Mahangu Plan you next vacation together with friend and manage travel documents. Create a free travelblog and upload photos and videos. Sum up your travel hightlights in a film. Simplicity that impresses, absolute privacy control and no upload limits.

Trip Cornwall Küstenpfad  2019 Cornwall Küstenpfad 2019 09/02/2019 - 09/08/2019   South West Coast Path Cornwall September 2019 Tina Antosch (DE)
United Kingdom

Cornwall Küstenpfad 2019

Follow

South West Coast Path Cornwall September 2019

Means of Transport
Foot Plane Train
  • 01Sep 2019

    1 Die letzten Vorbereitungen 09/01/2019 United Kingdom —

    St Ives, United Kingdom

    Description

    Als Erika ihrem Mann die Reise zum Ursprung aller Cornwall Reisen geschenkt hat, dachte ich mir, was für eine nette Idee das ist! Natürlich kann das nicht so hektisch, chaotisch und redselig werden wie die Cornwall Reisen, die wir als Schwestern erlebt haben, aber dafür wird es romantisch - nehme ich an. Wenn einem noch nach Romantik ist, nach 6 bis 8 Stunden Wandern entlang der Cornischen Küste.

    Erika hat die ursprüngliche Strecke für sich und Bernhard gebucht. Die, bei der ich am ersten Tag fast einen Hitzeschlage bekommen habe, Erika am zweiten Tag, ob der Enttäuschung über das Örtchen Pendeen, beinahe von einer Depression niedergestreckt wurde, die, bei der Gerti am dritten Tag Heimweh nach ihrer Familie bekommen hatte, die, bei der wir Novizinnen waren - was Cornwall betraf. Alles war neu, aufregend, spannend, lustig, gefährlich, unglaublich und atemberaubend schön!

    Bei weiteren Reisen haben wir die anschließenden Abschnitte entlang der Südküste Cornwalls erwandert und als wir Uschi - Königstochter jüngste - endlich dazu bringen konnten, mit uns zu wandern, haben wir die ursprüngliche erste Tour gewählt, aber auf das mörderischen Zennor und das häßliche Pendeen verzichtet. Haben kürzere Wandertagesstrecken gebucht, um mehr Zeit in den Dörfern und Städtchen verbringen zu können. Mir hat das sehr gefallen - sozusagen das Seniorenmenü auf der Karte der Reisen. Erika war es jeden Tag zu wenig. "Wir sind heute wieder fast nichts gegangen!", hörte man sie bis spät in die Nacht klagen, wenn wir weniger als 4 Stunden marschiert sind. Ich habe diese verbalen Attacken ignoriert und mich gefreut, weder Blasenpflaster, entzündungshemmende Mittel oder Magnesiumpulver gebraucht zu haben.

    Diesmal aber sollte es mit Bernie die ganze, harte, erste Tour sein. Na dann.

    Wieso ich immer wieder überlegt habe, dass ich mit Jörg so gerne dabei wäre, ist mir angesichts oben aufgezählter Erinnerungen an die erste Mördertour schleierhaft. Trotzdem, zuerst habe ich vorsichtig angeklopft, ob es so was wie eine Turteltaubentour wäre, bei der sie tatsächlich alleine sein wollten. Nachdem das nicht Voraussetzung für Erikas und Bernies Glück war, sprach ich zum ersten mal an, dass ich und Jörg unheimlich gerne der Dritte und eben auch die Vierte im Bunde wären. Wir waren als Ehepaare schon mehrmals auf Reisen gewesen und sind immer ohne größere Schäden wieder nach Hause gekommen. Unsre Männer sind also kompatibel - wir Schwestern sowieso.

    Als alle buchungstechnischen Hindernisse überwunden waren, jedes B&B, in das Befurts eingebucht waren, auch noch ein Zimmer für uns hatte, nachdem Marie uns im völlig ausgebuchte Flugzeug der Befurts noch zwei Plätze ergattert konnte und für Zuhause alles geregelt werden konnte, war die Sache fix.

    Ja, und jetzt ist es soweit. Morgen werden wir in aller Früh von Salzburg nach London fliegen und dort den Zug nach Penzance nehmen. In Cornwall wird uns Russ von Western Discoveries vom Bahnhof abholen und zum ersten B&B bringen, von wo aus wir die erste Etappe des Küstenpfades erwandern werden.

    Wenn Ihr Lust habt, könnte Ihr über unsren täglichen, kleine Bericht mit dabei sein.

    In Vorfreude- Cornische Grüße von
    Befurts und Antoschs

    Photos & Videos

    Comments

  • 03Sep 2019

    2 Von St. Ives nach Zennor 09/03/2019 United Kingdom —

    Zennor, United Kingdom

    Description

    Anreisetag und erster Abschnitt Küstenpfad

    Unser Flug ging von Salzburg am Montag um sieben Uhr in der Früh und Berni und Erika nutzen den Service, der es ihnen erlaubt, ihre Koffer am Vorabend schon einzuchecken.
    Wenn die erst mal aufgegeben waren, wäre eine Hürde geschafft, denn Berni hatte große Mühe das Gewicht seines Koffers unter 23 Kilo zu bringen. Da wurde Wäsche von ihm in Erikas Koffer verstaut und manches wanderte komplett zurück in den Schrank, dabei hatte er – so wie er fand – wirklich nicht viel eingepackt. Irgendwann war er dann unter das Limit von 23 kg gerutscht. Erika war nicht sehr begeistert, dass ihr Koffer jetzt beinahe 15 Kilo wog, denn eigentlich reist sie mit 2 Oberteilen, einer kurzen Hose, ihrem geliebten Angora Pullover (für alle Fälle) und einer Zahnbürste. Na ja, diese Reise ist mit Ehepartnern und da muss man wohl Opfer bringen.

    Am Flughafen wurden die beiden Koffer auf die Waage gehievt und die digitale Gewichtsangabe zeigt einmal 12 und einmal 8 Kilo an!? Hätten Sie bemerkt, dass die Kofferwaage zuhause auf Pfund statt auf Kilo eingestellt war, hätte man eine Unterhose mehr mitnehmen können....

    Beim Packen im Hause Antosch lief es reibungslos ab bis auf Jörgs Frage ob er wohl Steine im Koffer transportieren dürfe!? Gab es da ein finsteres Geheimnis im Leben meines Mannes, das ich nicht kannte? Dann zeigt er mir, was er in seiner Hand fest umschlossen hielt: Ich habe ihm von meiner letzten Cornwall Reise einen kleine blauen Stein mitgebracht auf dem „Sandy toes and salty kisses“ stand, und ihm gesagt, dass es schön wäre, wenn wir Cornwall einmal zu Zweit erleben würden – und nun war es so weit. Mit so was bringt er meine Augen zum Leuchten – nach über 30 Jahren Ehe.

    Am Montag Morgen sind wir nicht mit wehenden Fahnen beim letzten Aufruf zum Gate gelaufen, weil unsere Männer dabei waren. Pünktlich, ohne Stress haben wir eingecheckt, durch die Sicherheitskontrolle und ins Flugzeug – sehr ungewöhnlich.

    Der Anreisetag ist immer lange und anstrengend und wir sind froh, als wir nach 13 Stunden endlich in St. Ives in unsrem ersten B&B einchecken und uns auf den Weg in ein Restaurant unten im Hafen machen. Das Essen ist gut und wir wollen danach eigentlich nur noch ins Bett. Und so sind Erika und ich plaudernd zurück zum B&B. Wir hatten weder den Namen der Gastgeber noch deren Adresse, aber wir haben eine tiefsitzende Überzeugung, dass unsere Füße – ähnlich wie Pferde es können, den Weg alleine heim finden. So hatte das ja auch die letzten drei Cornwallreisen funktioniert! Klar haben wir uns täglich mehrmals verlaufen, aber gibt es eine andere Art zu reisen überhaupt?
    Berni hat uns energisch darauf hingewiesen, dass wir in die falsche Richtung gehen und wir konnten nicht glauben, dass es ein richtig und falsch überhaupt gab. Aber wir sind ihm nach und waren tatsächlich in wenigen Minuten da und im Bett – sehr ungewöhnlich.

    Nach einem viel zu üppigen Frühstück und viel lustigem Geplauder mit der Wirtin machen wir uns heute auf den Weg. Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute, weil das die Strecke ist, die ich vor fünf Jahren fast nicht überlebt habe. Über 30 Grad, eine Stunde von Carbis Bay nach St. Ives und zwei Stunden in St. Ives vertan, bevor wir damals überhaupt auf den Küstenpfad kamen. Nach 4 Stunden Wandern damals und einem Sonnenbrand mangels Sonnencreme und einem Sonnenstich mangels Sonnenhut marschierte ich die letzten 2 Stunden des Wegen nur noch im Überlebensmodus. Ich habe ausführlich in einem Blogeintrag darüber berichtet.

    Diesmal würdigen wir St. Ives nur mit ein paar flüchtigen Blicken. Unsere Männer lassen sich auch nicht für die britischen Schaufensterdekorationen begeistern, klatschen nicht beim Gekreische der Möwen in die Hände und rufen sich nicht unentwegt „wie herrlich ist es hier“ oder „schau dort“ oder „hast du das gesehen“ zu, wie wir Schwestern das tun.
    Also sind wir unmittelbar nach dem Verlassen des B&B’s auf dem Küstenpfad –sehr ungewöhnlich.

    Es hat um die 25 Grad und die Brandung des ägäis-farbenen Meeres, der strahlend blaue Himmel, der von wattebauschweißen Wolken durchzogen ist, der leuchtend gelbe Ginster, das rosa strahlende Heidekraut und dazwischen die reifen, süßen Früchte der Brombeersträucher machen den Weg so einladend wie nur irgend möglich. Wir verlaufen uns nicht, weil Berni uns anführt und außer um ein paar Fotos zu schießen oder zum Pflücken von Brombeeren gibt es die ersten 3 Stunden keine Pause. Wir sind nicht wie letztes Mal in lebensmüden Übermut hinter bis zum Meer geklettert, haben einander nicht mit endlosem Wiederholen der gerade erlebten Eindrücke und dem entzückten Bestätigen eben dieser gerade gemeinsam erlebten Eindrücke genervt und kommen tüchtig voran. Erika und ich reden aber viel davon, dass wir unbedingt die Nordküste Cornwalls bald erwandern wollen – wir vier Schwestern. Unser tiefes Verlangen nach ungeplantem Abenteuer macht sich so Luft, für uns – nicht sehr ungewöhnlich.

    Nach insgesamt 5 Stunden Wegezeit erreichen wir Zennor zu so ungehörig früher Tageszeit, dass wir auf einen Kaffee einkehren müssen, weil es zum Einchecken noch zu früh ist – sehr ungewöhnlich.

    Das B&B liegt natürlich weit außerhalb des Ortes am Ende einer langen nach OBEN gewundenen Straße.

    Wenn wir gestern in St. Ives auch sehr stilvoll untergebracht waren, kann es mit dem Cottage in dem wir heute sind, nicht mithalten. So etwas ursprünglich cornisches, so etwas geschmackvoll dekoriertes, so einen Inbegriff vom cornischen Cottage haben wir noch nicht erlebt.

    Wir gehen am Abend noch runter ins Dorf zum Essen – das auch deutlich besser war als gestern in St. Ives – erlauben uns unseren geliebten Cider und sind müde aber glücklich in unsren Zimmern und lassen den Tag ausklingen.

    Morgen erwartet uns ein deutlich längerer Abschnitt am Küstenpfad als heute und Berni und ich trösten uns damit, dass wir – wenn wir es wollten – morgen den Bus nach Cape Cornwall nehmen können, sobald unsere Kräfte nach vielen Stunden Wandern am Ende sein sollten. Erika versteht unsere Bedenken nicht und meint, wir brauchen das Wissen um den Bus nur mental, und würden die Strecke morgen schon schaffen.

    Es ist noch nicht 22 Uhr und der Blogeintrag ist fertig – sehr ungewöhnlich.

    Wind und Wogen bewegte Grüße aus Cornwall
    Befurts und Antoschs

    Photos & Videos

    Comments

  • 04Sep 2019

    3 Von Zennor nach Cape Cornwall 09/04/2019 United Kingdom —

    St Just, United Kingdom

    Description

    Von Zennor nach Cape Cornwall

    Was für eine unglaublich schöne Nacht wir in dem stylischen, kleinen Cottage hatten! Das weiße Sprossenfenster, das wir zum Öffnen nach oben schieben, lässt den Wind mit seinem stürmischen Brausen die schweren Leinevorhänge bewegen. Die Zimmertür schlägt im Rahmen bei jedem Windzug, so dass Jörg die Tür mit einem kleinen Keil verspreizt, weil das Rütteln an den Fensterscheiben genug kleine Nachtmusik ist. Ich liebe diese Geräusche und schlafe wie ein sattes Baby.

    Das Frühstück wird uns im Wintergarten serviert und wieder ist das, was uns aufgetischt wird, viel zu viel. Rührei, Porridge, Obst, Toast, salzige Butter und selbstgemachte Marmeladen. Auf ein full english breakfast haben wir sowieso verzichtet.

    Sue, unsre B&B Betreiberin bietet an, uns die zwei Meilen bis zum Küstenpfad mit dem Auto zu bringen und weil der heutige Tagesmarsch sowieso schon auf 18 km veranschlagt ist, nehmen wir herzlich an. Im Auto frage ich Sue, ob sie - alleinstehend in dem Cottage mitten im Moorland - nicht manchmal Angst hat, vor Agatha Christie Mördern zum Beispiel. Sie sagt, eigentlich hatte sie nie Angst, aber jetzt ist sie nicht mehr sicher. Wir lachen herzlich und plaudern angeregt, bis sie uns am Küstenpfad austeigen lässt.

    Das Wetter ist windig, aber sonnig und wir legen gutgelaunt los. Wir überlegen, ob wir in Pendeen den Bus nach Cape Cornwall nehmen, aber wir wollen abwarten, wie es uns geht, wenn wir erst dort sind. Der Küstenpfad führt uns in gleichbleibenden Rhythmus tief zur Küste hinab und wieder steil auf das Plateau der Landzungen hinauf. Wir marschieren tüchtig, aber der kühle Wind vom Meer her macht es leichter. Nach vielen traumhaften Buchten und dem ständigen Geräusch der Wellen, wie sie an den Felsen brechen, erreichen wir nach 5 Stunden den Punkt, an dem wir in das Städtchen Pendeen hinein spazieren könnten, um den Bus zu nehmen. Aber zuerst setzen wir uns und verzehren hungrig jeder einen Powerriegel und einen halben Apfel. Irgendwie größenwahnsinnig vom gestrigen Erfolg, beschließen wir, dass es bis Cape Cornwall nicht mehr soweit sein kann und wir unbedingt – wie gestern – die Strecke ohne die Hilfe öffentlicher Verkehrsmittel schaffen wollen.

    Berni marschierte nach dem Motto „Das ist der Rhythmus, mit dem ich mit muss“ und hängt Jörg und mich leicht ab, wartet aber regelmäßig auf uns und nutzt die Zeit, bis wir eintrudeln, zum Fotografieren. Erika, geübt kleine Kinder über lange Strecken zum Gehen zu bewegen, bleibt immer wieder mit uns zurück, damit wir vorankommen. Dann aber will sie auch Berni nicht alleine wandern lassen, holt auf und geht einige Meilen mit ihm, bis sie sich unser wieder erbarmt und sich unsrem gemächlichen Tempo anpasst. Sie hat die Ausdauer und den Hütesinn eines Australischen Shepherds.

    Für Erika und Berni war es kein Problem die letzten Meilen des heutigen Tages zu bewältigen. Ich habe mir aber kurz nach unsrem Entschluss weiterzumachen, irgendwas am Knie gezerrt und bergab gehen war eine schmerzhafte Qual. Jörg hatte in oben erwähnten Cottage nicht wie ein Baby geschlafen und war ziemlich am Ende seiner Kräfte. Als nach sechs Stunden klar wird, dass wir noch eine Stunde weitergehen müssen, um an unser Ziel zu kommen, stand Jörg und mein Entschluss fest, dass wir die restliche Tour begehen, wie wir Schwestern sie ursprünglich begangen haben: Nach spätestens vier Stunden, werden wir in Dörfern tea and scones genießen, durch Galerien bummeln und das letzte Stück mit dem Bus fahren!

    Als wir nach sieben anstrengenden Stunde im Golfclub Hotel einchecken, tut mir jede Faser eines jeden Muskels weh und Jörg ist von der Sonne ganz verbrannt im Gesicht. Ich gehe unter die heiße Dusche, Jörg nimmt zwei Aspirin und etwas aufgerichtet, lassen wir uns im Hotelrestaurant verwöhnen. Dicke blutige Steaks – nicht für mich, meines ist medium well done – ordentlich viel Cider und ein Ausblick auf das Cape, an dem vor unsren Augen die Sonne im Meer versinkt, haben uns mit der heutigen Mörderstrecke versöhnt.

    Nun liegen wir in unsren Zimmern, die einst Stallungen waren und bezaubernd umgebaut und liebevoll dekoriert sind. Die Angst der Briten vor Strom und Wasser im selben Raum ist ja sprichwörtlich, darum kann man sich in einem englischen Bad auch nie die Haare föhnen, aber hier wird diese Kunst auf die Spitze getrieben. Berni, der auch bereit war, vor dem Essen unter die heiße Dusche zu springen, versucht verzweifelt, dem komplizierten „Knöpfe drücken System“ bis endlich Wasser aus dem Duschkopf kommt, auf die Schliche zu kommen. Aber wie er es auch dreht und wendet (im wahrsten Sinn des Wortes) da fließt kein Wasser. Da hilft alles nix. Nochmal rein in die Klamotten und an der Rezeption nachfragen, wie die Zauberformel für die Dusche lautet. Tatsächlich ist es ein weiterer Schalter außerhalb vom Bad, den man umlegen muss, damit man im Bad an Wasser kommt. Was für ein Tag!

    Aber morgen wollen wir es schaffen, dass alle auf ihre Kosten kommen. Erika und Berni können ab Sennen wirklich Gas geben und Jörg und ich werden dort den heimischen Leckeren frönen und erholt per Bus im nächsten B&B in Porthcurno eintreffen. Das ist der Plan – wir werden sehen, was der Tag morgen alles bringt.

    Unendlich dankbar, dass morgen unser Weg endlich an die Südküste führt, Das Wetter ist milder dort, die Buchten sandig und die tea-rooms und Galerien einladend.

    Erschöpfte Grüße aus Cornwall
    Befurts und Antoschs

    Photos & Videos

    Comments

  • 06Sep 2019

    4 Von Cape Cornwall nach Porthcurno 09/06/2019 United Kingdom —

    Porthcurno, United Kingdom

    Description

    Von Cape Cornwall nach Porthcurno

    Der Plan für heute lautet erst mal, dass wir gemeinsam nach Sennen bei Land´s End wandern, dort fish and chips oder pasties essen, die kleinen Galerien im Ort besuchen und Erika und Berni danach nach Porthcurno weiterwandern, während Jörg und ich den Bus oder ein Taxi nehmen.

    So besprechen wir das noch einmal bei einem ausgiebigen Frühstück und machen uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg. Die Luft ist klar und salzig, die Wiesen saftig und grün, das Meer wild und tiefblau und das alles legt sich als zauberhafte Stimmung auf unsre Herzen. Wir nehmen ein Selfie vor einem beeindruckenden Manor House in Cape Cornwall und los geht’s! Das mit dem Selfie müssen wir noch üben, denn Erika verschwindet hinter Berni, Jörg versucht sich die Kapuze vom Kopf zu ziehen, während Berni das Gesicht verzieht, weil ihn die Sonne blendet. Ich – so finde ich – bin gut getroffen, darum kommt das Bild auch in den Blog. Aber hallo, einen kleinen Vorteil wird es wohl geben dürfen dafür, dass ich bis spät in die Nacht sitze und unsre Reiseerlebnisse festhalte!

    Das Knie, in dem ich mir gestern irgendein Band gezerrt habe, schone ich heute, nur um nach 2 Stunden festzustellen, dass mir jetzt das andere dafür weh tut. Bergauf gehen ist super, geradeaus gehen ist o.k., nur bergab gehen tut richtig weh. Berni’s Blase macht sich besonders beim bergauf gehen bemerkbar und so sind wir mal von ihm und mal von mir gebremst, wobei seine gebremste Geschwindigkeit meine ungebremste weit übertrifft. Seit gestern versuchen ich und Erika ihm eins von unsren Zauberpflastern anzudrehen, aber er findet, dass es das nicht braucht. Ich habe unheimlich schöne Erinnerungen an diese Pflaster. Bei unsrer ersten Tour habe ich mich am ersten Tag schon wundgelaufen, sodass ich am Abend offene, blutige Stellen an den Füssen hatte. Schmerzhaft und berührungsempfindlich, was beim Wandern durchaus ein Problem sein kann. Als ich damals die Pflaster auf eben jene wunden Stellen klebte, war der Schmerz weg und das mit Schmerzmitteln gefüllte Gelpolster hielt den Druck der Wanderschuhe fern - in Sekunden. Darum der Name. Heute hat Bernie nach 2 Stunden Marschieren seine Schmerzgrenze erreicht und ist bereit, sich eins unsrer Zauberpflaster andrehen zu lassen. Als er den Socken vorsichtig vom Fuß streift, ist da eine tiefe offene Stelle in der Haut. Vorsicht lässt er sich von mir das Pflaster über die wunde Stelle kleben und vorsichtig verbinde ich die Ränder mit der gesunden Haut. Socken drüber, rein in den Schuh und weitermarschiert. Vorwurfsvoll fragt er uns, warum wir ihm nicht schon früher gesagt haben, dass das Zauberpflaster Wunder wirken kann. Männer!

    Nach drei Stunden auf dem Küstenpfad, der heute bei weitem gemütlicher verläuft, erreichen wir Sennen. Das kleine Küstenstädtchen ist ein beliebtes Mekka für Surfer von überall her und der Sandstrand verlockt uns, zu den Wellen hinab zu spazieren. Jörg ist begeistert vom Tosen der hereinbrechenden Wellen und Erika zieht sich ihre Schuhe aus, um ihre Füße von eben diesen umspülen zu lassen. Hier bei Land’s End ist die Wendung von der Nord-, zur Südküste Cornwalls und wir freuen uns auf die nächsten sanften Abschnitte. Sandige Buchten, kleine shops, tea-rooms, Galerien und Pubs. Berni genießt zwar das Wandern und trotzdem strahlt sein Gesicht nur, wenn uns auf dem Küstenpfad jemand begegnet und er ein paar Worte mit ihnen wechseln kann. Er lacht und scherzt in den shops, beim cornish ice-cream kaufen und im pasty Laden. Er gehört eindeutig zu den people-people. Darum gefällt ihm auch der heutige Abschnitt und die Strecke, die uns in den kommenden Tagen erwartet, besser, als die Küstenpfadabschnitte bisher – landschaftlich zwar beeindruckender als der Süden, aber eben auch einsam und stellenweise karg.

    Heute essen Erika und ich endlich unsre geliebten pasties – auch wenn sie nicht die besten waren, die wir in Cornwall bisher gegessen haben. Ursprünglich sind diese pikant gefüllten Teigtaschen als lunch für Zinnminenarbeiter unter Tag entstanden. Am breiten Teigrand konnten die Minenarbeitern das pasty mit den von giftigen Stoffen verschmutzten Fingern halten und die Teigtasche essen und den Rand dann wegwerfen. Zumindest war ihnen im 18. Jahrhundert schon soviel klar, dass sie die Spuren des Zinnes nicht noch essen sollten. Heute kann man die Ränder mitessen.

    Berni und Jörg essen - schon wieder – fish and chips. Weil Bernis Augen vom salzigen Wind brennen und wir von unsrem Reiseanbieter hören, dass Gurkenscheiben auf die Augen gelegt, da Wunder wirken, fragen wir kurzentschlossen im Fish und Chip Laden nach 2 Scheiben Gurken, die er sich dort gleich dankbar und ungeniert auf die Augen drückt. Man kennt uns dort nicht.

    Danach gönnen sich die Männer cornish ice-cream. Sie erklären uns - allerdings nicht sehr glaubhaft - wie enttäuscht sie sind, dass sie uns wegen der Eiskugeln nicht in die Galerien begleiten können.

    Ich werde dort für meine kleine Enkelin zuhause fündig und Erika kauft sich wieder Karten. Die sind wirklich nirgends so hübsch und ansprechend wie in England.

    Jetzt machen wir uns wieder auf den Weg und der Küstenpfad führt uns nach Landsend. Kaum eine halbe Stunde unterwegs ist der Schmerz in meinem Knie so intensiv, dass für Jörg und mich feststeht, dass ich nach Porthcurno mit dem Taxi oder Bus fahre. Nachdem es mittlerweile schon halb vier ist, schließen sich Befurts uns an und ein Taxi bringt uns in knapp 10 Minuten zu unsrem heutigen B&B. Zu Fuß wären es für einen unverletzten Wanderer noch einmal 2 Stunden gewesen.

    Erika und ich freuen uns auf Chris – unsren heutigen host – weil wir genau hier vor 5 Jahren schon einmal untergebracht waren und viele lustige Erinnerungen daran haben.
    Er erkennt uns nicht, ist aber höflich genug auf Erikas Erzählen von unsrem letzten Aufenthalt bei ihm mit einem „welcome back again“ zu reagieren. Unsre Zimmer sind einladend, der Ausblick wunderschön und die Bestellungen für das Frühstück morgen aufgegeben.

    Wir bitten Chris uns wieder Plätze in dem naheliegenden Pub zu reservieren, in dem wir damals so unglaublich gut gegessen haben. Erika hatte noch nicht genug Wanderzeit heute und darum fragt sie nach dem Fußweg dorthin. Und weil wir nicht auf Berni hören wollen auf unsrem Weg, bei dem wir über Felder und Wiesen stolpern und über Steige klettern müssen, verlaufen wir uns zweimal, bevor wir endlich beim Essen sitzen.

    Das Pub ist ein uriger Ort cornischer Gemütlichkeit mit dunklen niedrigen Deckenbalken, großer, offener Feuerstelle und köstlichem Essen. Erika und ich trinken wieder unsren geliebten Cider und weil Erika ihn zu schnell als Durstlöscher runterkippt, ist sie angesäuselt und übermütig und möchte jetzt nachts wieder über die Felder zurück zum B&B marschieren. Wir geben ihrem mit Kichern unterlegtem Drängen nach. Nachdem wir uns in den ersten fünf Minuten aber schon zweimal verirren, kehren wir zum Pub zurück und rufen ein Taxi.

    Ich frage den Taxifahrer wie viele Stunden der Küstenabschnitt morgen umfasst, wenn man von eher unsportlichen Wanderern ausgeht. „Seven to eight hours“ war seine kurze ernüchternde Antwort. Daran brauche ich nicht einmal im Traum zu denken. Ich erkläre ihm, dass ich mich dann wahrscheinlich nach Mousehole bringen lasse, mit Jörg diesen bezaubernden Hafen genießen und die letzten zwei Stunden nach Penzance gehen werde. Der freundliche Taxifahrer findet das vernünftig und drückt Berni seine Karte in die Hand. Pragmatisch, hilfreich und schlicht.

    Wir sind gespannt, was der morgige Tag bringt und halten Euch auf dem Laufenden.

    Mit angesäuselten Grüße aus Cornwall

    Befurts und Antoschs

    Photos & Videos

    Comments

  • 06Sep 2019

    5 Von Porthcurno über Mousehole nach Penzance 09/06/2019 United Kingdom —

    Penzance, United Kingdom

    Description

    Von Porthcurno über Mousehole nach Penzance

    Wir erwachen heute unter einem grauen, bewölkten Himmel, sind aber guter Dinge. Wir sind die ersten an Chris’ riesigen Frühstückstisch in seiner gemütlichen Landhausküche. Er selbst steht am großen grünen Aga und bereitet nach Gästewünschen das Frühstück zu. Es gibt heißen, süßen Porridge, ham and eggs, corny toast und salty butter für uns. Kaffee und Tee in großen Kannen und einen traumhaften Ausblick aufs Meer.

    Nach und nach purzeln all die anderen Gäste nach unten und es gibt keine freien Stühle mehr um den Tisch. Wir plaudern mit zwei Frauen, die wie wir den Küstenpfad erwandern, aber ganz anders sind, als unsere zwei Kampfwandertanten bei unsrer ersten Reise.
    Diese beiden hier stimmen uns zu, dass der heutige Abschnitt zu lange und zu anstrengend ist, wenn nicht gar gefährlich, weil es doch noch regnen anfangen wird. Wir erläutern ihnen unsren Plan, heute das Minack Theatre und das Telegraphen Museum in Porthcurno zu besuchen, danach das Taxi nach Mousehole zu erwischen und von dort die knappen 2 Stunden nach Penzance zu spazieren. Man konnte ihnen ansehen, dass sie uns für unserer kühne Raffinesse bewundern – einfach die vorgegebenen Tagesrouten ändern – hat man davon schon gehört?! Mit einem trotzigem: “Wandern ist ja gut, aber Urlaub muss ja auch sein!“ haben wir die beiden auf unsere Seite gezogen.

    Das Minack Theatre ist ein in den Felsen gearbeitetes Theater, das eine Frau namens Rowena Cade mit ihrem Gärtner und einem lokalen Handwerker über ein Leben lang gebaut hat. Sie konnte 3 Menschen in ihre Vision hineinziehen und bis heute wird ihr Theater von jährlich 1 Million(!) Menschen besucht. Die Visionen hängen hier anscheinend in der Luft, denn auch ein gewisser Marconi hat hier die erste drahtlose Telegraphieverbindung über den Atlantik realisiert.

    Nachdem am Vormittag keine Vorstellung läuft, besuchen wir das Minack Theatre vor allem wegen seiner atemberaubenden Lage und genießen den Ausblick auf die Bucht von Porthcurno.

    Während wir die paar Meter zum Telegraphen Museum gehen, fängt es an zu nieseln und wir flüchten gerne in die Ausstellungsräume. Die Geschichte der Telegraphie – besonders in Verbindung mit ihrem Zweck während des zweiten Weltkrieges ist hoch interessant aber auch beschämend, weil die Telegraphen Station genau wie alle im Land gegen unsre Streitkräfte geschützt werden mussten. Und so dankbar wir sind, dass es lange her ist, soll es uns auch mahnen, dass wir – im Kleinen wie im Großen - Frieden stiften wollen.

    Wir rufen ein Taxi und werden gemütlich nach Mouslehole (sprich *Mausl*) gebracht. Wir lieben diesen kleinen Hafen mit seinen shops und eateries, aber das Wetter ist trüb und der Hafen und die Ladenbetreiber wirken müde. Die Hauptsaison ist vorbei und die letzten, späten Touristen, wie wir, werden nicht mehr ganz so euphorisch behandelt, wie jedes Jahr die Besucher zu Beginn einer neuen Saison.

    Wir kehren auf „soup of the day“ ein – etwas das man in jolly, old England immer bestellen kann – und machen uns auf den Weg nach Penzance. Der Weg führt die Landstraße entlang und hat nichts vom Abenteuer und der Schönheit des Küstenpfades, aber den werden Berni und Erika und noch einige Tage ausgiebig genießen und Jörg und ich haben nur noch einen Tag Aufenthalt in Penzance bevor es nach Hause geht.

    Wir checken im Keigwin House ein und werden von der B&B Betreiberin empfangen, wie die ersten Touristen einer neuen Saison, der Himmel klart auf, die Sonne strahlt und wieder ist es Cornwall, wie ich es kenne.

    Erika und Berni machen die Stadt unsicher, während Jörg und ich uns im Zimmer ausruhen. Wir haben morgen Zeit Penzance und seine Gassen zu erkunden, während Erika und Berni sich weiter auf dem Küstenpfad vorwärts kämpfen. Es erwartet sie eine Wanderstrecke von 23 km und ich bin sicher, die beiden werden das mit Bravour meistern.

    Wir treffen uns abends in der Lobby und flanieren durch den nächtlichen Hafen und kehren in ein uriges Pub ein. Der Raum, die Stimmung, die Leute und das Essen sind der Inbegriff von cornischem Leben. Ich genieße es in vollen Zügen und schaue der morgigen Trennung wehmütig entgegen.

    Nun liegen wir selig in unsren Betten und der Wind, die Wellen und die Möwen liefern uns den Stoff aus dem unsre Träume heute sein werden.

    Nächtliche Grüße aus Cornwall
    Befurts und Antoschs

    Photos & Videos

    Comments

  • 07Sep 2019

    6 Von Penzance über Marazion nach Porthleven 09/07/2019 United Kingdom —

    Porthleven, United Kingdom

    Description

    Von Berni:
    Von Pencanze nach Porthleven

    Nach einem guten Frühstück mit frischen Früchten, Spiegelei mit Toast und Tee ohne Milch ging es weiter.
    Zuerst mussten wir aber noch in die Stadt, um meinen am Vorabend gekauften Lambswool Pullover die Sicherheitsmarke entfernen zu lassen. Hat uns eine gute halbe Stunde gekostet. Natürlich war ich verärgert und wollte das auch entsprechend der Verkäuferin gegenüber kundtun. Es war aber nur eine ältere Dame im Geschäft und ich konnte meinen Ärger natürlich nicht an ihr auslassen. Nachdem ich mit Nachdruck nochmal auf die verlorene Zeit hingewiesen habe, hat sie sich höflich entschuldigt und mir einen guten Tag gewünscht. Das war erledigt und wir konnten unseren Marsch beginnen.

    Zuerst ging es nach St.Michael’s Mount. Dort angekommen haben sich unsere Wege getrennt. Tina und Jörg gingen zurück, da sie morgen wieder nach Hause fliegen. Erika und ich mussten weiter. Es lag ein langer Weg vor uns. Kurz nach St.Michael’s Mount wussten wir nicht weiter und schauten uns hilfesuchend um, um die Wegbeschreibung - der Pfad ist durch eine Eichel gekennzeichnet - zu finden. Ein einheimischer Autofahrer hat uns geholfen und den rechten Weg gewiesen. Nach Austausch von woher, wohin und wo wir denn herkommen, haben wir uns mit einem guten Gefühl verabschiedet. Der Weg war im Vergleich zu den vorhergehenden Tagen moderat. Vorerst! Keine so steilen Auf- und Abstiege wie bisher machte es uns relativ leicht, ein gutes Tempo zu gehen. Natürlich blieb auch genug Zeit, um die Gegend zu bewundern. Faszinierende Buchten, nette Häuser, sanfte Hügel begleiteten uns den ganzen Weg. Es gibt vermehrt Sandstrände, wo man gerne zum Baden verweilen möchte. Bei gefühlten 17 Grad nicht wirklich angenehm. Viele Einheimische tummeln sich an den Stränden und schwimmen sogar in dieser Kälte. Dies lässt mich eine Theorie aufstellen: Engländer sind wahrscheinlich deshalb so blass, weil das kalte Wasser die Bräune runter friert.
    In Praa Sands haben wir im Strand Café eine soup of the day zur Stärkung gegessen. In Begleitung eines Ciders natürlich. Jetzt hatten wir schon etwas mehr als die Hälfte unseres Weges hinter uns. Es haben uns noch ca 6,5 km erwartet. Die haben sich noch gezogen wie ein Strudelteig. Unser Führer beschreibt den Gesamtweg mit 23 km und den letzten Teil mit steilen Anstiegen. Mit den Anstiegen hat er unbedingt recht. Bei den Kilometern muss er sich vertan haben, da wir 27,2 km gegangen sind. Apple macht’s möglich.

    Etwas erschöpft und doch gut gelaunt sind wir in unserem b&b angekommen. Wir wurden von Bridget sehr freundlich empfangen und aufgenommen. Insgesamt ein langer Wandertag von 9:15 bis 17:45. Wir freuen uns jetzt auf das Pub für den Abend. Erika und ich wünschen Euch einen schönen Abend und ihr bekommt morgen wieder einen Bericht.

    Übrigens soup of the day ist meistens eine Karottensuppe mit Brot und Butter und eher ein dünner Brei als Suppe.
    Noch ein übrigens: Am Weg triffst Du auch andere Leute, die Du dann begrüßt. Entweder mit „Hallo“, “Hi“, „Good Morning“ oder “Good Afternoon“, was meist auch freundlich erwidert wird.

    Photos & Videos

    Comments

  • 08Sep 2019

    7 Von Porthleven nach Lizard 09/08/2019 United Kingdom —

    Lizard, United Kingdom

    Description

    Von Berni:
    Von Porthleven nach Lizard Sonntag 8.9.2019

    Nach einer angenehmen und ruhigen Nacht und das, obwohl sich unser B&B direkt neben der Straße befand, wurden wir mit einem sehr schönem Frühstückstisch verwöhnt. Liebevoll angerichtete Grapefruits, die herrlich süß schmeckten und jeweils ein extra Teller mit Himbeeren, Kiwi und Melonen. Unsere Gastgeberin ist die Gattin eines Lobster Fischers, der täglich um 5 Uhr aus dem Haus zur Arbeit fährt. Ihr Sohn ist ebenfalls Fischer. Der jedoch fängt Krabben. Davon hat Erika gestern eine gegessen. War sehr gut.

    Kurz nach neun Uhr sind wir dann in das nächste Pfadabenteuer gegangen. Da heute Sonntag ist, sieht man um diese Zeit nur wenige Gassigeher. Gassigeher sind Menschen, die ihre Hunde draußen begleiten und obwohl hier hohe Strafen auf Nichtentfernung der Hundehaufen stehen, und die von erwähnten Gassiegehern nicht entsorgt werden. Dies ist ärgerlich, da die Wege rund um die Orte dadurch nicht schöner werden. Jetzt kommen Erika und ich schön langsam in unser Gehtempo. Wir gehen an sanften Hügeln, mehreren Stränden und doch auch wieder ziemlich ansteigenden Pfaden entlang. Auf diesem Weg treffen wir wenige Leute. Vereinzelt sehen wir Schafe und Kühe auf der Weide. Ein herrliches Bild. Plötzlich sehen wir auf den Hügeln viele Menschen, die etwas mitziehen oder schieben. Hey, mitten in der Wildnis ein Golfplatz. Doch dies sollten nicht die einzigen Sportler sein, die wir heute treffen sollten. Es gab ein paar Jogger, Reiter und Mountainbiker. Ich würde hier am Küstenpfad nicht unbedingt mit dem Rad unterwegs sein. Für mich zu gefährlich. Leichte Absturzgefahr. Eine Gruppe der Mountainbiker hat uns in einer Kurve überholt und in der nächsten konnte ich einen Gestürzten aus dem Gebüsch, hauptsächlich stechender Ginster, herausziehen. Er war bis zum Kopf in dem Gebüsch und hätte alleine nicht heraus können.

    Nach weiteren ruhigen Meilen haben wir uns entschieden, den path früher zu verlassen und für den Rest einen Bus zu nehmen. Dafür hab ich das Städtchen Mullion ausgewählt. Da wir nach 15 km doch durstig waren und auch etwas Hunger hatten, suchten wir ein Pub. Zufällig dasselbe indem Erika mit ihren Schwestern bereits vor sechs Jahren Cider getrunken hatte. Er war auch diesmal köstlich. Die Bushaltestelle war leicht gefunden und der Bus sollte in einer Stunde 15 Minuten kommen. Auf der anderen Straßenseite fuhr gerade einer in die andere Richtung. Als dann „unser“ Bus kam, musste ich feststellen das wir den anderen nehmen hätten sollen. Ich hätte weinen können. Hier fahren am Sonntag die Busse nur alle zwei Stunden. Es blieb nichts anderes übrig, als ein Taxi zu rufen. Das hat dann zwar auch noch 20 Minuten gedauert, bis es uns abgeholt hat, aber wir waren dafür flott in unserem neuen B&B.

    Die Hausherrin hier hat uns bereits bei Ankunft kurz nach drei reingelassen. So brav und gut. Nun könnten wir nach einer kurzen Rast den Leuchtturm besichtigen. Das spart uns morgen viel Zeit. Der Leuchtturm hier ist der größte weltweit. Nicht wegen der Höhe des Turmes sondern der Größe der Anlage. Wir haben die Ausstellung besichtigt und sind dann in den Ort, um in einem Pub einen Tisch zu reservieren.

    So noch ein paar Worte zu unserem B&B. Unwahrscheinlich stilvoll eingerichtet. Für Gäste ein eigenes Wohnzimmer und Garten zur Benutzung. Ein Traum, den Tina leider nur auf unseren Fotos mitbekommen wird.

    So nun genug für heute - bis Morgen.

    Photos & Videos

    Comments

  • 09Sep 2019

    8 Von Lizard nach Coverack 09/09/2019 United Kingdom —

    Coverack, United Kingdom

    Description

    Von Berni:
    Von Lizard nach Coverack

    Heute Nacht hat es stark geregnet. Das haben wir auch durch die Wettervorhersage gestern schon mitbekommen. Es fällt schwer, bei Regen aufzustehen mit dem Wissen, dass du heute 17 Kilometer gehen musst. Es wäre besser ein lazy day gewesen. Bei dem am Vorabend ausgesuchten Frühstück, haben wir uns mit der Hausherrin und einem älteren Ehepaar, das hier auch untergebracht ist, gut unterhalten. Natürlich war das Thema hauptsächlich das Wetter und der Regen. Wie ich später feststellen konnte, hat die Wettervorhersage und Erika gegen den Regen verloren, denn nach Aussage der beiden sollte eigentlich um etwa zehn Uhr Schluss sein, aber der Regen hielt sich nicht daran und hat sich erst nach zwölf Uhr verabschiedet.

    Wir sind diesmal ein wenig länger beim Frühstück gesessen, weil es mich so gar nicht in die Nässe gezogen hat. Das Ehepaar hat uns essensmäßig sehr erstaunt. Nach üppigem Joghurt mit frischen Früchten kam das Englisch breakfast und dann haben sie noch zusätzlich Toast verlangt. Wow, was für einen Appetit doch manche in der Früh entwickeln.

    Um 9:30 Uhr haben wir es gepackt und mit Regenjacken verließen wir dieses wunderschöne Quartier, in dem bereits Oskar Wilde genächtigt hat. Diese Tatsache veranlasst mich, mehr zu schreiben. Vielleicht ist das Schriftstellergen auf mich übergesprungen – „Who knows?“, wie die Briten sagen.

    Ihr könnt euch vorstellen, dass an so einem verregneten Tag kaum wer am Küstenpfad unterwegs war. Nur einige Gassigeher wie immer, aber nicht wirkliche viele. Kaum hatten wir die ersten Meilen hinter uns, waren wir schon gut durchnässt. Zumindest bei den Hosenbeinen, da das Wasser von den Regenjacken nach unten läuft. Eh klar, oder? Ich war in Versuchung einen Neoprenanzug zu kaufen, um trocken zu bleiben. So ein Ding haben hier die meisten Leute, um schwimmen zu gehen oder auch Kajak zu fahren. Hält auch die Kälte des Wassers ab. Naja, wie vorher schon erwähnt, hat’s um 12 Uhr herum aufgehört. Der Wind blies stetig und hat uns langsam getrocknet.

    In Cadgwith sind wir schnell in ein Pub, um eine Kanne Tee zum Aufwärmen zu trinken. In einem kleinen Geschäft mussten wir dann einen Krabbentoast kaufen. Erika hat bei ihrer ersten Reise dort auch schon einen gegessen. Sechs Jahre lang hab ich davon hören müssen, dass es dort den besten zu kaufen gibt. Jetzt weiß ich es auch.

    Inzwischen ist auch die Sonne wieder freundlich aus ihrem Versteck gekommen. Es ist einfach viel schöner bei strahlendem Wetter zu wandern. Der Weg ist jetzt nicht mehr so anstrengend wie am Anfang. Dafür sind die Strecken länger. Naja, auf und ab muss man trotzdem teilweise noch gehen, nicht so oft dafür, aber wenn, dann aber hurtig ansteigend.

    Was wir noch herausgefunden haben und zwar in unserem heutigen B&B, ist, warum so viele Boote vor den Küsten und nicht in den Häfen anlegen. Meist sind es Frachtschiffe, die auf See auf die nächste Ladung warten. Das Stehen und Warten kostet dort nichts. Im Hafen müssten sie zahlen.

    So jetzt erholen wir uns ein wenig, bevor wir ein Pub suchen. Ja, meine nassen Socken muss ich auch noch trocknen.

    Ahoi! - bis morgen, wir sind hier ja an der Küste in einem kleinen Hafen.

    Photos & Videos

    Comments

  • 10Sep 2019

    9 Von Coverack nach Helford 09/10/2019 United Kingdom —

    United Kingdom

    Description

    Von Berni:
    Von Coverack nach Helford

    Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht könnten wir uns an einem feinen Frühstückstisch für den bevorstehenden Marsch stärken. Ein angenehmes Gespräch mit einem weiteren Ehepaar vertrieb die Zeit sehr rasch. Über das Wetter und die Aussicht für heute kamen wir zum Brexit. Langsam verstehe ich die Briten, warum sie aus der EU raus wollen. Das waren nicht die einzigen auf unserer Tour, die für den Brexit gestimmt hatten. Das gibt schon zu denken. Wer will, kann das ja mit mir zu einem späteren Zeitpunkt diskutieren.

    Auf unserem Weg heute waren wir eigentlich sehr einsam unterwegs. Kaum, dass wir jemanden getroffen haben. Seit Samstag ist es immer ruhiger geworden. Tina und ihre dauernden Kommentare gehen ein bisschen ab.

    Am Strand irgendwo haben wir einen älteren Mann getroffen, der die Nacht dort verbracht hatte und sich aufmachte, um ein Pub zu finden, in dem er Kaffee trinken kann.

    Laut waren die Jets der britischen Luftwaffe, die über uns brausten. Auch der Hubschrauber der Küstenwache störte die Ruhe und die herrliche Aussicht auf das Meer.

    Einfach fantastisch. In diesem Abschnitt hat sich die Küste verändert. Aber der Küstenpfad auch. Teilweise sind die Wege nicht zu erkennen und auch schlecht gekennzeichnet. Natürlich haben wir eine Extrameile hinter uns gebracht. Wir sind über einen Strand gegangen, mussten aber wieder zurück, um den Weg ins Landesinnere zu nehmen. Über die Klippen konnten und wollten wir dann doch nicht klettern.

    In Porthallow haben wir uns eine Suppe gegönnt. Ich eine Krabbensuppe und Erika eine soup of the day. Diesmal war es eine Erbsensuppe mit Minze. Eigenartig, aber nicht schlecht. Haben ja damals auch Asterix und Obelix schon gesagt, als sie Britannien besuchten.

    Unser Weg führt uns nach Gillan, wo wir die Fähre nach St Anthony nehmen. Die Flut war schon zu hoch, um zu Fuß diese Meeresenge zu überqueren. An einem Hinweisschild dort an der Überfuhr kann man einen Anruf machen, und sagen, dass mandie Fähre braucht, die dann auch gleich kommt. Ein weiteres Paar hat sich uns angeschlossen und wir konnten übersetzen. Der Skipper hat uns erklärt, wo man bei Ebbe zu Fuß geht. Wir haben durch die Fähre eineinhalb Meilen Fußweg gespart und so sind wir flotten Schrittes in Helford angekommen.

    Wir sind eine zweite Nacht in Coverack eingebucht und hatten am Morgen mit unserer B&B Betreiberin ausgemacht, dass sie uns um 17 Uhr wieder zurück nach Coverack holt. Da wir aber noch genug Zeit hatten, gönnten wir uns zuerst einen Cream Tea. Das ist eine Kanne Tee, zwei Scones, clotted cream und Marmelade. Schmeckte lecker.
    Die Schwiegertochter unserer Gastgeberin holte uns ab und brachte uns in einer schnellen, sicheren Fahrt zurück. Sie wird uns morgen wieder nach Helford bringen und wir können den Weg zu unserem letztes Ziel bewältigen: Falmouth.

    Jetzt genießen wir unser schönes Zimmer und relaxen, bis der Cider ruft.

    Bis morgen liebe followers!
    Übrigens freuen wir uns über eure likes oder noch besser über Kommentare eurerseits.

    Photos & Videos

    Comments

  • 12Sep 2019

    10 Von Helford nach Falmouth 09/12/2019 United Kingdom —

    Falmouth, United Kingdom

    Description

    Von Bernie:
    Von Helford nach Falmouth

    Ich bin euch den letzten Bericht unsrer Zeit in Cornwall schuldig geblieben. Aber mir war schon vorher klar, dass ich diesen im Zug nach London schreiben werde. Während der langen Reise hatte ich genug Zeit dafür. Am Vorabend des letzten Tages unsre Cornwall Tour auf unsrem Weg ins Pub konnten wir einen Seehund live beobachten. Das war der einzige, den wir so nahe gesehen haben.

    Am nächsten Morgen hat uns die Schwiegertochter unserer Gastgeberin mit dem Auto wieder nach Helford gebracht, dorthin, wo sie uns am Vortag abgeholt hatte. Und nun ging es von Helford nach Falmouth. Der Beschreibung unseres Führers nach sollten es ca. 14 Kilometer und ein leichter Spaziergang sein. Überraschenderweise war es das dann auch. Das Wetter war nicht wirklich berauschend, aber es hat zumindest nicht geregnet. Allerdings konnte man nicht weit sehen, da es am Anfang des Tages doch nebelig war und nieselte. Unser Weg führte uns an herrschaftlichen Landsitzen vorbei, über viele Waldwege und ständigem leichten Auf und Ab. So waren wir nach zweieinhalb Stunden reiner Gehzeit bereits bei unserem letzten B&B. Ausnahmsweise dürfen wir schon Einchecken, was in der Regel nicht vor 16:00 Uhr passieren soll. Diesmal waren wir schneller als unser Kofferservice, der erst 2 Stunden später unser Gepäck lieferte.

    In der Zwischenzeit haben wir Falmouth erkundet. Eine nette Hafenstadt, die von sehr vielen Touristen besucht wird. Aber um 17 Uhr schon klappen sie die Gehsteige hoch und das geschäftige Treiben ist jäh beendet. Der B&B Betreiber hat uns sein Lieblingspub empfehlen und Erika und ich genossen unsere letztes Dinner in Cornwall.

    Für den Abreisetag nach London haben wir schon alles vorbereitet, da unser Zug um 8:53 nach Truro geht. Haben wir pünktlich erreicht und dann auch den Zug nach London Paddington, wo unser nächstes kurzes Abenteuer wartet, weil wir noch zwei Tage in London bleiben werden.

    Das war ein kleiner Einblick in die Zeit, die wir am Küstenpfad entlang der cornischen Küste erlebt haben.

    Vielleicht bis zu einem nächsten Mal aus Cornwall

    Berni

    Photos & Videos

    Comments