pickup, Raki (Schnaps). Anfangs waren sie sehr freundlich, schenkten uns gar ein bisschen ihres frittierten Fisches, irgendwann kippte die Stimmung. Als sie dann um Mitternacht abzogen, kamen Leute auf einem unbeleuchteten Boot und machten in der nahegelegenen Höhle ein Feuer. Wohl nur Fischer, die sich einen Kaffee brauten. Komisch trotzdem.
    Wir frühstücken vor dem Bonabus und riechen die nahen Mülltonnen. Es hat in der Nacht geregnet und nun verdampfen die Abwässer. Die Stimmung ist nicht gerade in Höchstform. So ist die Idee getrennte Wege zu gehen nicht schlecht. Roger und Luo gehen fischen. Rui spielt extrem lange vor dem Bonabus für sich und braucht mich gar nicht. Die zwei Jungs kleben schon richtiggehend aneinader, sind nie alleine. Seit drei Monaten haben sie beinahe nur noch mit dem Bruder gespielt (richtig gespielt, Bekanntschaften hatten sie ja schon), ein bisschen Abstand ist nicht schlecht.
    Nach dem Mittagessen kommt der Harpunenfischer von gestern, der hier heute weitergefischt hatte. Selcuk ist sein Name, Roger lädt ihn zum Tee ein, was ihn sichtlich erfreut. Obwohl wir nicht wirklich Türkisch können, und Selcuk nur wenig Englisch, haben wir ein nettes „Gespräch“. Eigentlich spannend, dass man sich auch nur mit minimaler Verständigung eine Freundschaft aufbauen kann. Wir beschliessen abends in seinem Restaurant einen seiner Fische essen zu gehen. Rui und ich gehen die drei wunderschönen Kilometer der Küste entlang, Roger und Luo fahren. Rui trägt übrigens das Gotti-Hütchen aus Südafrika und sagt: Heute will ich das Gottihütchen und an mein Gotti denken.
    Der Fisch in Karaöz ist übrigens spitze, unsere Jungs ebenfalls, wie sie sich da benehmen und der Platz am Strand zum Schlafen ist auch nicht ohne. Als Abschiedsgeschenk bekommen wir von Selcuk noch drei riesige Granatäpfel – die grössten, besten die wir in der Türkei je gegessen haben.

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  • 03Oct 2012

    57 Myra und Samichlaus 03.10.2012 Türkei —

    Demre, Türkei

    Beschreibung

    3. Oktober: Myra, römische und lykische Ruinen
    Rui und Luo tauchen im Meer, ich schiebe Aufsicht, während Roger nach Koranköy zurück läuft (joggt) um nach dem irgendwo versenkten GPS zu suchen (leider erfolglos). So fahren wir etwas später als vorgesehen der Küste entlang gegen Westen. Wir entdecken von oben mehrere schöne Übernachtungsgelegenheiten, wollen heute aber weiter, sollen ja am 9. Oktober in Bodrum sein, was noch einige hundert Kilometer bedeutet. Tagesziel sind die Ruinen von Myra. Bis dahin halten wir aber mehrfach, für Einkäufe, Pinkelhalte und auch irgendwann um ein Mittagessen zu kochen. Irgendwo wird gerade mal wieder Strasse gebaut. Unserer Aufmerksamkeit entgeht dabei, wie frisch der Flüssigbitumen ist, der hier jeweils mit grossen Tanklastwagen wie Güllle draufgespritzt wird um den Schotter zu tränken. Danach wird eine Schicht Schotter aufgetragen, der dann von dem Verkehr eingefahren wird. So bildet sich eine unheimlich rauhe Strasse (wohl zur Hitzebeständigkeit der Strasse beitragend). Der Bonabus sieht nach besagtem Strassenabschnitt aus wie eine Katastrophe. Die Herren an der Tankstelle/Waschanlage sehen zuerst ratlos aus. Dann wird Vif geholt und die untere Hälfte des Bonabuses mit einem Handbesen eingerieben und mit Hochdruck abgespritzt. Dennoch stinken wir immer noch unüberriechbar, als wir beim Parkplat von Myra in Demre ankommen. Wir schoppen einige Souvenirs, besichtigen die Ruinen und geniessen ein Eis. Luo ist enttäuscht, dass die lykischen Grabkammern, die er in der Felswand von unten sehen konnte, nicht begehbar waren (Klettern verboten). Später fahren wir einige wenige Minuten bis zum Sandkiesstrand, wo wir uns für die Nacht einrichten. Zur Abwechslung wird nun Rui von Mücken geplagt. Er meint: Warum können wir nicht in ein Land reisen gehen, das keine Mücken hat? Lieber Rui, so einfach ist es nicht… Wer Sommer will, Wassernähe…

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  • 04Oct 2012

    58 Seafood 04.10.2012 Türkei —

    Kaş, Türkei

    Beschreibung

    4. Oktober: Strand am Morgen und Seafood am Abend
    Den Morgen beginnen wir auch hier mit einem Bad im Meer. Erfrischt gehen wir danach im Städtchen Demre umher und erfreuen uns an der Authentizität. Zumindest, bis wir die Strasse mit dem ganzen Traritrara um den ehemaligen Bischof von Myra (Samichlaus) erreichten, da wimmelte es dann wieder… Irgendwo assen wir Dürüms, kauften an einem Gemüsestand ein – Rui kauft Bohnen, Luo von den kleinen guten Salatgurken und Peterli. Beide tragen stolz ihre Einkaufstüten nach Hause.
    Nach genau einer Stunde Autofahrt treffen wir im bildhübschen Kas ein. Der gebührenpflichtige Parkplatz direkt am Hafen entspricht unseren Bedürfnissen. Wir gondeln zu Fuss durch die Strassen, kämpfen zur Abwechslung mit Luos Launen und Trotzanfällen. Später finden wir ein Restaurant, wie wir es uns schon länger nicht mehr geleistet haben. Nach einer Meze-Platte (türkisch Vorspeisen) kommt die grosse Seafoodplatte: Calamares, Oktopus, Fisch, Scampi… Wir schwelgen in diesen Genüssen und sehen gleichzeitig von der Terrasse aus den beeindruckenden Sonnenuntergang auf der gegenüberliegenden Hafenseite. Die schwarzen Wolken, die von den Bergen einziehen wirken bedrohlich, Regen kommt aber keiner.

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  • 05Oct 2012

    59 Geisterdorf 05.10.2012 Türkei —

    Kayaköy, Türkei

    Beschreibung

    5. Oktober: Frisches Brot zum Frühstück
    Roger und Rui brechen bei Weckergeklingel um halb sieben auf und holen frisches Brot von diesem türkischen luftigen Brot, das mindestens die Grösse eines CH-Pfünders hat und gerade mal 250 Gramm wiegt. Bevor wir Stunden später aufbrechen, wagen wir einen Grosseinkauf im Städtchen. Leider geht just im Augenblick des Ausdruckens der Visacardüberweisung bei der Zahlung das Papierröllchen zu Ende. Wir müssen lange warten, bis klar ist, dass alles geklappt hat.
    Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir Kayaköyü. Es ist beeindruckend, dieses Geisterdorf von 3000 Häusern, das 1923 im Zuge der Gebietsverteilung zwischen Griechenland und Türkei anlässlich des Vertrages von Lausanne nach dem ersten Weltkrieg aufgegeben wurde und dessen christliche Bewohner nach Griechenland (und einige wohl auch nach Australien) übersiedelten. Wir verbringen hier gute Zeit und klettern mit unseren Wanderschuhen auf den Ruinen herum, versuchen uns vorzustellen, wie das hier alles ausgesehen hatte (und, für einmal keine römische Ruinen. Hierbei bemerkt Luo übrigens: Die hatten aber gar nicht viel mehr als die Römer früher (kein Auto, kein Strom, dafür Kutschen…)
    Gegen Abend fahren wir die wenigen verbleibenden Kilometer zur Küste zurück. Die Bucht, die wir uns vorgemerkt hatten, ist wie erwartet kostenpflichtig. Nicht erwartet ist die Höhe der Kosten. Tja, wir fahren jetzt nicht mehr weiter. Die ersten Tropfen eines kräftigen Schauers, gar versetzt mit Hagelkörnern, fallen bereits. Mit vereinten Kräften stellen wir Vorzelt, Tische und Grill auf. Während der Regen prasselt, sitzen wir am rauchenden Grill, braten Pouletschenkel und Gemüse und sind zufrieden. Einzig getrübt wird die Idylle durch das Rattern des nahen Stromgenerators, den wir hier als einzige nicht brauchen (gelobt seien unsere Sonnenkollektoren).

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  • 06Oct 2012

    60 Schlammbad 06.10.2012 Türkei —

    Akyaka, Türkei

    Beschreibung

    6. Oktober: Schlammig und stinkig sind (waren) wir!
    Am Morgen geniessen wir ein Bad am Strand. Das erste Mal seit langem haben die Jungs danach richtig blaue Lippen. Die Lufttemperatur hat abgekühlt und eigentlich geniessen wir das. Roger und ich schnorcheln abwechseln (ich etwas weniger, Schisshase) und wechseln uns bei der Schwimmfischbeobachtung ab (Rui und Luo mit Taucherbrille). Mittags haben wir genug und fahren zurück Richtung D400, wobei wir wiederum das verlassene Städtchen queren. In einer Lokanta essen wir Gözleme, bevor wir gestärkt weiterbrausen. Rauf und runter, rauf und runter geht es etwas entfernt von der Küste gegen Westen. Wir machen guten Weg und erreichen irgendwann Sultanie, das an einem küstennahen Süsswassersee liegt und Ungewöhnliches zu bieten hat: Im OpenAirThermalbad kleistern wir uns mit Schlamm voll und wärmen uns anschliessend im beinahe vierziggrädigen schwefelhaltigen, leicht radioaktiven Wasser der HotSpring. Gemeinsam beschliessen wir gestärkt noch eine Stunde zu fahren und dafür hoffentlich den Zeltplatz in Akyaka bedürfnisgerecht anzutreffen. Wir wollen nochmals einige Dinge Waschen, Handwäsche oder Maschine. Und Rui wünscht sich einen Zeltplatztag zum Geburtstag.

    7. Oktober: Ein schöner Tag in diesem lustigen Zeltplatz
    Morgens stand Wäsche an. Es war in der letzten Zeit so feucht und heiss, dass wir extrem oft die Kleider wechseln mussten und der Hohlraum unter dem hinteren Sitz wäre bald von der Dreckwäsche übergequollen. Hier aber gibt es keine Waschmaschine. Es gibt sowieso beinahe nichts, ausser einen Wasserhahn und genügend Platz und Bäume um eine Wäscheleine zu spannen. Also versuchen wir uns in der Handwäsche. Für eine Menge von zwei bis drei Maschinen ist das eine richtige organisatorische Höchstleistung. Wir machen eine Waschstrasse. Rui und ich sind am grossen Becken (Utz-Box) und kneten alles durch, Luo und Roger spülen in einem kleineren Becken die Wäsche aus. Schon am frühen Nachmittag ist alles wieder trocken und wir können es zusammenlegen und wieder in unsere persönlichen Utz-Boxen einräumen. Danach sind wir genug „faul“ herumgehängt und es interessiert uns, wo wir eigentlich sind. Rui und Luo fahren auf den Fahrrädern die kleine Strandstrasse hinunter. Entlang der Uferpromenade hat es viele Leute (nur Türken, keine anderen Touristen hier) und auch der Aufstieg zurück ist anspruchsvoll für die kleinen Biker. Wir sind ganz stolze und staunende Eltern, die haben richtig Fortschritt gemacht und Luo muss nach oben kaum gestossen werden. Vor dem Abendessen duschen wir noch mitten auf dem „Zeltplatz“ mit unserer Solardusche (natürlich in Badekleidern, haben keine Lust auf Polizei).

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  • 08Oct 2012

    61 Rui's Geburtstag 08.10.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    8. Oktober: Geburikind mit Pech: Rui hat Fieber am Geburtstag
    Morgens steht Rui früh auf, in der Nacht war er immer wieder aufgewacht. Das hatte aber neben der zu erwartenden Geburtstagsnervosität noch einen anderen, total fiesen Grund: Er fühlte sich je länger je heisser an. Also hatte er gestern doch mit etwas gekämpft, als er sich nachmittags hinlegen wollte. Wie gewünscht backen wir dennoch auf dem Aussen-Benzinkocher Pancakes. Rui aber verspeist nur einen, dann mag er nicht mehr. Die Geschenke packte er davor aber enthusiastisch aus: Zuerst erwischte er das von ihm am meisten ersehnte Geschenk: Eine Tafel, wie sie Polizisten haben, um den Verkehr zu regeln, also STOPP oder FAHREN zu signalisieren. Diese hatte ich an einigen Abendenden extra für ihn gebastelt und es freute mich, als er danach für eine Weile vor den Bus ging um zu spielen und die weiteren Geschenke total vergessen hatte. Später packte er das Flughafen-Stiftlibuch von Götti Alain aus, das natürlich ebenfalls gleich das erste Mal gespielt wurde. Es ist übrigens noch viel spannender als das Bauernhofbuch. Von Nonna und Fini kam die Pay-Dough-Knete, an der die beiden später kreativ werkelten. Alles also Geschenke, wie man sie auf einer solchen Reise gut gebrauchen kann. Auch die Taschenlampe von uns Eltern, die er mit grosser Sorgfalt hegt, nicht wie damals die schöne Stirnlampe vom Götti, die er irgendwann in den Wackelkontakt befördert hatte. Am Geburtstag aber war Rui zu krank um die Taucherbrille von Grosi auszuprobieren, wirklich gut, dass er sie schon einige Wochen früher gekriegt hatte. Auch die Fotokamera vom Gotti war heute nicht so angesagt. Es ging ihm nämlich immer schlechter. Wir fuhren dennoch gegen elf Uhr ab, wollten doch den grössten Teil des Weges bis nach Bodrum noch unter die Räder nehmen, wo morgen Nani und Neni mit der Fähre ankommen würden. In einem grösseren Ort kauften wir drei verschiedene vakuumverpackte Kuchen, da wir nicht wussten, welcher gut schmecken würde. Diese Kuchen waren übrigens bis Mitte 2013 haltbar, es grüssen also die Stoffe, die haltbar machen (E und Konsorte). Gut schmeckten sie, und dennoch, wir Erwachsenen sind froh, dass wir zu Hause selber backen können.
    An einem anderen Ort, irgendwo in der Nähe der Schnellstrasse, machten wir Pause und kochten das gewünschte Geburtstagsmenu: Pasta mit Fleischsauce. Rui ass wider Erwarten eine schöne Portion (wenig für Rui, wer weiss wie viel Pasta Rui essen kann). Nach Kerzen und Kuchen fuhren wir weiter, Luo schlief und Rui litt, es war dreissig Grad (übrigens sollte das der letzte „Sommertag sein“) und er hatte Fieber… In der Umgebung Bodrum war es schwierig ein abgelegenes Plätzchen zu finden. Mit einem kranken Kind wollten wir uns nicht auf einen öffentlichen Parkplatz stellen, Zeltplätze gibt es in der Ecke keinen. Mit Tipps eines Hotelguards fanden wir einen Traumstrand in Yaliciftlik mit halbwildem gescheckten Pferd, das uns begrüssen kam. Der Platz ist übrigens auch im WOMO-Führer erwähnt, wie wir nach dem Tip festgestellt haben. Wir brieten Fotzelschnitten, Rui freute sich und mochte dann doch nicht essen. Das Pferd hingegen schon und Roger, der draussen am Kocher stand musste es richtiggehend wegschieben. Wind war aufgekommen, wir überlegten uns, ob nun der Herbst endlich käme und ein Wetterumbruch bevorstehen könnte? Rui wurde mit Fieberzäpfchen ins Bett geschickt, denn mit einem solchen Schlafmangel, wie er ihn hatte, kann der Heilungsprozess kaum wirklich in Gang kommen. Dazu kam der Husten, der richtig komisch tönte (wobei er das erste Mal ohne Rachenmandeln hustet und wir uns wohl an den neuen Klang gewöhnen müssen). Rui war besorgt und fragte immer wieder: „Bin ich morn wieder fit, wenn’s Nani und de Neni chömed?“
    Rui ist nun schon fünf Jahre alt, wir ebenso lange Eltern. Wahnsinn, wie unser Junge sich entwickelt hat. Wahnsinn, wie unsere, manchmal so verzweifelt scheinende Situation sich geändert hat. Wunderbar, dass wir dieses Jahr, diese gemeinsame Zeit geniessen dürfen. Und danken allen, die uns in schwierigen Zeiten unterstützt haben. Danke allen, die heute an Rui gedacht und Geburtstagswünsche zukommen lassen haben. Vielleicht haben wir nicht allen geantwortet, aber alle geschätzt!

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  • 09Oct 2012

    62 Ankunft Nani & Neni 09.10.2012 Türkei —

    Türkei

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    9. Oktober: Nani Carla und Neni Sepp in der Türkei
    Juhui, wir waren alle froh, als Rui merklich kühler aufwachte (das Fieber wohl noch an die 38 Grad). Neni hatte schon ein SMS von Kos aus geschrieben (das wir von unserem Strand aus sehen konnten), dass sie gegen zehn in Bodrum sein würden. Wir tankten Wasser in der Nähe eines Friedhofs, wo weiter vorne gerade jemand mit einem Gabelstapler Getränke von einem Lastwagen ablud. Rui meint: „Vielleicht sind das die Getränke für die toten Menschen hier im Friedhof.“
    Kurz nach zehn standen wir zu Fuss am Hafen von Bodrum, direkt vor der türkischen Passkontrolle. Und Nani und Neni? Aha, sie hatten das Tragflügelboot genommen und waren auf der entgegengesetzten Seite des Hafens angekommen. Wir liefen uns entgegen und trotz Rogers Bedenken fanden wir uns dann doch relativ schnell. Es waren sich alle einig, dass man so schnell als möglich aus dieser Touristenstadt raus müsse. Hier wimmelte es, von Touristen, von kleinen Touristenlädeli, die alle dasselbe anbieten … Der Bonabus beförderte uns alle Richtung Izmir, wo wir noch am 9. das Mietauto abholen sollten. Auf dem Weg machten wir bei einem kleinen Restaurant Halt, wobei es gar nicht so einfach war, ein offenes zu finden. Hier in der Gegend hat es vor allem türkische Touristen, und die kommen nur im Sommer. Vieles (wie wir noch merken sollten beinahe zu vieles) ist schon geschlossen. Im Restaurant wurde extra für uns der Gözleme-Ofen eingeheizt und Nani und Neni waren eben so begeistert wie wir das sind, als sie die feinen Fladenbrot-Omeletten mit Schafskäse, Spinat und Kräuter erhielten. Auf der weiteren Strecke kauften wir am Strassenrand Früchte und vor allem frische Feigen. Seit längerem hatten wir keine mehr erwerben können, unterschiedlich wie die Fruchtbarkeit und die Vegetation in der Türkei ist. In Izmir am Flughafen hatte ein Angestellter sechs Stunden auf die Ankuft von Sepp Planzer in der Arrival Hall gewartet, weil diese kleine Car-Hiring-Agency kein Büro hier hat. Ganz einfach ging das Antreten des Vertrags nicht, stand dann doch plötzlich der Manager da und wechselte den alten Renault gegen einen neueren Ford. Ebenfalls nicht ganz unkompliziert und ungefährlich war das Wiederzusammentreffen mit dem Bonabus, konnte der hier nicht (günstig) parkiert werden und wir die Funkgeräte zur Hilfe nahmen, bis sie unsere komische Konversation in einer fremden Sprache in Flughafennähe störten.
    Irgendwann hatte alles geklappt und wir machten einen letzten Versuch, Campingstühle für Nani und Neni zu finden. Gar nicht so einfach, wenn der empfohlene Laden (METRO-STORE) auf der anderen Seite der sechsspurig-richtungsgetrennten Strasse liegt. Lisa war hier keine grosse Hilfe… Leider hatte der Riesenladen keine Campingstühle mehr, die Campingsaison ist hier vorbei.
    Nochmals stand eine Autofahrt von eineinhalb Stunden an. Es dunkelte schon, als wir in der Nähe von Pamucak die richtige Strasse verpassten. Als wir dann im Zeltplatz in Pamucak ankamen, war es schon richtig dunkel. Der Zeltplatz stellte sich als paradiesisch heraus. Die sanitären Anlagen übertrafen alles, was wir bisher in der Türkei erlebt hatten (ausser der Zeltplatz damals vor Istanbul, aber der hatte keinen solch wundervollen Sandstrand…
    Zur Belohnung für die lange Autofahrt und zur Freude der Kinder gingen wir ins Zeltplatzeigene Restaurant. Wir assen Fisch und Crevetten und Rui (übrigens seit Mittag fieberfrei) verspies freudig eine Portion Kartoffelpüree, das er im Buffet entdeckt hatte. Danach gingen die Jungs ins Bett und wir richteten unser Zweierzelt für Nani und Neni.

    10. und 11. Oktober: Zeltplatztage in Pamucak
    Am Morgen des 10. Oktobers beschlossen wir, einen gemütlichen Zeltplatztag zu veranstalten. Wir stellten die Slackline auf, hängten die Hängematten zwischen die Bäume und breiteten uns also richtiggehend aus. Rui zwar immer noch nicht ganz fit, aber fieberlos, hielt nur gerade seine Zehen ins Wasser. Roger, Neni, Luo und ich badeten kurz. Es hat aber endgültig zu winden begonnen und die Temperaturen erreichen so (zumindest gefühlt) nicht mehr viel mehr als 25 Grad. Wunderbar also, wir sind alle glücklich darüber. Egal, wenn das Baden erst mal vorüber ist, dafür hat man wieder Lust zum Wandern, Spielen… Bis mittags hat Roger eine schöne Pfanne Miesmuscheln getaucht, Luo und Neni steuern auch ein Paar bei, die sie am Strand angeschwemmt gefunden haben. Als wir sie aber kochen, gehen aber nur sehr wenige auf. Wir wissen nicht warum und werfen sie lieber weg… Schade.
    Gegen Abend machen wir einen Spaziergang den Strand entlang und holen uns Glaces bei einem Riesigen Hotelresort. Puh, wir sind alle froh, dass wir hier nicht bleiben müssen, nicht so unser Ding.
    Am elften Oktober fahren wir morgens die wenigen Kilometer bis Ephesos, in türkischer Manier zu sechst im Mietford. Die Ruinen der ehemals römischen Stadt (in der 250‘000 Menschen gewohnt hatten) sind wohl grossartig, trotzdem bestaunen wir mehr die Touristen: Woher kommen die alle? Die Hotels sind doch alle schon beinahe leer? Wurden wohl hunderte von Kilometern weit in einem Hoteltagesausflug hierhingekarrt… Russen, Griechen, Deutsche, Franzosen, Italiener, Polen und was es noch alles gibt. Der kurze Einkaufsausflug ins nahegelegene Städtchen Selcuk bringt uns gänzlich weg vom Rummel, unsere Türkischkenntnisse sind wieder gefragt. Auf einem Spielplatz essen wir um die späte Mittagszeit Nüsse, Crackers und Früchte und Rui und Luo inspizieren die Spielgeräte. „Zu Hause“ halten wir erstmals Siesta. Dann versuchen sich Luo und Roger einmal mehr im Meerfischen, leider aber fangen sie nichts, was Abend noch auf den Grill könnte. Das Grillen wird dann aber trotzdem ein Erfolg, umso mehr, als uns gelingt mit dem Ford und allerlei Hausrat ein windgeschütztes Grillplätzchen zu errichten. Krönender Abschluss des Tages ist der Sonnenuntergang am Strand, direkt ins Meer (erstes Mal auf dieser Reise ist kein Berg, keine Insel, einfach nichts im Weg!). Natürlich gibt es bei dieser Gelegenheit ein kleines Fotoshooting. Schliesslich haben wir uns bei anderen Touristen einige Tricks abgeguckt ;-)

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  • 12Oct 2012

    63 langsam Ende der Saison 12.10.2012 Türkei —

    Çeşme, Türkei

    Beschreibung

    12. Oktober: So ist es, wenn der Winter kommt… alles zu…
    Wir möchten den schönen Zeltplatz ungern verlassen, aber Nani und Neni sollen und wollen auch ein bisschen was von der Türkei sehen. Wir fahren Richtung Nordwesten, mit Ziel Cesme und Karaburunhalbinsel. In Segacek sind wir bald (auch wenn Lisa nicht unbedingt den schnellsten Weg gesucht hatte). Rui und Luo sind glücklich mit Nani und Neni zu fahren, sie spielen Majensäss, wo sie in den letzten Jahren im Oktober immer eine Grosselternwoche verbringen durften. Der Camping in einer schönen Felsenbucht, der im WOMO-Verlag erwähnt ist, gibt es nicht mehr. Die Park Alani nahebei bietet weder Duschen noch WC, auf was unsere „Grosseltern“ aber nicht wirklich verzichten wollen. Wir essen eine riesige Menge Salat mit Frischkäse in Dürüm gewickelt, wobei die einen beim Kochen helfen, die anderen Steine suchen und die dritten am Computer die Küste auf Google Earth durchkämmen. Dann fahren wir nach Ciftlik, in der Nähe von Cesme. Die Jungs und Neni schlafen, letzterem scheint der Autositz für seinen Rücken beinahe bequemer als das Zelt. In Ciftlik dasselbe wie in Cegacek: Camping Alani: nicht mehr bedient, aber Tor offen, gröber vermüllt, WCs verschissen und wasserlos. Wir fahren weiter. Finden eine Bungalowsiedlung die europäische Preise (200 TL für ein Zimmer für zwei Personen!) fordert, wir lehnen ab. In der Nähe dann ein Motel mit Camping. „Suntree since 1983“ – uns so sieht es auch aus. Wohl vor 19 Jahren Baumaterialien vergewaltigt und irgend etwas erstellt, dann 19 Jahre nicht mehr unterhalten… .Sanitäranlagen ebenfalls kaputt, weswegen wir die Dusche in einem heruntergekommenem Bungalow zur Verfügung gestellt kriegen, Nani und Neni nehmen ein erstaunlich gut ausgerüstetes Zimmer mit Betten, auf dass sich der Nenirücken erholen kann (Dusche jedoch nur kaltes Wasser). Wir Spiesslis sehen, wie praktisch so ein Bonabus mir funktionierendem WC und fliessend Wasser im Herbst und dann auch Winter sein wird, wo immer mehr geschlossen sein wird und sind zufrieden über unsere Reiseart. Trotzdem ist es schön, Besuch zu haben und natürlich kein Problem für einige Zeit die Ansprüche heraufzuschrauben.

    13.-15. Oktober: Küstenwanderung, Städchenbesuch und Campingtag
    Der dreizehnte Oktober beginnt und wir beschliessen uns mal endlich wieder etwas mehr zu bewegen. Wir packen unsere Rucksäcke, die Merendasäcke und Kleider gegen den Wind und machen uns die 400 Meter zum Strand hinunter auf den Weg. Wir gehen durch den Sand, finden angeschwemmte Gegenstände, klettern über kleine Klippen, treffen eine türkische Familie, die das Auto buchstäblich in den Sand gesetzt hat, sehen streunende Hunde, essen Brombeeren, erschrecken am Geknalle naher Jäger und kommen Stunden später nach einer sicher sieben-Kilometer-Wanderung zufrieden und hungrig zurück. Gut, dass wider Erwarten doch eine der Bungalowduschen warm Wasser führt (und wenn man die Augen schliesst sieht man die Sanitären Zustände nicht und fühlt sich richtig wohl).
    Am Vierzehnten wollen wir nun endlich einen Hamambesuch wagen. Bisher war es uns zu heiss, wir fürchteten um unseren Kreislauf. Nun ist Herbst. Der Ford wird geladen und gemeinsam brechen wir Richtung Cesme auf. Mit Hilfe von Einheimischen stehen wir bald vor dem Hamami. Leider ist er, wie eine Anwohnerin erklärt: „Hamami kaputt!“ Tja, dann also bleibt nur noch der Stadtbummel. Etwas weiter die Strasse hoch kommen wir an einer alten, wunderschön renovierten Karavanserei vorbei, die heute als edles Hotel genutzt wird. Der Portier spricht Deutsch und wir dürfen hinein und den Jungs alles über Karawanen und Kamele erklären (sie freuen sich schon auf Marokko, wo sie solche sehen werden, hoffentlich). Im opulent eingerichteten Innenhof leisten wir uns Kaffe und Fanta, was uns beinahe für den missglückten Hamambesuch entschädigt. Später schlendern wir durch die Gassen, authentische rund um das Castell, und um den Hafen. Mittags finden wir einen deutschsprechenden Inhaber eines Fischladens, der auch ein kleines Restaurant unterhält. Wir speisen königlich: Mezeplatte (Tzatiki, Bohnenmus, Ratatouille kalt, gegrillte Pepperoni etc.) und frischer Salat gefolgt von Loup de Mère (Fisch), Dorade, Thunfisch. Die Jungs können nicht genug Fisch kriegen.
    Zur Verdauungsförderung schlendern wir der Uferpromenade entlang, halten beim Stadtstrand die Füsse ins Meer und gönnen uns als Abschluss in einer Bistro am Meer (Teuerungsfaktor 2) Eis, Bier, Kaffee, jeder, was er beliebt.
    Zurück im Bonabus halten wir Siesta, bringen eine Wäsche zur Maschine und geniessen anschliessend ein einfaches Abendessen, übrigens zum ersten Mal alle im Bonabus, die Temperaturen und vor allem der Wind trieben uns rein.
    Gemeinsam wurde beschlossen, den Fünfzehnten nochmals hier zu verbringen und am 16. den schwierigen Wechsel der Ortschaft vorzunehmen.
    Am Morgen machen sich Luo, Neni und Nani auf einzukaufen. Wir wollen heute nochmals grillen. Rui und Roger fahren mit auf die andere Seite der Landzunge, um am dort ruhigeren Meer ihr Fischerglück zu probieren. Ich setze mich an den Computer und hole das Schreiben aller Tage seit Ruis Geburi nach. Schön, schreiben zu dürfen und nicht zu müssen, gut ist die HFH-Zeit vorbei. Wunderbar, zu reisen und Zeit zu haben…

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  • 16Oct 2012

    64 Izmir 16.10.2012 Türkei —

    Izmir, Türkei

    Beschreibung

    16. Oktober: Es wird Herbst (30 Grad manchmal nach wie vor)
    Als erstes möchte ich mal Grüsse an alle Leser senden. Wir kriegen ab und zu ein Mail von einem von euch und hören so, was ihr über unsere Berichte oder unsere Reise meint. Das freut uns jeweils! Manchmal scheint uns die Beantwortung eines Emails zu entgehen. Aber ihr wisst ja, dass wir das nicht böse meinen. Und vielleicht findet ihr auch in einem nächsten Bericht etwas, das sich auf euer Mail bezieht… Der Austausch mit der Heimat ist erfrischend. Aber in erster Linie sind wir am Reisen, in zweiter vielleicht am Festhalten unserer Erlebnisse (Reiseblog) und in dritter dann mal am Mails checken…

    Möchtest du wissen, was wir seit deinem letzten Besuch bei unserem Blog ergänzt haben? Einfach unten auf das RSS-Feeds-Symbol klicken und auf dem laufendem bleiben. (http://de.wikipedia.org/wiki/RSS)

    Also, nun zum 16. Oktober. Wir sechs hatten beschlossen, noch einmal Platz zu wechseln, bevor Mami Carla und Papi Sepp dann wieder abreisen würden. Wir wollten nicht anspruchsvoll sein, auch wenn ein Bett für die „alten“ Rücken sicher nicht schlecht wäre. Aber wir hatten ja schon die Erfahrung gemacht, dass es hier herbstelet und also immer mehr geschlossen hat. Für nur das Bonabusteam macht das ja nicht sehr viel aus, wir haben ja alles. Aber als Camper mit einem Zelt hat man schon etwas andere Ansprüche. Heute sollten wir aber doch nochmals erfahren, dass es nun noch schwieriger geworden war, als wir dachten.
    Rui und Luo wollten natürlich wieder bei Nani und Neni im Auto fahren. So fuhr die Karawane los. Ich am Steuer des ersten Kamels (Bonabus) wurde bald schon geheissen anzuhalten. Roger holten nochmals Zimtschnecken (Gebäck), die von allen hier so geliebt wurden. Dabei entdeckte er eine Fischversteigerung. Natürlich wollten wir uns dies ansehen. Leider ersteigerten wir, vor allem zu Luos Enttäuschung, nichts (mit meinen jetztigen Türkischkenntnissen hatte ich jeweils im Kopf gerade mal die Zahlen übersetzt, da war der Fisch schon weg). Der nächste Halt wurde eingelegt, als wir eine Migros passierten. Schliesslich sollten unsere Gäste diese auch in der Türkei mal besuchen. Später kamen wir nördlich von Cesme an eine wunderbare Bucht mit zahlreichen Fischrestaurants, allesamt leer. Wir brachten dem einen Restaurant etwas Arbeit, bestellten wunderbare Meze (Vorspeisen) und Fisch. Nach anfänglichen Spinnereien konnten auch Rui und Luo wieder anständig im Restaurant sitzen, schliesslich wollten sie nicht riskieren, stattdessen ein Butterbrot im Bonabus vorgesetzt zu kriegen. Am Ende des Essens sassen wir zusammen und quatschten und unsere kleinen Künstler fertigten richtige Kunstwerke mit lippenstiftähnlichen Wachsmalkreiden, die Nani aus ihrer Tasche zauberte.
    Danach sollte es nur noch Dreiviertelstunden dauern, bis wir eine Bucht erreicht hätten, die sich als einfachen Camping eignen würde. Wunderbar sah sie dann auch wirklich von oben aus. Unten angekommen schien alles ziemlich versifft und schon ziemlich für den Winter vorbereitet. Ein Mann kam und forderte 20 Euro die Nacht. Was? Für dieses versch… WC ohne fliessendem Wasser, ohne Duschen, dafür Scherben und Abfall? Nein, danke, sagte Roger und unsere Fahrzeuge wurden noch einmal startklar gemacht. Auch mit Google Earth (gelobt sei Turkcell) gelang es im Folgenden aber nicht, eine passende Bucht ohne (da besser als mit oben erwähnten) Facilities zu finden. Einige Buchten waren schön, es hatte aber seltsam anmutende Bretter- Stoffverschläge, wobei es uns nicht klar war, wer hier ab und zu hauste: Zigeuner? Erntearbeiter? Bettler? Fischer?
    Irgendwo assen wir erschöpft unsere Zimtschnecken unter alten, knorrigen Olivenbäumen und besprachen die Lage. Noch dreissig Minuten bis an den Stadtrand von Izmir, wo in Güzelbahce ein Camping in unserem Führer vermerkt war. Zwar nicht wirklich schöner Camping, so wie der Text darüber lautete, aber güzel heisst auf Türkisch schön und also kann die Sache gar nicht so übel sein…
    Wer sagt’s denn? Wir erlebten eine angenehme Überraschung: Ein zweistöckiger Bungalow für Neni und Nani (und ihre Rücken), mit Veranda, auf der wir alle Platz fanden. Ebenfalls Platz fand der Bonabus: direkt davor. Also genau das, was wir gesucht hatten! Und gerade rechtzeitig, es begann nämlich schon einzudunkeln.

    17. Oktober: Laute Uferpromenade morgens und Pipi Langstrumpf nachmittags
    Der siebzehnte Oktober stand wieder eher im Zeichen der Ruhe. Morgens spazierten wir wohl kilometerweit der Uferpromenade entlang und zum Schonen der Ohren auf Parallelsträsschen zurück. Nachmittags wurden die Reifen der Kindervelos mit Tire-Reparaturschaum in Ordnung gebracht. Denn sooo viele Kakteen hatten sooo viele Löcher hinterlassen und das ewige Pneuwechseln kann keine Lösung sein. Vielleicht „verhebt“ Nenis Idee?
    Die Jungs hatten nach einigen Runden Velofahren richtig Spass daran, Nani beim Pipi-Vorlesen zuzuhören. Genauer gesagt war der Spass wohl vor allem auf Luos Seite. Rui hört gerade wieder sehr schlecht, das erste Mal nun auf unserer Reise (nach der Grippe am Geburi hat er jetzt auch einen gehörigen Husten). Er ist still und beteiligt sich kaum mehr an Diskussionen, wenn mehrere Leute zusammen sind. Der Schmerz unserer Elternherzen ist gross und wir hoffen, dass der Spuk bald wieder ein Ende hat…

    18. Oktober: Hamam
    Fast eine Stunde dauerte schliesslich die Fahrt mit dem ÖV-Bus nach Izmir. Dort angekommen spazierten wir, vorbei an der „Hosensackmoschee“ (klein nur im Vergleich der flankierenden Hochhäuser) und durch den noch schläfrigen Bazar. Etwas glücklos gestaltete sich allerdings die Suche nach DEM Hamam (wie im Lonely Planet erwähnt mit Marmor innen und also durch die Nennung im Reiseführer auch an westliche Leute gewöhnt). Trotz Lisas Hilfe landeten wir bei zwei falschen und marschierten an zwei weiteren vorbei. Nur eines davon hatte von aussen erkennbare Kuppeln und wir suchten weiter. Dann, es war schon nach zwölf, fanden wir unseren Hamam. Die Matrone am Eingang des Frauenbereichs erlaubte es Mami und mir das Baby (Luo) mit in unseren Bereich zu nehmen. Wir folgten ihr zaghaft in die mystische Umgebung, erhielten Pestemals (Tücher, die wir um uns schlungen) und betraten den dampfenden Saunateil. Die Lichter in der Kuppel erreichten anfangs vor lauter Dampf kaum den Grund. Später kam die gute Frau, führte uns ins grössere dampffreie warme Vorzimmer, hiess uns auf dem heissen Stein hinzulegen. Zuerst wurden wir kräftig abgeschrubbt, dann richtig durchgeknetet (jetzt weiss ich, wie sich ein Grittibenz fühlt) und anschliessend eingeseift. Die Frauen im Hamam schnatterten auf Türkisch, wir verstanden nichts. Trotzdem fühlten wir uns wohl.
    Draussen mussten wir nicht lange auf unsere Männergruppe warten. Papi meinte, sie seien eben dem Folterknecht von Izmir entflohen und argwöhnte, dass möglicherweise schon Leute im Rollstuhl das Gebäude wieder verlassen hätten. Auch Rui war ganz rot und gut durchblutet, dem Einseifen durch den „Masseur“ im Hamam war auch er nicht entgangen. Zufrieden und sauber wie selten waren wir aber alle, reich an neuen Erfahrungen und begeistert vom Hamam im Allgemeinen (Roger meint, nächstes Mal ziehe er aber in Betracht, auf die Massage zu verzichten, die Massage war wohl eher ein Vergnügen für den Masseur…).
    In einer Seitengasse setzten wir uns an die kleinen Tische eines Imbisstandes und füllten unsere Mägen, die das nun wahrlich verdient hatten. Danach zogen wir noch einmal durch den Bazar, der nun voller Leben und Leute war.
    Gegen Abend fuhren wir mit dem Bus zurück, die Jungs schliefen auf dem Schoss ihrer Grosseltern ein und Roger und ich nutzten die Gelegenheit um beim Baumarkt auszusteigen und die lange fälligen Platten zum Reparieren unseres Klappbettes zu erwerben. Bei der Rückfahrt zum Zeltplatz erregten wir noch mehr Aufsehen als gewöhnlich, führten wir doch zu den Brettern noch 2.4 m lange Stangen mit, mit denen Roger eine Wäschehänge bauen will (wenn dann gar nichts mehr offen haben wird).
    Hungrig wurden wir im Zeltplatz erwartet und voller Vorfreude machten wir uns auf, ein Restaurant für unser letztes gemeinsames Essen zu finden. Gleich neben dem Zeltplatzeingang hatte schon einige Male eines unsere Neugierde geweckt: Was sind das für Cheminée-ähnliche Dinge am Kopfende jedes Tisches? Begeistert vom grossen Meze-Buffet entschlossen wir uns, dies alles genauer anzusehen und waren beeindruckt von der Art von Tischgrill. Auch wenn Rui meinte: „Jetzt sind wir im Restaurant und müssen auch noch selber kochen!“

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  • 19Oct 2012

    65 Flughafen / Genialität der Park Alani 19.10.2012 Türkei —

    Süleymanlı, Türkei

    Beschreibung

    19. Oktober: Flughafenbesuch
    Morgens wurde eingepackt. Alle unsere nicht mehr gebrauchten Reiseführer fanden wider Erwarten Platz in Nenis Rucksack. Später gab es einen feinen Boulgursalat und dann merkten unsere Gäste plötzlich, dass ihr Flug eine Stunde früher als gedacht startet! Also nichts wie los: Die gut Deutsch sprechende Zeltplatzlady organisierte, dass das Auto früher zurückgegeben werden konnte. Dann die doch etwas hektische Abfahrt, wobei unser portabler Abwasserkanister unter dem Bonabus vergessen ging und wohl noch jetzt dort steht (oder von allen Katzen und Hunden ausgetrunken wurde).
    Die Autorückgabe vor dem Flughafen verlief spektakulär. Der Typ schaute nicht aus, wie ein Car-Rent-Boy, eher zwischen Hippie, Gigolo und Freak, war nervös und fuhr uns wie ein Henker bis zum Flughafengebäude vor (Roger meinte: Nehmt dem das Auto weg und gebt ihm eine Gitarre). Vor der Departure-Hall warf er seine Autoinsassen richitggehend zum Auto heraus (Rui, Luo, Nani, Neni). Roger und ich suchten einen Parkplatz für unseren nicht tiefgaragentauglichen Bus, wurden schliesslich bei den Cars fündig. Mit staunenden Kinderaugen betraten unsere Kleinen das Gebäude, musterten die Vorgänge beim Durchleuchten der Taschen (wo Roger mal wieder den typischen Schweizerfehler beging und ein Taschenmesser bei sich trug – Sackmesser in Nani’s Reisegepäck und Problem gelöst …) und in der Abfertigungshalle. Wir fuhren die Rolltreppe einen Stock höher und sahen die Flugzeuge, die Docks, die Gepäckwägelchen und alles drum herum (Hey Alain, dein Flughafen-Stiftlibuch ist jetzt natürlich doppelt angesagt!). Nach Tee, Kaffee und Gebäck mussten Rui und Luo von ihren Neni und Nani Abschied nehmen. Wir sahen sie später sogar im Fingerdock verschwinden!

    Unsere Kinder haben für ihr Alter schon eine bemerkenswerte Reiseerfahrung und trotzdem sind sie noch nie geflogen. Dafür ist für sie der Flughafenbesuch umso spannender.

    Dann aber der Rückweg zum Auto. Die Jungs waren sicherlich müde und voller Eindrücke. Der momentan sehr egozentrische Luo hatte einen richtiggehenden Anfall, verfluchte mich, als ich ihn festhielt und vernünftig wieder zu sich bringen wollte. Tja, erziehen ist manchmal schwer und einige Kinder scheinen IMMER spüren zu müssen, bis sie glauben, dass es genug ist! Schwer, dabei nicht auszurasten und eine praktikable Methode zu finden, dass „der Lehrblätz“ beim Kind ankommt.
    Nach nur einer Stunde Autofahrt durch das gepackte Izmir und hecktische Autobahnen und Vorortsstrassen erreichten wir eine Park Alani an einem Stausee. Unter alten grossen Bäumen konnten wir den Bonabus hinstellen, die Jungs noch einige Minuten weiterschlafen. Und Roger wurde sogleich als Teil einer türkischen teetrinkenden und Wasserpfeiffe rauchenden Männerrunde.

    20. Oktober: Park Alani-Leben
    Diese Park Alani wird von hier lebenden Türken besucht und nicht von türkischen Touristen. Die Leute sind sehr freundlich, die Atmosphäre ist wohltuend. So beschlossen wir, nicht schon heute wieder weiter zu fahren. Roger holte die Werkzeugkiste, die Bretter wurden eingezeichnet um die Stuhlsofas des Klappbettes unseres Elternbettes zu reparieren. Diese Stühle waren ja so ziemlich die teuerste Anschaffung für unseren Bus, da sie TÜV und Motorfahrzeuggeprüft sein und Dreipunktegurte aufweisen mussten. Dennoch sind es auch die Teile, die nun am schnellsten wirklich kaputt gegangen sind. Schon länger haben sie nach jedem Umbau bei der ersten Belastung gestöhnt und gequietscht, weswegen wir uns einmal die Mühe gemacht hatten und das Polster abgeschraubt hatten. Das Gitternetz, das quasi als Bettrost diente war überhaupt nicht mehr angeschweisst, brach bei jeder Belastungsänderung (Bett/Sofa) auf die andere Seite durch und drohte das ganze Polster zu zerstechen. Also sägte der Handwerkergehilfe und feilte (ich), der Professionelle montierte. Nun, die Nacht wird die Tauglichkeit als Bett zeigen, aber als Sofa ist es tiptop!
    Sind die Werkzeuge dann mal draussen… Die Jungs nagelten und schliffen auf gefundenem Holz. Roger begann die Wäscheleine für den Winter zu konstruieren. Nun ist nun auch klar, weshalb da einiges krumm in der Landschaft erstellt wird. Nicht mal die Gewinde sind rechtwinklig in die Flügelmuttern geschnitten. Bei einem M4 Gewinde steht die Mutter auf der einen Seite an, auf der Anderen hat es mehr als 1 mm Zwischenraum! Die Mutter kann also gar nicht angezogen werden, so dass dies vollflächig aufliegt – Zum Glück ziehe ich die Flügelmutter an das Holz, das die türkische Fehlproduktion ausgleicht.
    Irgendwann waren alle hungrig und ich machte mich ans Kochen. Kaum sassen wir draussen an einem hölzernen Picknickalanitisch, da kamen drei Damen einer Frauengruppe und brachte zwei Teller vorbei: einer mit Börek, der andere mit Kuchen. Am Abend, als wir gerade von einem kurzen Spaziergang zurückkamen, kam ein deutschsprechender Herr und wollte uns einen Tee spendieren. Dieser stellte sich als Semowahr heraus, zuunterst mit Kohleklappe, dann mit Heisswasserhahn, zuoberst mit Teekrug. Natürlich durften da auch Rui und Luo wieder mal zuschlagen. Der Herr will übrigens morgen wiederkommen und uns irgendetwas von der Umgebung zeigen.
    Beim Eindunkeln dann waren wieder, wie schon am Mittag, alle Tische besetzt, schliesslich ist ja heute Samstag (sicher fünfzehn an der Zahl). Quer über den Platz spielte eine Männergruppe ausgelassen traditionelle Musik: Geige, Trommel, Klarinette, Schellenring… alles da. Die Jungs tanzten gerne mit, schlugen zum allgemeinen Amüsement Purzelbäume und übten Kopfstand.

    Hier ist wieder mal richtig Türkei, so wie wir das nun mehrfach erlebt haben. Anstelle von überhöhten Preisen für Touristen bezahlen wir hier keinen Eintritt, weil wir Gäste sind. Kaum auf dem Platz möchten die Einheimischen mit uns Kontakt aufnehmen, sprechen uns an, laden uns zum Tee ein, beschenken uns mit Köstlichkeiten. Aber: das sieht man sicher nicht in Hotels und auch nicht auf Campingplätzen. Dazu muss man sich mit dem Bus gerade dort hinstellen können, wo die Einheimischen leben (was in der Türkei dank den Picknickalanis ziemlich einfach ist). Schade, dass es uns nicht gelungen ist, Mami Carla und Papi Sepp ein Stück davon zu zeigen!

    Schon oft haben wir über die Genialität der Parkalanis philosophiert. Diese Plätze werden von der Gemeinde unterhalten. Der Eintritt ist minimal oder gratis. Es hat Tische, WC, Abfalleimer und ab und zu Duschen. Die Türken kommen vor allem am Samstag oder Sonntag zu diesen Pärken. Picknicken dort mit der Familie oder mit Freunden. Geniessen eine Runde unter Frauen oder Männern. Essen und Trinken ist immer reichlich vorhanden. Es ist ein Ort der Begegnung und des Austausches. Leute kommen hierher um etwas zu besprechen. Trinken einen Tee oder machen zusammen einen kleinen Spaziergang. Eigentlich wie ein Dorfplatz zu alten Zeiten. Wir haben uns oft gefragt, weshalb es sowas nicht in der Schweiz gibt – kamen dann aber ziemlich bald zum Schluss, dass „der Schweizer“ lieber in seinem eigenen Reich grillt und eine Schweizer Parkalani vor allem von vielen „Ausländern“ benutz werden würde. Na ja, die Einfamilienhäuschenkultur kann auch ganz schön viel Gesellschaftlichkeit kaputt machen.

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  • 21Oct 2012

    66 Bergama 21.10.2012 Türkei —

    Bergama, Türkei

    Beschreibung

    21. Oktober: Wunderbar verwinkelte Gassen der Altstadt Bergamas
    Den Morgen verbringen wir auf der Picknick Alani beim Regülatör (Schleuse), wir wollen warten, ob der Herr, der uns gestern einen Semowar voll Tee gebracht hatte, wirklich kommt um uns die Umgebung zu zeigen. Doch Mittag ist schon längst vorbei und noch immer ist unser Kollege nicht zu sehen – ob er gestern doch zu viel Raki getrunken hatte und sich nicht mehr an sein Angebot erinnern konnte? Wir benützen die Zeit um noch einige Dinge zu richten, Luo und Rui fahren quer durch die Park Alani Velo, ziehen schon ziemlich selbständig ihre Kreise (Luo’s Velo hatte übrigens schon wieder Platten, Neni. Wir haben die zweite Schaumdose angebraucht und hoffen, dass wir nicht doch noch Schläuche und Pneus wechseln müssen.)
    Später machen wir einen kleinen Knäbberli-Imbis im Bus, das heisst nur wir drei, ohne Luo. Der hat einen Motz und Trotzanfall und muss ins „Zimmer“. Gestärkt widmen wir uns der Pippi Langstrumpf und dem Kapitel, in dem sie die Polizisten verjagt. Sogar Roger hört gebannt zu, als ich erzähl-vorlese.
    Um halb zwei fahren wir ab, Richtung Norden. Langsam wollen wir die Türkei verlassen und den November in Griechenland verbringen, bevor wir dann gegen Mitte/Ende Dezember nach Marokko verschiffen. Dies wohl von Livorno, da es keine südlichere Möglichkeit für eine Überfahrt zu geben scheint. Und Italien als Zwischenstation wird nützlich sein, kann ich mich doch verständigen und wir einige kompliziertere fällige Einkäufe tätigen und auch versuchen einen Augenart zu finden (Ruis Augen/Brille sollten zweimal jährlich kontrolliert werden, wenn möglich Luos auch).
    Nach eineinhalbstündiger Fahrt gelangen wir nah Bergama. Wir finden einen Stellplatz bei einem gewitzten Automechaniker, der vor seiner Werkstatt die Möglichkeit zum Stehen mit Dusche bietet. Hoch oben lockt die Akropolis von Pergamum. Heute wird aber zuerst mal gekocht (Gemüse-Linseneintopf). Und danach streifen wir gestärkt durch die Altstadt von Bergama. Die Jungs eilen neugierig vorneweg, springen, singen und wir geniessen es alle. Als es schon dunkel wird (was ja immer früher der Fall ist, hier gegen sieben Uhr), bestellen wir Köfte und Kebap, das hier als Fleischgericht mit Salat auf Tellern gereicht wird. Dazu gibt es Unmengen Weissbrot. Als dann lautstark der Fernseher eingestellt wird, da ein türkisches Fussballspiel läuft, vertreibt uns dies ziemlich bald. Fussball ist ja auch, wenn der Kommentar verständlich ist, bekanntlich nicht unser Ding. Aber auf Türkisch… Luo kriegt einen Anfall, als wir das Lokal verlassen, da er endlos mit seinem Wasser rumgetrödelt hatte, bis wir sagen, jetzt gehen wir, egal, ob du dein Wasser getrunken hast oder nicht. Er brüllt wie am Spiess, wir gehen trotzdem. Er bleibt in Mitte von verdutzten türkischen Männern brüllend zurück….

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  • 22Oct 2012

    67 Köcükköy 22.10.2012 Türkei —

    Küçükköy, Türkei

    Beschreibung

    22. Oktober: Reges Stattleben in Bergama
    Roger und Rui ziehen wieder mal los und diesmal finden sie sogar Brot und Gebäck. Ebenfalls haben sie einen grossen Block Nougat erstanden, das, liebes Nani, hier übrigens in jedem Zustand Helva heisst. Nach diesem mastig-feinen Frühstück machen wir uns auf, unseren Gemüsevorrat zu füllen. Kein Problem, hier im Bazar dieser Kleinstadt, der voller Menschen ist, die etwas bringen, holen, kaufen, verkaufen, findet sich vieles. Wieder einmal wird den Jungs von einem aus dem Nichts auftretenden Passanten ein Schokoriegel in die Hand gedrückt.
    Gegen Mittag richten wir uns im Bonabus einen herrlich frischen Salat. Anschliessend fahren wir auf die Akropolis hinauf und ignorieren dabei die kleine Gondelbahn, die sicherlich eine wahre Goldgrube ist. Der Touristenstrom hier oben ist Dank der Jahreszeit sehr gering. Wir sehen, nicht wie damals in Ephesos, sogar etwas von den Ruinen. Was diese zwei Wochen ausmachen (nicht nur in der Temperatur). In den Ruinen teilen wir uns in zwei Gruppen auf um das nicht hören wollende Gezanke (von Rui und Luo) zu umgehen, was dann vor allem Rui zu Gute kommt. Er hört seit zwei Tagen noch schlechter, das Mittelohr ist sicherlich wieder voll Flüssigkeit. Nun gilt es alle möglichen Vorsichtsmassnahmen einzuhalten, dass diese Flüssigkeit nicht dickflüssig wird. Ich nehme mir auf der Akropolis also die Zeit und bücke mich jedes Mal zu ihm und ihm direkt ins Gesicht zu sprechen. Er wird nun wieder oft wütend, wenn wir laut rufen, weil er sich dauern beschimpft fühlt und ja nicht hört, dass wir ihn zuvor schon leiser angesprochen haben. Wir beginnen statt zu rufen, ihm nachzurennen und auf die Schultern zu tippen. Er zieht sich, wie jedes Mal im letzten Jahr bei solchen Hörproblemen, sehr zurück, vereinsahmt richtig, spielt wenig, kann sich nicht an Gesprächen beteiligen, wird aggressiv.
    Nach einigen Bissen Nougat, die Rui gewünscht hatte, fahren wir weiter. Diesmal haben wir einen Platz am Meer ausgesucht. Wunderbar einsam hier, obwohl die (geschlossenen) Restaurants nur wenige hundert Meter hinter uns liegen. Leider sind sowohl Stranddusche als auch Klo geschlossen. Morgen wird sich deshalb die Frage stellen, wo wir unser Porta Potty leeren können. Vielleicht irgendwo neben dem Zivilisationsgebiet vergraben? Man kann ja schlecht in ein Restaurant marschieren und die 20 Liter Sch… mitbringen, oder? Aber ohne portable Toilette würden wir hier nicht stehen können und das wäre wirklich schade. Ausser, ja, wir wissen, es gibt noch die Säcklimethode (gefüllt in die nächste Mülltonne), aber den Gestank wollen wir den Leuten, deren Länder wir bereisen, nicht antun. Also wird ab jetzt jeder dritte-vierte Tag die Portapottyleerung eine Frage. Jede Saison ihr Problem. Dafür kann man nun an jedem Strand und vor jeder Sehenswürdigkeit nächtigen.
    Den Nachmittag und Abend verbringen Roger und Luo mit (erfolglosem) Fischen, wobei Luo das türkische Aufwickelsystem ausprobiert und relativ gekonnt benutzt. Die Jungs sind selig, jetzt haben auch sie eine Angelrute. Später gibt es Bohnen und Kartoffeln (Roger freut sich auf Speck in Griechenland-christlich). Dazu gibt es noch ein letztes GLAS Raki aus unserer Flasche (sorry Roger, hätte besser zwei daraus gemacht, gell).

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  • 23Oct 2012

    68 Olivenölfabrik, Olivenölmuseuem 23.10.2012 Türkei —

    Assos, Türkei

    Beschreibung

    23. Oktober: Im Zeichen des Olivenöls
    Plötzlich soll es nun rascher vorwärts gehen. Und das kam so: Unerwartet haben wir ein erfreuliches Email von Luo-Gotti Mirjam und Simi (natürlich mit Aron) gekriegt. Sie wollen am 5. November in Griechenland sein. Da wollen wir nun also auch so schnell hin. Eigentlich ganz gut, denn ohne die Oswalds im Anmarsch hätten wir uns hier in der Türkei nochmals verzettelt.
    Den ersten Stopp legte ich bei einer der vielen zufällig gewählten Olivenölfabrik ein. Wir erlebten, was Lastwagenladungen voller Oliven heisst, die mit Bagger in die Maschinen gekippt werden. Die grossen Maschinen der Kalt- und Warmpressung mit italienischem Signet und wie es aussieht, wenn Öl in der Menge eines Frischwasserstrahls fliesst. Klar füllten wir hier unsere Vorräte im kleinen Fabrikladen. Roger konnte den Bonabus wägen lassen und war beruhigt, dass das Gewicht vollgeladen (Diesel, Wasser, Essen) (knapp) unter 3500kg liegt.
    Zweiter Stopp machten wir an einer Hafenmole, wo wir den frischen Salat aus verschiedenem Gemüse und natürlich Oliven in Dürümbrote einwickelten. Das Kochen und Abwaschen geht jetzt wirklich fix, Rui und Luo sind beim Schnetzeln und Abtrocknen richtig spitze.
    Dritter Stopp galt dem Olivenölmuseum. Roger hatte die Aufgabe beim Olivenölmuseum zu Fragen, ob wir bei dem Museum Wasser tanken und das Chemie-WC entsorgen könnten. Wir würden danach, wenn die Kinder wach sind ins Museum kommen. Zum Glück ist einer der Museumsleute in Deutschland aufgewachsen… Erleichtert entleeren wir unser Porta Potty und füllten alle Kanister mit frischem Trinkwasser! Rui und Luo wussten noch viel von den Maschinen heute Morgen und lernten hier wissbegierig noch mehr dazu. Danach spielten sie endlos: Oliven lesen, anliefern, waschen, zermalmen, pressen…
    Die letzte Fahretappe waren alle sehr fröhlich, das erste Mal seit Tagen hatte Rui eine Phase, in der er wieder etwas besser hörte und fröhlich mit Luo plauderte.
    Als wir in Assos ankamen, stellten wir den Bus auf einen gebührenpflichtigen Parkplatz die Halbe Strecke von den römischen Ruinen zum Hafen hinunter. Wir assen unser Bohnencurry, das im Bett gegart hatte und spazierten für Kaffee und Fanta später in Dunkelheit an den Hafen herunter, genossen die Atmosphäre des Saisonendes.

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  • 24Oct 2012

    69 Dardanellen, Herbstputz 24.10.2012 Türkei —

    Türkei

    Beschreibung

    24. Oktober: Fähre über die Dardanellen: Welcome back on the european continent!
    Sehr schnell kamen wir mit unseren Berggämsen Rui und Luo hoch bis zu den Ruinen, wo wir, von hinten kommend erstens den Eintritt sparten und zweitens mit (wenigen) Touristen zusammentrafen. Alle mit Regenjacken und Gilets heute, die Temperaturen betrugen heute nur noch zwanzig Grad, ab und zu spürte man Tropfen. Beim Abstieg durch Tourismusviertel und Dorf wollten wir noch einmal die geliebten Gözleme essen. Die aber sind auch nicht mehr, was sie einmal waren. Der Holzofen blieb leider kalt und die Gasflamme ist schlechter Ersatz. In Dauerlauf legten wir schnell (und im Falle der Jungs kichernd) die restlichen Höhenmeter unter den Regentropfen hindurch bis zum Bonabus zurück.
    Die Fahrt zu den Dardanellen dauerte knapp zwei Stunden und schon um halb vier kamen wir bei der Fähre an. Herumstehende PWS mussten warten, wir aber wurden aus unerklärlichen Gründen durchgewunken und landeten auf der wartenden Fähre. Nur wenige Kilometer nach der Fähre kamen wir an den einzigen Zeltplatz, der gemäss unseren Nachforschungen bis nach Thessaloniki noch offene ist (auch dieser aber nur bis Ende Oktober). Wir wollen vor dem Winter nochmals alles waschen: Bettwäsche, Faserpelzdecken, Handtücher, Duschtücher… (wer weiss, wann wir die nächste Waschmaschine finden und Handwäsche geht auch nicht bei allem gut). Ebenfalls wollen wir morgen noch den Bus innen und aussen putzen.

    25. Oktober: Putzen, waschen, spritzen, zusammenlegen
    Heute wurde: ausgeräumt, der ganze Hausrat, geputzt, geschrubbt, gewaschen, aufgehängt, wieder eingeräumt… Zwischendurch besuchten wir das Restaurant des schon ziemlich verwaisten Zeltplatzes, was aber eigentlich eine weitere kulinarische Enttäuschung war: Nur mehr wenig, meist Frittiertes war erhältlich. Keine richtige türkische Küche mehr.
    Jetzt ist wieder alles sauber, auch wir…

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  • 26Oct 2012

    70 Beiram und Fisch 26.10.2012 Türkei —

    Değirmendüzü, Türkei

    Beschreibung

    26. Oktober: Bayram und Fisch
    Nach Duschen, Porta Potty nach Tankreinigung wieder in Betrieb nehmen (puh, ist das umständlich und kalt, wenn man nachts aufs Klo nach draussen muss) und letzte Wäsche abnehmen fahren wir ab. Auch wenn Luo über Bauchschmerzen klagt. Die werden dann allerdings immer schlimmer und zwingen uns zu einigen Zwischenhalten. Obwohl, eigentlich fahren wir heute gar nicht so weit, bleiben auf der Gallipolihalbinsel. Wir kommen an Soldatenfriedhöfen und Denkmälern vorbei, die vom ersten Weltkrieg berichten, in dem sich hier die Türken vor allem mit Neuseeländern und Australiern schlugen. Letztere beiden standen für die Briten im Kampf und starben zu Hunderttausenden.
    Trotz Bayram gelingt es uns Joghurt, Eier und Brot zu kaufen. Dann stechen wir auf einer Kiesstrasse an die Küste. Luo und ich verbringen die letzten Kilometer im hinteren Wagenteil. Später löst sich das Bauchweh in Durchfall auf. Wir sind froh darüber, am meisten Luo, der stolz ist, auf der Reise immer noch nie richtig krank geworden zu sein.
    Bald holt Rui Steine und beginnt mit seinem Projekt. Er hat heute Morgen Oliven unter den Bäumen zusammengesucht. Nun will er sie zermantschen und pressen, genau wie gelernt. Alle helfen mit und so spritzt das Öl auf alle Seiten. Anschliessend wickeln wir die Masse in ein Tuch und pressen mit Menschen- und Steingewicht wirklich einige Milliliter Öl. Rui und Luo wissen gut über die einzelnen Arbeitsschritte Bescheid.
    Die letzten Sonnenstrahlen geniessen wir nach einem Abendspaziergang beträchtliche Höhenmeter weiter oben, von wo der Blick aufs Meer perfekt ist.

    27. Oktober: Mittags Fisch, abends Fisch
    Diese verträumte Bucht ist von einigen hier fest stehenden Wohnwagen bevölkert. Hierher kommen Istanbuler Taucher an ihren Wochenenden. Ebenfalls haben einige Fischer hier ihre Boote. Wir sind also nicht alleine.
    Roger und die Jungs kaufen frühmorgens Fisch von den Fischern. Nach einer Muschelketten-Bastelaktion wollen wir die Fische auf dem Grill braten. Beim Basteln hilft auch Rui mit einer grossen Ausdauer und Ruhe mit. Seit zwei Tagen ist er sehr ausgeglichen und hat eine für ihn aussergewöhnliche Ruhe gefunden, obwohl er noch immer beinahe nichts hört. Sitzt er einem nicht auf dem Schoss, ist konversieren ziemlich unmöglich. Wir sehnen uns so danach, dass das endlich besser wird, wissen aber aus Erfahrung der letzten Male, dass es noch etwas dauern kann, bis die Eustachische Röhre wieder entlüften kann. Diesbezüglich scheint die Mandeloperation leider nichts gebracht zu haben (und der Schnitt im Trommelfell ist natürlich schon lange wieder zugewachsen).
    Nachmittags kriegen wir Fisch geschenkt. Abends braten wir ihn mit viel Öl in der Pfanne (etwas Abwechslung muss schliesslich sein). Wir wollen morgen nach Griechenland und den Grenzübertritt ohne Frischfisch machen. Wie oft wir übrigens in Griechenland Internet haben werden, ist ungewiss. Aus schon beschriebenen Wintergründen klappt der Access auf geschlossenen Campings voraussichtlich nicht. Vielleicht kaufen wir wie in der Türkei wieder eine Internet-SIM-Card. Vielleicht hört ihr jetzt auch mal eine Weile nichts von uns…
    Zum Abschluss noch eine Frage von Luo: „Mami, muess mer Mensche aus so uufschniide (wie die Fische, die Roger gerade ausnimmt), wenn mer sie wött essä?“

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  • 28Oct 2012

    71 Fahrt nach Griechenland 28.10.2012 Griechenland —

    Alexandroupolis, Griechenland

    Beschreibung

    28. Oktober: Griechenland ist seeehr europäisch (aus der Sicht des türkischen Standards)
    Natürlich wollten wir auf dem Weg nach Griechenland unbedingt in einer Migros Halt machen. Glücklicherweise haben die Migros in der Türkei, wie das meiste andere ja auch, am Sonntag ebenso offen wie sonst immer. Ein MM-Migros erfüllte unsere Träume. Wir kauften unter anderem, normalem Esswaren-Vorrat, Finken für Rui und Luo, damit sie der Kälte von unter dem Bonabus herauf gewappnet sind. Der Zoll war dann wieder eindrücklich: Mehrere Stellen in der Türkei, an denen man anhalten musste, viele Schwerbewaffnete auf der Brücke des Grenzflusses und anschliessend ein griechischer Zöllner, der uns durchwinkt (haben ja schliesslich eine GR-Nummer;-)
    Erste Etappe im neuen Land auch hier nach altbewährter Art: Eine Stadt. Alexandroupolis. Heute, am 28. Oktober ist griechischer Nationalfeiertag. Zwar verpassen wir die Parade. Finden aber mit einiger Mühe am Hafen einen Parkplatz mit englischsprechender Kassenhäuschenbedienung, die meint, bis morgen Morgen koste es nur 6 Euro. Das Übernachtungsproblem ist also gelöst. Viele Leute sind in der Stadt. Luo hat heute etwas Durchfall, doch hier ist das kein Problem. Die Klos in den Restaurants sind sauber und freundlichst zeigt man uns zweimal den Weg. Im zweiten Café bleiben wir dann gleich für einen Tee für die Jungs und griechischer Kaffee für uns. Einige Dinge fallen stark auf: Sooo viele Frauen! In der Türkei existierten diese Parallelwelten von Männern und Frauen, Frauen kaum (oder fast nur in Familien) in der Öffentlichkeit. Hier wird auch von Frauen serviert. Frauen sind alleine unterwegs. Alles ist blitzblank geputzt (und wenn sie im Service gerade nichts zu tun haben, putzen sie den Boden etc, wo sich der Türke nach unseren Beobachtungen eher selbst hinsetzt und Tee trink. An der Stelle fällt mir noch eine andere Beobachtung ein: Alles ist hier vollgesprayt und vollgetaggt: Strassenschilder, Stützmauern, Häuser…
    Später schlendern wir weiter durch die Gassen. Plötzlich kommen wir in eine Szenenstrasse, voll von Imbissbuden. Wir setzten uns, obwohl es im leichten Windstopper etwas frisch ist. Es wird bestellt und bald serviert: Ein grosser Salat (ähnlich dem türkischen), danach auf einem Packpapier in die Mitte des Tisches ein Berg mit: Souflaki-Spiesslis und Giros-Fleisch. Roger und allen anderen auch schmeckt vor allem das Schweinefleisch… Am Ende zahlen wir 18 Euro. Also etwas teurer als in der Türkei, doch immer noch deutlich günstiger als in der Schweiz.

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  • 29Oct 2012

    72 Nestos 29.10.2012 Griechenland —

    Griechenland

    Beschreibung

    29. Oktober: Regen und Sturm
    Der Sturm hatte uns dann gestern Abend schon eingeholt. Was würden wir wohl ohne unseren „Trocknungsraum“ tun? Wir hängen abends alle nassen Jacken und Abtrocknungstüchli ins Führerhäuschen, das ist ideal.
    Morgens machen wir uns auf, endlich mal die schon lange geschriebene weitere Postkartenserie abzusenden (wird aber nicht die letzte Serie sein). Schwierig in den Gassen die Dinge zu finden, wenn man nicht mal wirklich die Schrift lesen kann. Es klappt dann aber doch. Als wir die Post verlassen regnet es in Strömen, weswegen wir uns erstmals mit einem Tee ins nächste Café setzten und UNO spielen. Später kauft Roger eine SIM-Card, die wir aber abends aufgrund eben beschriebener Probleme mit der griechischen Schrift und Sprache nicht in Gang setzten können.
    Nach einem Imbiss im Bonabus, der aus köstlichen, frischen Blätterteiggebäck einer griechischen Bäckerei besteht, geht es los, Richtung Berge. Schliesslich besteht Griechenland zu 80% aus Bergen, dazu kommt, dass der Strand mit Temperaturen um 20 Grad nicht mehr wirklich attraktiv ist. Im öffentlichen WC leeren wir das Porta Potty. Beim Weiterfahren lade ich einen vom Sturm umgewehten Pylon auf (merke es nach hundert Meter und muss ihn per Muskelkraft zurücktragen). Dann werde ich wir kaum an einem anderen Ort ausgehupt, bis ich es durch die engen, auf beiden Seiten vollparkierten Einbahnstrassen hindurch auf die Autobahn schaffe.
    Die Nestos-Schlucht hängt wie heute alles in Wolken. Wir spazieren trotzdem dem Fluss entlang, rekognoszieren quasi die Wanderung von morgen, spielen auf den Sandbänken und machen es uns im Bus gemütlich.

    30. Oktober: Wanderung dem Nestos entlang
    Blauer Himmel weckt uns. Freudig packen wir alles für eine Wanderung ein. Wir wandern am Fluss entlang, bis irgendwann alles überwuchert ist und wir umkehren müssen. Hier ist alles etwas heruntergekommen und verwahrlost. Wir treffen eine deutsch sprechende Griechin, die meint, so gäbe es wenigstens keinen Rummel hier und die Natur sei noch wirklich Natur. Es gefällt allen zu wandern, irgendwann können wir in Pulli und sogar T-Shirt sein.
    Bei unserer Rückkehr hat es feiernde Griechen, die nach türkischer Manier grillen (vielleicht gehören sie auch der islamischstämmigen Minderheit hier in Thrakien oder Minderheiten aus dem Balkan an). Sie bieten den Kindern Fleisch, Brot und Feta an. Später duschen wir unter der auf dem Bus aufgeheizten Solardusche (kalt wird’s erst, wenn die Dusche abstellt). Am frühen Abend spielen Oschi und Luo Mühle, Rui und ich bauen Legoautos. Nach dem Abendessen erhält Luo ein vorgezogenes „Geburigeschenk“: Eine Taschenlampe wie Rui (da leider das Legostirnlämpli von Götti Andi endgültig den Geist aufgegeben hat). Er freut sich sehr über das unerwartete Glück.

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  • 31Oct 2012

    73 Kavala 31.10.2012 Griechenland —

    Kavala, Griechenland

    Beschreibung

    30. Oktober: Vollmond oder was?
    Um sieben Uhr klingelt unser Wecker. Wir haben neu 7.00 Uhr eingegeben, gehen lieber etwas früher ins Bett. Andernfalls verschlafen wir eine Stunde des Tageslichts, was in dieser Jahreszeit jammerschade wäre, wird es doch so früh wieder dunkel. Eine Überraschung wartet mit dem Klingelton auf uns Eltern: Rui springt freudig auf und kommt zu uns runter. Wir sind erleichtert und gerührt: Er hört den Wecker wieder! Noch ein Riesenschritt Richtung Normalität! Rui ist davon ebenso begeistert wie wir. (Oder vielleicht noch mehr? Wir wissen nie genau, wie schlimm er seine Höreinbrüche nimmt. Er scheint es ziemlich gefasst zu tragen. Aber stimmt das wirklich?)
    Wir fahren früh los. Hinter Toxodes die Hänge hoch, bis auf beinahe 900 Meter hinauf und geniessen die wunderbare Sicht auf das Meer, die Berge und zum Nestos hinunter. Leider ist uns die Weiterfahrt untersagt (ab 2 Tonnen verboten). Wir zögern zwar, weil hier sooo viele Gesetze „herrschen“, die aber niemand befolgt (wie uns die Griechin gestern bestätigte). Die vielen Jeeps der Jäger die die Strasse hochkommen haben wohl auch über 2 Tonnen… . Aber falls es ein Problem gäbe, unsere Versicherung würde sicher auf das Schild verweisen. Also kehren wir um und fahren weiter Richtung Osten, nach Kavala. Die kleine Stadt hat eine schöne verwinkelte Altstadt. Die Jungs wollen nicht aufhören, Katzen zu jagen, zu brüllen und zu schubsen. Als der eine den anderen auf der Burg oben schubst, und auf unsere Ermahnungen nicht aufhört, obwohl es sichtlich gefährlich ist, sind unsere Geduld und die Vorsätze, verständnisvoller zu sein und mehr auf Mitverantwortung zu plädieren, ziemlich zur Neige.
    Wir gehen anschliessend die Gässchen hinunter ins neue Viertel. Es ist drei Uhr. Leider sind alle Läden geschlossen, auch Vodafone, die wir wegen dem Internet nochmals bräuchten. Mittwochs, so erklärt man uns, ist ab 14.30 Uhr Feierabend. Was für ein Kontrast zur Türkei. Also machen wir längere „Mittagspause“. Legos sind im Moment im Trend. Erst bei Einbruch der Dunkelheit (halb sechs) ziehen wir unsere Faserpelze und, da wieder Wolken aufgezogen sind, Regenjacken an. Es ist windig am Hafen und wir sind froh um unsere warmen Kleider, als wir der Uferpromenade entlangflanieren. Nach einem schönen Spaziergang setzten wir uns in eine geschützte Ecke in einer einfachen „Beiz“ am Hafen und bestellen nochmals eine gemischte Griechische Fleischplatte wie letztes Mal. Es schmeckt wieder lecker, kostet allerdings hier das Doppelte. Egal. Nächstes Mal wollen wir Griechischen Fisch oder Seafood probieren. Morgen ist übrigens schon das erste Drittel unserer Reise vorbei.

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  • 01Nov 2012

    74 Marodes Wassermuseum 01.11.2012 Griechenland —

    Edessa, Griechenland

    Beschreibung

    1. November: SIM-Card Griechenland
    Morgens weckte uns der Regen, der auf das Autodach trommelte. Wir nahmen das Pippi Langstrumpf- Buch und ich las weitere zwei Kapitel (Simultanübersetzt auf Mundart). Rui hörte richtig gut zu, es war eine Freude, er schien alles zu verstehen!
    Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bonabus zum Hafengelände hinaus und rüber zur Innenstadt. Nur mit wahnsinnig Glück gelang es uns im überfüllten Viertel genau vor dem Vodavone-Store einen Parkplatz zu ergattern. Rui, Luo und ich suchten nach einer Bäckerei, als sich Roger auf den Weg machte, das SIM-Card und Griechische-Schriftproblem zu lösen.
    Nach diesem kleinen und erfolgreichen Intermezzo kämpfte ich mich durch die Strassen Kavalas Richtung Autobahn. Diese sind hier übrigens nur zweispurig, was mich eine Weile Gedanken kostete, bis ich merkte, warum sie mir so klein erschienen: Die dreispurige und beinahe leer Autobahn in der Türkei ist einfach GW!
    Irgendwo machten wir nach zwölf Uhr einen Halt. Die Männer vertraten sich die Beine, währenddessen ich ein köstliches Mittagessen richtete. Danach fuhren wir weiter. Roger diesmal am Steuer, die Jungs nun hinten, bald schlafend. Ich auf dem Beifahrersitz, mit Internetverbindung und also am Computer. Nach nur einer Stunde waren wir am Bestimmungsort von heute angelangt: Edessa. Wir fuhren bis zu dem Park mit den Wasserfällen. Der Park ist wie erwartet wunderbar, auch wenn wir von der Aussicht runter in die Ebene durch die Regenwolken noch nichts hatten. Die alten Bäume sind aber gewaltig. Die alte Hanfseilfabrik, sichtlich irgendwann einmal für Touristen hergerichtet, ist verfallen, das Openair-Museum über Wasser ebenfalls. Das Aquarium ist wohl noch offen, im Winter aber beinahe nie. Wohin sind all diese fünfzehn/zwanzigjährigen Anlagen gekommen? Sie scheinen hier etwa gleich alt wie am Nestos. Irgendwie scheint der Unterhalt vergessen gegangen zu sein…

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  • 02Nov 2012

    75 Wein und Wandern im Herbst 02.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

    Beschreibung

    2. November: Makedonisches Weingut
    Der Himmel ist heute klarer und wir spazieren des Morgens noch einmal durch den Park. Danach fahren wir bis zu einem in unserem Reiseführer erwähnten Weingut im makedonischen Griechenland. Wir müssen nur kurze Zeit warten und werden dann von einer Englisch sprechenden Dame herumgeführt. Beim Degustieren halten wir uns mit Trinken zurück, obwohl der Wein vorzüglich ist. Und das ist gut so. Als ich nämlich anschliessend durch das enge Dörfchen Naoussa kurve brauche ich alle meine Sinne (und Nerven). Wir finden einen schönen Park mit einem tollen und für den Abend etwas abenteuerlichen (Berg-) Wanderweg, den wir aufgrund fehlender Karte irgendwann wieder retour wandern müssen.

    3. November: 450 Höhenmeter und zurück
    Gerne wollen wir den Hügel auf der anderen Seite des Parkplatzes erkunden. Leider führt hier aber kein Wanderweg hoch. Wir begnügen uns mit der geteerten Strasse und kommen flott voran. Nach 450 Höhenmetern geniessen wir alle die wunderschöne Aussicht. Rui und Luo kriegen von vorbeifahrenden griechischen Jägern Bonbons und Äpfel geschenkt. Man scheint uns Wandervögel hier gar nicht zu verstehen, zumal es hier sogar eine befahrbare Strasse hätte.
    Nach unserer Rückkehr wären wir alle „reif“ für eine auf dem Autodach gewärmte Solardusche. Nur schade hat die Rui heute früh ziemlich abrupt runter befördert und somit kaputt gemacht. Nur gut, dass Papi-Neni-Sepp und Mami-Nani-Carla in der Schweiz das bestellte Paket mit Reiseführernachschub noch nicht auf die Post gebracht haben… So werden wir in zwei Wochen wieder warm duschen können! Bis dahin werden wir uns also allmorgendlich weiterhin warm abschrubben und ab und zu kalt duschen.

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  • 04Nov 2012

    76 Ankunft Gotti Mirjam & Familie 04.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

    Beschreibung

    4. November: Treffpunkt Strand Varikou mit Luo-Gotti Mirjam und Familie
    Ein Tag früher als erwartet treffen wir heute mit Mirjam, Luos Gotti, ihrem Mann Simi-Ösi und Söhnchen Aron zusammen. Dennoch nehmen wir es morgens gemütlich und schlafen etwas länger. Auf dem Weg zum Treffpunkt finden wir noch Zeit das Porta Potty auf einem AutobahnWC zu leeren (nur gut, mussten wir das nicht wirklich benutzten…) Mittags kommen wir am Strand an und beinahe gleichzeitig fahren die Oswalds mit ihrem kleinen T5 von der anderen Seite dazu. Die Jungs und natürlich im Speziellen Luo sind glücklich. Gemeinsam wird heute „gesändelet“, ein Krebs entdeckt und betrachtet, gefischt, getratscht, gekocht… die Männer baden sogar. Abends wird es kühler und wir quetschen uns zu siebt zum Nachtessen in den Bonabus, was noch erstaunlich gemütlich ist. Wir können also sogar eine kleine Familie in unser momentanes Zuhause einladen.

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  • 05Nov 2012

    77 Grillen was die Kohle hergibt! 05.11.2012 Griechenland —

    Kokkino Nero, Griechenland

    Beschreibung

    5. November: Grillen und Schwimmen im November
    Gemeinsam kaufen wir in Katerini ein. Fisch beim Fischhändler, frisches Gemüse und Früchte beim Gemüsehändler, Fleisch beim Metzger und allerlei in einem kleinen Laden an der Ecke. Danach fahren wir nach Kokkino Nero. Diese kleine Bucht ist wunderschön. Hier wäre es aber im Sommer zu voll, es hat Restaurants und Ferienhäuser, keine freie Fläche. Wir baden im Meer und vergessen, wie früh es dunkel wird. Nichtsdestotrotz werfen wir den Grill an und nützen die Glut so richtig aus: Fisch, Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Marroni, Schoggibananen, Helva-Nougat. Es geht wunderbar mit unserem Aussenscheinwerfer und Stirnlampen.

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  • 06Nov 2012

    78 Aussicht auf Volos 06.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

    Beschreibung

    6. November: Oktopus hautnah
    Bis am Mittag verbringen wir Zeit am Strand. Mirjam schneidet allen Spiesslis die Haare, danach baden alle noch einmal im Meer. Klar aber, dass niemand da drin länger verweilt. Roger fischt einen Oktopus, der gebraten wunderbar zu unserem Gemüsereis am Mittag passt. Dann fahren wir ab. Die Oswalds fahren voraus und fahren eine „fantastische“ Route, die sie in ihrer Karte ablesen. Es geht bis über 1000 Meter über Meer hinauf und hinten wieder runter… Hopp Bonabus! Und aus zwei geplanten werden so drei Stunden Autofahrt. In Volos finden wir dann schliesslich doch noch die Möglichkeit einzukaufen (inzwischen ist die griechische Siesta vorüber). Da sind alle froh, schliesslich wäre ansonsten wohl doch nichts aus dem heutigen Abendessen geworden: Fondue aus der Schweiz ist angesagt! Lisa (GPS) bringt uns dann aber beinahe noch „uf d’Krisa“, als sie die kleinsten Strässchen aus Volos hinaus angibt und unser Bonabus mit der Anhängerkupplung den Boden touchiert. Leider ist der angesteuerte Parkplatz beim Bouldergebiet unbrauchbar als Übernachtungsplatz. Dennoch gelingt es beim letzten Tageslicht ein schönes Plätzchen zu finden. Die Aussicht ist hier gigantisch: Über Volos, das Meer, die Berge und Inseln.
    Der Spruch des Tages geht auf Luo, der meinte: „Warum chaufsch du so viel Brot, Gotti, das langt jo für die ganzi Reis?“ (Für sieben Personen zum Fondue, Morgenessen und Picknick, inkl. Ösi-Zuschlag)

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  • 07Nov 2012

    79 super schöner Strand 07.11.2012 Griechenland —

    Milopotamos, Griechenland

    Beschreibung

    7. November: Einziger Platz mit „Camping verboten“
    Das Bouldergebiet wird dann doch noch besucht, gleich nach dem Frühstück heute Morgen. Es handelt sich aber nur um ein zu dieser Jahreszeit ausgetrocknetes Bachbett, dessen Steine sich nur ungut beklettern lassen. Simi und Roger richten einen Parcour für Rui und Luo ein: Klettern am Seil über einen grossen Block, dann Traverse an der Hand und anschliessend Abfahrt mit einem Gstältli-Seilbähnli. Die Jungs (und die Männer) geniessen es. Aron stiefelt in einer Mulde umher und übt ebenfalls erste Boulders.
    Die Oswalds wollen noch einmal ans Meer. So fahren wir vom Westen der Pilion-Halbinsel in den Osten. Kurve an Kurve wird bezwungen, enge Strässchen passiert. Schliesslich kommen wir wieder ans Meer- und halten irgendwo in einer wunderschönen Bucht, von der wir allerdings des Abends lesen, dass es die einzige hier ist, in der Campieren verboten ist. Egal, das stört im November niemanden. Und der Strand ist perfekt: Felsen, davor Sandstrand, türkisfarbenes Meer. Simi klettert spektakulär den Felsen entlang und lässt sich am dort hängenden Seil ins Meer fallen. Heute essen nochmals alle im Bonabus, auch weil hier nicht gerade der Platz für ein Gelage im Freien ist. Rui ist wieder erkältet, vielleicht hatte er beim Baden in den letzten Tagen doch zu kalt. Er klagt über Ohrenschmerzen und seine Hörfähigkeit ist wieder stärker vermindert.

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  • 08Nov 2012

    80 Abschied von Mirj und Simi 08.11.2012 Griechenland —

    Koropi, Griechenland

    Beschreibung

    8. November: Duschen im Freien bei Wind und Wetter
    Gestern hatten wir entdeckt, dass die Stranddusche hier noch funktioniert, was zu dieser Jahreszeit eine grosse Ausnahme ist. Leider hat in der Nacht ein Sturm mit Regen und starkem Wind gewütet und die Bretter unter der Dusche weggespült. Noch am Morgen kommen die Wellen sehr nahe und sind noch immer von einer imposanten Grösse. Dennoch oder genau deswegen wagt Simi-Ösi ein Bad. Wir anderen Erwachsenen begnügen uns mit der Dusche. Meine Haare haben schon tagelang kein Shampoo mehr gesehen. Die Dusche ist übrigens nicht mal ganz so kalt wie wir angenommen hatten.
    Noch vor dem Mittagessen fahren wir wieder auf die andere Seite der Pelionhalbinsel. Hier ist das Meer viel ruhiger. Wir verweilen und geniessen, am Nachmittag bei T-Shirt-Temperaturen. Nach dem Abendessen macht sich die Oswald-Family auf den Weg, um die ruhige Zeit, wenn Aron schläft zu nutzen und noch heute Igoumenitsa und der Fähre ein Stück näher zu kommen. Wir können Mirj und Simi unsere leere Kunstoffgasflasche mitgeben, dann müssen wir hier nicht die eventuell Schwierige Aufgabe meistern, die zurückzugeben. Ebenfalls nehmen sie türkische Oliven und griechischen Wein mit, die dann nächsten Sommer in der Schweiz auf uns warten.
    Und jetzt habe ich viel nachgeschrieben, wir waren etwas nachlässig in den letzten Tagen. Aber Besuch haben wir hier schliesslich nicht alle Tage… Nimmt uns ja schon Wunder, wie es sein wird, in ein paar Jahren diese Seiten zu lesen… Jetzt hätte ich gerne einen Tee. Leider ist aber gerade heute unsere kleine türkische Gasflasche leer geworden. Tee wäre also nur machbar, wenn ich nach draussen gehen und den Aussen-Benzinkocher in Gang nehmen würde. Dazu werde ich bei knapp zehn Grad Aussentemperatur zu dieser Abendzeit aber kaum verleitet. Hoffentlich klappt morgen in Volos alles, was wir uns vorgenommen haben: Neue grosse Gasflasche kaufen, Wäsche in der Wäscherei waschen lassen (es türmen sich die Säcke schon im Kofferraum, die Wäscheablage unter der Sitzbank ist schon lange überquollen), Velopneus und Schläuche für die Jungs kaufen (wieder, oder besser immer noch: Platten).

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  • 09Nov 2012

    81 schönes Plätzli, schöner Herbst 09.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

    Beschreibung

    9. November. Besorgungen in Volos
    Heute war wieder ein ereignisreicher Tag, eigentlich gerade so, wie erwartet, oder besser noch, wie erhofft. Wir konnten nämlich alles (beinahe) erledigen, nur neue Wanderschuhe für die Jungs bleibt ein To Do.
    Das Morgenessen fand wider Erwarten draussen statt, die Sonne wärmte uns und bald trugen wir nicht mehr viel mehr als Pullover und Hosen. Gut so, so mussten wir nicht frieren, als wir den Aussenkocher fürs Teewasserkochen in Betrieb nahmen. Bald fuhren wir ab Richtung Volos, der grosse Wäschberg auf dem Kinderbett in Erwartung auf eine Waschmaschine. Und wirklich, abgesehen vom Parkplatzproblem um die Wäscherei herum lief alles tiptop und wir gaben fünf Maschinen für je 8 Euro waschen und Tumblern bis abends in Auftrag.
    Danach widmeten wir uns intensiv dem Parkplatzproblem, zumal die Polizisten bei meiner Abwesenheit Roger noch drei Minuten Zeit ohne Busse einräumten. Wir fanden uns aber im allgemeinen Verkehrschaos dank Schweizer Natel wieder, die Frage aber bleibt, ob hier wirklich alle an der Strasse parkierenden ein Bussenticket kriegen, bzw. die Busse dann wirklich bezahlen?
    Am Hafen durften wir dann auf dem grossen Parkplatz parken, aber für über einen Euro die Stunde. Hier hatten wir aber Glück: Ein älteres Deutsch-Griechisches Pärchen hielt neben uns. Der Herr führte uns anschliessend hilfsbereit durch die halbe Stadt und half uns eine Stahlgasflasche zu finden. Nur gut, dass wir nicht darauf angewiesen waren, die Kunststofflasche zurück geben zu können: Danke nochmals, Mirjam, Simi und Aron.
    Blöderweise war das Anschliessend für die wohlgeordneten Spiesslis ungewohnt kompliziert: Wo bloss hatten wir die Übergänge nach dem Gasflaschenanschluss in der Türkei verstaut? Gezwungenermassen stellten wir den ganzen Bus auf den Kopf, fanden das Gesuchte aber erst am allerletzten Örtchen…
    Danach waren wir alle ganz schön hungrig, auch ein paar Munzlis aus unserem harten Vorrat für Geschenke an Helfer konnten dem nicht abhelfen. Wir suchten ein Restaurant und assen nahe beim Hafen Seafood: Muscheln, Krevetten, Tintenfisch. Leider hatte nachher die Siesta schon begonnen, alle Läden hatten geschlossen. Bis halb sechs. Danach hatten wir noch zwei Stunden für Rucksackkauf (unser Tagesrucksack war inzwischen schon nicht mehr wasserdicht) Velogeschäft, Optiker zum Brillenstellen, Nahrungsmitteleinkaufen, bis dann der Riesenberg Wäsche abgeholt werden konnte.
    Doch auch am Ende all dessen war noch nicht Feierabend. Wir assen am Hafen auf einem Absatz einen Kebabähnlichen Imbiss und steckten dann die Jungs in Pjyamas in den hinteren Bonabusteil. Sie schliefen auf ihren Sitzen, wir fuhren bis Rizoma, in der Nähe von Meteora. Die Jungs und im Speziellen Rui wollen (und sollen) sich wieder mal bewegen, wandern und entdecken ist angesagt… Die Fahrt verlief störungsfrei, auch wenn der Nachtverkehr noch undurchsichtiger ist als der griechische Tagverkehr. Einzig das Suchen des Parkplatzes mit schlechtem Topo im Dunkeln gestaltete sich sehr schwer. Denn: Wie Berge sehen, wenn alles dunkel ist? Wohlverdient gönnten Roger und ich uns, eingewickelt in Decken, ein gutes Glas Rotwein unter wunderbar klarem Sternenhimmel.

    10. November: Bouldern, Sonne etc.
    Gegen acht wachten die Jungs auf. Rui hört übrigens wieder ziemlich nichts, hatte sich wohl wieder erkältet. (Ich könnte heulen. Es ist schwierig für die ganze Familie.) Rui setzt sich also auf und öffnet das Rollo: „Wie sind ihr geschter do hi gfahre?“ Er möchte sich anziehen und gleich raus, auch wenn er sich dann zum Waschen nochmals ausziehen muss. Er ist begeistert von der Natur um uns herum, die Felsen, der ganze Platz. Sind wir eigentlich alle, am Tag, bei strahlend blauem Himmel sieht‘s noch besser aus!
    Morgens wird Wäsche verräumt, in der Sonne gesessen. Die Jungs spielen auf dem ersten grossen Felsbrocken, seilen Tiere und Steine ab, sind im Element. Später nehmen wir sie ins Gstältli und sie dürfen noch richtig die Blöcke erklettern. Das Abseilen ist wieder schwieriger, wir haben es zu lange nicht mehr geübt. Zur Stärkung braten wir uns mittags Fotzelschnitten, machen Mittagspause und stapfen dann nochmals los. Diesmal klettern Roger und ich (vor allem Roger, ich bin sooo unsportlich geworden in meiner HFH-Zeit) einige Boulders. Die Jungs spielen unter den Felsen Indianer und brüller kräftig rum (wie will man sonst spielen, wenn man nichts hört?) Und dann brechen wir auf zum höchsten in der Nähe liegenden Hügel. Oben essen wir einen Zvieri und sehen die Sonne hinter den fernerliegenden Bergen verschwinden. Nun aber nichts wie hinunter, ehe es dunkel wird! Der Bonabus empfängt uns warm und gemütlich, inzwischen ist es nämlich wieder kälter geworden. Die Schaf- und Ziegenherde in der Ferne geht ebenfalls Richtung Stall. Wir setzten uns an unseren Tisch, die Jungs basteln, wir trinken ein Glas Wein und wir geniessen Griechenland.

    11. November: Sonne, Olivenhaine...
    Beim Abwaschen und Packen für ein Picknick schreit Luo und brüllt. Nach mehreren Verwarnungen stecken wir ihn ins Zimmer (das ja leider nur mit Vorhang und in keinster Weise schalldicht ist). Wir gehen dann ein Stück ohne ihn los. Danach ist dann aber für beinahe den ganzen Tag alles gut.
    Die „Wanderung“ führt uns an Felsen vorbei, es reicht ein bisschen zu bouldern. Weiter über einen gehörigen Hügel, durch das Dorf Rizoma, wieder zurück. Roger reinigt einen Felsen von Moos und Flechten, Rui und Luo klettern sehr motiviert. Sie wechseln sich mit den Kletterfinken ab. Nun ist klar, was sie zu Weihnachten kriegen. Am liebsten würden sie beide immer klettern… Sie sind dann auch beinahe nicht mehr vom Fels weg zum Bonabus zu kriegen und wollen gleich los mit einem Seil und Abseilen und klettern mit grösserer Distanz probieren. Heute klappt auch das Abseilen besser. Es ist eine Freude. Luo hat eine Wahnsinnskraft. Rui klettert mehr mit dem Kopf, sieht die Griffe, die Struktur des Felsen. Die Erfolgserlebnisse stärken Ruis Selbstbewusstsein. Momentan, mit seiner Hörverminderung ist dieses wieder sehr niedrig.
    Luo fragt, als Rui klettert: „Darf ich die Schuhe nun wieder?“ Ich: „ Nein, Du bist fünfmal geklettert, Rui nun erst zweimal.“ Wie aus der Pistole geschossen antwortet unser „Kleiner“: „Dann darf Rui also noch dreimal.“ Wow… dieses Zahlenverständnis. Oder, es gilt Käsli aufzuteilen. Rui und Luo haben beide schon ein Brotstück mit einem drauf. Luo blickt in die Schachtel und zählt noch sechs Stück. Also meint er: „Es kriegt jeder zwei!“

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  • 12Nov 2012

    82 Meteora 12.11.2012 Griechenland —

    Kastraki, Griechenland

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    12. November: Meteora-Klöster
    Tiefste Aussentermperatur in der Nacht: 3.5°C. Bis die Heizung das Banabüssli auf Temperaturen gebracht hat, in denen ein anständiges morgenliches Waschen möglich wird, bleiben wir zu viert unter der Decke des Elternbettes. Die Geschichte des Wassermannes nimmt alle in den Bann, ein hervorragendes Vorlesebuch!
    Die heutige Fahrt dauert nur ca. eine halbe Stunde. Als wir uns Kalambaka nähern bestaunen wir die riesigen mehrere hundert Meter hohen Felsblöcke und suchen mit den Augen die Klöster darauf. Heute sitze ich wieder am Steuer. Verrückt, wie die hier auch die zweite Reihe schamlos vollparkieren. Nur knapp ein PW-breites Stück Strasse bleibt. Ich werde ausgehupt, weil ich zu langsam bin und nicht in den Gegenverkehr hineindränge. Aber ich schaffe es, trotz unseren 6.5 Metern Länge… Zum Parkieren (seitwärts) im Dorf übergebe ich dann aber gerne Roger das Lenkrad. Nach einem kurzen Stopp in der Touristeninformation wandern wir Richtung Agias Triadas: 40 Minuten Fussweg, mehr als hundert Treppenstufen, dann sind wir oben. Wunderbar, diese Aussicht. Hier wachsen sogar Bäume auf den Felsen! Es liesse sich hier problemlos wohnen (geräumiger als im Bonabus;-) Wir können die Mönche verstehen, die dies gewagt hatten, vor hunderten von Jahren. Aber ausser Roger würde sich keiner der Familie mit der Seilwinde im Netz hochziehen lassen, wie sie das damals praktizierten. Die nachträglich erstellten Treppenstufen sind uns schon lieber.
    Das Picknick auf einem Mäuerchen draussen ist das erste Mal etwas kühl, der Stein eisig, die Sonne wärmt nur ungenügend. Das Wandern und runterspringen wärmt dann glücklicherweise wieder. Und die warme Dusche! Wir haben uns nämlich hier für den Zeltplatz entschieden, es hat sogar noch einer offen. Rui will gar nicht mehr, dass ich den Hahn zudrehe, möchte einfach immer weiter duschen!
    Abends macht Luo nochmals einen auf Terror und landet im „Zimmer“, danach, weil er randaliert im Dunkeln vor dem Bus. Puh, warum glaubt der Kleine einfach nie, wenn man NEIN sagt? Muss es immer so krass spüren, bis er begreift (obwohl, begriffen hat er es dann erst nach dem dritten Mal reinlassen – wieder nach draussen schicken…) so ein Dickschädel!
    Rui macht uns das Leben auch nicht einfacher. Jammert viel. Kann man ihm eigentlich nicht verübeln, mit der geringen Hörfähigkeit. Aber dennoch, es bringt uns mal wieder an die Grenzen unserer Kräfte! Wenn nur die Flüssigkeit rasch wieder aus dem Innenohr weg geht – und diesmal länger weg bleibt. Die dauernde überlaute Kommunikationsform im kleinräumigen Bus geht einem an die Substanz!

    13. November: Moni Varlaam
    Schon ziemlich bald am Morgen brachen wir auf, trafen am Zeltplatzausgang aber Michele und Marcel aus Luzern. Dies ist einer der Vorteile an Zeltplätzen: Man trifft Leute. Nach einiger Zeit Gespräch und ein (nicht ganz freiwilliges) Schoggigeschenk von Michele an Rui und Luo wanderten wir dann doch noch durchs Dorf Kastrati. Oberhalb kamen wir wieder in die Sonne, der Schatten der Meteorafelsen war überwunden, die Temperatur gleich wieder einige Grade wärmer. Wie die Gämsen bewegten wir uns nach oben, gegen Moni Varlaam, unserem heutigen Ziel, und wurden doch überholt: Von einem Franzosenpaar im Alter unserer Eltern, das ebenfalls seit Juli unterwegs ist: Mit Velos und Satteltaschen (hinten und vorne). Jetzt im Herbst/Winter kämpfen sie noch mehr als wir mit der frühen Dunkelheit und der zunehmenden Kälte nachts, zumal sie meist im Zelt irgendwo (also ebenfalls wild) übernachten. Bald nehmen sie die Fähre gen Italien und fahren dann unten rum noch bis nach Hause. Viel Glück wünschen wir und nicht allzu kalt!
    Moni Varlaam ist ein Kloster, das noch funktioniert, das heisst, in dem noch Mönche zu sehen waren. Von oben hatte man einen guten Rundblick und in der Ferne erkannten wir gar Agias Triadas, das wir gestern besucht hatten. Leider gelangten wir anschliessend auf einen in Gestrüpp endenden Weg, als wir einen anderen Abstieg wagten. Rui und Luo bewiesen Grösse, als sie durch die Dornen und über die Felsen wieder alles zurück hoch bis auf die Strasse mussten. Rui schlug vor, wieder den Weg vom Morgen zurück zum Dorf herunter zu gehen. Genau so machten wir es. Luo und Roger gingen schnell vor und hängten die Wäsche ab. Rui und ich versuchten noch einige Dinge einzukaufen, aber auch hier ist schon weitgehend Winter. Nichtsdestotrotz, nicht zu fest Winter, als dass wir nicht nochmals grillen konnten. Auf die Entrecotes hatte sich Roger den ganzen Tag gefreut, auf das Grillen im Allgemeinen vor allem unser Rui.

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  • 14Nov 2012

    83 Tropfsteinhöhle Perama (Ioannina) 14.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

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    14. November: Tropfsteinhöhle „in a rush“
    Eine letzte warme Dusche liessen wir uns nicht entgehen, bevor wir dann den Zeltplatz verliessen. Auch wenn Luo meinte, eigentlich wolle er nochmals eine Nacht bleiben, um morgen noch einmal duschen zu können.
    Kurvig war die Strecke bis zur Autobahn Richtung Ioannina. Da aber erwartete uns die Tropfsteinhöhle von Perama. Vor allem Rui erstaunte mit Wissen, das er noch aus der Ungarn-Tropfsteinhöhle und der Höler in der Türkei hatte. Auch wenn wir leider eigentlich gar keine Zeit hatten, die Höhle wirklich zu betrachten, denn die Führerin raste mit uns in Dreiviertelstunden durch das Höhlensystem, erklärte auf Griechisch und „gleichzeitig“ Englisch wie eine Maschine und liess kaum Zeit für eine Übersetzung unsererseits für die Kinder. Dennoch, die Höhle ist super und die Stalaktiten und Stalagmiten sind gewaltig.
    Richtig erschöpft schliefen Rui und Luo auf der Weiterfahrt ein, was schon seit geraumer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Irgendwo auf der Strecke nach Arta fanden wir einen Schotterweg Richtung Fluss und stellten den Bonabus zwischen eine Baumgruppe. Mit Minilück und Konsorte waren wir anschliessend alle eine gute Weile beschäftigt. Roger hatte einen Erkältungsanfall und legte sich mit einem Aspirin in Luos Zimmer. Diese Zeit nutzten die Jungs und ich, wir kochten.

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  • 15Nov 2012

    84 Kryoneri 15.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

    Beschreibung

    14. November: Sturmwind an der Küste des Ionischen Meeres
    Heute wollten wir noch weiter Richtung Süden bis zum Bouldergebiet an der Südwestküste des griechischen Festlandes. Es brauchte einige Zeit bis wir dort waren. Gegen Mittag hatten wir es aber geschafft und stiegen aus – nur um beinahe fortgeluftet zu werden. Es war bald klar, dass wir heute kaum am Meer stehen sollten. Wie hoch die Wellen noch kämen und wie sehr der Bus vom Wind gebeutelt werden könnte, dies wollten wir beides nicht unbedingt zur Nachtzeit ausprobieren. Wir boulderten dann aber doch, weiter oben windete es nicht mehr so stark. Unterhalb dieser mächtigen, kompakten und stukturierten Felswand zu bouldern war etwas unbefriedigend. Viel lieber hätten wir ein paar der vielen Routen am Fels geklettert. Der starke Wind und die Aufsicht der Kinder hielten und aber davon ab, so dass wir doch ein paar Boulder in den stark eingewachsenen Blöcken versuchten. Kaum drehten wir den Jungs den Rücken, begannen aber auch sie rumzuklettern. Was natürlich nicht geht, ohne Seil, Kinder! Aber der Ehrgeiz und die Kletterfreude sind momentan wirklich geweckt! Sowohl Rui als auch Luo kletterten am Seil richtig gut und seilten schon viel mutiger und sicherer ab (wir seilten sie ab).
    Jetzt steht der Bonabus irgendwo etwas weg vom Strand an einem Strässchen mit Ferienhäusern. Hier windet es kaum. Es ist sogar richtig warm. Erster Abend seit langem mit über zwanzig Grad, ohne heizen!

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  • 16Nov 2012

    85 Starker Wind und einfach schön 16.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

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    16. November: Fahrt um den Berg, wo wir am 17. und 18. bleiben
    Morgens fahren wir „um den Berg“, also um den Riesenfelsbrocken, vor dem wir gestern geklettert sind. Wir landen in einem kleinen sympathischen Dörfchen. Dahinter, dem Meer entlang, ca. ein Kilometer weit weg eine Traumbucht. Wir stellen uns in die Mitte, steigen aus, spielen. Nachmittags flicken wir die Velos der Jungs. Natürlich sind Pneus und Schläuche, die wir ausbauen sofort bestes Spielmaterial für Tage. Mit viel Gegenwind und ebenso viel Enthusiasmus fahren die Jungs danach stolz auf ihre so gut wie neuen Velos zum Dorf, und wieder zurück.
    Am siebzehnten hat es weniger Wind, dennoch gehen wir nur mit Windstopper nach draussen. Erfolgreich lassen wir heute die Drachen steigen (gestern war der Wind zu unstet), was gut gelingt, da wir dafür einige hundert Meter um die nächste Biegung marschieren. Rui und Luo haben ihren easy Kite, Roger und Martina freuen sich am Lenkdrachen. Beim Rückweg entdecken wir einen kleinen Parkplatz im Windloch, wohin wir alsdann den Bonabus holen. Für mich kommt dies doppelt gelegen, die Mücken haben mich des Abends unten richtiggehend gefressen.
    Um die Mittagszeit machen wir wieder eine Spazierfahrt ins Dorf, kaufen dort tiefgefrorenen Fisch und Müesli im Lädeli. Auf einer „Kontrollfahrt“ entdecken wir, dass die kleine Taverne am Meer wirklich geöffnet hat. Begeistert essen wir den wohl feinsten Tintenfisch auf unserer Reise, in Mehl gedreht und frittiert, frisch zubereitet. Die Souflakispiessli sind auch nicht schlecht. Gut, dass wir nach alldem unseren Rückweg etwas ausdehnen können, die Bäuche wölben sich… Vor allem der von Roger, der zweieinhalb der spendierten Caramellköpfli gegessen hatte (Rui war zu voll und Luo zu fest „Bauer“.) Unser Heimweg führt uns durch ein Baumwollfeld, wo wir einige Blüten und „Wuschel“ vom Boden auflesen. Klar, dass zu Hause gleich eine Baumwollfabrik eröffnet wird. Wir tun, als wäre es Schurwolle (da weder Roger noch ich wissen, was mit Baumwolle wirklich gemacht wird, bis es „Faden“ ist): Wir Karden mit einem Kamm, wir zupfen und spinnen von Hand. Den brüchigen Faden drehen wir zu einer Kordel und fertig ist die selbstgemachte Schnur!
    Auch der achtzehnte wird gemütlich angegangen. In der Sonne spielen wir mit den Steinen und „Abbruchmaterial“, das hier endgelagert wird. Rui, Luo und ich basteln Männchen und erstellen eine „Cabane“, eine Hütte mitsamt Dach und Vorgarten. Roger ölt derweil alles Mögliche am Bonabus, justiert die Fenster und Türen etc. Der auf dem Aussenkocher geplante Fisch müssen wir um die Mittagszeit drinnen kochen, weil plötzlich wieder Wind aufkommt. Natürlich schmeckt er dennoch hervorragend. Nach der Mittagspause springen wir Erwachsenen zum gründlich Putzen und vor allem Haarewaschen ins Meer. Uns reicht das morgendliche Waschen nach ein paar Tagen jeweils nicht mehr.
    Zurück beim Bus schlägt Roger vor, den „Hügel“ hinter dem Bonabus einen Teil hoch zu besteigen. Nach zwei Stunden sind wir vom „Spaziergang“ zurück, haben Höhenmeter gemacht, sind über Felsen geklettert, hatten eine spektakuläre Sicht zur Brücke Richtung Patras rüber, die wir morgen befahren werden, sahen Schafe und Ziegen und einen Esel… … na ja – aus einem Spaziergang wurde eine ganz schöne Bergwanderung mit ca. 300 Hm ;)

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  • 19Nov 2012

    86 Brücke und Kanal 19.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

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    19. November: Wow, diese Brücke!
    Heute überqueren wir die Rio-Antirrio-Brücke, die wir die letzten Tage von weitem her bewundern konnten. Rui und Luo sitzen vorne im Auto und staunen und machen sich gute Gedanken. Roger erklärt die Brückeneigenschaften (http://de.wikipedia.org/wiki/Rio-Antirrio-Br%C3%BCcke). Auf der Peloponnesseite machen wir erst mal einen Grosseinkauf. Dann beschliessen wir unsere Wochentour durch die Halbinsel anzutreten. Denn das Internet meldet, dass unser Päckli noch immer beim Zoll hängt. So verlassen wir die Nähe von Patras. Beinahe hätte es noch einen Zwischenfall gegeben. Ein Töfffahrer überholt einen Lasti auf der Gegenfahrbahn und um ein Häärchen wäre er frontal in unserer Motorhaube gelandet. Roger hupt und flucht, wir kommen mit einem Schrecken davon. Die Griechen spinnen, was der Verkehr anbelangt. (Laut lonely planet sterben in Griechenland jährlich mehr als 2000 Menschen im Verkehr; die häufigste Unfallursache sei das Überholen) . Fahren schnell und übeholen bekloppt, rückwärtsfahren können sie nicht wirklich. Wenn sie gerade keinen Parkplatz in der ersten Reihe der an der Strasse geparkten Autos finden, stellen sie auch mal den Warnblinker und erfinden eine zweite Parkreihe. Crazy. Da war es in der Türkei irgendwie einfacher. Sind dann mal gespannt auf Italien…

    Auf der Weiterfahrt wird wieder Maut auf der Autobahn erhoben. Nichts Neues, eigentlich, nur dass es hier die Autobahn gar noch nicht gibt. Frechheit, eigentlich, für eine Gegenverkehrsstrecke mit vielen Baustellenschildern und nur 60 befahrbar (Überland normal 90 bei Gegenverkehr) auch noch Geld zu verlangen. Wenn man im Bereich der Baustelle ca. 70 km/h fährt, wird man vom folgenden Lastwagen ausgehupt und fast gestossen, da er bei erlaubten 60 km/h wohl lieber schneller als 70 km/h fahren würde … Irgendwo gehen wir runter, machen ein Picknick im Bus und fahren dann der Küstenstrasse entlang. Langsamer, aber entspannter und viiiiel schöner.

    Luo schläft müde vom konzentrierten Zuhören des „Mir gönd in Zoo 2“ mit Kopfhörer hinten im Auto (Mittagspausenfahrzeit) als wir die Brücke am Westende des Kanals von Korinth erreichen. Die Brücke wird eben versenkt, Roger und Rui „rasen“ runter um das Spektakel mitzuerleben. Ein kleineres Schiff passiert, die Brücke geht wieder hoch und die Autos können wieder fahren. Dann, kaum ist der kleine Luo auch noch erwacht, geht das Ganze wieder von vorne los. Diesmal schleppt ein Schlepper ein grösseres Schiff durch den Kanal. Dieser ist eindrücklich. Scheinbar wollten schon die Römer eine Seepassage bauen und zwangen 6000 jüdische Gefangene zum Buddeln, die Gallier störten sie dabei. Später kam etwas dazwischen, das Projekt versandete, die Rollbahn auf Pflaster, die schon einige Jahrhunderte funktionierte, wurde noch einmal beinahe zweitausend Jahre in Betrieb genommen. Dann Ende 18. Jahrhundert wurde der Kanal von Korinth doch noch fertiggestellt (Ingenieurbüro aus Frankreich). Nun, nur wenige Jahrzehnte später ist er aber wieder zu klein für die richtig grossen Schiffe. Das Ufer bricht teilweise ein, die Steilküsten werden nur mehr schlecht abgesichert. Das Wunderbauwerk scheint kaum mehr gebraucht zu werden. Viele Bauruinen von Häusern stehen herum. Eindrücklich aber auch das: Als das Werk endlich vollbracht, war es eigentlich schon beinahe überholt… - … und wenn die Römer den Kanal fertig gebaut hätten, wäre er vielleicht für die moderne Schifffahrt von Anfang an zu klein gewesen, hätte aber heute sicher einen besseren Zustand. Die Römer bauten nicht wie wir für 100 Jahre, sondern für Jahrhunderte!

    Wir finden einen Platz am Rande des Kanals im ersten Drittel von Westen. Mit Aussicht, im Rücken ein Olivenhain.

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  • 20Nov 2012

    87 So muss sich ein Reh fühlen! 20.11.2012 Griechenland —

    Isthmia, Griechenland

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    20. November: So muss sich ein Reh fühlen
    Das war ein ereignisreicher Tag! Zuerst befragen wir Erwachsenen das Internet und sehen, dass die Zahlung mit unserer DKB-Visacard wieder einmal nicht geklappt hat. Die reservierten Ticket für den 22. Dezember von Genua nach Tangeri sind also in Gefahr. Wir konnten noch Aussenkabine ergattern, ab Livorno wäre das schon nicht mehr möglich gewesen. Ich setze mich ans Telefon, die ersten italienischen Sätze sind ein Gestotter. Rui und Luo sitzen mucksmäuschen still und beobachten mich, als sei ich ein seltenes Tier. Das scheint Eindruck zu machen, sie spüren wohl die Anspannung, wenn ich fremdsprachig telefonieren muss. Die Leute bei A FERRY aber sind kompetent, wir glauben, dass wir das nun hinkriegen.
    Anschliessend wird das grosse Schiebefenster von innen abmontiert. Woher kommt das Wasser auf dem Holz unter dem Fenster, das ist die Frage, der wir nachgehen. Es scheint, dass das Fenster nicht ganz richtig geschlossen war. Sicher können wir aber erst nach den heftigen erwarteten Regenfälle der nächsten Tage sein. Wer weiss, was all die Erschütterungen des letzten halben Jahres unserem Bonabus angetan haben!
    In sechs Minuten führt uns Lisa später zum Hafen von Korinth. Die drei Männer vertreiben sich die Zeit, die ich auf der Post verbringe. Das Päckli, so unsere Sendungsrückverfolgung auf dem Internet scheint doch noch gestern in Patras angekommen zu sein (als wir schon weg waren). Aber es erscheint eine seltsame Wendung auf dem Bildschirm: „19. November: Zustellversuch, Empfänger abwesend.“ Was soll das? Normal für Poste restante (postlagernd)? Die erste Frau in der Post verweist mich an eine englischsprachige Mitarbeiterin. Sie telefoniert mit Patras. Danach warte ich eine Stunde. Und, ja, sie finden unser Paket in Patras! Und vermerken, dass ich es am 26. abholen werde. Dann wird am Abend auch unsere Fähre nach Bari ablegen.
    Am Ostende des Kanals von Korinth finden wir ein Plätzchen, wieder in der Nähe der Senkbrücke (der diesseitigen), bei einem im Winter geschlossenen Restaurant, wo wir auch unsere Wasservorräte füllen können. Wir nehmen Merenda und Regenjacke und spazieren los. Ein Trampelpfad führt uns zur Autobahn, wir finden einen Steg über die Auto- und Eisenbahn, wieder dem Kanal entlang, bis zu einer Autobrücke. Über den Kanal und auf der anderen Seite zurück… So meinen wir jedenfalls. Bis wir den Bonabus quasi rüberwinken sehen, über die Autobahn und den Kanal. Es gibt aber keinen Weg über erstere. Wir gehen weiter Richtung Osten, immer weiter. Und finden nichts. So muss sich ein Reh fühlen. Hier oben hat es richtige Villen, die aber vom Meer, dem Kanal, ja von allem durch die Autobahn abgeschnitten sind. Wer nicht alles mit dem Auto machen will, muss hier wohl Flügel haben… Irgendwann müssen wir eingestehen: So geht das nicht. Wir kehren um, müssen ALLES zurück und sind im gesamten wohl wieder über zwei Stunden unterwegs. Rui und Luo machen mit, motzen nicht mal allzu fest. Das ist ein Grund für Pasta! Denn Wasser haben wir ja wieder und bei der Wärme (zwanzig Grad) können wir auch die Türe offen lassen, dann kann einige Feuchtigkeit des kochenden Pastawassers raus.

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  • 21Nov 2012

    88 Nafplio 21.11.2012 Griechenland —

    Navplion, Griechenland

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    21. November: Städtchenabend in Nafplio
    Durch Olivenhaine fahren wir Richtung Mykene. Ich sitze am Steuer und frage mich, ob Roger gestern Abend Lisa wirklich richtig programmiert hat. Die Strässchen sind manchmal sehr schmal… aber schön!

    Mykene begrüsst uns von der Hügelkuppe. Die Jungs sind motiviert und wir besichtigen alles: Das Museum, die Ruinen von Mykene und die Schatzkammer des Atreus. Anschliessend stärken wir uns mit einem kleinen „Picknick“ im Bonabus, bevor wir noch einmal den Motor starten und bis Nafplio rollen. Hinter der Altstadt zwischen den zwei Festungen hat es ein kleines Tal. Hier befindet sich ein Parkplatz bei einigen „Ruinen“, die vor nicht allzu langer Zeit mal Hotels waren (warum wohl nicht mehr?) Ein idealer Platz also für den Bonabus (oder Bona, wie Luo ihn neuerdings nennt).

    Hier stehen prominent gleich mehrere Burgen, ein ganz anderes Jahrtausend begrüsst uns also. Bei einem Spaziergang rund um die Halbinsel der Altstadt und der unteren Festung konnten wir (also ich) mit Klettereien doch noch zwei hier in grossen Mengen wachsender Kaktusfeigen ernten. Diese Früchte waren zum Leidwesen der Kinder dann aber schon eher überreif. Neben unreifen aber waren keine anderen in meiner Reichweite… Wir waren natürlich nicht die ersten mit dieser Idee. Ein toller Spielplatz in Hafennähe entschädigte Rui und Luo. Nur schwer waren sie später davon wegzukriegen. Sie „witterten“ aber wohl was, von dem wir noch nicht gesprochen haben. Aber die Jungs kennen ihre Eltern und ihre Vorliebe in Städten auch mal was Feines auswärts essen zu gehen (letzteres aber nur, wenn alles stimmt). Und so waren sie dann besonders brav, als wir durch die Gassen der italienisch anmutenden Altstadt strichen. Man spürt die Venezianer, die diese Stadt und Festungen mitgeprägt hatten. In einem kleinen Gässchen fand sich dann auch wirklich eine Taverna, in der viele junge Griechen beim Essen sassen. Wir wählten einen Innenplatz, denn momentan sind wir eher vorsichtig. Seit etwas mehr als einer halben Woche hört Rui endlich wieder… sogar recht gut, das werden wir nicht so schnell aufs Spiel setzen. Die Zucchinibällchen, Knoblauchsauce, frittiert-panierter Feta, Kaninchen, Fleischklösschen und Moussaka begeisterten uns alle. Und weil es so schön war, gemütlich und weil die Jungs richtig still im Restaurant waren (am Staunen ob der anderen Gäste und am Malen in Onkel Doi’s Tagebuch), gingen wir anschliessend zur Eisdiele. Mit Faserpelz und Regenjacke sassen wir da und schleckten herzhaft (nur Roger streikte, wie kann er nur die Glaces verschmähen…)

    Der Spaziergang heimwärts durch die Dunkelheit bereitete Rui wieder eher Angst. Er ist eher ängstlich in letzer Zeit, begreift halt aber doch schon viel mehr als Luo, die Tragweite der Dinge. So gesehen ist seine Angst eher positiv. Wir sind richtig stolz auf ihn!

    Und ich geniesse diese Städtetage sehr als Ausgleich zu unseren eher einsamen Wandertagen. Beides im Wechsel ist super.

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  • 22Nov 2012

    89 Open-Air Water Power Museum 22.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

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    22. November: 999 Stufen
    Wie viel Stufen es nun wirklich waren, ist eigentlich egal. Gegen 1000 waren es aber sicher, die wir Berggämsen des Morgens aufstiegen. Belohnt wurden wir vom fantastischen Ausblick über Nafplio, grosse Teile der Küste hier und das Meer. Die Festung Palamidi selbst bot Raum für Entdeckungen und Abenteuerlichen Rollenspielen (Piraten vertreiben, aus Schiessscharten Feinde niederschiessen… was man halt als Krieger auf einer Burg so tut).
    Mittags waren wir wieder unten und sprangen erhitzt von der sportlichen Leistung gleich ins Meer. Wir taten es damit sicher zwanzig Griechen gleich, die hier badeten. Es war trotzdem eher kalt und Rui hatte sofort wieder blaue Lippen. Also ging ich mit ihm direkt unter die (kalte) Dusche. Wir seiften uns ein und duschten schnellstmöglich. Erfrischt setzten wir uns anschliessend mit Faserpelz und Kappe in den Bonabus und fuhren Richtung Berge des Peleponnes. Am Zwischenziel Stemnitsa angekommen waren wir überwältigt von den schönen Steinhäusern, aber auch von den engen Strassen. Glücklicherweise hat aber das Wasserkraftmuseum im nächsten Dorf, also Dimitsana, einen äusserst grosszügigen Parkplatz. Hier lässt es sich bleiben!
    Nach dem Abendessen bauten wir mit vereinten Kräften eine Fähre aus Lego. Vorbereitung für die anstehenden Überfahrten!

    23. November: 14 Leistungskilometer
    Rui weckt uns freudig, er möchte mit der Legofähre spielen (die über Nacht im Führerhaus gestanden hatte). Heute frühstücken wir ohne Joghurt. Das griechische Joghurt ist noch besser als das türkische und das bulgarische Joghurt, aber auch das Rumänische war schon nicht schlecht. Wie wird das bloss in Zukunft? Jughurtmässig geht es wohl in Italien, Marokko etc. eher bergab… „Danone? Na ja es geht auch ohne!“
    Der Besuch im Wasserkraftmuseum hatte sich wirklich gelohnt: Olivenmühle, Kornmühle, Gerberei, Schwarzpulvermühle, Rakibrennstation und alles in authentischen Steinhäusern, an kanalisierten Mühlibächli. Rui und Luo wollten alles wissen und nochmals dies und nochmals jenes ansehen. Irgendwann aber hatten wir genug, kauften im Kiosk eine Wanderkarte, holten Rucksack, Picknick und Merenda und wanderten Richtung Louisos-Schlucht. 8 Kilometer, 400 Höhenmeter (runter und rauf) standen an. Runter war der Weg super. Einmal floss zwar einige Meter ein Bach darauf… Rauf bis zum kleinen Dorf unterhalb des Bonabusses folgten wir einer kleinen asphaltierten Strasse, und zwar beinahe in Stechschritt. Die Jungs zogen aus… und meinten: „Wenn wir so gut laufen, haben wir dann etwas verdient? Ein Glace oder so?“ Ja, ganz klar. Wir meinten aber, dass wir dafür ins grosse Dorf hoch müssten, also sicher noch 100 Höhenmeter oberhalb des Bonabusses. Wer aber meint, das hätte unsere Jungs von der Glace-Idee abgehalten, der hat weit gefehlt. Es werden wohl nicht viele Jahre vorbeigehen, bis wir Eltern den zwei hinterherkeuchen werden! Das Glace war übrigens wunderbar, auch wenn wir, nassgeschwitzt wie wir waren bei eben hinter dem Berg verschwundener Sonne Faserpelz und Windstopper wieder anziehen mussten. Gleich um die Ecke fanden wir einen unerwartet grossen, kleinen Laden. Wir generierten hier sicherlich einmal mehr den Tagesrekord, indem wir unsere Kühlbox füllten und einiges mehr einkauften.
    Schön, am Abend in den „Bona“ heimzukehren, heizen zu können und später ein feines Reis mit Crevetten und Pepperonigemüse zu essen. Die Jungs waren allerdings an der Grenze, müde zum umkippen und nach dem Essen bald im Bett.

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  • 24Nov 2012

    90 Herbstwanderung in Griechenland 24.11.2012 Griechenland —

    Griechenland

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    24. November. Längere Wanderung als gestern?
    Gehen wir morgen eine noch längere Wanderung machen als heute? Hat Luo gestern gefragt. Und so war es dann wohl auch. Dafür fuhren wir mit dem Bonabus bis an die Brücke hinunter, bei der wir gestern von Fussweg auf kleine Asphaltstrasse gewechselt hatten. Von da ging es ab halb elf über kleine Trampelpfade dem Louisos nach bachabwärts. Die Schlucht wurde immer imposanter, leider der Fussweg teils immer überwucherter und hier scheinbar nicht mehr gebraucht. Wo alte Bauernhäuser sind, da bestehen die Trampelpfade noch. Aber wandern, das macht scheinbar niemand hier. Und dies ist ja nicht das erste Land. Manchmal denken wir an Ungarn zurück, wo alles so gut ausgeschildert war, wandermässig! Hier fahren alle gerne ihr Auto spazieren. Das Entdecken der Welt auf Schusters Rappen, das ist wohl heutzutage schwierig bis beinahe unmöglich. Es sei denn, es macht einem nichts aus, lange Strecken an Hauptstrassen zurückzulegen, Wege über Autobahnen und Schienen zu finden etc. Vor dreissig Jahren war das sicherlich noch einfacher. Oder in Ländern, in denen das Auto noch Luxus ist und die einfachen Leute zu Fuss gehen.
    Dennoch, wir geniessen unsere Wanderung. Drei Athenerinnen gehen den Weg parallel zu uns, mit Turnschuhen und Stiefelchen, auf der Strasse oben. Die Olivenernte ist in vollem Gange. Tücher sind an den Hängen ausgebreitet. Die abgesägten Äste werden abgeschüttelt und so von den Oliven befreit. Erstere werden dann auf die Seite geworfen, zweite kullern die Tücher entlang hinunter, werden dort aufgelesen und in Säcke gesteckt.
    Beim Kloster Moni Pilosophou (mit schöner orthodoxer Kapelle mit Frescos) sind wir alle noch gar nicht müde (die Athenerinnen kehren um) und nach einer Merendapause steigen wir den steilen stufenbesetzten Weg bis ganz zum Fluss hinunter, auf der anderen Seite wieder hinauf. Von unten sieht das dort hoch oben an der Felswand klebende Kloster imposant aus. Leider ist gerade Siesta und die dazugehörige orthodoxe Kirche ist geschlossen. Also steigen wir daran vorbei, immer höher, bis wir über der Felswand die Strasse erreichen. Nun ist es schon zwei Uhr nachmittags und wir haben uns ein feinstes Picknick verdient. Anschliessend machen wir uns auf den Rückweg, zuerst eine kleine, schmale Asphaltstrasse oberhalb der Felswand entlang, bis diese von einem fahrbreiten Feldweg abgelöst wird. Wie die Wiesel kommen wir voran und sind schon um halb vier beim Bona zurück, viel schneller als über den Trampelpfad also. Rui und Luo setzen wir auf die Rückbank und mit den Kopfhörern hören sie „Mir gönd in Zoo 2“ und halten Mittagsruhe. Diese Mittagsruhe gibt es noch beinahe täglich, kann irgendwann am Tag stattfinden und heisst: Dreiviertelstunde jeder für sich – beim Autofahren eben mit Kopfhörer, oder alleine im Zimmer (mit Trennwand-Vorhang) bei Lego und Spielzeug.
    Wir fahren Richtung Patras und möchten noch so weit als möglich kommen. Durch die Strassen der Dörfer ist es oft sehr schmal, einspurig, manchmal nicht einmal das (parkende Autos auf der Strasse). Irgendwann ist Fahrerwechsel und die Jungs dürfen auf die Vorderbank zurück. Roger sitzt am Steuer und fährt immer weiter, direkt in die Dunkelheit (sechs Uhr abends) hinein. Danach wundert er sich, wie schlecht man alles sieht und wie schwer man ein Plätzchen für die Nacht findet. Wir sind dann aber trotzdem erfolgreich, es ist ja nur für ein paar Stunden.
    Luo hat heute über folgendes nachgedacht: „Wenn alle Menschen baden gehen, dann hat es irgendwann kein Wasser mehr im Meer.“ WARUM? „Weil sie ja alle nass sind, wenn sie rauskommen.“

    Fotos der Wanderung Siehe 22. Novermber 2012

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  • 25Nov 2012

    91 ugly city 25.11.2012 Griechenland —

    Patra, Griechenland

    Beschreibung

    25. November: Patras am Sonntag
    Die Fahrt nach Patras dauert nicht mehr lange. Nach eineinhalb Stunden sind wir da. Leider hat wirklich alles geschlossen, entgegen unserer Informationen auch die Hauptpost. Das Abholen des Päcklis muss also bis morgen warten (und klappt dann hoffentlich!). Die Fährtickets für morgen können wir aber doch abholen. (Patras ist übrigens die hässlichste Stadt die wir bereist haben. Müllberge häufen sich und es stinkt überall nach Abfall und Abwasserkanal). Dann findet erstmals ein Essen mit anschliessender Mittagsruhe im Bona statt. Als wir anschliessend bis zum Kastell hochsteigen (Roger springt die Stufen richtiggehend hoch, Luo lässt sich irgendwann abhängen), ist dieses schon geschlossen. Diese Griechen und ihre Öffnungszeiten! Wir schlendern vom alten Hafen Richtung neuer Hafen und hoffen einen Blick auf die heute auslaufenden Fähren erhaschen zu können. Natürlich machen wir bei einem Spielplatz, der auf dem Weg liegt, Station. In der Nähe trinken wir einen kalten Kaffee, für den die Region hier bekannt ist. Die Traghettis sehen wir ebenfalls, die einen sogar auslaufen (Grimaldi Lines). Die Sonne aber verschwindet nur wenig oberhalb des Meeres hinter Wolken. Vielleicht haben wir morgen einen perfekteren Sonnenuntergang. Auch mit der Restaurantsuche sind wir diesmal nicht erfolgreich. Hier gibt es keines! Weder unser Reiseführer noch unser Instinkt weiss Rat. Nur Imbissbuden, von all den Studenten hier besucht. Also bleibt uns nichts anderes übrig: Wir bestellen Gyros-Teller, denen wir aber nicht im entferntesten Herr werden! Auf dem Rückweg laufen wir ein bisschen, versuchen das Fett „runterzuschütteln“, das wir eben einverleibt haben. Bona wartet brav auf uns, auf einem Parkplatz, mitten im Getümmel, so weit entfernt aber, dass es relativ ruhig ist, nahe genug um morgen bei Öffnungszeit um neun Uhr bei der Wäscherei zu sein (was wir früh anpacken müssen, wollen wir um vier bereit zum Einschiffen sein).
    Zwar haben wir das 1GB-Kontingent unserer griechischen SIM-Card aufgebraucht, hier hat es aber ein offenes Netz. Wir werden versuchen unsere heute geschriebenen Berichte hochzuladen und alle, die uns noch immer auf dem Netz verfolgen wissen zu lassen, dass wir ab morgen Richtung Italien unterwegs sein werden. Wann wir das nächste Mal auf dem Netz sein werden, ist wie immer bei Länderwechsel, ungewiss.
    Griechenland im Herbst: Oft wurden wir angesprochen wieso wir vorhaben im Herbst Griechenland zu bereisen. Na ja – nach unserer Reise durch Griechenland können wir das leicht beantworten. Griechenland im Herbst ist grossartig. Nicht zu heiss für Wanderungen, Besichtigungen, etc. und ein kurzes Bad im Meer allemal machbar. Griechenland hat neben den Badestrände viel mehr zu bieten und genau das kann man im Herbst wunderbar geniessen. Vielleicht hatten wir auch einfach Dusel mit dem Wetter ;)

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  • 26Nov 2012

    92 Fähre Patras - Bari 26.11.2012 Italien —

    Bari, Italien

    Beschreibung

    26. November: Viel schneller als gedacht!
    Viel schneller als gedacht waren wir dann mit allen wichtigen To Do’s fertig. Schon vor neun Uhr hatten wir das postlagernde Paket auf der Hauptpost ohne jegliche Probleme erhalten. Und gerade zur Öffnungzeit der Wäscherei konnten wir drei Waschmaschinen aufgeben, die wir dann um zwölf schon wieder abholen konnten. Dazwischen streunten wir nochmals beim „alten Hafen“ herum, assen griechisches Gebäck und kauften einen Haufen feine Verpflegung für auf die Fähre. Die Kinderschlafsäcke wurden zusammengerollt und alles für die Nacht in die Rucksäcke verstaut. Punkt vier Uhr hatten wir eingecheckt und fuhren durch die Passkontrolle. Wie immer mussten wir den Bonabus hinten kurz öffnen, wurden dann aber durchgewunken. Auf Deck vier hatte es ausser dem Bonabus noch niemanden. Wir wurden zum Warten angehalten, bis grosse Fünfachser angefahren kamen. Irgendwo zwischen ihnen hatte es ein Plätzchen am Rand, in das kein Lastwagen passen würde und also gerade richtig für den Bona war. Roger musste ihn seitwärtsparkierend dazwischen setzen, worauf wir keine zwei Minuten Zeit hatten alles auszuladen und davonzueilen, denn die nächsten Lastwagen kamen angerollt. Vom Deck des unteren Passagierteils sahen wir dann zu, wie zentimetergenau die grossen Trucks „versorgt“ wurden, viele danach für die Fahrer unerreichbar einparkiert. In der „Lobby“ wurden wir begrüsst und es wurde uns erklärt, dass Deckpassagieren in dieser Jahreszeit ohne Aufpreis die hintersten Sitzbänke zugewiesen wurden. Wunderbar also für uns. Wir richteten hinter den Bänken und dazwischen Betten am Boden ein… Zuerst aber erkundeten wir das Schiff, bewunderten den Sonnenunterang und machten Bekanntschaft mit anderen „Deckreisenden“: Einem Spanier-Päärchen aus Barcelona, auf dem Rückweg einer halbjährigen Zug-Bus-Schiffsreise über Russland nach Japan, zurück nach China, Kasachstan, Indien, Türkei… Und ein Japaner, der Ähnliches unternimmt, in Athen einem Raubüberfall zum Opfer wurde, von dem er eine Narbe im Gesicht davon trug.

    Das mitgebrachte Picknick auf überdachtem Deck schmeckte vorzüglich, die UNO-Runden in der Lobbylunge waren spannend. Dann aber kippten unsere Jungs, wir brachten sie „ins Bett“ und sie schliefen nach einer kurzen Streiterei und Separation auf zwei auseinanderliegende Schlafplätze müde wie sie waren im hellerleuchteten Sitzsaal bald ein. Roger und ich duschten in der öffentlichen Dusche im wunderbar gekachelten Toilettenraum warm, öffneten unsere Italienreiseführer, die aus dem Päckli stammen und legten uns auch bald hin.

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  • 27Nov 2012

    93 Sturm am Meer 27.11.2012 Italien —

    Polignano A Mare, Italien

    Beschreibung

    27. November: Benvenuti in Italia und Kontakt mit der Hafenpolizei
    Roger war schon früh auf, draussen und bannte den Sonnenaufgang auf die Speicherkarte der Fotokamera. Rui freute sich als er gegen sieben wieder zurück kam und gesellte sich zu ihm. Luo seinerseits war froh und konnte auf den Platz neben mir nachrücken (den er sich gestern Abend mit den Streitereien mit Rui verunmöglicht hatte).
    Und alle waren wir froh, dass auf den Parkdecken nicht eine solche „Feuersbrunst“ gewütet hatte, wie wohl vor einigen Tagen. Die übriggebliebenen Trümmer standen schwarz und verkohlt auf dem Hafengelände in Patras herum. Ausgebrannte Führerhäuser, Skelette von Lastwagenanhängern mit Füllung. Wohl wartete dies alles auf die Gutachtung der Versicherung oder auf jemanden, der die Entsorgung organisiert und bezahlt.
    So gegen halb acht-acht gingen wir dann alle zusammen zum kostspieligen Kaffe und heisser Schokolade im Café-Bar des Schiffes. Rui und Luo duschten mit Rogers Hilfe, ich suchte alle sieben Sachen zusammen. Eineinhalb Stunden später begleiteten uns unsere Spanier auf Deck vier hinunter. Gemeinsam warteten bis die Trucks um uns herum starteten und sich ein Weg im Labyrinth bis zu Bona öffnete. Am Hafen von Bari war es dann aber wiederum sehr rätselhaft: müssen wir mit den Lastis anstehen oder den Schildern folgen? Wir entscheiden uns für zweites. Spätestens aber, als die Polizei uns folgte, war klar, dass wir falsch gepokert hatten… Mit den Italienischkenntnissen meinerseits konnten wir schliesslich unser Missverständnis klären, auch wenn die Poliziotti nicht gerade angetan waren von uns. Die Spanier brachte Roger als Taxichauffeur an den Bahnhof, er empfand den Verkehr in Bari als nicht schwieriger als der Griechische, im Gegenteil. Nach einer halben Stunde Fahrt kamen wir an den angepeilten Küstenabschnitt. Die Jungs fanden zwischen vermüllten Abschnitten einige sandige Stellen zum Sändelen. Nach einem Spaziergang durch die Strässchen zwischen den verschlossenen Ferienhäusern war klar: Hier gibt es nichts zu kaufen. In unserer Kühlbox aber herrschte gähnende Leere, kein Gemüse, keine Milchprodukte. Um diesen vermüllten Platz war es auch nicht weiter schade. Wir fuhren gegen unsere ursprüngliche Absicht also nochmals los. Die Jungs schliefen quasi mit dem Starten des Motores ein, gut so, dann würde die Laune nachher wieder besser sein, und also doch zu wenig geschlafen auf dem Boden der Fähre… Nach einigen Kilometern kamen wir zu Lidl. Wir kaufen Fische aus dem Indischen Ozean, Oliven aus fernen Ländern, Joghurt aus dem Norden Italiens… wenigstens stand beim Gemüse immer Italia. Und auch gut, so wissen wir wenigstens wieder, warum wir nicht in solchen Grossverteilern einkaufen und möglichst lokale Läden unterstützen. Um halb sechs waren wir dann auf unserem Plätzchen. Stockdunkel war es. Klar, in Griechenland hatten wir eine Stunde Zeitverschiebung, und auch dort empfanden wir das Eindunkeln als zu früh: sechs Uhr. Tja, aber fünf Uhr wie in Italien momentan, das beschneidet eines Travellers Freiheiten drastisch!

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  • 28Nov 2012

    94 Trulli - Zwergenhäuschen 28.11.2012 Italien —

    Alberobello, Italien

    Beschreibung

    28. November: Stürmisches Süditalien
    Die erste Nacht in Italien war ruhig. Morgens waren wir durch die Zeitverschiebung eher wach, was praktisch ist, will man das wenige Tageslicht nutzen. Die Grotten an diesem Küstenabschnitt, die Tuffsteine, von Wasser ausgewaschen, die Fischerboote, all dies galt es zu entdecken, bevor wir für Mittag die Gnoggis wärmten und mit einer feinen Sauce verspeisten. So fein war es, dass das ganze Kilogramm Gnoggis weggeputzt wurde. Kurz vor unserer Abfahrt kreuzte ein Deutscher mit seinem Büssli und seinem Hund auf, auch er von der anderen Seite der Adria kommend. Wir aber befolgten unsere urspünglichen Absichten und fuhren nach Alberobello. Die „Hauptstadt“ der Trullis wartete auf uns. Ärgerlicherweise erwischte uns ein kommunaler Parkplatzwächter auf einem der leeren Parkplätze vor diesem UNESCO-Gebiet und wir mussten auf einen speziellen Parkplatz und acht Euro bezahlen! Schade vor allem, weil wir später dann doch einen Stellplatz in der Nähe anfuhren und uns also die Kosten hätten sparen können. Zuerst aber zu den Trullis: Die mit flachen Tuffsteinen aufgeschichteten kleinen, ca. fünf Meter Durchmesser messenden Hüttchen mit zipfelmützenförmigen Dächern wurden hier in Gruppen gebaut und so aneinandergefügt, dass eine genügend grosse Wohnung für ganze Familien entstand. Auf diese Weise konnten die hohen Grundstücksteuern ausgetrickst werden. Im ganzen Valle d’Istria sind sie zu finden, aber nur hier in einem kleinen Städtchen stehend. Es mutete uns wie ein Märchenstädtchen auf. Um so mehr, als wir die einzigen Touristen weit und breit waren. Man war richtiggehend versucht nach den Zwergen Ausschau zu halten, die hier wohnen könnten.
    Der Sturm, der im nahegelegenen Taranto sogar Todesopfer gefordert hatte, nahm zu und wir beschlossen nicht wie geplant auf einem Parkplatz im Wald zu übernachten. Ein runterstürzender Ast ist schnell ein grosses Ärgernis, wenn er auf dem Bonabus landet. Also wie gesagt, wir steuerten den Stellplatz in Mitte von Alberobello in einem Olivenhain an. Für zwölf Euro hatten wir hier auch noch die Gelegenheit für Ver-/Entsorgung, seit langem einmal wieder mit europäischen Standard der Stellplätze.

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  • 29Nov 2012

    95 Weisse Altstadt 29.11.2012 Italien —

    Massafra, Italien

    Beschreibung

    29. November: SIM-Card in Italia
    Da im Dezember noch einiges gemacht werden muss, ist es sicher sinnvoll, Internetverbindung zu haben. Aber kein Problem, wenn man Italienisch spricht. Dachten wir jedenfalls.
    Zum Einiges, das gemacht werden muss: Die Gerüchteküche scheint heiss zu laufen. Für alle, die es noch nicht gehört haben: Wir tragen uns mit dem Gedanken, back to the roots zu gehen und im Juli unsere Zelte im Appenzellerland aufzuschlagen. Wunschdestination ist momentan Gais, wofür sich Roger und ich schon in der Vergangenheit durch seine wunderbare Lage begeisterten. Jetzt sind einige Entscheidungen zu treffen, damit wir dann im Frühling mit Wohnungs- und Arbeitssuche richtig loslassen können (mit Unterstützung, danke!). Jetzt im Dezember geht es um die Kommunikation mit Augenarzt, Garage etc. in Firenze, Finden eines Outdoorshops ebenda…
    Nach dem Morgenessen wusch Rui ab, Luo war heute mit Abtrocknen an der Reihe. Das machen die beiden jetzt total selbständig, mit versorgen des Geschirrs in der Küchenkiste. Währenddessen brachten Roger und ich einige andere Dinge im und am Bonabus in Ordnung. Anschliessend steuerten wir das nur eine Fahrviertelstunde entfern liegende Städtchen Locorotondo an. Glücklich fanden wir einen Seitwärtsparkplatz und ich konnte Rubbelbillette für an die Frontscheibe erstehen, die diesmal für die dreifache Zeit nur 1.8 Euro kosteten. Die Altstadtgassen des komplett geweisselten alten Locorotondo begeisterten uns, da aber ein Wind ging war es eher kalt. Wir lösten das mit einem Einkehren in einem Café. Luo durfte sein erstes Mal eine italienische Cioccolatta calda „trinken“, in der der Löffel stand… Rui begnügte sich mit einem Fanta, denn damit seine Verstopfung nicht wieder einreisst ist er wieder mal für einige Tage auf milchproduktfreier Diät.
    Nach weiterem Durchstreifen der Gassen war es dann plötzlich schon beinahe Mittag und also Zeit noch vor der Siesta an unsere SIM-Card zu kommen. Wir fanden einen kleinen Shop mit eher gleichgültiger Bedienung. Das Internet sollte in einer halben Stunde aufgeschaltet werden. Wir warteten also mit Weiterfahren, wollten das erst ausprobieren. Leider aber schaltete sich die Verbindung gleich wieder ab. Wir also zurück in den Laden, ich übersetzte und irgendwann klappte es dann. Wir sollten aber nochmals was zahlen… aber die hatten die Rechnung wohl ohne den Roger gemacht…
    Heute hatten die Jungs nicht gerade ihr bestes Verhalten in den Läden an den Tag gelegt, wir verordneten zum Weiterfahren daher Mittagsruhe. Und wirklich schliefen sie ziemlich sofort ein. Wiederum dauerte die Fahrt nicht wirklich lange, vielleicht etwas mehr als eine halbe Stunde, hie und da Trulli-Mützen. Dann kamen wir an die Schlucht von Massafra. Nirgendwo im Lonelyplanet zu finden, im WOMO-Führer aber drin. Schön sieht die Schlucht aus. Aber zuerst mussten wir was kochen, wir hatten Hunger und der Fisch aus einem Fischladen am Morgen wartete in der Kühlbox (eine Spigola). Danach war es schon beinahe wieder dunkel. Möglich war aber noch ein Spaziergang durch das Städchen, mitsamt reizvoller, wenn auch weniger herausgeputzter Innenstadt.

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  • 30Nov 2012

    96 Sassi 30.11.2012 Italien —

    Matera, Italien

    Beschreibung

    30. November: Wanderklettern in „vergessene“ Schlucht
    Das Morgenessen findet ohne Luo statt, da er gemeint hat: „Mami ist Scheisse!“ und ich das natürlich nicht auf mir sitzen lasse! Anschliessend fahren wir, wieder vereint, durch das Städtchen und suchen von unten her Zugang zur Schlucht. Etwas oberhalb der Talsohle finden wir einen Platz, auf dem wir Bona stehen lassen können. Dann wander-klettern wir hinunter. Wege scheint es hier nicht wirklich zu geben (abgesehen von dem bei der Kirche, bei der der Zugang ja verschlossen gewesen war). Aber das hält uns natürlich nicht ab! Unten angekommen sehen wir eine kleine Felskirche, mit zugehörigem Erklärungsschild. Dann aber ist das Weiterkommen unmöglich, die Brombeerranken sind auf breiter Strecke über einen Meter hoch. Roger und ich „werfen“ uns die Jungs über den Rücken und können an einem weniger zugewachsenen Ort das ausgetrocknete Bachbett queren. Den restlichen Weg hinauf können dann wieder alle auf eigenen Füssen zurücklegen. Wir brauchen Hände und Füsse, klettern über Felswände (kleine) und kommen schliesslich oben an. Als erstes wird nun der Hunger mit leckerem mitgebrachtem Picknick gestillt. Dann gehen wir durch die Olivenhaine der Schlucht entlang, bis wir ganz oben runterblicken können. Es reizt uns, die vielen Höhlen, die stark an Göreme in der Türkei erinnern, zu entdecken. Auch hier hatten (nach Siedlungen in der Jungsteinzeit) Mönche zurückgezogen gelebt. Beim Fotografieren ganz vorne am Abgrund findet Roger eine in den Fels gehauene Treppe. Wir folgen ihr, müssen über steile Borte, Wiese und den Tuffstein hinunter, gelangen schliesslich ganz in die Talsohle. Einige Höhlen sind einfach zu besichtigen, andere für uns ohne Seil mit den Jungs zu riskant. Unsere Neugierde und Phantasie wird durch Blutspuren am Boden angeregt: Hat hier wohl ein Fuchs seine Beute vorbeigeschleppt?
    Wieder oben angekommen machen wir noch einmal Pause und staunen über die Fertigkeiten unserer Söhne in diesem Gelände zu Recht zu kommen. Den Rückweg wählen wir in der Sonntagsspaziergangvariante: Der Nase nach quer durch die Olivenhaine direkt zum Bona. Klar schlafen die Jungs bald auf der Rückbank, auch mancher Erwachsener würde das wohl, wollig warm nach der sportlichen Leistung… Und nach einer Stunde Fahrt über kleine Überlandsträsschen, die man hier oft nur mit 50-70 km/h befahren darf, kommen wir in dem Naturpark vis à vis von Matera an. Die UNESCO-Stadt mit ihren Sassibezirken ist eindrücklich anzusehen. Wir bleiben auf dem Kehr-Parkplatz, obwohl für die Camper nur ein Tagesaufenthalt (parccheggio diurnale per i camper) vorgesehen ist –es steht aber auch nicht ausdrücklich, dass nächtliches Parkieren verboten ist.
    Liebe Elin, noch was an deine Adresse. Luo hat heute gemeint: „Ich wött wieder uf Bonaduz, damit ich d’Elin cha go bsueche. Und mit ihre nochem Chindsgi cha spiele!“

    1. Dezember: Adventskalender
    Juhu, wir dürfen eine Schoggi vom Kalender nehmen! Tönt es schon frühmorgens. Ja, aber erst nach Frühstück und Abwasch, und dann wird die Zahl, die an der Reihe ist, auch noch selbst gesucht… Gut, dass wir grosse Schoggivorräte mitgenommen hatten. In der Zwischenzeit kann man sie aber kaum mehr verschenken, also essen wir sei selbst… Der zweite Adventskalender darf erst bei Dunkelheit „geöffnet“ werden, die Jungs wissen bis jetzt noch immer nicht, um was es sich genau handelt und von wem er ist. Dazu aber später.
    Da heute Samstag ist, wollen wir sicherheitshalber die zehn Minuten über die Schlucht nach Matera mit dem Bona fahren und einkaufen, bevor wir die Stadt besichtigen. Wir finden einen Gemüse- Früchtemarkt , einen Bäcker und einen Laden mit Milchprodukten. Dann sehen wir uns die 5mio Liter fassende fünfstöckige Zisterne unter der Piazza an. In Matera hatten schon im 18. Jahrhundert 30‘000 Leute gelebt. Die Wasserversorgung im Tuffsteingebiet ohne Flüsse oder grosse Bäche wurde mit ausgeklügelten Kanälen und Zisternen gelöst. Nach einem Picknick auf der Piazza gehen wir in die Sassi (nachdem Luo und ich im Spurt ein WC suchten, der Arme hat plötzlich Durchfall, meistert es aber gut). Die Sassi sind eindrücklich. So viele Leute haben hier gewohnt, ihre Häuser in den weichen Tuffstein gegraben, davor mit Mauern eine Wand mit Türen errichtet. Vielleicht kennt jemand das Buch „Christus kam nur bis Eboli“ von Carlo Levi? Habe es mir gekauft, es soll eindrücklich von den unhygienischen, unhaltbaren Zuständen in den Sassi berichten, die noch bis in die Sechziger bewohnt waren, bevor zwangsumgesiedelt wurde.
    Um drei sind wir zurück im Bona, nach fünf Stunden auf den Beinen ziemlich erledigt. Luo‘s Darm spielt immer noch verrückt. Also wird das Auswärtsessen auf ein ander Mal verschoben. Lieber fahren wir zurück zum Parkplatz von gestern, wo wir problemlos selbst im Bus kochen können. In der Nacht stellt sich das als optimale Wahl heraus – Luo’s Darmgrippe wandelt sich in eine Magengrippe (und eben, zum Glück nicht irgendwo auf einem Parkplatz in der Stadt).
    Der zweite Adventskalender befindet sich übrigens im Computer und ist eine Geschichte, gelesen vom Nani und mit Bildern geschnitten von Neni. Wir sehen den ersten Teil gleich dreimal an, Rui noch einige Male mehr!

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  • 02Dec 2012

    97 Essen und Kälte 02.12.2012 Italien —

    Italien

    Beschreibung

    2. Dezember: Festessen im Agriturismo
    Ziemlich unausgeschlafen (ausser Rui) stehen wir morgens auf. Auch Luo ist wieder ziemlich fit. Die drei Männer gehen begeistert und sehen sich Übungen von Spitalärzten von Matera an, die die Helirettung und Abseilen am Fels trainieren. Danach fahren wir zur Touristeninformation des Parkes und wollen unser Porta Potty leeren, so wie es als Möglichkeit ausgeschildert ist. Eigentlich wollten wir das schon gestern Abend, aber die Zufahrt war versperrt. Ein nicht wirklich (un)freundlicher Mann erklärt, dass man nicht auf dem Parkplatz nächtigen darf (so wie wir) und knüpft uns fürs Entleeren 7 Euro ab.
    Nach etwas mehr als einer halben Stunde Fahrzeit kommen wir in der Masseria Ruotolo noch vor zwölf Uhr an. Dieser „Edelagriturismo“ steht in unserem ADAC-Stellplatzführer. Neben Agrarwirtschaft, Eseln, Pferden, Geissen, Gänsen, verschiedenen Hunderassen und Wildschweinen gibt es hier wenige Stellplätze und ein „Restaurant“. Nach einem Spaziergang zu allen Tieren und einer Einführung zum Bogenschiessen sind wir hungrig.
    Wir schliessen uns also fürs Pranzo den an die hundert Italienischen Tagesausflüglern an und begeben uns in einen Saal. Auf jedem Tisch steht ein Krug mit einem Liter Wein. Es gibt als erstes Antipasti, mehr als wir gelegentlich zu einer Mahlzeit verspeisen. Danach folgen Pasta als Primo und Fleisch als Secondo. Natürlich wurde für den Hauptgang ein weiterer Liter Wein, passend zum Gericht aufgetischt. Für die beinahe an jedem Tisch anwesenden Kinder gibt es eine abgeänderte Variante. Auch Luo hält gut mit, wir erlassen ihm die Diät. Mit einem Gang Frutta und einer abschliessenden Torta al Limoe schliesst sich das Mahl. Gut, können wir gemächlich zum Bona zurück kugeln. Die Jungs verhielten sich übrigens vorbildlich. Das Onkel-Dominic-Malbuch ist langsam ein Kunstwerk!
    Viel machen wir nicht mehr, einen Spaziergang im Dunkeln und später duschen wir glücklich warm und geniessen den Abend im Bona.

    3. Dezember: Freddissimo… und 4. Dezember Heizungsstudium
    Unglaubliche fünf Grad zeigt der Aussenthermometer. Sanft schaukelt dabei der Bona im böigen Wind. Die Leute, die draussen den Tieren schauen, sind bis auf das Gesicht eingemummt. Nein, wir bleiben noch ein bisschen bei unserer Heizung. Ausser einem Gang zu allen Tieren um die Mittagszeit und zum Duschhäuschen gegen Abend sieht man uns heute nicht. Wir spielen, wir malen, die Jungs haben viel Konzentration bei der Arbeit mit dem Labyrinthbuch (aus dem Patraspäckli), bauen Legohäuser und Autos, essen, machen Popcorn, Roger verwöhnt uns mit einer selbstgebrauten Basler Mehlsuppe. Was will man mehr?
    Bei zehn Grad Aussentemperatur funktioniert unsere Heizung am vierten wieder besser. Gestern mussten wir sie immer wieder von Hand abstellen, sonst hätte sie glatt bis über 25 Grad geheizt (kennst du das, Saskia?) Roger findet beim Internetstudium heraus, dass wir einen externen Wärmesensor benötigen, der beim Einbau vergessen gegangen ist. Über Internet versuchen wir einen Eberspächer-Vertreter zu finden. In Bari werden wir fündig, der Herr verweist uns an eine Garage in Altamura. Wird morgen also unser erstes Ziel sein. Die Jungs und ich füttern alle Tiere: Geissen, Esel, Wildschweine mit Stroh, das herumliegt, Gras und im Wald gesammelten Eicheln. Nachmittags machen wir uns noch einmal gut eingepackt auf den Weg und spielen auf dem „Fussballplatz“ richtig Fussball: Luo und ich gegen Roger und Rui. Natürlich duschen wir auch heute noch einmal warm (wenn wir schon mal können!)
    Rui sagt, als Roger ihn ins Bett bringt: „Oschi, ich han Chopfweh.“ Roger: „Häsch ä Bülä? Ich gesen nüüt.“ Rui: „Du chasch denn luegä, wenn ich alt bin und kei Hoor meh han, denn gsesch es.“

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  • 05Dec 2012

    98 Italiener und Heizungssysteme 05.12.2012 Italien —

    Silvi, Italien

    Beschreibung

    5. Dezember: Italienischer Garagist und geschlossene Risoranti
    Heute Morgen sind wir wieder ziemlich früh draussen. Wir fahren nach Altamura, wo uns der Garagist aber leider dieses kleine Gerätli für die Heizung nicht verkaufen kann. Anscheinend ist das sehr kompliziert, und dann hat er auch noch nie davon gehört, dass man unsere Heizung so einbauen kann, dass sie Aussenluft ansaugt. Auf jeden Fall beschliessen wir, uns das Ganze per Internet zukommen zu lassen. Leider wird dann wohl die Heizung erst wieder bei der nächsten Kältewelle in einem anderen Land funktionieren. Schade, hier könnten wir sie momentan gut gebrauchen. Sie funktioniert ja zwar, lässt sich aber kaum regeln.
    Unsere Fahrt geht weiter nach Castel Monte. Vor dem Castello finden wir ein Ristorante, das offen hat. Essen hier ist aber teuer, mit Primo, Secondo, Antipasti… Wir begnügen uns mit Pasta und werden deswegen nicht gerade wie Könige behandelt. Das Essen wärmt ein bisschen, es ist aber sehr kühl im Ristorante, auch wenn ein Feuer im Kamin brennt. Am Ende denken wir (Erwachsenen), dass es sich eigentlich nicht gelohnt hat. Das Castello seinerseits ist ein beachtliches Bauwerk. Achteckig, wunderschön geometrisch. Man weiss nicht genau, warum es von Friedrich II, einem Stauffer, so gebaut worden ist. Einige Fachleute meinen, dass es nicht sehr wohnlich gewesen war, wenn überhaupt je bewohnt. Eine Theorie ist, dass es als Zeichen der Macht erstellt wurde. Mir fällt „The Da Vinci Code“ ein, wer Dan Brown gelesen hat, weiss wohl, wie sich der Besuch in diesem Castell anfühlte. Für die Jungs ist es kein speziell interessantes Bauwerk.
    Die letzen hellen Minuten nutzen wir für die Fahrt nach Barletta ans Meer. Ein Städtchen vorher halten wir am Strassenrand und ich ziehe los um im Merchato und bei Frutti und verdure die schon länger nötigen Einkäufe zu machen. Nur noch wenige Kilometer sind es bis zum Strand, inzwischen ist es dunkel und es ist eigentlich kaum vorstellbar, wie es hier im Sommer aussehen muss.
    Luo meinte heute, er wolle unbedingt mit seinem Kind im Bonabus in die Ferien fahren. Das heisst also für uns, dass wir dem Bus enorm viel Sorge tragen müssen.

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  • 06Dec 2012

    99 Pizza Pizza und Samichlaus 06.12.2012 Italien —

    Silvi, Italien

    Beschreibung

    6. Dezember: Der Samichlaus hat uns gefunden!
    Heute und in den nächsten Tagen ist Autofahren angesagt. Es gilt, in den Norden und von der Adria weg zu kommen. Je weiter wir täglich kommen, desto mehr Zeit haben wir in der südlichen Toskana, bevor wir in Firenze unsere Termine haben. Heute kommen wir bis Mittag schon nach Termoli. Am Hafen richten die Jungs und ich gerade den Esstisch, Roger ist losgezogen um Brot zu holen, da klopft es richtig fest an die Bustüre. Wir erschrecken und öffnen. Niemand da, nur ein Sack. Luo meint: „Ist das Abfall, den jemand hierhin gewofen hat?“ Wir nehmen den Sack rein. Rui ruft: „Das ist doch vom Samichlaus!“ Wir springen hinaus, der Samichlaus ist aber schon über alle Berge – oder wohl eher übers Meer. Schön, dass er uns was gebracht hat. Wie aber kam er wieder zurück nach Hause zu all den Schweizerkindern, die er am Abend besuchen musste? Luo denkt mit einer Rakete, Rui glaubt, dass nur der Esel hier war und dass der wohl schwimmen könne. Wir werden den Samichlaus nächstes Jahr fragen.
    Nach einem Spaziergang durch die wunderbare Altstadt und an den tollen Strand, an dem die Jungs nach Herzenslust mit Schwemmgut spielen, geht es noch weiter. Auf Höhe Pescara versagt unsere Lisa, schiebt wieder mal eine Krisa. Wir fahren also halt auf gut Glück bis Pescara Nord. Hier hat es eine Pizzeria im ausgestorbenen Touristenwohnungsviertel. Die sieht gut aus, und ist es auch! Bona wartet in der Nähe, wir schlagen uns die Mägen voll (Rui zu voll?) und plaudern mit den Betreibern. Sie werden Ende Dezember die Zelte hier abbrechen um eine Pizzeria in Dubai zu eröffnen. Hier muss in den letzten Jahren alles so viel teuerer geworden sein, dass Italiener kaum mehr auswärts essen, viele Touristen (z.B. die Deutschen) ausbleiben und die Steuern so hoch sind, dass die Restaurantleute kaum mehr überleben können.
    Der Bona wartet auf uns, noch ist der Parkplatz, auf dem er steht, leer. Gegen elf wird er proppenvoll, die nahe Disco scheint zu laufen. Um fünf Uhr morgens schlägt unser Gasallarm an und lässt sich nicht mehr beruhigen. Keine Menschenseele draussen. Und drinnen bald andere Probleme: Rui hat diesmal Magengrippe und leider nicht so Glück beim „Becki Treffen“. Wir nehmen also an, dass der Gasalarm auch auf erbrochenes reagiert…

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  • 07Dec 2012

    100 Schnee in Italien 07.12.2012 Italien —

    Italien

    Beschreibung

    7. Dezember: Self Service Wäscherei
    Kinderbett, Elternbett, Schlafsack, Mina, alles muss gewaschen werden… Ohne Frühstück (Luo erhält ein Stück Brot, Roger und mir ist jeglicher Hunger vergangen) fahren wir los. Roger hat eine halbe Stunde weiter im Norden per Internet (was würden wir nur ohne das tun?) eine Self Service Wäscherei entdeckt. Super, sie hat wirklich auch im Winter offen. Innerhalb einer Stunde ist alles gewaschen und bald auch getrocknet. Der Bona übrigens auch, denn gleich daneben hat es eine Selfservice-Waschanlage. Im gleichen Örtchen (Giulianova) finden wir nach mehreren Versuchen an den Strand zu kommen (die Unterführungen unter der Bahnlinie durch sind viele nur 2 Meter hoch) einen Platz an der Uferpromenade, wo wir unser Frühstück im Bus nachholen können. Dann schauen wir, wie weit wir kommen. Und erreichen wirklich die Toskana! Der Weg dahin geht durch ein Tal, immer höher, bis 750 Meter über Meer. Ab 300 Meter über Meer liegt Schnee. Luo und Roger steigen auf dem „Pass“ aus und bauen Schneemänner. Rui wacht irgendwann auch auf, findet das unfair, dass die anderen ohne ihn nach draussen gegangen sind und ist also wirklich auf dem Weg der Besserung. Dann ist Fahrerwechsel, es geht alles wieder hinunter. Die Vegetation, die uns empfängt unterscheidet sich von Osten, die Architektur auch. Als wir im letzten Tageslicht in Chiusi einrollen müssen wir feststellen, dass der ehemalige Stellplatz zu einem Platz geworden ist, an dem man höchstens vier Stunden stehen darf. Tja, die Nacht ist etwas länger… Wir fahren nochmals ein kleines Stück und finden am Lago di Chiusi einen schönen Platz, den wir morgen genauer erkunden können.
    Eine Frau an der Tankstelle meinte heute übrigens, es sei viiiiel zu kalt. Normalerweise hätten sie so zehn Grad, in der Sonne auch wärmer. Aber in den Nächten unterschreite die Temperatur ja sogar Null. Und morgen und übermorgen schneie es. Naja, dann könnte Rui wenigstens das verschlafene Spielen im Schnee nachholen.
    Luo hat während der Fahrt „Fünfachser“ gezählt. Mit Blöckli und Bleistift hat bei jedem gesichteten Fünfachser einen Strich gemacht. Die Striche immer schön gebündelt, das heisst vier Striche vertikal und einer schräg, so wies im der Papi erklärt hat. Der „Fünfachser“ war dann auch das Fahrzeug des Tages und wurde am Abend gleich mit Legos nachgebaut.

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  • 08Dec 2012

    101 Thermalquelle, Thermalbad 08.12.2012 Italien —

    Italien

    Beschreibung

    8. Dezember: Thermalbad heizt endlich mal wieder unsere Körper auf
    Wahnsinn, sooo kalt. Eigentlich können wir heute durchschlafen, kein Kind hat ein Problem. Aber wir wachen gegen Morgen von der Kälte auf. So schade, dass unsere Heizung nicht funktioniert, wir ihr nicht sagen können, sie soll die Raumtemperatur auf 12 Grad lassen. So haben wir morgens knapp 6 Grad hier drin. Die Jungs scheint das nicht zu stören, sie schlafen. Wenigstens scheint um sieben die Sonne. Nach einem guten Frühstück, bei dem Rui und Luo die Samichlauscornflakes (Pan di Stelle, Tobi, würde dir gefallen) verdrücken, gehen wir zu einem Spaziergang am See entlang. Auf dem Spielplatz spielen sie mit einem italienischen Knaben. Seine Eltern meinen, es hätte wahnsinnig geregnet, kürzlich, tagelang, und davor den ganzen Sommer leider nie. So hat es eine regelrechte Überschwemmung gegeben. Der See ist übervoll, überall stehen, wie wir gestern schon gesehen haben, Wasserpfützen auf den Feldern.
    Gegen Mittag fahren wir los, die Sinterterrassen anzusehen. Nein, nicht in Pamukkale, die haben wir ja damals in der Türkei ausgelassen, da sie nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Aber hier sind sie noch richtig weiss, die Kalkablagerungen. Die schwefligen Warmwasserquellen bilden leider aber keine Badewannenvertiefungen mehr, wohl ebenfalls hochwasserbedingt. Und das Thermalbad hier hat geschlossen, winterbedingt. Auf schrägem Platz kochen wir Raviolis mit AGLIO, olio und pomodori secchi-sauce. Danach suchen wir auf dem Internet ein Thermalbad, das ganzjährig geöffnet hat und werden auch fündig. Gut, wir müssen uns endlich mal wieder durch und durch wärmen. Wunderschön ist die Stunde Autofahrt nach Rapolano, und dazu noch in Richtung Florenz! Es erwartet uns unerwarteterweise eine Area di Sosta, also ein italienischer Stellplatz hinter dem Thermalbad. Für zwölf Euro kann man hier stehen, Porta Potty entleeren etc. Da sind wir aber nicht die Einzigen, wohl weil es gerade Wochenende ist, stehen an die fünfzig Camper auf dem Platz. Wunderbar das schwefelige Wasser, leider nicht gar so heiss die Duschen danach (es ist gerade Stosszeit).
    Luo hat heute noch einen lustigen Satz gesagt. Er ist immer mal wieder sehr anhänglich. Auch wenn er gerne Projekte mit Papi Oschi durchführt, manchmal möchte er einfach nur an mir dranhängen (lange). Heute hat er also gesagt: „Ich hett lieber äs Mami, wo kei Italienisch chan und än Papi wo guet Italienisch chan, als umgekehrt.“ Da muss ich doch lachen! Finde es herzig und bin froh, dass ich manchmal weg kann, um mit Leuten zu plaudern! Gut, dass es so herum ist, nicht war, Oschi? – Ja ja, das machst du prima. Ich kann mich dann wieder mit den Leuten rumschlagen wenn wir die Sprache überhaupt nicht verstehen.

    9. Dezember: Rapolano und Bonabustag
    Morgens wachen wir auf, nur noch knapp sechs Grad im Bus. Aber da die Heizung ja nicht so funktioniert, wie wir das gerne hätten, können wir sie nicht auf dem Minimum heizen lassen, sonst macht sie eine Sauna aus dem Bona. So friere sogar ich des Nachst nun manchmal, obwohl ich Oschi den Heizteddy habe.
    Morgens nehmen wir es gemütlich. Eigentlich den ganzen Tag. Wir gehen ausgiebig spazieren, in der Altstadt von Rapolano, auf dem Markt, zur alten toskanischen Kirche. Dann sind wir froh, wieder im Bona zu sein und heizen zu können und wir veranstalten ein Kühlboxleeressen, da wir diese in Firenze abstellen wollen. Nachmittags machen wir einige Basteleien, Spiele und schauen wieder mal ausgiebig den Adventskalender von Nani und Neni. Es ist spannend, für die ganze Familie. Ob der Hirsch wohl Max und dem Hasenmädchen Lili helfen wird oder nicht?

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  • 10Dec 2012

    102 Florenz 10.12.2012 Italien —

    Florence, Italien

    Beschreibung

    10. Dezember: Mehr als 150 Fünfachser
    Puh, heute hatte es im Bona nur mehr 3.5 Grad, ausserhalb MINUS 3.5. Also wird bei der Fahrt nach Florenz besondere Vorsicht geboten sein. Zum Glück haben wir uns für Winterpneus entschieden.
    Manchmal fragen wir uns, was wir so weit nördlich tun. Dann aber rechtfertigen wir uns vor uns selbst: Wir wollten ja von Palermo aus verschiffen. Nur leider gibt es vom Süden keine Fährlinie nach Marokko! Und wenn wir schon im Norden sind, können wir Auto und Augenarzt und alles, was ansteht, gerade hier erledigen, oder? Wenigstens kreigen wir heute von einem „Passant“ die Bestätigung, dass es Dezember – Januar - Februar in Marokko temperaturmässig gut und nicht zu kalt sein wird. Und in zwölf Tagen schiffen wir schon ein! Vielleicht wird es ja auch in Italien nochmals etwas wärmer.
    Zunächst gilt es am Morgen alles, was Wasser ist, auszuleeren. Damit ja nichts gefriert, wenn es bei Auto Romualdi auf dem Vorplatz steht. Dann fahren wir nach einem Frühstück beinahe ohne Milch und Joghurt ab. Roger düst mit Lisa und Martinas Unterstützung wieder ohne Verirrungen direkt neben die Innenstadt von Firenze. Etwas schwieriger ist es, bei Auto Roumaldi genügend Platz für Bona zu finden. Schliesslich gelingt aber auch das und wir haben das Gefühl „unser ZU HAUSE“ in guten Händen zu lassen.
    Jetzt sind wir Backpackers! Wir laufen lost, Lisa führt uns auch zu Fuss, haben wir doch noch keinen Stadtplan und kommen wir aus einer Ecke, die Lonely Planet Reisende kaum betreten. Nach beinahe zwei Kilometer Fussmarsch machen wir in einem Self Service Pizzarestaurant Pause. Nichts grossartiges, aber alle haben Hunger und mindestens zwei müssen dringend aufs Klo (ist doch das Porta Potty seit heute Morgen nicht mehr benutzbar). Gestärkt durch die Mahlzeit fällt es uns auch nicht mehr schwer die variierenden Hausnummern (Nummern für Geschäfte und Private sind separat nummeriert, also in etwa 50, 52, 102, 104, 54, 106, …) in der Via Cavour zu ignorieren und das Ostello Gallo d’Oro zu finden. Genauso wie im Internet mutet das Hostel auch wirklich an: Klein, privat, gut für den Aufenthalt mit Kindern. Melissa begrüsst uns auf Schweizerdeutsch und die Jungs sind selig, endlich mal wieder jemand, mit dem sie plaudern können.
    Wir richten uns im Zimmer ein, legen Gian und Mina schlafen und gehen nach einem Cappucchino im Aufenthaltsraum Richtung Arno. Trotz Wolkendecke ist der Duomo gewaltig. Der Aufstieg auf die Kuppel wird dennoch verschoben, besser, wenn man von der Aussicht was hat! Der Ponte Vecchio und der kilometerlange Gang der Medicis oben darüber und links und rechts fasziniert. Aber wieder mal haben alle Hunger und es ist kalt und windig, ab und zu fallen Regentropfen. Deshalb gehen wir Richtung Mercato Centrale, der leider nur bis zwei Uhr nachmittags geöffnet hat. Von der Idee im Hostel was zu kochen lässt sich vor allem Rui dennoch nicht abbringen. Vielleicht das erste Mal, wo er nicht auswärts essen gehen will. Und angesichts der Tatsache, dass wir die Jungs morgen beim Augenarzt konzentriert und ausgeschlafen brauchen, wahrscheinlich auch gar keine schlechte Wahl. Wir finden einen von Chinesen geführten kleinen Supermercato, vielleicht den Einzigen in der Umgebung der Altstadt. Gleich daneben hat es ein Sportgeschäft, wo wir Wanderschuhe für Rui finden. Da unsere Jungs immer noch gleich grosse Füsse haben und das Geschäft jede Nummer nur einmal, müssen wir uns fürs Erste damit begnügen.
    Im Hostel kochen wir dann unsere mitgebrachte (türkische!?!) Pasta mit italienischem Pesto auf einer extrem langsamen mobilen Herdplatte. Das aufgeschnittene Apérogemüse wird schnellstens „rübis und stübis“ aufgegessen.
    Tagesbilanz: Seeehr positiv. Melissa, die versprochen hat morgen beim Frühstück zu helfen und uns den Bus zum Augenarzt mir herauszusuchen. Ein Spielwarenladen, wo wir Lego kaufen können werden, sowie Weihnachtsgeschenkli für meine lieben Gottimeitlis. Rui, der schon Wanderschuhe hat. Eine sympathische Garage für Bona und eine faszinierend schöne Stadt. Was will man mehr?
    Nun schlafen die Jungs, wir sitzen im geräumigen Zimmer am Tisch und machen Vorbereitungen und Tagebuchschreibereien. Ein Hotel könnte für uns in keinem Falle besser sein, und sicherlich nicht günstiger, zahlen wir doch für alle vier mit Frühstück gerade mal 60 Euro (Etagenbad). Schön und vor allem warm hier, auch wenn wir eigentlich den Bona vermissen. Unglaublich wie viele Schritte man in einer „normalen“ Küche machen muss. 60 x 90 cm genügen doch ;)

    11. Dezember: Augenarzttermin knapp wahrgenommen
    Schon morgens klagt Luo beim Frühstück über Bauchweh. Er isst dann allerdings doch was, das Frühstücksbuffet mit Ei und so ist zu verlockend.
    Mit dem Bus machen wir uns auf den Weg zum Ambulatorio della Misericordia Firenze. Luo hat nun starkes Bauchweh, ich denke: Wenn der uns nun nur nicht erbricht und wir den Termin beim Augenarzt nicht wahrnehmen können! Es klappt dann allerdings, auch wenn der kleine Herr im Wartezimmer faul und bleich rumliegt. Die Augenkontrollen verlaufen wie in der Schweiz, mit der Ausnahme, dass der Herr Doktor natürlich nur Italienisch spricht. Die Brillen beider Kinder sind noch in Ordnung und so haben wir unerwarteter Weise weniger Ausgaben und auch weniger Zeitinvestitionen.
    Happy gehen wir zurück über den Arno. Wo dann aber Luo zweimal Durchfall hat, schon alle Ersatzunterhosen und -hosen aufgebraucht sind und wir vor der Aufgabe stehen: Wie kommen wir nun zum Hostel zurück? Weit entfernt von einer Buslinie, die in die richtige Richtung führt und kein Taxi in Sicht! Noch einmal muss ich mit Luo ein WC finden, abwechselnd tragen Roger und ich Luo, er kann nicht mehr. Beim Bahnhof finden wir ein Taxi, die Fahrt überstehen wir ohne Zwischenfälle.
    Nachmittags gehe ich und kaufe ein Spielwarengeschäft leer: Luo Geburtstag, Weihnachten, diverse Geschenkkaufaufträge, und meine Gottimädchen wollen auch nicht vergessen werden. Als ich zurückkomme, ist immer noch nicht Besserung eingetroffen, Luo schläft aber. Gegen acht Uhr abends kochen wir wieder etwas im Hostel, nach einem vergeblichen Versuch Take Away etwas nicht fettiges zu kriegen. Dann aber k… Luo die Küche voll und ausser Rui ist allen der Apettit vergangen. Putzen, den Jungen duschen…

    12. Dezember: Doch noch auf die Kuppel des Duomos
    Morgens geht es Luo erstaunlich gut, er ist noch matt, mag aber Zwieback essen. Wahnsinn, wie schnell Kinder wieder gesund werden, aber natürlich auch, wie schnell sie krank werden. Da die Sonne scheint, machen wir uns auf den Weg auf die Kuppel des Domes. Die mehr als 400 Treppenstufen sind dann aber doch zu viel für Luo und er wird wieder getragen. Die Aussicht ist dann aber gewaltig, es hat sich gelohnt!
    Anschliessend essen wir etwas lausige Pizzastücke im Café Michelangelo. Gleich daneben befindet sich eine Galerie, in dem 50 Entwürfe von Leonardo nach seinen Skizzen nachgebaut worden waren. Einige darf man bewegen, Zahnräder drehen und so die Überlegungen nachverfolgen, die sich der Meistererfinder gestellt hatte. Danach sind noch immer alle fit und wir machen uns an die einzige in Firenze noch anstehende Aufgabe: Schuhe! Für Luo und Rui finden wir super Turnschuhe in einem Geschäft (Gore-Tex). Mit einem Halt in einem Kaffee, Paninis und Tee marschieren wir sicher zwei Kilometer nach „ausserhalb des Zentrums“ und finden das Climb, wie auf unserem Plan markiert. Danke Melissa für deine Hilfe, ohne dich wären wir in Firenze nie so schnell fündig geworden! Luo kriegt neuer Wanderschuhe und Rui schliesslich auch, denn der Verkäufer ist entsetzt, was für einen grossen Schuh die Dame am 10. uns in der Innenstadt angedreht hat. Naja, wir heben ihn für die Zukunft auf. Rui will ihn aber zuerst nicht hergeben und keinen neuen kaufen, bis er die Kletterfinken sieht. Grosi Heidis Weihnachtsgeschenke finden grossen Anklang: Luo erhält rot, Rui blaue. Sie versuchen natürlich sofort die Wand mit Griffen im Geschäft zu erklimmen. Schliesslich erhält auch Roger noch Trekkingschuhe und dann haben wir aber wirklich genügend Geld ausgegeben!
    Zum krönenden Abschluss des Tages gehen wir in ein Restaurant, das nur wenige Schritte vom Ostello entfernt liegt. Es heisst Dolce Vegan und hätte euch super gefallen, ihr Freibergs! Wir vermissen nichts, weder Fleisch noch Milchprodukte, ernähren wir uns doch wohl eher fleischarm und Ruis Diäten wegen immer wieder ohne Milchprodukte.
    Luo kommt beim Abendessen zu mir auf den Schoss und sagt: „S Mami isch au ä chli än Gian! Sie isch au so knuddlig!“

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  • 13Dec 2012

    103 Rebonjour Bonabus 13.12.2012 Italien —

    Fucecchio, Italien

    Beschreibung

    13. Dezember: Rebonjour Bonabus!
    Morgens kaufen wir nach einer letzten Duschsession und einem Zimmeraufräumen Gemüse, frische Pasta und Caperi sotto sale auf dem Mercato Centrale ein. Mit all den Geschenken und unserem mitgebrachten Gepäck ist der Haufen, den es zum Bus zu transportieren gilt und sich im Ostello auftürmt beträchtlich. Glücklicherweise hat uns heute doch noch das Paket mit dem Heizungszubehör aus Deutschland erreicht. Wir hatten schon Angst, es würde uns verpassen!
    Nach Pizzastücken, die wir ebenfalls auf dem Mercato erworben und im Ostello verdrückt hatten, machen wir noch einmal einen Spaziergang und warten, bis die Siesta der Garage Romualdi fertig sein wird. Dann düsen wir noch einmal per Taxi durch die Stadt, können dies diesmal aber beträchtlich mehr geniessen. Bei Auto Roumualdi bezahlen wir die Summe für alle Ersatzteile, oder wollen wenigstens. Wieder einmal verhindert die DKB mit ihren Visabestimmungen eine glückliche Zahlung, es handelt sich halt wieder um mehr als 1000 Euro. Diesmal aber teilen wir die Rechnung auf verschiedene Karten und trixen die Hindernisse so aus. Am Montag dem 17. Dezember wird Bona noch einmal in der Garage erwartet werden, der Luftfilter und die Hecktürenscharniere (nicht mehr 270° Grad und also hoffentlich stabiler und für den Heckveloträger besser geeignet) sollen bis dann angekommen sein. Also ist der Abschied von Firenze noch keinesfalls endgültig. Wir rollen um die Ringstrasse und fahren Richtung Pontedera. In Fucecchio finden wir einen Riesenparkplatz mit Wassersäule und Einkaufsmöglichkeit: Ein Riesensupermarkt namens COOP. Die Jungs und Roger bleiben im Bus und beginnen wieder alles einzuräumen, ich gehe und kaufe ein: Kühlbox füllen, Vorräte auffüllen, Geburidinge für Luo kaufen…
    Später baut Roger das Heizungselement in wenigen Minuten ein, das ein richtiges Funktionieren verunmöglicht hatte: Der Innentemperaturfühler übernimmt sofort und in kürzester Zeit haben wir eine richtig angenehme Innentemperatur. Die heisse Luft, die ausgeblasen wird, beschränkt sich nun aufs Minimum, das Heizgeräusch ist sehr leise. Was für eine Qualitätssteigerung! Einige weitere Heizungsverbesserungen, die Roger noch einbauen will, warten auf einen geeigneteren Platz und etwas besseres Wetter. Wenn das geplante dann umgesetzte ist, können wir beim Heizen zwischen Frischluft und Innenluft wählen. Frischluft um trockene Luft ins Fahrzeug zu blasen, wenn es innen nass ist, Innenluft wenn es draussen stinkt und um den Dieselverbrauch zu minimieren.

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  • 14Dec 2012

    104 Piaggio / Vespa / Ape 14.12.2012 Italien —

    Lari, Italien

    Beschreibung

    14. Dezember: Piaggio, Vespa und Ape
    Noch einmal mache ich mich auf den Weg zu Coop. Es gilt, alles einzukaufen, von dem wir des Abends gemerkt hatten, dass wir es noch haben sollten. Heute ist Samstagsandrang, da ist es in Italien wie in der Schweiz. Gut, dass ich irgendwann alles habe und den Laden von gestern schon kenne. In der Zwischenzeit haben die Männer abgewaschen (die Kleinen) und aufgeräumt (der Grosse). Wir brausen nach Pontedera, mit einigen Extraschlaufen wiederum bei einem Übergang der Schnellstrasse zur Hauptstrasse. Lisa und Italien und auch wir und die Italienische Strassenführung… Angekommen in Pontedera bei der Piaggiofabrik müssen wir als erstes unsere Foccaccia belegen und essen. Dann eilen wir zum Eingang des Museums. Alle sind wir etwas enttäuscht und Rui meint beim Rausgehen sogar: „Das Museum han ich irgendwie nöd so spannend gfundä!“ Auch wenn es Spass gemacht hat, die Vespa, ihren Vorgänger Paperino, die Flugzeugmotoren und die im Hof stehende Strassenbahn zu sehen. Mehr war da leider nicht (tiefergehende Infos).
    Irgendwie sind wir ernüchtert. Was sollen wir die nächsten Tage noch tun? Es regnet ab und zu, ist kalt. Die Jungs sind etwas erkältet, vor allem Luo (und Rui sollte es seinen Ohren zuliebe nicht noch mehr werden!). Thermalbad ist also wohl nicht das Richtige, Museum nicht mehr unbedingt. Städte ansehen etwas kalt.

    15. Dezember: Geburtstag von Luo, schon vier Jahre!
    Morgens rüsten Rui, Roger und ich ein Tablett mit Pinienkernen, Schokolade, Tee und Geschenke. Dann holen wir Luo und frühstücken im Bett. Luo freut sich an den Geschenken, die Kleidli für Gian haben es ihm erwartungsgemäss am meisten angetan. So sieht jetzt auch wieder der „kleinste“ der Familie anständig aus.
    Das nun schon eingespielte Geburtstagsritual geht weiter. Zwar machen wir die Pancakes im Bona und nicht ausserhalb, aber auf der Kühlbox als Beistelltisch mit der neuen kleinen Primusgasflasche. Der Koch Roger kann also bequem bei uns sitzen, wir haben quasi einen Tischgrill so. Durch den Regen gehen wir frierend durch das wunderhübsche kleine Altstädtchen Lari bis zur Pastafabrik Martelli. Es erinnert stark an die Zanettis aus dem Poschiavo. Luca von der Familie Martelli kann sogar ein bisschen Deutsch und zeigt uns die Maschine, die heute den Hartweizen mit Wasser zusammen zu Penne verarbeitet. Ein richtiger Kindertraum, diese vielen Pastas. Mehrmals kriegen unsere Schleckmäuler kleine Kostproben. Weiter sehen wir, wie die Spaghettis, die schon über zwei Tage im Trocknungsraum lagerten mit einer anderen Maschine geschnitten werden. Heute werden Fusili eingepackt, die seit vierzig Jahren das erste Mal wieder von den Martellis produziert wurden. In der nahen Bottega warten wir bei feinstem Espresso, Luo heisser Ovi und Rui diätgerecht Fanta (es geht wieder viel besser mit dem Darm, wenn er gar keine Milchprodukte kriegt). Die frisch eingepackten gelben Beutel zieren bald das Gestell und wir kaufen ein. Der Bona ist nun mit all den Weihnachtsgeschenken und aufgefüllten Vorräten bis obenhin gefüllt. Nach einem kurzen Spaziergang beschliessen wir zu Ehren von Luos Geburtstag ins Restaurant zu gehen, zumal da heraus feine Gerüche wehen und es immer noch regnet, momentan beinahe quer. Der Entschluss stellt sich als richtig heraus. Das Essen schmeckt vorzüglich, auch wenn die Jungs beinahe nichts essen. Ihre Magen-Därme sind immer noch nicht wieder die alten, sie essen nur wenig bis gar nichts. Am Ende erhält das Geburtstagskind ein warmes Schoggimuffin mit Kerze vom Restaurant geschenkt und wir erinnern uns, wie schwierig es in der Türkei gewesen war, einen Schoggikuchen für Rui zu finden.
    Es empfängt uns der Bona mit der schönen Heizung, die wir allerdings heute beinahe nicht brauchen, die Temperaturen liegen über zehn Grad. Es regnet noch immer. Das Fenster ist übrigens seit längerer Zeit wieder dicht, niemand weiss warum – egal, Hauptsache es ist dicht.

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  • 16Dec 2012

    105 Heizungsumbau 16.12.2012 Italien —

    Fiesole, Italien

    Beschreibung

    16. Dezember: Das grosse Heizungspaket steht nicht mehr im Weg
    Das Porta Potty ist voll! Nur noch die Jungs dürfen ihren Morgenbisi machen. Für Roger kein Problem, als Mann findet man immer eine Ecke. Aber hier mitten in der Stadt kann Martina ihre Blase nicht entleeren und muss warten. Bis wir nach dem Frühstück und einer halben Stunde Fahrt eine angegebene Entsorgungsstation finden. Leider ist die unideal, nur ein Schacht mit Schlitzen. Vor den gegebenen Umständen leeren wir unser WC doch und spülen die Sch… mit viel Wasser (Wasserhahn vorhanden) in den Schacht hinunter. Dann fahre ich weiter, quer durch Firenze hindurch. Ich denke mir, wir ich dabei anfangs Reise Blut geschwitzt hätte… Gerade wohl ist mir heute noch nicht, aber es geht! In Fiesole lassen wir uns auf einem Parkplatz nieder. Nur wenige Minuten trennen uns von Auto Romualdi, wohin wir morgen unseren Bona nochmals bringen müssen. Jetzt ist es trocken und Roger beschliesst, die weiteren Teile zur Heizungsoptimierung jetzt einzubauen. Die drei Männer bauen die Heizklappe ein, mit der man Aussen-/Innenluftansaugung regeln kann, den Schlauch für die Innenluft leitet Roger kurzerhand in den früheren Bodendurchlass zur Gasabweichung (Sicherhietsteil). Leider zerbricht bei der Montage der Schalter, mit der man die Ansaugklappe regeln kann. Roger ist darob nicht sehr gut gelaunt (wer Handwerker in solchen Situationen kennt, weiss, was ich meine). Die Jungs und ich gehen deswegen zu einem Spaziergang und damit Roger in Ruhe eine neue Lösung ausstudieren kann. Nach zwei Stunden und zwei Spielplätzen, einer Panoramaaussicht auf Firenze hinunter und viel frischer Luft sind wir kurz nach dem Eindunkeln zurück (und finden den Bona, gell Jungs, genau dann, wenn wir meinen, wir hätten uns verirrt).
    Des Abends hustet Luo so sehr, dass er beinahe erbricht und kann nur noch mit Hustensirup beruhigt werden. Rui wenig später weint vor Ohrenschmerzen. Mit einem Dafalgan für Schmerzstillung und noch wichtiger für Abschwellung und Entzündungshemmung kriegt er die Kurve. Am Morgen schmerzt es nicht mehr, vielleicht wie damals in Österreich eine Ohrenentzündung abgewehrt?

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  • 17Dec 2012

    106 Unfähigkeit von Romualdi SA 17.12.2012 Italien —

    Florence, Italien

    Beschreibung

    17. Dezember: Hoffentlich letzter Tag ohne Bona
    Eigentlich nicht so schlimm, den Bona mal wieder nicht zu haben. Wenn dann dafür alle Ersatzteile drin sind, der Auspuff geflickt ist und die Scharniere der Türe endlich besser tragen. Heute ist es aber etwas unideal und der Tag fordert uns viel ab, Geduld, Toleranz, Improvisationsgeschick. Zuerst hatten wir ja gestern sehen müssen, dass an Montagen die Kletterhallen erst abends geöffnet haben. Dann sehen wir heute Morgen, dass es wie aus Kübeln regnet, stecken die Kinder also in Regenhosen, was aber bei diesem Regen auch nicht allen Wassermassen standhält. Nachdem wir den Bona bei der Garage gelassen haben waten wir Richtung Innenstadt. Im erstbesten Kaffee halten wir an, spielen ausgedehnt Puzzle, trinken etwas und sitzen an der Halbwärme (so richtig warm ist es in diesen Italienischen Gebäuden ja kaum einmal). Später wagen wir uns weiter, gehen bis zum Palazzo Vecchio beim Piazza della Signoria und erkundigen uns nach dem Angebot für Kinder. Es sieht eigentlich nicht schlecht aus: Ein Schildkrötenrucksack mit Anleitung, Spielen, Dingen zum Beobachten, Zeichnen. Zuerst aber beschliessen wir unsere Bäuche zu füllen. Ein kleines verstecktes Restaurant mit toskanischer Küche, richtig untouristisch und gemütlich, ein richtiger Geheimtipp (Womo-Führer). Heute klagt Rui über Bauchschmerzen, isst kaum etwas. Später hat er dann Durchfall, den ganzen Nachmittag hindurch. Zum Glück nicht schlimmer, wir haben ja keinen Ort um uns zurückzuziehen (Bonabus in der Garage). Das Museum ist dann wirklich ein Erfolg, das Schildkröten-Kit macht es interessant. Wir suchen auf den grossen Gemälden angegebene Ausschnitte, finden Unterschiede, probieren ein Krönchen, erstellen mit Magneten von Gesichtsteilen Portraits der Medici-Familie…
    Jetzt ist schon vier Uhr. Mit Halten in Toiletten, diesmal für Rui, kommen wir zu einem Kaffee, wo wir unseren geplagten Bäuchen ein seltenes Cola gönnen. Pünktlich um sechs sind wir beim Autoservicio Romualdi. Die hatten uns im Laufe des Tages ebenfalls auf Trab gehalten und uns um viertelvorzwölf gefragt, ob es uns was ausmache, wenn wir den Bona erst morgen kriegen würden? Das geht nicht, haben wir gesagt, wir müssen doch darin schlafen! Natürlich sind sie um sechs dann noch nicht fertig. Um viertel vor neun kriegen wir den Bus. Leider ohne neue Scharniere, der Bürolist hatte es so unlogisch aufgeschrieben, dass die Mechaniker das Problem nicht begriffen hatten und wir also noch immer 270° Scharniere haben. Dafür haben sie eine Türarretierung eingebaut, die wir aber nicht benötigen. Roger ist natürlich alles andere als erfreut, ich eigentlich auch. Als wir dann aber Richtung Luca abfahren wollen, rumort der Auspuff in unteren Frequenzen, also immer gleich beim Anfahren. So geht es natürlich nicht! Auch mit Gebrüll (Roger auf Englisch und Deutsch) ist der Garagist zu dieser fortgeschrittenen Stunde nicht mehr zurückzubewegen. Unglaublich, nach vier Tagen letzte Woche und den ganzen heutigen Tag! Wir schlafen vor der Garage und warten auf den Morgen. Ruis Magen hat sich inzwischen beruhigt, die Übelkeit ist fort, wenigstens das.

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  • 18Dec 2012

    107 Endlich weiter ... 18.12.2012 Italien —

    Lucca, Italien

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    18. Dezember: Spaziergang mit den Jungs
    Der Mechaniker will, dass Roger den Bus vom Eingang der Garage wegstellt, damit die Kunden rein können. Roger will aber zuerst den Bus geflickt haben. Ich muss übersetzten? Und die Jungs schauen zu, als es ein Gebrüll gibt. Ich helfe kurz dem Luo, der immer noch im Piji steckt und flüchte, erstens weil das die Kinder nicht zu sehen brauchen, zweitens weil ich sowas nicht übersetzen mag und drittens weil es hier doch eigentlich gar keinen Übersetzer braucht. Rui, Luo und ich gehen mit der ganzen Wäsche los, finden leider aber die herausgeschriebene Wäscherei nicht, stattdessen einen Spielplatz und ein Café zum Aufwärmen. Roger kriegt es indessen hin, dass um halb zehn der Auspuff schnurrt wie eine Katze und der Mechaniker mit auf einer Probefahrt war. Wir fahren also doch noch Richtung Lucca ab. Hier wartet nämlich ein Stellplatz auf uns, von dem der ADAC-Führer verspricht, dass er Strom für die aufgebrauchte Batterie hat (Bona sind die Regentage schlecht bekommen), Waschmaschine und Tumbler, Entleerungsmöglichkeiten… Es gibt noch einiges zu tun vor Marokko und vor Luos Götti Andi, der am 20-22 zu Besuch kommen wird. Wir freuen uns auf beides! Der Stellplatz in Lucca hält übrigens, was er verspricht. Wir sind die Einzigen. Es scheint sogar eine etwas scheue Sonne, Rui und Luo können draussen spielen, die Spielkiste war schon allzulange nicht mehr in Betrieb.
    Leider stellt sich dann später heraus, dass der Tumbler nicht wirklich trocknet. Also haben wir nun einen Haufen nasser Wäsche, der dann hoffentlich morgen an der Sonne trocknen kann. Ansonsten tut der Tag auf dem Stellplatz wirklich gut. Nur, zum Duschen konnten wir uns bisher nicht aufraffen. Die Räumlichkeiten sind nicht geheizt und bis dann also das warme Wasser den Körper wärmt ist das Unterfangen eher kalt.

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  • 19Dec 2012

    108 Lucca by bike 19.12.2012 Italien —

    Genoa, Italien

    Beschreibung

    19. Dezember: Stadtmauer von Lucca
    Lange schlafen wir morgens, bis es schon wirklich hell ist. Die Sonne wird wohl auch gleich kommen… Wir lesen Pippi und warten, bis die Heizung den Bus etwas aufgeheizt hat. Erst dann verlassen wir die wärmenden Decken des Elternbettes.
    Nach dem Frühstück spanne ich kreuz und quer Schnüre und hänge die Wäsche in der Hoffnung auf, dass die Sonne die hier herrschende Feuchtigkeit während des Tages besiegen wird. Auch im Bonabus herrscht zunehmend Feuchtigkeit. Zu lange schon ist nun kalt und nass. Dort, wo die Wände nicht isoliert sind, also unterhalb des Fensterbereichs sammelt sich Kondenswasser und alles wird feucht. Unser bevorzugtes Baumaterial Holz wird hier langsam stellenweise grau. Auch die Hecktürenverkleidung im Kofferraumbereich ist aufgesogen wie ein Schwamm. Hoffentlich ist Marokko wirklich wärmer und wir können dann wieder mal alles austrocknen. Man hört ja wirklich verschiedenes, von unserem nächsten Reiseland. Aber war das nicht auch schon bei Ungarn und Rumänien so? Wir werden uns unsere Meinung selbst bilden müssen. Auf jeden Fall werden wir kaum eine SIM-Card lösen und also eher seltener auf dem Internet anzutreffen sein. Wenn wir dann, wenn es in Europa wieder wärmer wird, also Ende Februar frühestens, wieder öfter Internetzugriff haben, also in Spanien und Portugal, dann reicht das vollkommen. Dann werden die meisten Stellenanzeigen erscheinen und auch für die Wohnungssuche reicht es dann noch. Die Zeit hier in Italien und vorher in Griechenland mit all dem Organisieren und Recherchieren war für mein Geschmack genug für eine Weile. Ich möchte es gerne etwas ruhiger angehen. Vielleicht auch einmal länger als nur gerade dreivier Tage an einem Ort stehen. Wir werden sehen.
    Seit langem nehmen wir den geplanten Weg wieder mal unter unsere kleinen Räder. Wir fahren unter strahlendblauem Himmel mit Velos und Kickboard zur Altstadt von Lucca und umrunden diese auf der intakten Stadtmauer. Danach stärken wir uns mit Marroni von einem Strassenhändler und später in der Innenstadt in einer Bar mit Pizza aus dem Holzofen. Wir kaufen sie hier als Stücke und essen auf dem Barhocker, man kann also nicht wirklich von auswärts Essen sprechen. Übrigens, Tobi, Eli, Nonna, Fini und all die anderen, die es so gut meinen mit uns, wenn wir wirklich so oft auswärts essen gehen, wie ihr sponsort, dann werden wir wohl zu guter Letzt gezwungen sein, noch mehr Geld auszugeben, weil wir alle nicht mehr in die alten Hosen passen…. Nein, im Ernst, danke vielmals! Die ganze Familie geht sehr gerne in Restaurants und kostet die Kultur kulinarisch aus.
    Als wir zurückkommen von unserem Ausflug, kommen wir gerade noch an einem Versicherungsfall vorbei: Luo passt nicht auf und fährt in ein geparktes Auto. Wenig später schaut er nochmals dem Propellerflugzeug nach und fällt noch einmal hin. Gut, dass wir nur auf Velowegen und Nebenstrassen unterwegs sind, alles andere wäre wirklich unverantwortlich mit diesen Kleinen. Aber der Ausflug auf Rädern macht dennoch allen Spass. Das meiste unserer Wäsche ist übrigens danach trocken. Der Rest trocknet auf der spätabendlichen Autofahrt nach Genua. Zuvor verwöhnt uns Roger mit Pouletgeschnetzeltem an Currypaste-Kokosmilchsauce mit Gemüse und Boulgur. Langsam aber sicher kommt der Apetitt bei uns allen wieder zurück.
    Irgendwie ist Italien doch sehr ernüchternd. Alles ist ganz schön teuer, Mehrwert ist aber kaum vorhanden. Wer uns gesagt hat in Bulgarien gehe einem der Strassenstrich auf den Keks, sollte mal durch Süditalien brausen - wer uns vor den schlechten Strassen in der Türkei gewarnt hat, sollt mal in Italien rumholpern. Die Strassen in Italien sind viiiiiel schlechter als in der heutigen Türkei und machen sich im Budget umgekehrt bemerkbar. In der Türkei gaben wir in den 2.5 Monaten ca. 15 SFr. für Strassengebühren aus. Das haben wir gerade heute für Lucca – Genua bezahlt…

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  • 20Dec 2012

    109 Geburi Martina, Besuch Götti Andi 20.12.2012 Italien —

    Genoa, Italien

    Beschreibung

    20. Dezember: 32 Jahr, graues Haar
    Nach einer Nacht auf diesem Parkplatz mitten im Gewühl von Genova/Genua, auf den wir mit Hilfe eines Parkplatzwächters einer nahen PW-Parkgarage gekommen waren und der für 24 Stunden 30 Euro kostet, sind wir wieder voller Tatendrang. Auch wenn eine nahe Disco uns stundenlang beschallt und ein Liebespäärchen hinter unserem Bus (das scheint eine Nebenwirkung der sehr lange bei Mamma zu Hause wohnenden Italiener zu sein, viele haben dafür ein Auto, aber eben nicht alle) uns irgendwann aufgeweckt hatte. Der nahe Spielplatz wird nach dem Frühstück sofort in Beschlag genommen und als Luos Götti Andi kommt spielt er tatkräftig mit. Luo freut sich ungemein, hat er doch seinen Götti nun beinahe eineinhalb Jahre nicht mehr gesehen, da dieser bis vor Kurzem in Seattle USA wohnhaft war. Keine Spur von Fremdheit zwischen den beiden… Luo gibt Andi auch auf dem Weg ins Aquarium nicht mehr her. Das Aquarium von Genua ist riesig: Haifische, Pinguine, Breitmaulseekühe, Quallen und jede Menge Fische… Richtig hungrig verlassen wir es Stunden später wieder und begeben uns vis à vis in die engen Altstadtgassen dieser riesigen Hafenstadt. Irgendwo den Hügel hinauf finden wir ein feines Restaurant, das beinahe ausschliesslich Fisch serviert. Wunderbar, finde ich als Geburtstagskind. Andi findet Spaghetti Bolognese auf der Speisekarte und ist für seinen Teil auch zufrieden. Danke Andi, für die Einladung zu diesem feinen Mahl!
    Nachmittags kaufen wir in einen Carrefour Express einigen Vorrat an Sojamilch und UHT-Milch und durchstreifen neuerlich die eher dunklen Altstadtgassen hinunter zurück Richtung Porto Vecchio. Das riesengrosse „alte“ Piratenschiff, das für den Piraten-Film von Roman Polański aus dem Jahre 1986 http://de.wikipedia.org/wiki/Piraten_(Film) gebaut worden war, lockt zu einer Besichtigung. Wunderbar für die Jungs, die Kanonen (aus Plastik), die Wanten zu den Masten (die man leider nicht hochklettern darf), die verschiedenen Stockwerke.
    Noch bei Tageslicht, aber unterdessen bei Regen erreichen wir den Bona. Andi und Luo lassen sich wie die Könige im Fond des Wagens herumchauffieren… Weit geht die Fahr nicht, dauert aber umso länger: Durch den Feierabendverkehr zu einem nahen, im ADAC-Führer als Ganzjahrestellplatz angegebenem Plätzchen. Mit drei Erwachsenen wünschen wir uns eine externe Toilette, was aber im dezemberverschlafenen Genua, das sowieso nicht gerade WOMO-freundlich ist, recht schwierig werden sollte. Der einzige in unseren Recherchen gefundene Platz entpuppt sich als seit Ende Juli geschlossen. Wir beschliessen den nächsten als offen angegebenen Zeltplatz zu probieren. Zur Sicherheit rufe ich vorher an. Die Fahrt scheint nur noch wenige Minuten zu dauern, weitet sich im Verkehr dann aber wieder heftigst aus. Der Zeltplatz aber überrascht mit wohlig warmen sanitären Anlagen, ein richtiges Geburtstagsgeschenk!
    Heute Nacht schlafe ich zwischen den Jungs, die Männer teilen sich das grosse Bett. Wunderbar geht das für ein paar Nächte und alle geniessen den Besuch. Auch wenn es natürlich schade ist, dass die fleissige Caroline nicht ebenfalls hier sein kann.

    21. Dezember: Genova Pegli, zweiter Tag mit Andi
    Gegen neun Uhr bricht für uns ein gemütlicher Tag an. Am Morgen spielen Rui und Luo mit Götti Andi auf dem fast leeren Zeltplatz Fussball, später entdecken wir ein kleines Weglein und gehen ihm nach, bis wir zu ZWEI Spielplätzen kommen. Inzwischen hat Roger uns ein Mittagessen gekocht, das wieder im Bonabus gerne genossen wird. Der Nachmittag füllt sich mit Mittagspause für die Jungs, einkaufen von Proviant für die Fähre in Pegli und gegen Abend wird der Laptop gestartet. Andi hat Luo „das grosse Krabbeln“-Video geschenkt und erklärt den Jungs, wo die Bilder zu schnell wechseln.

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  • 22Dec 2012

    110 Fähre Genua - Barcelona - Tanger 22.12.2012

     

    Beschreibung

    22. Dezember: Imbarcazione e confusione und Afrika beginnt schon im Hafen von Genua
    Dass Andi sich für ein neuerliches Fussballtraining bereit erklärt (freiwillig?) kommt uns gelegen. Ich packe alle Dinge für die Fähre ein. Ein grosser Korb mit Essen gehört dazu, wir wollen nicht immer im Restaurant der Fähre essen müssen. Um halb zwölf fahren wir dann los ans Meer hinunter, finden aber nicht wie geplant einen Parkplatz, kommen ins Verkehrsgewühl und landen verfrüht im Hafenbereich. Es ist schon beinahe ein Uhr, Chaos herrscht hier: Autos werden umgeladen, wahnsinnige Mengen auf die Dachträger gepackt… und das alles mitten auf dem Areal, vor dem ersten Posten, bei dem das Ticket vorgewiesen werden muss. Die Zeit ist schon so weit vorgeschritten, dass Andi uns nun doch vor einem abschliessenden „taglio di Pizza“ verlassen muss und sich auf den Weg zum Bahnhof macht. Wir tuckern durch die Kontrollen, eigentlich harmlos auf der Suche nach einem Parkplatz für Bona und landen schon direkt vor dem Schiff. Unglaublich, was hier herumsteht: So hoch beladene Autos und Kastenwagen (Furgone), dass das Chassi hie und da die Pneus zu berühren scheint. Die in Italien wohnhaften Marokkaner scheinen allerhand nach Hause zu bringen. Wir lassen den Bona in dieser Menge zurück, wo er überhaupt nicht auffällt und gehen zu Fuss ins im Hafen gelegene Einkaufzentrum um ein Mittagessen zu ergattern. Überall hat es massenhaft Leute, die die verschiedenen Fähren besteigen wollen. Um zwei Uhr öffnet die italienische Polizei ihre Schalter und Luo und ich stellen uns lange in die Schlange, um mit dem Schweizerpass in Sekundenschnelle abgefertigt zu werden. So fahren wir schon bald in die Fähre. Das Schicksal will es, dass gerade bei Bona eine neue Reihe im Bauch der Fähre anfängt, wir also ganz zuhinterst in der Sackgassengarage der Fähre landen und also wohl ziemlich als Letzte dieselbe wieder verlassen werden!
    Die Kabine in der Fähre mit eigenem WC und Dusche ist angenehm, schade natürlich schon, dass das mit der Aussenkabine nicht geklappt hat. Von ganz hinten auf Deck sechs, ein Deck unter unserer Kabine, sehen wir noch lange zu, wie die Autos eingewiesen werden. Niemand von uns hätte es gedacht, aber am Ende sind alle Autos über die Klappen gefahren und diese schliessen mit halbstündiger Verspätung. 1500 Leute sind auf der Fähre, die Meisten verziehen sich in ihren Kabinen oder auf den Sitzen der Sitzsääle. Einige gehen und testen das erste Mal das Selbstbedienungsrestaurant oder das teurere à la carte. Wir lassen uns die mitgebrachten Baguettes schmecken, füllen sie mit Fleisch, Käse, Gurken, Oliven und sind zufrieden.

    23. Dezember: Im Zeichen von LEGO
    Den Honig hatten wir dann doch vergessen. Und nur Brot, Joghurt für uns und Ei für Rui ist dann etwas wenig zum Frühstück… also mache ich mich auf die Suche und finde im kleinen Shop einen halben Meter Kinderschokolade, die sich hervorragend als Nutellaersatz eignet, zumal die Temperaturen in unserer Kabine weit über zwanzig Grad liegen. Wir tragen den ganzen Tag nur kurze T-Shirts, solange wir uns hier bewegen. Und gerade oft verlassen wir unsere vier Wände heute nicht. Es ist LEGO-Tag. Die in Firenze gekauften Weihnachtsgeschenke von Nonna und Fini werden ausgepackt. Rui und ich belegen ein unteres Bett (die oberen werden hochgeklappt) und bauen zuerst den Helikopter, dann den Spital und gegen Abend das Krankenauto vom Spitalset. Luo und Roger arbeiten ebenso konzentriert auf dem anderen Bett, es entstehen ein Transportschiff, eine Hafenanlage und abends ein Lastwagen. Mittags macht das Schiff in Barcelona Halt, einige verlassen das Boot und neue steigen zu. Mit Müh und Not kriegen wir die Kinder von den Legos weg, aber die Konzentration ist nur noch gering und wir brauchen alle etwas Luftwechsel. Im Selbstbedienungsrestaurant vertilgen wir kostengünstig ein passables Menu. Anschliessend beginnt die Komödie in der Mainlobby: Zwei Marokkanische Beamte, einer für die Pässe, einer für die Fahrzeuge, haben sich eingerichtet. 1500 Pässe wollen kontrolliert, wohl nicht ganz so viele Autos erfasst werden. Alle Passagiere, so hat man das Gefühl, bringen ihre Dokumente. Eine geordnete Schlange gibt es nicht, alle drängen sich um die Tresen, hinter der die Beamten sitzen, irgendwann kommt es gar zu einer Rauferei. Die Jungs und ich lassen Roger bei dieser Männersache alleine (wir kommen wieder in ein moslemisches Land, ausser ein paar wenigen Frauen hat es nur männliche Passagiere in der Lobby) und kehren zum Legobauen und Spielen in die Kabine zurück.

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  • 24Dec 2012

    111 Ankunft Marokko 24.12.2012 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    24. Dezember: Weihnachtsabend beim Zoll von Marokko
    Das Kinderschoggi-Brotfrühstück findet wiederum begeisterte Anhänger, Rui bevorzugt dabei Pumpernickel, Luo das mitgebrachte Brot. Einer der letzten Espressi wird getrunken. Die Jungs spielen enthusiastisch mit ihren neuen Legos. Roger geht noch einmal um sich in die „Schlange zu stellen“, die Pässe wurden gestern zwar gestempelt, das Dokument für den Bona aber ist noch nicht abgestempelt. Wenn wir Roger heute sehen wollen, müssen wir ihn dort unten „besuchen“. Und dennoch werden wir das Schiff ohne dieses gestempelte Dokument verlassen. Die Stimmung im Saal war sehr gereizt, mehrere Verbale und Handgreifliche Auseinandersetzungen machten es zu einem herrlichen afrikanischen Theater. Man hätte meinen können ohne dieses abgestempelte Formular könne man nicht in Marokko einreisen … Die Jungs und ich vertreiben sich die Zeit mit Legospielen (Rui und Luo), Reiseführerlesen (ich). Nachmittags sehen wir uns alle übriggebliebenen Nani-Adventskalenderfilmli an, einige wurden nämlich ausgelassen. Schön, dass Yannik der Fuchs und Max der Bär, sowie alle anderen Tiere zum Waldfriedenwaldweihnachtsfest zusammenfinden. Genauso ist es doch auch auf der Fähre, hier hört man Französisch von den Schwarzafrikanern, Arabisch von den Marokkanern, Italienisch von denen, denen die Sprache des Gastlandes geläufiger geworden ist, wenige Schweizer, Deutsche, Italiener und Franzosen. Immer mal wieder hält man dort einen Schwatz auf jene oder diese Sprache. Dann plötzlich die Lautsprecherdurchsage: Alle von Garage D bitte zur Bar (mit Gepäck), Garage A dort und dorthin… Wir machen uns also auf den Weg, räumen die Kabine und setzten uns bei der vollgestopften Bar auf den Boden. Irgendwann ist das Felixbuch von Gotti Mirjam fertig erzählt, das Schiff aber noch nicht ganz im Hafen. Gleichzeitig putzt die Putzcrew schon fleissig die leergeräumten Kabinen. Immer mehr für die italienischen Weihnachtsferien heimkehrende Marokkanerinnen knüpfen sich ihr Kopftuch. Mit eineinhalbstündiger Verspätung ist die Fähre vertäut und die Türen zu den Garagen werden geöffnet. Vollbeladen kämpfen wir uns ganz nach hinten zum Bona durch. Alle lassen den Motor laufen und so wird die Luft in dieser Sardinenbüchse in der Stunde, bis endlich alle Autos, Kastenwagen und Womos vor uns gewendet haben, ziemlich ungeniessbar. Um halb neun verlassen wir endlich das Schiff. Natürlich empfängt uns Dunkelheit und jede Menge freundlicher marokkanische Hafenarbeiter, die uns den Weg zum Zoll weisen. Eine hupende Automenge gleist sich hier auf mindestens zehn Spuren auf. Rui und Luo sind schon lange eingeschlafen, es geht auf halb zehn und dann auf zehn Uhr zu, wir stecken immer noch in der Blechlawine. Wir denken an alle zu Hause und wie ihr gerade den Dessert eures Weihnachtmenus geniesst und müssen lachen: Frohe Weihnachten! Dann kommen wir an die fordere Front und alsbald können wir uns bei der Zollstelle einen Parkplatz suchen. Roger schlägt sich mit den Pässen und allen Formularen, den abgestempelten und den noch nicht begutachteten ins Getümmel. Unklar bleibt, warum hier europäisch anmutende Zollhäuschen herumstehen, aber nicht benutz werden. Man muss zwischen den Häuschen parkieren und dann irgendwo einen Zettel suchen, den ausfüllen, einen Polizeibeamten suchen, der gerade Lust hat den Zettel im Computer zu erfassen und eine Nummer in den Pass zu stempeln, diese Nummer auf den soeben gesuchten Zettel aufschreiben, einen Zollbeamten suchen, diesem den Zettel abgeben, warten bis der Zollbeamte zu unsrem Fahrzeug kommt, bestätigen, dass man weder Waffen noch ein Motorrad im Auto hat und dann kurz die Hecktüre öffen. Dann bekommt man auf den Zettel einen Stempel und man hat die Grenzkontrolle geschafft. Irgendwann gelingt es Roger. Auch das Wechseln einiger Euros zu Dirhams kriegen wir noch hin, bevor wir um halb zwölf auf die Autobahn tuckern. Um halb eins sind wir ohne weitere Zwischenfälle (wenn man davon absieht, dass ich beinahe das Ticket der Autoroute verhühnert hätte und langsam aber sicher unzurechnungsfähig werde) beim Zeltplatz. Natürlich wachen die Jungs beim „Umbeigen“ ins Bett auf, sie haben ja auch noch nichts gegessen. Hervorragend, dass vor dem Zeltplatz eine Hamburgerbude steht. Interessiert schauen Rui und Luo die unbekannten Dinger an und finden sie fein…

    25. Dezember: Hülsenfrüchte und Anrührcrème als allseits hochgeschätztes Weihnachtsmenue
    Rui weckt uns wieder mal alle auf. Aber eigentlich hat er Recht, es ist schon gehörig spät. Wir frühstücken mit geführte UHT-Milch, Sojamilch für Rui und Müesli. Die Kühlbox hatten wir vor der Überfahrt geleert und eigentlich müssten wir uns um Gemüse, Früchte und andere Kühlboxfülldinge kümmern. Hier gleich am Atlantik finden sich einige kleine Restaurants, Tante- Emma Läden mit tausend Dingen, aber kein Gemüse, Früchte oder Ähnliches. Als Rui und Luo ihre Weihnachtsgeschenke (Sändelibagger) auf dem vom nächtlichen Regen aufgeweichten Zeltplatzboden ausprobieren, lernen wir Marianne und ihren Partner kennen. Die zwei Deutschen sind schon weit gereist, vor einigen Jahren haben sie beispielsweise das halbe (östliche) Mittelmeer umrundet. Sie helfen uns mit einigen Vitaminen aus, bringen Äpfel und Zitronen. So wird unser erster Tag in Marokko gemütlichst. Alle geniessen es, ohne Mützen draussen spielen zu können. Windstopper ist heute, nach dem Sturm in der Nacht, allerdings noch angesagt. Die gerade um die Ecke liegenden Grottes d’Hercules und den Plage (Strand) sehen wir uns gegen Abend noch an, bevor wir neuerlich alle vier Kerzen an unserer „Adventsbrücke“ anzünden und einen gemütlichen Weihnachtsabend machen. Gut, dass der Bonabus ein grosses Vorratsfach hat.

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  • 26Dec 2012

    112 Larache 26.12.2012 Marokko —

    El Araich, Marokko

    Beschreibung

    26. Dezember: Medina von Larache als erste marokkanische Altstadt
    Da wir uns heute sowieso ein Stück nach Süden verschieben wollen, legen wir die Route so, dass wir an einem der wenigen europäisch anmutenden Einkaufszentren vorbeikommen. Margarine wollen wir kaufen, was wir sonst wohl kaum irgendwo kaufen können. Auch andere Milchprodukte, bei denen wir sehr vorsichtig sein wollen, denn wie wir in einem unserer beiden Reiseführer lesen, gilt bei Milchprodukten die TB-Übertragungsgefahr. Dies erinnert uns an Äthiopien. Auch die Menschen, die der Strasse nach wandern, sind ähnlich wie in allen afrikanischen Ländern, die ich bisher bereist hatte. Vieles erinnert auch an die Türkei hier. Die Jungs fühlen sich schon wie zu Hause, müssen gar manchmal gebremst werden, da sie immer selbständiger werden und auch gerne einfach alleine abzotteln.
    Die Strecke nach Larache legen wir vor allem auf der Autoroute zurück. Beim vorbeifahren sehen wir, wie Bauern am Strassenrand mit Pferden und Ochsen die Äcker pflügen. Als wir von der Autobahn abbiegen, fragt Rui: „Gehen wir auf eine Picknick Alani?“ Und ja, eigentlich hat er Recht. So ähnlich ist die Aire de Repos de Larache. Für 40 Dirham können wir den Bona hier für die Nacht hinstellen (4 Euro). Nach feinen Sandwiches im Bona nehmen wir ein Taxi Richtung Medina (Altstadt). Luo fragt: „Warum nehmen wir nun ein Taxi, wenn gar niemand Durchfall hat?“ Weil es nur 15 Dirham kostet, lieber Luo, und weil der Weg der Strasse nach zu stinkig und eher weit wäre. Die Medina dieses kleinen Städtchens ist wunderschön. Extrem untouristisch und deshalb unprätentiös, die weisse und blaue Farbe blättert überall ab. Hie und da liegt Abfall in den Gassen, wird Abwasser hineingeschüttet. Der Fischerhafen lebt. Ständig kommen Fischerboote an, für 40 Dirham (4 Euro) wird uns ein Kilo Fisch angeboten. Fürs erste lehnen wir heute aber ab und schlendern Richtung Ville Nouvelle (Neustadt) auf der anderen Seite des Place de la Libération. Hier sieht es moderner aus, etwa so, wie in den abgelegenen Vierteln von Istanbul, in die uns Nurdan damals zum Brillenkauf von Luo geführt hat. Jedenfalls in den Gassen, die Läden sind viel weniger modern hier. Irgendwo findet Rui ein (gehobeneres) Teehaus, in dem wir die Füsse etwas entspannen können und unseren ersten Thé à la menthe (Marokkanischer Pfefferminzetee) trinken.
    Abends plaudere ich noch lange mit den Schweizern Joner Max und Brigitte, die schon seit 1980 immer wieder nach Marokko reisen und seit einigen Jahren hier die Winter verbringen. Neben ihrem Womo-Lasti mit Anhänger (acht Tonnen) sind sie schon mit Töffs hier gewesen. Sie geben mir Tipps und erzählen, wo es schön ist, wobei sich vieles mit dem deckt, was wir schon im WOMO-Führer gelesen haben. Die Wüste auf der anderen Seite des Atlas ist mit den heutigen Strassen am Rande gut mit WOMOS befahrbar, und mit Bona also sowieso. Ich freue mich schon auf die Kinderaugen, wenn wir eine mehrtägige Kameltour machen werden. So nämlich haben wir beschlossen unser Weihnachtsgeld einzusetzen. Was meint ihr, Schenker?

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  • 27Dec 2012

    113 Fisch und Krebs 27.12.2012 Marokko —

    Moulay Bousselham, Marokko

    Beschreibung

    27. Dezember: Paradiesischer Zeltplatz
    Da die Jungs wieder mal ziemlich laut und streitend sind, also einfach spinnen, bleiben sie im Bus, als wir unseren Schweizer Nachbarn tschüss sagen und sogar einen Blick auf den Smart im Anhänger werfen dürfen. Die Fahrt nach Moulay Bousselham ist ähnlich wie die gestern. Es fällt auf, wie viel Polizei es hier hat. Diese Präsenz übertrifft sogar die der türksichen Jandarma. Anders als in der Türkei kontrolliert hier die Polizei nicht nur wer fährt, sondern auch wie und wie schnell gefahren wird. Der Verkehr ist durchaus geordnet und anständig. An unserem Ziel brechen wir, obwohl wir den Reiseführer ja gelesen und danach ausgewählt hatten, in Begeisterung aus: Der gewählte Zeltplatz ist wunderbar, ein Paradies. Eher ein Park als ein Zeltplatz. Neben uns steht lediglich ein weiteres Womo auf dem Platz. Einige sind weiter unten zu finden, auf einem sicherlich weniger sauberen Zeltplatz. Hier haben wir sogar die Möglichkeit, eine Waschmaschine zu benutzen. Auf Rogers Wunsch wird Pasta gekocht. Alle Öffnungen von Bona werden geöffnet und bleiben es für den Rest des Nachmittags. Die Sonne scheint und eigentlich ist es schon zu warm für einen langärmeligen Pulli. Wann haben wir das letzte Mal unsere Campingmöbel ausgepackt? Mit Simi, Miri und Aron im November? Und wann konnten die Jungs so lange und ausgiebig draussen spielen? Marokko war wirklich die richtige Entscheidung für uns!
    Gegen Abend unternehmen wir einen kleinen Spaziergang bis zum Fischerhafen. Mehrmals werden wir angesprochen. Wir sagen nicht mit Sicherheit zu, einer, der uns eine Bootstour anbietet auf der Lagune und einer, der gerade gekochte Riesenkrebse (Krabben?) über die Strasse trägt und meint, er habe morgen auch welche für uns, sind uns sympathisch.

    28. Dezember: Fische im Gassenrestaurant, Krabben beim Bona
    Heute ernähren wir uns beinahe ausschliesslich aus dem Atlantik und der Lagune. Dafür lassen wir uns seit langem wieder einmal von unserem Wecker wecken. Wenn die Tage wieder warm sind und es was zu sehen gibt, wollen wir nicht mehr bis nach acht schlafen. So sind wir schon um neun auf dem Weg aus dem Zeltplatz hinaus. Den Gruss aus Lucca für Marit findet endlich den Weg zur Post… Dann findet sich sogar ein Geldautomat, von dem wir Cash abheben können. Wir gehen durch das Dörfchen, das im Sommer von wenigen Tausend auf 65‘000 Einwohner anwachsen soll. Kaum vorstellbar, es ist alles so ruhig. Der kilometerlange Sandstrand lockt, Rui kugelt auf dem Sand herum, die Jungs und ich schlurfen spiralige Schneckenhäuser in den Sand, Purtzelbäume werden geübt und das Hineinkommen der Flut beobachtet. Müde Beine gibt es derweil, das Vorankommen im Sand, weshalb wir durch das Dörfchen zurück zum Hauptplatz bei den beiden Heiligengräbern, den Marabouts zurückgehen. Viele Restaurantbesitzer sprechen uns da an. Die Restaurants sind aber leer. Wir biegen in eine dahinter liegende Gasse und stehen auf dem Fischmarkt mit anschliessender Strassenküche. Es sieht sauber aus, Marokkaner sitzen da und lassen sich Fisch schmecken. Wir setzen uns dazu, bestellen gegrillte Sardinen, frittierte Fische, etwas Gemüse. Letzteres stellt sich als eher fettig und gewöhnungsbedürftig heraus, wohl besser, wir kochen die Vitaminportionen jeweils selbst. Vor allem das Essen einer fettigen, schlabbrigen Aubergine von Hand ist nicht jedermanns Sache. Der Fisch ist hervorragend, die Pommes dazu ebenfalls, das Fladenbrot umwerfend. Die Hände sehen nachher aus… Habt ihr mal einen Fisch mit blossen Händen zerlegt? Hier gibt es ja weder Messer, Löffel, noch Gabeln zum Essen. Von der Regel, dass man nur die rechte Hand brauchen darf, haben wir fürs erste einmal abgesehen, es war so schon genug anspruchsvoll. (Tobi und Doi, wisst ihr noch auf dem Nachtmarkt in Hong Kong? Mit Stäbchen Fisch zerlegen ist vielleicht sogar einfacher als nur mit der rechten Hand…)
    Zum Entspannen setzten wir uns dann doch in ein gehobeneres Kaffee in der ersten Reihe und schlürfen Tee, auch weil es hier ein (vernünftiges) WC hat (Türkisches Standklo, natürlich, aber daran hatten wir uns ja schon im Sommer gewöhnt. Ausser Rui - für das Dicke wartet er immer bis im Bona, egal wie lange das geht.)
    Nach dieser Minisiesta steigen wir diesmal links hinunter Richtung Lagune. Da müssen wir nicht lange warten. Sogleich kommt erstens Azzedine zum Plaudern und natürlich um sich wegen der Schiffstour zu erkundigen. Auch der andere Herr taucht auf und meint, er habe heute noch grössere Aregniers (Krabben?!) gefangen, für uns. Wir gehen mit dem Krabbenmann und sehen die Krabben und wie er zwei bezahlte und eine geschenkte für uns auswählt. Er wird sie, so erklärt er uns, zum Kochen nach Hause bringen und warte bei unserer Rückkehr dann am Hafen auf uns. Azzedine hat so lange gewartet und wir steigen in sein Boot. Zwei Stunden fahren wir auf der Lagune herum. Wir sehen die Kormorane wieder, die wir im Sommer im Donaudelta bewundert hatten und die nun hier zum Überwintern Station machen. Wie wir hat es sie für die kalten Monate in den Süden gezogen. Wir stellen uns die Dicke Eisschicht vor, die jetzt auf dem Donaudelta liegt und es wird uns bewusst, was wir hier an der Temperatur haben. Unsere Reiseroute scheint gar nicht so schlecht zu sein. Die Kormorane machen diese Tour ja jedes Jahr – na ja, im Dezember sind sie nicht in Italien… - benötigen aber auch keinen Service und haben keine Brillen. Nach einigen Stunden in der Sonne wollten Rui und Luo in den Schatten und Sonnencrème wurde notwendig. Sogar die Pullis mussten in die Rucksäcke verstaut werden. Die Flamingos sehen wir leider nur von Weitem, sie sind aber trotzdem wunderschön.
    Der Krabbenmann wartet wirklich und gegen 100 Dirham gehört der Sack uns. Wir gehen den Kilometer zum Bona, stellen den Tisch auf und machen uns daran, die Dinger zu essen. Rui und Luo schauen uns vertrauensvoll zu: Die werden schon wissen, wie das geht… Wir knacken und drücken und finden schliesslich das Fleisch… Es sieht aus wie ein Schlachtfeld, jeder Spanier, Franzose oder Italiener hätte sich kaputt gelacht (oder aber uns zeigen können, wie es wirklich geht). Das Fleisch schmeckt wunderbar, wie Crevetten oder Lobster.

    29. Dezember: Fischen vom Fischerboot aus
    Morgens lassen wir uns wieder wecken. Roger ist ziemlich erkältet und hat einen guten Teil der Nacht deswegen wach verbracht. Wir anderen sind voller Tatendrang. Um zehn sind wir wie vereinbart am Hafen, Mohamed Azzedine wartet schon auf uns. Unglaubliche dreieinhalb Stunden fischen wir von seinem Böötchen aus. Roger mit Rute, sogar ich mit Rute (froh, dass immer Azzedine oder Roger die Würmer an meinen Hacken stecken, diese Dinger sind mit Schnecken einfach die allergruusigsten Tiere für mich). Rui und Luo abwechselnd ausdauernd am türkischen Silchrölleli mit vier Hacken und ebensovielen Würmern. Die Ausbeute ist für unsere Verhältnisse zufriedenstellend: zwölf kleine Fische und ein paar kleine Krebse. Letztere werfen wir aber wieder zurück in die Lagune. Nebenbei sehen wir die kleinen Fischerböötchen, die auf den Atlantik hinaus gehen und sich über die grossen Wellen wagen, in denen jedes Jahr, weil es hier aber keinen Meerhafen hat, Böötchen gedreht werden und Leute sterben. Die Frauen laufen in Gruppen durch das Watt und sammeln Schnecken, die sie nach Tanger an die Spanier verkaufen. Männer sammeln Würmer auf den Sand-Erdbänken, damit sie diese zum Fischen verkaufen können oder selbst verfischen. Azzedine erklärt uns viel über das Leben der Fischer hier, über die Dörfer an der Lagune und die Souks (Märkte) in der Umgebung. Irgendwann haben wir genug und sind hungrig. Azzedine führt uns zurück zum Fischerhafen, wo gerade der Tagesfang abgeladen wird. Plötzlich müssen beide Jungs aufs Klo…
    Am Bona angekommen machen wir uns ans Kochen. Fröhlich verdrücken wir unseren Fang mit einem China-Wok dazu. Später waschen wir noch einmal eine Ladung mit der Waschmaschine hier, stellen noch einmal alles vom Bonabuskofferraum zum Trocknen an die Sonne, die leider aber heute nicht ebenso warm scheint wie gestern. Roger legt sich zum Schlafen hin, während Rui, Luo und ich alles verräumen, Wasser auffüllen, die Küche machen und es richtig friedlich haben. Der Vollmond ist vorbei, die Jungs sind wieder die alten und wir richtig stolz!

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  • 30Dec 2012

    114 Halbzeit und Neujahr 30.12.2012 Marokko —

    Oualidia, Marokko

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    30. Dezember: Wilder Atlantik in Oalidia
    Mit dem Wecker sind wir auch heute früher dran und so fahren wir um halb zehn schon vom Camping, haben vorher noch das Porta Potty geleert und sind voller Tatendrang. Auf der Autobahn fahren wir bis Azemour. Etwa dort, wo die Autoroute Marocaine aufhört, habe ich als Fahrerin dann wirklich genug, wir sind schon über drei Stunden unterwegs und der Sekundenschlaf droht. Wir fahren an einer Location vorbei, die nach In-Beiz für eher vermögende Marokkaner aussieht: Es hat einen riesigen Spielplatz in der Mitte und viele Tische darum herum. Im nächsten Kreisel fahren wir ganz herum und setzen uns als einzige Europäer in dieses Restaurant. Die erste Tajine, die wir hier in Marokko essen, gefällt uns sehr: Ein Tongefäss mit Spitzdeckel, ähnlich einem Römertopf, aber innen glasiert, wird auf Holzkohle oder Gas gestellt und langsam garend erhitzt.
    Dann übernimmt Roger das Steuer, schliesslich wollen wir noch ein gutes Stück nach Süden kommen. Nun führt uns unsere Route der Küstenstrasse entlang. Manches Mal erlaubt die Strasse, die Esel und Kühe am Strassenrand und das Gegenlicht kein höheres Tempo als 50-60km/h. Unterwegs halten wir an einem Gemüsestand am Strassenrand. Der Marokkaner hat grosse Freude an uns und lädt uns gar zum Tee Maroque ein. Dann kommen wir irgendwann in Oalidia an, heute sind wir fünfeinhalb Stunden gefahren. Es dunkelt gerade, die Sonne ist rechts neben uns im wilden Atlantik verschwunden und die Strassenlampen werden angestellt. In Oalidia sieht es etwas unerwartet aus. Das ehemals wohl verschlafene Fischerdorf hat im Sommer jeweils eine Bevölkerungsexplosion. Jetzt sind die vielen Feriensiedlungen leer. Voll ist aber der Parkplatz nahe der Lagune und dem Atlantikstrand, der für Wohnmobile vorgesehen ist. Wir fügen uns dessen, umso mehr als oftmals vom wilden Stehen über Nacht an den Küsten Marokkos abgeraten wird. Ein Spaziergang an der friedlichen Lagune und entlang des endlosen Strandes am Atlantik entschädigt uns für vieles. Doch, hier ist ein Ort zum Verweilen.

    31. Dezember: Silvester und Reisehalbzeit, zwei Dinge zum Feiern
    Nach einem Trödelmorgen mit Ausschlafen spazieren wir auf dem Strand. Die Bagger von Rui und Luo hatten wir dann doch zurückgelassen, da die zwei wieder einen ziemlichen Spinneranfall gehabt hatten. Wie Kinder am Strand aber sind, kommt dies nicht wirklich darauf an: Sie zeichnen, schreiben auf dem Sand und graben mit den Händen. Nach einem kleinen Ausflug ins Dorf hinauf, um einige wenige Vorräte aufzufüllen, begeben wir uns nochmals an den Strand. Wie nämlich von anderen Touristen empfohlen, wollen wir unser Mittagessen an eben aufgestellten Tischen einnehmen. Die Fischer haben hier ein grosses Kohlebecken aufgestellt. Wir bestellen vier Fische und eine Krabbe. Letztere schmeckte uns gekocht besser, die Fische aber sind lecker. Gestärkt wollen wir uns danach zu den weiter entfernten Dünen aufmachen, treffen aber auf dem Weg dorthin Marianne, eine Schweizerin mit ihrem marokkanischen Mann Moussa. Die Jungs und Moussa spielen mit den Wellen, bis alle drei nass sind, während wir anderen miteinander plaudern. Wieder im Bona telefonieren wir Elin, sie ist heute zwei Jahre alt und wir wollen sehen, wie es ihr geht. Dann setzten wir uns nach draussen und öffnen den ersten von Italien mitgebrachten Barbera d’Asti um damit die Halbzeit unserer Familienreise zu begiessen. Die Jungs trinken zufrieden Sirup, den wir nach in mehreren Ländern vergeblicher Suche endlich gefunden haben.
    Rui und Luo schlafen friedlich Richtung neues Jahr, Roger und ich spielen Jazzy, bis wir fast die Stunde Null verpassen (als es bei euch in Europa ja schon lange 2013 ist). Noch ein Barbera wird geöffnet und zittern in der Kälte stehen wir zwischen heute Abend an die 90 Wohnmobile. Alleine, denn alle anderen scheinen im Restaurant zu sein (sind ja auch alle im Pensionsalter und ohne Kleinkinder) – oder aber schlafen wie unser französischer Nachbar, was Schnarchgeräusche deutlich verraten. Das heisst, nicht ganz alle, jemand steht in einer anderen Ecke des Parkplatzes und ist auch zu zweit alleine, aber das sollten wir erst im neuen Jahr erfahren!

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  • 01Jan 2013

    115 Safi und die Töpferkunst 01.01.2013 Marokko —

    Safi, Marokko

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    1. Januar 2013: Mama, dort hat es Kinder, die spielen, können wir fragen, ob sie mit uns spielen?
    Gemütlich wird der erste Morgen im neuen Jahr angegangen. Bis die Jungs zwei blonde Kinder auf dem Riesenstellplatz spielen sehen. Gleich wollen sie raus und mit ihnen spielen. Zuerst müssen sie aber noch das Frühstücksgeschirr abwaschen. In der Zwischenzeit geht Roger raus und knüpft Kontakt. Familie Frauendorf kommt aus dem Osten Deutschlands (Entschuldigung, Denise, darf ich dich so nennen, auch wenn du keine „richtige“ Frauendorf bist?), sie sind auf einer etwas mehr als zweimonatigen Ferienreise durch Marokko. Rui und Luo spielen später enthusiastisch mit Pauline, die beinahe gleich alt ist wie Luo. Auch der kleine Jakob darf mittun. Gerne wird das Spielzeug geteilt, soooo lange schon hatten unsere Jungs schon keine Spielgefährten (ausser dem Bruder) mehr.
    Vor dem Mittagessen wird abgemacht, sich abends im Camping in Safi zu treffen. Nach einer spektakulären Fahrt entlang von Steilküste und darunterliegendem Sandstrand, von der wir aber wegen des heute herrschenden Nieselregens und Wolken nur wenig sehen, treffen beide Familien wie vereinbart ein. Die Vorzelte werden aufgebaut, Fussball gespielt und geplaudert. Später wird gegrillt, die Fleischkügelchen von der Familie Frauendorf sind fantastisch!
    Noch lange sitzen heute Manu, Denise, Roger und ich draussen vor dem Feuer, warm eingepackt gegen die Kälte der Nacht und verbringen einen sehr netten Abend. Wir beschliessen, morgen gemeinsam loszuziehen.

    2. Januar: Tag mit Kutter-Familie
    Schon nach dem Aufwachen wollen Rui und Luo am liebsten los um mit Pauline zu spielen. Aus dem Kutter vis à vis schaut Paulines blondes Gesicht, aus dem das Selbe zu lesen ist. Der Kutter ist übrigens der Familienbus, der nicht mehr der neueste ist und dessen verbreiteter Übername wohl auf die Geräuschemission beim Fahren zurückzuführen ist. Er ist höher als Bona, wohl aber ein ganzes Stück kürzer.
    Heute frühstücken wir an der Sonne und machen uns danach gemeinsam auf den Weg in die Medina. Die zwanzig Minuten Weg legt Jakob in seinem Buggy zurück , Luo und Pauline gehen Hand in Hand und haben sich viel zu erzählen (bei dem Pauline wohl aber nicht alles versteht…!?!). Natürlich schauen wir uns auch den Töpferhügel von Safi an. Ein Guide, der uns am Ende natürlich in ein Töpfergeschäft führen wird, zeigt uns die verschiedenen Stufen der Entstehung der schönen Töpferarbeiten: Lehmstücke werden in Wasser eingelegt, später in elastischem Zustand herausgeholt, mit den Füssen gestampft und geschmeidig gemach. In einer Hütte wird auf Tret-Töpferscheibe der Ton in seine Form gebracht, an der Sonne getrocknet und die Wände der Objekte fein gekratzt. In einer anderen Hütte kommt auf den roten Ton eine graue Schicht. Weiter oben werden die Erzeugnisse nach einem ersten Brenngang angemalt, später mit Glasur überpinselt und noch einmal gebrannt. Auch einen riesenhaften traditionellen, holzgefeuerten Ofen durften wir besichtigen, der für einen Brenngang jeweils fünf Stunden befeuert werden muss.
    Als wir alles gesehen haben, kaufen Roger und ich einen schönen Teller mit Tuareg-Verzierung. Ob wir ihn überzahlt haben oder nicht, ist immer noch unklar, auch wenn Denise einen ähnlichen Preis für den ihren ausgehandelt hatte, in einem anderen Geschäft. Mit dem Handeln hier ist es so eine Sache. Die Marokkaner machen gerne auf: Mir geht es so schlecht, ich brauche Geld für meine Familie etc. Auch beim Fisch sind wir uns bisher unsicher. Meist haben wir ähnliche Preise bezahlt, für Marokko scheint es aber eher hoch zu sein und von einigen Touristen hören wir auch, dass sie viiiiel weniger ausgegeben haben.
    Nach dem anstrengenden Morgen müssen alle aufs Klo, weswegen wir heute ein Restaurant einer Gassenküche vorziehen. Das ist aber auch kulinarisch eine gute Wahl. Dass wir über eine halbe Stunde auf die Taijne warten müssen wird vom hervorragenden Geschmack derselben aufgewogen.
    Die ancien Medina ist hier auch sehenswert, das frische Brot hervorragend. Einen Geldautomaten findet sich ebenfalls in der Nähe. Nach einem Fischhandel auf dem Fischmarkt beim nahe gelegenen Hafen machen wir uns auf den Rückweg. Rui, Luo und ich gehen Duschen, dann wird wieder gespielt. Heute kommt Fisch auf dem Grill. Das gemütliche Zusammensein nach der Bettruhe der Kinder aber wird in den Bona verschoben, heute ist draussen zu kalt und windig.

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  • 03Jan 2013

    116 Sonne, Strand und Meer 03.01.2013 Marokko —

    Souira Kedima, Marokko

    Beschreibung

    3. Januar: Spiessli-Männer beim Friseur
    Auch für das Frühstück ist es draussen noch zu kalt, zumal wir die Wecker gestellt hatten und die Sonne noch nicht wärmen konnte. Getrennt gestalten sich danach auch die Tagesstunden, es wurde aber vereinbart, sich in Souira am Strand zu treffen. Die Spiesslis fahren bis zur Stadtmauer, die um die Medina angelegt ist, holen auf dem nahen Souk (Markt) Gemüse und Früchte. Als wir an einem Friseur vorbeikommen, wagen wir es und so kommt es, dass ich meine Aufgabe als Familienhaarschneider auch diesmal nicht wahrnehmen muss. Rui lässt locker alles über sich ergehen, Luo hingegen scheint angespannt und sogar ängstlich, beide halten perfekt still, auch wenn die Prozessur nicht gerade schnell vorbei ist. Die zwei Marrokaner können das aber deutlich viel besser als ich. Ein zweiter Halt gilt dem Riesensupermarkt Marjane, wo ich unbedingt ein französisches Buch kriegen will. Noch immer läuft mir diese neue Sprache nicht so problemlos über die Lippen, wie ich das gerne hätte. Auch Wein kriegt man hier. Ganz passablen Roten, marokkanischen Wein, von dem wir uns einige Flaschen holen, da in Marokko Alkohol an beinahe keinen Orten zu kaufen ist.
    Die Fahrt nach Süden Richtung Souira führt uns vorbei an den riesigen Phosphat- und anderen Chemiefabriken von Safi, dazwischen grosse Sardinenfabriken, von denen die Fischabfälle auf grossen offenen Lastwagen weggebracht werden. Danach passieren wir unbesiedeltes Küstengebiet und kommen schliesslich nach Souira. Auch dies war ein ehemals verschlafenes Fischerdorf, ist aber inzwischen von Ferienhaussiedlungen gesäumt. Unten am Meer stehen einige Womos, auch der Kutter wartet schon. Die Frauendorfs selbst finden wir hinter den Dünen, in einer geschützten Ecke. Der Strand hier ist wunderbar und auch der Platz nicht schlecht. Wohl müssen/werden wir uns an diese Womo-Gemeinde gewöhnen, die hier überall in Marokko zugegen ist. Manu hat Recht, wenn er vermutet, dass dies das erste Land auf unserer Reise ist, in dem sich dies so verhält.

    4. Januar: Strandleben
    Die drei grossen Kinder haben sich schon richtig aneinander gewöhnt. Es ist interessant, wie immer einer der Jungs mit Pauline zusammen ist, nur selten beide gleichzeitig. Es erinnert an die Gardasee-Ferien mit Saskia, Alina und Simon. Pauline ihrerseits findet auch mal Gefallen daran, die Jungs in Konkurrenzverhalten zu bringen. Und die beiden Gockel legen teilweise richtiges Macho-Verhalten an den Tag, richtige Rivalen! Solche Dinge scheinen einfach aus den Menschen herauszukommen, die lehrt sie niemand.
    Morgens spielen die Kinder nochmals am Strand, Jakob geniesst nach wie vor die vielen Bagger und Lastwagen der beiden grösseren Jungs (auch das scheint am Y-Chromosom zu liegen, da kann man über Gleichheit von Mann und Frau behaupten, was man will). Roger versucht sich im Atlantikfischen, was eine ganz neue Herausforderung darstellt. Nachmittags spielen wir Kubb auf dem weichen Sand des Strandes, wohl der beste Untergrund bisher hierfür. Ein Fischer kommt bei den Womos vorbei und wir kaufen ihm drei Doraden ab. Wiederum besteht der Verdacht, dass wir einen überzahlten Preis bezahlt haben und also im Begriff sind den Marokkanischen Markt zu zerstören. Die Fische schmecken, gegrillt auf unserem türkischen Grill, trotzdem vorzüglich. Nach Kindernachtruhe entpuppt sich derselbe als hervorragende Feuerschale für ein kleines Lagerfeuer. Wir Erwachsenen plaudern und lachen noch lange. Vorerst der letzte gemeinsame Abend, die Frauendorfs ziehen morgen weiter. Vielleicht sieht man sich in einigen Tagen etwas südlicher wieder, wenn sie von den Bergen zurückkommen und wir die Küste weiter erforscht haben werden.

    5. Januar: Zum Aperitiv mit Womoleuten
    Morgens heisst es Abschied nehmen und zuvor noch alles auf Fotos zu bannen. Die Frauendorfs wollen heute los. Die Spiesslis montieren wieder einmal die Velos und Kickboards vom Ständer. Wir kurven der Uferpromenade entlang, bis wir auf der einen Seite den kleinen Fischerhafen erreichen, dann steuern wir das Dorf an um auch heute solches wunderbares, frisches marrokanisches Brot zu kriegen. Als Abschluss sehen wir nach, wie weit die Uferpromenade zur anderen Seite hin führt. Dann ist schon Mittag und im kleinen Kreis der Familie geniessen wir Spiegelrühreier, Salat und besagtes Brot. Nachmittags schreibe ich endlich wieder einmal alles ins Worddokument. Klar, dass, wenn wir Gesprächspartner haben, das Vertexten unserer handschriftlichen Notizen nicht gerade Priorität hat.
    Rui und Luo spielen den ganzen Tag wunderschön. Zu unserem Leidwesen aber gerade dann nicht, als wir uns zu einem deutschen und zwei holländischen Ehepaaren setzten. Was aber, bezüglich der Jungs, vielleicht am Apérogebäck und den Keksen auf den Tischchen liegt, das sie, so streng wie wir halt sind, nicht einfach in sich hineinstopfen dürfen. Das Gespräch mit den Herrschaften ist auf jeden Fall interessant, sind sie doch alle schon seit geraumen Jahren des Winters in wärmeren Gefilden unterwegs, kennen Marokko nicht erst seit gestern und wissen auch Erfahrungen in der Türkei und anderen Ländern auszutauschen, die sie selbst meist vor Jahren schon besucht haben.

    P.S. Heute an Tobi: Rui meinte heute im Spiel: „Das hätt dä Mina ihren Tobias au scho mol gmacht!“ Ganz klar, er hört wohl manches Mal, dass dies und das mein kleiner Bruder Tobias früher gemacht habe. Nun hat er für heute für die Mina auch gleich einen eigenen Tobias erfunden.

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  • 06Jan 2013

    117 Essaouira 06.01.2013 Marokko —

    Ahl Agadir, Essaouira, Marokko

    Beschreibung

    6. Januar: Wunderbare Medina in Essaouira
    Gegen Mittag kommen wir in Essaouira an und sind schon beinahe zwei Stunden gefahren. Schon der Parkplatz an der Stadtmauer, die die Medina umgibt verspricht viel. Nach einem Spaziergang durch die ersten engen Gassen der Altstadt finden wir uns zwischen lauter Europäern auf einem Innenhof wieder, auf dem es aus verschiedenen kleinen Küchen verlockend riecht. Die Sonne ist schon wieder richtig warm, wir setzten die Sonnenbrillen auf und lassen uns im T-Shirt an einem Tisch nieder. Die Stadt gehört wohl zu jenen, die von vielen Touristen besucht wird, und das nicht zu unrecht. Die Medina ist richtig schön. Die Jungs finden immer wieder neue Gassen zum Entdecken. Wir üben uns im „heimlichen“ Fotografieren, da die Marokkaner oftmals nicht gerne fotografiert werden. Es wird für einmal richtig geschoppt. Parfumklötze, Arganölprodukte, Lederschuhe, Familienlederbändeli und zum Schluss Kamele aus Leder für die Jungs. Luo und Rui möchten unbedingt noch eines für Elin kaufen, das sei, so meinen sie, das richtige Geburtstagsgeschenk für die kleine Dame. Wie geplant kommen wir just in dem Augenblick die Rampe auf die Stadtmauer am Atlantik hoch, als die Sonne kurz vor dem Untergang steht. Wir klettern zwischen all den Sonnenanbetern auf eine freie Burgzinne und staunen ob der roten Himmelspracht. Danach suchen wir uns ein Restaurant und gehen für einmal richtig dick aus. Auf einer Dachterrasse lassen wir uns nieder, nach dem Essen begeben wir uns nach drinnen und geniessen Crèpes zu den Klängen eines marrokanischen Musikerduetts. Die Crèpes sind, wie wohl auch das runde weisse, überall sehr frisch erhältliche Brot auf die Besatzungsmacht Frankreich zurückzuführen und werden von uns hoch geschätzt. Wunderbar nach dem Essen durch die wenig beleuchteten Gassen der Medina zu schlendern und zum Bona zurückzukehren. Wir schätzen es, dass unser vertrautes Heim so direkt am Geschehen stehen kann und wir dennoch in unsere eigenen vier Wände zurückehren können (mit eigenem Mief der Bettwäsche, gut geputztem Klo und den Jungs, die alles hier selbständig erledigen können).

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  • 07Jan 2013

    118 Camping Sidi Kaouki Beach 07.01.2013 Marokko —

    Sidi Kaouki, Marokko

    Beschreibung

    7. Januar: Nochmals Medina in Essaouira, weil’s so schön war
    Eigentlich wollten wir schon früh morgens los, doch beim Frühstück merken wir, dass niemand Lust hat, die Stadt schon zu verlassen. Also packen wir die Kamele (Rui und Luo wollen gerade nicht mehr ohne sie los) und schlendern diesmal als Erstes zum Fischerhafen. Hier geht es hygienischer zu und her als auf anderen Fischerhafen, aber es wuselt genau so arabisch-afrikanisch. Die Aussicht vom nahen Turm der Stadtmauer ist überwältigend. Leider dreht danach Rui wieder mal richtig durch, sein Kamel wandert in meinen Rucksack, doch auch das hilft nicht mehr. Wir müssen uns die krassesten Frechheiten anhören und schämen uns für die Szene, die uns unser Kind beitet. Im Bona angekommen wird dann gleich gestritten. Also sollen die zwei besser hinten sitzen, damit sie zur Ruhe kommen, und wir auch. Leider hält die Ruhe aber auch nicht lange, schon nach zwanzig Minuten werden sie wieder handgreiflich. Im Einvernehmen handeln wir Erwachsenen: Roger steuert den Bona an den Rand der weiten, unbefahrenen Strasse und ich steige mit den Jungs aus. So schnell gehe ich mit ihnen an der Hand am Strassenrand entlang, dass sie all paar Schritte rennen müssen. Dennoch sind die zwei Kilometer hinter die nächste Biegung weit, wo der Bona versteckt auf uns wartet. Rui sagt schon lange nichts mehr, keucht nur noch. Luo dagegen plaudert noch immer munter und trabt neben mir her. Im Bona ist es dann allerdings absolut still bis zum Zeltplatz, da scheinen zwei den Denkzettel begriffen zu haben.
    Der Zeltplatz in der unmittelbaren Nähe des Atlantiks ist überwältigend, die Duschen sind warm. Nach einem Strandaufenthalt am übrigens menschenleeren Riesenstrand wird der Grill ausgepackt. Rui wird wieder frech, den Tonfall gegenüber Erwachsenen trifft er heute gar nicht. Deshalb grillen wir ohne ihn, denn das dulden wir gar nicht. Rui hält sich den ganzen Abend nur noch im Bona auf, seinen Teller darf er dort essen. Derweil erfreut sich Luo beim Holz-auf-den-Grill-Werfen daran, den Papi mal nur für sich zu haben.
    Fazit: Schöner Tag eigentlich, mit lauter wunderbaren Dingen. Viel Streit und freche Kinder, was so wirklich überhaupt nicht geht. Fürs Zusammenleben als Familie nicht, aber auch in der Gesellschaft, für das Leben in derselben wir unsere Kinder ja erziehen müssen – das sind wir ihnen schuldig! Also muss gerade eben wieder viel erzogen werden…

    8. Januar: Strand, Sand, Sonne
    Heute gilt es mal wieder, einige aufgestaute Dinge im und am Bona zu erledigen. Dabei warten wir, bis die Waschmaschine des Zeltplatzes frei wird. Rogers Wäschhänke wird das erste Mal erfolgreich getestet. Rui und Luo beginnen bald wieder mit Streiten, der Wurm ist also immer noch drin. Das hält doch keiner auf die Länge aus! Diesmal stecken wir Luo ins Führerhaus, wo er ab und zu bleiben muss.
    Für einmal findet die Mittagspause am Strand statt. Es hat soo viel Platz, da hat es für jeden eine eigene „Ecke“ an einer Düne. Anschliessend spielen wir Kubb in wunderbarem Setting. Rui sorgt dafür, dass ich und er haushoch gegen Roger und Luo gewinnen. Luo meint: „Gell, dä Rui brucht im Kubb kein Erwachsenä meh!“
    Nach diesem wunderbaren Nachmittag, durchzogen einzig von Misstönen in Form der immer wieder in Streit ausbrechenden Jungs, wollen wir uns etwas Gutes tun: Guacamole aus den hier so frischen und geschmackvollen Avocados mit Chips. Doch schon beim Betreten des Zeltplatzes drehen zwei Sicherungen durch und ab in den Bona heisst es deshalb stattdessen. Roger und ich lassen uns die Zwischenverpflegung trotzdem schmecken.
    Wenigstens das Malen des Wasserfarbenbildes für die Bonabusdecke, für das wir die Rückseite des übriggebliebenen Weihnachtspapiers benutzen ist ein Erfolg. Rui und Luo malen konzentriert und wollen unbedingt alles bemalen, lassen es nicht zu, dass ich das Papier kürze. Das Resultat kann sich wirklich sehen lassen!

    9. Januar: Velotour und Milchreis
    Schon morgens in der Früh wird es klar, dass heute ein anderer Wind weht. Als die Jungs gegen acht zu uns runter ins Bett schlüpfen dürfen, lege ich ihnen dar, was ich mir gestern Abend ausgedacht habe: Auf Stoppzeichen mit der Hand muss innegehalten werden, dann wird gemeinsam besprochen, was los ist, wieso und ebenfalls gemeinsam nach Lösungen gesucht. Angewendet werden muss es heute aber beinahe nie, und in den wenigen Fällen klappt es ganz gut.
    Rui und Luo überlegen sich im Elternbett, dass sie gerne wieder einmal einen süssen Z’nacht haben würden. Fotzelschnitten (ich werfe ein, dass Brot und Eier fehlen) oder Milchreis. Das letztere wird also fürs Abendessen geplant. Die zwei wirken immer aktiver in der Planung mit!
    Beim Frühstück kommt ein Brotmann vorbei und bringt Baguette! Mal wieder Honigbrot zum Zmorge ist richtig fein. Und eigentlich auch budgetsparend, auch wenn unsere Luxusmüesli praktisch und gesund sind (je nach Zuckergehalt der gefundenen Packung).
    Heute nehme ich mir morgens das Reparieren des Schuhsackes vor, Roger schlägt sich im Bona mit Bankzahlen und Abhebungskontrollen herum, die man hier ja durchgehen soll. Rui und Luo spielen derweil friedlich und mit einem Haufen produktiver Ideen vor dem Bona. Auch der Nachmittag verläuft friedlich. Wir unternehmen eine Velo-Kickboardtour den Atlantik entlang. Rui erstaunt damit, dass er mir-nichts-dir-nichts aufwärts fährt, beinahe kraftvoller als Luo.
    Als wir wieder im Zeltplatz ankommen holen Roger und ich die übriggbliebene Avocado heraus und machen Guacamole. Man soll doch auch Gutes würdigen, positive Zeichen setzten! Die Kinder sind entzückt. Heute Abend gibt es sogar wieder einmal Linus und Andri (nach einem langen Pippi-Kapitel) und den Abendgesang (Kein Schöner Land).

    10. Januar: Grosses Guezliessen am Abend
    Schon frühmorgens taucht der etwa zweijährige Sohn der Putzfrau des Zeltplatzes wieder auf. Unser Lego- und Sändelispielzeug (Aussenspielzeugkiste) hat es ihm angetan. Er ist aber auch zu knuddelig und äusserst anständig. Er wird bis am Abend, als wir dann für die frühe Abfahrt morgen alles zusammenpacken, das Meiste seiner Zeit heute bei uns verbringen.
    Bona kommt an diesem sonnigen Tag zu einem ungeahnten Luxus. Ein französischer Nachbar leiht uns einen Staubsauger! Das hat unser braver Bus seit der Türkei (Osten) nicht mehr erlebt, insgesamt erst das zweite Mal in den letzten sechs Monaten…
    Mit Velos und Kickis sausen wir bald Richtung Fischerhafen, der sich dann aber „nur“ als Surferquartier herausstellt. Es ist noch früh, die Kinder wieder etwas streitend, also kehren wir um und nicht ein, wie eigentlich beabsichtig. Wir holen das Kubb und gehen zu Fuss an den Strand hinunter. Die Konzentration und die Weite tut gut und so entscheiden wir uns nach einem Spiel doch dazu, nochmals nach vorne zu gehen, diesmal dem Meer entlang zu Fuss. Vorne angekommen setzen wir uns hungrig in ein kleines Resti. Rui und Luo sitzen so artig da, essen wunderschön Salat, Fisch, Crevetten und Gemüse, so dass sie wirklich eine Crèpe au Chocolat verdient haben. Ihre Augen leuchten, unsere übrigens auch (der Knabe am Nebentisch hat nur Pommes gegessen… wir sind stolz auf unsere Gourmets). Auf dem Rückweg spielen wir nochmals Kubb, diesmal gelingt Luo den Königsschuss, er führt einen Freudetanz auf.
    Abends räumen wir alles auf, wir wollen morgen frühstmöglich los. Eigentlich wollten wir die Riesenstadt Agadir nur durchfahren, vor der Fahrt in die Wüste muss aber Luos Sonnebrille ersetzt werden. Mit der alten schwimmt ja bekanntlich ein Fisch in Moulay Bousselham herum. Mal sehen, ob sich Sonnenbrillenclips für Kinder mit Brille hier finden lassen oder was es für Lösungen gibt. Glücklicherweise war es ja nur der Clip, der Baden ging und nicht die ganze Brille.
    Hier auf dem Zeltplatz tauchen, wir überall in Marokko, immer mal wieder fliegende Händler auf (wie ja auch schon in der Türkei). Heute Abend kommt ein Herr und verkauft ein Riesentablett frisch gebackene Guetzli (de ma femme). Wir kaufen grosszügig ein, nicht ganz günstig, aber man soll das Geld doch unter die Bewohner des Landes verteilen und nicht in den Supermärkten lassen. Eine sinnvolle Tätigkeit hat der Herr auf jeden Fall gefunden, und seine Frau auch.
    Nach dem Abendessen gelingt es Rui endlich, seine nun schon wieder tagelang dauernde Verstopfung zu lösen. Ob er wohl für die Hitze (tagsüber, abends wird die Heizung nach wie vor eingestellt) zu wenig trinkt? Unersättlich puzzlen die zwei Jungs an Luos Geburipuzzles herum, so dass, als ich mal kurz nach draussen aufs Klo gehe, der Abend schon erstaunlich weit vorgeschritten ist.

    Der Camping wird im Womoführer als einen der wohl besten Campings Marokkos beschrieben. Und damit hat der Womo-Führer wohl wieder einmal recht. Luo meinte: „Können wir auf diesem Camping bleiben bis wir sterben? Die Duschen sind so schön warm!“ Auf unserer Campingranking liegt dieser Camping hinter Sundance (TR) und Selcuk (TR) auf Rang 3.

    Reisegedanken: Übrigens scheint es einige unserer treuen Leser zu interessieren, wohin wir noch wollen. Nein, nicht nach Mauretanien, auch wenn die Atlantikfahrt lockt (wohl aber erst, wenn Roger und ich wieder ohne Kinder unterwegs sein werden). Marokko will noch weiter entdeckt werden, die Berge rufen, die Wüste auch. Marrakesch ebenso. Dann wohl Südspanien und Portugal, dies spätestens gegen Ende März (mehr als drei Monate dürfen wir nicht in Marokko bleiben). Im April kommen uns Osterwochenende Nani Carla und Neni Sepp einige Etappen mit uns, wir könnten uns momentan hierfür das Baskenland vorstellen, vielleicht Andorra? Später, vielleicht letzte Aprilwoche, wäre aus der jetzigen Sicht mit Grosi Heidi und Fritz die Normandie vorstellbar. Was meint der Wohnwagen dazu? Als Abschluss unserer Reise ist Schweden und Finnland beinahe gesetzt (Elin und Sabina seid ihr zu diesem Zeitpunkt in Schweden?). Frühestens aber Mitte Mai und Juni. Saskia, bist du zufällig mit Wohnwagen anfangs Mai in Dänemark und hast uns Insidertipps? Ab Juli wollen wir wieder Wohnungsbesitzer sein, damit die Jungs (und auch wir) bis zum Schulanfang (Kindergartenanfang) im August wieder genügend sesshaft und alltagmässig strukturiert sein werden.

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  • 11Jan 2013

    119 Tiznit 11.01.2013 Marokko —

    Tiznit, Marokko

    Beschreibung

    11. Januar: Riesentagesfahrt, puh!
    Als erstes kommt mir eine Anektote in den Sinn. Ich spreche mit den Jungs über den Sommer und dass Luo in den „Kleinen“ Kindi gehen wird, genau wie Amélie. Er hat richtig Freude, ich merke, dass er meint, dass er mit Amélie in den Kindi gehen wird. „Nein, Luo, nicht am selben Ort in den Kindi, Amélie geht in Winterthur in den Kindi, du dort, wo wir dann wohnen werden.“ Luo meint darauf: „Warum können wir dann nicht einfach dahin ziehen, wo Amélie wohnt, damit ich mit ihr in den Kindi gehen kann?“
    Morgens stehen wir alle um sieben auf, der Wecker klingelt wie vereinbart. Nach Tee und Guetzli sind wir schon vor acht Uhr unterwegs und fahren wieder Richtung Süden. Wir kommen gut voran, die Strecke, die wir uns für heute vorgenommen haben ist nämlich weit. Der erste Halt nach beinahe zwei Stunden gilt einer Geissenherde, die in den Arganbäumen sitzen und sich an den saftigen Blättern und Nüssen dieses Baumes gütlich tun. Recht wendig gehen sie auf den Bäumen auf und ab. Der Hirte zeigt Freude an den Jungs und bringt ihnen zwei Geisskitze, die sie knuddeln und halten können. Für uns etwas befremdend daran ist einzig, dass er am Schluss Geld dafür erwartet.
    Der zweite Halt wird in Tamri eingelegt. Hier soll es ebenso feine kleine Bananen geben wie damals in Anamur in der Türkei. Und wirklich, wir kaufen gleich zwei Kilos. Auf der Weiterfahrt bewundern wir Surfer, die sich im Wellenreiten versuchen. Schliesslich kommen wir in Agadir an und rollen, da wir keinen Optiker sehen, bis zum Marjane. Wahnsinn, wie viele europäischen Wohnmobile hier stehen. Der Parkplatz des Einkaufzentrums gleicht einem Stellplatz. Dennoch, wir nutzten die Chance, noch einmal Wein, Sojamilch und Margarine zu kaufen. Nebenan befindet sich noch ein Baumarkt, der ebenfalls noch einige Dinge anbietet, die wir gut gebrauchen können. Leider entpuppt sich der Sonnenbrillenshop im Einkaufszentrum eher als Flop. Roger weiss Rat, das heisst, Lisa führt uns zu einem Optiker. Leider haben sie hier keinen Clip, der auf Luos Brille passen würde. In Marokko aber ist das Brillenglas noch günstiger als in der Schweiz. So lassen wir Rui auf seine alte grüne Brille geschliffene Sonnebrillengläser machen. Luo erhält sogar ein neues Gestell dafür. Schade, dass wir bis Mittwoch warten müssen, bis alles fertig ist und also dann nochmals nach Agadir rauf fahren müssen. Wir sind aber dennoch begeistert von der guten Lösung, die wir für unser Sonnenbrillenproblem gefunden haben.
    Dann möchte vor allem Roger noch aus der Riesenstadt heraus. Lisa zeigt 1.5h nach Tiznit an. Mit Feierabendverkehr wird es aber beinahe eine Stunde mehr. Im Dunkeln ist die Fahrt nichts Schönes und alle haben die Fahrerei tüchtig satt – der angefahrene Zeltplatz jedoch ist voll und wir müssen uns eine andere Bleibe suchen. Nach einigem Fragen und fast ebensovielen Falschfahrten finden wir zwei Kilometer vom Zentrum der Kleinstadt Tiznit ein „Riat“, in dem schon sehr viele Womos stehen. Ich lege mich mit starkem Kopfweh hin, während meine Männer Salat und Spiegeleier verdrücken.

    12. Januar: Die Medina von Tiznit
    Nach dem Frühstück gehen wir zu Fuss los, zwei Kilometer zur Innenstadt, in die Medina hinein und kreuz und quer darin herum. Irgendwann muss Rui aufs Klo. Hier aber ist die Medina gar nicht touristisch, es findet sich nicht mal ein Teehaus. Zwar hat es keine Lehmgebäude mehr wie wohl früher, die Betonhäuser sind aber noch im traditionellen Braun gepinselt. Es hat Schuster, die traditionelle Schuhe fertigen, wir finden einen Bäcker, in einer Ecke die Bekleidungszunft, in einer anderen der Polsterer, der auch Wohnmobile innendrin auf Vordermann bringt. Wir suchen mit Lisas Hilfe in die Hauptgasse zurück, gehen an Gemüseständen und Allerleigeschäften vorbei und finden ein Teehaus. Hier kriegen wir ebenfalls eine gute Poulet-Tajine, ein Kichererbsen- und ein Bohnengericht. Natürlich gehen wir auch den Rückweg nicht auf direktem Weg und sind dann ziemlich müde, als wir schliesslich zu Hause ankommen.
    Wir treffen Christian, einen österreichischen Langzeitreisenden, der neben Tauchlehrerjobs in Thailand viel als Backpacker und Wanderer durch viele Kontinente gereist ist. Jetzt reist er mit Velo und Satteltaschen. Wir laden ihn zum Pastaessen im Bona ein und geniessen die unterhaltsamen Gespräche. Später schauen wir in den Saal einer Berberhochzeit und bewundern die traditionellen Gewänder. Als wir dann auf die Kasse beim offiziellen Eingang mit „un ticket est obligé“ hingewiesen werden, haben wir dann genug von Hochzeit gesehen und bringen die Kinder ins Bett.

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  • 13Jan 2013

    120 Sidi Ifni 13.01.2013 Marokko —

    Sidi Ifni, Marokko

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    13. Januar: Wiedersehen mit Frauendorfs
    Christian wird mitsamt seinem Velo morgens in den Bona eingeladen. Er geniesst es, die hügelige Strecke nach Sidi Ifni motorisiert zurückzulegen. Schon mittags sind wir dort. Der Zeltplatz, auf dem wir uns mit unserer deutschen Familie verabredet haben, ist ernüchternd. Wohl von den vier hier bestehenden der, der am nächsten am Atlantik ist, ähnelt aber eher einem Stellplatz auf roter Erde. Innerhalb der nächsten Tage wird alles rot werden im Bona und an uns. Zunächst machen wir viele Zeltplatzbekanntschaften. Einigen Leuten scheint es hier so gut zu gefallen, dass sie schon wochen- wenn nicht monatelange hier stehen. Das können wir uns für uns gar nicht vorstellen. Bisher hat es uns nach einigen Tagen immer wieder weitergetrieben.
    Nachmittags kommen die Frauendorfs an. Die Wiedersehensfreude ist allseits gross und die Kinder werden beim Spielen in der Aufregung sehr laut.
    Später machen wir einen Spaziergang ins Dörfchen hoch und wollen uns den Souk, den Wochenmarkt ansehen. Plötzlich werden zuerst meine Beine schwach, dann drohe ich „zusammenzuklappen“. Irgendetwas stimmt mit mir nicht und ich lasse mich von meinen Männern ein gutes Stück runter begleiten, bis ich sicher bin, den Zeltplatz alleine erreichen zu können. Rui, Luo und Roger gehen noch einmal hoch und holen Gemüse. Ich lege mich hin, kämpfe mit Übelkeit, die allerdings nur aus der Schwäche zu kommen scheint. Mein Blutdruck ist so schwach, dass ich sogar des nachts einmal aufwache und damit zu kämpfen habe. Nach einem guten Frühstück geht es mir dann allerdings wieder viel besser und das Ganze wiederholt sich glücklicherweise nicht mehr.

    14. Januar: Ein Tag am Atlantik
    Wunderbar warm wird es hier tagsüber. Ich trage aber nur im Zeltplatz ein kurzärmeliges T-Shirt, draussen lange Ärmel. Die Frauen sind hier alle verschleiert und tragen meist Tücher um den Körper geschlungen.
    Heute ist Strand angesagt. Morgens spielen die Kinder wunderschön mit Bagger, Sand und sich selbst, sind Tiere und Tierarzt, wechseln Hufeisen etc. Die Erwachsenen spielen ausführlich Kubb. Nach einem Mittagessen steigen wir Frauen für einmal alleine zum Einkaufen hoch nach Sidi Ifni. Die restlichen Familienmitglieder beginnen am Strand zu buddeln. Bis am Abend entsteht eine riesige Sandburg mit mehreren Verteidigungsringen – der Feind ist die Flut.
    Krönender Tagesabschluss stellt dann ein Hamburgerfestival dar. Luo und Pauline kneten mit mir die Masse aus Gemüse, Ei, Gewürzen, Brot und Hackfleisch. Rui hilft Roger beim Feuermachen. Das gute marokkanische Fladenbrot eignet sich vorzüglich zum Füllen mit Gemüse und Fleischburgern.
    Als die Kinder im Bett sind unterhalten sich die Erwachsenen wie schon Tradition bei einem Glas Wein, gut eingepack in Faserpelz, Windstopper und einige auch Decken unter dem klaren Sternenhimmel Marokkos.

    15. Januar: Pancakes zum Frühstück
    Heute kriege ich meine Geburipancakes, auf die wir damals, nur fünf Tage nach Luos Pancakesfestessen nicht wirklich Lust gehabt hatten. Auch wenn wir heute später dran sind ist das draussen Frühstücken allerdings eher zu kühl, da die Sonne noch nicht scheint. Dennoch, das Pancakesessen ist natürlich ein voller Erfolg und auch Pauline kriegt einige ab.
    Den ganzen Morgen über spielen die Kinder wunderbar miteinander, so dass wir uns für einmal gar nicht vom Camping wegbewegen. Nachmittags brechen die Spiesslis zu einem Strandspaziergang auf. Wir kommen an der Abwasserleitung von Sidi Ifni vorbei, die in der Nähe ins Meer geleitet ist (ungeklärt, versteht sich). Auch ein Marabout liegt am Weg. In dieses Heiligtum, das Grab des Lokalheiligen, werfen wir anstandshalber nur von der Türschwelle einen Blick hinein.
    Auf dem Fischmarkt haben wir uns mit Christian verabredet, der sich ebenfalls in unserem Zeltplatz für einige Tage niedergelassen hat. Er wählt den Red Fuselier aus, einen Fisch, der sich, wie sich zeigen sollte, vorzüglich zum Grillen eignet. Abends gibt es heute nämlich ein Festessen. Zum Fisch und gegrilltem Gemüse kocht Christian ein Gemüsecurry im Bona. Reis wird dazu serviert. Alle langen kräftig zu.

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  • 16Jan 2013

    121 schöne Küste 16.01.2013 Marokko —

    Legzira, Marokko

    Beschreibung

    16. Januar: Legzira, Felsbögen in den Atlantik
    Ziemlich früh sind beide Familien fertig und fahren noch einmal ins Dorf hoch um Trinkwasser einzukaufen. Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir in Legzira an. Hier hat es keinen Camping aber man kann oberhalb einer Auberge gut stehen. Es ist erfrischend, für einmal keine Wohnmobilkolonie um sich herum zu haben. Dafür sorgt nicht zu Letzt die nur aus einer steilen Piste bestehende Anfahrt.
    Wir packen unsere Rucksäcke mit einem Picknick und machen uns auf den Weg zu den Steinbögen. Es ist Ebbe und der Strand lang. Gemütlich wird gespiesen und anschiessend plantschen die Kinder im Wasser, das bei den Felsen von der Flut übriggeblieben ist. Danach spazieren wir weiter, auch um die Kinder wieder vom Wasser wegzukriegen, das eben wirklich nicht gerade Mittelmeertemperaturen aufweist.
    Genügend Zeit bleibt eigentlich später um noch einmal den Strand zu geniessen, bevor wir dann Richtung Berge rollen werden. Doch die Kinder sind wohl eher übersättigt. Nur Jakob hat noch Freude an den Baggern. Die drei Grösseren streiten den ganzen Nachmittag immer wieder, werfen Sand und scheinen heute nicht so recht zu wissen, was zu tun. Roger und ich versuchen sie mit einem Kubbspiel auf produktivere Gedanken zu bringen und beschliessen morgen alleine weiterzufahren.
    Der Abschlussabend mit der liebgewonnenen Familie Frauendorf wird im Restaurant am Atlantik begangen. Leider müssen wir sooo lange auf unsere Tajines warten, dass die Kinder weder Zeichnen noch irgendetwas anderes mehr wollen. Da die Tajines etwas klein ausgefallen sind und aber vorzüglich schmecken, riechen sie eigentlich nicht unseren Hunger zu stillen. Leider gibt es hier aber keine Crèpes oder andere Desserts und so helfen wir uns mit in den Bussen geholten Guetzli zum Thé à la menthe.

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  • 17Jan 2013

    122 Le Jardin de la Koudya 17.01.2013 Marokko —

    Khenafif, Marokko

    Beschreibung

    17. Januar: Sonnenbrillen für unsere Jungs
    Ein Tag später als ursprünglich mit dem Optiker vereinbart machten wir uns heute auf den Weg, die geschliffenen Sonnenbrillen der Jungs abzuholen. Dafür machen wir uns früh auf den Weg und verabschiedeten uns schon um acht Uhr in der Früh von den Frauendorfs. Jetzt würden wir uns nicht so bald wieder sehen, vielleicht mal in Deutschland oder der Schweiz. Für den Moment aber ist es gut, dass alle alleine weiterziehen. Die Kinder im Dreierteam hatten zunehmend Streitereien.
    So fuhren wir also Richtung Agadir und stoppten irgendwo hinter Tiznit um Fahrerwechsel zu machen. Und trotz starkem Verkehr in Agadir stoppte ich den Bona schon um 11.15 Uhr auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Optikergeschäfts. Mit Freude holten Rui und Luo ihre geschliffenen Sonnenbrillen ab. Ein richtiger Luxus für Kinder. Im nächsten halben Jahr können sie die aber bestimmt noch gut gebrauchen.
    Zu Mittag assen wir Pizza. Die feinen, aber schweren Käsefladen sollten uns noch eine ganze Weile als Klumpen im Magen begleiten. Nach einem Minispaziergang einmal um den Block herum machen wir uns auf die letze Fahrstrecke in Richtung des Campings Jardin de Koudya, zwanzig Kilometer vor Tarodouant. Hier ist es ein wirkliches Paradies, gemütlich wurde deshalb auch unser Abend.
    Luo überlegt viel über das Thema Kamelausflug. Er stellt sich vor, wie das wohl geht. Schlafen wir wohl im Zelt? Und wie essen wir wohl auf dem Kamel?

    18. Januar: Rostbehandlung für den Bona
    Heute bewegten wir uns nicht aus dem wunderbaren Gelände der Farm, die eben auch ein Camping ist, hinaus. Wir schliffen den Rost an den besagten Stellen des Bonas ab, bemalten mit Rostschutzfarbe, bis er nun noch mehr getüpfelt ist als schon vorher. Zwei Maschinen Wäsche werden gewaschen. Gleichzeitig spielen die Jungs hervorragend stundenlang friedlich zusammen, bauen aus Campingmöbel und Tüchern ein Berberzelt. Nachmittags haben wir irgendwann genug gemacht und trinken einen „Whiskey Maroque“, also einen Pfefferminztee an der Piscine der Ferme. Hier im Herzen des Paradieses ist es ein Leichtes, sich gleichzeitig aufs Puzzlespiel zu konzentrieren.

    19. Januar: Grossputz des Bonas
    Noch etwas gibt es zu tun, bevor wir in die Berge und nachher in die Wüste fahren. Alle rüsten sich mit Putzlappen aus. Der Bona wird innen abgestaubt, aufgewischt, poliert, vom Sand befreit. Bis zum Mittagessen, das wir schon gestern hier beim Camping bestellt hatten, bleibt danach noch Zeit zum Duschen. Da die warme Dusche aber nicht funktioniert, dürfen wir ins „Herrenhaus“-Badezimmer. Die Tajine avec viande, la soupe und den Fruchtsalat zum Dessert schmecken vorzüglich. Wohl die Beste die wir bislang serviert erhielten. Vollgegessen wie wir sind machen wir uns danach auf den Weg per Spaziergang das nahegelegene Dörfchen El Guerdane zu erkunden. Kinder sprechen uns an, auch Erwachsene, sie heissen uns willkommen und winken. Auf dem Rückweg kommen wir im Riesengebiet der Ferme an Mandarinenbäumen vorbei, die gerade abgeerntet werden. Auch wir kriegen einige Früchte, die wir sogleich verzehren. So in den Mandarinenheine schmecken die Früchte super lecker. Natürlich haben wir bislang noch nie so frische Mandarinen gegessen. Nun regnet es das erste Mal an diesem grauen Tag wirklich, wir sitzen im Bona und spielen Gesellschaftsspiele.

    Logbuch:
    Von unserer Reise führen wir ein Logbuch, das wir dann ab und zu in einem Excel nachführen. Bei den Bildern sind einige Grafiken dargestellt. Wer Lust hat darf diese gerne studieren und interpretieren ;) Nützlich sind sie sicher für weitere Reisen!

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  • 20Jan 2013

    123 Tafraoute 20.01.2013 Marokko —

    Tafraoute, Marokko

    Beschreibung

    20. Januar: Fahrt in den Antiatlas
    Morgens machen wir in gemütlichem Tempo alles fertig und beginnen dann den Aufstieg in die Berge. Die Fahrt in den Antiatlas dauert länger, als Lisa prophezeit hat. Die Lisa aber hat hier auch wirklich keine Ahnung. Das erste Mal auf unserer Reise hat sie, wenn wir Glück haben, die Hauptstrassen drin. Von den Dörfern hat sie keine Ahnung und ebenfalls ist sie chancenlos unseren Standpunkt auf dem GPS-Bildschirm genau anzuzeigen. Die meisten Strassenschilder sind auch auf Französisch beschriftet und meist kann man ja gar nicht falsch fahren, ohne vom Asphaltstrassennetz runterzukommen. Mittags kaufen wir im wuseligen Dörfchen Ahir Baha, in dem gerade Markttag zu sein scheint, einige Brote. Nicht weit ins nächste Tal hinein halten wir nochmals an und essen im Bona gefüllte Brote. Ein Hirtenjunge, der vorbeikommt, macht bittend die Essensgeste und erhält von uns ebenfalls ein grosses Honigbrot, das er mit seinen zwei erwachsenen Hirtenkollegen teilt.
    Dann fahren wir weiter und kommen nachmittags an der Speicherburg Agadir Tizrgane vorbei. Wir lassen Bona stehen und spazieren hinauf um einen Tee zu trinken. Mit 40 Kilometern Geschwindigkeit im Durchschnitt sind wir heute unterwegs, beinahe viereinhalb Stunden. Die Strasse ist nicht breiter als eineinhalb Autos, wenn einer entgegen kommt, heisst es halb runter von der Strasse, zumal die Marokkaner meist keine Anstalten machen ihrerseits auszuweichen. Es gilt dabei möglichst vorsichtig zu sein, will man keine Reifenpanne provozieren, wenn man wieder auf den Asphalt hochfährt. Zweimal wechseln wir Fahrer, damit wir nicht zu fest ermüden und auch damit jeder von uns in den Genuss des Beifahrens kommt, die Landschaft ist nämlich umwerfend, wohl auch ein Grund unserer tiefen Fahrgeschwindigkeit. Dann kommen wir in Tafraoute an. Die Bergen um uns herum versprechen gute Wanderungen, wir fühlen uns wohl und sind froh; genügend lange sind wir nun auf der faulen Haut gesessen.

    21. Januar: Wandern, Berberteppich und Tajine
    Roger hat zum Frühstück Brot beim Camping bestellt, richtige Baguettes und Brioches! Dann machen wir uns auf mehr über die Gegend zu erfahren, können im Städchen aber nur einen eher unzureichenden Faltflyer finden, der eine gute Karte nicht ersetzen kann. Wir stiefeln los, in die Richtung, die uns nach Tazka zu führen scheint. Heute hat es wieder Wolken und bis zum Mittag ist es sehr kühl. Tazka ist ein wunderschönes, ziemlich authentisches Dörfchen, das aber schnell gesehen ist. Zumal das Maison traditionelle aus unerfindlichen Gründen heute geschlossen zu sein scheint. Wir nehmen einen Hirtenpfad in die Himmelsrichtung, die nach Aguerd Oudad zu führen scheint. Über Granitblöcke und Sand laufen wir den Hügel hoch und kommen so auf das Hochplateau, auf dem die „komischen“ Steine liegen, die vor Jahren ein Belgier in seiner Selbstverwirkligungsphase grossflächig angemalt hat. Rui und Luo finden es toll auf den Riesenmashmallows herumzuklettern. Dann geht es weiter, zum Tal, in dem die andere Asphaltstrasse Richtung Tafraoute zurückführen soll. Wir finden es. Rui leidet an Seitenstechen, wir haben wohl wirklich zu lange keine Wanderungen mehr gemacht!
    Das erste gut wirkende Restaurant nehmen wir! Zumal wir nicht viel Proviant dabei hatten und schon drei Uhr nachmittags ist. Es riecht vorzüglich nach Tajine. Wir bestellen gleich drei (kleine) davon: Im Tontopf gegart schmecken uns Huhn-, Rind- und Gemüsetjine wieder einmal hervorragend. Wir meinen gar, dass dies bisher die beste Tajine gewesen ist.
    Schon gestern haben wir einen Berber getroffen, der uns ansprach, da sein Bruder angeblich in Bern lebt. Eindrücklich ist sein Schweizerdeutschvokabular mit unverfälschlichem Bernerakzent auf jeden Fall und so beschliessen wir „seinen“ Laden über der Strasse zu besichtigen. Da unser Linoleum bei der Kante der Schwelle langsam aber sicher grosflächig bricht (Doi, weisst du welche Kante, oder? Die nicht-Gehobelte ;-) sind wir am Lösungen für das zweite halbe Reisejahr suchen. Der gewiefte Verkäufer meint, dass ein Berberteppich im Bus sichern nicht schlecht wäre. Der Staub liesse sich problemlos herausschütteln, schliesslich würden auch die Nomaden hier solche Teppiche benutzen, und zwar im Sand. Er hat einen Teppich in rot, der genau an den besagten Platz im Bona zu passen scheint und wir lassen uns zu einem Kauf hinreissen. Und zwar zu unserem Preis! Luo versteht die Welt nicht mehr, als wir, schon auf der Strasse zurückkehren und den Teppich doch noch kaufen. Erstens versteht er noch nicht so gut Französisch (weiss also nicht, dass der Verkäufer uns nachgelaufen ist weil er auf unseren Preis einlenkt) und zweitens scheint ihm das Handeln noch nicht so verständlich…
    Angekommen beim Camping holen Luo und Rui gleich die Bälle und beginnen Fussball zu spielen. Ihre zwei marokkanischen Kollegen von gestern, die sicher schon zehn Jahre alt sind, lassen nicht lange auf sich warten…

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  • 22Jan 2013

    124 Tal der Ammeln 22.01.2013 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    22. Januar: Das Tal der Ammeln
    Heute scheint das Wetter noch kühler und die Wolken zu bleiben. Dennoch, wir wollen die Umgebung sehen und nehmen dafür heute den Bona. Wir fahren Richtung Ammelntal, stellen den Bona ab, als wir die Piste nach Tiremtmate erreichen. Nach zwei Kilometern bequemem Spaziergang kommen wir an ein ganz kleines Dörfchen. Ein Marrokaner, bei dessen Haus wir nach den Felsgravuren fragen, führt uns weitere fünfhundert Meter durch ein halbausgetrockneten Wadi. Dann stehen wir vor den Felsblöcken mit Gazellen. Witzbolde haben daneben ein Auto eingraviert. Schwierig für die Jungs den Unterschied zu merken: Warum kann das nicht sein, dass die Leute vor tausenden von Jahren alles eingraviert haben, warum ist das Auto sicher eine Fälschung… Der nette Herr, der uns geführt hat, will nicht einmal Geld, hat uns also rein aus Interesse/Freundlichkeit zu den Gravuren geführt. Wir sind beinahe sprachlos, ist das doch das erste Mal, dass uns das in Marokko passiert und die Gravuren hätten wir ohne ihn wohl kaum gefunden.
    Wir essen unser heute reichlich mitgebrachtes Picknick und verbringen dann viel Zeit in der nun durchgebrochenen Sonne. Als wir Bona wieder erreichen ist es schon halb vier. Wir tuckern durch das Ammelntal und wählen für diese Nacht den Camping-Auberge l’Arganier d’Ammelne. Hier essen wir später am Abend ein vorzügliches Menu: Harira (Suppe, die es meist im Ramadan gibt), anschliessend ein Couscous mit Huhn und Erdnusssause, das eigentlich ein Hochzeitsmenu ist, dann Fruchtsalat und als Abschluss einen Thé à la menthe. Übrigens für 75 Dirham die Person (ca. 7.50 SFR), drei Menus reichen für uns vier. Der Camping kostet 60 Dirham (nur, damit mann einmal einen Eindruck hat).
    Gestern haben wir unsere weiteren Reisepläne in Frage gestellt. Wollen wir wirklich noch ganz in den Norden oder werden wir Spanien und Portugal, ev. Frankreich intensiver bereisen und von da aus nach Hause fahren (Ende Juni)? Eigentlich war Schweden und Finnland von Anfang an, seit wir die Europareiseidee hatten, fix gesetzt. Es ist aber sooo weit weg und wir müssten einige Länder ziemlich ungesehen zurücklassen…

    23. Januar. Wanderung durch Dörfer des Ammelntales
    Zum Frühstück gibt es auch heute Brot. Eigentlich vermisse zumindest ich das Müesli, für mich ist Weissbrot auf die Länge nicht das Wahre. Aber hier in den Bergen gibt es keinen Marjane-Superstore. Und meine drei Männer lieben das Brotfrühstück. Vom Campingchef kriegen wir gar noch Crèpes dazu.
    Um zehn Uhr wandern wir los, Richtung Berghang und Ammelndörfer, die wir von weitem sehen. Oben am Hang liegen alte Lehmhäuser, die halbverfallen sind. Unterhalb befinden sich die neueren Häuser teilweise aus Beton. Wir durchstreifen zwei Dörfer und gelangen schliesslich an den Rand der Felsen. Hier werden nun endlich die neuen Kletterschuhe ausprobiert, die Rui und Luo von Grosi Heidi zu Weihnachten gekriegt haben. Roger klettert hinauf und sichert die Jungs von oben. Für eine Kletterei von uns Eltern ist hier für uns nicht die Möglichkeit. Eigentlich schade, bei dem Felsen! Es hat keine Hacken und das selber absichern ist nicht ganz trivial (sehr kompakter Fels, Risse gegen aussen offen, …).
    Gegen Abend kommen wir zu unserem Privatcamping zurück und duschen. Zwei Deutsche fahren mit ihrem Wohnmobil auf den Platz. Es freut uns, nicht mehr alleine hier zu sein, auch für den Campingbetreiber. In der Auberge hat es noch Gäste, aber auch hier nicht voll ausgelastet.

    24. Januar: Berberschuhe für alle
    Wiederum kriegen wir heute nach dem Frühstück vier Crèpes. Und wiederum stapfen wir danach los, den Talrändern entgegen. Heute sind wir ohne Kletterseil unterwegs. Traumhaft sind auch die Dörfer links von unserem Camping. Wir treffen viele freundliche Marokkaner, Frauen, Kinder und Männer und halten jeweils einen kurzen Schwatz. Nach einem Picknick unter einer grossen Argane kommt ein Marokkaner und schenkt uns zwei Hand voll Zitrusfrüchte, die er eben für uns abgelesen hatte. Er versucht mit Händen und Füssen, wenig Arabisch und noch weniger Französisch mit uns zu sprechen. Hier habe es Schlangen, wir sollen vorsichtig sein.
    Wunderbar auch der Rückweg durch die ehemalige Dattelplantage. Die Palmen sind zu alt und das Gebiet wohl heute zu trocken. Vertrocknete Früchte finden sich in den Baumkronen, die nicht geerntet worden sind.
    Noch einmal nutzen wir die schöne warme Dusche, die Jungs spielen und wir geniessen den frühen Abend. Als Abschluss wollen wir heute nochmals im Restaurant essen, am gleichen Tisch mit unseren deutschen Nachbarn.
    Heute haben wir alle Babuches gekriegt, das heisst beim Campingwart gekauft. Babuches sind die wunderbaren Lederberberschuhe, die wir zu Hause gut als Finken gebrauchen können.
    Der Abend wurde dann ein richtiger Erfolg. Rainer und Silvia sind schon viel gereist. Die Unterhaltung wurde nach der Nachtruhe für die Jungs im Bona bei einem Wein fortgesetzt.

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  • 25Jan 2013

    125 unsere erste Oase! 25.01.2013 Marokko —

    Ait Mansour, Marokko

    Beschreibung

    25. Januar: Die Oase Ait Mansour
    Zuerst galt es unsere Vorräte aufzufüllen. Dafür fuhren wir die vier Kilometer nach Tafraoute. Nach einem grossen Einkauf in den kleinen Läden hier und auf dem Gemüsemarkt galt dann nochmals: „Alles paletti?“ Und so fuhren wir weiter, eine Bergstrasse hoch, vorbei an vielen blühenden Mandelbäumen, immer höher und später den Pass hinunter. Die karge Landschaft wies bald auch keine Arganen oder Mandelbäume mehr auf. Also eigentlich schon ziemlich wüstenähnlich. Dann führte die Strasse noch steiler hinunter, bis sich die Schlucht schliesslich in eine Oase öffnete. Ait Mansour, unser Tagesziel war schon erreicht (1h Fahrzeit seit Tafraoute). Einige französischen Pickup-Womos und Womos hielten auf dem ersten Parkplatz, fuhren dann aber bald weiter. Wir blieben, zahlten dem Wächterehepaar (das nur am Tag das Fahrzeug bewacht?!?) einen kleinen Betrag. Ein ausgedehnter Spaziergang entlang der einzigen Strasse durch die Schlucht und Oase traten wir heute an, wobei seit längerem wieder mal ausgiebig gemotzt wurde (von Seiten der Jungs), und leider weiter gestritten. Abends beim Abendessen im Bona hörten wir Motorräder, die neben uns parkierten. Acht Marokkanische junge Herren auf sieben Motorrädern machten einen mehrtägigen Ausflug und stellten zwischen den Palmen ihre Zelte auf. Roger und ich gesellten uns auf Einladung zu ihnen, als Rui und Luo schliefen. Die Herren kochten ein vorzügliches Mal: Poulet-Gemüseintopf über einer Gasflamme und Gemüsespiesslis auf dem offenen Feuer. Natürlich wurden wir eingeladen. Uns beeindruckte die Sauberkeit, mit der gearbeitet wurde. Mehrmals wuschen sich die Männer die Hände, auch das Fleisch und das Gemüse wurde ausgiebig gewaschen. Wie anders würde doch ein Männerausflug in der Schweiz aussehen… stimmt’s, liebe Schweizermänner?

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  • 26Jan 2013

    126 Amtoudi 26.01.2013 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    26. Januar: Pistenfahrt durch den Antiatlas
    Seit Tagen studierten wir immer wieder unsere verschiedenen Karten. Müssen wir wirklich nach Tafraoute zurück und die riesige, bergige Etappe nach Igherm befahren? Sind die vier Wege Richtung Süden für uns wirklich nicht passierbar? Sind es alle noch 4x4-Pisten oder teilweise schon geteert? Wir befragen mehrere Einheimische die uns aber sehr unterschiedliche Antworten geben. Unsere marokkanischen Freunde gestern bekräftigten, dass eine der Routen gut befahrbar sei. Leider die westlichste und damit diejenige, die den grössten Umweg bedeuten würde. Die östliche Route die uns von anderen empfohlen wurde und die wir eigentlich versuchen wollten, können sie uns nicht empfehlen: „Wir sind vor einem Jahr diese Strecke gefahren und die Piste hatte sogar mit dem Motorrad keinen Spass gemacht. Zudem ist dort oben niemand, nicht mal Vögel hat’s! Die wenigen Bewohner dieser öden Landschaft waren komisch, sogar für uns Marokkaner!“ Langsam tuckerten wir durch die Täler gegen Westen und kamen nach beinahe zwei Stunden an einem Wegweiser vorbei: Tamanart. Dahinter zwar Piste, aber zwei Wagen breit und es schien, wie wenn schon zum Asphaltieren bereit. Roger hielt und sah sich um. Ein Wagen kam von hinten und bog in ebendiese Piste ein. Zwei freundliche Männer stiegen auf unser Winken aus. Sie besahen sich unsere Bodenfreiheit und meinten nach längerer Diskussion auf Arabisch oder eine Berbersprache: Doch, das gehe mit dem Bona. Also los! Wunderbar ging es vorwärts durch bergige Gegend, ab und zu eine buschähnliche Pflanze. Keine Autos, keine Schafe oder Ziegen, keine Menschen. In einem Oasendorf (dem ersten, dem wir begegneten) hielten wir. Eine gîte d’étappe war angeschrieben. Der Lehrer des Dorfes führte uns hin. Hier ist gerade für zwei Wochen Ferien, zu Ehren des Geburtstages des Propheten Mohammed. Es hat also nicht nur viele Kinder überall, sondern auch viele Familien, die zwecks Arbeit in Agadir, Rabat oder Casablanca wohnen sind für die Ferien in ihre Dörfer zurückgekehrt.
    In der gîte d`étappe empfing man uns freundlich. Die führende Familie meinte, dass sie eine Tajine für eine Familie hätten. Sie sei schon bereit, da sie diese eigentlich für sich gekocht hätten. Wir zögerten, konnten aber nicht ablehnen und kauften eine der besten Tajines, die wir bisher hatten (Das schreiben wir ja bei jeder Tajine). Gemüse, Schaffleisch, Oliven. Hier in der Auberge kämen nun, da die Piste ausgebaut worden sei, nicht mehr so viele „KatKat“-Touristen (4x4-Freaks) vorbei. Zuvor war es wohl eine beliebte und anspruchsvolle 4x4-Route.
    Wir fuhren weiter. Hier im Tal der Oase ist der Platz wenig breit und deshalb die Piste schlechter. Nur noch Autobreite und dann plötzlich gar nur noch Piste im Ouad. Jetzt wurde es also richtig anspruchsvoll… Aber Roger und Bona schafften das. Einmal musste ich raus, die Bodenfreiheit schien kaum auszureichen. Zentimeter um Zentimeter steuerte Roger auf meine Anweisung und so kamen wir ohne Schaden durch. Der lange Radstand ist da nicht ganz so toll, aber wenn man mit dem Vorderrad auf einen Stein fährt, kann man die Bodenfreiheit in der Mitte etwas optimieren ;)
    In Amtoudi erwartete uns ein Zeltplatz mit einer traumhaften Kulisse. Im Nebenwomo hausen zwei französische Mädchen, 6 und 7, mit denen Rui und Luo sogleich Fussball spielten. Bald gesellten sich marokkanische Jungs sich dazu.

    27. Januar: Agadir (Speicherburg) und Quellen
    Um halb zehn kam der marokkanische Führer, der uns auf den Agadir führen wollte. Die französische Familie wanderte mit und so stiegen wir los, immer hinauf. Einige marokkanische Kinder folgten. Sie waren schon den ganzen Morgen etwas aufdringlich und schienen nicht akzeptieren zu wollen, dass ich ihnen weder einen Ball schenken wollte noch den Ball zum Spielen geben wollte, ohne dass unsere Jungs mitspielen durften (die waren ja noch beim Abwaschen).
    Der Agadir (Speicherburg) entpuppte sich als sehenswert und die Investition in den Führer als gerechtfertigt. Die Bevölkerung, Berber, hatte sich hier für mehr als vier Jahrhunderte zurückgezogen, da sie von den Arabern angegriffen wurden. Mit Eseln wurden Wasser und Esswaren hinaufgeschafft, in den Speichern gelagert und verzehrt. Unsere Jungs sind interessiert, wir geben uns Mühe alles zu erklären. Wo denn das Gefängnis sei, will Rui wissen. Er mag sich also noch an die Burgen und Schlösser erinnern, die wir auf unserer bisherigen Reise gesehen hatten. Nein, meint aber unser Führer, Gefangene machte man nicht, die feindlichen Araber wurden wohl umgebracht.
    An den Toren des Agadirs verabschiedeten wir uns von den anderen. Nach einem Picknick wanderten wir auf der gegenüberliegenden Seite hinunter, kamen an zwei kleinen Dörfern vorbei. Entlang des ausgetrockneten Wadis folgten wir dem Pfad wieder bergauf Richtung Quelle. Irgendwo weit hinten kam uns ein Europäer entgegen. Der Mann gab sich als Schweizer zu erkennen (Rui fragte mich: Wo chunnt denn dä her?). Wir setzten uns und plauderten. Heinz Müller aus Engelburg (SG) hat vor seiner Pensionierung als Bauingenieur gearbeitet. Unter anderem mit Fini in Filisur. Er freute sich von seinem alten Freund Carl Campell zu hören, den er gerne mal wiedersehen würde und dem er viele Grüsse sendet (Fini, ich schick dir dann seine Adresse und Telefonnummer). Zu Hause walkt Heinz gerne mit Susi Preier, einer guten Kollegin von Hans und Heidi. Momentan aber befindet er sich gerade in Marokko, das er in den letzten Jahren schon mit Fahrrad, Kamel und Esel bereist hat. Diesmal erlebte er eine Trekkingtour mit marokkanischem Führer, dessen Sohn und einem Esel. Sie schliefen bei einfachen Leuten im Berbergebiet.
    Es ist schon frappant, was für Unterschiede es gibt: Wir treffen Rentner, die in ihrem Wohnmobil Marokko bereisen und ihr Mobil oder die Campings kaum verlassen. Dann gibt es auch noch diejenigen, die zu Hause in Europa sind und ihr Haus kaum verlassen. Und es gibt solche wie Heinz Müller, die man irgendwo in einem Bergtal mit Rucksach und schweren Bergschuhen antrifft…
    Im Wasser des Quellbaches, der sich tief in die Felsen gefressen hat, schwammen Fische. Hier hätte man wohl sogar baden können.
    Heinz haben wir übrigens später auf unserem Rückweg ins Dorf noch einmal gesehen und ein Bier mit ihm getrunken. Ein Bier?!? Ja, in seinem Hotel haben sie die Alkohollizenz, was hier äusserst selten ist.

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  • 28Jan 2013

    127 Borj biramane 28.01.2013 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    28. Januar: Paradiesischer Camping in Icht (auch der im selben Tal und deshalb ohne Internet)
    Ich sitze hier unter dem Schatten eines afrikanischen Baumes, dessen Namen ich noch nicht weiss. Eben haben wir wieder einmal eine äusserst schmackhafte Tajine aux légumes und brochettes (Spiesse) de dinde verspiesen. Im Restaurant dieses wunderschönen Campings mitten in der Vorwüste (oder nennt man das Halbwüste?), unter einem Schattendach auf Kissen. Das einzige, was ich heute noch tun muss, ist das hie und da erzieherische Eingreifen in Ausfälligkeiten meiner zwei Jungs. Ich blicke zurück auf letzen Januar. Die Praktischen Prüfungen, die Mündlichen Prüfungen, der Druck der Masterthese, deren Abgabetermin näher rückte. Was vermisse ich davon? Ausser Elin wohl eigentlich nichts. Doch, Getratsche mit Saskia und den anderen Bonaduzerinnen (kann man Saskia eigentlich zu den Bonaduzern zählen? Für mich schon!). Ansonsten haben wir hier Ruhe, ein bisschen Abenteuer, viel gutes Essen, einige Weinvorräte, jede Menge Zeit. Ja, es hat sich gelohnt! Manchmal ist es zwar schwierig, das Paradies aufrecht zu erhalten und mit der einkehrenden Gewohnheit das Schöne zu übersehen, es ist die Mühe aber sicherlich Wert!
    Zwei Franzosen führen diesen schönen Ort, der sich Borj birmane nennt, seit wenigen Jahren und wissen zu erzählen, dass noch vor vierzig Jahren am Fusse des Hügels nebenan ein Bächlein das ganze Jahr Wasser führte und sogar einen Bestand an Fischen aufwies. Die Verwüstung nimmt also ihren Lauf.
    Heute sind wir auf der Fahrt, die nur unbedeutend mehr als eine Stunde gedauert hat, 15 entgegenkommenden Fahrzeugen begegnet, 4 in die gleiche Richtung fahrenden, 3 Töfflis und 4 Velos. Viel ist also auf den Strassen hier auf der anderen Seite des Antiatlasses nicht los. Nicht nur die Vegetation ist, ausser in den Wadis, aus Wassermangel spärlich. Auch hat es in der Luft beinahe keine Feuchtigkeit: 15% zeigt unser Messgerät im Bona an. Wir sind dazu übergegangen, uns jeden Tag einzucrèmen oder mit Arganöl einzuölen. Ansonsten würde die Haut Risse kriegen.

    29. Januar: Das Dorf Icht und seine Umgebung
    Heute leisten wir uns etwas, was wir auf dieser Reise noch nie getan haben: Wir leisten uns ein Frühstück auswärts! Das Campingrestaurant verwöhnt uns mit Crèpes, Baguette, Eiern, la vache qui rit und feinen Confitüren. Anschliessend marschieren wir unternehmungslustig los. Gut, dass nun alle Sonnenbrillen haben. Auch die Köpfe haben wir bedeckt, die Sonneneinstrahlung empfinden wir als gewaltig. Es ist zwar recht heiss, aber bei dieser niederen Luftfeuchtigkeit schwitzt man nicht, oder besser, man bemerkt es nicht, da der Schweiss wohl auf der Haut gerade wieder verdampft. Wir kommen durch ganz kleine Gassen in Icht („Ischt“), die früher wohl gegen Hitze und Sonne bedeckt wurden. Es ist also beinahe eine Taschenlampe nötig. Irgendwann haben wir, das erste Mal, dass uns dies passiert, eine Traube Kinder um uns. Sie sind ziemlich lästig, lassen uns nicht in Ruhe. So muss das noch vor ein paar Jahren hier überall gewesen sein, bevor der neue König sich für die Touristen einzusetzen begann. Als ein erwachsener Mann aus einem Haus trat und die Szene beobachtete, griff er ein und redete den Kindern zu, uns in Ruhe zu lassen. Wir steuerten dennoch aus dem Dorf heraus und gingen eine gute Strecke in der wunderbaren Palmeraie, dem ausgeklügelt bewässerten Garten unter Palmen entlang des Wadis.
    Nachmittags konnten wir die Wäsche abgeben, die für uns in die Waschmaschine gesteckt wurde. Währenddessen machten wir eine ausgedehnte Pause, mussten aber gegen Abend mit den Jungs noch einmal hinaus, da sie wieder zu streiten begannen.

    30. Januar: Zusammentreffen mit dem Ralley Budapest-Bamako
    Noch einmal machten wir es uns heute auf diesem gemütlichen Zeltplatz bequem. Schlenderten nur einmal ins Dorf und kauften in diesem kleinen Ort, in dem es nichts zu kaufen gibt, zwei Kissen beim Strassenhändler, der zufällig da war. So können Rui und Luo wieder besser essen, sie sassen etwas tief, seit die letzten Kissen das Saubermachen nicht überstanden. Der Kauf gestaltete sich nicht gerade einfach, aber interessant. Der Händler sprach wohl nur Arabisch oder vielleicht eine Berbersprache. Zahlen konnte er nicht schreiben, also uns den Preis nicht schriftlich mitteilen. Die angelaufenen Kinder waren ebenfalls keine grosse Hilfe. Zum Glück kam ein Mann des Weges, der die Zahlen auf Französisch nennen konnte, worauf wir die Kissen erstanden. Die Jungs waren happy und noch happier, als sie auf dem Rückweg ausgiebig in einem Seitenarm des Wadis (natürlich ausgetrocknet) mit Palmblättern und Steinen spielen durften.
    Zum Mittag liessen wir es uns noch einmal richtig gut gehen. Wir assen auf der Terrasse des Restaurants eine riesige Portion Couscous au boef. Auch der gâteau au chocolat durfte danach nicht fehlen. Wunderbar, so ein französisch geführter Camping als Auszeit! Natürlich benutzten meine Männer anschliessend den Pool, bevor wir noch einmal wunderbar warm duschten. Dann machten wir es uns gemütlich und betrachteten das Eintreffen der Jeeps, 4mal4 und PWS, die alle am Budapest-Bamako Ralley (www.budapestbamako.org) teilnehmen. Vor allem Ungarn, aber auch Polen, Tschechen, Slowenen, Österreicher und Deutsche, die in gewaltigen Tagestouren, die einen als Rennen auf der Piste, die anderen als Tour, den Weg von Budapest bis ins tiefe Afrika mehr oder weniger gemeinsam meistern. Dreihundert Leute, etwas über 150 Fahrzeuge, vollgeladen mit allem Möglichen. Zum Teil sollen die Autos in Afrika gelassen werden, und wohl auch so mancher Inhalt der Dachträger etc. Bis Bamako wird es aber wohl kaum gehen. In der Hauptstadt von Mali ist die Stimmung zur Zeit ja nicht gerade freidliche…

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  • 31Jan 2013

    128 Wüste 31.01.2013 Marokko —

    Foum Zguid, Marokko

    Beschreibung

    31. Januar: Fahrt von Icht nach Foum Zguid, in redlichem Abstand zur Algerischen Grenze
    So um zehn Uhr fuhren wir los. Das scheint unsere durchschnittliche Abfahrtszeit zu sein. Mittags sind wir schon in Tata. Dieser Ort ist grösser als die ca. drei anderen, die wir in zwei Stunden durchquert hatten. Hier trifft man beim Fahren niemanden. Ab und zu einen verspäteten Teilnehmer der Ralley, ein Wohnmobil oder ein Jeep oder gewöhnlicher PW der marokkanischen Anwohner. Nicht mehr als zehn aber, die Stunde oder gar pro zwei Stunden. In Tata schliesst leider gerade der Souk (Markt). Es gelingt uns dennoch, den Gemüsevorrat wieder zu füllen. Auch das Trinkwasser in Flaschen wird gebunkert. Danach finden wir ein Strassenrestaurant und essen eine für einmal eher fettige Tajine mit Poulet und Frites. Bei der Weiterfahrt spinnen unsere Jungs hinten eher ein bisschen. Dennoch treffen wir gegen 17.00 Uhr in Foum Zguid ein. Wir versuchen nochmals unser Internetproblem zu lösen, da die einmonats-SIM-Card abgelaufen ist. Hier in der Wüste ist es aber gar nicht so einfach, sie zu erneuern. Hier verkauft jeder 10DH (1Fr.)-Aufladekarten für einen Tag. Uns Travellern ist damit aber nicht wirklich gedient. Wir wählen entgegen den Empfehlungen unseres Reiseführers den dorfnahen Zeltplatz am Rande des Palmengartens der Oase Foum Zguid. Dies entpuppt sich als die richtige Wahl. Abdel, der Zeltplatzchef bringt einen Freund, der unser Internetproblem mit einem Telefonat auf Arabisch mit Tele Maroc lösen kann.

    1. Februar: Homepage-UP-Date und Hang-Out for us
    Heute tun wir nicht gerade viel. Auf jeden Fall dann nicht, wenn viel tun mit Entfernung vom Bona gleichgesetzt wird. Ich spiele morgens lange Fussball mit den Jungs, während Roger Berichte und Fotos aufs Internet lädt. Achmed, unser Zeltplatzchef, kommt irgendwann wie verabredet und wir besprechen bei einigen Gläsern süssem marokkanischem Pfefferminztee eine eventuelle gemeinsame Wüstentour. Klar ist von Anfang an, dass wir nicht bis Zagora oder sogar M’Hamid in den Süden fahren werden. Aber Erg Chigaga, die Dünen, die zwischen hier (Foum Zguid), M’Hamid südlich von Zagora und nördlich der algerischen Grenze liegt, das würde uns schon interessieren. Wir handeln ein bisschen (viel lässt sich Abdel nicht hinunterhandeln), finden seinen Preis aber eigentlich anständig und entspricht auch denen die in den alten Führern angegeben werden. Wir einigen uns also auf 4x4-Tour zum Wüstencamp, einer eventuellen Dromedartour von da mit Kollegen von ihm und Übernachtung im Wüstencamp.
    Roger und ich erhalten beide ein SMS. Es freut uns. Dann aber sind wir ernüchtert, keine „Freunde“, nur: Heftiger Schneefall im Churer Rheintal. Ach wirklich? Unvorstellbar, wir tragen nur wenige Kleider (Roger kurzärmelig, ich der Kultur entsprechend lang).
    Später spazieren wir durch die Kasbah von Foum Zguid, einer ziemlich gut erhaltenen alten Stadt, mit überdeckten Gassen auch hier. Ansonsten geschieht nicht mehr viel. Wir geniessen die Oase und den Palmengarten, an dessen Ende wir uns hier niedergelassen haben.

    2. Februar: Wüstencamp Erg Chigaga
    Heute und morgen zusammen legen wir beinahe 140 Kilometer mit einem Jeep zurück, werden auf Piste richtiggehend durchgeschüttelt und sehen einen Teil Wüste, der so mit Bona nicht erlebbar gewesen wäre. Unser Weihnachtsgeschenk, also ein erster Teil aus all den Geldgeschenken, war ein Riesenerfolg. Vielen Dank, liebe Leute!
    Um 9. 30 Uhr fuhren wir endlich los. Wer schon mal in Afrika war, weiss, was das heisst: Afrikanische Pünktlichkeit und afrikanische Verspätung, bzw. afrikanische Organisation. Als erstes fahren wir dann auf 180 Grad verkehrte Richtung, holen Gemüse, halten bei einem Bäcker, einem Metzger und laden eine Passagierin mit samt Tochter ein, die zurück in ihr Nomadendorf wollen.
    Der erste Halt nach mindestens einer Stunde gilt einer Dromedarherde. Dann weiter mit Jeep auf Piste, unsere Jungs sind begeistert. Es rüttelt und klappert enorm. Der Defender ist nicht gerade der Neuste. Rui erfreut sich, als er bemerkt, dass es Löcher im Boden hat, durch die man den Boden vorbeiflitzen sehen kann. Der Wagen fährt, wohl aber eher ein arabisches Mysterikum, als ein technisches Wunder! Wir halten noch einmal, der Fahrer Youssef zeigt uns Versteinerungen: Würmer und Schnecken, Wirbeltiere, eingeschlossen in Steinen eines ehemaligen Sees/Meeres. Roger versucht Abdel zu erklären, dass es in der Schweiz auch Versteinerungen von Salzwassertieren gibt, diese aber sehr selten sind, da das Gestein in der Schweiz älter und verfaltet ist. Abdel meint, diese Steine hier sind auch alt … Na ja, lassen wir die Kommunikation auf diesem Niveau und sagen uns täglich „oui ça va bien, j’ai bien dormi“. Oft würde es einem erfreuen etwas tiefgründiger mit den Leuten über Land, Kultur und Leben mit den Leuten zu diskutieren.
    Der nächste Halt gilt schon unserem Wüstencamp. Momentan ist die Sicht noch hervorragend. Wir trinken einen Tee unter den Palmblattdächern mit Sitzgelegenheit, die sich vor den schützenden Mauern des Camps, das ganz in traditioneller Lehmbauweise gebaut ist, befinden. Dann frischt der Wind auf, Sand wird immer mehr herumgewirbelt. Das Mittagessen (Tajine aux poules) nehmen wir im „Schlafzimmer von Abdel“ ein, auf Decken und Kissen um einen tiefen Tisch. Abdel hat es sich zur persönlichen Angelegenheit gemacht, eine Dromedartour für uns zu organisieren, weil ich ihm davon erzählt habe, wie sehr die Kinder mit Kamelen in die Wüste wollen. Also fahren wir nach der Siesta gegen den aufgefrischten Wind, der langsam zum regelrechten Sandsturm wird, zum nahen Nomadendörfchen. Hier wird ein Treffen mit den Trampeltieren auf den morgigen Tag beim Wüstencamp vereinbart. Wir wandern zu Fuss durch die verlassene und zerfallene Kasbah dieses Ortes und kommen zum Brunnen, der gerade frisch gebohrt wird um die Gärten und die Palmeraie zu bewässern.
    Abdel und Youssef raten uns wegen des Sturmes ab mit dem Defender zu den Dünen zu fahren, da mann eh nichts sehen würde. Da der Wind etwas abgenommen hat und die Sicht besser wurde, wollte Roger aber zu den Dünen gefahren werden, immerhin haben wir das bezahlt und im schlimmsten Fall fahren wir halt wieder zurück. Trotz des Sturmes wagen wir uns also Richtung Dünen: Und es lohnt sich! Der Wind legt sich und Rui, Luo und ich tollen lange die steilen Hänge der Sandhügel hinunter, schlagen Purzelbäume und rollen in allen erdenklichen Formen. Dann geht die Sonne unter und es wird kühl. Zusammen mit Abdel und Youssef, die mit den Kindern (natürlich, wie immer vor allem mit Rui) herumgetobt haben, treten wir den Weg zurück ins Wüstencamp an.
    Zum Glück ist der Hof hier von einigen Lagen Stampflehmziegeln umgeben. So wird der gröbste Wind abgehalten. Der Koch, sein Bruder und der Kameltreiber vom nächsten Tag trommeln und singen am Feuer. Rui tanzt dazu. Die Stimmung ist schön. Nach einer Tajine (diesmal au moutton) gehen die zwei Jungs ins Bett, während wir zwei Erwachsenen den schönen, hier ach so klaren Sternenhimmel betrachten.

    3. Februar: Aux dromedaires…
    Zwar war das Frühstück auf 7.30 Uhr ausgemacht. Wir sind dann auch schon wach, vor allem Rui und ich haben wenig geschlafen, Roger aber auch kaum. Die beissenden Decken des Nachtlagers im beinahe fensterlosen Stampflehmraum liessen uns wenig zur Ruhe kommen (auch wenn wir extra für die Jungs die Schlafsäcke mitgenommen hatten). Abdel taucht eine halbe Stunde später auf. Von Koch und Freunden ist noch nichts zu sehen. Einzig der Kameltreiber kommt vom nahen Normadendörfchen rüber. Der Wind frischt wieder auf.
    Später gibt es dennoch Frühstück. Africa, wie wir es kennen und lieben (und sonst könnte man auch zu Hause bleiben, wenn man mit sowas nicht klar kommt!). Gleich darauf schwingen wir uns auf die zwei wartenden Trampeltiere, die Einhöckrigen! Das von Rui und mir, das Junge, ist störrisch und verhält sich etwas stürmisch. Es gelingt uns beim abrupten Erheben aus der Liegeposition oben zu bleiben… Was sich durchaus auszahlt. Wir wandern sicherlich zwei Stunden per Wüstenschiff bis zu den Dünen und über die ersten hinweg. Dann zurück über die Bodenkruste des einstmals hier liegenden Sees: Lac d’Iriki. Abdel erklärte uns, dass er ca. ein Meter tief war und ziemlich breit, aber vor ca. vierzig Jahren durch die Folgen eines Staudammprojektes in Ouarzazate austrocknete. Seit da herrscht also Wüste hier. Die meisten Nomaden aus dem nahen Dörfchen sind fortgezogen.
    Beim Camp steigen wir auf den Jeep um. Diesmal haben wir als Passagiere einen jungen Mann und ein Kind etwa in Rui’s Alter, die mit nach Foum Zguid wollen. Es rüttelt und schüttelt, Luo schläft trotzdem beinahe die ganze Fahrt. Wir knabbern Datteln und Mandeln. Dann kommen wir im Camping an, leisten uns eine warme Dusche (was hier ja Luxus ist) um die Überresten des Sandsturms in Ohren, Nase und sowieso zu beseitigen, machen einen feinen Zmittagsznacht: Spätzli! (Ja, genau, das allerletzte Migrospack…)

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  • 04Feb 2013

    129 Draa-Tal 04.02.2013 Marokko —

    Agdz, Marokko

    Beschreibung

    4. Februar: Über die Berge ins Draa-Tal
    Liebe Marit, lieber Carlo, vielleicht werdet ihr diese Zeilen irgendwann lesen (wenn ihr Zeit habt, mit eurer Grossfamilie ;-) Und vor allem: Lieber Benjamin! Alles Gute auf deinem Lebensweg! Es freut uns zu hören, dass es dir gut geht! Wir denken an dich und schauen in jedes Lädeli, suchen ein Geburtsgeschenk für dich!
    Heute kurve ich, zum Erstaunen von Abdel, der uns beim Zeltplatz verabschiedet, über die Berge ins Draa-Tal nach Agdz. Wir kommen gut voran, ich kann den schlimmsten Löchern in den Strassen schadlos ausweichen. Mancherorts kann die Geschwindigkeit bis zu hundert gesteigert werden. Selten kommt auf der teilweise nur wenig mehr als fahrzeugbreiten Strasse jemand entgegen. Manchmal ein Wohnmobil (echt wichtiger Wirtschaftssektor Marokkos), ein Lastwagen in der Nähe der Minen (Abbaugebiete, keine desaströsen Landminen oder so), einige PWs. So sind wir schon mittags beim Camping in Agdz. Der Camping ist einer Kasbah angegliedert, die noch in Gebrauch sein soll und die wir morgen besichtigen. Wir essen Salat mit allerlei Gemüse und vielen Avocados in den gut zu füllenden marokkanischen Fladenbroten. Im Nachbarwohnmobil gibt’s scheinbar „nur“ gebratenes Fleisch. Einmal mehr wundern wir uns, ob wir so gesund oder andere so ungesund leben?
    Nachmittags schlendern wir die zwei Kilometer bis zur Innenstadt, kaufen die schon lange überfällige Farbe, Pinsel und Schleifpapier. Morgen wollen wir einige Dinge im Bona neu streichen. Auch Kohle und Truthhahngeschnetzeltes finden wir. Letzteres aussergewöhnlicherweise sogar in einer Metzgerei, in der das Fleisch gekühlt ist (und nicht einfach nur von der Decke). Hier kaufen wir sogar Würstchen, obwohl diese in moslemischen Ländern uns eher nicht so schmeckten, das Schweinefleisch fehlt… Eine weitere Neuerwerbung ist ein Teppich, marokko-Style, aber aus Plastik, eine Massenprokuktion in Marokko. Drei Laufmeter, für vor den Bona. Mal sehen, wie wir den dann verstauen. Um den Campingtisch daraufzustellen aber wunderbar. Erfolgloser war ich wieder mal bei den Tuaregs, bisher konnte mir keiner den Schmuck ersetzten, der Mami damals aus der algerischen Wüste mitgebracht hatte und ich bei einem Ausflug mit Rui und Luo verlor. Ich gebe aber nicht auf: Einen ähnlichen werde ich noch „wiederfinden“!
    Wenigstens konnten wir das letzte Stück für das Päckli in den Speicher finden, das uns noch gefehlt hatte. Wahrscheinlich kommt Ainonas Geburigeschenk so zwar nicht mehr pünktlich, aber dennoch, es ist schon bald auf dem Weg! Elins Geschenk, das wir leider in Safi dann nicht erstanden haben, ist seither nicht wieder kaufbar, wir üben uns hier noch weiter in Geduld.
    Abend grillen wir also, alle sind glücklich. Wir schauen uns um und meinen: Grillen, Palmen, abends draussen sitzen… Was will man mehr?

    5. Januar: Wir haben nun auch eine gelbe Küche…
    Um zehn gehen wir morgens in die Führung der grossen Kasbah, zu der der Zeltplatz gehört. Einige Räume sind noch bewohnt, andere kann man besichtigen. In den Neunzigern hat die Familie die schon sehr zerfallene Kasbah wieder traditionell mit Lehm aufgebaut. Die umliegenden für unser Auge schon gewohnt zerfallenen Lehmhäuser wurden scheinbar in der letzten Feuchtperiode zerstört und nicht wieder aufgebaut. Stattdessen ist die neue Stadt in Beton aufgebaut. Der Beton, so haben wir letzthin beobachtet wird auf eine Art gemischt, die dem Bauingenieur Roger die Haare sträubten. Etwa fünf mit Schaufel, ein Sand-Mergel-Gemisch mit wenig Kies, wie es der Zufall will, Säcke mit Zement werden darübergeschüttet, Wasser wird mit einem Schlauch vor den Haufen geführt. Es wird wild geschaufelt, vom Haufen in die Pfütze, von der Pfütze direkt in die Kübel, die in den ersten Stock gezogen werden. Hier wird die viel zu nasse Masse im Falle, den wir beobachtet hatten, auf die bestehende Lehmdecke hingekippt. That’s it… Evt. wird noch etwas gestampft, aber einen Vibrator für eine saubere Verdichtung des Betons habe ich in Marokko auf all den vielen Baustellen noch nie gesehen, geschweige denn gehört.
    Die Kasbah aber ist von ganz anderer Qualität. Kühle dicke Lehmwände, kühle Sommerräume, mehr lichtdurchflutete Winterräume. Kunstvolle Fenstergitter aus Holz oder Metall. Staubiger Lehmboden, weissgekalchte Innenwände, verziert mit traditionell aus natürlichen Essenzen hergestellten Farben (oder neuen synthetischen).
    Dann ist schon Mittag, wir essen an unseren Stühlen auf dem neuen Balkon (Teppich). Und machen uns danach ans Schleifen: Die Wandplatte mit der Europakarte muss gestrichen werden, da die Ortsnamen, die wir darauf verzeichnet hatten verblassten und mit einem neuen, lichtechten Stift geschrieben werden müssen. Die gelbe Farbe, die wir dazu benutzen, haben wir in reichlicher Menge gekauft. Unsere Küchenablage aus bisher gewachstem Holz wollen wir ebenfalls mit der gelben Farbe haltbarer und vor allem heller machen. Bis am Abend sind wir an dieser Aufgabe. Das heisst, zwischendurch machen die Jungs und ich uns noch auf den Fussweg in die zwei Kilometer entfernte „Innenstadt“ um unsere Vorräte aufzufüllen.

    6. Februar: Wanderung durch die Palmeraie und dem Draa entlang
    Kalt ist es heute früh wieder! Vier Grad draussen. Die Temperaturen werden tagsüber aber wiederum 25 Grad überschreiten, die Sonneneinstrahlung dabei gewaltig sein.
    Morgens streicht Roger noch einmal über alles drüber. Der Bona ist ein Chaos, die Küchenabdeckung im Fahrerhaus. Zum Frühstück aber gab es dennoch Milchreis, auf dem Aussen-Innenkocher gekocht. Wir sind dazu übergegangen, süsse Menus zum Frühstück zu kochen und so ab und zu nicht nur Weissbrot zu essen. Griessbrei war der Renner, das Griess aber aufgebraucht. Milchreis wird auch geschätzt.
    Die Wanderschuhe an den Füssen wandern wir gegen elf Uhr los. Quer durch die Palmeraie, les Jardins und die Felder. Frauen sind da und dort an der Feldarbeit. Wir gehen in die Richtung, in der wir den Fluss Draa vermuten. Nach einer Stunde finden wir ihn. Erstaunlich viel Wasser führt er, wohl da gerade turbiniert wird, oben in Ouarzazate.
    Am Ende unserer Wanderung beschliessen wir nochmals bis zur Hauptstrasse zu gehen und heute Abend ein Würstchenfestgrillen zu machen. Alle sind begeistert und mögen auch noch diesen Weg zurücklegen. Klar gibt es zur Erfrischung einen Whiskey Maroc am Hauptplatz (Pfefferminztee).
    Heute Abend sitzen Roger und ich noch lange unter dem Sternenhimmel an unserem Grill, der auch als Lagerfeuer taugt. Das Holz der Palmblätter verbrennt rasch, es ist grobpoorig und irgendwie ölhaltig. Bei einer rel. Luftfeuchtigkeit von 15% wohl auch ganz schön trocken!

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  • 07Feb 2013

    130 Wüste II 07.02.2013 Marokko —

    Merzouga, Marokko

    Beschreibung

    7. Februar: Lange Fahrt durch Wüstengegend
    Gestern hatten wir den Jungs erzählt, dass wir, wenn wir weit fahren können, einen Platz gleich an den Sanddünen an einer anderen Ecke der Wüste anpeilen werden. Sie sind also fest entschlossen, dies heute durchzuziehen und uns fahren zu lassen. Rui kriegt irgendwann plötzlich Bauchweh. Nach einer Darmentleerung ist aber alles wieder gut. Wir kommen voran und halten gegen ein Uhr mittags in Alnif bei einem kleinen Resti. Hier gibt es Tajine nur auf Bestellung und so essen wir für einmal Brochettes und Omelette Berbère. Letzteres wird im Unterteil der Tontajine gemacht und besteht aus Gemüse, darüber Eiern. Hungrig verzehren wir das feine Menü und machen uns dann wieder auf den Weg. Beim Dorfausgang steht ein blonder junger Mann und sucht eine Mitfahrtgelegenheit. Eine Abwechslung zu all den Marokkanern, die immer mitfahren wollen, denken wir und halten. Vitos kommt aus Litauen und arbeitet momentan in einem Hotel in Merzouga. Er reist mit Arbeitseinsätzen immer wieder in der Weltgeschichte herum und braucht so kein Geld. Die nochmals zweistündige Fahrt geht zu fünft richtig kurzweilig vorüber. Am Ende bleiben wir gleich im Hotel, in dem Vitos arbeitet und das auch einen Camping im Hof anbietet. Ausser uns ist nur ein französisches Womo da, das aber schon seit Monaten hier steht. Wir werden mit einem Thé à la menthe begrüsst. Anschliessend hält die Jungs dann nichts mehr: Sie packen ihre Bagger und ab in die erste Düne hinter dem Hotel. Heute wird nur noch gegraben und gesändelet. Der Sand ist unglaublich fein und nicht nur einfach trockener Staub, sondern richtiger Sand.
    Zum Abendessen lassen wir es uns im Hotel gut gehen. Eine grosse Tajine wartet etwas spät auf uns (man isst hier halt erst um halb acht, frühestens). Luo wird plötzlich schwach. Scheinbar kämpft jetzt sein Verdauungssystem – ebenso erfolgreich wie Rui’s heute morgen!

    8. Februar: Dünen, Dünen. Dünen des Erg Chebbi
    Klar wollen Rui und Luo morgens wieder buddeln gehen. Roger und Luo gehen später zu einem grösseren Spaziergang auf die nächste hohe Düne. Da es streng wird, lässt Roger das Kamel Luo ab und zu aufsitzen.
    Rui und ich füllen derweil Ballone mit dem wunderbaren feinen Sand und machen Jonglierbälle. Das gegenseitige Zuwerfen und vor allem Fangen ist mit diesem kleinen Ball aber noch sehr schwer für die Motorik unserer Söhne.
    Nachmittags wollen wir sehen, ob wir irgendwo Gemüse kriegen, oder mal wieder Guetzli. Unsere Vorräte gehen allmählich zur Neige. Hier hat es (seit Tafraoute) keine grösseren Läden mehr. Schon Reis, Schwarztee, Honig oder ähnliches findet sich nicht mehr. Irgendwann wird es also nur mehr Couscous geben. Gemüse kriegen wir heute nicht mehr, zumal da es Freitagnachmittag ist und freitags nach der Moschee mittags nicht mehr alles öffnet. Das Depot Nomade hat noch offen. Hier hat es Teppiche, Lampen, Dolche, Schmuck und andere hier hergestellten Dinge einiger Familien, die von einigen Männern verkauft werden. Wer uns kennt, weiss, dass wir von Teppichen eigentlich nichts halten (ausser, dass sie Staubfänger sind und wir keine Kleinstlebewesen bei uns wollen). Aber es liegt ja nun schon ein kleiner Berberteppich aus Wolle im Bona unter dem Tisch. Heute lassen wir uns nochmals Teppiche zeigen und die verschiedenen Knüpf-, Stich- und Webtechniken erklären. Wir finden einen wunderbar dunkelblauen Teppich aus Kaktusseide, für den sich das Handeln lohnt und den wir hervorragend vor unserem blauen Sofa back home sehen. Ich gebe alles und so zahlen wir nicht 5500 Dirham, wie der Herr gerne hätte (550FR.), sondern 1800 Dirham und erhalten noch zwei Schals als Geschenke für die Kinder.
    Anschliessend kaufen wir im Mini-Alimentaire Grüntee, Couscous, Haushaltspapier, einige Orangen und einen kleinen Pack Keckse. Luo muss allmählich aufs Klo, Rui auch. Das kann aber noch dauern, die Herren Marokkaner beraten untereinander: Den Preis? Die Summe? Irgendwann geht es uns zu lange und ich marschiere mit den Jungs los um eine Mini-Überschwemmung zu verhindern. Rui sagt zu mir, als wir draussen sind: „Mami, wieso chönd die Lüüt i dem Land nöd e chli fürschi mache?“ (Tja Rui, that’s the african way of living…) Roger holt uns übrigens erst etliche Minuten später ein…
    …weil: Der ältere Herr hinter der Theke die Preise der einzelnen Artikel nicht zusammenzählen konnte, dafür seinen Enkel beizog, der die Preise in einen Rechner eintippen sollte. Da der ältere Herr aber nicht alle Preise wusste, liess er wohl seinen Sohn kommen, der dann die Artikel im Kopf zusammenrechnete. Nach 10 Minuten konnten die Herren mir also den Preis nennen. 75 DH haben sie gesagt und ich habe 75 fragend auf den Rechner getippt. Sie nickten. Ich gab 80 DH und bekam sehr zögerlich 4 DH zurück! Ich fragte weshalb ich nicht 5 DH zurückbekomme. Es wurde in irgendeiner mir unverständlichen Sprache hin und her diskutiert und schlussendlich schob mir der ältere Herr den Rechner hin und sein Sohn gab mir alle Preise der Artikel an. Am Schluss ergab sich ein Total von 76 DH und die drei Herren waren erleichtert. Dass alle drei schielten und ich nicht immer sicher war wohin sie gerade schauten, machte die Angelegenheit nicht einfacher…
    Die Kekse zwischen den Dünen schmecken wunderbar. Was will man mehr? Es ist bedeckt, die Leute hier hoffen auf Regen. Es würde der Natur nach fünf regenlosen Jahren gut tun, keine Frage.

    9. Februar: Familie Spiess auf der grossen Düne, Blick auf die andere Seite des Erg Chebbis
    Nach dem Frühstück, das heute aus süsser Polenta besteht, kommt der Dromedarführer des Hotels zur Besprechung. Morgen soll’s losgehen, zwei Nächte wollen wir in der Wüste verbringen, diesmal in Zelten. Rui und Luo waschen im Bona ab, was eigentlich langsam wirklich gut klappt, während wir draussen sitzen. Heute aber setzten die beiden fast den Bona unter Wasser… gut sind wir im trockenen Wüstengebiet, so kann alles draussen den Tag über trocknen.
    Später fahren wir für heute mit Bona nach Rissani, auch wenn Rui schon mit dem Einpacken für morgen begonnen hat. Auf der Fahrt wird das vor der Tür stehende Abenteuer immer wieder durchgesprochen. Alle freuen wir uns, Rui und Luo natürlich am meisten. Zuerst müssen wir aber in Rissani versuchen wieder nötige Lebensmittel, die wir gestern ja nicht wirklich erwerben konnten, zu erstehen und unseren Cash-Vorrat aufzufüllen. In Rissani finden wir einen dauerhaften Markt (der grosse Souk findet erst morgen statt) mit Gemüse und einige Tourishops. Wir kaufen Henna (für die Hände, was wir bei Gelegenheit einmal ausprobieren wollen und für die Haare, da ich glaube, dass meine Naturfarbe sich wieder lange genug zeigen durfte), Gemüse, finden sogar etwas Nutellaähnliches, damit wir wieder was für auf die Brote haben. Von einem Berber werden wir angequatscht, ob wir Kleider zum Tauschen hätten. Neulich hatten wir dafür alle unsere Kisten „gemistet“ und einen Sack zusammengekriegt. Wir erstehen in seinem Tourishop endlich das Geschenk, was wir schon länger für Elin gesucht haben. Auch an Benjamin denken wir (Kleinster von Marit). Roger möchte unbedingt einen blauen Turban haben, wenn wir morgen in die Wüste aufbrechen. Wir handeln heute hart aber wohl etwas schlechter, kaufen aber dennoch und geben einige Kleider dazu.
    In Rissani essen wir auf einer Dachterrasse herrlich ruhig (hier werden wir den ganzen Tag richtig penetrant angesprochen) nach einigen Runden UNO eine Pizza Berbère, eine Spezialität von hier. Es handelt sich dabei um etwas, das einer Engadiner Fleischpastete ziemlich nahe kommt, natürlich nicht mit Blätterteig, eher mit dünnstem Brotteig und Ei, vielen Zwiebeln und den ganzen 41 Kräutern. Allen schmeckt es hervorragend, auch wenn Luo wie wir es nun schon gewohnt sind, mit einigen nicht ganz so schönen Fleischstücken sehr zu kämpfen hat (und nicht kämpfen muss, er kann sie uns abgeben).
    Auf dem Rückweg hat Luo, der die grossen Dünen vor uns sieht, die Idee, die noch hochzusteigen. So fahren wir bis ins Dorf von Merzouga und stellen Bona vor die grosse Düne. Nicht, ohne dabei mehrmals angesprochen zu werden (nein, wir haben schon einen Camping, nein wir wollen keine Fossilien kaufen, wollen keine Dromedartour und schon gar keinen Quats oder CatCat-Touren im Sand machen …). Familie Spiess bricht zu Fuss auf und wandert die zweihundert Meter hinauf: einen Schritt hoch, einen halben zurück. Rui kämpft bei einer solchen Betätigung sichtlich mit seinen Muskeln. Aber er ist dann oben mindestens ebenso stolz, dass er es geschafft hat (nicht ohne Trotzanfall, zwar), wie wir es sind. Wir sind so dankbar, was er alles kann (auch wenn es einiges gibt, was halt nicht so gut geht). Luo und Rui wandern selbständig quer über die Düne, bevor wir dann zu einem Riesenfamilienspass aufbrechen: Auf dem Bauch, gestossen und gezogen, alle zu viert in der Fallinie nach unten. Es gibt zwar keine Fotos, es bleibt uns aber sicherlich im Herzen erhalten!

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  • 10Feb 2013

    131 Kamelkarawane Spiesslis 10.02.2013 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    10. Februar: Kamelkarawane Spiesslis
    Ein eher kalter Wind weht. Draussen tragen wir Faserpelze. Wie das wohl auf den Kamelen wird? Rui und ich machen uns Henna-Haare, wobei die Farbe bei Rui viel besser annimmt als bei mir. Er sieht nun für einmal (einmal war die Abmachung) aus wie ein Redhead.
    Nach der Mittagspause kommt der Camelguy und holt uns ab. Omar, der wortkarge Kameltreiber, der uns für zwei Tage begleiten wird, kommt mit den Dromedaren über die Dünen. Er sagt nicht guten Tag, wo wie er sich nach 60 Stunden auch nicht verabschieden wird. Luo und ich besteigen das mittlere Kamel, wir nennen es Wackelohr, da es manchmal mit dem Ohr wackelt, wenn wir mit ihm sprechen. Wissli folgt hinter uns mit dem Gepäck. Gwaggelohr zuvorderst trägt heute Oschi und Rui. Fast zwei Stunden stapfen die guten Trampeltiere über die Dünen, Omar hinterher. Wir kommen an einigen Camps vorbei, der Wüstentourismus schien hier wirklich mal zu blühen. Schade, dass mit der Angst vor der Islamisierung so viele Touristen plötzlich ausblieben, die Leute hier geben sich wirklich Mühe! Unser Camp 1 überrascht mit einer guten Ausstattung: Strom von einem Sonnenkollektor, ein Ziehbrunnen, sogar eine Palme. Viele Teppiche sind zwischen den schön eingerichteten Zelten ausgelegt. Wir schlafen sogar in einem Bett! Seit wann das erste Mal? Wohl seit Bonaduz, denn in Firenze waren es eher Gumpimatratzen und auf der Fähre Kojen. Omar bereitet eine Tajine zu, Roger steigt derweil auf die sich hier befindenden und im weiten Umkreis grösste Düne (ca. 200 Hm). Die Jungs springen rum, essen einen Apfel und beobachten die Kamele. Mit einem der Vorderbeine, das mit einem Strick am Knie zusammengebunden wurde, können diese natürlich nicht weit gehen. Sie suchen sich Grünes an den Büschen. Irgendwann wird es dunkel. Plötzlich hört man seltsame Geräusche von unseren drei Dromedaren: Sie Gurgeln sehr laut. Rui und Luo kriegen mächtig Angst, dieses Geräusch können sie nicht einordnen. Wir auch nicht. Was ist los? Leider kann Omar zu wenig Französisch um uns zu erklären, warum er plötzlich rumrennt. Mehrere „fremde“ Dromedare haben sich vom Nachbarcamp hierhingeschlichen. Wie wir später erfahren, handelt es sich bei allen Dromedaren um Männchen, die in dieser Jahreszeit, in der die Dromedarstuten trächtig sind, sich gegenseitig sehr feindlich gesinnt sind. Da also ein Kampf drohte, musste gehandelt werden, zumal Dromedarkämpfe, wie man uns erklärte, tödlich enden können.
    Diese Nacht schlafen wir alle gut, auch wenn es draussen bitterkalt ist. Für Rui und Luo haben wir die Schlafsäcke mitgebracht. Darauf türmen wir einen grossen Haufen Decken. Luo meint: „Ich chan mich jo nümmä bewegä.“ Aber das muss er ja auch nicht, jetzt wird geschlafen!

    11. Februar: Zweiter Dromedartag
    Frühmorgens, als es gerade hell wird, muss Luo aufs Klo. Findige Köpfe haben Porta-Pottys in die Wüste gebracht, was dies recht angenehm macht. Später wärmen wir uns zu viert im Elternbett und anschliessend draussen an der Sonne. Omar hat Frühstück gemacht, worauf er es dann plötzlich irgendwie pressant hat. Schnell ziehen wir noch unsere Thermounterwäsche aus und stopfen alles in unsere Rucksäcke. Die Kamele werden beladen. Irgendwie hat Omar aber die Reihenfolge der Kamele vertauscht. Gwaggelohr muss heute als zweiter gehen, was ihm gar nicht zu passen scheint. Er will sich dauernd an meinem Bein (und also Wackelohr) vorbeidrängen. Das ist mir nicht so recht wohl, ich ahne einen Konflikt. Und wirklich: Gwaggelohr beisst Wackelohr in den Hinterschenkel. Beide Kamele werden laut und ziehen. Wir versuchen Omar verständlich zu machen, dass heute die Reihenfolge vertauscht ist. Er versteht (ist er wirklich nicht selbst darauf gekommen?) und wechselt die Plätze. Rui reitet heute bei mir. Den ganzen Tag wird er sich ein bisschen davor ängstigen, dass wieder solche Ausbrüche den Ritt verkomplizieren könnten.
    Nach einem relativ kurzen Ritt kommen wir am Zwischenziel an. Hier stehen zwei ziemlich neue Berberzelte aus Kamelhaar. Die Dromedare dürfen sich hier freier bewegen und suchen nach Nahrung. Wir vier besuchen mit Omar eine nahebei wohnhafte Nomadenfamilie. Die ist sehr arm, die Berberzelte hier eher zerrissen. Ein halbwüchsiges Mädchen serviert uns Tee und hütet gleichzeitig ein kleineres Geschwister. Hierhin wollen wir unsere neulich zusammengestellten nicht mehr gebrauchten Kleider verschenken, wir werden sie nach der Tour unserem Camelguy geben, damit er sie überbringen kann. Die Kleider werden hoffentlich bei der Normadenfamilie ankommen und nicht auf dem nächsten Suq verkauft – Inshallah!
    Die Landschaft ist hier wunderschön und man würde gerne weiter gehen. Von den gelb-roten Dünen kommt man direkt eine schwarze Steinwüste. Am Horizont der Steinwüste sind steile Felswände zu erkennen. Was ist wohl dahinter? Irgendwo dahinter ist Algerien. Die Grenze Marokko – Algerien ist geschlossen und nicht definiert, dafür umso mehr kontrolliert. Die Erhebung die wir sehen ist so quasi die Grenze zu Algerien.
    Wieder zurück beim Zwischenziel essen wir Salat mit extrem vielen Zwiebeln, worunter Roger den Rest des Tripps „leiden“ wird. Nach einer ausgedehnten Mittagsruhe brechen wir wieder in bewährter Dromedarreihenfolge auf. Gwaggelohr aber lässt einen Machtkampf aufkommen, ist extrem stur. Roger kriegt von Omar einen Stock, mit dem er per Schenkelklopfen das Dromedar immer dann zum Weitergehen auffordern muss, wenn es wieder bockt. Omar geht heute Nachmittag sehr langsam. Warum ist uns unklar. Weiss er den Weg? Der Erg Chebbi ist klein, wir können uns orientieren und sind deshalb auch nicht allzu fest beunruhigt, als unser Führer sich immer wieder suchend umblickt. Sicherlich, der Wind hat die Trampelpfade verblasen und wohl auch die kleineren Dünen umgeschichtet. Nach wohl zweistündiger Slalomwanderung, die es den Kamelen erlaubt, nicht zu steil hoch oder runter zu müssen, kommen wir bei unserem Camp 2 an. Unser Camelguy, bei dem wir alles gebucht hatten, erwartet uns hier. Das freut uns, kann er doch sehr gut Französisch und wir also alle unseren unbeantworteten Fragen klären.
    Das Camp ist um einiges bescheidener als gestern. Ohne Elektrizität, mit Matratzen (ohne Bettgestelle), ebenfalls mit Porta Potty. Rui, Luo, Roger und ich erklimmen gemeinsam die grosse Düne, beobachten den Sonnenuntergang und tollen nach unten. Die Herren haben derweil schon gekocht. Eine Spezialität der Berber wartet auf uns: Erbsen, Fleisch und Sauce. Nach einem Kartofffel-Rüeblisalat und einem Pasta-Zwischengang, der vor allem Rui in Jubel ausbrechen lässt.
    Die sich im Esszelt befindenden Trommeln aus Ton werden von den Jungs in Beschlag genommen. So entsteht die Idee, ein Feuer zwischen den Zelten zu entfachen. Holz hat es keines. Stattdessen geht auch dürres Gras, das Rui und Luo unermüdlich auch ganz alleine herholen. Trotz der Dunkelheit legen sie dabei ziemliche Distanzen zurück. Omar, der Camelguy, Roger, ich und Rui trommeln jeweils zu zweit. Die Sternen leuchten, es ist wunderbar und heute auch viel weniger kalt.
    Als die Kinder schlafen trinken Roger und ich einen Tee (den x-ten heute) zwischen den Zelten auf einem Teppich und geniessen die Stille und Einsamkeit.

    12. Februar: Rückkehr mit den Dromedaren
    Als es hell ist laufen, klettern und wohl eher kriechen wir noch einmal alle vier die grosse Düne hoch. Gut schmeckt danach natürlich das Frühstück, das heute reichlich ausfällt. Es gibt Joghurt und Eier zum gewohnten runden marokkanischen Brot und Konfitüre.
    Nur eine knappe Stunde dauert der letzte Kamelritt auf unseren liebgewonnenen Dromedaren. Danach ist unser schöner Ausflug vorbei. Unsere Söhne haben es wieder mal super gemacht! Wir haben es alle genossen. Ein weiteres Erlebnis, das uns zusammengeschweisst hat.
    Heute machen wir nicht mehr viel. Duschen. Alles ausschütteln und vom Sand befreien. Mit den Sändelisachen auf der ersten Düne spielen und die ganze Reise nachstellen.
    Abends beim Nachtessen werden Erinnerungen besprochen. Das Gespräch kommt auf den Ehering, und wie und warum Roger ihn links und ich rechts tragen, in welchen Ländern man das ebenfalls links oder rechts macht… Rui fragt: „Händ die alli (die Leute anderer Länder) au än Hering?“ Tja Rui, ja, vielleicht ist ein Ehering schon ein bisschen ein Hering, der einem festhält, auch im Sturm?

    13. Februar: Skifahren im Sand, Skitour aux dunes
    Skifahren im Sand. Davon hat unser Roger schon die ganze Zeit geträumt. Hier beim Hotel stehen Skis – leider keine Skischuhe. Mit Rogers Wanderschuhen lassen sie sich vielleicht „manövrieren“. Rui und Luo packen ihre Rucksäcke mit ein bisschen Spielzeug, ich mit Merenda. Roger kommt als Cross-Contry-Skifahrer mit. Quer über die kleinen Dünen, die kleinen Abfahrten jeweils mit einem der Jungs zusammen. Der Aufstieg zur grössten in der Nähe ist dann hart. Heute ist der Sand aber angenehm heiss. Oben angekommen bietet sich eine wunderbare Aussicht. Etwas kantenlos ist die Abfahrt, wie mit Langlaufskis und Stiegwachs. Auch ich fahre einmal hinunter. Mit vier Paar Socken falle ich nicht gleich aus den Schuhen, die Skis sind aber dennoch viiiel zu lang. Spass macht es trotzdem, auch wenn Roger wie immer die bessere Figur macht. Aber warum soll das im Sand anders sein als im Schnee?
    Zurück sind wir dann im Rekordtempo. Luo und Rui lassen ihre Duploautos die Hänge runtersausen, galoppieren dann hinterher. Roger muss sich richtig anstrengen, damit er mit diesem Tempo mithalten kann. Wohl sind wir an einem Skitag noch nie mit den Ski über so viele Steine gefahren ;)
    Klar sind wir so sehr hungrig, als wir wieder bei der Auberge-Camping sind. Gut so, haben wir doch für heute Mittag ZWEI Pizzas Berbère bestellt. Die gefüllten Brotteigfladen mit Gemüse, Kräutern, Fleisch und Ei schmecken hervorragend!
    Am Nachmittag spielen die Kinder ganz für sich, während ich und Roger den Bus für die Weiterfahrt auf Vordermann bringen. Die Kinder haben sich die letzten Tage so gut benommen, dass wir von unseren Nachbarn Komplimente für unsere Kinder erhielten. Gerne gaben wir diese den Kindern weiter!

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  • 14Feb 2013

    132 Souk und Wandern 14.02.2013 Marokko —

    Tamtetoucht, Marokko

    Beschreibung

    14. Februar: Souk in Rissani
    Auf dem Weg nach Rissani sehen wir eine ganze Womo-Karawane vor uns. Wahrscheinlich eine geführte Tour… Wir sind froh, dass wir nun erst mal einen Halt machen. Der Souk in diesem Dorf ist ein grosser regionaler Souk. Von überall strömen Menschen herbei, zu Fuss, auf Eseln, auf der Ladefläche von Lastis, in Autos. Gespannt stürzen wir uns ins Getümmel. Einerseits gibt es mal wieder sehr viel zu sehen, einen so grossen authentischen Markt haben wir bisher noch nie gesehen. Berbernomaden in Djellabas (traditionellen Gewändern) bringen ihre Schafe zum Verkaufen auf Handwagen herbei. Der Schafmarkt, der Eselparkplatz, der Pferdekutschenparkplatz imponieren Rui und Luo sehr. Ganze Stände voller frischestem Gemüse, so wie wir es hier bisher noch nicht gesehen haben. Woher kommen diese Dinge wohl? Von der anderen Seite des Atlas? Wir kaufen mit Freuden ein und füllen unsere Kühlbox. Auch Vorräte wie Kichererbsen, getrocknete Bohnen und nach etwas längerem Suchen sogar Reis können wir wieder auffüllen. Unsere Foodabteilung im Bona war beinahe leer… Irgendwann sind wir müde von den vielen Eindrücken und machen uns auf dem Weg aus den Ständen heraus. Wir passieren zwei ältere deutsche Touristen, die eher überfordert am Rande der Marktstände stehen und hören, wie sie zu ihm sagt: „Die armen Kinder, müssen hier mit durchlaufen.“ Rui und Luo sehen aber ganz glücklich aus und sprudeln auf der Weiterfahrt voller Eindrücke und Erlebnisse, die sie noch einmal erzählen.
    Nach zweistündiger Fahrt, also genau in der Mitte der heutigen Strecke, sehen wir ein Restaurant am Rand stehen. Wir setzten und staunen ab der Menge JUNGER Touristen, die einen Kontrapunkt zu den vielen Pensionierten darstellen, die man in Marokko überall antrifft. Die Jungen, meist in unserem Alter, sind zu zweit oder als Gruppe nach Marokko gekommen und haben in Marrakesch eine Drei- oder Mehrtagestour gelöst. Mit einem Viermalviermobil oder einem Kleinbus wie Bona fahren sie über den Haute Atlas, in die Gorges du Todhra und Gorges du Dades, gehen bei Merzouga Kamelreiten und dann wieder zurück nach Marrakesch. In wenigen Stunden also das, was wir in zwei bis drei Wochen machen werden.
    Im Restaurant wird uns bewusst, was für grosse Jungs wir schon haben. Zunehmend lösen sie sich von uns, gehen selbständig etwas abseits spielen und lassen uns auch mal ungestört mit anderen quatschen. Unsere Freiheiten als erwachsene Menschen kehren zurück, wir sind langsam aber nicht mehr „nur“ Eltern von Kleinkindern, erlösend!
    Nur wenige Minuten nach Fahrerwechsel sehe ich aus der Ferne einen hochbeladenen Lastwagen. Kurz vor uns, vielleicht mit 150 Metern Entfernung, was nicht viel ist, wenn man mit 90km/h unterwegs ist, fährt er über eine asphaltierte Furt eines Ouadis. Der Lastwagen schaukelt und eine Gasflasche, die wohl kaum angebunden war, fällt hinunter, direkt auf unsere Fahrbahn. Ich bremse ziemlich abrupt. Die Gasflasche (ob leer oder voll wissen wir nicht) schlägt vor uns auf dem Asphalt auf, springt noch einmal hoch und rüber in den Strassengraben. Puh!
    Gegen 16.00 Uhr kommen wir im oberen Teil der Todhra-Schlucht an. Den letzten Teil von Tinerhir fuhren wir zwar auf geteerter Strasse, aber oftmals im Flussbett. Wenn nun also gerade der seit drei Jahren erhoffte Regen kommen würde, dann müssten wir hier ein bisschen länger bleiben.
    Auf dem Camping Baddou sehen wir unerwarteter Weise die vielen Womos vom Morgen wieder. Alles Engländer, die in drei Wochen Marokko bereisen. Einige von ihnen, so erfahren wir im Gespräch mit ihnen, wissen nicht mal, wie es hiess, wo sie gestern geschlafen hatten und ob sie gegen Norden oder Süden gefahren sind. Wohl kaum einmal in eine Karte geschaut, GPS funktioniert hier ja sowieso nicht so gut. Also einfach den anderen hinterher gefahren.

    15. Februar: Hochgebirgswanderung mit unseren Berggämsen Rui und Luo
    In Tamtatouchte war es heute Nacht gerade mal 1.5 C° warm. Klar, hier sind wir auf beinahe 1800 m ü.M. Für uns aber nicht genug hoch… Wir packen Merenda und Lunch ein und gehen los, durch die eher ausgetrockneten Felder, an den alten Gemäuern der Kasbahs vorbei, immer begleitet von Berberknaben, die uns hartnäckig begleiten. Luo hat die Idee auf den „Hügel“ zu steigen, der eine Seite des Tals hier eingrenzt. Wir marschieren also los und sind nach einigen Höhenmetern bald die Kinder des Dorfes los. Bald aber hat es auch keinen Weg mehr und so steigen (klettern) wir über das Geröll, kleinere Felsplatten hinauf und immer höher. Oben (nicht ganz oben, es zieht sich…) haben wir eine Superaussicht, die wohl noch nicht mancher Tourist hier hatte. Die ganzen Steine sind voller Fossilien. Schwer vorstellbar, dass die Felsschicht, auf der wir stehen wirklich einmal Teil eines Meeres war. Hinunter geht es dann eher mühsam, ich kämpfe mit meinen Wanderschuhen, die in der Wüste buchstäblich ihr Profil verloren hatten, Rui hat zunehmend Wackelbeine und auch Luo ist müde. Dennoch, wir sind alle stolz, als wir unten ankommen!

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  • 16Feb 2013

    133 Klettern in der Todraschlucht 16.02.2013 Marokko —

    Marokko

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    16. Februar: Faire l’escalade aux rochers de la gorge
    Roger hatte im Zeltplatz um Topos für die Gorges unten gebeten. In unseren Reiseführern werden nämlich Kletterrouten bei der Schluchtenge erwähnt. Ein Zeltplatzmitarbeiter konnte helfen. Da seine Schicht heute endet, nehmen wir ihn mit das Tal hinunter. Er führt uns zum Restaurant, in dem die Topos käuflich sind (zu einem europäischen Preis) und danach zu einer Felspartie, die sich als für uns ideal herausstellt. Direkt am ausgetrockneten Wadi gelegen, so dass die Kinder ungehindert spielen können. Derweil klettern wir Erwachsenen, zu Beginn mit, dann ohne Youssef, erstaunlich viel. Auch hier also: Unsere Kinder werden grösser, unsere Spielräume ebenfalls… Die Routen sind gut mit Bohrhaken abgesichert, der Fels ist genial, die Sonne wärmt, die spielenden Kinder geben eine gute Geräuschkulisse!
    Wieder zurück beim Bona, den wir bei anderen Bussen auf einem Platz stehen liessen, der oft auch als „wilder“ Übernachtungsparkplatz genutzt wird, werden wir wiederum von Berbern angesprochen. Einer meint es besonders gut mit uns und lädt uns zum Abendessen ein. Eigentlich gehen wir kaum aus abends, da es dann viel später wird als acht-neun, wenn die Jungs normalerweise ins Bett gehen. Heute aber denken wir, dass wir nicht immer nein sagen sollten, da wir sonst sicherlich Erlebnisse verpassen. Und wirklich, der Ausflug lohnt sich. Um kurz nach sechs holt uns der Berber mit dem unaussprechbaren Namen ab. Wir gehen die eineinhalb Kilometer zu Fuss zum Haus seiner Familie. Hier wohnen seine Eltern, die Familie seiner Brüder und er. Ein Tee wird serviert, derweil die Kinder immer wilder werden (nicht nur unsere, auch die Kinder der Familie). Wir müssen eingreifen, nur wie? Ich hole das UNO hervor. Und bald sitze ich mit fünf Berberkindern und meinen zwei eigenen um ein kleines Tischchen und spiele. Einige können ein paar Brocken Französisch, sie helfen einander und so klappt das Spiel ganz gut. Rui ist der einzige, der nicht mehr von der Stimmung des Herumtollens herunterzukommen scheint, wir verzeihen es ihm.
    Nachher gehen wir über die Strasse und durch dunkle Gassen (ohne Asphalt, auch hier ist nur die Hauptstrasse geteert) bis zur Kasbah-Auberge der Brüder. Unterdessen ist sicher schon acht Uhr vorbei. Erst wird durch die Kasbah geführt, Tee serviert und die Webstühle gezeigt, Teppiche aufgerollt und zur Freude der Jungs das Karden vorgeführt. Aber wir wollen keinen Teppich kaufen und bleiben darin hart. Und ja, meint Roger, man habe uns zum Essen eingeladen. Alsdann werden wir ins kleine Restaurant geführt. Ein baskischer Franzose – oder französischer Baske? gesellt sich zu uns. Auf einer geplanten Mehrtagestour hat sich dieser der Fuss auf den uns bekannten rollenden Steinen verdreht und die Bänder geschädigt. Nun wartet er auf Besserung um seine Reise fortsetzen zu können (dann wohl aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln).
    Irgendwann, es muss schon neun Uhr sein, serviert man uns eine Omelette Berbere und Brot. Rui und Luo haben durchgehalten, mit Spielen, Geschichtenerzählen und anderen Efforts von unserer Seite. Bald nach dem Essen machen wir uns auf den dunklen Heimweg zurück durch die Schlucht zum Bona.

    17. Februar: Wanderung und Gebirgsnomaden
    Auch wenn erst um zehn ins Bett wollen Rui und Luo um acht Uhr aufstehen und sind natürlich den ganzen Tag über eher müde und nicht gerade in körperlicher Bestform. Nicht so gute Voraussetzungen für eine Wanderung. Wir starten dennoch gegen zehn Uhr. Hinter dem Bona geht ein Weg nach oben. Nach eineinhalb Stunden (durchaus rassiger Gangart) kommen wir auf dem Pass an. Hier hausen Gebirgsnomaden in Berberzelten, einer in den Boden gebuddelten Kochstelle und umzäunten unbedeckten Umzäunungen für da Vieh mit Ziegen, Eseln, einem Maultier und Dromedaren. Es stellt sich uns die Frage, wie und warum man hier leben kann. Das Wasser muss von den Quellen im Tal unten (beim Bona) hochgetragen werden, täglich das Vieh zum Tränken hinuntergebracht werden. Auch Grünzeug wächst hier nicht, kein Strauch, Gras und sowieso kein Baum. Die Familie hat einen etwa siebenjährigen Jungen und ein dreijähriges Mädchen. Roger möchte hier eine seiner vorrätig gekauften Zahnbürste mit Zahnpaste verschenken. Als wir zurückblicken fragen wir uns, ob die gutgemeinte Geste nicht eher unglücklich war: Das Mädchen ist im Begriff die Zahnpasta aufzuessen. Zwar nehmen ihr die Eltern diese weg, aber es bleibt unklar, ob die Zahnpaste und Zahnbürste wohl richtig angewendet wird.
    Es ist bedeckt und wir ziehen alle Kleider an, die wir mitgebracht haben, als wir im Schutze einiger grossen Steine eine Mittagsrast machen. Die Aussicht hinunter aufs Dorf und über die Ebene und zum Ibel Sarho hinüber ist gewaltig. Die teilweise vertikal stehenden Gesteinsschichten beeindrucken.
    Mit unseren wirklich sehr berggängigen Jungs kommen wir am Nachmittag im Dorf an, wo man uns natürlich schon lange beobachtet hat. Ein Herr (einer Auberge) will uns zum Tee einladen (und wohl auch zum Teppichkauf? Mit den Leuten in Marokko ist und bleib es schwierig. Man weiss nie, was sie für Hintergedanken haben. Auf der anderen Seite ist die arabische Gastfreundschaft schon grossartig. Als wir nochmals zur Kasbah-Auberge von gestern Abend schlendern, stellt sich heraus, dass eine der teppichknüpfenden Frauen seit zwei Stunden auf uns gewartet hat, um uns ihr Handwerk vorzuführen. Natürlich wird wieder Tee gereicht. Und natürlich fragt man wieder, ob wir wirklich keinen Teppich kaufen wollen. Übrigens können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Frau mit ihrem Webrahmen, in dem ein eher unprofessionelles Stück zu entstehen scheint, die schönen Teppiche gefertigt haben will, die hier überall liegen. Ich glaube, wir müssen einmal in einer grossen Kooperative halten um uns dies plausibel erklären zu lassen.
    Beim Bona haben sich zu den hippiemässigen Franzosen, die dann gestern noch gekommen sind, noch mehr Freunde in Wohnmobillastwagen (davon einer sogar holzgeheizt), VW-Bussen und alten WOMOS gesellt. Eine willkommene Abwechslung zu den pensionierten Womofahrern.

    Momentan sind wir immer mal wieder am Erinnerungen auffrischen und über heute und morgen am Philosophiereh. Sowas geht beim Wandern extrem gut. Wir haben im Kopf Listen aufgestellt, die ich unbedingt verewigen möchte.
    Liste der Dinge, die wir hier „vermissen“:
    • Knödel im Restaurant auf der Bergspitze (jeweils ein Running-Gag: „Die Knödel sind leider schon ausverkauft.“), oder Nussgipfel und Süssmost, natürlich auch saurer Most.
    • Käse aller Art.
    • Ein Rivella.
    • Schoggiglace, wenn es warm ist, zum Beispiel aus dem eigenen Gefrierfach.
    • Heidis oder Nonnas oder Tobis hausgemachte Konfitüren.
    • Ein Hallenbad oder auch nur mal wieder die Badewanne.
    • Irgendwo hinsitzen, ohne dass gleich jemand scheinbar aus dem Nichts kommt und fragt: „ça va?“
    • Ein Bänkli für das Mittagspicknick, oder ein Stückchen Gras um drauf zu sitzen, oder gar ein Picknickplatz mit Feuerstelle.
    • Genügend Holz für ein Feuer.
    • Würste zum Bräteln.
    • Bäche mit Wasser.
    • Ein kühles Bier nach einer Wanderung, ein Panaché oder wieder mal ein Glas Wein.
    • Ein gutes Gespräch mit echten Freunden oder Familie.
    • Blattsalat (auch wenn wir in der Schweiz saisongerecht Wintersalate essen würden).
    • Skipisten oder eine Skitour-Tiefschneeabfahrt.
    • Verbrennungsanlagen für umweltgerechte Abfallentsorgung, damit es nicht immer an jeder Ecke nach verbranntem Abfall riecht. Gleichzeitig auch Kläranlagen.
    • Migros und Coop (hier hat es Marjane als halbwertiger Ersatz, leider aber nur im Norden).

    Dies ist aber alles gut verkraftbar, denn wir haben hier, was wir „zu Hause“ nicht haben:
    • Viele Einladungen zu Tee.
    • Feine Tajines im Restaurant, die sehr erschwingliche Mahlzeiten auswärts darstellen.
    • Sonne, Sand, Strand und manchmal sogar T-Shirtwetter.
    • Viele, viele „Freunde“.
    • Billiger Diesel.
    • Immer neue Landschaften.
    • Viele interessante Bekanntschaften mit Touristen, Gleichgesinnten, Marokkanern.
    • Wahnsinnige, interessante Märkte (Souks).
    • Jede Menge Tiere zum Betrachten: Esel, Dromedare, Maultiere, Ziegen, Schafe.
    • Viele Möglichkeiten Teppiche zu kaufen.
    • Picknicke mit Dosensardinen (da es sonst nicht viel für’s Picknick gibt).
    • Extrem feine Früchte: Bananen, Orangen, auch Äpfel.
    • Tierknochen und Tierkadaver zum Biologie“studium“: Eselbeine, Knochen aller Art, ganze Kamelgerippe in der Wüste.
    • Jede Menge Zeit, fast keine Verpflichtungen.
    • Tagwache um acht Uhr morgens.
    • Viele Gelegenheit zum Singen mit den Kindern, Uno-Spielen, Spielen allgemein, Lego-Bauen.
    • Erleben der Nahrungsherstellung: Huhn flattert, wird lebendig auf dem Markt erstanden, evt. direkt geschlachtet, zu Hause gekocht, kommt dann auf den Tisch. Gemüse im Garten, Handarbeit in den Feldern, Bewässerung fürs Gedeihen, Verkauf auf dem Markt, später in der Tajine.
    • Dinge, die uns Staunen lassen, wie
    o überladenen Lastwagen, deren Dachbeladung ebenso hoch ist, wie das Fahrzeug
    o Schafe und Personen auf den Dächern der Minibusse
    o dreivier Personen auf einem Töffli (Kinder in der Mitte)
    o Esel mit Riesenbeladung, Frauen ebenfalls
    o Felderbearbeitung von Hand oder mit Hilfe von Esel, Rind und Kamel/Dromedar
    o Schuhmacher auf der Strasse
    o Nomaden und andere wirklich arme Leute und ihre Lebensweise mit Nichts
    o gegenüber von Touristen mit Luxuswohnmobilen
    o Pflanzen und Tiere, die in extremen Wüstenbedingungen gedeihen und überleben
    o für uns exotische Bekleidungen wie Turbane, Kopftücher, Verschleierungen, Djellabas
    o Männer, die den ganzen Tag nur Tee trinken, diskutieren, palavern
    o eine Gesellschaft, die funktioniert, obwohl nur die Frauen arbeiten (abgesehen von den Händlern, den Ladenbesitzern und den Restaurantbetreibern, ein paar Schuhmachern und anderen Handwerkern)
    o wie wenig Frauen man sieht, da sie in einer für uns eher unsichtbaren Parallelwelt leben.

    18. Februar: Karabiber und Karabiner
    Heute war Rui eigentlich ziemlich müde. Es war der vierte Sportstag und der zweite Tag nach dem späten ins-Bett-Gehen. Seit langem hat er wieder mal wegen Kleinigkeiten losgeheult, was er nun länger nicht mehr getan hatte. Zweimal aber hat er auch vortreffliche Dinge geäussert, die uns zum Lachen brachten. Manchmal weiss man bei ihm nicht, was macht er bewusst lustig oder verburzelt er ungewollt. Dies war aber beides eher gewollt:
    Wir steigen morgens gerade vor Bona in unsere Schuhe, ein Jeep hält neben uns. Ich blicke auf und meine: „Oh, ein Zürcher!“ Und Rui: „Denn hätt er sicher Most debii!“ (Man muss wissen, dass unser Apfelmann Herr Zürcher hiess, Rui aber schon weiss, dass Zürcher eigentlich die Bewohner des Kantons Zürich sind.) Wir haben den Mann dann gefragt, er hatte leider keinen Süssmost. Da müssen wir uns noch ein bisschen gedulden.
    Rui und Luo spielen mit ihrem Spielseil in meiner Nähe, das an einen Ende eine Schlinge mit Achterknoten hat. Sie tragen das Klettergestältli mit Karabiner vorne dran, da sie vorher gerade geklettert sind. Ich sichere Roger und die Jungs wissen, dass ich keine Zeit für sie habe. Rui ruft: „Mami, ich han dä Chnopf grad i min Karabiber ighängt!“ (Karabiber ist das türkische Wort für Pfeffer, das wir, da wir noch immer eine türkische Pfefferdose haben, noch heute Familienintern benutzen.)
    Der heutige Tag steht ansonsten ganz im Zeichen des Kletterns. Morgens gegen zehn stapfen wir los. Leider finden wir trotz Topos die angepeilten Routen zuerst lange nicht. Dann aber klettern wir los. Der Fels ist wiederum spitze griffig. Ich schaffe es die ganze 35 Meter-Route hochzuklettern und ohne mit der Wimper zu zucken abzuseilen (Ich blicke bei beidem aber tunlichst nicht hinunter… bin aber stolz auf mich, kriege meine Höhenangst wirklich noch klein!) Auch Rui und Luo klettern heute mehr, einmal sogar an der senkrechten Wand! Bis jeweils Roger eingehängt hat, Luo und Rui die unteren Meter erprobt und ich dann die Expressen raus habe, vergeht die Zeit. So ist dann schon vier Uhr, bis wir wieder bei Bona sind. Gut, dass ich gestern Abend noch Bohnen gekocht habe. So ist das Abendessen relativ früh fertig, auch wenn wir noch versuchen mussten, Rui eine riesige Spiessenserie aus dem Finger zu montieren, die er sich beim Spielen vor dem Bona an einem Palmenteil geholt hat.
    Nach dem Essen machen wir Nägel mit Köpfen und stecken Rui und Luo für einmal schon um sieben ins Bett. Die waren nämlich echt müdissimo!
    Roger sitzt, während ich diese Worte schreibe, am Tisch und flickt wieder mal ein Bestandteil eines WOMO-Fensters. Die Feder hat das Rollo nicht mehr eingezogen. Ohne den Handwerker wäre Bona schon in einem ziemlich desolaten Zustand, unterdessen… Die Campinghalbfabrikate sorgen diesbezüglich für eine gewisse Beschäftigung ;(

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  • 19Feb 2013

    134 Chez Michelle 19.02.2013 Marokko —

    Boumalne Dades, Marokko

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    19. Februar: Schoggigipfel chez Michelle
    Eigentlich wollten wir am Morgen nochmals etwas klettern und dann gegen Mittag weiter, aus dem Todhra-Tal hinaus. Zu unserem Erstaunen fallen schon während dem Frühstück richtige Tropfen, was sich zu einem kleinen Regen steigert. Der Asphalt auf der Strasse ist nass, die Felsen sichtbar auch. Also bleiben wir, wo wir sind: Im Bona. Nach dem Abschied von unseren Reisekollegen hier, nehmen wir unseren Ami aus dem Dorf einige Kilometer mit. Anschliessend fahren wir frohgemut das Tal nach unten bis nach Tinerhir. Wir halten Ausschau nach einem Supermarkt (chez Michelle), der gemäss unserem Reiseführer Wein verkauft. Stattdessen finden wir aber eine Patisserie chez Michelle. Alle haben Lust sich die Beine zu vertreten. Roger parkt für mich den Bona seitwärts in die Parklücke (ich bin dazu immer noch nicht genug ruhigblut). Die Patisserie ist der Hammer! Wir essen alle zwei Gebäck (Pain au chocolat, grosse Prussiens und Ähnliche Leckereien sind zu haben), dazu trinken wir Erwachsenen Lavazza-Kaffee. Rui, Luo, Roger und ich, alle sind wir anschliessend glücklich und satt. Der Spass hat uns übrigens fünf Franken gekostet, mehr nicht. Nur ein Kilometer weiter finden wir auch den gesuchten „Supermarkt“. Grosse Teile unserer Riesenpostiliste können wir unerwarteterweise abhacken. Sogar Wein und Bier finden sich hier (im Hinterraum). Der Grosseinkauf kostet auch nicht allzu viel: 157 Franken. Jetzt fehlt also nur noch das Gemüse und die Früchte, zwei Äpfel und eine Tomate haben wir für heute noch. Morgen ist dann der Soukbesuch in Boulmane angesagt. Dorthin wollen wir schon heute. Beim Hotel Le soleil bleu hat man einen Womostellplatz/Camping errichtet. Hier bleiben wir und geniessen zum späten Mittagessen auf der heute windigen Terrasse ein Festmenue: Riesensalatplatte, nach der wir eigentlich schon satt sind. Luo meint, er esse nun nichts mehr, nimmt den Ausspruch aber zurück, als er den Risenhaufen Pommes sieht. Die sind ganz lecker, auch wenn die Marokkaner eigentlich falsche Kartoffeln dafür haben. Die Spiesslis schmecken ebenfalls vorzüglich. Zum Dessert gibt’s, wie meist hier: Orangen mit Zimt, danach Pfefferminzetee. Roger bezahlt anschliessend gleich den Camping und das Essen, plus die warmen Duschen, die man hier oftmals separat bezahlen muss. Der Preis für das Festessen haut uns beinahe vom Sockel. Sageundschreibe 49 Franken! Horrend für Marokko…

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  • 20Feb 2013

    135 Mohamed aus Ait Ali 20.02.2013 Marokko —

    Marokko

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    20. Februar: Mohammed aus Ait Ali
    Der Souk in Boulmane ist sehr authentisch. Wir sind die einzigen Europäer weit und breit. Das Gemüse ist höchste Qualität zu niedrigsten Preisen. Rui und Luo kriegen hier und da Mandarinen geschenkt (wohl, da sie immer wieder runtergefallenes Gemüse zurück auf die Gemüsehaufen legen). Auch hervorragende Datteln (das Kilo ein Franken) und feine Erdnüsse finden wir. Zu Luos grosser Freude auch wirklich gute Oliven. So haben wir den Bona mal wieder aufgefüllt!
    Im Souk werden wir von Mohammed angesprochen. Er bittet uns um Mitfahrgelegenheit ins Dadestal hoch. Klar nehmen wir ihn mit, aber mit Vorbehalt: „Was möchte der Typ uns wohl verkaufen? Die Marokkaner haben doch immer einen zweiten Gedanken…?“ Für einmal haben wir uns zu viele Sorgen gemacht. Mohammed spricht très bien Französisch und erzählt auf der Fahrt sehr viel über das Tal. Über der Gorge (Schlucht) führt er uns in ein Panoramarestaurant, wo wir dann auch gerne einen Tee mit ihm trinken. Nach nochmals einigen Kilometern den Berg hinauf kehren wir um. Hier oben wird es immer kälter, der Abstieg auf 1800 Meter über Meer in Mohammeds Dorf zurück, macht Sinn. Der gute Mann akzeptiert unseren Wunsch nach Ruhe und wir bleiben eine Stunde im Bona zur „Siesta“. Dann spazieren wir in den Feldern entlang des Dades herum. Der Fluss hat richtig fliessendes Wasser! (Übrigens das ganze Jahr, sogar im brütend heissen August, wenn auch dezimiert.) Mohammed lädt uns anschliessend zu einem Tee in seinem bescheidenen zu Hause ein. Er ist 37 Jahre alt, hat 15 Jahre erfolgreich als Fremdenführer gearbeitet. Nun aber, seit zwei Jahren, also seit den arabischen Revolutionen und den europäischen Krisen, bleiben die Touristen aus. Wir fragen ihn, was nun Marokko machen soll, ohne Touristen. Er meint: Zurück in die Landwirtschaft, Tomaten und Kartoffeln anbauen und auf dem Souk verkaufen. Das geht wohl für ihn, was aber tun die vielen Hotelbesitzer in Merzouga, die nun leer stehende Gebäude haben?
    Wie vor Stunden besprochen gehen wir gegen sieben zur Familie von Mohammeds Schwester. Hier essen wir mit der Familie ein Couscous (gegen ein bescheidenes Entgelt). Es schmeckt, ist aber ein bisschen trocken, was aber wohl unsere Schuld ist, da wir ein vegetarisches Couscous gewünscht haben. Das Fleisch ist oft so zäh… aber ohne gibt’s keine gute Sauce, wissen wir jetzt. Die Schwester, ihr Mann, Mohammeds dritte Schwester und die drei Kinder befinden sich ebenfalls mit uns im Essraum. Hier gibt es Kissen, Schaumstoffkube, die nachts auch als Betten dienen und Decken. Ein zweiter Raum ist die Küche, ein kleiner Dritter der Vorrats- und Kleiderschrank. Rui und Luo spielen zuerst mit der kleinsten Tochter, Nurdin, später holen sie die Malbücher, die sie mit den älteren bemalen.
    Unsere Gastgeber fragen am Ende des Abends: Habt ihr Teppiche und Decken im Bus, damit ihr nicht friert? Es ist uns beinahe peinlich zu sagen, dass wir auch eine Heizung haben. So was kennen die hier auch in den Häusern nicht. Sowieso mutet unser Bona als Luxus an, wenn wir uns hier umschauen.
    Heute müssen wir nicht mehr weit, da wir den Bona über anspruchsvolle Piste bis vor das Haus der Familie mitgenommen haben. Als wir aber die Keile unterlegen wollen, damit wir im Schlaf nicht ganz aus den Betten kippen, kommen Mohammed uns seine Schwester angerannt. Sie haben wohl gemeint, wir wollen nun doch aufbrechen, trotz Verabredung zum Tee morgen. Echt nette Gastgeber!
    Vor dem Ins-Bett-Gehen fragt Rui Roger:“Papi, was heisst à demain?“

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  • 21Feb 2013

    136 Wandern, Ausspannen, Basteln 21.02.2013 Marokko —

    Skoura, Marokko

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    21. Februar: Le cerveau de l‘Atlas
    Um neun sind wir zum Tee eingeladen. Da wir keine Ahnung haben, was das genau heisst (und wir ohne Frühstück zum Muffeln neigen), essen wir Schoggimüesli zum Frühstück, das wir übrigens ebenfalls chez Michelle gefunden haben. Mohammeds Schwester meint es aber gut mit uns, serviert frisches, selbst gebackenes Brot und Omelettes (Eier in der Pfanne). Wir sitzen an der Sonne und unterhalten uns. Nurdin spielt währendessen mit den Duplotierli, die Rui und Luo ihr schenken. Zuerst wollten die beiden von der Idee Nurdin etwas zu schenken nichts wissen, schliesslich spielen sie sehr gerne mit ihren Duplotieren, die sie auch draussen überallhin mitnehmen dürfen. Dann aber knausern sie nicht, schenken zwei Pferde, eine Mutter, ein Vater, ein Kind und einen Kinderwagen. Also doch einen beträchtlichen Teil ihres Spielzeugs.
    Mohammed möchte gerne etwas arbeiten und macht uns eine kleine Wanderung schmackhaft. Wir sagen zu, auch um die Familie zu unterstützen. Die Wanderung entpuppt sich als richtiges Abentuer: So schmal ist die Spalte im vulkanischen Gestein, die vom Wasser ausgewaschen ist, dass wir teilweise kriechen, die Rucksäcke abziehen, Kaminklettern oder uns ganz dünn machen müssen. Leider zeigen sich unsere zwei Söhne heute nicht unbedingt von der besten Seite. Mohammed versteht nicht, warum sie dauernd streiten, das mache man doch nicht unter Brüdern. Auch, dass trotz Ermahnung immer mal wieder jemand einen Stein schmeisst, Sand wirft oder einen Stock als Waffe benutzt, missbilligt er sichtlich. Tja, da ist er ja nicht der Einzige (Wir geben uns ja Mühe, die Jungs zu erziehen. Aber auch in der Schweiz gibt es Eltern von Mädchen oder weniger wilden Knaben, die manchmal die Ruhe unserer Gesellschaft vorziehen.)
    Trotzdem, der Ausflug ist ein Erfolg. Und die Familie und speziell Mohammed kennengelernt zu haben ist ein Gewinn. Für einen Ausflug im Dadestal können wir also Mohammed aus Ait Ali empfehlen.
    Anschliessend picknicken wir, wieder nur als Familie unterwegs, oberhalb der Felder. Der Stellplatz, der uns von Leuten empfohlen wurde ist uns leider nicht geheuer – oder eher die Piste dorthin. Falls es wieder Regnen sollte, wäre ein Erdrutsch durchaus vorstellbar und der Rückweg abgeschnitten.
    Die Fahrt nach Skoura verschlafen die Jungs, was sie schon lange nicht mehr gemacht haben. Im Camping angekommen rollen wir unseren Balkonteppich aus und machen erstmals einen Apéro. Schliesslich haben wir neulich einige Luxusprodukte erstanden: Chips, Oliven, Sirup und Wein. Dann wird an den Kutschen weitergebastelt: Mina und Gian haben nach unserem Grosseinkauf eine Kartonkiste erhalten, die nun Räder, Türen, Fenster und in Minas Fall sogar Porta Potty und Kochgelegenheit hat. Als Antrieb dienen Luana (Husky) und Marmotta, der Mungg.

    22. Februar: Ausspannen in Skoura auf dem Camping
    Wenig tun, nichts tun, ausspannen war heute angesagt. Unter Rogers Führung versuchten wir unser Henna-Tattoo-Set aus. Rui und Luo und auch wir zwei Chefmechaniker bastelten weiter an den Kutschen aus Karton. Spätmittags gab es Pasta alle Olive. Gegen Abend spielten wir ein Kubb. Lustig: Heute fuhr plötzlich ein GR-Mobil auf den Camping. Rositta und Oskar waren interessante Gesprächspartner und gewannen die Jungs mit einem Piratenmützengeschenk im Nu für sich. Ach ja, klar wurden dann auch noch Kartonschwerter gebastelt und Rui wollte unbedingt eine Augenklappe.

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  • 23Feb 2013

    137 Marrakesch 23.02.2013 Marokko —

    Medina, Marrakesh, Marokko

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    23. Februar: Über den Hohen Atlas
    Schon halb zehn rollte Bona aus dem Campingtor. Da sowohl Rui als auch Luo wirklich stark husten, war die ganze Crew schon früh wach. Das geplante zweite Frühstück in Ouarzazate fiel leider nicht so vielversprechend aus, wie der Reiseführer versprach. Die Gebäcke waren aber OK. Der nächste Halt war erst kurz nach dem Tizi n’Tichka Pass (2031 müM). Luo meldete: „Ich habe ganz fest Bauchweh von all den Kurven.“ Schnell also Fenster runter, Frischluft rein, Apfel zum Knabbern und so schnell als möglich Ausstellbucht suchen. Luo ist sehr bleich, erholt sich aber in der kalten Luft rasch. Nach einem Imbiss geht es weiter. Zum Ablenken spielen wir „Ich gsehn öppis, wo du nöd gsesch…“ Später machen wir einen Halt bei einem der wenigen Schneeflecken: Schon den ganzen Tag haben die Jungs darauf gewartet. Jetzt haben sie Schnee zum rumwerfen. Echte Schweizer, sie vermissen den Schnee schon sehr.
    Noch auf der Passstrasse, aber nur mehr auf 1400 müM machen wir Mittagsrast im Bona. Auch hier kommen Strassenhändler und wollen (falsche) Edelsteinhöhlen anbieten (oder wie man sie auch immer nennt). Aber sooo schlecht gefälscht… leuchtend rot, blau oder grün.
    Nach beinahe fünf Stunden Fahrt kommen wir in Marrakesch an. Lisa will uns durch die Medina (Altstadt) zur Koutoubia-Moschee bringen, was natürlich nicht geht. Ein Töfflifahrer mit Djellaba nimmt sich unserer an und führt uns zum Stellplatz. Eigentlich ist dieser schon voll, wir dürfen uns aber bis am Abend vor andere Womos stellen. Es ist schon beinahe fünf Uhr, als wir dann zu Fuss losgehen. Wir sehen einen Storch ganz in der Nähe, das Minarett der Koutoubia-Moschee gleich vor uns. Der Platz Jamena el Fna liegt nur fünf Minuten entfernt. Rui und Luo erhalten Popkorn, das wir wie die Marrokaner an einer Ecke kaufen. Staunend und knabbernd gehen sie weiter: Strassenkünstler, Trommler, Gitarristen, Geigenspieler, Akrobaten, Schlangenbeschwörer mit echten Kobras, Vipern und Nattern. Letztere dürfen wir sogar streicheln. Als nächstes eine Runde durch den nächstgelegenen Teil der Medina. Eher touristisch, aber OK. Zum Essen gehen wir für heute in den Bona zurück, freuen uns aber auf die Eindrücke morgen!

    24. Februar: Mittagessen beim Chinesen mit europäischem Standard
    Hier in Marrakech sieht man viel weniger Djellabas, die traditionelle Männerbekleidung, verschleiert sind auch hier die meisten Frauen, die weiten Mäntel fehlen aber oft. Der Stadt- Land Unterschied empfinden wir als gewaltig. Eigentlich könnte man beinahe von Kulturschock sprechen, vor allem wenn man in der Ville Nouvelle ist. Hier betonieren sie sogar in herkömmlicher Art. Die Kaffees an der Strasse sehen sehr europäisch aus, die Restaurants ebenfalls. Nicht unbedingt so in der Medina. Durch diese gehen wir des Morgens, denken bei den Babouches an unsere Brüder. Ein Herr erscheint irgendwo, lässt nicht locker und führt uns zur Färberei der Berber. Hier sehen wir nun, was wir im Wassermuseum in Griechenland theoretisch gelernt hatten. Viele Wannen im Boden, die Männer stehen darin, holen die Häute aus der Lake. Wir erhalten Pfefferminzzweige, damit der Gestank erträglicher ist. Jetzt im Februar hält er sich in Grenzen, nur Luo, unser Mimösli in solchen Dingen, findet es schlimm. Aber auch er schaut interessiert zu. Ein mit der Kutsche am Rand stehender Esel, der auf Arbeit wartet, wird von Luo gemustert und der Knabe fragt: „Macheds da nochenä au mit dem?“ Mit da meint DA das Gärben.
    Klar landen wir am Ende der Miniführung in einem Lederwarenshop, wir sind ja in Marokko. Und klar will der Herr Geld für die Führung, um die wir nicht gebeten haben. 100 Dirham will er. Der spinnt ja… Wir zahlen das sicher nicht, wissen, was diese Geldsumme für die Leute hier bedeutet. Das haben wir den Marrakeschtouristen vor. Anscheinend sieht man uns das Langzeitreisen zunehmend an, einige Marrokaner sagen gar, wir seien Berber und keine Touristen. Vor allem Rui bezeichnen sie immer als Berber.
    Zurück auf einen der bekannteren Plätze wollen wir den Weg gehen, den wir gekommen sind. Ein Jüngling will uns unbedingt den Weg zeigen. Wir wehren ab, machen ihm klar, dass wir ihn ganz sicher nicht bezahlen werden. Er beharrt. Am Ende will er dann doch Geld (20 Dirham). Nein, so geht das nicht… Zehn andere Jünglinge stehen plötzlich da, meinen, wir müssten ihm Geld geben. Nein, wir laufen einfach davon. Und damit ist die Sache auch erledigt. – Hier in Marrakesch bekommt man leider oft Dienstleistungen, die man gar nicht möchte …
    Beim Jamena el Fna angekommen nehmen wir ein Taxi in die Neustadt. Dort sind wir pünktlich zur Türöffnung beim chinesischen Restaurant. Wir sind seelig: Tischtücher, alles sauber, europäischer Standard. Die Jungs essen viel, wir ebenfalls. Die Stäbli sagen uns besser zu als das Essen von Hand (auch wenn man in Marokko heutzutage sozusagen überall Gabeln kriegt, als Tourist). Am Ende bezahlen wir umgerechnet 60 Franken, mit Wein. Riesenausgabe, für Marokko. Hat sich aber gelohnt.
    Zu Fuss wollen wir zurück und nach der Neustadt in die Altstadt und die berühmte Medersa besichtigen. Diese verpassen wir aber im Gewühl. Die Händler hier sind sehr penetrant, viel mehr als auf dem Basar in Istanbul. Manche geben den Kindern Dinge in die Hände und wollen bezahlt werden. Rui und vor allem Luo machen es super, geben die Gegenstände immer knallhart zurück, bzw. legen sie zurück ins gestell. Wir landen also wieder auf der Seite der Koutoubia und mögen uns nun nicht mehr ins Gewimmel stürzen. Eine Pause im nahe geparkten Bona ist angesagt.
    Danach will Luo unbedingt nochmals zu den Schlangenbeschwörern. Auf dem Weg kaufen wir gerade frisch frittierte Chips bei einem Strassenhändler mit seiner Chipsmaschine. Mmmhmmm. Der Jamena el Fna ist voller Leute. Wenig Touristen, alles Marrokaner, wohl, da Sonntag ist. Wir bummeln durch ein Strässchen, das wir noch nicht kennen. Die Jungs sind meist auf unseren Schultern, die Menschenmenge ist gewaltig. Ein Imbissstand nach halbeuropäischer Sitte hat oben eine Balkonterrasse mit einigen Tischen. Da kehren wir ein, betrachten das Geschehen von oben und haben so die Gelegenheit, die Stadt in der einbrechenden Nacht zu sehen.
    Abends im Bona freuen wir uns, dass unsere Nachbarinnen mit einem Mini-Daewoo-Womo zu einem Glas Wein vorbeikommen. Di and Carol sind Britinnen und einen Abend Englisch zu sprechen mischt unser französisches Gehirn auf.

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  • 25Feb 2013

    138 Cascades d'Ouzoud 25.02.2013 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    25. Februar: Une caleche ä Marrakech
    Beim überqueren des Platzes ganz in der Nähe unseres Parkplatzes sehen wir Di and Carol in einem Strassenkaffee. Gut sehen die Croissants und die Expressi aus, da bleiben auch wir. Danach gehen wir nochmals ein bisschen durch die Altstadt, kommen durch Zufall an ein Gerät, mit dem wir per Radiofunk unseren MP3-Player an den Autoradio übertragen können. Anschliessend finden wir einen Geldautomaten, der sogar noch Geld drin hat (mehrere Versuche, gestern, heute). Heute Morgen ist es sehr ruhig, einige Touristen, ansonsten kein Volk. Gemäss Roger und meinem Plan schlendern wir an den Kutschen vorbei. Die Händler bestürmen uns, wir handeln. Am Ende der Schlange haben wir mit einem der Kutscher unseren Wunschpreis erhandelt (die anderen gucken böse). Rui und Luo machen grosse Augen, die Überraschung ist gelungen. Sie dürfen mit auf dem Kutschbock sitzen und durch den Verkehr Marrakeschs gondeln. Die Kinderaugen leuchten!
    Gegen zwölf Uhr sind wir beim Bona, fahren los. Mit Lisa und Geduld geht es, aus der Stadt rauszukommen. Marrakesch ist eine verrückte, quirlige, anders groovige, belebte, arabische Stadt mit vielen Touristen. Wenn wir sie nicht gesehen hätten, hätten wir was verpasst, ganz klar. Aber nicht Sehenswürdigkeiten, Bauwerke oder Museen, nein: Stimmung, Gefühl, Athmosphäre.
    Bald legen wir in einem Restaurant an der Strasse einen Halt ein um eine Tajine zu essen. Dann fahren wir weiter und erst nach 16.00 Uhr sind wir an unserem heutigen Ziel. Die Fahrt geht durch grüne sanfte Täler, wir sehen Gras (lange nicht gesehen, 28 Tage waren wir in Wüste und Vorwüste), grüne Plantagen, Bäume, die hier frühlingshalber schon hellgrüne Blätter tragen oder im Blust stehen. Unser Ziel Ouzoud ist ein Dörfchen im Grünen, wir kriegen den letzten Platz auf dem holländisch geführten Camping, einen Panoramaplatz!

    26. Februar bis 1. März: Grünes Ouzoud, Frühlingsblumen und Berberaffen
    Am 26. Februar beginnen wir den Tag gemütlichst. Die Jungs spielen, wir quatschen mit den gelben Mercedes-Nachbarn Nina und Eli, die wir hier wohl schon zum vierten Mal in Marokko antreffen. Nachmittags machen wir Spiesslis einen Spaziergang zu und um die Wasserfälle. Die Cascades sind wirklich sehenswert. Für Rui und Luo ist der Höhepunkt allerdings das Zusammentreffen mit den Berberaffen. Diese sind sehr zutraulich und touristengewohnt. Übrigens unserer Meinung nach dieselbe Affenrasse wie auf dem Affenberg auf der anderen Seite des Bodensees. Wir verfüttern Äpfel und Erdnüsse.
    Am 27. Februar machen wir noch weniger. Die Jungs sind immer noch etwas zackig und wohl reizüberflutet von der bustling city Marrakech. Morgens wird der Bona ausgeräumt und von der Wüste befreit. Dies ist wohl die letzte Grossputzaktion auf unserer Jahresreise. Die Bettwäsche wird ebenfalls noch in Auftrag gegeben, der ganze Rest wurde schon gestern gewaschen. Nachmittags spielen wir. Rui und Luo husten nicht mehr, endlich können sie durchschlafen. Dafür haben ich und vor allem Roger zunehmend Mühe mit Hals, Husten und der Herr sogar mit Fieber. Als Roger im Laufe des Tages den Compi aufstartet bittet ihn Rui: „Papi, suechsch du ä Wohnig?“ Dafür sind wir aber noch etwas zu früh, für Juli ist noch nichts ausgeschrieben. Diesbezüglich gilt es Geduld zu haben und Nerven zu bewahren. Das wird schon werden, auch jobmässig und dass alles zusammenpasst.
    Am 28. Februar ist es kalt und bedeckt. Eigentlich sind wir den ganzen Tag im Bona. Die Jungs und ich machen noch einen mehrstündigen Spaziergang. Auch um Roger zu entlasten, der heute wirklich mit Fieber kämpft. Abends veranstaltet der Campingplatz einen Abend mit Marokkanischem Buffet und Trommelmusik. Klar sind wir mit von der Partie. Rui und Luo freuen sich schon den ganzen Tag aufs „Fest“. Sie sind dann aber sehr müde, es ist spät geworden. Rui fragt mich: „Mami, wer macht eigentlich müed, dä Gott?“ Da weiss ich nun auf die Schnelle auch nicht so recht was antworten.
    Und auch am ersten März machen wir keine weltbewegenden Dinge. Roger hütet weiterhin das Bett. Luo und ich spazieren noch einmal zu den Affen und bringen ihnen Apfel. Rui bleibt derweil zu Hause, geniesst die Ruhe und ist wohl auch nicht perfekt fit.

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  • 02Mar 2013

    139 Azrou 02.03.2013 Marokko —

    Marokko

    Beschreibung

    2. März: Einen Tag Fahren
    Lisas Voraussage für den heutigen Fahrtabschnitt, den wir uns vorgenommen haben ist 4.5 Stunden. Wir trauen der Sache aber nicht so recht, sehen mehrere Passabschnitte auf der Karte. Darum wollen wir auf Nummer sicher gehen und früh losfahren. Rui, Luo und ich essen genüsslich eine letzte Frühstücks-marrokanische-Crèpe, Roger bleibt lieber beim Brot. Er ist immer noch nicht gesund, hat heute aber kein Fieber mehr. Nach zwei Stunden sind wir in Beni Mellal, noch kein Drittel der Strecke haben wir zurückgelegt. Auf dem Vorbeiweg sehen wir einen Marjane. Dieses westliche Kaufhaus gibt es hier wieder! Klar halten wir an. Beinahe Kulturschock könnte man das nennen: Mit Einkaufswägeli einkaufen, und dann die Auswahl… Alles könnte man hier kaufen. Wir schlagen zu. Alle vier sehen wir feine Dinge, verschiedene Pasta, Reis, Griess, Vollkorncouscous, Wein, KÄSE, Müesli…
    Am anderen Ende der Stadt halten wir noch einmal und gehen in ein Restaurant bei einer Tankstelle. Roger wünscht eine Pizza, keinen traditionellen Food. Und da es wichtig ist, dass er gesund wird, wird ihm der Wunsch erfüllt.
    Danach werden noch mehr Kilometer gemacht. Zuerst die Jungs hinten zur Mittagspause. Zum x-ten Mal Fahrerwechsel, als sie aufwachen und wieder nach vorne wollen. Ich blicke auf den Stundenzähler von Lisa: Was, schon über sechs Stunde unterwegs? Dennoch ziehen wir weiter, wir wollen vorwärts kommen, die Zeit in Marokko ist von unserem Gefühl her langsam gezählt und wir wollen noch Portugal sehen, bevor wir am 8. April in Pamplona verabredet sind. Bis zum Eindunkeln sind wir schliesslich unterwegs: 6 h reine Fahrdauer!!! Gratulation, Rui und Luo, dass ihr das durchgehalten habt! Roger legt sich gleich wieder hin, es ist ihm leider noch nicht wohler. Morgen werden wir ihn nochmals alleine lassen und entlasten.

    3. März: Mamitag im Zedernwald
    Wie vorausgesehen ist der Familienvater auch heute noch nicht fit. Trotzdem müssen noch die restlichen Einkäufe von gestern weggeräumt werden, die die Nacht über im Führerhaus gelagert hatten. Was würden wir nur ohne diese Spensa, Trocknungsraum, Isolierzelle, Schuhschrank bei dreckigen Schuhen, Kindersitzaufbewahrungsort, Rucksackablegeplatz und so weiter tun?
    Danach machen die Jungs und ich uns auf, mit Wanderschuhen und Rucksack mit Picknick. Diese Nacht hatte es stark geregnet, die marrokkanischen Trampelpfade und Dirtroads sind eine schliefrige Angelegenheit. Irgendwann kommen wir in den Zedernwald. Richtig, Wald! Rui und Luo brechen gleich ins Spielen aus. So setze ich mich erst mal auf einen Stein und schaue zu. Sollte übrigens nicht das letzte Mal sein, heute. Später kommen wir an einem Flecken Schnee vorbei. Hier sind wir über 1500 Meter hoch, der Schnee ist erst vor kurzem geschmolzen. Zum Glück aber eben noch nicht überall: Luo hat einen Holzpickel gefunden, Rui eine Astgabel zum Schneeräumen…
    Oben auf dem bewaldeten Hügel geht die Strasse durch. Hier sehen wir eine Gruppe Berberaffen. Wir füttern sie mit Äpfeln, müssen dann leider mit ansehen, wie eine Gruppe jugendlicher Marokkaner sie mit Steinen und Stockwurf vertreiben. Ihre Interessen sind ganz klar nicht mit unseren vereinbar. Und da ich mich nicht traue, etwas gegen den Umgang gegenüber den Tieren zu sagen, machen wir drei uns besser wieder aus dem Staub.
    Später picknicken wir an der etwas fahlen Sonne. Anschliessend wird noch einmal gespielt, beim Schneefeld ebenfalls und dann kommen wir wieder aus dem Wald heraus. Wir suchen uns lieber einen etwas weiteren Weg zurück zum Camping, meiden die Dreckpiste und kommen um 15.00 Uhr zu Hause an. Roger geht es noch immer nicht besser, aber auch nicht schlechter. Gut so, dann werden wir die Fahrt bis runter ans Meer morgen wagen!

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  • 04Mar 2013

    140 Ein uns bekannter Ort! 04.03.2013 Marokko —

    Moulay Bousselham, Marokko

    Beschreibung

    4. März: Runter an die Küste, „heimkommen“ in Moulay Bousselham
    Rui hat gegen morgen plötzlich Fieber, weswegen die ganze Familie schon gegen sieben Uhr wach ist. Roger wenigstens geht es heute endlich besser. Um neun Uhr fahren wir dennoch schon los. Rui geht es nicht sehr schlecht und er möchte unbedingt „sändele“ gehen. Lisas Vorhersage stimmt heute viel besser und unsere Reise dauert nur vier Stunden.
    Irgendwo müssen wir eine neue Gasflasche kaufen. Gestern beim Nachtessen kochen ging uns die alte (griechische) aus. Für solche Fälle haben wir den Aussenkocher, der meist mit Benzin läuft, mit einer kleinen Gaskartusche aufgestockt, so dass wir im Zweifelsfall auch drinnen damit kochen können. So mussten wir also nicht hungern und heute Morgen gab es wie gewohnt warmes Waschwasser und heissen Tee. Der Kauf der neuen Flasche ist problemlos, der Anschluss an unseren Kocher ebenfalls. Schwieriger wird es werden, unsere alte Flasche irgendwo zurückzulassen. Roger meint, es handle sich dabei um Eisen und also einen Rohstoff, das müsste klappen. Bisher aber haben wir sie noch, der Gasflaschenhändler wollte sie jedenfalls nicht.
    Rui mag nicht in ein Restaurant, einen brauchbaren Parkplatz zum Kochen findet sich heute aber nicht. Neben der Hauptstrasse ist alles Matsch, es hat heute Nacht wieder viel geregnet und alles, was nicht asphaltiert ist, ist kaum zu befahren. Also fahren wir die ganze Strecke. Einmal, ziemlich am Anfang, stockt uns der Atem: Ein blauer PW fährt mit mässigem Tempo hangabwärts in einer steilen Innenkurve. Er beginnt zu schleudern und kreiselt sicher fünfmal, bevor er über den Strassengraben rutscht und auf der Wiese stehenbleibt. Obwohl er in einer Innenkurve ins Schleudern kam, kam das Fahrzeug nie auf die Gegenfahrbahn! Glück oder Fahrtechnisches Können? Wohl eher Glück, sonst wäre er wohl nicht retour in den Graben gefahren. Wieso er ins Schleudern kam bleibt uns wohl ein Rätsel. Sehr schnell war er auf jeden Fall nicht unterwegs.
    Wir kommen gegen 14.00 Uhr in Moulay Bousselham an. Dieses Dörfchen kennen wir, da waren wir zwischen Weihnachten und Neujahr schon einmal. Allerdings auf dem weiter oben gelegenen Camping. Nun steuern wir den anderen an, direkt an der Lagune. Wahnsinn, wie voll der nun allabendlich ist! Vor dem Eintritt ins Campingleben stellen wir uns aber an die uns ebenfalls bekannte Strandpromenade nördlich des Dorfes und wärmen unsere Resten von gestern. Rui isst zwar nichts, ist dann aber plötzlich fit genug, als es auf zum Strand geht. Eine gute Stunde wird gesändelet und in den Atlantik geblickt.

    5. März: Fiebrige Jungs
    Klar hoffen wir alle, dass die Kinder diese Grippe, an der Roger vier Tage hatte, schneller überstehen. Rui ist aber heute noch gar nicht fit. Und Luo hat in der Nacht ebenfalls noch Fieber gekriegt. Morgens in der Frühe ist das Fieber so hoch, dass ihm beinahe schlecht wird. Da hilft nur noch ein Dafalgan-Zäpfli, Geschrei gegen Zäpfli hin oder her! Es nützt und den Rest des Tages ist Luo eher der Fittere als Rui. Natürlich fahren wir so nicht weiter, auch wenn Roger und ich schon erwartungsfroh Reiseführer lesen. Spanien und vor allem Portugal locken sehr.
    Morgens wird rumgelegen (Kinder), gepflegt und gehätschelet (Eltern). Nachmittags will Rui die Velos runterholen. Es regnet nicht mehr, für ein paar Stunden scheint gar die Sonne. Das mit dem Velofahren ist eine gute Idee, die Jungs sind richtig bei der Sache und düsen auf dem grossen Camping herum – wir hinterher. So sind sie dann müde, die Gelegenheit zum Veloputzen wird genutzt, der ganze Staub der letzten ungebraucht mitgefahrenen Monate auf dem Veloständer (seit anfangs Januar) beseitigt. Anschliessend legen Rui und Luo sich neben mich auf die Picknickdecke. Ich lese Portugal-Reiseführer. Roger versucht derweil seinen Doraden-Stachel der Rückenflosse in seinem Finger herauszuoperieren. Zum x-ten Mal, denn das Teil sitzt seit Saouiria fest (4. Januar, 60 Tage!). Wider Erwarten hat er heute Erfolg und der halbcentimetrige Knochenteil kann geborgen werden. Gut so, in Spanien hätte er dann wohl von einem Doktor rausgeschnitten werden müssen.
    Abends regnet es in Strömen. Der Camping ist wieder voll(er Rentnern in dicken Mobilen). Mal sehen, ob wir morgen hier fortkommen/-können!
    Heutiger Höhepunkt ist übrigens ein Teller Erdbeeren, den ein fahrender Händler von den nahen Plantagen verkauft.

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  • 06Mar 2013

    141 Asila 06.03.2013 Marokko —

    Asilah, Marokko

    Beschreibung

    6. März: Regenwetter zum Abschluss in Marokko
    Schon früh sind alle aufgewacht. Nach einer regenreichen Nacht ist der Himmel wolkig, aber mit blauen Stellen. Nachts hatte es so „geschifft“, dass unser Problemfenster plötzlich wieder undicht war. Ebenfalls begann das Fenster bei der Schiebetüre zu rinnen. Roger wollte nach draussen und notfallmässig mit Klebeband abdichten. In Spanien gibt es dann sicher Klebkit und also werden die Fenster neu abgedichtet werden müssen. Um um den Bus herumgehen zu können, brauchte Roger bei dieser Aktion gute Schuhe: Der Bus stand beinahe komplett in fünf Zentimetern Wasser!
    Morgens sind die Kinder unerwartet fit. Wir beschliessen weiterzufahren und uns Assilah anzusehen und da einen Marokko-Abschlusstag zu machen. In der kleinen Stadt angekommen machen wir einen Bummel durch die weissgetünchte, verschlafene Innenstadt. Schon relativ früh haben alle Hunger, die Jungs natürlich gestern nur wenig gegessen. Wir finden ein gutes Restaurant mit für Marokko gehobenem Standard und natürlich auch gehobenen Preisen. Es hat wieder zu regnen begonnen und unserer Gesundheit tut es momentan sicher nicht schlecht, irgendwo in einem anständigen Raum zu essen. Die Tajine schmeckt, wir geniessen sie als unsere letzte auf dieser Reise. Davor gönnen wir uns eine frittierte Fischplatte, die alle superlecker finden und so grosszügig ausfällt, dass sie alleine schon beinahe gereicht hätte (zumal da die Hungerigen noch nicht wieder die alten sind). Nach einer grossen Mittagspause kämpfen wir uns noch einmal durch die windig-regnerischen Strassen um im überdachten Souk in der Neustadt Wasser und Gemüse einzukaufen.

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  • 07Mar 2013

    142 Regen und Sturm 07.03.2013 Spanien —

    Algeciras, Spanien

    Beschreibung

    7. März: Gar nicht so einfach, das Land Marokko und den Kontinenten Afrika zu verlassen
    Wieder sind wir früh unterwegs. Die Autobahn führt uns nach Norden. Da wir, bedingt durch die sparsame Lebensweise mit Patienten in der Familie, noch viele Dirhams haben, müssen wir uns aber noch vor Ceuta ums Wechseln oder Verbrauchen kümmern. Eigentlich wollen wir zu Marjane Tanger und dem Mr. Bricolage daneben, doch da heute unsere Lisa hartnäckig streikt, wird daraus nichts. Die Letzte Tankstelle an der Autobahnumfahrung von Tanger verpassen wir ebenfalls. So fahren wir dann am Abzweiger Ceuta vorbei ins wenig weiter östlich liegende marokkanische Dörfchen. Ohne Quittung und wohl etwas dubios kann ich da in einer Bank unsere Dirhams in Euro umwechseln. Frohgemut fahren wir danach doch noch nach Ceuta. Der Zoll vor der Stadt klappt reibungslos, sowohl ist der marokkanische weniger chaotisch als bei der Einreise, als auch die Spanier weniger misstrauisch als befürchtet. Leider regnet es danach und kombiniert mit dem erfolglosem Suchen nach einem Parkplatz etwas desillusionierend. Wir hätten uns die geschichtsträchtige Stadt eigentlich gerne angeschaut, und Hunger haben wir auch. Gleichzeitig sind die Spanier schon eine Stunde später im Tag und wir also plötzlich auch. Das Fährticket zu bekommen ist problemlos. Also fahren wir Richtung Verladestation. Da aber erwartet uns Folgendes: Sehr viele WOMOs stauen sich schon bei der Einfahrt. Unser Schiff sehen wir gar nicht, da wir noch in der Schlange stecken, fährt es ohne uns. Die Schlange ist gross, die Stunden verrinnen. Die Womoleute kommen ins Gespräch. Wir erfahren, dass heute aufgrund des schlechten Wetters ab Tanger und dem neueren Hafen Tanger Med keine Fähren fuhren und alle Leute hierhin geschickt wurden. Ceuta, das mehr im Osten und also mehr am Mittelmeer liegt hat ruhigere See und die Schiffe fahren. Der Regen hat wieder eingesetzt. Wir lernen alle rund um uns herum kennen: Eine französische Familie, deren fast-Jahresreise erst nach Weihnachten begonnen hat. Zwei Walliser mit einem tollen James-Cook Bus hinter uns. Zwei Deutsche mit Pickupaufbauwohnmobil neben uns. Irgendwann „reicht“ es, inzwischen sind schon fünf Stunden vergangen, ohne dass uns jemand der Fährgesellschaft informiert hätte. Mehrmals gehe ich nach vorne, andere Leute begleiten mich. Zuerst ist nur die Polizei da, die uns aber nicht wirklich weiterhelfen kann. Dann kommt um sieben ein Schiff, einige von uns haben das Glück und können mit. Die Leute der Fährgesellschaft Acciona halten sich bedeckt, sprechen natürlich nur Spanisch… Mit meinen wenigen Worten Spanisch, Italienisch und einem Italiener als Hilfe (unser spanischsprechende Franzosenfamilienvater hat das Siebenuhrschiff erwischt) kriegen wir die Info, dass um zehn ein Schiff fahre. Solange machen wir uns ein Abendessen im Bona. Rui geht es wieder nicht gut, er „hängt“ nur rum, will nichts essen, schläft auf dem Stuhl ein. Um zehn kommt dann wirklich eine grössere Fähre und wir kommen (mit etwas Drängeln) drauf. Die Überfahrt ist weniger rauh als befürchtet. Um Mitternacht sind wir auf der anderen Seite: Europa! Wie die meisten anderen Womos fahren wir zum nahen Lidl-Parkplatz für das heutige Nachtlager. Die Jungs schlafen, noch bevor wir recht von der Fähre runter sind. Roger und ich genehmigen uns trotz der späten Stunde ein Bier und plaudern noch lange mit Christof (Pickupdeutscher).

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  • 08Mar 2013

    143 Bei den Surfern 08.03.2013 Spanien —

    Barbate, Spanien

    Beschreibung

    8. März: Schinken mit Brot
    Nach dem Aufwachen geht Roger frohgemut zum Lidl hinüber: Schinken will er kaufen, oder Bratspeck. Roger hat das Schweinefleisch schon vermisst. Für mich ein Körnchenbrot und zur Freude der Jungs einen grossen Kübel Griechisches Naturejoghurt. Was für ein Frühstück! Danach spielen Rui und Luo in ihrem „Zimmer“ Hausbauen und Mina und Gian bekochen. Roger kauft Klebkit im nahen Baubedarfshop und Lackstift beim Autozubehörshop (gegen den Steinschlag auf der Motorhaube). Wir plaudern lange mit Martina und Christof vom Pickup, die neben uns übernachtet hatten. Übrigens war es mal wieder eindrücklich, wie klein die Welt der Traveller manchmal ist: Rositta und Oski mit der Bündernummer waren bis heute Morgen hier, da in Südspanien wegen der sintflutartigen Regenfällen in den letzten Tagen nicht wirklich ans Fahren zu denken war.
    Gegen Mittag klagt Rui über starke Ohrenschmerzen (links), bald weint er nur noch. Wir geben ihm ein Paracetamolzäpfchen, das ja auch entzündungshemmend ist und vor einigen Tagen rechts gut gewirkt haben. Hier in Spanien ist es nicht mehr so wild, da können wir ja auch, sollten die Schmerzen nicht zurückgehen, zum Arzt (wäre auch in Marokko möglich gewesen, klar, aber komplizierter). Dann fahren wir ab Richtung Westen und finden in El Palmar einen Parkplatz, der eigentlich gebührenpflichtig wäre (wenn jemand da wäre, das Geld einzutreiben, im Frühling kaum je) und auf dem schon ein deutscher Surfer steht. In der nahen Bar kriegen wir Tapas gegen unseren Hunger. Für uns verblüffend, wie viel Alkohol in so einer Bar rumsteht und getrunken wird, das sind wir uns nicht mehr gewohnt. Wiederum klappt die Kommunikation mit den Spaniern ziemlich gut. So gut, dass der Herr in der Bar sogar versteht, als wir ihn fragen, ob wir unser Kassetten-WC entleeren dürften und einwilligt (nicht gerade freudestrahlend, versteht sich).
    Nachmittags ist Rui ein richtiger Patient. Wir bummeln noch etwas den Strand entlang und machen dann ein gutes Abendessen. Früh gehen alle ins Bett, Luo sogar vor dem Essen. Um elf Uhr werden wir Eltern wieder geweckt. Aber nicht, wie befürchtet von Rui, sondern von Luo. Der schreit vor Bauchkrämpfen. Nach einer Stunde auf Mamis Schoss legt er sich neben den schlafenden Papi und schläft gleich ein. Den Rest der Nacht hat er Ruhe. Ich lege mich zu Ruis Verwirrung wieder einmal ins Kinderzimmer.

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  • 09Mar 2013

    144 Fenster 09.03.2013 Spanien —

    Almonte, Spanien

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    9. März: Und erstens kommt es anders, und zweitens…
    Trotz aller nächtlichen Probleme sind alle zum Frühstück wieder fit. Also wagen wir dennoch die Fahrt nach Cadiz, das wir uns ansehen wollen. Die wohl älteste Siedlung Europas war Basis zweier Reisen von Kolumbus. Sie liegt auf einer Halbinsel, die wir entlangfahren und am äusseren Ende, in der Nähe des Containerhafens einen Parkplatz finden (dank WOMO-Führer). Doch, hier lässt es sich übernachten, denken wir. Dazu soll es aber nicht kommen. Nach nur einer halben Stunde Spaziergang dem Atlantik entlang, vorbei an Spaniern, die das Wochenende geniessen, vorbei an Joggern, die ansteckend wirken, vorbei an schön angelegten Parks, europäischen Häusern, Strassenabschlüssen, Randsteinen und allem Möglichen, das wieder eher neu für uns ist. Also, nach einer halben Stunde klagt Luo wieder über Bauchweh. Es geht ihm gar nicht gut und wird auch bei einem Halt in einem Parkcafé mit Essen und Trinken nicht besser. Wir tragen ihn abwechselnd nach Hause (der Kleine ist schon schwer, zwanzig Kilos trägt man nicht mehr so leicht). Im Bona schlafen beide in den Kindersitzen (wenn auch nicht lange, Luo leidet nachher wieder), währenddessen wir weiterfahren. Die Kühlbox füllen wir auf, den Bona waschen wir ebenfalls auf dem Weg die eine Seite der Doñana entlang Richtung Norden, nach Sevilla wieder hinunter in den Süden. Beim Naturpark Doñana, genauer dem Dorf El Rocio gehen wir in einen Camping, um wiederum zu warten, bis unsere Söhne wieder richtig gesund sind. Rui meint zwar: „Ihr händ doch gseit, dass i dem Land d Campings wieder viel z tüür sind.“ Aber dennoch, hier können wir gesunden, waschen, Bona flicken… Nicht mehr heute, allerdings, es ist schon nach 19.00 Uhr. Beim Abendessen schlagen alle zu, sogar Luo, diesmal er unter der Wirkung von Zäpfli.

    10. März: Bonafenster
    Zeltplatztag ist angesagt. Meist heisst das bei uns auch Arbeit. Heute wird gewaschen. Es hat zwar einen Tumbler, wie öfter in Europa, aber er trocknet nicht trocken. Also muss danach doch noch alles aufgehängt werden. Den Tag hindurch regnet es nicht. Und das ist gut so: Die beiden grossen Fenster werden ausgebaut, das heisst mit vereinten Kräften herausgerissen. In minutiöser, mühsamer Kleinarbeit wird der klebrige Kit abgelöst und Fenster und Bonakante gesäubert. Anschliessend trägt Roger den neuen Kit auf und die Fenster werden eingesetzt. Der nächste Regen wird den Erfolg beweisen. Aus welchem Grund die Fenster undicht waren, ist immer noch nicht klar. Nun sind sie aber mit Kleber neu montiert und alle werkseitigen Schrauben neu abgedichtet.
    Rui und Luo spielen morgens, helfen gegen Abend die Wäsche zusammen zu legen: Socken und andere kleine Dinge klappen schon gut. Rui hört im Verlaufe des Tages immer schlechter. Dies erstaunt nach den letzten Tagen eigentlich nicht, ist aber natürlich einschneidend in seine Art zu sein, hat momentane unoptimale Einwirkungen auf den Charakter etc., wie gehabt also. Wir hoffen, dass diese hörarme Zeit nicht allzu lange dauert… für ihn und für uns.

    11. März: Westerndorf El Roccio
    Als wir morgens davon sprechen ins Dorf zu gehen, meint einer der Jungs: Aber mit Velo. Das ist eine gute Idee, meinen wir. Zeit, die Velos aus dem „Winterschlaf“ auf dem Veloständer zu nehmen und also in den nächsten Monaten wieder mehr zu benutzen. Die Velotour durchs Dorf wird zum Erlebnis. El Roccio hat keine asphaltierten Strassen, jeder besitzt hier ein Pferd, viele Kutschen. Die meisten Häuser sind zwar Ferienhäuser. Dennoch, die Atmosphäre ist speziell. Wie ein Westerndorf! Die heftigen Regen der letzten Tage haben den Sandpisten aber heftig zugesetzt. Rui und Luo sind froh, ein Montainbike zu haben: Schlaglöcher, Pfützen. Roger und ich haben auch zu tun: Manchmal müssen wir die Jungs durch Schlamm stossen. Irgendwann sind sie dann auch müde, die Grippe ist noch nicht lange her. An der Uferpromenade des kleinen Sees finden wir ein windgeschütztes Örtchen für ein Mittagssandwich. Überall grasen Pferde, inmitten von grossen Pfützen, die die Felder bedecken.
    Abends unterhält sich Roger lange mit zwei älteren Engländern, die lange in Südafrika gewesen waren und am Ende (vor Jahren) per Auto über den Landweg zurückfuhren. Das sind Geschichten, dagegen ist unsere Reise der reinste Spaziergang…

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  • 12Mar 2013

    145 Algave-Tourismus 12.03.2013 Portugal —

    Vila Real de Santo António, Portugal

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    12. März: Hallo Portugal
    Oje, das grosse Schiebefenster ist doch nicht dicht! Warum bloss? Am nächsten trockenen Tag wird Roger eine komplette Kitfuge um den Rahmen ziehen. Wenn das dann nichts bringt, kann es nur noch am Fenster selbst liegen…
    Heute ist wieder richtig schlecht Wetter. Der ganze Zeltplatz steht unter Wasser. Wir fahren also weiter, Richtung Portugal. Auf dem Stellplatz in Vila Real de San Antonio treffen wir auf viele Wohnmobile, die für 6 Euro hier übernachten. Auch Rositta und Oski sind mit ihrem Lastomobil hier. Für das Mittagessen machen wir uns auf den Weg in die Innen“stadt“. Nicht ganz billig essen wir Paella, wie es sich gehört mit Muscheln, Crevetten, Poulet, Reis, Pepperoni etc. Jetzt wird die Konversation mit den Einheimischen wieder richtig problematisch. Viele Portugiesen (ausserhalb der Tourismusrouten) sprechen kein Englisch. Spanisch funktioniert noch am besten…
    Da es inzwischen aufgehört hat zu regnen, machen wir einen langen Spaziergang durch die Stadt und an der Promenade des Grenzflusses entlang bis alle müde sind. Dabei kaufen wir eine portugiesische SIM-Card fürs Internet, schliesslich müssen wir langsam aber sicher mit der Organisation des Sesshaftwerdens beginnen. Heute Abend haben wir aber vorerst noch nicht ernsthaft daran gearbeitet, sondern mit Rositta und Oski bei einem Glas Wein in ihrer für uns riesigen Salonecke geplaudert.

    13. März: Velotour nach zum Meer
    Heute werden abermals die Velos runtergeholt. Auch die Trotti-Schrotti kommen in den Einsatz: verrostet und verbraucht wie sie sind, warten sie auf das Ersetztwerden. Gerade kräftesparend ist das Vorwärtskommen mit ihnen nicht mehr, deshalb sind auch Roger und ich abends sehr erschöpft. Zuerst fahren wir gegen Norden, bis aber der Veloweg schon allzubald aufhört. Also drehen wir nach Westen. Hier haben wir mehr Glück. Manchmal ist der Radweg zwar nicht wirklich von der Strasse abgetrennt, aber wenn wir mit den Kickboards ganz nahe an den Jungs rollen, können wir sie genügend gut überwachen und fühlen uns mit ihnen so einigermassen wohl. An die fünf Kilometer weit kommen wir. Dann sehen wir zuerst einen Spielplatz, dann den noch leeren Strand eines Algarve-Ferienortes, dann die Uferpromenade desselben. Lange wird an allen drei Orten gespielt. Unsere Jungs sind viel selbständiger geworden, Europa scheint ihnen Sicherheit zu geben. Vor allem Luo liebt es mit seinem Mountainbike auf dem Holzsteg Anlauf zu nehmen und in den Sand hineinzugleiten. Amüsant zuzusehen, auf was für Spielideen sie kommen.
    Abends hat Luo extreme Kopfschmerzen hinter der Stirne. Wir vermuten, dass er die Stirnhölen entzündet hat, was dazu passt, dass Rui parallel dazu wirklich nur mehr sehr wenig hört, also auch die Höhlen verstopft hat. Mit warmen Wickeln auf den Kopf, Pulmex und viel Mami schläft er irgendwann ein. Oschi und Rui bauen währenddessen ein super Legohaus im Kinderzimmer. Unser Bona ist für uns so gross geworden, dass auch längere Aufenthalte darin nicht mehr zum Problem werden. In einer Wohnung werden wir uns ja dann richtig verlieren…

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  • 14Mar 2013

    146 Picknickplatz am Bach 14.03.2013 Portugal —

    Portugal

    Beschreibung

    14. März: Flotti-Trotti ersetzten die Schrotti-Trotti
    Auf dem Weg weg von der Küste ins Landesinnere sehen wir von Weitem ein grosses Einkaufszentrum. Ich denke mir: Es ist Frühling, vielleicht haben die Trottis? Und wirklich: Wir erstehen supergünstig (da Aktion) zwei Kickboards mit grossen Rädern à la Nani. Hiermit sollten auch Kopfsteinpflaster und gut trockene Pisten machbar sein. Roger baut noch im Laden beide Trottis zusammen und will von seinem gar nicht mehr hinunter, kurvt durchs Einkaufszentrum. Wenn man bedenkt, dass er eigentlich damals gar nicht so begeistert von der Kickboardlösung war, als klar wurde, dass vier Velos unseren Veloständer - und vor allem die Flügeltüre - sprengen würden…
    Im selben Einkaufszentrum finden wir Ersatz für den Teil unserer Wäsche, den wir nun, nach gut acht Monaten wirklich kaum mehr unter Leuten tragen können.
    Danach rollt Bona fröhlich bis Saõ Bras de Alportel, wo wir in der Toursimusinformation Wanderroutenprospekte und einen Tipp für einen Nachtplatz kriegen. Im selben Städtchen wechseln wir endlich den Luftfilter des Bonas, der neulich bei einer Roger-Inspektion in die Brüche gegangen war. Der Nachtplatz, den wir alsbald erreichen, begeistert: Ein Picknickplatz mit Feuerstellen, ein Bach, Spazierwege und sogar noch einen letzten Rest Sonne.

    15. März: Fonte Ferrea und füürlä uf äm Füür
    Entgegen unseren Erwartungen verlaufen sich die Wanderwege an der Fonte Ferrea, unserem schönen Picknickplatz, ins Nichts. Also spazieren wir entlang der wenigen Meter und geniessen den Korkwald der Umgebung. So haben wir wenigstens genug Zeit zum Füürlä! Die Pouletbrüstchen und das Gemüse schmecken hervorragend. Wie lange ist es her, dass wir das letzte Mal im Wald gegrillt haben? Portugal sagt uns zu! Rui und Luo spielen am Bach und geniessen es, dass wir aus der Region der Wasserknappheit weg sind. Wasser ist doch wirklich ein tolles Spielzeug! Ebenfalls hervorragend ist der Kaffee, der in der kleinen Kneipe am Rande unseres Nachtplatzes serviert wird.
    Da auf morgen wieder Regen angesagt ist, versucht Roger noch einmal das Fenster dicht zu kriegen und Kittet rund um den Rahmen herum. Wir hoffen das Beste!

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  • 16Mar 2013

    147 Baden 16.03.2013 Portugal —

    S. Brás de Alportel, Portugal

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    16. März: Churros, Poulet und Hallenbad
    Wieder in Europa zu sein ist wirklich auch sehr schön. Erst, wenn man zurück kommt aus anderen Landen, merkt man (wir) das: Die Strassen sind makellos hier, alles ist sauber, man kann tun und lassen, ohne gleich angesprochen zu werden, man wird also alleine gelassen. Wir schätzen das richtig, jetzt. Und wir freuen uns auf unser kleines Europareisli, das noch ansteht und in dem wir all diese Annehmlichkeiten geniessen werden.
    Morgens verlassen wir den Picknickplatz bei Fonte Ferrea und fahren wenige Minuten hinunter nach Saõ Bras de Alportel zurück. Den grossen Parkplatz, den wir für Bona finden, stellt sich als Hallenbadparkplatz heraus. Vielleicht was für später…?
    Zunächst aber spazieren wir Richtung Zentrum des Städtchens. Der erste Halt gilt einem Spielplatz. Rui und Luo toben sich aus. Schön, dass über die Strasse ein Kaffee ist, bei dem Roger zwei Espressi holt. Die sind in Portugal spitzenmässig, besser scheint uns gar als in Italien und bei einem Preis von 0.6 Euro passen einige davon ins Budget ;)
    Anschliessend suchen wir Schuhgeschäfte und finden sogar Wanderschuhe „prova d’agua“ für mich. Meine eigentlich noch neuen haben das Profil in der Wüste gelassen und waren am Ende eher mit Schlittschuhen zu vergleichen. Das neue Paar hat übrigens 57 Euro gekostet und war damit mit Abstand das teuerste im Laden. (Die Kinderwanderschuhe in Italien waren ebenso teuer, die von Roger wohl den zwei bis vierfachen Preis!)
    Vor dem Wochenmarkt steht ein Lieferwagen und verkauft frisch frittierte Churros und anderes frittiertes portugiesisches Gebäck. Das Kosten davon lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Wie anders auch der Fischmarkt im Wochenmarkt aussieht… (Wohl auch dank der Hygienebehörde der EU.) Als wir dann beim Laden an der Ecke ein gegrilltes Poulet kaufen wollen, ist der geschlossen, obwohl gemäss Schild an der Türe sollte er offen sein… 11.45 Uhr Öffnungszeit? Ist es wohl möglich, dass wir neben den Portugiesen her leben und nicht gemerkt haben, dass die marokkanische Zeit haben? Tja, jetzt werden uns einige Beobachtungen der letzten Tage klar! So machen wir noch einen Spaziergang und kehren dann doch mit Poulet bestückt zum Bona zurück. Mhmhm, mit Kopfsalat, den wir in Marokko so sehr vermisst hatten, ein Gedicht!
    Nach der Mitagspause geht es zum nahen Korkmuseum. Spannend, die beschriebene Korkbearbeitung, die Trachten von Früher, die Diashow. Schade nur, dass alles NUR auf Portugiesisch ist – und eigentlich erstaunlich, ist an der Küste doch alles auf internationalen Tourismus ausgelegt und wir keine Dreiviertelstunde entfernt.
    Als wir das Korkmuseum wieder verlassen, schüttet es erneut, das Regenwetter ist also zurückgekehrt. Nichts wie ab ins Hallenbad, denken wir. Doch: Badekappen obligatorisch. Und woher kriegen wir die Samstagnachmittags? Zum Glück ist die Angestellte der Piscina Municipal findig und holt vier Kappen aus der „Lost and Found“-Kiste. Rui gibt mir begeistert und überwältigt einen Kuss: „Danke, Mami, dass wir nun doch baden gehen können.“ Es ist dann auch wirklich eine Freude, den Kindern zuzusehen: Rui taucht, springt ins Wasser, schwimmt einige Züge, kehrt selbständig an den Rand zurück, atmet ein und aus und ist wieder weg. Streng nur für die Aufsicht-schiebende erwachsene Person. Luo nimmt es zuerst etwas gemütlich, klammert sich an seine Schwimmnudel, schwimmt damit aber ebenfalls selbständig im Becken herum. Bis am Schluss ist auch er immer wieder mit dem Kopf unter Wasser, ohne, dass ihm das gross was auszumachen scheint.
    Das Nachtplätzli finden wir, nach einiger Irrfahrt, gar nicht weit Weg.

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  • 17Mar 2013

    148 Regenwanderung 17.03.2013 Portugal —

    Alte, Portugal

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    17. März: Wanderung ins Wasser gefallen
    Schon vor dem Aufwachen wird klar, dass der Wetterbericht recht hatte. Es schüttet aus Kübeln! Pfützen bilden sich überall. Später lässt es etwas nach und so beschliessen wir, die Wanderung im nahen Parises zu wagen. Zehn Kilometer wären es gewesen, wunderschön durch Landschaft, Korkwälder, an Flüsschen entlang. Leider werden wir zweimal von solchen Regengüssen überrascht, dass wir alle triefen. Wenn es hier regnet, dann aus Kübeln. Danach ist es jeweils wieder für einige Zeit wärmer und heller, bis das Wetter die neuen Wolken gebracht hat… Wir kehren also um, gehen durchs Dorf und versuchen es auf der anderen Seite, mit gleichem Erfolg. Also nichts wie ab in den Bona, inzwischen durchnässtes Picknick wieder auspacken, alle nassen Dinge aufhängen.
    So fahren wir dann weiter, nach Alte. Das Dörfchen begrüsst uns milder. Der angesteuerte Parkplatz ist schon voller Womos. An der Quelle hat unser Bus aber noch Platz (zu eng für richtige Womos). Ein Spaziergang liegt wieder drin, gekrönt von einem Espresso in der Bar nahe unseres Plätzchens.
    Puh, es ist Abend, endlich. Im Zeichen des Wassers haben wir heute gelebt, respektive in den Zeiten dazwischen. Rui hat heute wieder einmal einen Hör-Tiefpunkt gehabt. Gefährlich, je selbständiger er wird, da er die Autos nicht hört, nicht mitkriegt, wenn wir um die Ecke biegen etc. Wenigstens hat sich sein Charakterzustand noch nicht verschlechtert, vielleicht kann er seine Ausgewogenheit diesmal einigermassen behalten?

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  • 18Mar 2013

    149 Wanderung auf den Rocha da Pena 18.03.2013 Portugal —

    Portugal

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    18. März: Sonnenschein auf dem Rocha da Pena
    Mit Portapottyleerstop bei den Sanitarios (WCs) bei den Womos und einem Supermaktstopp kommen wir gegen Mittag ins nahe Rocha da Pena. Herzerwärmend scheint heute die Sonne und so brechen wir zu einer Wanderung auf den Hügel hier auf. Eine umfassende Aussicht auf das Hinterland der Algarve wartet auf uns. Rui hat die schlechte Laune nun doch noch erwischt. Jömmerlä, Heulsusi und alles ist heute drin, komisch, wo er doch wieder besser hört, heute.
    Nach vielen Stunden Sonne, vielen gesungenen Liedern, einigen Kilometern und Höhenmetern, einem feinen Picknick und einem Kaffeehalt im nahen Resti (leider Jahreszeitenbedingt ohne Glacé) kommen wir gegen Abend beim Bona an. Hier bleiben wir. Die Jungs können mal wieder vor dem Bus spielen, denn die Pfützen sind getrocknet.
    In dem bis zu 50 m hohen Felsband hat es schöne, gut abgesicherte Sportkletterrouten. Falls es das Wetter zulässt, werden wir morgen klettern gehen ...

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  • 19Mar 2013

    150 nix mit Klettern / Portimao 19.03.2013 Portugal —

    Portimão, Portugal

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    19. März: Klettern ins Wasser gefallen
    Der Kletterrucksack, den Roger gestern noch aus dem Kofferraum geholt hat, muss wieder versorgt werden. Es schüttet. Eine weitere Kletterei, die wir auf unserer Route ungewollt verpassen. Wir fahren los. Es gilt wohl wirklich unsere Route zu überdenken und eine Wüstwettervariante zu erarbeiten. Dieses hält sich nämlich extrem hartnäckig, auch wenn das für März nicht üblich ist. Aber wie wir hören, ist es in ganz Europa nicht besser. Mit wenig Hoffnung auf einige regenfreie Minuten rollen wir nach Silves, stellen den Bona ab und: Sonnenschein! Und das nach einer Fahrt mit höchster Schweibenwischfrequenz! Die Maurische Burg oben auf dem Hügel wartet auf uns. Der Ausblick ist schön, die Geschichte faszinierend. Die Kreuzritter haben uns wieder, die Mauren ebenfalls. Gut, dass wir das Kombiticket mit dem archäologischen Museum gelöst haben, denn die ersten Tropfen fallen alsbald wieder. Dann ist es schon Zeit für ein Mittagessen: Eine gutbürgerliche Küche verspricht der Reiseführer für das Ristorante Ponte Romano. Wir sind begeistert: Lamm, Entrecôte, Stockfisch. Wir vertilgen alles begeistert (Im Restaurant ist eine Carladung von CH-Touristen, die eine Woche in den Algaven wandern wollten. Ihr Programm ist auch so richtig ins Wasser gefallen…). Zum Kaffee, Kuchen und Glacé kehren wir ins Ortszentrum zurück. Auch hier sollte jeder zufrieden sein, sollte man meinen, schliesslich kriegt jeder seinen Wunsch. Unsere kleinen Herren sind es aber nicht. Undankbare Geschöpfe, momentan!
    Dann geht es nochmals weiter, Bona und auch die Scheibenwischer haben wieder was zu tun. Zweimal muss Roger heute raus und von aussen die Fahrerin unterstützen. In Portugal sind die Strassen in den Dörfern teilweise sehr eng. Zum Glück haben wir kein Womo mit je 20cm mehr auf jeder Seite.
    Angekommen in Portimao ist es kaum zu glauben, dass unsere Kinder schon wieder auf nicht sehr positive Art auf sich aufmerksam machen: streiten, unkonzentriert Becher ausleeren, jammern, motzen. Roger und ich wollen uns das nicht mehr gefallen lassen und treten in den Elternstreik. Sie sollen nichts mehr von uns wollen, heute und uns in Ruhe lassen. Wir packen derweil das Optimieren unserer Isolierinnenverkleidung des Führerhäuschens für die Nacht an, was schon lange nötig wäre. Der Abend verläuft friedlich, die Jungs spielen so schön, wie schon lange nicht mehr, behelligen uns nicht in unserem Streik. Wir staunen. Was heisst das für morgen?
    Und das Wetter, wie wird das morgen? Rui hat heute gefragt: „Wiä viel Wasser hät de Petrus eigentli no?“

    20. März: Fischkonserven und Flotti Trottis
    Nach einem kurzen Schauer am Morgen scheint dann das versprochene bessere Wetter durchzubrechen. Wir satteln die Velos und Flottis und ab, der Promenade entlang Richtung Portimao Marina. Dann weiter den Rio hinauf, weil es gerade so gut läuft. Vorbei an Watt-Flusslandschaft und vielen Kaffees, Restis und anderem, die jetzt im März angenehm ruhig sind. Irgendwann kehren wir dann doch um und fahren wieder flussabwärts bis zum Museum von Portimao. Dieses ist museumspädagogisch hochstehend! Dreiteilig die Ausstellung: Ein grosses Modell von Steinzeitmenschen und ihrer Bauweise, Werkzeugherstellung und Leben, anschliessend geborgene Fundsachen aus dem Meer von den Römern und als drittes: Die Fischkonservenfabrik. Die Räumlichkeiten des Museums sind die alten Gebäude derselben. Alle Maschinen sind in einfacher Ausführung zu bestaunen: Der Förderkran vom Pier her, die Tröge, an denen die Sardinen ausgenommen wurden, als nächstes der Ofen, die Konservenbüchsenmaschine, die Verpackungsanlage, die Sterilisationsanlage. Und wie viele Leute hier gearbeitet haben mussten. An jeder Maschine mehrere, noch viele Handgriffe wurden von Menschenhand ausgeführt. Rui und Luo sind fasziniert und am Ende des Rundgangs spielen sie gleich alles: Sie bringen die immaginären Mina und Gian in die fabrikeigene Kinderkrippe, bevor sie abstempeln und arbeiten gehen.
    Hungrig fahren wir nach dieser geballten Nahrung für den Kopf noch einmal flussaufwärts und staunen, wie schnell wir auf diese Art „motorisiert“ vorwärtskommen. Wir bestellen das Tagesmenu in einem Promenadenrestaurant, die Sonne scheint und mit Windstopper ist es sogar gemütlich draussen zu sitzen. Leider werden die Crevetten kalt serviert, was meine Männer allesamt sehr enttäuscht. Die Sardinen sind dagegen schmackhaft, der Salat ebenfalls. Roger und ich kosten den „Verde“, spritzigen portugiesischen Wein. Nach einem Mandellikör auf das Haus fahren wir gemütlich bis zum Stadtzentrum. Hier müssen wir einige Besorgungen machen. Ebenfalls wartet ein Spielplatz und danach ein leckerer Dessert in der Fussgängerzone.
    Am Womostellplatz fahren wir vorbei. Es wird zwar langsam Abend, ist aber noch zu schön. Am nahen Strand machen wir noch einmal einen ausgiebigen Halt, die Jungs bauen eine Sandburg und suchen Muscheln. Es ist schon halb sieben (portugiesische Zeit) als wir nach Hause kommen und immer noch hell. Der Frühling bringt’s wirklich!

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  • 21Mar 2013

    151 Schraube in Bonapneu - Bei den Surfern 21.03.2013 Portugal —

    Portugal

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    21. März: Schraube in Bonapneu, entdeckt auf dem Supermarktparkplatz
    Morgens fahren wir zu einem Supermarkt, wollen noch Brot und zweidrei andere Dinge kaufen. Als Luo und ich zurückkehren sehen wir die anderen zwei, wie sie besorgt das rechte Vorderrad betrachten. Eine kleine Schraube steckt darin. Die Schraube wurde ausgedreht und das Loch mit Seife bestichen – aus dem Loch kommen Blasen, der Pneu ist undicht. Roger holt sein Flickkit. Undichte Stelle ausfeilen und eine Reparaturgummi einziehen – nach fünf Minuten geflickt. So können wir dann alsbald weiterfahren. Es geht zum südwestlichsten Punkt Europas bei Sagres. Der Leuchtturm ist eindrücklich, die Steilklippen ebenfalls. Ganz genau werden im kleinen Museum die Modelle der Karavellen und anderen Schiffen der portugiesischen Entdecker betrachtet. Die Jungs versuchen sich vorzustellen, wie das ist, wenn abends das Leuchtturmlicht leuchtet. Mit Panoramablick essen wir nach einem Minispaziergang im Bona, der Wind weht hier etwas arg um es draussen gemütlich zu haben. Nach einer Mittagspause, die wir Eltern mit einem Schläfchen verbringen, fahren wir noch einmal zwanzig Minuten. Runter zu einem Surferstrand führt uns die Lisa. Schön ist es hier: Sicht auf den wilden Atlantik aus dem Bona heraus, Surfer in den Wellen, Unmengen Sand für die Jungs und Platz zwischen Klippen und Meer für einen Spaziergang. Aus Schwemmholz kann man viel machen, Rui fährt Ski, baut sich mit Roger ein Fernrohr und ein Steinbeil, Luo nagelt mit Mami ein Flugzeug zusammen.
    Abends beginnt die Sonne zu sinken und Roger ruft aus: „Jetzt goht denn d’Sunnä grad is Meer unter. So schön.“ Rui meint: „Nein!“ „Nein?“, fragt sein Papi. „Nein, so chalt!“ (Leider hat es übrigens dann unten doch Wolken, hinter der die Sonne verschwindet.)

    22. März: Pizza Berbère, Calzone oder einfach gefüllte Brötli auf dem Grill
    Weil es in der Nacht wieder sehr stark geregnet hatte, hatte ich den Wecker abgestellt und mein Joggingprojekt resigniert verworfen. Naja, auch weil aller Wiederanfang wohl schwer ist. Nach dem Frühstück scheint dann aber die Sonne so schön, dass ich doch noch losgehe. Wunderbar fühlt sich das Joggen an, schon ganz vergessen. Vergessen auch die zehn harten Minuten nach Minute zwanzig, die es durchzubeissen gilt. Geläutert und erholt komme ich nach einer Stunde zurück. Meine Männer haben schon abgewaschen (die Kleinen) und mir eine Solardusche aufgehängt (der Grosse). Diese ist allerdings noch kalt, was aber nach dem Joggen nur gut tut.
    Viele Surferbusse sind übrigens nicht mehr hier, viele sind gestern Abend abgefahren, die letzten gehen im Laufe des Tages. Die Wellen sind heute wohl zu gross. Dafür kommen neu Womoleute, sicher fünf mehr oder weniger „dicke“ Mobile.
    Rui und Luo spielen den ganzen Tag. Gestritten wird so ziemlich gar nicht. Aus einem angeschwemmten Palett wird ein Boot gemacht. Mit einem Seil wird es quer über den Strand beim Bachdelta gezogen. Mit Spielzeug und Picknickdecke entsteht die Inneneinrichtung. Alles heute ganz ohne Eltern. Ein Herz und eine Seele die zwei Kinder. Wir schauen währenddessen, dass wir unsere Idee des Grillens doch noch realisieren können und improvisieren ein wiederholungsverdächtiges Grillgut: Teig (leider ohne Hefe, mit Backpulver, unser Vorrat lässt uns im Stich), darin Gemüse, Salami und Schafskäse. Mhmhm, alle sind begeistert. Gegen Abend nehmen die drei Männer noch ein anderes Projekt in Angriff: Eine Steinbrücke über den Bach, mit Aufstauung des Wassers.
    Wirklich ein gelungener Tag!

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  • 23Mar 2013

    152 Campingtag - Waschtag 23.03.2013 Portugal —

    Portugal

    Beschreibung

    23. März: Grosse Päckli werden „geschnürt“
    Der Regen trommelt aufs Dach, der ganze Parkplatz steht unter Wasser. Erneut! Die drei Männer spielen sobald es wieder aufhört mit Gummistiefeln (Rui und Luo) im Bach, der nach den starken Regenfällen noch mehr angeschwollen ist.
    Irgendwann aber beschliessen wir doch zu gehen. Wir fahren Richtung nächster grösserer Laden und kaufen so wieder mal im Lidl ein. Die griechischen Joghurte sind auch wirklich spitze, die essen wir immer wieder gleich auf! Problemlos kriegen wir hier grosse Kartonschachteln für all unsere Dinge, die sich angesammelt haben und die wir nun endlich mal nach Hause schicken müssen. Bis zum Montag lagern die Pakete nun in unserer Führerhaus-Gerümpelkammer. Inzwischen regnet es übrigen wieder…
    Eine schöne Aussichtsfahrt ist es dennoch nach Lagos, über all die kleinen Lisa-Strässchen. Dort kommen wir zum Camping, wohin wir uns unsere ACSI-Campingcard 2013 schicken liessen. Damit fährt man in der Nebensaison auf gewissen Campings echt gut. Strenge Campingzeit steht uns bevor: Alle Wäsche waschen! Wir nehmen das Vorzelt hervor, damit der Wäscheständer im „Schärmen“ ist. Rui und Luo sind deswegen ganz aus dem Häuschen und freuen sich. Auch das Grillen unter dem Vorzelt (vor dem Wäscheaufhängen, natürlich) fasziniert sie. Der Stellplatz direkt neben dem Spielplatz kommt ihnen ebenfalls entgegen. Zum Glück herrscht wenigstens auf demselben Sand vor. Ver Rest des Campings droht im Schlamm zu versinken, die Sanitären Anlagen sind naja. Aber die Waschmaschine wäscht sehr sauber. Einige Wäschestücke erstrahlen in altem, nicht mehr gekanntem Glanz. Der Camping hier entspricht etwa einem mittelmässigen marokkanischen Camping, nur ist er trotz Campingcard ca. drei Mal so teuer!

    24. März: Zeltplatztag
    Auch heute nutzen wir die Freiheiten des Campings. Naja, das Verlassen desselben frühmorgens zum Joggen ist nicht ganz einfach, zum Glück finde ich den Nachtwächter, die verschlossenen Tore sind hoch… Die Küche wird nochmals farblich nachgebessert. Mittags essen wir deswegen draussen, auch wenn Faserpelz und Gilet notwendig sind. Nach einer ausgiebigen Dusche (für Roger leider nur noch kalt) spazieren wir zum Strand hinunter. Hier ist es zwischenzeitlich so warm und sonnig, dass wir uns in einem Kaffee frittierte Calamareringli leisten, auch wenn hier Touristenpreise herrschen. Aber den Sonnenmoment wollen wir feiern. Langsam ist dann wirklich genug mit den Regenfällen!

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  • 25Mar 2013

    153 Zoo und Evora 25.03.2013 Portugal —

    Evora, Portugal

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    25. März: Päckli versandt, wieder Platz im Bona
    Morgens verbringen Rui und ich viel Zeit bei „Correios“, der portugiesischen Post. Das Nach-Hauseschicken unserer überzähligen Dinge klappt, nachdem wir das Problem „portugiesische Absenderadresse nötig“ behelfsmässig gelöst haben. Luo und Roger erwarten uns im Bona, der am Rande einer hier typisch engen Strasse steht. Es geht weiter zum Zoo Lagos, wo der Schwerpunkt auf Affen und exotischen Vögeln liegt. Die Jungs sind konzentriert, hören gerne zu, wenn wir über die Tiere erzählen und zeigen ein schon breites Wissen. Vor dem Zoo kochen wir uns im Bona einen späten Boulgour-Eintopf-Zmittag und brausen dann los. Heute fahren wir an die vier Stunden. Es regnet wieder und diese wasserintensive Zeit können wir gut fahrend verbringen, damit wir dann, wenn (falls) es wieder besseres Wetter wird, Zeit für das haben, was wir jetzt gerne tun würden: Wandern, Velofahren, in der Natur sein. So kommen wir bis am Abend nach Evora. Alles steht auch hier mehr oder weniger unter Wasser, die Pfützen sind allgegenwärtig. Damit wir noch einmal aus dem Bona kommen, beschliessen wir auswärts essen zu gehen und uns vorher noch ein wenig die Beine zu vertreten. Letzteres fällt nach wenigen hundert Meter wieder ziemlich ins Wasser. Also los, dorthin, wo es so fein nach gebratenem Fleisch riecht. Eine lustige Kneipe haben wir da erwischt. Gut ist es, das Fleisch, die Fritten sind auch OK, der Preis ist sehr budgetfreundlich. Viele Portugiesen essen hier, es scheint ein Geheimtipp zu sein.
    Wieder zu Hause sind die Jungs ätzend, obwohl sie sich nur fürs Bett fertig machen wüssten. Aber erstens ist wohl bald Vollmond, zweitens schon zu lange schlechtes Wetter und auch wir deshalb wohl etwas unausgeglichen.

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  • 26Mar 2013

    154 Guarda in Portugal 26.03.2013 Portugal —

    Guarda, Portugal

    Beschreibung

    26. März: Guarda in Portugal
    Zeitweilen regnet es sogar gar nicht, als wir durch das Mittelalterstädtchen Evora schlendern. Ein plötzlicher Schauer in der Nähe der Kathedrale verleitet uns dazu, dort das volle Programm zu besichtigen: Turm, Kreuzgang, Kathedrale selbst. In der Fussgängerzone können die Jungs etwas herumspringen und aufgestaute Energie loswerden. Hier auf dem Kopfsteinpflaster sind die Pfützen kleiner und so bleiben sie dabei wenigstens einigermassen trocken. Dann aber schüttet es plötzlich wieder und wir kehren nass zum Bona zurück. Nach einer Stunde Autofahrt sind wir beim Lidl in Estremoz, wo wir uns was Feines zum Mittagessen machen: Gemüseeieromelett mit frischem Salat und Brot. Das Ausblasen der Eier mit der Henna-Spritze ist eine Show, nur von dreien bleibt die Schale ganz. Das reicht noch für keine grosse Osterdekoration.
    Die Fahrt durch das bergige östliche Portugal verläuft sich in Wolken, Nebel und unter Wassertropfen. Einige interessante Felsformationen lassen sich am Strassenrand blicken. Ansonsten kriegen wir leider nichts von der Gegend mit, die wir eigentlich gerne bewandert und beklettert hätten. Gegen Abend kommen wir in Guarda an. Nein, nicht im Engadin bei „Schällenursli“, wir sind nicht mit Schallgeschwindigkeit unterwegs. Guarda ist die höchste Stadt Portugals. Wir steuern einen grossen Park an, von dem unser Reiseführer einen grossen Spielplatz verspricht. Das Glück ist uns hold und der Regen hält für einige Zeit inne. Die Spielgeräte sind natürlich alle noch triefend vor Nässe, viel Klettereien deshalb unmöglich. Dennoch, draussen zu sein tut gut.

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  • 27Mar 2013

    155 Pfützen 27.03.2013 Spanien —

    Terradillos, Spanien

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    27. März: Zurück in Spanien
    Für heute ist der Wetterbericht in der Region Salamanca (Spanien) nicht schlecht. Also werden wir uns dorthin bewegen und vielleicht etwas trocken werden, bis es dann über Ostern scheinbar nochmals wirklich nass wird.
    Morgens wäre zwar nochmals Spielplatz angesagt gewesen, doch die Arbeitsmoral der Jungs ist immer noch sehr schlecht, schlagen und treten und blöd reden. Da haben weder Roger noch ich Lust, Rui und Luo auf die nassen Spielgeräte zu begleiten. Also direkt zur Entsorgungsstation, die wir in der Nähe entdeckt haben. In Europa scheinen diese Leerungsstationen schon recht häufig, nur muss man Glück haben, sie zu finden. Bisher haben wir noch nicht herausgefunden, wo sie verlässlich angegeben wären.
    Dann rauf zur Innenstadt von Guarda. Der mittelalterliche Stadtkern ist erstaunlich gross. Die Stadt wurde damals hier mit gutem Blick Richtung feindliches Spanien erbaut, um dieses im Auge behalten zu können. Allein, ein solcher Ausblick ist uns verwehrt. Die Wolken umgeben alles und machen alles nass, meist regnet es aber eigentlich nicht.
    Rui hat gestern vor dem Lidl 5 Euro gefunden (er nennt es Zettel) und lädt uns zu Kaffee und Kuchen ein. In der Pasteleria am Hauptlatz gibt es auch Meringues. Immer eine gute und von Rui geliebte Alternative zu milch-butter-rahmhaltigen Dingen, auf die er grösstenteils wirklich besser verzichtet. Nach einigen Tagen Europa hatte er erneut einen riesenhaft geblähten Bauch und gröbere Verstopfung. In Marokko lief die Verdauung gut, da lebten wir aber auch ohne diese Kuh-Dinge.
    Auf der Fahrt nach Spanien sehen wir heute etwas mehr als gestern. Die Wolken liegen höher, es regnet nur manchmal. Überall auf den Feldern steht Wasser. Das gleiche Bild seit unserer Rückkehr in Europa, nur noch ausgeprägter.
    Dreizehn Kilometer vor Salamanca machen wir auf in der Nähe eines WOMO-Ver-Entsorgungsplatzes Halt. Asphalt ist momentan das Beste, wir verbringen sowieso gezwungenermassen die meiste Zeit im Bona. In Terradillos haben wir Glück, ein grosser Parkplatz, beinahe leer und ohne Pfützen. Es regnet nicht mehr. Wir spielen Fussball und gehen sogar ein bisschen spazieren (zum Glück mit Wanderschuhe, abseits der Teerstrassen herrscht Pflutsch! Auch dort wo man es gar nicht erwartet. Steht man auf die Wiese bildet sich sofort eine Pfütze und man steht im Wasser …).

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  • 28Mar 2013

    156 Prozession 28.03.2013 Spanien —

    Salamanca, Spanien

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    28. März: Salamanca und Prozession
    Letztes Jahr um diese Zeit schrieben Irena, Eva und ich intensiv an der Masterthese. Das Wort SALAMANCA wurde dabei mehrfach geschrieben, zitierten wir doch aus einem UNO-Dokument, das in dieser schönen Stadt entstanden war. Und genau dahin sausten wir unter bedecktem Himmel. Wundersamerweise blieb der Regen heute mehrheitlich aus. Auf dem Weg in die Stadt hielten wir bei einem Hypérmaché um Ostervorräte zu bunkern. Bona liessen wir anschliessend nahe der Innenstadt auf einem Parkplatz bei einigen anderen Womos und Büsslis. Dann schlenderten wir in die schöne Altstadt. Viele Leute taten dasselbe, und bis am Abend wurden es immer mehr. Für Ostern scheinen sich viele Spanier genau diese Stadt als Ziel gesetzt zu haben. Schön sind die imposanten Gassen Salamancas anzuschauen. Rui und Luo hatten ihre Kinderrucksäcke mit Bandschlingen dabei, die eigentlich für heikle Bergpassagen angebracht worden waren. An Tagen wie heute aber spielen sie damit gerne Kamel: Ich muss die Schlingen in den Händen halten und wir spielen Kamelkarawane. Viele verdutzte, interessierte und oder amüsierte Gesichter passieren uns jeweils. Rui und Luo, äh, ich meine, meine zwei Kamele, gehen dann auch grössere Distanzen motiviert und zügig durch die Städte. Irgendwo fanden wir ein bescheidenes Restaurant. Leider war nicht nur der Preis bescheiden, sondern auch die Qualität des Essens.
    Dann aber erfreuten wir uns am kleinen Touristenzug. Luo bald schlafend, Rui interessiert schauend, ich im Versuch einige Brocken der Spanischen Führung zu verstehen und Roger als Luos Schlafsessel. Schon weit fortgeschritten war der Nachmittag, als wir kurz zum Bona zurückkehrten und die Gunst der Stunde nutzten und unser Gefährt auf einen eben frei gewordenen ebenen Parkplatz zu stellen, wo es sich dann auch schlafen lassen würde. Noch einmal machten wir uns danach auf den Weg hinauf in die Altstadt. Eine Prozession war angesagt, heute, am heiligen jueves (Donnerstag vor Karfreitag). Nicht nur für die Jungs war der Anblick der ernsten Leute speziell, wie sie Kreuz und Statuen durch die Stadt trugen, bedeckt durch Spitzkaputzen. Teilweise waren sie Barfuss unterwegs. Wir hatten schon kalt mit Pulli, Faserpelz und Regenjacke! Ähnlich vielleicht wie die Frohnleichnahmsprozession des katholischen Bonaduzes. Für uns Protestanten sehr interessant. Erst gegen 21 Uhr kehrten wir zum Bona zurück, das Ganze hatte sich sehr in die Länge gezogen. Inzwischen regnete es wieder in Strömen. Mit vereinten Kräften wurde geschnetzelt und gerüstet und so stand bald ein Salat mit Spiegeleiern auf dem Tisch: Mhmhm, schmeckte allen viel besser als das Mittagessen!

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  • 29Mar 2013

    157 Irgend so ein Tag 29.03.2013 Spanien —

    Frómista, Spanien

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    29. März: Karfreitag im Regen
    In der Schweiz, so hören wir, hat noch einmal tüchtig geschneit. Da können wir ja von Glück sprechen, dass es hier bei uns NUR regnet. Leider finden wir kein Hallenbad, das offen hat: Erstens sind wir nicht mehr in Portugal und Hallenbäder scheinbar nicht mehr so verbreitet und zweitens ist natürlich am Karfreitag beinahe alles geschlossen. Also fahren wir noch einmal ein gutes Stück gegen Norden. In Fromista treffen wir auf den Jakobsweg. Hier stellen wir uns auf einen Parkplatz und kochen Omeletten. Unsere ausgeblasenen Eier müssen noch einmal aufgestockt werden, bevor wir sie am Nachmittag bunt anmalen und aufhängen. Danach spielen wir Gesellschaftspiele und lauschen dem prasselnden Regen auf dem Dach. Als dieser plötzlich aufhört, haben Rui und Luo viel Spass mit Stöcken in den Riesenpfützen rumzuwerkeln. Roger geht währenddessen joggen und kämpft dabei gegen stürmischen Wind.
    Reiseführerlesen tun wir schon gar nicht mehr – zu frustrierend zu sehen, an was für schönen Orten wir vorbeifahren, ohne was zu sehen! Unsere Stimmung braucht wirklich dringend eine Wetterbesserung. Es ist zu lange zu kalt und zu nass, immer hängen Dinge zum Trocknen herum. Wir stellen einmal mehr unseren Tourabschluss gegen Norden in Frage. Schliesslich haben wir von Portugal und Spanien eigentlich nichts gesehen, das könnte man in ein-zwei Monaten bei angenehm warmen Temperaturen nachholen und würde dabei wohl besser Wetter haben.

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  • 30Mar 2013

    158 Am Stausee im Pflutsch 30.03.2013 Spanien —

    Aguilar de Campoo, Spanien

    Beschreibung

    30. März: Sonnenschein im Bus weckt uns
    Ohne meinen gestellten Wecker wache ich früh auf, die Sonne scheint am Rande der Isomatte durch die Frontscheibe in den Bona hinein. Ich stehe auf und gehe frohgemut joggen. Dabei treffe ich schon viele Pilger auf dem Jakobsweg, die ebenfalls die Gunst der Stunde zu nutzen scheinen.
    Auch die kurze Fahrt nach Aguilar de Campoo ist von der Sonne hell erleuchtet. Das kleine Städtchen begeistert uns, ganz entgegen unserer Erwartungen. (Der Lonelyplanet spricht davon, dass Aguilar de Capoo nie einen Schönheitswettbewerb gewinnen würde.) Kleine Innenstadt mit Fussgängerzone, grosser Spielplatz, belebte Baren um die Mittagszeit, leider kein Shop mit SIM-Cards, die doch im Moment der Stellen- und Wohnungssuche für uns so unabdingbar sind. Darum werden wir uns also am Dienstag kümmern müssen. Heute gehen wir dafür in ein Café mit WIFI. Die Jungs müssen schön still malen, wir checken unsere Mails und die Inseratenpages. Zuerst aber machen wir einen ausgedehnten Spaziergang bis zum Embalse, zum Stausee. Hier werden wir uns gegen Abend ein schönes Plätzchen suchen. Wunderbar lässt es sich im Pflutsch-Sand spielen, die Überschwemmung hält sich in Grenzen, die Regenschauer ebenfalls. Na ja der Pflutsch ist nicht so romantisch, aber auf den Campings sieht's ja ähnlich aus...

    31. März: Wildnis am Embalse
    Ein gemütlicher Tag beinahe ganz ohne Regen und teilweise gar mit Sonnenschein. Dieser verrät uns, wie warm es sein könnte, wenn es eines Tages dann doch noch Frühling, bzw. schön Wetter werden würde. Rui und Luo haben Wasserprojekte, klar, am Stausee. Dann bauen sie mit Roger ein Haus für die Duplomännli, nicht ohne vorher den Aushub gemacht und terrassiert zu haben. Luo und ich machen einen Spaziergang am Ufer entlang. Roger und Rui bauen nachmittags ein kleines Floss, das unendliche Male „ausgeworfen“ und an einer Schnur wieder an Land gezogen wird. Wir kochen, essen, haben es gemütlich. Ein Tag, der Balsam für unsere Seele ist. Gegen Abend regnet es wieder, was wir aber schon beinahe wieder ein gemütliches Geräusch auf dem Autodach finden. Zwei Tage ohne Regen haben das ihre dafür getan! Hoffentlich bleibt uns das bessere Wetter nun wieder treuer.

    1. April: Grillen unter Regenschirm – kein Scherz
    Morgens ist es schön sonnig und Rui meint: „Warum wollen wir ins Hallenbad, wenn es so schönes Wetter ist?“ Und da hat er recht. Wir bleiben am Embalse. Morgens sind die Temperaturen etwas wärmer, ein Faserpelz reicht zum Spielen aus. Mittags wollen wir gerade den Grill herausnehmen, als plötzliche Wolken Tropfen bringen. Gleich hört es wieder auf und wir wagen es trotzdem. Mitte erster Wurst müssen wir dann aber zwischenzeitlich wieder in den Bus zügeln. Das Ende unserers Mals mit übrigens wieder „Pizza berbère“: Gefüllte Brötchen, findet dann unter dem grossen Regenschirm beim Grill statt. Dennoch: Wie lange ist es her, dass wir unsere Campingmöbel wieder mal gebrauchen konnten.
    Nachmittags regnet es dann wirklich wieder, wir spielen und schauen einen Video. Götti Andi’s Weihnachtsgeschenk gefällt uns allen.

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  • 02Apr 2013

    159 Alles sauber 02.04.2013 Spanien —

    Burgos, Spanien

    Beschreibung

    2. April: Sauber, sauber, sauber!
    Eigentlich müssten wir wirklich mal wieder duschen, aber niemand hat Lust auf morastige Zeltplätze mit kalten Sanitärräumen und überteuerten Waschmaschinen (Das letzte Mal Waschen in Lagos hat uns 36 Euro gekostet!). Also stellen wir uns eine andere Variante zusammen: Hallenbad, Wäscherei und, eigentlich für heute noch wichtiger: SIM-Karte kaufen. Nicht, dass uns dann noch eine Chance für unsere sesshafte Zukunft durch die Latten geht…
    Wahnsinn, dass wir dann das ganze Programm wirklich schaffen, obwohl wir uns 2 Stunden neben den anderen Spaniern her bewegen. Genau, wir sind so entfernt von Alltag, dass wir die Uhren bei der Zeitumstellung auf die falsche Richtung gedreht hatten. Das merken wir aber erst Ende dieses Tages.
    Zuallererst leeren wir nochmals unser Porta Potty in Castello de Aguilar und denken, wir seien früh dran (neun Uhr). Dann fahren wir bis Eingangs Burgos, wo wir in einem Einkaufszentrum sowohl eine SIM-Karte finden, als auch die aufgebrauchten Frischproduktevorräte auffüllen. In Burgos kochen wir dann vor dem Hallenbad und betreten dann dieses voller Vorfreude. Nun ist auch Luo soweit, dass er taucht und vom Rand ins Becken springt. Auch Rui ist wieder einmal kaum zu bremsen.
    Beim Weiterfahren finden wir eine Wäscherei, die sogar noch offen hat (obwohl es ja schon acht Uhr ist, nicht erst sechs…) und uns die zehn Kilo Wäsche (ca. halb so viel wie das letzte Mal beim Camping) bis morgen für 12.50 Euro wäscht, trocknet und zusammenlegt. Luo schläft tief und fest, als wir zehn Minuten später am Rande von Burgos beim Cartujo Milafores ankommen. Auch mal schön, ein Abendessen mit nur einem Sohn. Die ewigen Streitereien haben wir nämlich wieder mal ziemlich satt. Wenn das Wetter nicht bald wirklich wärmer wird, die Wiesen nicht trocknen und wir weiterhin gezwungen sind, so viel Zeit auf so wenig Raum im Bona zu verbringen, werden wir nicht mehr lange durchhalten.

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  • 03Apr 2013

    160 Parque de la Grajera 03.04.2013 Spanien —

    Logroño, Spanien

    Beschreibung

    3. April: Fischersee Parque de la Grajera
    Morgens in der Frühe geht Roger joggen, die Jungs und ich kuscheln uns im grossen Bett nochmals aneinander und dösen. Nach dem Frühstück nehmen sich Abwascher Rui und Luo wieder undendlich viel Zeit, weshalb Roger und ich bei Sonnenschein schon mal zum nahen Kloster (Cartuja) schlendern. Später fahren wir dann mit dem Bona nach Burgos runter, wo wir nahe der Altstadt einen Parkplatz finden. Das Städtchen ist schön und die Kathedrale sehr sehenswert. Baumeister Simon von Köln (de Colonia) hat hier grosses vollbracht. Da unsere Parkuhr abläuft gehen wir zu Bona zurück, wo wir davon profitieren, dass ich des Morgens schon mal einen Bohnen-Hackfleisch-Eintopf aufgesetzt habe. Mit Salat und Fajitas ist es ein wunderbares Menu. Gut, dass wir später bei immer noch mehrheitlich Sonnenschein dem überschwemmten Rio Arlanzon nachschlendern können. Ziemlich zu Beginn des „Tardes“ nach der Siesta, also um 17.00 Uhr holen wir die Wäsche schön säuberlich zusammengelegt ab.
    Unser Schlafplätzchen, das wir nach ca. einienhalb Stunden erreichen liegt in der Nähe eines kleinen Sees im Parque de la Grajera. Meine Männer machen sich auf zum Spielplatz, während ich mit Kochen beginne.

    4. April: Flotti Trottis und Mountainbiking
    Bei schönem Sonnenschein fahren Rui, Luo und ich um den kleinen See. Es ist immer noch ziemlich kalt, das Wetter spielt aber wieder deutlich besser mit, was wir sehr geniessen. Auch das Mittagessen findet daher draussen statt, Picknicktische hat es hier genug. Beim Nachtisch werden wir dann aber doch verregnet. Ende Mittagspause sieht es wieder besser aus, weshalb die Jungs sich diesmal mit Roger auf den Weg machen. Sie wollen die Karpfen füttern und den Fischern (mit Lizenz, deshalb fischt Roger nicht mit) zusehen. Währenddessen gehe ich joggen und geniesse das Alleinsein. Nach einer knappen Stunde treffe ich wieder auf meine Familie, die gerade im Begriff ist, den See nochmals zu umrunden. Klar schleppen sie mich mit und wundern sich, dass ich ihnen nicht nach komme. Rui und Luo haben aber auch wirklich langsam ein gutes Tempo drauf. Und zum Glück haben sie Mountainbike-Pneus. Sie sausen auch über pflutschige Abschnitte, Wiesen und beklagen sich meist nicht, wenn sie bei solchen Sportlichkeiten umfallen.
    Gegen Abend wird es wieder sehr kalt, knapp fünf Grad zeigt unser Thermometer. Luo und Rui streiten mal wieder, Luo ist bei einer Intervention meinerseits sehr frech, weswegen er sicher nochmals eine halbe Stunde alleine in der Kälte verbringen muss. Erziehen ist wieder einmal angesagt. Von den eigenen Kindern in frechem und aufmüpfigen Ton angesprochen zu werden geht nicht! Gut, dass morgen Zerstreuung kommt und unser Vierergespann wieder mal durchbrochen wird.

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  • 05Apr 2013

    161 Thermalbad Cascante 05.04.2013 Spanien —

    Cascante, Spanien

    Beschreibung

    5. April: Hallo Nani, Neni und Karo!
    Bald ist heute früh abgewaschen und alles bereit. Noch einienhalb Stunden trennen uns vom Treffpunkt mit Nani Carla, Neni Sepp, Karo und dem kleinen VW-Büsschen, das sie für diese Ferien gemietet haben. Das Wetter zeigt sich heute erstaunlich mild und teilweise sonnig. Nach einem Stopp im Carrefour kommen wir in Cascante an. Dieses kleine Dorf in der Nähe von Tudela hat ein Thermalbad mit Stellplatz und Entsorgungsstelle davor. Letzteres haben wir nach so vielen „Wilden“ Nächten wieder sehr nötig. Die Wiedersehensfreude ist allseits gross. Es wird erzählt und erzählt. Später machen wir uns gemeinsam auf den Weg ins Dorf um ein Restaurant zu suchen. Es wird schon genug sein, wenn wir bei diesen Temperaturen einmal täglich abends zu sechst im Bona essen werden müssen. Im kleinen Cascante finden wir wirklich etwas, das offen hat. Hunde sind leider nicht erlaubt, weswegen wir alle unsere Jacken anziehen und an den Tischchen vor dem Café Platz nehmen. Entrecôte, Kartoffeln, Pepperoni und für Nani einen grossen Salat. Mhmhm.
    Durchgefroren, wie wir danach sind, finden wir das Thermalbad eine spitze Idee. Wunderbar, dass Roger und ich sogar in die Sauna können, Grosseltern können ein Segen sein!
    Ziemlich lange bleiben wir und haben anschliessend grossen Appetit auf ei vielen Crevetten, die Roger im Carrefour erstanden hat und die im Bona gekocht werden. Rui und vor allem Luo entfernen Kopf, Beine und Panzer der Tierchen selbständig und sind stolz.
    Abends wird die Route, oder besser zumindest die Richtung der nächsten Tage geplant: Aufgrund des für diese Region wirklich ungewöhnlich nasskalten Frühlings beschliessen wir Richtung Südosten zu fahren und vielleicht in einer Woche aufs Mittelmeer zu treffen. Bevor wir dann diesem entlang gegen Montpellier fahren, wo wir auf Grosi Heidi und Grossfritz treffen werden.

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  • 06Apr 2013

    162 Frühling am Fluss 06.04.2013 Spanien —

    La Granja d'Escarp, Spanien

    Beschreibung

    6. April: Am Fluss im Frühling
    Heute Morgen scheint die Sonne! Das Aufwachen macht so richtig Spass. Man merkt, dass wir hier wieder südlicher und nur 400 Meter hoch sind. Und es soll heute im Laufe des Tages noch besser kommen! Wir fahren weiter Richtung Süden und Richtung Mittelmeer. Die erste Etappe fahren die Jungs mit Nani und Neni, danach müssen wir sie streiteshalber auseinander nehmen, was für alle sechs ein Gewinn ist. Als erstes versuchen wir eine VW Garage zu finden, der dem gemieteten kleinen Büssli auf die Sprünge hilft. Danach verfahren wir uns ziemlich spannend auf eine Hochebene. Jaja, ich war es wieder mal, die den Ost- und Westwechsel bei der Eingabe ins GPS übersehen habe. Die Hochebene ist wunderschön und eigentlich würden wir hier gerne mit unseren Bussen ein bisschen bleiben, schliesslich hat es hier keinen Mensch und die vorwiegenden Feldwege versprechen, dass es so bleiben würde. Aber es windet sehr fest, was uns dann doch davontreibt.
    Am Ende sind wir auf einem wunderschönen Platz am Fluss Granja, mitten im Frühling. Hier blühen viele Bäume, das Gras steht schon hoch, die Temperaturen sind richtig angenehm. Während wir alle den Holzbohlenweg über dem Grund des Auenwaldes begehen und anschliessend am Fluss sind, scheint uns endlich der Osterhase doch noch gefunden zu haben. Klar, dass er mit seinen kleinen Beinchen etwas länger für die Strecke in den Süden und über die Pyrenäen gebraucht hatte. Rui und Luo verfolgen gespannt die Ostereierspur und finden mit leuchtenden Augen die Schoggihasen. Schön, dass der Hase auch an uns Eltern gedacht hat!

    7. April: Schilfhaus am Fluss
    Beim Joggen morgens finde ich ein noch schöneres Plätzchen weiter flussaufwärts. Hier stehen wir hinter dem Schilf, man sieht uns kaum. Nur ein halber Höhenmeter oberhalb des noch immer Hochwasser führenden Flusses haben wir ein kleines Plätzchen nur für uns. Unter Nenis Führung wird ein Schilfhäuschen geflochten. Mittags veranstalten wir eine Grillade, inklusive Pizza Berbère, die auch Nani und Neni begeistert. Zum Verdauen machen wir einen grossen Spaziergang dem Fluss entlang und durch das verschlafene Dörfchen. Rui und Luo brausen mit den Velos mit. Gegen Abend werden die zwei zu Indianer und Pfeil und Bogen werden geschaffen. Rundum zufrieden sind alle, Sonne, Natur. So gefällt es uns wieder.

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  • 08Apr 2013

    163 im kleinen Paradies 08.04.2013 Spanien —

    Prat de Comte, Spanien

    Beschreibung

    8. April: Pulliwetter!
    Noch mehr Frühling heute! Wir tragen grösstenteils sogar nur noch einen Pullover. Und das, obwohl uns morgens das Regengeprassel auf dem Bus weckt. Schweren Herzens nehmen wir Abschied von unserem Flussplätzchen und machen uns auf die Socken. Heute fährt Luo mit Nani und Neni. Obwohl dies eigentlich klar ist, haben unsere zwei Söhne wieder ganztäglich einen Diskussionsstoff. In mehreren Etappen fahren wir heute zwei Stunden. Als erstes fahren wir einen Lebensmittelladen an. Irgendwo wird Wasser getankt, in einem anderen Ort finden wir eine Porta Potty-Entsorgungsstelle. In einem vierten Dörfchen genehmigen wir uns ein Tagesmenu in einem Dorfrestaurant und erledigen unsere Emails. Anschliessend wird die Umgebung bergig, obwohl wir uns nur noch dreissig Kilometer entfernt von der Mittelmeerküste befinden. Wir fahren unserem Plätzchen auf 200 Höhenmetern entgegen. Es liegt in einer Schlucht, in der eine warme Quelle austritt. Die Strasse dahin ist spektakulär und nicht ganz einfach zu befahren (etwas steiler und engere Kurven als Kunkelspass - Tamins). Unten auf der Talsohle hat es Picknickplätze und ein Hotelrestaurant, das wohl saisonbedingt noch geschlossen ist. Der Parkplatz davor ist gerade richtig für uns. Einige Minuten spazieren wir noch auf einem betonierten Treppenweg der Schlucht entlang, bevor wir zufrieden alle zusammen nochmals im Bona zusammensitzen und ein feines Abendessen kochen.

    9. April: Badewetter!
    Auf der anderen Flussseite bestand früher etwas höher ein Bahngeleise, auf dem heute ein sehr schöner Weg entlangführt. Fünf Kilometer weit wandern wir fröhlich zusammen, Rui und Luo spielen, erzählen, sind ebenso fröhlich wie wir alle anderen. Irgendwann bricht sogar das T-Shirtwetter aus. Mittags legen wir zwei Frauen uns entspannt auf einen improvisierten Liegestuhl und schliessen für einige Minuten die Augen. Danach machen wir uns auf den Rückweg. Getrockneter Harz wird gesammelt um abends auf den Holzkohlen ein Weihrauchambiente schaffen zu können. Luo lernt schnell von Neni, wie das Sammeln geht und ist Feuer und Flamme.
    Bei einer Abzweigung biegen wir zum Fluss hinunter ab. Niemand findet es bei diesen angenehmen Temperaturen schlimm, die Schuhe auszuziehen und auf die andere Seite zu waten. Der erhöhte Wasserstand hat die Furt für Schuhe unpassierbar gemacht. Anlass genug für Roger und mich: Wir springen ganz ins Wasser und erfrischen uns im kühlen Nass. Auch Rui und Luo wagen sich bis über den Bauchnabel hinein. Richtig baden können sie dann aber bei der warmen Quelle.
    Gegen Abend grillieren wir Merluzzo und Gemüse, dazu gibt es Reis und Blattsalat. Die ziemlich zahmen „Wilden“ Ziegen kommen dabei recht nahe. Das Beste aber: Das Essen findet draussen statt. Und auch nach der Bettruhe für Rui und Luo ist es noch genügend warm, vor den Bussen einen Tee zu trinken.

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  • 10Apr 2013

    164 Felsen, Felsen, Felsen 10.04.2013 Spanien —

    Cornudella de Montsant, Spanien

    Beschreibung

    10. April: Über den Felswänden von Siurana
    Es ist beschlossene Sache: Wir wagen die Überfahrt über die Furt. So müssen wir die steile Serpentinenstrecke nicht zurückfahren. Roger hat gestern Morgen beim Joggen rekognosziert, die Strecke auf der anderen Talseite ist nach einem kurzen Fahrverbotsstück gut ausgebaut. Natürlich wird die Furtüberquerung auf Foto festgehalten. Dann rollen wir durch die zwei „verbotenen“ Tunnels der ehemaligen Bahnlinie und geniessen daraufhin das Panorama um uns herum. Diese Ecke von Spanien ist wunderschön. Es blüht alles, nach den Regenfällen der letzten Wochen explodiert die Natur. Alle sind frohgemut. Tom (TomTom von Neni und Nani) und Lisa sind sich überhaupt nicht einig. Dennoch finden wir den Weg zwischen den Felswänden und stiegen steil auf 700 Höhenmeter. Siurana ist ein scheinbar weltbekannter Sportkletterort mit kleinem Klettercamping. Hier bleiben wir, natürlich nicht ohne vorher das kleine Dörfchen besichtigt zu haben. Die frittierten Tapas im Aussichtsrestaurant begeistern wenig, zum Glück entschädigt die Lage.

    11. April: FREItag für uns Eltern
    Wie abgemacht lösen wir Eltern in den Tagen mit Neni und Nani einen Kinderfreien Tag ein. Klar möchte Roger klettern gehen, auch wenn die Sportkletterrouten beinahe alle vor allem mein Kletterniveau übersteigen. Wir schlendern als erstes noch einmal ins Dorf, dann der Wand entlang zu einer uns passend erscheinenden Route. Nach einem Misserfolg für mich finden wir eine schöne Route. Die Vögel pfeifen und der Rosmarin blüht als wir später bis ganz unter die Wand absteigen und dem Weg am Talfuss entlang gehen. Später steigen wir wieder auf und treffen nach einem guten Mittagslunch wieder auf die Wand, die auch hier für uns erklimmbar ist. Den späteren Nachmittag verbringen wir wiederum wandernd. Der Weg führt uns um Siurana herum, wir können die Cracks an den grossen Wänden auf der anderen Seite beobachten und bewundern, bevor wir wieder ins Dorf aufsteigen.
    Im Zeltplatz treffen wir die Jungs und die Grosseltern an. Auch sie haben einen schönen Tag verbracht. Natürlich nicht ohne die momentan oftmals notwendigen Zurechtweisungen.
    Alle geniessen die feinen Gnoggis. Wirklich schön, dass man wieder draussen essen kann. Erst nach dem Eindunkeln setzen wir Erwachsenen uns zum Plaudern in den Bona, der wieder viel geräumiger wirkt, jetzt, da wir wieder vermehrt draussen leben können. Schön, dass der Frühling da ist!

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  • 12Apr 2013

    165 Schildkrötenzuchtsbesuch 12.04.2013 Spanien —

    Garriguella, Spanien

    Beschreibung

    12. April: centre de reproducció de tortuges - Schildkrötenzuchtsbesuch
    Eine lange Autofahrt haben wir vor uns. Wir bewegen uns nördlich Richtung französische Grenze. Je weiter wir kommen, desto weniger frühlingshaft ist die Vegetation. Die Temperaturen bleiben T-Shirttemperaturen. Die Weinreben sind, so Fachmann Neni-Sepp-Papi, beinahe einen Monat hintennach. Rui und Luo brausen im kleinen VW mit, Roger und ich haben Bona ganz für uns alleine und staunen, was man alles so machen kann, während der Fahrt, wenn keine Kinder da sind. Nach dreieinhalb Stunden, einer Mittagsrast auf einer Autobahnraststätte und einem Halt zum Kühlboxnachschub Kaufen sind wir schliesslich im kleinen Dörfchen Garriguella. Sehr autentisch mutet es hier an, Ackerbau, viel Weinreben und ein Schildkrötenreproduktionszentrum. Hier tun sie ihr Möglichstes, dem Aussterben der Mittelmeerschildkröten vorzubeugen. Sowohl Wasserschildkröten als auch Landschildkröten werden gezüchtet. Karo wartet brav auf uns, während wir auf den Holzstegen über das Areal schlendern und erstaunt wahrnehmen, welchen „Krach“ die Schildkröten im Unterholz machen, beim Laufen, beim Essen…
    Luo, Neni und ich gehen anschliessend per Fuss nochmals ins nahe Dorf. Wir versuchen Wanderkarten zu erstehen. Leider ohne Erfolg. Danach scheint sich über den nahen Ausläufern der Pyrenäen ein Gewitter zusammenzubrauen und so kochen wir in den beiden Bussen und essen im Bona. Calamare (Tintenfischart) à la Neni mit Couscous und zur Vorspeise Artischocken. Wunderbar. Beim abendlichen Geplauder beschliessen wir, dass wir uns morgen trennen werden, vor allem auch um den Jungs genügend Zeit zur Regulation zu geben, bevor wir am Montag mit GrosiHeidi und GrosFritz zusammentreffen werden.

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  • 13Apr 2013

    166 Castell de Raquesens 13.04.2013 Spanien —

    Cantallops, Spanien

    Beschreibung

    13. April. Schockosuppe zum Dessert
    Mitten in der Nacht um 4 Uhr wurden wir von Motoren geweckt, die wir nicht zuordnen konnten. Die Polizei? Unliebsamer Besuch (wir stehen wieder mal „wild“)? Nein, weit gefehlt, wir kriegen Nachbarn! Zwei uralte VW-Busse (der eine hat Baujahr 56) und ein PW. Die Leute stellen gar noch ein Zelt auf. Am Morgen werden wir erfahren, dass es sich um eine Musikergruppe handelt, die den Abend musizierend im Dorf verbracht haben, daher also die späte Anreisestunde.
    Der Morgen lockt mit wärmendem Sonnenschein. Frohgemut stellen wir die Tische aus und können DRAUSSEN frühstücken. Nach dem morgendlichen Aufräumen und Abwaschen brechen wir zu einem Wanderspaziergang durch Weingärten, Olivenhaine und einer Pfadfindereinlage im Schilfgebüsch auf. Alle sind hungrig, als wir anschliessend durchs Dorf kommen. Es ist allerdings erst 13.00 Uhr, zu früh für ein Mittagessen in einem spanischen Restaurant. Also zuerst zurück zu den Bussen und ein bisschen hübsch machen. Nani und Neni laden uns ein, vielen Dank ihr grosszügigen Spender! Das Restaurant, dessen Aussentische wir besetzen, bietet hervorragende Tapas, super Fleischgerichte, für Nani ein Entenei. Zum Nachtisch gibt es unübertreffbare, interessante Schokoladensuppe mit Salz, rotem Pfeffer und Olivenöl. Ob Neni und Nani das zu Hause im Speicher wirklich selbst hinkriegen werden? Wir sind gespannt!
    Gemeinsam machen wir uns zum Bussli von Nani und Neni auf, schliesslich müssen wir uns noch von Karo verabschieden, der im Schatten wartet. Dann fahren alle ab. Für uns Spiesslis geht es Richtung Nordosten. Wir haben auf einem Foto das Castell de Requesens gesehen, welches uns sehr neugierig gemacht hat. Unserer „Wanderkarte“ zur Folge geht es über Zweitklassstrassen. In der Realität sind es ab dem letzten Dorf marokkoähnliche Pisten der schlechteren Sorte. Einmal streift das „Füdli“ von Bona, zum Glück haben wir die Anhängerkupplung als Puffer. Für 22 Kilometer brauchen wir eine knappe Stunde, finden dann aber in Sichtweite des Castells einen Wiesenplatz am Wegrand, der uns alle begeistert. Rui und Luo erkennen die Korkeiche und schleppen haufenweise Korkborke an. Einige Rinder, die hier im Wald/Busch hausen, sehen uns zu. Roger hilft beim Korkprojekt, bringt kochendes Wasser und beginnt das Pressverfahren. Gerade so, wie wir das im Museum an der Algarve gelernt haben.

    14. April: Castell de Raquesens
    Wunderbar diese Temperaturen. In der Schweiz wäre das wohl schon Sommer. Joggen geht morgens ohne Jacke (um sieben Uhr!), das Frühstück findet wieder draussen statt. Die Rinder und sogar einige Kälber kommen wieder „auf Besuch“ vorbei, eine liefert sich sogar ein kleines Duell mit Roger, der sie zu ihrem Leidwesen gerne gestreichelt hätte. Dann schnüren wir die Wanderschuhe – Rui und Luo versuchen das Schnüren selbst, schliesslich hat Nani gemeint, das sollte man im Kindergarten können… Auf geht es Richtung Castell de Raquesens, das auf einem waldigen Hügel thront. Selten konnten wir so viel entdecken bei einem Burgbesuch, selten war es auch so gefährlich. Gesichert ist nicht, teilweise sind einige Decken eingestürzt. Das mehr als tausend Jahre alte Gebäude wurde nach Plünderungen im Bürgerkrieg im zweiten Weltkrieg als Kaserne genutzt. Der Innenausbau der Räume mit Keramikplättli und maroden Wasserleitungen stammt aus dieser Zeit. Fledermäuse fliegen zu unserem Schreck vorbei. Dann stehen wir wieder vor einer unpassierbaren Stelle oder vor einem wunderbaren überwachsenen Innenhof oder auf einem uralten Wehrgang mit Topaussicht.
    Irgendwann sind wir hungrig und beenden unsere Entdeckungsreise. Nach einem Znüni um zwölf – ja, wir sind schon richtige Spanier - steigen wir vom Burghügel wieder runter und den nächsten Hügel wieder rauf. An einem Bächli machen wir länger Station, essen auf einem alten Mühlestein unseren Lunch und spielen. Spanier mit Autos fahren vorbei, auch einige Wanderer kommen vorüber. Nach den letzten Höhenmetern geniessen auch wir die Aussicht und kehren dann um. Beim Bona angekommen machen wir uns durstig über unseren Herr-Zürcher-Süssmost her, der Neni mitgebracht hat. Sehr erfrischend! Anschliessend wird der Stein von der Korkpresse weggerollt und die Korkfabrikation wird weitergeführt.
    Unser biologisch sehr interessierter Luo nimmt heute mit Roger eine Abkürzung an einem Bach entlang und ruft: „Papi, ich han än lebändigä Seeigel gseh!“ Beim vermeintlichen Seeigel handelt es sich übrigens, hier auf beinahe 300 Meter über Meer um eine Marroni. Beim Abendessen fragen wir ihn: „ Warum dachtest du, dass der „Seeigel“ lebendig war?“ Er: „Wil ich sini Augä gseh han.“

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  • 15Apr 2013

    167 Mit GrosiHeidi und Fritz 15.04.2013 Frankreich —

    Portiragnes, Frankreich

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    15. April: Portiragnes Plage Camping les Sablons
    Nach dem Frühstück wollen wir alle los, denn wir wollen im Camping sein, bevor Heidi und Fritz dort eintreffen. Als erstes muss Bona noch ein gutes Stück auf Feldweg zurücklegen. Mit Fahrer Roger geht das aber gut. Dann unten im Tal geht es weiter auf der Schnellstrasse. Da wir Frankreich betreten, meiden wir die Autobahnen aus Erfahrung, denn diese kosten enorm viel. Nach zweieinhalb Stunden Richtung Norden erreicht uns ein SMS von Grosi Heidi. Sie sind schon angekommen, da sie schon nachts um ein Uhr abgefahren waren. Eine halbe Stunde später sind wir auch da. Die Jungs springen Grosi entgegen und empfangen auch Fritz herzlich.
    Dann beginnt unsere knappe Woche auf dem Riesencamping les Sablons. Zum Glück hat es noch wenig Leute und so können wir das Ganze wirklich geniessen. Ganz in der Nähe von Grosi und Fritz‘ Bungalow finden wir einen Stellplatz für Bona. Zum Amusement vieler versinken wir so sehr in der nassen Wiese, dass es weder vor noch zurück geht. Jetzt sind wir schon sooo lange unterwegs und so eine Spulerei passiert gerade auf dem Zeltplatz! Unglaublich, aber wahr. Nur mit unseren Gummi-Rip-Matten unter den Hinterrädern und der Hilfe von fünf stossenden erwachsenen Personen kriegen wir Bona wieder frei.
    Danach haben wir uns sicherlich einen ausgiebigen Apéro unter der Pergola von Heidi und Fritz verdient. Viel wird erzählt, schliesslich hat man sich seit der Schweiz nicht mehr gesehen. Nach einem Strandspaziergang und erstem Muschelsuchen wagen wir Spiesslis uns noch kurz ins auf 26 Grad geheizte Wasser der Badeanlagen – für heute aber nur kurz, es ist bedeckt und nicht viel wärmer als zwanzig Grad, draussen.

    Am 16. April beginnt der Tag frohgemut. Die Sonne scheint, es ist schon frühmorgens warm. Ein richtiger Sommertag! Rui, Luo, Fritz und Heidi machen einen Strandspaziergang. Roger und ich kümmern uns um die Wäsche. Bei diesem Wetter wird ALLES gewaschen, auch Schlafsäcke und Jacken, die es alle wieder einmal nötig haben. Da in diesem Riesencamping zur Vorsaison niemand anderer Wäscht, können wir unsere Wäsche in sechs 8kg-Maschinen gleichzeitig füllen uns sind so mittags schon fertig. Wir geniessen das Bungalow, von dem wir WC und Pergola mitbenützen und wenn es kalt ist alle sechs drinnen essen können. Klar wird unser Grill ausgepackt und abends nach einem ausführlichen Spaziergang am Meer und am Rande von immer noch mit Wasser überschwemmten Feldern entlang wird ausführlich gegrillt.
    Ein kleiner Schönheitsfehler hat die Sache hier – wie wohl dieses Jahr überall in Europa – es hat Mücken „wie Heu“. Das Regenreiche Frühjahr hat seine Konsequenzen.

    17. April: Heute ist Trägerth-shirt-Wetter! Schon morgens vergnügen wir uns ausgiebig auf den grossen und kleineren Rutschbahnen und im Jakkuzzi. Wunderbar, etwas kühl noch, dafür praktisch ohne andere Badende. Zum späten Mittagessen schlemmen wir ein Fondue…mhmhm… Rui kriegt Spiegelei und Bratkartoffeln und ist auch zufrieden. Verdauungstechnisch scheint ihm die Milchproduktediät echt gut zu tun. Klar müssen wir uns anschliessend alle bewegen, den Käse sind wir nicht mehr in der Menge gewohnt. Rui und Luo kriegen beide eine sehr taugliche Schaufel von Grosi und graben den ganzen Sandstrandrand um, während wir Erwachsenen Boccia/Boule spielen und einfach geniessen.

    Auch der 18. April wird gemütlich angegangen. Nach einem Wahnsinnsfrühstück mit Gipfel und Croissants au chocolat (wer war wohl einkaufen?) werden die Rucksäcke mit Proviant bepackt. Durch die von mir beim Joggen „rekognoszierte“ Lagunenlandschaft führt uns den Weg, dann den Canal du Midi entlang. Leider fängt Papi Roger auch mit Hilfe von Fritz nicht mehr Fische, weshalb die zwei kurz ins Auto von Fritz steigen und im nahegelegenen Hypérmarché welche besorgen, die auf unseren Grill passen werden.

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  • 19Apr 2013

    168 unterwegs 19.04.2013 Frankreich —

    Saint-Alban-de-Montbel, Frankreich

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    19. April: Fahrt gegen Norden
    Morgens geniessen wir noch einmal den fünfstern-Zeltplatz. Roger und ich machen noch eine Wäsche und putzen Bonas Scheiben für die grosse Fahrt. Luo geht derweil mit Grosi und Fritz dem Strand entlang ausgiebig spazieren. Als sie wieder zurückkommen, meinen sie: „Wir bringen den Radio wieder zurück!“ Luo hat scheinbar ununterbrochen geplaudert, in eineinhalb Stunden konnten Heidi und Fritz gerade mal fünf Minuten miteinander reden.
    Mittags gibt es als erstes Schoggigipfel und für Rui Meringues. Da es regnet verschieben wir das Grillen auf später – und die Hoffnung erfüllt sich, es wird sogar wieder wärmer. Nach dem feinen Essen mit Koteletten, Pizza Bèrbere und gegrilltem Gemüse geht es für die Bonabuscrew ans Aufräumen. Inzwischen kippen Rui und Luo zunehmend und so beschliessen wir schon um sieben loszufahren. Wir wollen ja noch weit, bis morgen Abend. Unser Ziel ist die Schweiz, es gibt Bewerbungsgespräche zu führen, Wohnungen zu besichtigen und vor allem (darum die Eile): Morgen Abend findet das Opa Hans 60 Jahre-Geburifest statt! Und wenn alles klappt, können wir nach alledem noch zwei Monate in die Ferien fahren, bevor wir Ende Juni endgültig zurückkehren.
    Knappe fünf Stunden brausen wir über die kostspieligen französischen Autobahnen. Beim Lac Aiguebelette machen wir es uns gemütlich für die Nacht- Rui und Luo schlafen schon längst.

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  • 20Apr 2013

    169 OpaHans wird 60ig 20.04.2013 Schweiz —

    Oberuzwil, Schweiz

    Beschreibung

    20. April: Durch den Schnee zu Opa
    Die Aufregung unserer Kinder ist gross, als sie morgens in der Höhe Schnee sehen. Sie hoffen, dass wir noch wirklich durch Schnee fahren werden und sie im Schnee spielen können. Nach einem gemütlichen Morgen im Bona mit Mini Lück fahren wir gegen Mittag los.
    Am Zoll werden wir von einem freundlichen Schweizer Zöllner angesprochen: „Est-ce que vous avez déjà une vignette?“ Obwohl man auf unserer Frontscheibe sieht, dass wir noch keine Autobahnvignette haben. Jetzt wissen wir, dass wir zu Hause in der Schweiz angekommen sind. An anderen Orten hätte es einfach geheissen: Sie brauchen noch eine Vignette! Die Schweizer Freundlichkeit.
    Im Grossraum Lausanne essen wir auf einer Raststätte. Dann fahre ich den Schlafwagen bis zur Raststätte Kempttal. Rui und Luo sind beim Anblick des hier liegenden Schnees sehr aus dem Häuschen. Hier hat es genügend Schnee, dass wir auch wirklich einen kleinen Schneemann bauen können. Die Blicke der anderen Raststättenbesucher sind klar, sie verstehen nicht, warum wir noch Freude am Schnee haben, wo alle sich nach diesem starken Winter endlich richtig Frühling wünschen. Wenn die wüssten, wie lange wir keinen Schnee gesehen haben!
    Auch sonst ist der Raststättenbesuch ein Erlebnis. Beim Tee blicken sich Rui und Luo immer wieder um: Da sprechen ja alle Schweizerdeutsch! Und Rui macht seine ersten Erfahrungen mit PlayStation. Er versucht das Kind neben ihm zu imitieren, versteht aber überhaupt nicht, um was es geht. Diesbezüglich müssen wir unseren Jungs wohl bald einmal ein Stückchen Allgemeinbildung zukommen lassen.
    Dann meldet Lisa nur noch zwanzig Minuten. Wir sind alle gespannt, als wir durch den Nebel nach Oberuzwil kommen. Rui und Luo nehmen ihre Geschenke und wir betreten das Festzelt. Da wird aber geguckt und gestaunt, ein Raunen geht durch das Zelt: Die Europareisefamilie ist gekommen, einfach so, als Überraschung. Opas Freude ist gross. Bis elf Uhr nachts dürfen die Jungs wachbleiben. Sie tanzen zu den Säntisfegern, lassen sich vor allen verwöhnen und geniessen Onkel Dominic. Dann schlafen sie erschöpft im Bona ein. Wir nehmen das „Kinder“fon und setzen uns nochmals zu den anderen ins Zelt.

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  • 21Apr 2013

    170 Zukunft 21.04.2013 Schweiz —

    Saint Gallen, Schweiz

    Beschreibung

    21. April: Schöne Wohnung – wir hoffen bald „unsere“
    Um halb zehn gibt es ein feines Frühstück im Jägerhaus von Sabi und Gökhan. Auch Opa und Claudia, Patricia und Paddy und einige andere sind da. Anschliessend zeigt Roger einigen Interessierten den Bona und erzählt und erzählt und findet kein Ende mehr.
    Dann aber fahren wir doch noch los, Richtung Speicher und in den Schnee. Mit Regenanzügen und Handschuhen spazieren wir los. Rui und Luo schaufeln, stampfen Schnee und geniessen.
    „Gwundrig“ finden wir uns dann zum vereinbarten Wohnungsbesichtigungstermin ein. Luo meint: „Mami, sölled mir die Wohnig nä, sie gfallt mir?“ Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Wir hoffen, dass wir Glück haben und bald den Mietvertrag unterzeichnen können.
    Nach einem kurzen Spaziergang und noch kürzerer Fahrt kommen wir bei Nani und Neni an. Die zwei freuen sich, Karo noch mehr (oder vor allem lautstarker). Rui und Luo spielen begeistert mit den Spielsachen, wir anderen trinken Tee. Langsam aber sicher merkt man den Jungs an, dass sie diese Nacht zu wenig geschlafen haben.
    Bei der ebenfalls kurzen Fahrt ins Rietüsli hinunter sagt mir Luo: „Wenn wir in diese Wohnung ziehen, dann müssen wir mein Bett mit dem Zelt holen.“ Ich frage. „Ja, Ruis auch, oder?“ Luo: „Nein, bei Rui im Zimmer hat es schon ein Bett.“ Ach Luo, die Möbel des Vormieters werden doch nicht mitgemietet…
    Um halb sieben parken wir Bona vor der Hochwachtstrasse im Riethüsli bei Grosi Heidi. Es gibt feine Gschwellti. Die Jungs aber können danach nicht wie erwartet einschlafen. Vielleicht liegt es daran, dass es hier in der Wohnung sehr warm ist, was sie sich nicht mehr gewohnt sind. Oder noch wahrscheinlicher daran, dass sie seit fast zehn Monaten nicht mehr ohne uns in einem Zimmer geschlafen haben.

    22. April: St. Gallen, einst wie heute
    Als Grosi Heidi sich morgens zur Arbeit aufmacht, ist Rui schon wieder wach. Als Roger nicht lange danach zu einem Bewerbungsgespräch aufbricht, ist dann nicht mehr an schlafen zu denken. Rui und Luo spielen lange schön, geniessen das Matador von Grosi und die vielen Kuschelbären. Mittags kochen wir gerne in Heidis Küche. Auch Roger kehrt frohgemut zurück. Nach einer Mittagszeit dann schlendern wir in die Stadt runter. Rui und Luo bestaunen den roten Teppich von Pipilotti Rist. Im Migros Outdoor können wir einige dringend anzuschaffende Dinge kaufen. Dann aber ist der Neumarkt, der uns bekannte, nicht derselbe. Er wird gerade umgebaut und wir finden das Gesuchte nur mit Mühe im Provisorium im ersten Stock.
    Wieder bei Heidi oben beginnt das „Geköche“: Ein Kuchen wird gebacken. Wie immer helfen Rui und Luo. Sie staunen aber und fragen sich, ob die Eimasse mit der geschmolzenen Schokolade wirklich dunkel wird und wundern sich über die Veränderung des Eiweis beim Geschlagenwerden. Ja, der letzte Kuchen ist lange her. So lange, dass Rui, als ich den Kuchen in den Ofen schiebe, fragt. „Mami, chasch du offä loh, ich wött luegä, was passiert.“
    Als Menu stellen wir Kartoffelstock (Juhui, Grosi hat ein Passe-vite), Fleischklösse und Gemüse auf den Tisch. Leider koste ich schliesslich gar nicht davon. Spontan gehe ich nochmals in die Stadt runter, habe mich mit Lili verabredet. Diese lädt mich sogar zum Abendessen ein: „Wenn du schon aus deiner Weltreise zu einem Abendessen mit mir zurückehrst, ist mir das schon ein Essen wert.“

    23. April: Bei Gotti Lili in Salmsach
    Frühmorgens wachen Rui und Luo auf und beginnen gleich mit Matadorbauen. Sie geniessen den Raum in Grosis Wohnung. Gegen Mittag sieht das Wetter besser aus und nachmittags sind die Jungs und ich viel zu warm angezogen, als wir in Romanshorn aus dem Zug steigen. Hier am Bodensee ist es schon viel frühlingshafter als in St. Gallen. Zu Fuss legen wir den kurzen Weg nach Salmsach zurück und stehen alsbald vor Gotti Lili’s Türe. Rui ist begeistert. Auch ich freue mich mein Gottenmeitli Annika zu sehen. Wahnsinn, wie sie sich verändert hat, ein richtiges Mädchen ist sie geworden. Luo und Robin scheinen gleichzeitig gute Freunde zu sein. Der Nachmittag vergeht wie im Fluge. Meine Jungs sind anfangs etwas überfordert von der Menge Spielsachen. Sie sind sich das nach zehn Monate bescheidenen Platzverhältnissen im Bona nicht mehr gewohnt. Vor unserer Rückkehr ins Riethüsli begleiten wir Annika ins Kinderturnen. Vor allem Rui, natürlich aber auch Luo, ist begeistert und abends spielen sie nur noch Hochfangis. Klar wollen sie nach den Sommerferien dann auch in ein Kinderturnen!
    Der Abend mit Grosi verläuft sehr gemütlich. Rui und Luo sind sehr ausgeglichen. Wir essen lange und plaudern. Derweil denken wir an Roger, der mit seinem Bruder Onkel Dominic in Zürich im Ausgang ist. Rui fragt mich, ob wir nur noch eine Nacht hier schlafen und dann wieder im Bus wohnen werden. Er mag eigentlich nicht mehr, sehnt sich nach den eigenen vier Wänden. Es gibt hier aber noch einiges zu tun…

    24. April: Nach Winkeln zu Urgrossvati Kurt
    Heute haben wir erst am Abend einen Fixtermin. So nehmen wir die Gelegenheit war und wollen den Frühling geniessen. Die Sonne scheint heute und die Temperaturen sind sogar sommerlich. Wir kaufen im nahen Lädeli einigen Proviant und wandern über die Solitüde und den Wolfgangshof nach Winkeln. Nach 14.00 Uhr treffen wir bei Urgrossvati Kurt ein. Schon auf dem Weg waren Rui und Luo oft am Streiten, die Ruhe von gestern ist scheinbar vorbei. Bei Kurt machen sie dann eine ziemliche Geschichte. Dennoch bleibt Roger mit den Jungs, als ich schon bald zu einem Bewerbungsgespräch meinerseits aufbreche. Schliesslich hat der Urgrossvater eigens einen Käsekuchen gebacken und lädt zum Abendessen ein. Rui tobt und will seine Pasta nicht essen, die er extra gekocht kriegt, da er keinen Käse essen sollte. – Was ist denn eigentlich los, Pasta ist doch seine Lieblingsmahlzeit!

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